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Occulta

• Feline, Criollo ♀

Stute | Schimmel

• Feline, Criollo ♀
Occulta, 2 Jan. 2018
Lye, Veija, Möhrchen und 2 anderen gefällt das.
    • Occulta
      Alte Berichte:
      Ankunft von Feline und Kauf von Panthera 31.12.2012

      Gleich nach dem ich das Mittagessen gehabt hatte, machte ich mich auf den Weg um ein weiteres Pferd abzuholen. Es handelte sich dabei um eine Criollo-Stute Namens Feline, die die Kumpanin von Moon werden sollte. Ausserdem musste ich noch den Kauf von Panthera regeln. Zunächst fuhr ich aber auf den Hof von Doggi10 und holte Feline ab. In der Kaufbeschreibung war noch ein Foto von ihr als Fohlen angegeben gewesen, aber mittlerweile war sie zu einer stattlichen Jährlingsstute herangewachsen. Als ich sie in den Anhänger lud, wollte sie erst nicht einsteigen. Es lag wohl daran, dass sie den Anhänger mit den Ständigen Besitzerwechseln verband. Mit viel Geduld und Ruhe brachte ich sie schlussendlich doch dazu, einzusteigen. In Pineforest Stable würde sie erstmal ein dauerhaftes Zuhause finden. Wieder zurück im Stall lud ich sie vorsichtig aus und brachte sie in die Box neben Moon. Später würde ich sie dann etwas auf dem Gelände herum führen.
      Nun ging ich zu Pantheras Box, wo ihr Besitzer schon mit dem Kaufvertrag wartete. Ich unterschrieb und wir redeten noch etwas, dann verliess er den Hof. Ich tätschelte der jungen Hannoveranerstute auf den Hals. Ich hatte sie schon ein paar Mal geritten, weil sie zur Ausbildung hier war und war begeistert von ihr gewesen. So begeistert, dass ich sie abkaufte. Am späteren nachmittag brachten die Angestellten die Pferde auf die Weiden. Wir auf Pineforest Stable hatten Pläne aufgestellt, welche Pferde zusammen auf die Weide durften. Es gab feste, kleine Herden. Zum Beispiel bildeten Iskierka, Felicita, Shadow, Ronja und Summer eine solche Herde.

      Alltag auf Pineforest Stable 05.03.2013

      Wie jeden Samstag stand ich früh auf und schlang mein Müsli runter, bevor ich dann in den Hauptstall lief und den Stallburschen beim Füttern half. Alle Pferde warteten schon ungeduldig und besonders Spot klopfte mit dem Huf gegen die Boxentür. Er bekam deshalb als Letzter sein Futter. Die Vollblüter im Hauptstall bekamen eine spezielle Futtermischung, die ihnen die nötigen Vitamine und Mineralstoffe für ihre Rennleistungen brachte. Diese Futtermischung schmeckte wohl auch besonders gut, denn wenn Pferde, die aus irgendeinem Grund gerade nicht im Rennsport tätig waren, stattdessen normales Futter, wie das der Nebenstall-Pferde bekamen, assen sie deutlich weniger und langsamer. Auch im Nebenstall wurde die Schubkarre mit dem Futter schon freudig erwartet und viele der Pferde „röchelten“ aufgeregt. Anschliessend brachten wir den Pferden auf den Weiden ihre Heu und Stroh Portionen, denn die bekamen wenn überhaupt nur wenig Getreidefutter. Es war schon recht warm an diesem Morgen und der Schnee war fast gänzlich geschmolzen. An manchen Stellen tauchten erste Frühlingsblumen auf und die Gräser begannen sich wieder aufzurichten. Auch die Luft roch nach Frühling und man hörte überall Vögel zwitschern. Da der geschmolzene Schnee die Weiden matschig werden liess, wurden Teile der Weiden zur Schonung des frischen Grases abgetrennt. Die Mini-Pferdchen waren immer süss anzusehen, wenn sie angerannt kamen, sobald der Futterwagen in Sicht war. Arco wieherte schon aufgeregt als wir die Weide betraten. Anschliessend liessen wir erstmal alle Pferde in Ruhe fressen, dann lief ich erneut zur Mini-Pferdchen Weide. Um neun Uhr kamen dann ein paar Kinder, die regelmässig am Wochenende mit den Mini-Pferdchen spielten und sie putzten. Ich blieb zuerst wie immer etwas dabei und half mit. Unsere Minis waren zwar allesamt super lieb im Umgang und sehr menschenbezogen, aber kommunizierten natürlich auch untereinander als Herde und dabei gab es öfter mal kleine Zankereien. Daki’s Nüstern durchstöberten schon wieder meine Hosentaschen nach Leckerlies und Chip versuchte gerade Goldy in den Hintern zu beissen. Ich packte sie am Ohr und ermahnte sie, denn solange die Kinder anwesend waren, hatte sie sich gefälligst zu benehmen. Arco und Prinz wurden separat geputzt, weil sie ja Hengstchen waren. Besonders an Diva’s knallrotem, flauschigen Winterfell hatten die Kids Freude. Die Minis sahen allgemein wie kleine Plüschkugeln aus. Bei Prinz kam man kaum noch durch den dichten Schweif; ein Frisör-Termin stand für alle an. Später am Morgen arbeitete ich mit Light und Stromer auf der Rennbahn, während mein Mann Spot und Sunday bewegte. Auch Felicita und Iskierka waren trainiert worden, allerdings schon am frühen Morgen. Am Mittag ritten ich und mein Mann gemeinsam mit Ronja und Burggraf aus. Der Boden war auf den Feldwegen recht gut, sodass wir auch viel galoppieren konnten. Auf den Feldern war es dafür allerdings zu matschig. Auf dem kleinen Gelände-Parcours in der Mitte der Rennbahn trainierten wir anschliessend noch etwas für die kommenden Distanzprüfungen. Beim Mittagessen liessen wir uns etwas mehr Zeit. Wir assen wie eigentlich immer mit allen Lehrlingen und Stallhelfern gemeinsam im Restaurant in der Halle. Dort wurde über den Tagesplan und die bereits verrichteten Arbeiten geredet, oder auch über allerlei sonstige Themen.
      Danach ritt ich mit Julia und Jonny, zwei der Helfer, auf den Aussenreitplatz. Ich ritt auf Flint, Julia auf Shadow und Jonny auf Summer. Wir stellten ein paar Stangen auf und bereiteten einen kleinen Western-Parcours auf. Während 45 Minuten trainierten wir diverse Bahnfiguren, Stops, Spins und vieles mehr. Flint war langsam richtig gut im Stoppen, er reagierte auf die feinsten Gewichtshilfen. Auch Summer machte gute Fortschritte, sie hatte allerdings ordentlich Winterfell, was das Westernpferde-Image ein wenig verfälschte. Sie sah lustig aus, wie sie mit all dem Teddy-Fell umher galoppierte. Shadow hingegen hatte sehr feines Fell und fror schnell, wenn sie gerade nicht bewegt wurde. Etwa um 3 Uhr nachmittags ritt ich mit Pilot in der Springstunde mit, die immer Samstags auch offen für Leute aus der Nachbarschaft war. Es kamen oft andere Leute mit ihren Pferden um in der grossen Halle zu trainieren. Einer der Helfer, Freddy, ritt mit Costa mit. Wir machten wieder mal Witze und lachten viel, alle waren fröhlich aufgelegt weil der Frühling kam. Nach der Springstunde ritt ich Peace, den ich ebenfalls noch nicht lange hatte. Er war noch sehr schreckhaft und unkonzentriert, was das Training zur Herausforderung machte, allerdings war bereits eine deutliche Besserung bemerkbar. Trotzdem erschreckte er sich vor einer Taube, die vor seiner Nase durch die Halle flog. Der kräftige Dreijährige bockte mich beinahe runter. Als ich ihn wieder beruhigt hatte, war er dann auch ganz schön verschwitzt, obwohl er geschoren war. Ich beschloss noch ein wenig mit ihm Seitengänge zu üben, zum Abkühlen ritt ich ihn dann noch eine Runde auf der Galoppbahn im Schritt. Nun war ein wenig Spass und Abwechslung mit den Criollos geplant: Ich sattelte Moon, nachdem ich Peace zurück in die Box gebracht hatte, und mein Mann holte Feline. Moon zappelte ungeduldig während wir auf Feline und meinen Mann warteten. Als er endlich kam stiegen wir vor dem Nebenstall auf und ritten zur Galoppbahn. Dort wärmten wir die beiden erstmal im Schritt ein. Anschliessend trabten wir an und machten einige Tempowechsel. Auch Schulterherein übten wir ein wenig. Schliesslich galoppierten wir auch. Nun da es schon fast 6 Uhr war kam starker Wind auf und fegte durch die Tannen des Galoppweges. Es war aber trotzdem noch recht warm und die Abendstimmung mit dem rötlich gefärbten Himmel war wunderschön. Wir beschlossen ein kleines Rennen zu machen. Zuerst ritten wir zur Begrenzung der Rennbahn und zogen den Pferden die Sättel aus. Wir legten sie über den Zaun, dann stiegen wir wieder auf und begaben uns auf die Startposition. Auf sein Zeichen hin preschten wir los. Es war ein herrliches Gefühl gegen den Wind zu galoppieren und die Tannen links und rechts vorbeifliegen zu sehen. Am Anfang lag mein Mann in Führung, dann holten Moon und ich aber auf. Nach der halben Runde waren wir Kopf an Kopf, aber Moon wurde langsam etwas müde. Deshalb verloren wir am Ende knapp. Aber das machte nichts, schliesslich war es ein Spass-Rennen. Wir holten die Sättel wieder und versorgten Moon und Feline. Danach ging ich mit Bella in die Halle und mein Mann mit Sparrow ins Gelände. Ich arbeitete mit Bella an der Losgelassenheit und der Balance, dazu liess ich sie auch über Stangen traben. Um 9 Uhr abends lief ich dann erschöpft zum Haus zurück um das Abendessen zu geniessen. Danach schauten mein Mann und ich einen Horror-Film bevor wir um 11 Uhr nochmals zur Kontrolle durch die Stallgassen liefen. Alles war ruhig und viele Pferde schliefen schon. Pilot röchelte mir zu, als ich an seiner Box vorbei lief. Ich ging ein wenig zu ihm in die Box und kraulte ihn an der Stirn. Dann ging ich ins Bett, voller Vorfreude auf den nächsten Tag.

      Arbeiten mit Feline 27.03.2013

      Heute weckte mich ein Zwtschern vor meinem Schlafzimmerfenster: Eine kleine Blaumeise sass druassen und rief wohl nach einem Artgenossen. Ich blinzelte verschlafen und beobachtete sie noch eine Weile, dann stand ich auf und ging in die Küche runter. Ein rascher Blick auf die Uhr verrieht, dass es schon 8 Uhr war. Ich ass ein Stück Brot mit etwas Honig, dann lief ich gemütlich zum Nebenstall. Moon wieherte mir entgegen, anscheinend dachte sie ich würde das frische Heu bringen, aber das erledigten schon die Stallhelfer. Ich lief zur Box neben ihr, in der Feline noch liegend vor sich hin döste. Ich betrat die Box und flüsterte ihr zu: "Hey meine Süsse. Hoch mit dir, heute wollen wir ein wenig arbeiten." Vorsichtig zog ich ihr die Halfter über. Sie schien verstanden zu haben und stand langsam auf. Dann schüttelte sie das Stroh aus ihrem grauen Fell und streckte sich genüsslich. Mit einem Gähnen verabschiedete sie die letzte Müdigkeit, dann folgte sie mir aus der Box. Draussen band ich sie am Holz-Geländer vor dem Nebenstall an und begann sie zu putzten. Die morgentlichen Sonnenstrahlen tauchten die Landschaft rund um den Hof noch in gelbliches Licht. Auf den Wiesen hing der Nebel von der Nacht noch grau in der Luft, doch er löste sich bereits auf. Feline beobachtete Jacky, die vom Haus her auf uns zugerannt kam. Mein Mann musste sie rausgelassen haben. Die kleine Jack Russel Hündin sprang übermütig um Feline herum, als sie uns erreicht hatte. Diese beschnupperte den kleinen Hund kurz, dann verlor sie das Interesse. Ich streichelte Jacky und liess sie Platz machen, damit sie icht von Feline getreten wurde. Dann begann ich die Schimmelstute zu putzen bis ihr silbergraues Fell wieder glänzte. Feline schnaubte entspannt während ich ihr die Mähne bürstete. Als auch die Hufe ausgekratzt waren, holte ich den Sattel aus der Kammer und wechselte die Schabracke gegen eine neue, dunkelblaue aus. Dann sattelte und zäumte ich Feline und führte sie zur Galoppbahn, wo ich sie im Schritt einwärmte. Nach einer Weile trabte ich an, blieb aber noch immer auf der Grasbahn. Nach etwa einer viertel Stunde Trab parierte ich sie in den Schritt und ritt auf den Geländeparcours in der Mitte der Rennbahn. Dort nahmen wir einige Sprünge, unter anderem einen "Busch-Sprung" vor dem sie immer ein wenig angst hatte. Aber diesmal schafften wir es auf Anhieb; ein Erfolg des harten Trainings das mein Mann mit ihr gemacht hatte. Am Ende liess ich sie austraben und brachte sie nach dem absatteln auf die Weide, wo sie den restlichen Morgen verbringen durfte.

      Ein nicht ganz so toller Sommertag 03.06.2013

      Es hatte schon die ganze Woche heftig geregnet und mein Mann hatte schon gemeint, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Fluss über die Ufer treten würde. Heute Morgen passierte es dann. Als ich aufwachte hörte ich draussen das Rufen der Pfleger und jemand kam gerade die Treppe hochgerannt. Die Tür wurde aufgerissen: "Schnell Occu, der Nebenstall steht circa 10 Zentimeter tief unterwasser! Tendenz eher steigend..." Ich sprang auf, zog mich an und hüpfte die Treppe runter zur Haustür. Draussen schien auf den ersten Blick ein riesen Chaos zu herrschen. Vom Nordosten her kam eine braune Suppe durch die Tannen der Galoppbahn geflossen, zwar nicht sehr tief, dafür breitflächig. Die Hälfte des Reitplatzes war unterwasser und die Wassermasse floss weiter zum Nebenstall, der ebenfalls schön umspült wurde. Wenigstens ein paar der Weiden und der Hauptstall, sowie das Haupthaus und der Parkplatz waren einigermassen trocken. Ich schlüpfte schnell in meine Gummistiefel und zog im Rennen die blaue Regenjacke an. Beim Nebenstall waren die Helfer gerade dabei, die Pferde zu evakuieren und in den Hauptstall zu bringen. Dort hatte es noch genügend leere Boxen, in denen die Tiere provisorisch untergebracht werden konnten. Ich schnappte mir Halfter und Seil und schob die Boxentür von Moon auf, während Lewis und Lisa Co Pilot und Costa rüber brachten. Als ich mit Moon zum Hauptstall joggte, kamen uns Quinn und Rosie entgegen, die Feline, Silver und Risandro schon in eine Trockene Box gebracht hatten. Mein Mann hatte mit einem Nachbar, Ajith und Jonas ein paar Sandsäcke organisiert und versuchte nun den Strom aus Schlamm und Wasser vom Hauptstall fernzuhalten. Ich watete mit Moon weiter aus dem Wasser und führte sie durch eine Lücke im Schutzwall. Ich stellte sie in eine der freien Boxen und holte dann nacheinander Donut, Ocean und Dream. Als alle Pferde im Hauptstall waren und der Schutzwall stand, lief ich mit Quinn und Lisa zu den Weiden, um nach den Fohlen und Minis zu sehen. Dort schien zum Glück alles in Ordnung zu sein. Kaum hatten wir uns umgedreht, als wir auch schon wieder nach oben gerufen wurden. Oliver und Lily waren inzwischen auch eingetroffen und mein Mann wollte planen, was als nächstes getan werden musste. Also trommelten wir alle anwesenden zusammen. Ich stellte mich neben meinen Mann und strich mir die nassen Haare aus dem Gesicht, denn im Eifer des Gefechts hatte ich die Kapuze nicht hoch gezogen. "Okay, so weit so gut. Alle Pferde stehen wieder im Trockenen und das Wasser wird vom kleinen Schutzwall zurückgehalten. Im Verlauf des Nachmittages sollte der Regen aufhören, mit etwas Glück ist das Wasser heute Abend weg. Die Pferde bleiben aber ganz bestimmt über die Nacht hier im Hauptstall. Also müssen wir jetzt dafür sorgen, dass sie es für die Nacht schön bequem haben. Einstreuen der leeren Boxen währe zu verschwenderisch, aber wir können ihnen Heu und Wassereimer hinstellen, eine Nacht ohne zu liegen werden sie ja wohl überleben. Trocknet ausserdem die Beine derjenigen, die nass geworden sind." Alle murmelten zustimmend und machten sich an die Arbeit. Ich brachte Peace und Burggraf einen Wassereimer und zog Ronja, die am durchweichtesten von allen war, eine warme Fleece Decke an. Den drei Western Pferdchen Summer, Shadow und Flint ging es anscheinend auch gut, sie waren jedenfalls schon wieder am Heuhalme sortieren. Als alle Pferde genügend zu fressen hatten, bekamen auch die Menschen eine kleine Aufwärmung: Der freundliche Nachbar und Lewis hatten in der Zwischenzeit für alle warmen Kakao und trockene Handtücher hergezaubert. So sassen wir alle in der Stallgasse des Hauptstalls und trockneten uns gegenseitig. Am Nachmittag liess der Regen dann wie erhofft nach und auch die braune Suppe wurde weniger. Am Abend schliesslich war der Strom vollständig verschwunden, der Boden um den Hauptstall war aber noch sehr matschig. Ich sah bevor ich ins Bett ging nochmals nach den Pferden, dann fielen mir erschöpft die Augen zu. Was für ein Tag!

      Bericht für Fake und Feline

      Am späten Vormittag arbeitete ich mit Feline. Ich ritt sie mit Bosal und Westernsattel. Wir übten ein paar Gymkana Aufgaben, sodass sie auch geistig ausgelastet war. Zum Beispiel musste sie standhaft bleiben, als ich ihr einen grossen, roten Gummiball zuwarf. Sie wollte zwar beim ersten Mal ausweichen, aber danach blieb sie schön an Ort und Stelle. Ich lobte sie zwischen den Übungen immer wieder und freute mich über unsere Fortschritte. Am Nachmittag durfte sie mit den anderen Stuten auf die Weide. Fake war gegen Abend dran, ich holte sie mit ihrem Halfter von der Weide und ging mit ihr spazieren, mein Mann und Lewis kamen mit Point und Tiva mit. Die drei verhielten sich einigermassen ruhig, nur bei einem Gebüsch, in dem ein Vogel aufflatterte erschreckte sich Point und versuchte, meinen Mann umzurempeln. Nach einer kurzen Zurechtweisung beruhigte sie sich aber wieder.

      Besuch bei Fake und Feline

      Ein paar Wochen waren vergangen, seit ich Feline und Fake das letzte mal besucht hatte. Sie waren in der Zwischenzeit auf einen benachbarten Bauernhof umgezogen, da sie dort eine Reitbeteiligung gefunden hatten. Fake würde immerhin bald eingeritten werden und Feline war gut im Westernstil zu reiten. Ich fuhr auf den Parkplatz des Hofes und grüsste erstmal den Bauern, anschliessend lief ich zum Stallgebäude, in dem sich ein pferdegerecht umgebauter Offenstall befand. Der Bauer hielt vor allem Kühe, diese waren natürlich normalerweise auch im Stall, jetzt jedoch auf der Weide. Fake war anscheinend auch draussen, denn nur Feli war an der Boxentür angebunden. Neben ihr kniete eine junge Dame. "Hello Diana, how are you?" "Oh, hey Occu, I'm fine. And Feli too, as you can see." Ich schüttelte ihr kurz die Hand, dann streichelte ich der Stute über die Stirn. "Hey süsse" murmelte ich und wandte mich wieder zu Diana, die mir erklärte, dass sie gerade ausreiten gehen wollte. Ich half ihr beim Satteln, dann begleitete ich sie nach draussen, wo sie aufstieg und mir ein paar ihrer Fortschritte zeigte. Feli lief schön locker, zwar noch nicht ganz in der optimalen Dehnungshaltung, aber ich war zuversichtlich. Die beiden würden sicherlich noch ein gutes Team werden. Bevor ich mich verabscheidete erkundigte ich mich noch nach Fake, die, wie ich erfuhr, mit den Kühen auf der grossen Wiese war. Ich lief dort hin und vergewisserte mich, dass auch sie fit war, ehe ich wieder nach Hause fuhr.

      Ein Tag mit Fake

      Die Stute sah mir gespannt entgegen, als ich auf sie zuschritt. Feline sah gut aus, ein wenig rund zwar, aber mit hübsch glänzendem Fell. Diana wartete beim Weidetor und beobachtete mich. Ich streichelte Feli kurz und gab ihr ein Karottenstück, ehe ich wieder zu Diana zurückkehrte. Sie erzählte mir bei einer Tasse Tee ein wenig von den Ausritten und dem Gymkhana, an dem sie mit Feli gewesen war. Feli durfte viel auf die Weide und bekam jede Menge Zuneigung, doch Diana würde bald umziehen und ich musste langsam aber sicher einen Käufer für die hübsche Stute finden.

      Feli im wilden Westen

      Heute traf ich mich mit Diana für einen Ausritt, den wir schon seit Wochen geplant hatten. Ich Ritt mit Gini rüber zu dem kleinen Bauernhof, wo sie mit Feli bereits wartete. Wir ritten sofort los und waren etwa eineinhalb Stunden unterwegs, wobei wir bei jeder Gelegenheit galoppierten. Ich genoss den Ritt sehr, denn Gini war gut drauf und Feli platzte fast vor Energie. Wieder zuhause putzten wir gemeinsam Feli, wärend Gini bei den Weiden angebunden auf mich wartete. Danach ritt ich nach Hause und versorgte die Cremellostute ebenfalls.
    • Occulta
      Ein schicksalhafter Tag

      Wie gewohnt lief ich morgens um 5 Uhr durch den Hauptstall und hielt vor der weissen Tafel in der Sattelkammer. Auch Lily und April standen bereits dort und suchten ihren Namen. Am Vorabend waren nämlich die neuen Einsatzpläne für den Februar ausgearbeitet worden. Ich hatte wie immer mitgeholfen beim Einteilen und wollte nun sehen, ob die Jockeys zufrieden waren. April fand sich auf der Liste und rief erfreut: „Yes! I hoped I’d get Fly and Sunday!“ Sie hatte ausserdem noch Blüte und Gray zugeteilt bekommen. Lily nickte ebenfalls zufrieden (sie hatte Light, Campina, Chiccory und Cantastor bekommen) und schien sich im Kopfe schon zu überlegen, wie sie diesen Monat Trainieren wollte. Ich selbst hatte darauf bestanden, wieder Winter und Stromer zu übernehmen, ausserdem hatte ich wie immer Frame bekommen, da der sensible Hengst bei mir mit Abstand am besten lief. Ausserdem hatte ich mich für die neue Stute gemeldet, die wir bei einem Ungarischen Pferdehändler gekauft hatten. Es handelte sich um einen Furioso, ein hübsches dunkelrotes Tier, das jedoch in einem recht schlechten Zustand war. Sie würde heute Nachmittag nach einer langen Auto- und Fährenfahrt ankommen. Noch am Morgen würde ein neuer Vollbluthengst ankommen, von dem wir uns viele Erfolge für die Zukunft erhofften. Ausserdem hatte ich beschlossen, Feline wieder zu mir zu holen. Die Stute hatte sich zu einer echten Schönheit gemausert und so wollte ich sie nicht länger verkaufen. Es fiel mir schwer zuzugeben, dass Elliot recht gehabt hatte und tatsächlich Potential in ihr steckte.
      Ich entschied, zuerst zu Stromer zu gehen und mich der ersten Morgengruppe für die Hengste anzuschliessen. In dieser Gruppe liefen bisher anscheinend Muskat, Empire, Light und Sunday mit. Eine gute Gruppe, dachte ich zufrieden, denn Muskat und Empire waren ja schon etwas älter und erfahren, die jungen Pferde konnten viel von ihnen lernen. Sie wurden eigentlich auch nicht mehr offiziell zum Rennen eingesetzt, nahmen jedoch immer noch regelmässig am Training teil damit sie fit blieben und Kondition fürs Springen hatten. Ich löste die Schnallen von Stromers babyblauer Fleece-Decke und faltete sie über der Kruppe. Dann schnappte ich mir die Langborsten Bürste und wischte damit über sein geschorenes Fell. Für den Kopf nahm ich eine kleinere Kopfbürste, denn er mochte die Grossen Bürsten nicht bei den Ohren. Nachdem ich auch mit der Kardätsche und dem Fellhandschuh über den Körper des Hengstes gefahren war, befand sich kein Stäubchen mehr auf dem Stoppelfell. Auch die Mähne wurde schön gekämmt und auf eine Seite gelegt, doch nach einmal schütteln hatte sie Stromer wieder kreuz und quer über den Hals fallend. Ich musste schmunzeln bei dem Anblick, denn er schien sich immer dann zu schütteln, wenn ich einen Bändigungsversuch an dem weissen Langhaar unternommen hatte. Als nächstes holte ich den kleinen Rennsattel und das Zaumzeug, wobei ich zu Empire und Thomas rüber schielte und feststellte, dass der Jockey auch erst am Satteln war. So weit so gut – als ich fertig war, führte ich meinen Cremello nach draussen zum Aufsteigen. Er wartete geduldig bis ich oben war und die Bügel eingestellt hatte. Ich schloss mich Light und Sunday an, sobald die beiden in Richtung Galoppbahn ritten. Wir würden wie immer zuerst dort aufwärmen und danach auf die Grasbahn gehen, die noch immer von einer dünnen Schneeschicht bedeckt war. Stromi war gut drauf und machte schön lange, geschmeidige Schritte. Ich freute mich also auf ein tolles Training. Während dem Schrittreiten plante ich, was heute noch alles zu tun war. Um vier Uhr fand ein Qualifikationsrennen in Nottingham – Colwick Park statt, bei dem the Cold Crack of Dawn und Campina eingetragen waren. Tom und Lily würden sich beim Training unter keinen Umständen verletzen dürfen. Endlich trabte die Gruppe an und ich tat es den anderen gleich. Wir ritten schön hintereinander den Schnitzelweg entlang, dann bogen wir auf den Kiesweg in Richtung Trainingsbahn. Wir starteten heute im Feld und jeder trainierte für sich, wobei wir ab und zu kleine Kopf-an-Kopf Sequenzen einbauten. Einmal rief ich zum Beispiel April, die daraufhin etwas abbremste damit ich aufholen konnte. Sunday gab sich alle Mühe, meinen sechsjährigen Cremello nicht nach vorne zu lassen, doch Stromer streckte sich wie eine geschmeidige Katze und schob sich bei jedem Sprung einige Zentimeter vor. Am Ende des Trainings fiel mir auf, dass Light ein paarmal hustete. Zur Sicherheit sagte ich Oliver Bescheid, der es ebenfalls schon von seiner Beobachterposition am Rand der Bahn bemerkt hatte. Er verordnete einen Ruhetag und eventuell einen weiteren, falls es nach einem längeren Longieren wieder passieren würde. Auf meine Frage hin meinte er, dass es nichts Ernstes sei und sich der fast schwarze Hengst vermutlich etwas erkältet hatte. Ich nickte, beruhigt, dass er dasselbe dachte. Wir verräumten die Pferde, wobei ich Stromer lange mit der Fleecedecke trockenführte, damit er nicht auch noch zu husten anfing. Danach holte ich das Putzzeug von Winter, denn der war als nächstes dran. Mein grosser Schneemann sah mich ungeduldig an und verdrehte die Augen beim ausgiebigen Gähnen. Ich bürstete das weisse Fell liebevoll und kratzte die Hufe aus, ehe ich ihn sattelte und zäumte. In dieser Gruppe liefen Fly, Chiccory und Spot mit, ausserdem einige der Stuten: Paint, Capri und Diana. Dies klappte normalerweise Problemlos, da die Jockeys die Hengste voll im Griff hatten und diese sich sowieso eher auf das Training konzentrierten. Ich beobachtete beim Aufsteigen belustigt, wie Spot herumalberte, als Quinn auf seinen Rücken klettern wollte. Dem Vollblüter mit den lustigen Flecken konnte man einfach nicht böse sein. Er zählte zu meinen absoluten Lieblingen, doch natürlich liebte ich alle meine Pferde. Jedes von ihnen hatte seine eigene Geschichte und seinen eigenen Charakter, was das Reiten immer wieder aufs Neue spannend machte. Es kam auch häufig vor, dass ich mich mit den Pflegern absprach und spontan ein Pferd ritt, welches nicht bei mir eingeteilt war. Ich hatte kein Problem damit, den ganzen Tag im Sattel zu sein.
      Das Training mit Winter verlief wiederrum gut, allerdings war er nicht in Bestform gewesen und hatte seine Zeit vom letzten Mal überboten. Ich lobte ihn trotzdem sehr beim Absteigen, und hielt ihm ab und zu ein Karottenstück hin beim Trockenführen. Ich lief mit ihm hinunter zu den Weiden, liess ihn an den Minis schnuppern und die Nase zu den Hengstfohlen stecken. Die ganze Zeit über machte Winter ein fröhliches Gesicht und hatte die Ohren entspannt nach vorne gerichtet. Das Wetter war auch herrlich: Die Sonne schien und obwohl es noch immer ziemlich kalt war, kam es mir vor wie an einem Frühlingstag. Doch ich liess mich nicht täuschen, es war erst Februar und der Winter würde sich bestimmt nicht so leicht geschlagen geben. Ich brachte meinen Hengst nach zwanzig Minuten zurück in den Hauptstall und schaute, dass es ihm an nichts fehlte, ehe ich die Boxentüre schloss. Ich sah auf die Uhr. Schon acht! Herrjeh, ich muss noch Frame beschäftigen ehe ich den Vollbluthengst und Feline abhole. Ich beschloss, den Hengst zu longieren, denn das hatte ich schon länger nicht mehr mit ihm gemacht. Er war, seit seine Wunden vollständig verheilt waren, intensiv trainiert worden und hatte ordentlich Muskeln und Kondition aufgebaut. Von dem schwächlichen Jährling, den ich damals auf der Wiese gesehen hatte, war äusserlich keine Spur mehr. Innerlich spukten jedoch immer noch die Bilder von damals in dem Hengst, sodass er kaum eine Person ausser mir wirklich nahe an sich heranliess. Immerhin hatten wir ihn so weit, dass er sich auch von anderen Pflegern einigermassen problemlos führen liess. Doch es war noch ein langer, vielleicht unendlicher Weg bis zum nervenstarken, coolen Leistungssportler. Wie Oliver so schön sagte – das beste Rennvermögen nützt nichts, wenn sich das Tier beim Start erschreckt und den Jockey runterbockt. Ich seufzte bei dem Gedanken an den letzten Versuch mit Lily. Das war nun beinahe zwei Wochen her. Frame hatte sich nicht nur geweigert, in die Startbox zu gehen, er hatte sich auch mitten im Trainingsrennen erschreckt und war aus der Gruppe ausgebrochen, wobei er nur haarscharf an Muskat vorbeigestolpert war. Es hätte übel ausgehen können und Lily war danach so wütend, dass sie sich weigerte, wieder aufzusitzen. Bei mir war der Hengst, aus welchen Gründen auch immer, brav wie ein Lamm. Er folgte mir ohne Seil, zickte nicht rum beim Aufsteigen, tat überhaupt alles, was ich von ihm verlangte. Nur ab und zu vermochte ihn ein plötzliches Geräusch oder eine schnelle Bewegung im Gebüsch zu erschrecken. Jedenfalls putzte ich ihn an diesem Morgen rasch, legte ihm den Longiergurt an und hängte die Doppellonge ein. Dann ging ich mit ihm in die Halle, da dort die Ablenkungsgefahr geringer war. Ich übte mit ihm eine halbe Stunde diverse Übergänge, die Biegung und das schwungvolle Schieben aus der Hinterhand. Danach nahm ich mir Zeit, ihn zu versorgen und hastete anschliessend auf den Parkplatz zum Auto. Zuerst fuhr ich mit dem Anhänger eineinhalb Stunden nach Bristol um den Hengst namens Caspian zu holen. Ich hatte ihn direkt von seinem Züchter gekauft, den ich an einer Auktion kennengelernt hatte. Er hatte mir Caspian weit unter seinem Wert überlassen unter der Bedingung, dass seine Tochter, der er sehr ans Herz gewachsen war, ihn später hin und wieder besuchen durfte. Es war ein rührender Abschied vor Ort, denn die 16 Jährige kannte den Hengst seit seinen ersten wackeligen Schritten. Doch so war das nun mal, sie hatte von Anfang an gewusst, dass der Tag kommen würde, an dem sie ihn loslassen musste. Ich für meinen Teil war froh, Caspian nun endlich nach Hause fahren zu können. Doch auf dem Rückweg ging es erstmal noch zu Feli, die mich mit Diana zusammen schon erwartete. Diana wollte auch in Zukunft immer mal wieder rüber auf Pineforest Stable kommen um Feli zu besuchen, doch sie hatte mittlerweile endlich ein eigenes Pferd von ihrem Vater bekommen, sodass sie sicherlich genug zu tun hatte. Zurück auf dem Hof half mir Jonas beim Ausladen und brachte Feli gleich in den Nebenstall, während ich Caspian vorerst in die Box neben Shio stellte. Falls das gut klappen würde, würde er auch dort bleiben dürfen, wenn nicht, dann mussten wir mal wieder eine neue Boxenordnung ausarbeiten. Der Schimmel schnupperte zwar interessiert an Shio, wandte sich dann jedoch gierig dem Heu zu.
      Am Nachmittag kam wie erwartet Satine, die Furioso Stute. Sie sah noch übler aus, als ich sie in Erinnerung hatte, doch wenigstens schien sie unverletzt. Traurig betrachtete ich das ehemalige Zirkuspferd aus der Nähe. Sie hatte kaum Muskeln und war mager bis auf die Rippen. Selbst ihre strahlend blauen Augen wirkten nichts als gestresst und müde. Ich fasste sie etwas näher am Halfter, als die den Kopf vor meiner Hand wegziehen wollte und murmelte beim Streicheln „Everything’s allright, you’re at home now.“ Sie senkte den Kopf etwas und blinzelte, weil sie Angst hatte, dass ich ihr in die Augen fasse. Ich führte sie nach einigen Minuten langsam in den Nebenstall, denn sie lief von der langen Fahrt noch wackelig und unsicher. In der Box machte sie sich nur halbherzig über das Heu her, sodass ich mich gezwungen sah, einen Tierarzt zu rufen. Hoffentlich ist sie nicht ernsthaft krank, betete ich innerlich. Die Diagnose war eine mittelschwere Lungenentzündung. Würden keine Komplikationen auftreten, so konnte sie in etwa zwei Wochen grösstenteils genesen sein. Sie bekam Antibiotika und strikte Stallruhe verordnet. Die Stute tat mir leid, denn sie hustete nun auch hin und wieder, was ihr Schmerzen zu bereiten schien. Wenigstens bestand kein Risiko für die anderen Pferde. Nachdem ich noch eine Weile bei ihr geblieben war und sie besorgt beobachtet hatte, ging ich zum Hauptstall um zu sehen, wie weit Tom und Lily waren. Sie hatten die Sättel und das restliche Zubehör bereits in den Anhänger gebracht und zogen nun gerade den Vollblütern die Transportgamaschen an. Campina stand bockstill und liess Lily an sich herumzupfen, während Crack wie immer vor und zurück zappelte. Ich half kurz, die Stute festzuhalten und streichelte sie liebevoll, während ich das Halfter hielt. Sie bedeutete mir sehr viel, denn ich hatte sie damals von Jack zum Geburtstag geschenkt bekommen, das machte sie unbezahlbar. Endlich waren die Gamaschen fest um die Beine gelegt und die Pferde wurden zum Parkplatz geführt, wo sie ohne zu zicken die Rampe hochliefen. Ich wünschte den fünfen eine gute Fahrt (Oliver ging als Trainer natürlich auch mit, ich hingegen hatte heute noch zu viel zu tun) und viel Glück beim Rennen. Besonders von Campina erhoffte ich mir eine gute Platzierung, denn die Stute war im Training ausgezeichnet gelaufen und schien auch heute in Topform zu sein. Fröhlich summend ging ich zu Rita, die beim Nebenstall Calico sattelte. Ich hatte versprochen, ihr heute eine Reitstunde zu geben. Die junge Frau, die mittlerweile sogar die Ausbildung zum Jockey in angriff genommen hatte, war extrem fleissig und saugte neues Wissen über Pferde auf wie ein Schwamm. Sie hatte sich von der gnadenlos überforderten Anfängerin zur zuverlässigen Pflegerin gemausert und wohnte nun sogar endlich mit den anderen im Pflegerheim. Ihr Vater hatte sich anfangs dagegen gesträubt, doch schliesslich hatte sie gewonnen, da sie ja schon 24 war und damit gedroht hatte, externe Hilfe anzufordern. Sie konnte zwar nun nichtmehr vom Reichtum ihres Vaters profitieren, doch das brauchte sie auch nicht. Sie verdiente sich ihr Geld nun selbst. Ich war anfangs sehr skeptisch gewesen, was ihren Charakter betraf, hatte ich sie doch als verwöhntes einzelkind eingeschätzt. Doch die Pfleger und ich hatten sie nun wirklich lieb gewonnen und sie war ein fester Teil von uns geworden. Als wir auf dem Platz waren stellte ich einmal mehr fest, dass sich das harte Training gelohnt hatte: Rita sass gerade und selbstsicher auf dem Schimmelhengst, hielt die Absätze tief und am rechten Ort. Ich musste sie jedoch ab und zu daran erinnern, die Hände nicht zu hoch zu halten. Calico spielte brav mit. Er hatte gelernt, respektvoll mit seiner ehemaligen Besitzerin umzugehen und lief bei den restlichen Pflegern und mir sowieso wundervoll. Ich hatte recht behalten: der Hengst hatte eine ausgezeichnete Veranlagung und lernte so schnell wie Rita. Nach der Stunde ging ich mit Sorrow ins Gelände. Es wäre eine Schande gewesen, solch wundervolles Wetter nicht zu nutzen. Vor dem Aufsteigen flocht ich dem stämmigen Hengst einen französischen Zopf in die Mähne. Es stand ihm ausgezeichnet. Wir ritten zum Fluss, überquerten die Brücke und dann nach Süd-Osten zu den beliebten Galoppstrecken. Sorrow gab ordentlich Gas auf den grasüberwachsenen Feldwegen, liess sich jedoch stets wieder bremsen. Einmal kam uns eine Frau mit einem schwarzen Hund entgegen, an dem der Hengst interessiert schnupperte. Dann hüpfte der Hund wieder davon und wir setzten unseren Ritt gemütlich fort. Genoss die Sonne und auch Sorrow drehte die Ohren zufrieden in der Umgebung herum. Auf dem Rückweg liess ich ihn etwas Schulterherein laufen und stellte ihn an den Zügel. So hatten wir auch unsere heutige Protion Dressur.
      Als ich auf dem Kiesweg an den Weiden vorbei ritt, klingelte plötzlich mein Handy. Huch, Was ist denn nun wieder los? Ich nahm ab und erkannte erschrocken Olivers besorgte Stimme. „We‘ve had an accident, you must come quickly to decide what to do with the horses.“ Wie in Trance stieg ich ab, rief Rosie, die Sorrow übernahm und rannte zum Parkplatz. Man hatte entschieden mich vor Ort zu rufen, da die Unfallstelle nur zwanzig Minuten entfernt war. Vor Ort fand ich einen Krankenwagen und mehrere Polizeiautos, ausserdem war bereits ein Tierarzt da. Wie sich herausstellte, hatten die drei eine Kollision mit einem betrunkenen Geisterfahrer gehabt. Dabei hatte sich der Transporter überschlagen. Tom, der gefahren war, war bewusstlos und hatte einige Brüche erlitten, sein Zustand war aber so weit stabil. Lily hatte einen gebrochenen Arm und Prellungen und Oliver war mit einer blutenden Nase davongekommen. Doch am schlimmsten hatte es die Pferde erwischt. Campina hatte starke Prellungen und lahmte. Für Crack gab es keine Rettung mehr. Ich stimmte zu, die Stute von ihren Leiden zu erlösen, denn sie hatte mehrere komplizierte Brüche erlitten und konnte nicht mehr aufstehen. Es war ein schrecklicher Augenblick, als der Tierarzt die Spritze aufzog, und ich drehte mich weg zu Pina, vergrub mein Gesicht in ihrem weichen Fell. Meine wunderschöne kleine Crack, das Geschenk von Jack! Es kam mir so unfair vor, dass mir nun auch diese Erinnerung an ihn genommen wurde. Doch es war besser für die Stute, alles andere wäre Quälerei gewesen. Campina wurde in eine Klinik in der Nähe gebracht, wo sie umfassend untersucht und behandelt wurde. Tom landete im Krankenhaus, durfte zum Glück aber schon nach vier Tagen nach Hause zu seinen Eltern. Auf Pineforest Stable würde er erst wieder in ein paar Monaten zurückkehren, wenn er wieder einsatzfähig war. Lily kam noch am selben Tag mit uns zurück auf den Hof, den Arm in eine Schlinge gehüllt. Sie wurde liebevoll von den anderen begrüsst und Ajith übernahm die ihr zugeteilten Pferde für den restlichen Monat. Ich wanderte nach all den aufmunternden und mitleidigen Worten der anderen still ins Haupthaus, wo ich mir erstmal einen Tee machte. Ich starrte während dem Trinken aus dem Fenster und beobachtete, wie Jonas den Kiesweg entlang zur Tür kam und klopfte. Soll ich aufmachen? Eigentlich will ich nicht… Ich bewegte mich nicht von der Stelle und wartete, bis er wieder verschwunden war. Trotzig dachte ich: wenn etwas passiert bin ich gut genug für dich und sonst behandelst du mich wie Luft. Spar dir die Mühe. Dann legte ich mich aufs Sofa und versank bis zum Abend in Melancholie. Der Tag hatte so schön begonnen, und nun das.
      Am Abend schlenderte ich lustlos zur Halle, wo Lisa gerade eine Reitstunde gab. Es waren ein paar Leute von auswärts da und vier Pfleger: Darren mit Herkir, Jason mit Bluebell, Jonas mit Loki und Anne mit Sweets. Ich setzte mich in den Zuschauerraum hinter die Scheibe und sah zu. Blue lief wiedermal zügig, sodass Jason ständig abwenden musste. Sweets ging beinahe konstant in Anlehnung, doch Anne liess sie zwischendurch strecken, damit sie nicht zu müde wurde. Schliesslich waren beide Pferde erst seit kurzer Zeit unter dem Sattel und noch nicht vollständig ausbalanciert. Herkir und Loki liefen mittlerweile richtig toll und nur Herkir gab ab und zu Gas – immer dann wenn Darren angaloppieren wollte. Ich war zufrieden mit den vieren. Nach der Stunde wollte ich mich wegschleichen, doch Jonas erwischte mich. „Warum hast du nicht reagiert, als ich geklopft habe?“, wollte er wissen. „Ich hab dich nicht gehört.“ „Aber ich war echt laut…“ „Kann passieren. Gute Nacht.“ Es schmerzte, so kalt zu sein, doch er hatte es verdient, da war ich mir sicher. Er sollte ruhig sehen, wie sich das anfühlte. Ich lief nocheinmal durch die Ställe und ging sicher, dass alle Pferde eingedeckt waren, dann legte ich mich ins Bett. Was für ein Tag
      8 März 2015
    • Occulta
      Gesellschaft für Echo

      Gähnend verliess ich das Haus, wie immer um 5 Uhr morgens. Ich hatte eigentlich nie Schwierigkeiten um diese Uhrzeit schon wach zu sein, aber heute fühlte ich mich wie gerädert. Selbst der kurz gezogene Schwarztee hatte daran nichts geändert. Auf dem Weg traf ich auf Lisa, Darren, David, Quinn und Ajith, die sich pünktlich wie immer zu den Ställen begaben. Ich schloss mich Quinn und Ajith an. In der Sattelkammer des Hauptstalls besammelten sich alle Jockeys, wie jeden Morgen, um den Trainingsplan zu besprechen. Heute starteten in der Morgengruppe zuerst die Erfahrenen Pferde, denn in einer Woche war ein wichtiges Qualifikationsrennen in Doncaster für die drei und vierjährigen. Das Feld bestand aus Lily mit Sunday, April mit Spot, Quinn mit Campina, Rita mit Winter, Tom mit Fly, Oliver mit Yalata und mir mit Gleam of Light. Tom und Fly waren ein Experiment, denn der Pfleger war sehr ruhig und sorgfältig im Umgang mit den Pferden, hatte aber dennoch genug Kraft, was mich zuversichtlich stimmte, dass er mit Fly klarkommen würde. Wir putzten die Pferde und stiegen dann auf, um im Schritt zur Galoppbahn zu reiten. Der grosse schwarze Light tänzelte schon ungeduldig, obwohl er sich beim Bürsten absolut brav benommen hatte. Aber er war bekannt dafür, im Umgang ein Engel zu sein. Wir ritten schön hintereinander im Trab zum Aufwärmen. Ich musste Lights Zügel die ganze Zeit über kurz halten und tief in den kleinen Rennsattel sitzen, um ihn ruhig zu halten. Auch Spotted Timeout war geladen, aber Quinn hatte ihn im Griff. Smelyalata erschrak in der dritten Kurve vor einer Amsel und scheute zur Seite. Oliver ging geschickt mit der Bewegung mit und gab ihr eine Parade, um sie vor einem erneuten Sprung abzufangen. Schon waren die beiden wieder auf Kurs. Nach dem Einwärmen bogen wir auf die eigentliche Rennbahn. Es war jedes Mal ein tolles Gefühl hier zu sein, auf dieser grossen, neuen Strecke mit dem trotz der Sommerhitze saftigen, kurzen Gras. Die Hitze – die war so früh morgens zum Glück noch nicht zu spüren, aber frühestens am Nachmittag würde ich mich wieder nach einem Bad sehnen. Fly stieg wiedermal vor den Startboxen, also musste Ajith, der wiedermal Bodenassistent spielte, zu Hilfe eilen. Indem wir die Türen ganz öffneten und ich mit Light voraus ritt, schafften wir es schliesslich, den braunen Hengst hinein zu bugsieren. Ich schloss die Türen vorne, bevor er mir und Light gleich wieder hinterher traben konnte, während Ajith hinten zuzog. Flys Augen waren noch immer geweitet und seine Nüstern gebläht. Er hielt den Kopf aufgeregt oben und die Ohrenspitzen berührten sich fast. Kopfschüttelnd dachte ich, wann wird er endlich wieder normal in eine Startboxe gehen? Nun trieb ich Light ebenfalls in seine Box und wartete gespannt auf den Start. In Lights Körper kribbelte jede Faser; er war sowas von bereit. Ich machte mich gefasst auf seinen üblichen, gewaltigen Absprung und duckte mich tief nach unten – da krachte es und die Türen flogen auf. Light schoss wie erwartet nach vorne und war sofort an der Spitze. Ich hielt ihn energisch zurück, denn sonst würde er sich zu früh verausgaben. Heute war zwar keine besonders weite Distanz geplant („nur“ 1600 Meter) doch ich kannte den Hengst gut und wusste, dass er grössere Leistungen brachte, wenn er im letzten Viertel noch in der Mitte des Feldes lag. Wir trainierten etwas härter als sonst, um zu testen, ob die jungen Athleten fit für das Rennen waren. Dazu trieben wir die Vollblüter von Anfang an zu einer hohen Grundgeschwindigkeit an, die im Finish nochmals gesteigert wurde. Light hielt durch und ich konnte ihn auf der Zielgeraden an den anderen vorbei pilotieren, sodass wir mit einer Länge Abstand gewannen. Gleich hinter uns folgte Winter ins Ziel. Der weisse Hengst hatte im Moment eine Art Glücksphase, denn er war bei den letzten acht Trainingsrennen immer entweder auf dem ersten oder dem zweiten Platz gelandet. Ich tätschelte Light stolz den Hals und warf ein rebellierendes Büschel der sportlich geschnittenen, rabenschwarzen Mähne wieder auf die richtige Seite. Wir ritten zum Abkühlen in Richtung Pinienwald und dann denselben Weg wieder hoch. Dann versorgten wir die Pferde und die Pfleger gönnten sich in der Reiterstube der Halle einen Kaffee. Ich jedoch lief weiter zur grossen Stutenweide, um Echo zu holen. Ich wollte mit der Stute ins Gelände, ehe ein ganz besonderer Zuwachs ankommen würde. Heute würde nämlich endlich Unbroken Soul of a Rebel eintreffen. Sein Begleitpfleger hatte mir vorhin angerufen und mich informiert, wann genau er ankommen würde. Dem Hengst ging es soweit gut und er war anscheinend auch nicht allzu gestresst gewesen, aber das erstaunte mich auch nicht, denn er war für seine Nervenstärke bekannt. Auch für seine etwas sture und wählerische Art hatte er Bekanntheit erlangt, was mir jetzt schon ein mulmiges Gefühl in die Magengegend trieb. Würde er mich als Bezugsperson akzeptieren? Andererseits vertraute ich auf meine Fähigkeiten im Umgang mit Pferden. Grinsend beschloss ich im Stillen „Challenge accepted!“ und lief zügig durch das Weidetor.
      Das hübsche Lederhalfter von Echo, das an der Stallwand hing, legte ich mir um die Schulter. Dann lief ich zu den schattenspendenden Bäumen, unter denen sich die Pferde gesammelt hatten. Sie sahen mir alle entgegen, alle bis auf Noir. Denn die Stute war im Moment gar nicht hier, sondern bei Sarah McAlistair zur Ausbildung. So wie ich Sarah kannte, fühlte sich Noir dort bestimmt wie im Paradies. Bevor ich zu Echo vordringen konnte, musste ich an Feline vorbei, die mich fast auffrass. Ich schickte sie einige Schritte rückwärts, da sie zu aufdringlich war. Schmusen war gut und recht, aber sie durfte nicht zu unverschämt werden. Nachdem ich auch Moon ein wenig gestreichelt hatte, halfterte ich die Paint Stute auf. Sie zog zuerst den Kopf etwas hoch, aber ich schaffte es trotzdem das breite Lederhalfter über ihre Ohren zu streifen. Nun führte ich sie zum Offenstallgebäude und band sie an. Sie stand schön brav da während ich sie rasch bürstete und hübsch machte. Dann holte ich den Militärsattel aus dem abgetrennten Bereich im Inneren des Stalls und machte sie fertig zum Aufsteigen. Ich wollte ihr irgendwann noch einen Western-Kavalleriesattel besorgen, wegen Style und so, aber für den Moment fand ich den auf den ich jetzt aufstieg ganz bequem. Ich ritt im Schritt vom Hofgelände weg und trabte dann zügig einige Feldwege entlang. Dabei achtete ich darauf, dass sie das Tempo beibehielt, ohne dass ich treiben musste. Das Ziel war, dass sie erst langsamer wurde, wenn ich sie bremste. Ganz klappte es noch nicht, aber immerhin blieb sie im Trab. Ich galoppierte einen Hügel im Wald hinter der Whispering Creek Ranch hoch, machte eine grosse Schlaufe mit einigen weiteren Waldgalopps und ritt dann im Trab Richtung Fluss zurück. Ich trabte geradewegs auf das Wasser zu, denn der Fluss hatte einen rekordmässig tiefen Spiegel und ich wollte testen, ob sie einfach so hineintrabte. Schon spritzte das Wasser auf beiden Seiten hoch und wir befanden uns mitten im Flussbett. Ich lobte sie und parierte in den Schritt durch. Wir überquerten die mit ein paar Bäumen und Büschen bestückte Insel und ritten dann durch den zweiten Flussarm. Hier war der Boden sandig unter dem Wasser, sodass ich mich fast wie am Meer fühlte. Nun trieb ich sie aber zurück in Richtung Pineforest Stable.
      Wir wurden von Oliver empfangen. „Can you come and have a look at Muskat? He’s a bit lame I fear.” Ich nickte und stieg ab. Ich führte Echo mit zum Hauptstall, wo ich sie beim Waschplatz anband. Dann kam Oliver mit Muskat nach draussen und führte ihn mir auf dem Schotterweg vor den Weiden vor. Tatsächlich lief er vorne rechts nicht sauber. „Okay, I’ll call the Vet after I took care of Echo. It doesn’t look too bad, but save is better than sorry.” Ich streichelte Muskat liebevoll und kehrte zu Echo zurück. Die Stute hatte das Abspritzen nötig, denn es war immer noch unglaublich heiss und sie hatte geschwitzt. Sie zappelte etwas, als das kalte Wasser an ihre Beine kam. Als ich fertig war, kam mir Alan entgegen, einer der beiden neuen Pfleger. „Hi boss, Daydreaming Sorrow was lunged this morning, but I’d like to take him out again for a forest gallop…“ “Alright, he’ll like that”, antwortete ich lächelnd. Obwohl der junge Mann erst vor drei Tagen angefangen hatte, konnte man denken er sei schon Jahre hier und er kam ausgezeichnet mit den Hengsten des Nordstalls klar. Ich mochte seine stille, aufmerksame Art und war sicher, die richtige Entscheidung bei der Auswahl aus den vielen Bewerbungen getroffen zu haben. Auch das 19 jährige Mädchen, Linda, verstand sich schon hervorragend mit den anderen Pflegern. Sie hat aber auch einen Bonus durch Jason, dachte ich schmunzelnd. Die beiden waren gut befreundet. Er hatte ihr vor ein paar Wochen vorgeschlagen, sich bei mir zu bewerben. Natürlich waren aber schliesslich ihre Fähigkeiten ausschlaggebend für ihre Einstellung gewesen.
      Ich schob diese Gedanken beiseite, als ein Transporter auf den Parkplatz fuhr. Das muss er sein! Freudig beschleunigte ich meinen Schritt und kam gerade recht, um die Klappe zu öffnen. Da stand er, der wunderschöne Paint Hengst mit der weissen Hinterhand die aussah, als wäre er rückwärts in einen Farbtopf gefallen. Er war ein Traum, nicht nur von der Farbe her: Sein Körper war sehr gut bemuskelt und der Kopf mit den hübschen kleinen Ohren und nussbraunen Augen drehte sich mir aufmerksam zu. Ich streichelte ihm vorsichtig über die Stirn und gab ihm einen Moment Zeit, mich kennenzulernen, ehe ich ihn rückwärts aus dem Transporter schob. Im Sonnenlicht schimmerte sein kurzes Sommerfell wie eingeölt. Ich bedankte mich herzlich beim Begleitpfleger und führte Rebel geradewegs zum Nordstall, wo er sich einleben konnte, bis er am Abend erstmal neben den anderen Hengsten auf die Weide durfte. Es war mir zu riskant, ihn schon heute zu den anderen zu lassen, zumal ich nicht wusste, wie er reagieren würde. Er drehte sich noch etwas in seiner neuen, geräumigen Box, dann begann er, sein Heu zu mampfen, wobei er zwischendurch wieder den Kopf hob und herumlief.

      Es war mittlerweile Abend geworden und ich stand beim robusten Holzzaun der grossen Weide beim Pinienwald. In einiger Entfernung grasten Co Pilot, Vychahr, Peace, Donut, Baccardi, Dancer, Sorrow und Burggraf. Die restlichen Hengste befanden sich auf der obersten Weide, damit es nicht zu viel Gruppendynamik gab. Rebel war alleine auf der Weide dazwischen, aber ihn trennte jeweils noch eine Strasse oder ein Feldweg von seinen zukünftigen Kumpels. Sie schienen ihn nicht gross zu verunsichern, jedenfalls liess er es sich nicht nehmen, direkt am Zaun zu fressen, da das Gras bekanntlich auf der anderen Seite des Zauns immer grüner wächst. Belustigt beobachtete ich einen harmlosen Spielkampf zwischen Dancer und Pilot. Es war toll den kraftvollen Hengsten beim Balgen zuzusehen, aber natürlich blieb ich im Stillen immer bereit, im Ernstfall einzugreifen. Die Hengste waren zwar sehr ausgeglichen und friedlich, doch in seltenen Fällen artete das Spiel aus und dann musste ein Schlichter dazwischen, bevor sich jemand verletzte. Viele befreundete Züchter konnten es nicht nachvollziehen, dass ich das Risiko auf mich nahm und die teuren Hochleistungssportler zusammen raus liess. Aber ich war der Ansicht, dass diese Pferde genau deswegen so ausgeglichen waren und ihr volles Potential zeigten. Pilot und Dancer bewiesen mir in ebendiesem Moment, dass ich Recht hatte und ein friedliches Spiel nicht nur möglich war, sondern auch von allen Beteiligten geschätzt wurde. Jedenfalls klappt es gut, solange keine Stuten in der Nähe sind. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehte mich um und stand direkt vor Jonas, der mich anlächelte. Ich antwortete ebenfalls mit einem herausfordernden Lächeln. Er schlang seinen Arm um mich und wir liefen gemeinsam zurück zum Haupthaus. Die Frage brannte mir die ganze Zeit über auf der Zunge, doch ich konnte mich erst vor der Tür überwinden, sie auszusprechen. „Willst du heute hier schlafen?“ „Okay“, war alles was ich zu hören bekam. In dieser Nacht lagen wir eng beieinander und ich genoss jede Sekunde, in der ich seinen rhythmischen Herzschlag hörte. Ich fühlte mich auf einmal so lebendig. Ich wusste weder, warum ich ihn überhaupt hereingelassen hatte, noch warum er sich auf mich einliess. Aber ich war glücklich, und er schien es auch zu sein.
      28 Juli 2015
    • Occulta
      AliciaFarina
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      Distanz E-A für Feline

      Heute fing meine große Reise an, ich reiste nach England, zum Pineforest Stable um dort ein Pferd von meiner Freundin Occulta Smith auszubilden. Die junge Stute Feline war eine fünfjährige Criollo Stute, die ich in der Distanz ausbilden sollte. Nachdem ich mich in meinem Zimmer eingerichtet hatte ging ich auf die Wiese und holte dir hübsche Schimmelstute, Feline folgte mir willig, ich band sie am Putzplatz an und holte ihr Putzzeug, als ich wieder kam krachte etwas zu Boden, ich schrak zusammen und sah das Feline mit dem Besen, der am Putzplatz stand spielte und alles mögliche abräumte. Schnell räumte ich wieder auf und stellte alles außerhalb ihrer Reichtweite hin. Dann putzte ich sie, nachdem ich das Putzzeug wieder weggebracht hatte brachte ich ihren Westernsattel mit. Ich sattelte sie mit dem schweren Ding und trenste sie anschließend, dann führte ich sie auf den Dressurplatz, dort angekommen gurtete ich nach und stieg auf. In allen Gangarten ritt ich sie warm und testete ihre Ausdauer, zum Trockenreiten ritt ich mir Feline über die Galoppbahn. Anschließend band ich sie wieder am Putzplatz an und sattelte sie ab, dann durfte sie wieder auf die Weide.


      In den nächsten Wochen zeigte mir Occu einige Längere Geländestrecken, zur Abwechslung trainierte ich Feline auf der Galoppstrecke. Innerhalb von anderthalb Monaten täglichen Trainings hatte ich Feline auf das A Niveau gebracht. Der Distanzritt stand kurz bevor, bei dem letzten Training begleitete Occulta mich, denn sie würde den Ritt mit ihr bestreiten während ich sie ab Boden unterstützte.

      Wir fuhren zum Turnier und ich half Occulta dabei Feline fertig zu machen, wie bei dem letzten Turnier von Mina und Maren wartete ich an jedem Vet Check und half wo ich konnte. Feline kam ohne Beanstandung durch den Vet-Check und ich freute mich das mein Training so erfolgreich war. Bei der Bekanntgabe der Ergebnisse freute ich mich, denn Feline hatte sehr gut abgeschnitten. Auch Occu freute sich, nachdem wir alles wieder eingeladen hatten fuhren wir zurück zum Pineforest Stable. Dort angekommen durfte Feline wieder auf die Weide und ich packte langsam meine Sachen, denn leider war nun meine Zeit hier vorbei und ich musste wieder nach Hause.

      2240 Zeichen by AliciaFarina
      4 Aug. 2015
    • Occulta
      Rhapsody
      Pine Grove Stud - mobile Hufschmiede
      Adèle war gerade von ihrer Schottlandreise zurück, da war es auch schon meine Aufgabe, auf die Insel zu reisen. Diesmal war das Ziel Birmingham – oder, besser gesagt, in der Nähe von Birmingham. Occulta Smith vom Sportpferdegestüt Pineforest Stable hatte angerufen, gefragt, ob wohl jemand Zeit hätte, sich die Hufe zwei ihrer Stuten anzusehen.

      Das Gestüt war weit über die Landesgrenzen bekannt für seine Sportpferde – die vor Allem englische Vollblüter waren – und somit war der Flug innerhalb von wenigen Stunden gebucht. Im Flieger konnte ich dann noch einmal meine Unterlagen zu den jeweiligen Pferden durchgehen. Bei Indiana gab es keine Fehlstellungen oder sonstiges, nur Feline stand vorne etwas zehenweit. Aber dafür war ich bestens vorbereitet.

      Der Weg zum Pineforest Stable zog sich ein wenig, da ich mich natürlich erst einmal verfahren musste. Dann aber war ich wohl auf dem richtigen Weg; das Gestüt war ausgeschildert und die Pinienwälder, die ich auf meinem Weg passierte, waren wohl ziemlich ausschlaggebend (um ehrlich zu sein, erinnerte mich die Landschaft ein wenig an die Pine Barrens in New Jersey). Trotzdem dauerte es noch ein wenig, bis ich eine lange Eichenallee entlang fuhr. Am Tor wurde ich bereits von Occulta erwartet und, als ich ausgestiegen war, auch sofort zu den Pferden geführt.

      Indiana hatte ich mir irgendwie größer vorgestellt; mit knappen 165cm war sie nur etwa 5 Zentimeter größer als ich. Beim Vorführen konnte ich keinerlei Auffälligkeiten finden, also schnappte ich mir mein Werkzeug und meine Schürze und machte mich an die Arbeit.

      Zuerst kamen Indianas alte Eisen ab, die schon ziemlich abgenutzt waren. Dann schnappte ich mir mein Hufmesser und fing an, den Huf auszuschneiden. Jeden Huf sah ich mir genau an, um auch eine Strahlfäule ausschließen zu können; alle vier Hufe waren hart und würde Indiana laut Occultas Berichten nicht für den Sport vorgesehen sein, sondern rein für die Zucht, so würde ich vorschlagen, dass sie barhuf gehen könnte. Doch als Renn- und Springpferd brauchte sie natürlich Eisen – und natürlich Aluminiumbeschläge mit Stollen.

      Nachdem alle vier Hufe wieder gepflegt und gekürzt waren, machte ich mich also an die Eisen. Und je öfter ich mit Aluminiumbeschlägen arbeitete, desto besser gefielen sie mir; sie waren leichter als normale Eisen, mussten zum Verformen nicht erhitzt werden und sahen einfach freundlicher aus durch ihre helle, silberglänzende Farbe. Außerdem war ich mit den Stollenlöchern schon viel früher fertig als wie wenn ich es bei normalen Eisen probiert hätte.

      Das Aufnageln selbst stellte sich auch nicht als Problem dar. Indiana zuckte kein einziges Mal oder wollte mir den Huf wegziehen, wofür sie sich natürlich später ein Leckerli verdient hatte. Nachdem ich dann auch die letzten überstehenden Nagelspitzen abgeklipst und vernietet hatte, war die Vollblutstute auch schon fertig.

      Kaum war Indiana verschwunden, kam auch schon ein Pfleger mit einer Schimmelstute. Feline war ein Criollo und endlich einmal kleiner als ich. Ihre Fehlstellung war nicht besonders ausgeprägt, trotzdem würde ich mein bestes tun, um den Huf ein wenig auszugleichen.

      Beim Abnehmen der alten Eisen quetschte ich Occulta ein wenig über Feline aus; wie lange sie die Stute schon hatte, ob es irgendwelche Probleme mit der zehenweiten Stellung gab, ob in der Fohlenzeit irgendetwas dagegen unternommen wurde („Ein paar Monate.“ – „Bis jetzt noch nicht.“ –„Puh… keine Ahnung ehrlich gesagt.“). So wie es aussah hatte der alte Hufschmied schon Maßnahmen unternommen, um die Fehlstellung ein bisschen auszugleichen.

      „Gab’s irgendwelche Beschwerden seit dem letzten Beschlag?“ fragte ich, während ich das alte Eisen ausgiebig studierte.

      „Weniger, aber ich hab noch keine Röntgenbilder machen lassen,“ gab Occulta zu. Also riet ich ihr, das auf jeden Fall noch auf ihre Liste zu schreiben, nur, um sich ganz sicher sein zu können. Dann legte ich das alte Eisen weg und begann mit dem Ausschneiden.

      Beide Vorderhufe schnitt ich normal aus, dann begann ich, die höhere Hufhälfte zu kürzen. Zusammen mit dem Hufeisen sollten sie der Fehlstellung ein bisschen entgegenwirken, so, wie es der alte Hufschmied schon gemacht hatte.

      Die vorderen Eisen bekamen, neben den Stollenlöchern, dann noch eine Zehenrichtung, die nicht ganz mittig, sondern eher ein wenig seitlich wirkte. Somit sollte Feline wieder mittig abrollen können. Nachdem dann auch die Hinterhufe beschlagen und vernietet waren, ließ ich mir die Stute vorführen und entschied, dass es durchaus passabel aussah.

      „Sollte sie irgendwelche Probleme in den nächsten Wochen kriegen – einfach anrufen,“ sagte ich Occulta, nahm mir dann noch die Stollen und zeigte ihr schließlich, wie mit ihnen umzugehen war. Dann durfte die Criollostute wieder auf ihre Weide und ich musste mich bereits verabschieden – ich hatte noch einen Termin in Schottland morgen früh, weswegen ich mich wohl besser auf den Weg machte.
      10 Sep. 2015
    • Occulta
      Eddi
      Klinik Caen - Tierarztbesuch
      Meine Motivation sank mit jeder Sekunde, die ich länger auf die heutige Seite meines Terminplaners starrte. Die Kaffeetasse war inzwischen auch fast leer, nur der letzte Schluck wartete noch auf mich und dann hielt mich nichts mehr auf. Also stand ich seufzend auf, stellte die Tasse in die Spülmaschine und schnappte mir die Tasche von der Küchentheke. "Los gehts", murmelte ich und zog mich an. Es war Herbst und langsam wurde es kühl, momentan waren das höchste der Gefühle um die 15°C und selbst die fühlten sich nicht sonderlich warm an. Dementsprechend angezogen stieg ich dann auch in mein Auto, wo mich ein eiskaltes Lenkrad erwartete.
      Heute ging es als erstes Mal wieder auf die Pineforest Stables. Die kommende Jolympia im Oktober scheuchte alle möglichen Pferdebesitzer auf und die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, dementsprechend hatten auch alle Trainer, Hufschmiede und Tierärzte in der Umgebung alle Hände voll zu tun, um mit den Aufträgen, die eingingen, hinterher zukommen. So waren auch meine Tage vollkommen verplant und deshalb musste ich mich nun doch ein bisschen beeilen, um einigermaßen pünktlich bei Occulta anzukommen.
      Occulta fand ich eine halbe Stunde später dann im Stall, wo sie anscheinend gerade die heutigen Trainingsläufe der Vollblüter auswertete. Ich nickte ihr freundlich zu und bat sie, ihre Gespräche noch zu Ende zu führen, so viel Zeit musste schließlich sein. Danach wurde ich auch schon herzlich in Empfang genommen und direkt zum ersten Pferd geführt. Natürlich ein Vollblut und sogar eins, was ich kannte: Indiana. Die hübsche Rappstute wurde gerade von einer Pflegerin versorgt als wir kamen. Occulta übernahm dankend die Stute und führte sie aus der Box.
      Heute stand nur eine fixe Untersuchung an, trotzdem ließ ich mir Indiana einmal im Schritt und einmal im Trab auf dem Hof vorführen. Gerade bei den Vollblütern waren die Bewegungsabläufe das A und O, wenn es auch nur irgendwo ein bisschen haperte, konnte das für sie das Aus bedeuten. Wie von Occultas Pferden geowhnt, lief aber alles wie geschmiert. Indianas Gänge waren taktklar und locker, während sie motiviert neben ihrer Besitzerin herlief.
      Somit konnten wir uns zufrieden auf den Weg zum Putzplatz machen. Occulta band mir die Stute dort an und ich begann mit der Untersuchung. Zuerst galt es einen Blick in Ohren, Augen und Nüstern zu werfen. Das war immer der erste Blick, denn der Kopf des Pferdes konnte unheimlich viel über den Gesundheitszustand aussagen. Bei Indiana sah alles bestens aus und wir machten direkt mit der Zahnkontrolle weiter. Da es für sie und mich angenehmer war, bekam sie die Maulsperre hinein und so konnte ich mir in aller Ruhe alle ihre Zähne anschauen. "Alles in Ordnung", meinte ich fünf Minuten später lächelnd zu Occulta und erlöste Indiana wieder von der Maulsperre.
      Nun ging es an das Abhören. Erst Herz und Lunge und dann die Darmgegend. Danach kontrollierte ich noch die Herz- und Pulsfrequenzen, aber alles war im grünen Bereich. Zu guter Letzt hieß es nur noch abtasten und Temperatur messen. Indiana war davon nicht sonderlich angetan, benahm sich aber eigentlich ganz vorbildlich. Danach konnte ich das Protokoll ihrerseits mit einem fetten "Alles i.O." abhaken und mich an die Auffrischung ihrer Impfungen machen. Indiana würde heute alles aufgefrischt bekommen, das hieß also vier Impfungen: Influenza, Herpes, Tetanus und Tollwut.
      Tapfer hielt sie alle vier Spritzen aus und die Wurmkur schluckte sie auch problemlos und schon war Indiana bereit für jedes kommende Turnier. "Perfekt, danke!", meinte Occulta lächelnd, als ich ihr den aktualisierten Impfpass zurückgab. Während Indiana nun fertig war und zurück in ihre Box durfte, wartete auf uns bereits der nächste Patient.
      Und das war Feline, eine hübsche Criollostute, welcher jedoch der Schalk im Nacken saß. Das bemerkte man direkt von Anfang an, als sie Occulta am Jackenärmel herumzupfte. Das Vorführen im Schritt und Trab sah dementsprechend auch sehr amüsant aus. Aber Feline lief motiviert neben Occulta her und zeigte ihre klaren Gänge. So wie ich das beurteilen konnte, gab es da keine Probleme. Außerdem war sie auch erst kürzlich beim Hufschmied gewesen, dementsprechend schien alles in beste Ordnung gebracht wurden zu sein.
      Nun band Occulta mir auch Feline am Putzplatz an und ich begann erneut mit der Untersuchung. Zuerst kam der Blick in Ohren, Augen und Nüstern, ehe wir direkt mit den Zähnen weiter machten. Von der Maulsperre war Feline gar nicht begeistert, aber ihr blieb nichts anderes übrig, als es über sich ergehen zu lassen. Bei ihr dauerte es sogar ein wenig länger, weil ich erst einmal eine kleine Spitze wegfeilen musste, ehe ich ihr die Maulsperre wieder abnehmen konnte. Der erste Teil war so zumindest schon geschafft.
      Nun ging es an das Abhören von Herz, Lunge und den Frequenzen. Feline schien gerne herumzuzappeln und so dauerte es ein Weilchen, ehe wir auch damit fertig waren und ich sie noch Abtasten konnte. Zu guter Letzt war nur noch die Temperatur an der Reihe und dann kam auch unter Felines Protokoll ein dickes "OK". Laut Impfpass benötigte Feline nur eine Auffrischung von Influenza und Herpes, damit sie am Turnier teilnehmen konnte, also nur zwei Spritzen für die Glückliche.
      Diese hielt sie auch tapfer aus und als letztes gab es auch noch die Wurmkur zu schlucken und schon war auch Feline fertig. Ich erneuerte auch noch ihren Impfpass und dann durfte die Kleine uns auch schon verlassen. Wir waren hier also fertig, ich verabschiedete mich von Occulta und machte mich auf den Weg zum nächsten Termin.
      12 Sep. 2015
    • Occulta
      Vhioti
      Provisorisches Babyturnier (Springtraining E-A)

      Kaum dass Askan vom Hof weg war, erschien Occu mit Feline. Die kräftige Criollostute lief in einigen Wochen ein A-Turnier hier in der Nähe. Da dazu die Qualifikation noch nicht ganz stimmte, würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden; A-Springen und Turniervorbereitung. Occulta grinste, als Feline mich darauf aufmerksam machte, dass in meiner Jackentasche eine Möhre steckte. Doch ich blieb hartnäckig. Gemeinsam brachten wir sie in den Gaststall, danach zeigte ich Occu das neue Gelände.

      Occu saß in der Halle auf der Tribüne. Die war ein bisschen herausgezogen, sodass etwa zehn Personen darauf Platz fanden. Feline war geputzt und gesattelt, und schaute sich neugierig in der Halle um, in der es nach Neu roch. Neu, nicht Heu. Mit der roten Decke sah die Stute sehr schön aus, was sie aber leider nicht ganz verstand. Ungeduldig scharrte sie mit den Hufen im Belag. Kritisch überprüfte ich noch den Sitz des Sattels, und schwang mich an einer kleinen Treppe hoch auf ihren Rücken. Der Hindernisparcours war übersichtlich. Beginnen wollten wir mit einer kleinen Hecke, anschließend wartete eine Kombi aus niedrigen Stangen auf uns. Nach einem Zirkel ging es auf eine weitere Stangenkombi und schlussendlich auf eine Hecke zu. Sechs Hindernisse also, die überwunden werden sollten. Doch vorerst ritten wir außen an den Hürden vorbei.

      Mit letzter Kraft hievte ich den Sattel von der Stute hinunter. Ich hatte eine Stunde lang gekämpft, sie vernünftig über die Hindernisse zu kriegen. Sie ritt nicht genau mittig, sondern schräg versetzt und stoppte leicht vor dem Absprung. Das Treiben war daher sehr intensiv. Als ich gerade Occu damit konfrontierte, zuckte sie nur mit den Schultern. "Wir haben sie noch nicht antrainiert. Keine Ahnung, woher sie das hat." Seufzend brachte ich den Sattel zu dem zur Box zugehörigen Bock und stemmte meine Hand in die Hüfte. "Daran werden wir die nächsten Tage dran üben müssen." Occulta nickte nur und verabschiedete sich dann. Zum Turnier würde sie dann pünktlich wieder hier sein. Feline war immer noch vor ihrer Box angebunden. Mit einem Blick auf die Armbanduhr stellte ich fest, dass sie sogar noch einige Stunden nach draußen gehen konnte. Also scheuchte ich sie auf den Paddock, der direkt am Gaststall lag. Das Gute daran war, dass man direkt von den Boxen dahin gelangen konnte. Maximal vier Pferde passten darauf. Und Feline hatte den ganzen Platz für sich alleine.

      Die Stangen standen direkt hintereinander. So war eine gute Springreihe garantiert. Gelang der erste Sprung – Kettenreaktion. Aber in gut. Gelehrig war die Stute schon. Aber eine Stange zu verreißen war sehr riskant. Gerade massierte ich die Rückenmuskulatur der hellen Stute mit einem etwa handballgroßen Igelball. Vielleicht war sie einfach zu verspannt. Dann noch mit dem Gummistriegel den Bauch und die Beinansätze gestriegelt – fertig! Ich klopfte den Hals der Kleinen und stellte ihr einen breiten Wassertrog hin. Genau beobachtete ich, wie sie trank, und lächelte zufrieden. Als sie den Kopf hob, bereitete ich sie für das Training vor.
      Tag für Tag steigerte ich den Schwierigkeitsgrad. Zuerst ging es nur darum, sie auf das Abspringen vorzubereiten und sie dann über den Parcours zu geleiten. Nach und nach hatte sich das in ihren Kopf gesetzt und zielgerichtet ging sie über die Hürden. Die Hecken ließen wir erst einmal aus; das Streifen der (Plastik-)Blätter empfand sie als nicht sehr schön. Ich hätte mir bestimmt wieder was gebrochen, wäre ich aus dem Sattel geflogen. Aber wir konnten uns erst einmal fangen und machten mit niedrigen Mauern und einem Kreuz weiter. Auch Clarence durfte sich auf die doch kleine Stute setzen und über den Platz gehen. Doch ihm schien es mehr abzuschaffen als mich. "Alles okay?", fragte ich verwundert, als er im Trab auf mich zu hielt. Er kratzte sich am Hals und sagte dann verlegen, dass er nicht sicher sei. "Und das sagst du mir erst jetzt?!", schimpfte ich. "Feline spürt das, du Dorftrottel. Na los, runter mit dir und mach dich woanders nützlich.", fügte ich etwas ruhiger hinzu. Zum Schluss hatte ich für sie noch etwas besonderes vorbereitet, dass besonders die Muskeln in den Unterarmen und -schenkeln forderte.
      Für das Aquatraining hatte ich in den Wassergängen Cavaletti reingeschraubt. Das gab es wirklich, für die Springpferde zum Aufbau der Muskeln. Daher zog ich mir wasserfeste Schuhe an, holte Feline vom Platz und kümmerte mich um ihre Pflege, ehe sie mit mir in den Gängen übte. Das nasse Element schien ihr Spaß zu machen, und auch das Beineheben ging damit super. Als ich sie mit getrockneten Beinen in ihre Box stellte, vermerkte ich in meinen Notizen, für sie eine Aquatrainingsempfehlung auszuschreiben.

      Endlich war Occulta da. In vier Tagen fand das Turnier statt, und heute gab es ein Babyturnier mit Lautsprechern, Wimpeln – nur die vielen Leute fehlten. Dafür war Feline schick aufgemacht und strahlte nach der Putzeinheit. Es gab auf dem Platz auch zwei Hecken. Denn auf diese würde wohl kaum einer verzichten wollen bei einem Turnier. Occulta schaute zu, während emsig schlechte Musik aus den Lautsprechern dudelte und Feline und ich starteten.
      Die Criollostute hatte sich sehr gut gemacht in den letzten elf Tagen. Sogar die Hecken schienen ihr nichts auszumachen. Occulta war zufrieden, die Stute so beim Turnier starten zu lassen.
      12 Sep. 2015
    • Occulta
      Vorbereitungen

      Ich stand gerade mit Jonas auf dem Sandviereck, um Lisa bei ihrem Training mit Feline zuzusehen. Die Stute musste fit sein, denn in wenigen Wochen stand ein grosses Event bevor: Jolympia. Ich hatte beschlossen, auch etwas mitzumischen und kurzerhand Indiana und Feline genannt. Doch damit war es natürlich noch nicht getan – nun mussten die beiden Pferde entsprechend auf das Turnier vorbereitet werden. Indiana war ziemlich gut im Trainingsplan vorangekommen, doch Feline hatte sich vor kurzem auf der Weide einen Fehltritt geleistet und hinten links einen etwas geschwollenen Fesselträger gehabt. Die Schwellung war mittlerweile zurückgegangen, doch dadurch hatten wir einen Trainingsrückstand von etwa zwei Wochen. Feline hatte noch etwas Mühe mit den Schenkelweichen, denn sie kreuzte hinten zu wenig. Indiana machte dafür Probleme im Cross Country: Sie zog vor den Hindernissen extrem an und kam so meist unpassend. Doch an beidem arbeiteten wir nun intensiv. „Nimm das Bein noch etwas weiter nach hinten“ riet ich Lisa, als sie an uns vorbei kam. Sie setzte die Anweisungen um und hatte prompt etwas mehr Erfolg. Nach weiteren zwanzig Minuten beendeten wir das Training und Lisa ging mit der Criollostute auf die Galoppbahn zum Trockenreiten. „Gehst du zu Oliver und sagst ihm, dass Diana morgen nicht im Renntraining mitlaufen soll?“, forderte ich Jonas auf, der noch immer neben mir stand. Er nickte und schlenderte davon. Ich dachte kurz nach, was ich noch alles vorhatte. Stallkontrolle, Springen mit Dream, nach Pointless sehen. Ich begann in ebendieser Reihenfolge. Im Hauptstall duftete es nach frischem Stroh, wie es sich gehörte. Die teuren Rennpferde standen allesamt auf ihrem trockenen Bett und sortierten gelassen die Hälmchen. Manche trugen schon Fleece Decken, denn wir wollten vermeiden, dass sie viel Winterfell produzierten. Ich sah kurz bei Chiccory rein, denn letztes Mal hatte April vergessen, seine Tränke zu säubern. Ich fand zwar noch ein paar Strohhalme darin, doch die schienen frisch zu sein, woraus ich schloss, dass meine Zurechtweisung von gestern Früchte trug. Zufrieden tätschelte ich dem Scheckhengst auf die Schulter. Er war einer der Kandidaten, die ohnehin nicht viel Winterfell hatten. Seine Mähne war noch ganz weich und geschmeidig vom Einflechten am Samstag. Wir hatten mit ihm und Sunday am Jubiläums Cup einer kleineren Bahn im Norden teilgenommen. Der Hengst hatte dabei wiedermal einen hervorragenden Start hingelegt und war knapp Zweiter geworden. Sunday war etwas zu lange im Mittelfeld blockiert gewesen, sodass er erst spät hatte aussen vorstossen können. Trotzdem war er noch Fünfter geworden. Ausserdem hatte Smelyalata am selben Wochenende beim Green Turf in Liverpool gewonnen und war in die nächst höhere Klasse aufgestiegen. Sie brauchte nun nur noch zwei Siege um im kommenden Frühling für das Aufgewichtrennen in Betaque qualifiziert zu werden. Ich schloss Chiccory‘s Boxentür und spazierte durch die sauber gefegte Stallgasse zum Tor. Im Nebenstall wartete Dream bereits am Boxenfenster auf mich und als sie realisierte, dass ich auf sie zukam, röchelte sie erfreut. „Na meine Süsse“, murmelte ich und hielt ihr ein Karottenstückchen hin. Nichts geht über Bestechung. Ich halfterte sie auf und öffnete die Boxentür, dann führte ich sie geradeaus nach draussen zum Holzgitter und band sie fest. Die Schimmelstute hatte es wiedermal gut gemeint mit dem vom Regen feuchten Weideboden. „Hast du’s wenigstens genossen?“, fragte ich sie vorwurfsvoll und begann, die verkrustete Erde aus ihrer Mähne zu lösen. Ich war vorsichtig, denn ich wollte die langen Haare nicht ausrupfen. Nah zehn Minuten hatte ich genug und nahm etwas Glanzspray und eine Wurzelbürste zu Hilfe. Danach wandte ich mich dem fast weissen Fell des Forest Ponys zu. Oder besser gesagt dem fast braunen. Ich schrubbte eine gefühlte halbe Stunde (pro Körperseite) und war erst zufrieden, als das letzte Klümpchen von den Sprunggelenken weggekratzt war. Danach konnte ich endlich satteln, die Geländegamaschen anziehen und zäumen. Nach dem Aufsteigen ritt ich zur Ovalbahn, dorthin wo früher die Grasrennbahn gewesen war. In deren Mitte befand sich noch immer die kleine Geländestrecke, die meine Tante beim Bau von Pineforest Stable in Auftrag gestellt hatte. Sie war, nun da die alte Grasrennbahn weg war, sogar noch etwas ausgebaut worden. Ich ritt zunächst im Trab um die Hindernisse und Büsche, was ich immer wieder praktisch fand, denn hin und wieder gab es kleine Hügel, bei denen Dream die Hinterhand etwas mehr gebrauchen musste. Nachdem die Stute gründlich eingewärmt war, konnte ich mit dem richtigen Training beginnen. Ich übersprang zuerst den grossen Baumstamm, dann aus der Kurve das Buschhindernis. Anschliessend ging’s den künstlichen Hang hoch und auf der anderen Seite über einen Steilsprung nach unten. Nun folgte der Wassergraben. Der machte Dream besonders Spass, denn die Stute liebte das Wasser seit unserem ersten gemeinsamen Strandausflug. Ich hatte manchmal den Eindruck, als würde sie absichtlich stampfen damit es hochspritzt und auch ich etwas von der Erfrischung abbekomme. Jedenfalls waren diese Hindernisse kein Problem für die Ponystute, was aber auch nicht verwunderlich war. Wir hatten diesen Parcours ja schon oft durchritten, da es der einzige auf Pineforest Stable war und die Hindernisse nur bedingt verschiebbar waren. Ich beschloss, spontan in den Wald zu reiten und dort nach ein paar neuen Herausforderungen für Dream zu suchen. Das würde ihr bestimmt auch mehr Spass machen als immer dieselben Hindernisse zu überspringen. Ich ritt also in Richtung Pinienwald und verliess den Sandweg in nach Westen hin. Schon nach wenigen Minuten fand ich einen massiven, umgestürzten Ast, der schräg an einen anderen Baum gelehnt war. Ich ritt prüfend rundherum und holte dann etwas Anlauf. Dream spitzte die Ohren und war zunächst etwas unsicher, ob ich das wirklich ernst meinte. Doch als ich etwas Druck mit den Beinen machte, hüpfte sie willig über den Ast. Im vorsichtigen Galopp ging’s weiter zwischen den Bäumen hindurch, doch schon nach wenigen Metern musste ich wieder bremsen, da die Bäume hier enger beieinander standen. Zum Glück war der Pinienwald abgesehen von ein paar frisch umgestürzten Bäumen frei von Unterholz, da die Parkwächter immer wieder aufräumten. So hatten wir keine Mühe, uns durchzuschlängeln. Ich fand noch ein paar kleinere Abhänge und ein hübsches kleines Bachbett, sodass wir das Klettern und runterrutschen etwas üben konnten. Dream bekam mit der Zeit richtig Freude an den abwechslungsreichen Situationen und ich musste aufpassen, dass sie nicht zu unvorsichtig wurde. Zuletzt übersprangen wir am Ende des Pinienwaldes, wo bereits der anschliessende Wald aus Tannen begann, ein weiteres hervorragendes Hindernis. Es war eine umgestürzte Tanne, deren Äste eine Lücke bildeten, durch die wir springen konnten. Auch hier zögerte Dream etwas, doch mit meiner Überzeugungskraft flogen wir schliesslich höher als nötig über den harzigen Stamm. Danach machte ich mich auf den Heimweg.

      Zuhause schmierte ich zu Sicherheit eine wohltuende Salbe auf die strapazierten Sehnen und versorgte Dream mit frischem Heu. Gerade als ich fertig wurde, kam Ajith, fröhlich pfeifend wie immer, vom Hauptstall herüber. Er tätschelte Dream und fragte mit seinem Indischen Akzent: „And how did she perform?“ „She was very well“, antwortete ich grinsend und wartete auf das, was er mir eigentlich erzählen wollte. Ich war gut im zwischen-den-Zeilen-Lesen. „I wanted to ask if I could possibly leave at five o’clock today“, murmelte er verlegen, als er meinem auffordernden Blick begegnete. „Sure. I think there’s not much left to do today anyway. But… Do you have a date or what? You never leave without extraordinary reason », stichelte ich schelmisch. « Actually… yes. She’s from Ireland, but she works in Liverpool for one year.“ „Oi, I knew it! And how did you meet her then?“, hakte ich neugierig weiter. „I met her the first time this weekend at the Green Turf. Wait, maybe you’ve seen her aswell…“ Er zeigte mir ein Selfie mit einer hübschen Rothaarigen auf seinem Handy. Sie erinnerte mich augenblicklich an Quinn. Er steht wohl auf diesen Typ Frau, dachte ich im Stillen schmunzelnd. Ich wünschte ihm viel Erfolg und er lief emsig zurück an die Arbeit, umso motivierter als zuvor. Eigentlich ist es schade. Die beiden würden gut zusammenpassen, aber irgendwie laufen sie immer aneinander vorbei… Vielleicht will es einfach das Schicksal, dass sie nicht mehr als gute Freunde sind. Dafür sind sie das allemal, so viel wie sie zusammensitzen. Ich schob die Gedanken an Ajith und Quinn beiseite und machte mich auf den Weg zu Pointless. Warum denn das? Ganz einfach: Vor ein paar Monaten (um genau zu sein vor etwas mehr als sechs) hatte ich sie mit meinem Liebling A Winter's Day verpaart. Die Stute hatte ja im Winter eine besonders schlimme Phase gehabt, wodurch Oliver und ich seither die einzigen gewesen waren, die sie trainiert hatten. Wir waren uns beide einig gewesen, dass eine Pause der jungen Stute guttun würde und sie vielleicht durch ihre Aufgabe als Mutter sogar ruhiger werden würde. Zudem erhoffte ich mir, dass sie sich, sobald das Fohlen abgesetzt war, im Training etwas reifer und erwachsener verhalten würde.
      Ich blieb also vor der Box von Pointless stehen und streichelte sie durch die Gitterstäbe. Sie kam mir im Moment so lieb und harmlos vor, doch sie war noch immer schwierig im Umgang. „In der Box ein Engel, draussen ein Bengel“, pflegte ich zu sagen. Sie durfte heute zusammen mit Ronja auf die Weide. Die Achal Tekkiner Stute und Gianna, das Cremello-Criollo-Tier, erwarteten mittlerweile ebenfalls Nachwuchs. Allerdings erst etwas später. Ich zog die Handschuhe an, die in einem kleinen Sack an der Box hingen, und öffnete die Tür um die Führkette einzuhängen. Pointless hielt ausnahmsweise still. Kurz darauf konnte ich sie aus dem Hauptstall zu den Weiden führen. Ich brachte die Stute auf die grosse Weide unter der Stutenweide, da diese als einzige noch frei war. Dann holte ich Ronja aus dem Nebenstall und liess sie ebenfalls laufen. Die beiden beschnüffelten sich kurz, denn Pointless hatte schon wieder am Zaun gewartet. Dann quietschte Ronja, machte einen Freudenbuckler und trabte mit stolz erhobenem Kopf zum Zaun der an die Stutenweide angrenzte. Dort warteten bereits Moon, Gianna und Shadow, um die seltsam gescheckte Genossin zu begrüssen. Sie grasten nach einer Weile Kopf an Kopf, während Pointless auf der anderen Seite der Weide ihr eigenes Grasfleckchen bearbeitete. Einmal mehr hatte ich das Gefühl, dass in der Sozialisierungsphase der Stute etwas schief gelaufen war. Allgemein musste ihre Fohlenzeit sehr unvorteilhaft abgelaufen sein, nur so konnte ich mir das Verhalten der stürmischen und beinahe gefährliche Jungstute erklären. Selbst in dem knappen Jahr, dass sie auf der Fohlenweide von Pineforest Stable verbracht hatte, war sie nie wirklich abhängig von irgendwem gewesen und hatte immer ihren eigenen Kopf gehabt. Ich nahm mir vor, endlich Nachforschungen über ihre Herkunft zu treiben. Und eines war sicher – ich würde nicht zulassen, dass ihr Fohlen denselben Charakter entwickelte. Doch für heute hatte ich noch genug anderes zu tun, schliesslich wartete ein ganzer Hof voller Pferde und Pfleger auf mich.
      1 Okt. 2015
    • Occulta
      Jolympia

      „Rosie? Rosie, hast du die Geländegamaschen von Feline eingepackt?“, rief ich quer durch den Hauptstall. Die Pflegerin half gerade Quinn dabei, Indiana die Transportgamaschen anzuziehen. Indiana hob hin und wieder drohend das Bein oder machte einen Schritt rückwärts, damit es auch ja nicht zu einfach war. „Yea, I belive I did“, antwortete sie unsicher. „I can’t find them, that’s why I ask… But if you’re sure…“ „Na, I’m actually not“ „Okay, I’ll go get them then. They’re essential you know“ Ich schlenderte also zurück zur Sattelkammer. Es fiel mir schwer, ruhig zu bleiben, dazu war ich einfach viel zu aufgeregt und gestresst. Immerhin begann heute unser Jolympia-Ausflug! Das hochdotierte Turnier fand auf dem Gestüt von Elisa Cranfield statt. Die Reise führte uns also in die Kanadische Provinz Manitoba, genauer: in den Riding Mountain Nationalpark. Dies und die Tatsache, dass es vier Uhr morgens war, schienen mir Grund genug, gleichzeitig hellwach und hundemüde zu sein, was sich eher doof anfühlte. Wenigstens war Jacky topfit. Die Hündin schien nichteinmal zu bemerken, wie früh es noch war – solange ich auf den Beinen stand, wuselte sie zwischen diesen herum. Sheela hatte zwar ebenfalls winselnd an der Tür gekratzt, als ich ohne sie rausging, doch auf dieser Reise würde mich nur Jacky begleiten. Die junge Labradorhündin musste hier bleiben und sich mit Jonas herumschlagen, denn sie war mir einfach noch zu unkontrollierbar. Ausserdem hatte ich mit einem Hund, zwei Pferden und zwei Pflegerinnen genug zu tun. Ich rückte meinen Schal zurecht, als ich mit den Gamaschen, die tatsächlich noch drinnen gewesen waren, beladen zum Anhänger stakste. Es war letzte Woche richtig herbstlich geworden und entsprechend frisch war es ohne die wärmende Sonne. Die würde sich erst in ein paar Stunden blicken lassen, doch dann würden wir bereits beim Flughafen rumstehen. So weit, so gut, dachte ich, und überlegte mir das gefühlte 1000ste Mal, was noch fehlen könnte. Als ich nichts mehr fand, ging ich zu Feline und band die vor dem Nebenstall parkierte Stute los. Sie trug bereits alle Transportgamaschen, hatte das Langhaar eingeflochten, damit es sich nirgends verfangen konnte, und war in ihre Fleece Decke gepackt. Ich deckte meine Pferde immer frühzeitig ein, damit sie nicht zu viel Winterfell produzierten; folglich hatte Feline ebenfalls kaum Pelz. Ich führte die Criollo Dame zum Anhänger und konnte sie problemlos einladen. Die erst sechsjährige Stute hatte sich ohnehin nie vom Reisen beeindrucken lassen. Ihre Nervenstärke war auch einer der Gründe, warum ich sie für Jolympia ausgewählt hatte. Ausserdem wollte ich ihr eine Chance geben, sich zu beweisen. Die Stute hatte lange Zeit sehr unfertig ausgesehen und daher auch nicht die besten Bewertungen bekommen. Doch aus dem grauen Entlein mauserte sich langsam der Schwan.
      Auch Indiana war endlich gut verpackt. Rosie flocht gerade noch ihren Schweif, danach war sie reisefertig. Feline sah uns neugierig entgegen und begrüsste Indiana mit der Schnauze, als ich diese neben sie stellte. Indiana war aber noch etwas verschlafener und döste bereits wieder vor sich her. Die Stute war es gewohnt, früh auf den Beinen zu sein, daher fand sie das ganze Theater sowieso ziemlich unspektakulär. Ich kontrollierte ein letztes Mal die Reisetaschen und Kisten, dann fuhren wir los. Ajith chauffierte uns, denn so konnte er den Anhänger anschliessend gleich wieder zurück auf den Hof bringen. Er beteuerte Quinn gegenüber immer wieder, dass er freiwillig so früh aufgestanden war, während ich ihn wenig später dabei erwischte, wie er Rosie vorklagte, wie müde er doch sei. Ich sagte nichts darauf, denn er hatte sich tatsächlich freiwillig gemeldet, was mich sehr überrascht und erfreut hatte. Aber Im Hinterkopf reimte ich mir zusammen, dass er Quinn noch ein letztes Mal sehen wollte, ehe wir für eine ganze Woche weg sein würden. Die beiden blieben mir ein Rätsel, denn sie waren trotz allem nur ziemlich gute Freunde. Er hatte zum Beispiel vergangene Woche eine hübsche Dame aus Liverpool kennengelernt, mit der er sich nun regelmässig verabredete, und sie machte sich sowieso nichts aus Männern, viel lieber verbrachte sie Zeit mit den Pferden. Allerdings kaufte ich ihr diese Haltung gegenüber Ajith nicht ganz ab, denn ich meinte, einen Anflug von Eifersucht in ihren ironischen Sticheleien über Ajith’s ‚special date‘ zu bemerken. Vielleicht bildete ich mir das aber auch nur ein.

      Im Auto wurde mir wieder bewusst, dass es mittlerweile halb fünf war. Die Lichter und das Rauschen der anderen Autos machten mich schläfrig, sodass ich einmal tatsächlich wegnickte. Sogar Jacky, die auf meinem Schoss lag und bei jedem hellen Licht den Kopf hob, gähnte ausgiebig. Doch spätestens beim Flughafen waren wir beide wieder hellwach. Wir luden die Pferde aus und brachten sie zum zuständigen Flughafenpersonal. Den Vet-Check hatten sie schon vor einer Woche bestehen müssen, damit nun alles reibungslos klappen konnte. Wir schleppten die Kisten mit den Sätteln und dem groben Zubehör auf einen kleinen Rollwagen und brachten sie zur Gepäckabgabe. Auch die winselnde Jacky musste in einer Transportbox verschwinden und wurde zu den anderen mitreisenden Kleintieren gebracht. Dann stiegen wir selbst ins Flugzeug. Da nun alles sicher verstaut war, konnte auch ich anfangen, das Ganze zu geniessen. Start und Landung machten mir immer besonders Spass, während Rosie ihre Fingernägel in die Armstützen grub. Wir plauderten den ganzen Flug hindurch und hatten es sehr lustig, wohl eher zum Leid der etwas älteren Passagiere vor uns.

      Nach einer halben Weltreise (im wahrsten Sinne des Wortes) kamen wir schliesslich mit einer halben Stunde Verspätung in Winnipeg, Kanada an. Von da aus ging’s per gemietetem Camion direkt auf das Gestüt Townsend Acres, so jedenfalls der Plan. Es kam natürlich wie immer anders, sodass wir irgendwo in der Pampa mitten im Nationalpark landeten und per Mopho Hilfe anfordern mussten. Zum Glück wurde rasch klar, wo wir falsch abgebogen waren. So kamen schliesslich endlich, um zehn nach zwölf Uhr Mitternacht, die Weiden des Gestüts in Sichtweite. Ich hatte in diesem Augenblick kein Auge für die wundervolle Landschaft und die grosse Anlage, alles was zählte war, dass wir endlich da waren. Die Pferde dachten wohl dasselbe und staksten steif aus dem Transporter. Natürlich hatten wir immer wieder Pausen gemacht und die Tiere etwas geführt, doch nach solch einer langen Fahrt waren sie trotzdem ausgelaugt. Ich fühlte mit ihnen. Wir wurden sogar um diese Zeit noch in Empfang genommen und sogleich zu den Boxen gebracht, in denen die beiden Pferde während unseres Aufenthalts untergebracht sein würden. Indiana blickte aufgeregt umher und sog die fremde Luft ein – sie witterte die vielen anderen Pferde. Feline lief dicht hinter mir her, als ob sie sich etwas schüchtern verstecken wollte. Rosie, Quinn und ich gingen sicher, dass es den beiden Stuten an nichts fehlte. Erst danach gönnten wir uns selbst den ersehnten Schlaf im Camion.

      Am nächsten Morgen wachte ich im Wohnraum des Camions auf und war zunächst völlig orientierungslos. Doch schon einen Augenblick später stand ich neugierig am Fenster und bewunderte die Aussicht auf das Gestüt. Ich erkannte sogar einen kleinen See. Nun war ich hellwach und konnte es kaum erwarten, rauszugehen, um mir alles anzusehen. Rosie schlief noch, Quinn hatte sich soeben aufgerichtet und rieb sich die Augen. „Morning“ murmelte sie verschlafen, und ich erwiderte voller Elan. Sie liess sich rasch davon anstecken. Um 9 Uhr schliesslich standen wir bereits bei Feli und Diana, um den beiden einen Guten Morgen zu wünschen und sie kurz Probelaufen zu lassen. Ich war ganz zufrieden mit dem Gangbild, offenbar hatten sie sich keine Verletzungen während der Reise zugezogen. Bestens gelaunt spazierte ich nun mit den beiden Pflegerinnen über das Gelände. Überall herrschte reges Treiben: Pferde wurden gymnastiziert, Zelte aufgebaut und Lautsprecher getestet. Viele wirkten gestresst und hasteten von einem Transporter zum nächsten, doch die allgemeine Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Ich fand kurz darauf Sarah McAlistair, die mit einer alten Bekannten hier war: Argenté Noir. Meine Welsh Stute war ja seit ein paar Wochen bei ihr im Training und wir hatten abgesprochen, dass auch sie aufgrund ihrer tollen Fortschritte nach Kanada kommen sollte. Ich strich der Windfarbstute den dichten Schopf seitlich übers Auge und gab ihr ein Begrüssungs-Karottenstück. „Sie scheint mich jedenfalls noch zu kennen“, scherzte ich und wir lachten. Jacky vergnügte sich unterdessen mit Corvus. Die beiden flitzten wie von Bienen gestochen den Weg auf und ab.
      Sarah musste wie wir selber noch viel vorbereiten, also liess ich sie wieder in Ruhe und wanderte weiter. Wir trafen viele bekannte Gesichter, darunter auch Jackie, unsere Nachbarin in England. Nach dem Mittagessen trainierte ich mit Feline auf dem Geländeparcours, um sie etwas an die Umgebung zu gewöhnen. Quinn übernahm Indiana und tat es uns gleich. Die beiden liefen hervorragend; das harte Training der vergangenen Wochen zahlte sich aus. Zufrieden liessen wir die Pferde vor dem Verräumen noch etwas am Wegrand grasen. Am Abend trafen wir uns mit den anderen Teilnehmern und den Organisatoren zu einem kleinen Eröffnungsanlass, bei dem nochmals wichtige Infos für den Morgigen Tag verkündet wurden. Ich ging anschliessend früh zu Bett um erholt zu sein, Rosie und Quinn blieben noch etwas mit den anderen bei den Festzelten.

      Am ersten offiziellen Jolympia Tag wurde ich pünktlich von meinem Wecker aus dem Traum gerissen. Ich hatte von einer grossen Wiese mit seltsamen Bäumen geträumt, doch war wach bevor ich sie mir genauer ansehen konnte. Wir assen alle drei ausgiebig Frühstück, damit wir Energie für den Tag hatten, dann ging’s ab zu den Pferden. Zuerst fand die Dressurprüfung statt. Mit Indiana startete Quinn um 11 Uhr, Feline und ich waren erst am Nachmittag dran.
      Wir widmeten uns also erstmal alle der lackschwarzen Stute, die die Aufmerksamkeit zu geniessen schien. Sie wurde schliesslich nicht alle Tage von drei paar Händen massiert und betüttelt. Sie fühlte aber auch, dass etwas Besonderes im Gange war, und sie sich gleich von ihrer besten Seite würde zeigen müssen, denn sie war ungewöhnlich hibbelig. Dies äusserte sich zum Beispiel dadurch, dass sie mit künstlicher Langeweile mit den Lippen die Führkette bearbeitete. Jacky hatte ich in Indianas Box gesperrt, damit sie während des Turniers nicht im Weg war. Jedesmal, wenn ein anderes Pferd vorbeigeführt wurde, streckte Diana neugierig den Hals. Ich betrachtete dabei prüfend die schöne Oberlinie und war zufrieden mit dem Anblick. Besonders als die Stute komplett ausgerüstet dastand, kam ich aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Kein Stäubchen fand sich mehr auf dem tiefschwarzen Fell und die Mähne war sehr gründlich und filigran eingeflochten. Der Schweif fühlte sich klebrig aber unheimlich weich an vom Glanzspray. Die Abzeichen waren strahlend weiss und die Hufe eingeölt, wie es sich gehörte. Für Quinn und Indiana wurde es nun ernst. Die beiden begaben sich auf den Abreitplatz und wärmten sich gründlich auf, bis sie schliesslich aufgerufen wurden. „Good luck!“, riefen Rosie und ich ihnen noch hinterher, dann gesellten wir uns zu den anderen Zuschauern. Kurz nach dem Einreiten der beiden verstummte das Geschnatter der Leute und sie sahen sich konzentriert die Vorstellung an. Mir lief ein Kribbeln über den Rücken, als Indiana das erste Mal den Trab verstärkte. Klar – sie hatte nicht so einen Strampeltrab wie ein hochausgebildetes Warmblut, doch sie gab ihr Bestes und es wirkte harmonisch und taktvoll. Quinn gab kaum sichtbare Hilfen und die Stute reagierte sofort, sie war vollkommen auf ihre Reiterin fixiert. Aber Quinn schaffte es ohnehin immer, die Pferde auf magische Art und Weise genau auf sich abzustimmen. Die beiden hielten gerade bei B und vollführten eine Schulterwendung auf dem inneren Hufschlag. Danach ritt Quinn auf die Mittellinie und bei X um die Stute einige Schritte rückwärts treten zu lassen. Indiana war zwar noch nicht sehr weit ausgebildet in Dressur, doch die Lektionen, die sie beherrschte, führte sie präzise und elegant aus. Die Krönung des Dressurprogramms war eine kleine Volte im Galopp mit anschliessendem Schrittübergang beim Hufschlag. Indiana stoppte sofort und Quinn konnte gerade noch verhindern, dass sie ganz anhielt. Nun liess sie die Stute in die Tiefe strecken bis zum Buchstaben A. Dort nahm sie sie wieder auf und wechselte ein letztes Mal die Seite, bevor sie wieder in den Trab einspringen liess und auf der Mittellinie schliesslich vor den Richtern zum Halt kam. Rosie und Ich klatschten wohl am lautesten, doch auch den anderen Zuschauern schien die Show gefallen zu haben. Quinn ritt mit langem Zügel aus dem Viereck und wir empfingen sie kurz darauf auf dem Weg zu den Boxen. Ich tätschelte aufgeregt Indianas Hals und gab der Stute ein paar Karottenstücke. Wir sattelten sie ab und führten sie mit der Fleece Decke etwas trocken, dann liess ich sie an der Hand grasen. Wir hatten Zeit zum gemeinsamen Mittagessen, doch danach musste ich langsam aber sicher Feline fertig machen. Auch sie wurde ganz nach englischer Manier gründlichst geputzt und schick gemacht. Weisse Schabracke und ein funkelndes Stirnband waren ein Muss. Doch natürlich musste auch ich entsprechend aussehen. Wie schon Quinn am Morgen, zog ich mir nun einen schwarzen … an und steckte die Haare hoch, damit sie auch ja nicht in den Weg kamen. Da ein Helm hier Pflicht war, verzichtete ich auf den Hut und schützte meinen Kopf diesmal richtig. Rosie erwischte mich gerade beim Stiefelputzen, um zu fragen, ob sie Indiana heute Abend noch bewegen solle. Ich verneinte und schlug vor, sie nur etwas Schritt zu führen.
      Um drei Uhr stand ich mit Feline durch und durch bereit auf dem Gehweg neben Rosie und Quinn, die vor Anspannung abwechselnd den grauen Hals des Criollos kraulten. Wir versuchten uns mit ein paar Scherzen aufzulockern, was auch bestens klappte. Nun war es soweit und ich ritt auf den Platz. Zunächst grüsste ich die Richter, wie es sich nunmal für ein Dressurturnier schickte. Dann spulte ich unser Programm runter. Beim verstärkten Trab konnte ich Feline sogar dazu bewegen, die Beine noch etwas höher zu nehmen als im Training, herausragend war sie natürlich trotzdem nicht, da sie als Criollo eher ein Allrounder und kein Dressurgaul war. Aber ich war zufrieden mit der Leistung der Stute, und die Richter waren es anscheinend auch. Jedenfalls nickten sie anerkennend, als ich mittels gut gelungenem Galoppwechsel durch die Breite der Bahn wendete. Und als Feline eine nahezu perfekte Hinterhandwendung ausführte, klatschten ein paar der Zuschauer. Am Ende der Kür hielt ich wieder vor den Richtern, doch dabei patzte Feli etwas, denn sie stand nicht ganz geschlossen. Ich verzog etwas enttäuscht das Gesicht, doch lobte die Stute trotzdem ausgiebig für ihre tolle Leistung.
      Als ich Feline trockengeführt und ihre Hufe kontrolliert hatte, brachte ich den beiden Pferden noch etwas Heu. Wir verbrachten den restlichen Nachmittag damit, mit den anderen mitzueifern und Leute aus aller Welt kennenzulernen. Jacky lernte ausserdem ein paar neue Spielkameraden kennen, denn sie und Corvus waren lange nicht die einzigen Begleittierchen auf dem Gelände. Abends war ich ganz schön müde, doch diesmal blieb ich auch noch etwas auf und schwatzte mit den anderen bei einer Tasse Tee. Ausserdem mussten wir den Pferden noch die Fleece Decken für die Nacht anziehen. Winnipeg zählte im Winter zu den kältesten Städten überhaupt, und die lauen herbstlichen Temperaturen aus England kamen mir im Vergleich warm vor. Maximaltemperatur war tagsüber gerade noch 11 Grad, nachts konnte es sogar jetzt schon bis unter null fallen. Zum Glück hatten wir uns ausreichend vorbereitet und die Decken mitgenommen. Auch Jacky schlotterte an diesem Abend wiedermal. Als ich mit den anderen in Festzelt sass, sprang sie mir auf den Schoss, rollte sich zusammen und schlief von meiner Körperwärme umgeben ein.

      Der nächste Morgen begann mit strahlendem Sonnenschein, doch im Verlaufe des Tages wurde es bedeckter. So war es dann auch, als wir Indiana fürs Springen vorbereiteten. Wir zogen ihr Sehnenschoner und Vorderzeug an, ausserdem Streifkappen für hinten. Ihren Springsattel hatte ich wie auch den Dressursattel extra nochmal geputzt und eingefettet, sodass er wieder wie neu aussah. Ich zog mir das rote Jacket über mein weisses Hemd und führte die motivierte schwarze Stute zum Aufsteigen. Zum Aufwärmen ritt ich ein paar Steilsprünge und einen Oxer an, die ein wenig höher gestellt waren als die Hindernisse des Parcours. Zu sehr wollte ich sie aber noch nicht galoppieren lassen, damit sie nicht schon müde wurde. Als wir das Viereck betraten, beendete gerade die vorherige Reiterin den Parcours und verliess unter Jubel den Platz. Ich zeigte Indiana die buntesten Hindernisse, bis die Richter bereit waren und ihr Okay gaben. Dann galoppierte ich die Vollblutstute aus dem Schritt heraus an und ritt auf das erste Hindernis zu. Indiana zog etwas an und überwand den blauen Steilsprung mühelos. So erging es uns auch mit den nächsten drei Sprüngen. Vor der Kombination musste ich die Stute stark aufnehmen, sonst hätte der Abstand nicht gepasst. Doch es klappte und wir kamen erfolgreich zum zweitletzten Hindernis, einem Oxer. Indiana wollte kurz Zögern, doch ich schloss energisch die Beine und gab gut mit dem Zügel nach, als sie einen grossen Satz über die Stangen nahm. Nach der Landung nahm ich die Zügel gleich wieder auf und ritt den letzten Steilsprung an. Ich liess sie nochmal richtig Gas geben, bremste rechtzeitig ab und schickte sie wie einen Gummiball über den Sprung. Dann rasten wir im Galopp durch die Lichtschranke des Zeitmessgeräts. Ich bremste sie einhändig und flattierte triumphierend ihren Hals. Im Trab verliessen wir das Viereck und schlossen uns wieder Rosie und Quinn an.
      Indiana hatte etwas geschwitzt, also führte ich sie wieder trocken und bürstete sie nochmal durch, ehe ich sie in die Box versorgte. Die ganze Zeit über flitzte Jacky umher und ich musste Acht geben, dass sie nicht unter die Hufe der anderen Pferde kam, beziehungsweise ihnen überhaupt zu nahe kam.
      Rosie bereitete in der Stallgasse bereits Feline vor, die in einer halben Stunde dran war. Langsam aber sicher musste sie sich beeilen, damit die Stute am Ende auch genug aufgewärmt war. Rosie führte die Stute zum Abreitplatz und ich überliess Quinn die Aufsicht, denn ich wollte inzwischen beobachten, was die Konkurrenz bot. Es gab ein paar schöne, fehlerfreie Durchgänge und ich biss schliesslich angespannt auf meiner Unterlippe herum, als Feline den Platz betrat. Sie war im Springen noch Amateur und musste nun gegen eine starke Konkurrenz antreten. Ich hatte Rosie im Voraus gesagt, dass sie eher auf Fehler achten solle, als auf die Zeit, denn ich war mir ohnehin sicher, dass Feline nicht mit der Geschwindigkeit der wendigen Trakehner mithalten konnte. Sie schlug sich jedoch besser als erwartet. Rosie wagte zwar einige Manöver, denen ich mit Kopfschütteln folgte, in der Angst, dass sie schiefgehen würden, doch die erfahrene Springreiterin wusste genau, wie weit sie mit der Stute gehen durfte. Nach den vielen Trainingsstunden konnte sie Feline perfekt einschätzen und die Sprünge gut geplant anreiten. Rote und graue Haare wehten über der Kombination, dann folgte auch schon der Oxer und zuletzt der Steilsprung. Dabei liess sie sich mehr Zeit als ich und ritt den Sprung schön ruhig an. Zum Glück – denn Feline war langsam etwas flach geworden. So konnte sie auch dieses Hindernis noch spielend überwinden und den Parcours so wie ihre Vorgänger fehlerfrei abschliessen. Ich empfing die beiden zusammen mit Quinn beim Eingang des Vierecks und wir kümmerten uns anschliessend alle um Feline.

      Der letzte Tag war angebrochen und ich war aufgeregter denn je. Heute war der Geländeparcours dran, etwas, was ich mit Indiana besonders intensiv trainiert hatte. Ich betete, dass die Stute diesmal ruhig bleiben würde, denn je nach Laune war sie im Training recht heftig geworden. Ich sattelte sie und zog ihr die Geländegamaschen an, die ihre Beine schützten. Dann zäumte ich Indiana und führte sie zum Abreitplatz. Nach dem Aufsteigen ritt ich ein paar Dressurlektionen, um ihre Konzentration zu wecken und ihren Gehorsam zu prüfen. Nach einer Viertelstunde überwand ich noch ein paar höher gestellte Hindernisse und begab mich anschliessend zum Parcours. Ich konnte Rosie und Quinn nicht finden, also stellte ich mich einfach beim Start hin und wartete. Indiana hibbelte schon etwas herum, als ich endlich starten durfte. Ich liess sie erst traben, dann galoppieren und auf das erste Hindernis zu laufen. Es war ein schlichter Baumstamm, doch wir überwanden ihn problemlos. Ich war mir sicher, dass noch interessantere Hindernisse folgen würden und wurde nicht enttäuscht: Beim Bau der Anlage war an Kreativität nicht gespart worden. Doch es gelang mir, Indiana zwischen den Hindernissen kontrolliert zu halten und so war alles andere keine Hexerei. Als der letzte Sprung in Sicht kam, konnte ich es kaum fassen. Ich war so aufgeregt gewesen und nun war es schon vorbei? Beim letzten Absprung drückte Diana nochmal ordentlich ab und zeigte ihr Vermögen, doch solange wir sicher auf der anderen Seite ankamen, was der Fall war, war mir das recht. Wir donnerten an der Zeitmessung vorbei, ehe ich sie in den Trab bremste und ausgiebig lobte. Dann verliessen wir den Parcours. Nun wurde mir klar, warum die beiden Pflegerinnen verschwunden waren: Sie hatten Feline vorbereitet, die nun gerade auf dem Abreitplatz lief. Ich war so konzentriert gewesen, dass ich gar nicht mehr daran gedacht hatte. Ich liess Indiana am langen Zügel auf den Feldwegen um den Hof auslaufen. Andere taten es mir gleich und so lernte ich selbst am letzten Tag noch ein paar Reiter kennen. Als Indiana versorgt war und zufrieden ihre Karotten zerkaute, liess ich Jacky raus und joggte mit ihr zurück zum Parcours, um Felines Umgang mitzuverfolgen.

      Die graue Criollostute war mitten drin und überwand gerade den Abhang vor dem Wassergraben. Ich fieberte mit und bemerkte kaum, wie mir Quinn auf die Schulter tippte und zu meiner fehlerfreien Runde gratulierte. Rosie musste der Stute etwas einheizen, denn im Vergleich zu Indiana war sie heute fast schon faul. Sie kam etwas knapp über den Sprung aus Gebüschen, doch vor dem nächsten gewann sie durch Rosies aufforderndes Treiben wieder an Schwung. So schafften es auch die beiden, wieder ohne Fehler aus dem Parcours zu reiten. Quinn und ich hielten Feline, während Rosie nach dem trockenreiten abstieg. Feli rieb den Kopf an meiner Reithose und strich so den ganzen Schaum auf den schönen weissen Stoff. „Du kleines Schweinchen!“, lachte ich, denn nach solch einer Leistung konnte ich ihr nicht böse sein.
      17 Okt. 2015
    • Occulta
      „Ein gestreiftes Pony!“

      Ein wildes Poltern weckte mich, noch bevor es der Wecker tat. Einen Moment war ich erschrocken, aber dann wurde mir die Ursache dieses Lärms klar, denn im selben Moment vernahm ich die Stimme eines kleinen Mädchens von der Küche her. „Neeeeein Sheela, aus!“ Ich streckte mich und ging die Treppe runter, um zu sehen, was los war. Da stand sie, meine kleine Nichte, und versuchte, der schwarzen Labradorhündin einen Socken aus dem Maul zu ziehen. Als sie mich sah, liess Sheela prompt los und kam schwanzwedelnd angebraust. Lily sah mich schuldbewusst an. „Morgen Occu, ich wollte dich nicht wecken, aber Sheela hat meine Socke geklaut, als ich auspacken wollte…“ „Und warum um Himmels Willen muss das um fünf Uhr morgens geschehen?“, fragte ich amüsiert augenrollend. Ich konnte der kleinen nicht böse sein, zumal ich in wenigen Minuten eh aufgestanden wäre. „Ich bin aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen… Ich bin halt schon genauso gut im früh aufstehen wie du!“ Im nächsten Augenblick ertönte ein lautes Piepen aus meinem Zimmer. „Der Wecker – ich bin gleich zurück“, rief ich genervt, während ich bereits die Treppe hoch rannte.
      Ich war es nicht gewohnt, etwas Spezielles zum Frühstück zu machen; normalerweise kam ich mit einem Müsli völlig aus. Aber für Lily machte ich eine Ausnahme und briet ein Spiegelei. Sie meinte jedoch im Nachhinein, dass sie in Zukunft auch mit einer Scheibe Brot nicht verhungere, was mich insgeheim ziemlich erleichterte. Sie versuchte mich nachzuahmen und holte ebenfalls ihr Reitzeug aus dem Koffer, als ich in meine Reithose schlüpfte. Ich grinste über diesen Enthusiasmus und vergass dabei sogar, dass ich eigentlich noch hundemüde war. Apropos Hunde – Sheela und Zira hatten sich nun gegenseitig als Spielpartner entdeckt und tobten wie befürchtet durch die Küche. Bevor sie noch etwas runterschmeissen konnten, liess ich sie zusammen mit Jacky raus. Sheela hatte anscheinend sogar vergessen, dass ihre Pfote schmerzte. Zuerst wollte ich Lily alles zeigen, denn sie war ja erst gestern spät abends angekommen. Ich führte sie zum Hauptstall, wo ich ihr gleich die anwesenden Pfleger vorstellte. Natürlich fand sie Ajith mit seinen lustigen Sprüchen auf Anhieb am Sympathischsten - wer schon nicht. Dann durfte sie mich über die Rennpferde ausfragen. Ich versuchte mir vorzustellen, wie sie sich fühlte, während sie die Champions hautnah erleben konnte. Was für mich alltäglich war, musste in den Augen eines kleinen Pferdebegeisterten Mädchens fantastisch sein. Und das Beste war, dass sie nun einen ganzen Monat Zeit hatte, jeden von ihnen kennenzulernen. Sie war das erste Mal hier, da Rachel immer Angst gehabt hatte, dass sie unter die Hufe der grossen Vierbeiner kommen könnte. So hatte sie sich mit den fetten Shettys, die in ihrer Nachbarschaft lebten, zufriedengeben müssen. Doch dafür hatte sie auf denen schon viel gelernt, besonders an Durchsetzungsvermögen hatte sie gewonnen. Und trotz ihrer Begeisterung für die grossen Vollblüter, war sie hin und weg, als sie die Minis auf der Weide entdeckte. „Oh wow, die sind ja noch kleiner als Paulchen! Und soooo süss!“ Ich sparte mir die Mühe zu fragen, wer Paulchen war und schmunzelte, als Tic-Tac an ihrem Reissverschluss zog. Ich musste Lily fast weiterschleifen, doch spätestens zu den Fohlen rannte sie wieder voraus. „Oi, nicht zu stürmisch!“, rief ich lachend hinterher. Die Hengstfohlen fanden das kleine Mädchen unglaublich spannend. Sie beschnupperten sie durch den massiven Holzzaun, streckten ihr die warmen Schnauzen ins Gesicht und knabberten an ihren Haaren. Gerade als ich dazu kam, wurde Alysheba zu frech und wollte der kleinen in den Arm kneifen. Aber sie war ohnehin schneller als ich und bestrafte den braunen Jungspund schimpfend mit einem Klaps auf die Nase, woraufhin er zurückzuckte. Wir gingen weiter zur Stutenweide und ich stellte ihr Feline und Gianna vor, die sie beide in nächster Zeit vor allem reiten würde. Aber auch im Nebenstall wartete eine interessante Bekanntschaft; meine weisse New Forest Stute. White Dream zog von Anfang an die Aufmerksamkeit des Mädchens auf sich, obwohl sie fast zuhinterst stand. „Occu, wie heisst das hübsche Pony dahinten??“ Ich schmunzelte und öffnete die Boxentür einen Spalt weit, als wir davor standen. Lily betrachtete sie ganz bewundernd und schwärmte immer wieder, wie toll ihre blauen Augen seien. Doch als sie fragte, ob sie Dream auch Mal reiten dürfe, (sie sei ja „eh nicht so gross“), blieb ich skeptisch und meinte vorsichtig „Vielleicht in ein paar Wochen, aber die ist vermutlich trotz ihrer geringen Grösse eine Nummer zu viel für dich.“ „Aber Tante Occu, warum denn??“ „Weil sie halt ab und zu ziemlich Gas gibt und ganz schön kräftig ist.“ „Ich hab keine Angst vor kräftigen Ponys! Paulchen hat auch seinen eigenen Kopf.“ „Ja, aber Dream ist wirklich auf den Sport getrimmt, besonders aufs Springen… Wir werden sehen.“ Sie schien nicht zufriedengestellt, folgte mir aber trotzdem, nachdem sie nochmals Dreams Nüstern gestreichelt hatte.
      Als letztes sahen wir uns den Nordstall an. Darin roch es nebst dem Stroh auch immer noch nach frischem Holz und ein klein wenig nach Farbe. Lächelnd streichelte ich Paluche, der seit neustem auch seine Box im Nordstall bezogen hatte. Er war immerhin schon über dreijährig und sollte langsam eingeritten werden. Ich freute mich schon darauf, das erste Mal auf dem Rücken des kräftigen Junghengstes zu sitzen. Im Moment sah er noch wie ein richtiger Wildfang aus, aber ich wollte ihm morgen die praktische, für Criollos typische kurze stehmähne verpassen und ihn richtig herausputzen. Im Nordstall gefiel der kleinen Lily besonders Dancer mit seiner langen, gewellten Mähne. „Du hast wohl ein Flair für weisse Pferde, was?“, stellte ich lächelnd fest. „Jap, die sind einfach am schönsten. Sie sehen fast aus wie Einhörner!“ „Da hab ich’s ja gut getroffen mit den beiden Criollo Damen die du reiten wirst.“ „Ich kann es kaum erwarten!“, meinte sie aufgeregt. „Na gut, aber zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wir helfen den Pflegern kurz beim Füttern, dann kriegst du deine erste Reitstunde von mir.“ Sie hüpfte begeistert zum Hauptstall, wo die meisten Pfleger bereits die Kessel in den Schubkarren mit Kraftfutter füllten. Jedes Pferd bekam einen Mix aus verschiedenen Getreidesorten und Pellets, dazu ein wenig Mineralfutter und Kräuter. Auf den Boxenschildern standen jeweils die Mischverhältnisse, was Ajith dem kleinen Mädchen nun erklärte. Dann ging alles ruck zuck. Jeder Pfleger schnappte sich einen Massbecher und füllte ihn den Angaben entsprechend. Wie durch fleissige Bienen wurde so eine Box nach der anderen besucht. Lily konnte gut mithalten, auch wenn sie manchmal noch Mühe mit dem Einfüllen hatte. Bei Caligari verschüttete sie das Mass, weil die Stute sie ungeduldig schubste. „Selber schuld, jetzt musst du eben vom Boden fressen!“, rief sie daraufhin aufgebracht. Quinn und ich sahen uns grinsend an. Wir gingen nach dem Hauptstall natürlich auch zu den Offenställen, dem Neben- und dem Nordstall. Lily wollte den Minis auch eine Portion bringen, aber ich erklärte ihr, dass die kleinen Pferdchen ja nicht geritten wurden und ihre Ration durch Heu abgedeckt wurde. Daraufhin schickte ich sie mit einer Schubkarre zum Heulager, während wir die Grosspferde fertig versorgten.
      Ich hielt mein Versprechen und begleitete Lily zur Stutenweide, um Gianna abzuholen. Die Cremellostute senkte brav den Kopf, damit Lily das Halfter über ihre Ohren streifen konnte. Dann führte sie sie zum Nebenstall. „Hey sag mal… Meinst du du kannst schon frei reiten?“, fragte ich sie. „Was denkst du denn? Klar kann ich! Ich geh mit Paulchen immer alleine raus!“, war die empörte Antwort. Während Lily schon die Putzkisten holte, ging ich also zu Islah’s Box, da ich natürlich lieber selber auch ritt, anstatt einfach nur Reitlehrerin zu spielen. Wir putzten die beiden Pferde gründlich. Das kleine Mädchen machte ihre Sache gut, sie hatte es scheinbar schon oft mit schlammverkrusteten Ponys zu tun gehabt. Wenn sie an eine Stelle nicht heran kam, stellte sie sich einfach auf die Putzbox. Beim Satteln musste ich ihr aber helfen, denn der Westernsattel war etwas zu schwer für sie. Auch das Zaumzeug legte ich Gianna selber an, danach war es wieder an Lily, die Stute zur Halle zu führen. Es hatte angefangen zu tropfen, daher wollten wir lieber vorsorglich in die trockene Halle gehen. Tatsächlich bewies sie Geschick im Lenken der Stute, die ja trotz allem deutlich grösser als ein Shetty war. Ich gab ihr nach dem Eingewöhnen eine halbe Stunde lang intensiven Unterricht, indem ich ihren Sitz korrigierte und sie einfache, aber präzise Figuren reiten liess. Bei der Schlangenlinie hatte sie etwas Mühe, aber das war auch nicht einfach mit den vielen Kurven. Sie ritt zwar mit Ginis Westernsattel, aber trotzdem gab ich ihr Englischen Unterricht, denn Western kannte sie noch nicht. Die Stute war sich nur diesen Sattel gewöhnt und am Sattelhorn konnte sich Lily im Notfall festhalten, deshalb fand ich diese Variante praktisch. Gini spielte brav mit, wie ich es von der Stute kannte. Dadurch, dass sie im Westernstil so fein ausgebildet war, brauchte Lily nur die Zügel etwas zur Seite zu bewegen, um sie trotz ihrer kurzen Beine zu steuern. Unterdessen Machte ich mit Islah die meisten Figuren vor und zeigte, wie es am Ende aussehen sollte. Zum Glück war das Arabische Vollblut heute gut drauf, sodass ich nicht mit Bocksprüngen oder ähnlichem zu kämpfen hatte.
      Nach der Stunde war das Mädchen immer noch voller Energie und wollte unbedingt mitkommen, als ich mit dem Anhänger Devil in Prada abholen wollte. Die kleine Stute war Dod’s erste Tochter gewesen und nun ein kräftiger Jährling. Ihre Besitzerin hatte sie uns zurückverkauft, nachdem sie eine Stallumstellung vorgenommen hatte, worüber ich keineswegs wütend war. Ich freute mich, das Fohlen zurück auf Pineforest Stable begrüssen zu dürfen, denn sie war schliesslich etwas ganz besonderes. Wir holten sie beim Flughafen ab und Lily half mir beim Verladen, natürlich achtete ich darauf, dass sie nicht in Gefahr geriet. Rachel hätte es mir nie verziehen, wenn ihre Tochter unter die Hufe eines meiner Pferde gekommen wäre. Prada ging ohne zu zögern in den Anhänger, es schien fast, als wüsste sie, dass diese Reise sie nach Hause führte. Lily war übrigens auch von diesem Pferdchen ganz begeistert – schliesslich hatte es blaue Augen, war weiss-grau gescheckt und noch dazu „soooo süss!“ Zuhause brachte ich Prada zu den anderen Stutfohlen, von denen sie natürlich erstmal ausgiebig beschnuppert wurde. Sie war direkt verkauft worden als sie entwöhnt war, also hatte sie nie wirklich mit den anderen Jährlingen Kontakt gehabt. Wir beobachteten die Gruppe eine Weile, um sicherzugehen, dass sie nicht zu grob mit der Neuen umgingen. Ich nutzte die Gelegenheit, um Lily ein wenig über das Pferdeverhalten zu erzählen. „Da, jetzt zeigt Primo mit den Ohren, dass Prada nicht zu nahe kommen soll. Wenn sie die Nase so rümpfen, bedeutet das entweder, dass es ihnen nicht gut geht, oder dass sie etwas nicht mögen; du musst immer gleichzeitig auf die Augen und die Ohren achten. Auch Schweifschlagen deutet auf Unwohlsein.“ „Aber die da drübenist nicht krank, oder?“ „Nein, Penny ist heute bloss etwas mürrisch und mag Prada wohl noch nicht sonderlich“, erklärte ich. Lily beobachtete die Fohlen mit grossen Augen und versuchte eifrig, weitere Verhaltensmuster zu erkennen. Ich war stolz, dass sie sich so brennend dafür interessierte, denn das war die Basis für die Zusammenarbeit mit den Vierbeinern.

      Vor dem Mittagessen schufteten wir nochmal im Stall und halfen beim Misten. Dann genossen wir unsere wohlverdienten Ravioli. Jedenfalls Lily tat das, denn gerade als ich mich endlich gesetzt hatte und die Gabel zum Mund führen wollte, klingelte das Telefon. Augenrollend stopfte ich die paar Ravioli in den Mund und stand auf um es zu holen. Am anderen Ende stellte sich eine Frau als Sekretärin eines in der Nähe liegenden Zoos vor. Na toll, was will die denn?, dachte ich verwundert. ‚Wollen‘ tat sie nichts, im Gegenteil, etwas loszuwerden hatte sie im Sinn. „Wir haben vor einer Weile ein paar neue Zebras aus einer Zucht übernommen, doch nun müssen die Gehege saniert werden und danach wird es wohl nur noch Platz für eine kleine Herde geben. Drei Zebras wurden bereits an andere Zoos vermittelt, doch das vierte konnten wir bisher nirgends unterbringen. Da es aufgrund seiner Herkunft sehr zahm ist, haben wir unsere Suche auf Privatpersonen erweitert. Eine Arbeitskollegin meinte, man solle doch mal bei ihnen nachfragen, da sie eine Weile als Pflegerin in einem Zoo angestellt waren und ihr Gestüt in der Nähe liegt. Ich weiss, das muss überraschend für sie kommen, aber hätten sie zufällig Interesse?“ Ich schwieg erstmal nachdenklich. Ein Zebra? Es ist war, ich hatte auch schon mit den Biestern zu tun, aber könnte ich so etwas überhaupt hier halten? Nein, das kann nicht gut gehen. „Hallo, sind sie noch dran?“, ertönte die erwartungsvolle Stimme aus dem Telefon. „Nun ja, ich muss leider ablehnen; ich denke nicht, dass Pineforest Stable für die Unterbringung eines Zebras geeignet wäre…“ „Das ist sehr schade, sollten sie ihre Meinung ändern, dann kontaktieren sie mich doch bitte.“ Lily sah mich enttäuscht an, daraus schloss ich, dass sie mitgehört hatte. „Ein Zebra?? Warum denn nicht?“ „Weil… Es dann einsam währe.“ „Aber du hast doch noch Dante, der würde sich bestimmt über Gesellschaft freuen!“ „Dann müsste ich ihn aber Kastrieren lassen. Das fände ich schade.“ Lily schwieg betreten, denn sie merkte, dass ich nicht gewillt war meine Meinung zu ändern. Wir assen still fertig und gingen daraufhin gemeinsam Feline holen. Diesmal nahm ich Jacky und Sheela mit, denn wir wollten ins Gelände gehen. Zira musste hingegen zuhause bleiben, sie war dazu noch zu jung. Unterwegs flitzte uns ein Fellball vor den Füssen durch. „Kafka! Irgendwann brech ich mir wegen dir noch den Hals!“ Rief ich dem Kater hinterher, der bereits um die Ecke verschwunden war. „Du hast eine Katze?? Das wusste ich gar nicht!“ ich sah verlegen weg und murmelte „Ja, sogar vier. Und gewisse Pfleger hier haben nen Vogel, aber das ist ne andere Geschichte…“, indem ich an Lisa dachte. „Vier?! Warum hab ich die noch nicht gesehen?“ „Sie sind überall auf dem Hof verteilt, du wirst sie wohl kaum zu Gesicht bekommen. Sie lassen sich nur blicken wenn es Futter gibt. Frag Lisa, die kümmert sich darum.“ Sie wirkte begeistert, ich hingegen kräuselte die Lippen. Wenigstens sind die Biester alle kastriert. Dante sah mir von seinem kleinen Paddock her entgegen. Ich musterte ihn nachdenklich. Nein, das wäre schade. Vielleicht hat er irgendwann ein paar schön gefleckte Eselbabys
      Wir sattelten Feline und Piro, dann machten wir uns auf den Weg in Richtung Fluss. Ich wollte mit Lily nicht gleich am ersten Tag auf die Galoppwiese, denn dort waren die Pferde immer extra fit und ich war nicht sicher, ob das kleine Mädchen dafür schon reif war. Wir ritten anschliessend nach Norden zum Wald, wo wir auch etwas trabten. Da Lily das erste Mal auf Feline sass, verzichteten wir auf einen Galopp. Schön war der Ausflug trotzdem und beide, Mädchen und Pferd, genossen die herbstliche Natur.
      Zuhause wurden wir von Lewis, Oliver und Lisa begrüsst, die mit Dante am Strick dastanden und grimmig schauten. „Boss, we have to talk“ war alles, was ich vorläufig zu hören bekam. Ich band Piro beim Nebenstall an und hob erwartungsvoll die Augenbrauen. Lisa meldete sich zu Wort. „Das war jetzt schon das dritte Mal, dass er ausgebüxt ist. Er war schon wieder bei den Stuten drüben! Das kann so nicht weitergehen, ausser du willst riskieren, eine Herde von Maultier aufziehen zu müssen.“ „Dann müssen wir eben das Zauntor verstärken“, antwortete ich gereizt. „Wäre es nicht einfacher, ihn kastrieren zu lassen?“ „Das hab ich mir ja auch schon überlegt, aber das ist so endgültig…“ „Denk auch an ihn Occu: Er hätte es viel besser, wenn er nicht mehr ständig den Weibern nachsteigen muss. Man könnte ihn mit den Minis zusammen halten“, meinte Lisa. Oder mit einem Zebra, ging mir durch den Kopf, und ich dachte an Lily, die von dieser Idee begeistert sein würde. Ich seufzte und nickte zustimmend. „Na gut, ich rufe morgen den Tierarzt.“ Zufrieden gingen die Pfleger wieder ihrer Arbeit nach. Ich gesellte mich zu Lily, Feline und Piro zurück, um die beiden Pferde zu versorgen. Danach schlug ich Lily vor, zu den Minis zu gehen und diese zu bürsten, während ich mit Loki raus ging.

      Am Abend rief ich der Sekretärin des Zoos nochmal an und vereinbarte ein Treffen, bei dem ich mir das Zebratier ansehen wollte, bevor ich endgültig entschied. Lily war begeistert, als sie davon hörte. „Dann kann ich meinen Freundinnen erzählen, dass ich ein gestreiftes Pony geritten hab!“ „Halt halt, nicht so schnell, ich glaube kaum, dass man sie reiten kann. Schliesslich ist sie kein braves Kinderpony, sondern ein Zebra!“ „Ja, aber du kannst sie sicher einreiten, und dann darf ich doch bestimmt mal eine Runde auf ihr drehen, nur im Schritt“, bettelte sie. „Eigentlich hatte ich bloss vor, sie mit Dante auf ne Weide zu stellen, nicht sie als Zirkuspony auszubilden“, murmelte ich augenrollend. „Wir werden sehen“; mit diesen Worten brachte ich die kleine ins Bett und deckte sie zu.
      8 Dez. 2015
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    Gnadenweide
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  • Offizieller HG

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    Rufname: Fee, Feli
    Geburtstag: 26.09.
    Alter: 10 Jahre
    Stockmaß: 1.52 m
    Rasse: Criollo
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Tordillo (Schimmel)
    (EE,ata,Gg)

    Abzeichen: -
    Gesundheit: sehr gut



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    genügsam, aufmerksam, verschmust


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    Feline ist eine freche Stute, die gerne mal einen Wassereimer umkippt. Feline ist auf dem Hof Beacon Lodge geboren worden. Sie wird als Spring- und Freizeitpferd ausgebildet und zum Ausreiten. Als Fohlen war Feli wie alle anderen: frech, schnell und übermutig und baute gerne Dummheiten mit anderen Fohlen. Nun hat sie sich jedoch zu einer aufmerksamen, lernwilligen Stute entwickelt, die trotz einiger Startschwierigkeiten grosses Potential zeigt.


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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Occulta
    VKR: Occulta
    Verkäuflich: Nein



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    Gekört: Ja
    Nachkommen: PFS' Disparo de Fiasco, PFS' Faro
    Decktaxe: nicht leihbar!



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    Galopprennen Klasse: E
    Western Klasse: S
    Spring Klasse: L
    Military Klasse: M
    Dressur Klasse: L

    Distanz Klasse: S

    Eignung: Distanz, Trail, Freizeit
    Eingeritten: Ja



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    [SK 447]
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    [SW421]
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    1. Platz 347. Dressurturnier
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    1. Platz 332. Westernturnier
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    2. Platz 333. Westernturnier
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    2. Platz 244. Militaryturnier
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    2. Platz 358. Springturnier
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    3. Platz 246. Distanzturnier
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    Feline's Spind