Occulta

• Fallen Immortality, Araber ♀

Stute | Fliegenschimmel

• Fallen Immortality, Araber ♀
Occulta, 28 Apr. 2019
Rinnaja gefällt das.
    • Occulta
      Alte Berichte:
      Floooh
      Pflegebericht Januar

      Es war noch nicht lange her, als ich Fallen Immortaliny schweren Herzens abgeben musste.
      Doch sie hatte ja schnell einen neuen und guten Besitzer bekommen. Als ich wieder ein bisschen in der Zeitung blätterte fiel mir auf eine Anzeige auf... Fallen suchte eine Reitbeteiligung. Ich griff schnell nach meinem Handy und rief Larissa an... So hieß die Besitzerin von ihr. Nach einem Gespräch und Vereinbarungen stand es nun fest. Ich war ihre neue RB. Da ich heute sowieso nichts vorhatte machte ich mich mit dem Fahrrad auf dem weg zu ihren Hof und erreichte ihn nach nur enigen Minuten. Ich ging in den Stall und suchte ihn nach Fallens Namensschild ab... Und da stand es... "Fallen Immortaliny" Da sie auf der Weide war nahm ich schnell Halfter und Strick und ging zur Weide... Als sie mich sah wieherte sie vergnügt und galoppierte auf mich zu. Nach langen Streicheleinheiten schnallte ich ihr Halfter und Strick um und führte sie zum Putzplatz. Dort bindetete ich sie mit einem sicheren Knoten an und lief zum Spint der kleinen Araberstute. Mit Putzzeug bewaffnet ging ich nun wieder zurück zu ihr und fing an sie langsam und sorg fältig zu putzen. Sie war recht sauber also klappte alles recht zügig. Nachdme ich das Putzzeug wieder weggeräumt hatte bindete ich sie los und fürhte sie zur Reithalle. Sie war echt eine hübsche Stute, also trainierte ich heute mal was für Wettbewerbe. Als ersten führte ich sie im Schritt und im langsamen Trab ein Paar Runden, danach ließ ich sie galoppieren und überprang mit ihr ein paar Stangen. Nach mehreren Minuten überlegte ich mir eine kleine Fohlenkür, die ich schließlich mit ich machte. Sie hat einen vorzüglichen gang, für so eine junge Stute. Nun lobte ich sie und gab ihr ein kleines Leckerchen. Dann führte ich sie wieder zum Putzplatz, putze nochmal grob über ihr fell und stellte sie zurück in ihre Box. Nachdem ich den Gang des Stalls und den Platz gefegt hatte, msichte ich ihr Futter und schüttete es samt 2 kleine Äpfel in ihren Trog. "Soo... lass es dir schmecken" sagte cih und klopfte ihren Hals....Fallen schnaubte kurz und ließ sich das Müsli dann schmecken... Ich schaute ihr noch ein wenig zu und fuhr wieder nach Hause.
      31 Jan. 2010

      Citara
      Herzflattern auf dem Pferdemarkt
      Pfegebericht für Royal Dream (+Ankunft), Al Adiyat, What happened?, Secret Sucess (+Ankunft), Nieve, Arriban, Bei Dir, Beau Zephyr, Fallen Immortanly, Swarowskis Salinera, Romeo of Lovestory, New Kind of Freedom, Finja, Waking up in Vegas, Don Caladrio, Mysteri Magic (+Ankunft), Itchy (+Ankunft), GH's Saturday Affair, Prince of the Half Moon, Mirror, Don't Try So Hard, Dream of Cream, Dream of Colors Beauty, Seth, Ice Splash, Larissa, Sea King, Rose Of A Beautiful Nightmare, Vanukas (+Ankunft), Troll, Spotted Lady, Turn the Page, Joyna und Walking to the Moonlight
      "Guten Morgen!", begrüßte ich meine Angestellten, die so eben auf dem Hof eintrafen. Sie arbeiteten noch nicht lange hier; ich hatte sie vor ein paar Tagen eingestellt.
      Sam war ein eher ruhiger Typ, der die Arbeit mit Pferden liebte und immer gerne eine helfende Hand bereitstellte.
      Jan dagegen war ziemlich einfühlsam, hatte ein perfektes Wissen über Vollblüter und kam super mit ihnen aus. Er würde mir besonders bei Finja und Adiyat eine große Hilfe sein.
      Anja war immerzu gern bei den Pferden - ich hatte sie vor dem Bewerbungsgespräch in meinem Laufstall (wo der Zutritt eigentlich verboten ist) aufgegabelt -
      und Sonja war die immer gut gelaunte - man erkennt sie am Lächeln schon von weitem.
      Da ich heute auf den Markt wollte, machten wir erst einmal eine Lagebesprechung in meinem Büro. Ich verteilte die Aufgaben.
      "Anja? Kümmer dich bitte um die Fohlen - bedenke, dass Sucess heute von Husky vorbei gebracht wird sich noch einleben muss. Ebenso sollten heute Itchy kommen, ich konnte sie von Else nicht abholen", leicht verträumt verdrehte ich die Augen. Itchy war ein Geschenk von Else gewesen, und ich liebte sie. "Pass bitte auf, dass es nicht zu viel Gerangel gibt. Und kümmer dich bitte besonders gut um Cala - er ist schließlich momentan unter den Fohlen unser schönstes Glanzstück. Sam, kümmer dich bitte um die Falabellas. Lass sie bitte ein wenig vor der Kutsche laufen, ich hab doch letztens einen neuen Sechsspänner gekauft. Nur für Mirror nimm bitte den Einspänner. Sonja, kümmer dich bitte um den Rest, doch Finja und Adiyat überlass mal Jan. Jan? Du hast ja nicht soo viel zu tun, kommst du mich nachher auf dem Markt besuchen? Ich denke, ich werde deine Hilfe brauchen können" Verdutzt schaute er mich an. Doch mit einem lachendem "Los jetzt, an die Arbeit!" schickte ich alle zu den Pferden.

      Auch ich schaute kurz nach den Pferden und beaufsichtigte die Pfleger bei der Arbeit, zumindest die ersten Stunden. Sie waren halt noch neu.

      Schnell sprang ich in den Transporter, in dem Platz für bis zu 8 Pferde war: Sehr praktisch für Tuniere. Die Schlüssel für meinen GT hatte ich Jan gegeben. Ich vertraute ihm auf komische Art und Weise einfach sehr.
      Ich fuhr los. Etwas ungewohnt, der laute Dieselmotor, die einigermaßen schlechte Beschleunigung. Aber gut - es war kein Renwagen. Zum Glück hatte ich einen LKW-Führerschein, denn als solcher war der Transporter zugelassen.

      Es war Mittag. Ich war nun 4 Stunden gefahren, mindestens, als mein Telefon klingelte. Es war Jan. "Hey Larissa!", meinte er, "Du, ich bin jetzt fertig, ich geh heut Abend nochmal mit den beiden los" Ich antwortete: "Hey Jan! na, dann komm mal rüber" - "Aber...ähhm....ich hab doch kein Auto, das ist kaputt, das weist du" - "Was meinst du, wofür ich dir die Schlüssel gegeben habe" - Ehrlich?" - "Ja, ehrlich, also, fahr los. Wenn du ein bisschen aufs Gas drückst bist du in 3 Stunden bei mir."
      Dann legten wir auf und ich stieg aus dem Transporter, denn ich war angekommen.

      Langsam schlenderte ich über den Markt. Es gab groß Pferde, kleine Pferde, Reinrassige und Mixe. Doch bisher war nichts für mich dabei. "Was solls", dachte ich mir, "ich wollte mich doch eh nur umsehen"
      Irgendwer tippte mir auf den Rücken. Erschrocken fuhr ich herum - und Jan grinste mich an. "Musst du mich so erschrecken", lachte ich, worauf er nur meinte: "Und, schon was gefunden?" Nein, ich hatte noch nichts gefunden. Bis auf eine Classicponystute, die ich toll fand, und einen Achal Tekkiner Hengst, der aber nicht so wirklich auf den Hof passte. Ich haderte wegen ihm immer noch mit mir, als ich bemerkte, dass Jan sehnsüchtg zu Maya rüberschielte. Leicht verletzt widmete ich mich der Classicponystute. Sie hieß Mysteri Magic und war äußerst hübsch. "Wie viel?", fragte ich JayPie, die sie verkaufte. "Soo...200?" - "Dann würde ich sie gerne kaufen", lachte ich und rief nach Jan. Der kam auch sofort - mit verträumten Augen. Leicht traurig fragte ich: "Magst du mir schnell helfen?" und zeigte auf die Stute. "klar...aber was ist denn mit dir los?" - "a-ach, nichts", log ich, worauf er mich prüfend musterte, dann jedoch Mysteri in den Hänger brachte und versorgt.
      Ich ging derweil zu less' Stand. Sie verkaufte 2 wundervolle Pferde. Besonders Firefly hatte es mir angetan. "Less? Du, mit den bisherigen Angeboten kann ich nicht mithalten. Aber ich biete dir 150tsd, meld dich, ja?"
      Nun wollte ich nochmal den Achal Tekkiner Hengst begucken. Royal Dream hieß er, und er hatte es mir angetan. Ich entschied mich, ihn zu kaufen. Also ging ich zu Maya und wollte sie auf ihn ansprechen, als ich sah, dass sie sich bereits unterhielt - mit Jan. Gekränkt und - war dies möglich? Warum? - mit Tränen in den Augen ging ich zu dem Royal Dream. Der nahm auch sofort seinen Kopf runter und stupste mich an. "Na süßer?", meinte ich, als mir eine Träne über die Wange rollte. Leicht schlabberte er sie ab. Er galt zwar als stur und ehrgeizig, doch war er auch sehr einfühlsam, wenn er wollte.
      Nun kam zu allem Unglück auchnoch Jan zu mir. "Was ist los?", meinte er einfühlsam und drehte mit seiner Hand meinen Kopf sanft zu sich. "Nicht so wichtig", meinte ich und entzog mich seiner Hand, um wegzuschauen und mich an den Hengst zu lehnen. Leicht wischte ich mir die Tränen aus den Augen und rief mit dünner Stimme: "Maya?" - "hmm?", meinte sie. Ich redete weiter: "Ich würde ihn hier gerne kaufen. Wie viel möchtest du?" - "Nun ja...Es hat jemand 3.000 geboten, aber das ist mir eigentlich zu wenig..." - "8.000?" - "Abgemacht. Ich kauf dem hübschen eben ein Halfter und hole ihn ab, ja?" - "Okay" Mit Mühe unterdrückte ich die Tränen. Jan freute sich offensichtlich - worüber auch immer. Doch ich beachtete ihn nicht und ging zum Stand mit den Halftern. Ich entschied mich für ein Rot-Dunkelrot-Beige umflochtenes Halfter und einen passenden Strick und holte Royal Dream ab. Langsam ging ich mit ihm zum Hänger, in welchem ich ihn abstellte und mich neben ihn setzte. Er senkte seinen Kopf und stupste mich an, worauf ich ihn zwischen seinen Ohren kraulte. "Ach süßer...", meinte ich und fing an zu weinen. Warm eigentlich? Hatte ich mich etwa...in Jan verliebt?
      Leise klopfte es an der Transportertür. "Hmm?", machte ich traurig, als Jan lächelnd hineintrat. Doch sein lächeln verschwand bald - als er mir in meine verheulten Augen sah. "Was hast du? Du hast grad ein tolles Pferd für einen Spottpreis gekauft und du weinst da?", meinte er und setzte sich neben mich. Ich schwieg und legte nur mein Gesicht in meine Hände. Sanft legte er seine Hand auf meinen Rücken. "Sag doch", meinte er niedergeschlagen. Ich schüttelte nur leicht den Kopf und schluchzte. Er stand auf und lächelte leicht Royal an. "Selbst er kann dich nicht aufheitern? Er ist doch richtig toll, ein richtiges Traumpferd....MEIN Traumpferd", meinte er mit den selben verträumten Augen, die ich schon einmal zu sehen bekommen hatte. Leicht schaute ich auf, begann dann doch wieder zu schluchzen, als mein Blick auf Jan fiel. Jetzt wusste ich es: Ich hatte mich in ihn verliebt.
      Er setze sich nun wieder neben mich. und ich überlegte was ich tun sollte. Es würde mir unendlich wehtun, ihn jeden Tag auf meinem Hof zu sehen. "Komm her", meinte Jan und nahm mich in den Arm. Ich fühlte mich unendlich geborgen in seinen starken Armen...aber ich wollte mich nicht daran gewöhnen. Dennoch schaffte ich es nicht, mich von ihm loszureißen. "Sagst du mir jetzt was los ist?" - "Ich....ich kann nicht", meinte ich. Was sollte ichauch sagen? Etwa: Ja, ich liebe dich und du hast Maya angebaggert und deswegen heul ich? Nein, das ging nicht. Er drückte mich ein wenig fester. Und ich...naja...heulte mich bei ihm aus, bis meine Tränen versiegten. "Gehts besser?", fragte er sanft, worauf ich nur nickte.
      Es klopfte wieder an der Transportertür und wir sprangen auf. Jan blieb bei Royal und ich ging zur Tür, um sie zu öffnen. Draußen stand Else. "Du Monsta? Ich bin mit Phar hier hergekommen, aber sie möchte frühzeitig fahre....kann ich eventuell bei dir mitfahren?" - "Warte mal kurz. Jan?", es war mir etwas peinlich, seinen Namen auszusprechen. Schließlich war ich seine Chefin und hatte mich bei ihm ausgeheult. Und war zu allem Überfluss in ihn verliebt. "hmm?", meinte er. Er war offensichtlich in Gedanken verloren. "Brauchst du den GT oder kannst du bei mir mitfahren? Else braucht ein Auto" - "Ich fahr bei dir mit" - "okay" Ich gab Else den Schlüssel zum GT. "Pass auf ihn auf, ohne den kann ich ja gar nicht mehr rasen und eventuell noch meinen Führerschein verlieren" Else grinste und verschwand wieder. Ich war wieder mit Jan alleine.
      Die Situation war mir ziemlich peinlich - schließlich hatte ich gerade meine gesamte Autorität verloren. "W-wollen wir so langsam fahren?", fragte ich. Wir waren schon 4 Stunden hier, und wenn wir jetzt fahren würden, wären wir gegen Abend zu Hause. Er nickte nur, worauf ich noch einmal die Transportgamaschen der beiden Pferde kontrollierte und aus dem Wagen kletterte, um vorne auf dem Fahrersitz platz zu nehmen. Jan sprang neben mich.

      Die ganze Fahrt schwiegen wir. Doch als wir wieder ankamen, rief ich alle zusammen in mein Büro, um zu klären, wie sich die Pferde Verhalten hatten.
      "Anna? Fang du an" - "Naja, erstmal zu den drei neuen: Sucess war...naja...er fraß immer nur das nötigste, als wäre er geizig. Und Affair war irgendwie die ganze Zeit traurig, nur Prince konnte sie aufmuntern. Spielen wollte sie nicht. Und Itchy ist ein wahrer Traum...so richtig schmusig. Arriban war leicht schüchtern, hat sich dann doch schnell eingefunden, und Salinera und Cala waren wieder das Traumpaar. Fallen hat die ganze Zeit rumgetobt, ich konnte sie kaum putzen. Prince schien mir sehr, sehr intilligent und Rose war manchmal zickig, jedoch auch schmusig", meinte sie verträumt.
      "Und bei dir, Sam?" - "Alles paletti. Waren alle brav und ließen sich gut putzen. Besonders Turn und Troll schienen mir talentiert. Aber auch Try sollte man nicht verachten.", meldete er wortkarg.
      "Sonja, wie stehts bei dir?" - "Sehr gut. Ihre...", ich schnitt sie grinsend im Wort ab: "Duzt mich doch, hatte ich das nicht schon gesagt?" - "Na okay, deine Pferde sind ein Traum. Seth und Larissa sind total hübsch, und Ice Splash erst. Nieve hat wunderbare Gänge, und Happen und Locke sind ja mal süß. Romeo ist total schlau und wollte Vegas um den Finger wickeln. Free ist eine kleine Diva und Joyna...einfach wow, ein Traum"
      Das Telefon klingelte. "Entschuldigt", meinte ich und ging ran. "Hi, hier ist Juu. Ich wollte dir nur mal eben sagen, du kannst Vanu haben. Ich bring ihn dir rüber, überweist du morgen?" - "Wow, danke! Klar mach ich das. Aber du, ich steck grad in einer Besprechung, komm einfach, okay? Tschau", meinte ich. Auch Juu verabschiedete sich und legte auf. Kurz danach klingelte es, es war Juu. "Entschuldige, ich war schon auf dem Weg", lachte sie. "Warte kurz", entgegnete ich grinsend und ging zu meinen Angestellten. "Brechen wir die Besprechung ab. Jan, du kannst mir Adis und Finjas Verhalten ja mal so erzählen", meinte ich und widmete mich wieder Juu. Aus den Augenwinkeln sah ich meine Angestellten vom Hof schlendern. "Lass uns abladen", meinte Juu, "hast du eine Box fertig?" - "Klaro. Na dann mal los" Wir luden Vanukas, wie er vollständig hieß, aus dem Hänger und brachten ihn zu den anderen auf die Weide. Zum Glück vertrugen sie sich prächtig. Auch Mysteri und Royal standen bereits dort.

      Der Abend kündigte sich mit einem wundervollen Abendrot an und ich lehnte mich auf den Zaun und dachte nach. Über den Tag. Über...Jan. Was er wohl von mir dachte? Wahrscheinlich nichts allzu gutes... Wieder kullerte mir eine Träne über die Wange.
      Ich ließ meinen Blick weiter über die Pferde schweifen. Hinten, bei Royal, da stand jemand! Wer war das? War das...Jan?
      Die Person merkte meine Blicke und kam auf mich zu. Tatsache, es war Jan. "Wieso...?", fragte ich erstaunt. "Tut mir Leid...ich konnte mich nicht von deinem Neuerwerb lösen, er ist einfach zu....wie soll ich das sagen? Er ist traumhaft. Aber...du weinst ja schon wieder! Magst du nicht erzählen, was los ist? Vielleicht hilft es ja" - "das geht nicht", meinte ich abwehrend mit dünner Stimme. Er, der auf der anderen Seite des Zaunes stad, sah mich nur besorgt an. "Kann man dich nicht irgendwie aufheitern?" Ich seufzte: "Nein" - "Auch nicht mit einem Ausritt?" - "Um diese Uhrzeit?" - "Hast Recht" Betrübt senkte er den Kopf. "Ich mag es nicht, meine Chefin so zu sehen." Es schien ihm ja etwas an mir zu liegen, aber ich wollte mir keine Hoffnungen machen. Er war so gut wie vergeben, zumindest in meinem Kopf. Er legte seine Hand auf meine. Seine Berührung war warm und weich. Dennoch vermochte sie nicht, mich glücklich zu machen. "W...was würdest du tun, wenn du verliebt wärst in jemanden, in den du nicht verliebt sein dürftest um deinen Ruf nicht vollkommen zu zerstören und der zu allem Unglück auch noch offensichtlich in jemand anderes verliebt ist?", fragte ich betrübt und sah ihm in seine wunderschönen Augen. Er schaute mich hingegen nur verwirrt an. Anscheinend hatte ich einen Denkprozess bei ihm ausgelöst. Ich redete weiter: "Und du den, in den dieser jemand verliebt ist, auch noch magst, so dass du ihm nicht böse sein kannst?" - "Wer...wer ist dieser jemand?", meinte er leise mit sanfter Stimme. Ich schaute nur zu Boden - das Abendrot umhüllte uns. Er schien leicht unsicher. "Ist...ist dieser jemand einer von deinen Angestellten?", fragte er. Ich nickte nur kurz und schaute weg, damit ihm meine Röte nicht auffiel. "Sam...", murmelte er nur und senkte seinerseits den Kopf. Ich überlegte kurz. "Nein", hauchte ich dann und sah ihm tief in die Augen. Verwirrt sah er auf. "Du meinst..." Mir schoss die Röte abermals ins Gesicht. Vorsichtig legte er die Hand auf meine Hüften und kam einen Schritt näher. "Der Zaun nervt", grinste ich, worauf Jan über den Zaun sprang und seine Hände wieder an meine Hüften legte. Nur dieses Mal standen wir enger.
      Langsam kamen wir uns näher, als wir Schritte hörten und unsere Köpfe drehten. "Was geht denn hier ab?", fragte Sam leicht verärgert. Peinlich, peinlich diese Situation. Schnell entfernten wir uns voneinander. "so weht also der Wind, schon klar", fügte Sam hinzu. Ich entgegnete: "Sam, bitte." meine Stimme war ein Flehen, wie sollte ich es ihm erklären? "Ich mag dich, wirklich.." - "Aber nicht genug." Seine Stimme war so schneidend scharf, dass ich kein Wort mehr hervorbrachte. Stattdessen sah ich auf den Boden. Schützend legte Jan seinen Arm um mich.
      Weitere Schritte näherten sich und zerrissen das Schweigen. Es war Norwi. "Was ist denn hier los?", fragte sie erstaunt, und ich winkte ab. "Naja", redete sie weiter, "Galaskas Steigbügelriemen ist gerissen. Ich dachte mir...Kannst du es eventuell flicken?" - "Kein Problem" Leicht verwundert sah sie Sam an. "Sam?" Sie kannten sich? "Norwi?", entgegnete Sam. Verwirrt sahen Jan und ich vom einen zum anderen. "Soll ich dich mitnehmen? Dein Haus liegt auf meinem Weg", fädelte Norwi geschickt ein. Ich warf ihr einen dankbaren Blick zu. Sam nickte nur und ging zusammen mit Norwi - nicht ohne uns noch einmal einen bösen Blick hinüber zu werfen.
      Jetzt waren wir wieder allein. "Weißt du", meinte Jan, "ein verstehe ich noch nicht so ganz: Warum meintest du, dass ich in jemand anderes verliebt wäre?" - "Das war doch offensichtlich. Du hast verträumt zu Maya rübergeguckt und..." Er schnitt mir das Wort ab. "Ach wo. Ich hab mich doch nur für Royal interessiert", grinste er. "Ich find das gar nicht so witzig" - "Ja, schon klar", winkte er ab und sah mir tief in die Augen. Langsam kam er mir näher, immer näher, bis sich unsere Münde berührten...
      Der Kuss war wunderschön und trieb mir die Schmetterlinge in den Bauch. Ich hätte diesen Moment am liebsten für alle Ewigkeit angehalten. Wir lagen uns noch lange in den Armen, bis Jan zusammenzuckte. "Was ist los?", fragte ich. "Wie spät ist es?" - "Elf, wieso?" - "Mist, ich müsste eigentlich schon längst zu Hause sein." - "schade" Meine Stimme klang betrübt, sodass er noch hinzufügte: "Aber wir sehen uns doch bald wieder"
      Langsam gingen wir in Richtung Stallgebäude, wo er sein Fahrrad abgestellt hatte. Doch es war...weg! Spurlos verschwunden! Verzweifelt legte Jan sich an eine Wand. "Und jetzt?" Schnell wusste ich eine Lösung. "Wofür gibt es das Gästezimmer? Morgen gehen wir zur Polizei" Er willigte ein, worauf wir ins Haus gingen. Ich zeigte ihm, wo vdie wichtigsten Räume waren, bevor wir uns eine gute Nacht wünschten und beide in den Zimmern verschwanden.
      Friedlich schlief ich ein und träumte...von Jan.
      28 Feb. 2010

      Floooh
      Pflegebericht
      [Secret Sucess, Arriban, Beau Zephyr, Fallen Immortaliny, Swarowskis Salinera, Don Caladrio, Itchy, GH's Saturday Affair, Prince of the Half Moon, Sea King, Rose of a Beautiful Nightmare]

      Heute war der erste März Tag…
      Man konnte richtig fühlen wie der Frühling immer näher rückte. Vor ein paar Tagen hatte ich den Auftrag von Larissa bekommen, mich um alle ihre Fohlen zu kümmern da sie auf eine Schulung musste. Natürlich hatte ich zugesagt. Also machte ich mich sofort auf den Weg ins Badezimmer und machte mich fertig. Nachdem ich dann fertig mit der Katzenwäsche war, mich angezogen hatte und mir frühstück in den leeren Magen geschlagen hatte, schnappte ich mich mein Fahrrad und radelte zu Larissas Gestüt. Da ich hier auch eine Reitbeteiligung hatte, kannte ich mich gut aus. Ich stellte mein Fahrrad wie immer an die Hauswand und stampfte in den Stall. Der Schnee war inzwischen vollständig geschmolzen, die Sonne schien und eine kühle Briese Wind rauschte durch die Haare.
      Als erstes schnappte ich mir 2 Stricke und bindete die 2 Hengste Secret und Arriban an den Putzplatz.
      Nun holte ich den best ausgestatteten Putzkasten und stellte ihn neben ihnen ab.
      Die 2 waren nicht gerade dreckig, also dauerte das ganze nur 10 Minuten…
      Zur Belohnung gab ich erst Secret ein Leckerchen und dann Arriban…. Wobei ich sehr aufpassen musste denn Secret versuchte gleich Arribans Leckerchen klauen…
      “hey…” sagte ich leicht erschrocken und schob Secret etwas zur Seite… Dann machte ich sie wieder los und ließ sie in der Halle laufen… Sofort darauf nahm ich Beau einen kleinen Barockpinto Hengst und Fallen heraus und putzte auch sie gründlich. Beide benahmen sich dabei und bekamen ebenfalls ein Leckerchen. Nachdem auch sie in der Halle frei herumliefen, ging ich den Weg zum Stall wieder hoch und bindete die nächsten 3 an den Putzbalken. Diesmal waren es Salinera, Don und Itchy…
      Auch sie putzte ich sorgfältig und gründlich bis ihr Fell glänzte. Sie waren ebenfalls sehr aufmerksam und lieb. Beim Hufe geben machten sie ebenfalls keine Mucken, deshalb verdienten auch sie eins meiner Apfelleckerchen. Noch 4 Fohlen… dachte ich erleichtert und brachte sie schnell zur Halle und sprintete erneut zum Stall, wo ich dieses Mal alle restlichen zum Putzplatz führte, das waren Affair, Prince, Rose und King. Eigentlich waren alle recht einfach im Umgang und sehr gehorsam, nur King war heute ein wenig dickköpfig und wollte erst nicht die Hufe geben, doch mit kleinen Bestechern klappte auch das. Leicht geschafft fürhte ich jeweils 2 Fohlen an einer Hand zur Reithalle und ließ sie, nachdem ich das große Tor geschlossen hatte, frei. Nun setzte ich mich auf eine Bande und schaute den Fohlen zu, wie sie vergnügt umher sprangen… Alle tobten und galoppierten von der einen Seite zur anderen, nur Affair und Prince nicht… Ich beobachtete sie noch eine ganze Weile. Sie umhalsten sich und knabberte sich gegenseitig am Mähnenkamm… “Da haben sich aber 2 gefunden” dachte ich lächelnd und sah Affair das erste mal glücklich. Sonst sah sie immer sehr deprimiert und traurig aus, doch jetzt schien sie wunschlos glücklich mit Prince. Schnell wühlte ich in meiner Jackentasche nach meinem Handy und machte ein Foto von den 2... Dann machte ich von den anderen auch noch ein paar Fotos und baute schließlich ein war Stangen und Tonnen auf, damit sie auch noch etwas trainierten…
      Am Anfang der Halle hatte ich nur ein paar Stangen auf dem Boden gelegt, aber auf der anderen Seite waren nun auch mehrere Cavalettis aufgebaut. Die Fohlen waren immer noch vergnügt am spielen….
      Ich schnappte mir Fallen und ließ sie einmal durch den Parcour laufen, danach nahm ich abwechselnd jeden Fohlen einmal und ließ es ebenfalls hindurch laufen. Es schien ihnen spaß zu machen denn einige der Fohlen übersprangen nachher noch mal freiwillig die Cavalettis. Dann schaute ich auf die Uhr… es war schon spät, also holte ich mir einen Hufkratzer aus dem Stall und löste des Sand aus den Hufen.
      Als nächstes brachte ich nach und nach alle Fohlen auf die Weide und hing die ganzen Stricke ans Gatter. Wieder blieben Affair und Prince dich beieinander und standen weit entfernt von den anderen. Mit einem zufriedenen Grinsen im gesicht verließ ich die Weide und räumte den Putzplatz auf. Zum Schluss fegte ich noch die Stallgasse und füllte das Fohlenfutter in allen 11 Trögen.
      Nun nahm ich mein Fahrrad und schob es noch mal runter zur Weide. Ich gab allen Fohlen zum Abschied noch ein Leckerchen und fuhr, nachdem sich die Fohlen wieder vom gatter entfernt hatten, nach Hause.
      1 März 2010

      Citara
      Ein Prachtstück für Green Hills

      'Da bin ich also', murmelte ich, als der Flieger auf der Landespur des Johannesburg International Airport landete. "Südafrika", seufzte ich glücklich. Witzig war, dass mein Flieger genau dort landete, wo auch die Nationalmannschaft gelandet war, nur das diese wohl weniger in der Buisness-Class unterwegs gewesen war.
      Also wartete ich auf meine Tasche und nahm dann den Bus zu meinem Hotel. 5*-Luxus, ich gönne mir diesen Urlaub mal, wo ich doch die letzten Jahre ohne Unterbrechung täglich nur geackert hatte. Um den Hof musste ich mir keine Sorgen machen - schließlich hatte ich Sam, Jan, Anja und Sonja (sie hatten mich zu diesem Urlaub überredet). Es war wirklich ein tolles Hotel mit allem nur erdenklichen Luxus. Und am Mittwoch hatte ich noch eine Karte für das Spiel Deutschland - Argentinien sichern können. Also war ich rundum glücklich und machte mich erst einmal auf in den Wirlpool, in dem ich mit Jan telefonierte, um zu Wissen, wie es den Pferden ging. "Aalso", fing er an, "Larissa wollte heute nicht so Recht geputzt werden, aber geschafft haben wir es mit vereinten Kräften dann dennoch", er schmunzelte, "und an der Mähne von Ice Splash, bis wir die nach ihrem Schlamm-Wälzer wieder sauber gekriegt haben, oh oh. Über Seth brauch ich wohl nichts weiter zu erzählen - brav wie immer. Jap, und unsere Falabellas werden immer frecher, deshalb bringen wir allen im Moment ein paar Kunststückchen bei. Turn kann ja zum Glück schon ein paar, und den anderen macht es wirklich Spaß, außerdem fahren wir die Süßen auch noch jeden Tag aus. Prince, Caipi und Mysteri waren auch brav. Naja, Else kennst du ja, die Frechdächsin...das waren die Ponys. Jetzt zu den Großpferden: Roxi hing wie immer nur mit Joyna rum, du kennst die beiden ja. Genau wie Vegas, Finja und Freedom, die drei sollte man echt mal trennen, die sind ja noch schlimmer als Roxi und Joyna! Romeo war mal wieder ein Schatz, Sam hat sich sichtlich gefreut als er den Westernsattel in deiner Kammer gefunden hat und mit ihm Barrelracing machen konnte...das hat er übrigens auch mit Joyna, Roxi, Schmuselocke und Happen gemacht, Arriban durfte zusehen. Unsere beiden Tekken und Nori verstehen sich auch prächtig, besonders die beiden Tekken, die lieben sich", er kicherte, "Linara und Liebe wie immer auch unzertrennlich, Love tobt gerade glücklich auf der Koppel rum." Damit hatte er fast alle beschrieben. "Und die anderen Zuchtpferde?", hakte ich nach. "Über die Falabellas und über Löckchen und Joyna hab ich ja schon erzählt, Itchy guckt auf Carenté-Vorstellungen immer Philipp nach. Sali und Cala, einzigartige Dressurasse, das durfte Anja feststellen, und Moonlight hat gerade 'ne Schmusestunde mit Sonja hinter sich. Aber jetzt zum spannenden Teil, den Neuankömmlingen: Debüt ist gekommen, Goldherz hat gefohlt. Ein sehr hübscher Kohlfuchs. Jap, und Findu hat Bluebayou und Cui gebracht, die machen nnur zu gern bei unserem Kunststück-Training mit", man hörte ihm das grinsen an, "Albus der Riese ist auch da. Und bei Khia hast du auf keinen Fall einen Fehlkauf gemacht, die ist arg schnell. Ach, und Maifee und Joyna haben auch gefohlt." - "WAAS?!", kreischte ich ihm überglücklich ins Ohr, "du musst mir unbedingt mal Bilder mailen" - "Ja das mache ich", er lachte, "sind übrigens beide total hübsch, beides Stütchen. My Apocalypse Fohlen ist ein Red Spotted Leopard geworden, und Joyce ist was ganz besonderes. Ein Dark Bay Sabino. Und kein einfacher Sabino, sondern einer von der Stichelhaarigen Art mit der extravagenten Scheckung und viel Weiß" Ich freute mich richtig. "Aber ich muss jetzt wieder an die Arbeit, da will ein Zaun geflickt werden. Hab ja schon gesagt, Else war wieder frech..." Ich lachte laut auf, bevor wir uns verabschiedeten und auflegten.
      Nun hatte ich genug entspannt, ich stand auf, duschte und trocknete mich ab und zog mich an. Schließlich wollte ich noch ein wenig über die Straßen wandern und nicht zuletzt am Hotel unserer Nationalmannschaft vorbeischauen. Nur schauen, nicht fotografieren, nicht reden, nicht klingeln.

      Also schnappte ich mir Sonnenbrille und Handtasche und verließ das Hotel. Meine Haare wehten leicht im Wind und ich war immer leicht am Lächeln - zu glücklich war ich gerade.
      Am Straßenrand sah ich einen Südafrikaner, der gerade einen Sattel hochhob. Ich meinte, den Sattel zu kennen...jetzt war ich neugierig. "Hello", grinste ich, "Do you know where this saddle come from?" Er drehte sich um und meinte: "Hello. It's from Germany. Why do you ask me?" - "Oh, i think i know it" Ich grinste und sah, dass ein wenig der Polsterung abgetragen wurde. Das Pferd, welches ihn jetzt trug, musste einen ziemlich hohen Widerrist haben. Eins erkannte ich eindeutig: Der Sattel war aus meiner Hand. "I've buied it from a woman from Germany. Sadly it don't fit well. What else, anyway I have to sell my stallion", er seufzte traurig, ging dann in eine Gasse und bedeutete mir, mitzukommen. "Shall I try to fit the saddle to him? I''m a saddler. Okay, I seldom make new saddles because my stud is a very hard job." Er lachte - und ich hatte keine Ahnung ob er über mein Englisch lachte oder es nur pessimistisch gemeint war. "I have no money" Also war es pessimistisch gemeint. Na gut. "But I've got enough money so I don't need more." Er sah mich fragend an, worauf ich noch etwas hinzufügte: "I'll fit the saddle for free" Schon war er ein wenig glücklicher. "Thank you! But...you have a stud?" - "Yes, I have. Flair and I change our breeds at the moment so we dont breed any foals now. We search for stud horses at the moment." - "And wich breeds are you going to breed?", er biss sich auf die Lippe, es schien ihm zu schmerzen - warum auch immer. "Heavy Warmbloods, Criollos and Thoroughbreds. Why..?" Nun zeigte er auf einen wunderschönen, rosé-weißen, schlanken Vollbluthengst. "That's my stallion", antwortete er knapp und biss sich erneut auf die Lippe. Ich ging einen Schritt auf den Hengst zu und strich ihm über die Nüstern, während der Mann ihm den Sattel auflegte. 'Wie gut, dass ich für gewöhnlich Nadel, Faden und Nahttrenner dabei habe, ich dachte immer das wäre eine dumme, unnütze Angewohnheit', dachte ich bei mir und sah, wie viel zu hoch der Sattel um den Widerrist herum saß. Schnell bat ich den Mann, den Sattel so zu halten, dass ich an die Naht unterm Widerrist kommen würde. Das tat er und so trennte ich schnell die Naht auf, nahm ein wenig Polsterung herraus, glättete das Leder und nähte die Naht wieder zu. "You can try it if you want", meinte ich und er legte den Sattel auf - er passte perfekt.

      "Thank you", meinte er aufrichtig, doch es schwang Traurigkeit in seinem Ton mit. "You said that you have a stud with Flair. Are you Monsterflosse...from Green Hills?" - "Yes, I am", ich grinste leicht, doch ich verstand nicht so recht. Was wollte er? Er redete weiter: "And you said that you search for stud horses, too. And you know that I must sell him....", er wollte nicht weitersprechen und lehnte sich traurig an den hübschen Hengst. Ich wusste jetzt was er wollte und begriff meine Chance auf diesen wundervollen Hengst, der anscheinend so sanft und doch recht schnell war. "Has he got papers?", fragte ich und der Mann nickte. "I think you know Saphira, the black Mare from Pharlap? She's his Mum. His Dad is unfamous at the Moment, but he is very fast and talented. He is Empire State of Mind." Ich erinnerte mich an den feingliedrigen, weißen Hengst, den ich für Crazy importiert hatte, als ich noch keine Angestellten hatte und bei dem Jan sich immer beschwerte, dass ich ihn nicht behalten hatte. "Can I do a ride with him?" Ich war tatsächlich sehr interessiert. "Yes, you can. There is a riding place, there can you try it." Er zeigte nach rechts, und tatsächlich, dort war einer. Schnell schnallte er den Sattel fest, ließ mich auftrensen und ich führte Escador - wie der Hengst wohl hieß - zum Reitplatz, bei welchem ich aufstieg. Dann testete ich ihn: Schritt, Trab, Galopp, Renngalopp, Sprung. Und ich musste feststellen, dass Escador ein perfekter Zuchthengst für Green Hills war. "When you like to I'll buy him", teilte ich dem Mann meine Entscheidung mit. Er freute sich, einen guten Platz gefunden haben, doch spielte auch Trauer in seinem Gesicht mit. "How much?", fragte ich, worauf er nur antwortete: "I don't know. He haven't run any races until yet and he isn't trained well. But I've buied him as a foal...when he still was a bay..." - "I make a suggestion: 10.000 Euros...ähh...that are...circa 118.920 ZAR?" Der Mann bekam große Augen: "Thats too much", stellte er fest. Ich lachte. "No it isn't. You don't know whats the price of some other Thoroughbred who are slower than him?" - "No", nun grinste auch er und unterschrieb einen Vertrag, den ich mir daraufhin genau durchlas und dann ebenfalls unterzeichnete. "Now he's yours. The Tack too i think", ich nickte nur kurz dankbar. Im Vertrag war schon abgehandelt, dass ich ihn bis zu meiner Abreise hier, bei seinem alten Stall, unterstelle dürfte. Das mit dem Flug bekäme ich schon geregelt. Also verabschiedete ich mich von dem etwas traurigen Mann, um erst einmal einen Ausritt zu unternehmen. Das Geld hatte ich ihm bereits gegeben.

      Mit meinem riesigen Hengst erregte ich reichlich aufsehen. Klar, er hatte schließlich die Größe eines Shire Horses undich selbst müsste ca. 15cm größer sein, um allein über seinen Widerrist schauen zu können. Plötzlich ref irgentetwas "Ich kack ins Essen, da ruft schon wieder einer an!" Ich lachte und wusste was es war, also griff ich nach meinem Handy und nahm ab. "Hey Jan", grinste ich und brachte Essi (diesen Spitznamen trug Escador seit 15 Minuten) zum Stehen. "Hey Monsta", meinte er, "und, was machst du grad so?" Ich lachte. "Du hast Langeweile, oder?" - "Nein, nur nix zu tun" Auch er lachte. "Nunja, ich reite grad aus." Er war erstaunt. "Mit wem?" - "Unserem neusten Neuzugang, den ich am Donnerstag mitbringe." - "Um was handelt es sich?" - "Ein Prachthengst. 1,90m, Rose Gray, reinrassiges englisches Vollblut mit Papieren und Abstammung: Saphira x Empire State of Mind" Jetzt sah ich ihn förmlich vor mir, die Kinnlade weit offen. Kurz war er sprachlos, dann rang er sich durch zu fragen: "Wo hast du denn den her?" - "Gekauft. Nein, ich hab gesehen wie ein Mann mit einem meiner Sättel unterwegs war und ich hab ihn angesprochen, worrauf er meinte dass er seinen Hengst bald eh verkaufen müsste und ja, dann haben wir über Green Hills gelabert und dann fragte er ob ich denn nicht noch einen Zuchthengst gebrauchen könnte. Und dann zeigte er mir den Escador." - "Ich freu mich schon auf ihn", lachte er, "aber jetzt bin ich erstmal neugierig, wie sieht das Hotel unserer Mannschaft aus?" - "Ou. Keine Ahnung, war noch nicht da, dann reite ich gleich mal drauf los. Bis heute Abend?" - "Jap, bis heute abend, Tschau!" Auch ich verabschiedete mich und brachte Escador nun in einen langsamen Galopp.

      Der Weg war nicht lang und bald durfte ich ein schönes Hotel betrachten. Und den Bus unserer Elf. Und unser Team. Unser Team? Ich brachte Escador zum stehen, um besser sehen zu können. Tatsache. Zum Glück war ich nicht die einige die sich gerade vor dem Hotel befand. Nur ich machte die Rechnung nicht mit Philipp Lahm, der ja selbst ein Vollblut besaß. 'Oh Gott', dachte ich. Schnell stieg ich ab, denn sie kamen direkt auf mich zu und ich wollte nicht von oben herab sprechen müssen. "Thoroughbred?", fragte Philipp Lahm und nickte zu Escador. Ich nickte: "Jap, Vollblut. Ich hab mit ihm noch so einiges vor", und klopfte Essi den Hals, welcher mich darauf sanft anstupste. "Ah, Sie sprechen Deutsch", lachte er, "Sehr ruhig für ein Vollblut. Surabaja wäre bei solchen Menschenmengen schon längst ausgerastet", nun grinste er und ich entgegnete sofort: "Meine Khiara El Assuad auch, die kleine Zicke" - "Riesiger Hengst. Wer sind denn die Eltern?" - "Naja, der Vater ist jetzt nicht sonderlich bekannt, Empire State of Mind. Ist auch eher klein. Seine Größe hat er von seiner Mutter Saphira, die ist aber bekannt." - "Wollte ich gerade sagen, Saphira kenne ich doch", schmunzelte er und hinter ihm räusperte sich Bastian Schweinsteiger. "Philipp, wir sind auch noch da!" Philipp Lahm drehte sich um. "Ou ja, ach was, ich war halt neugierig. So einen Riesen sieht man nicht oft, und Vollblut-Schimmel sind auch nicht so häufig. Außerdem such ich noch nen Hengst der später mal geeignet für ein Fohlen von Sura wäre." - "Schon klar", entgegnete Lukas Podolski und wendete sich dann mir zu, "Wie heißen sie denn?" Sofort antwortete ich: "Monsterflosse" Philipp Lahm wurde hellhörig: "Green Hills? Flair und Sie?" - "Genau", lachte ich. Er redete weiter: "Ich hab gehört ihr wollt demnächst auch Vollblüter züchten, wann macht ihr denn wieder auf und auf welchem Niveau?" - "Wann ist noch unklar, und auf höchsten natürlich", ich grinste in mich hinein, als ich die genervten Gesichter der anderen Spieler sah. Mir viel es schwer, ein losprusten zu verkneifen. "Ich würd ja zu gern mal wissen, wie schnell es sich anfühlt wenn man auf ihm Sitzt, und vor allem wie hoch...", murmelte Bastian Schweinsteiger leise, es war anscheinend nicht für meine Ohren bestimmt. "Im Ernst?", lachte ich. Erst war er ein wenig geschockt, doch dann lachte auch er: "Ja:" - "Dann kommen Sie", meinte ich, stieg auf Essi auf und hielt ihm die Hand hin. Erst war er leicht eingeschüchtert, doch dann nahm er sich ei Herz und sprang hinter mir auf. "Halt dich gut fest. Egal wo, hauptsache gut. Okay, vielleicht nicht gerade so dass es Escador weh tut" Ein wenig Angst hatte der Schweini dann wohl doch, also nahm trieb ich Essi erstmal in den Trab und dann in einen mittleren Galopp. Prüfend sah ich nach hinten - es schien im Spaß zu machen. Also legte ich noch einen Zahn zu und wir rasten einen kleinen Rundlauf. Als wir wieder bei den anderen angekommen waren, stoppte ich und Bastian Schweinsteiger stieg ab. "Schade", grinste er, "ist fast so gut wie Autofahren" Ich schüttelte grinsend den Kopf. "Das ist doch nicht vergleichbar." Und wieder ging mein Handy los:"ICH KACK INS ESSEN, DA RUFT SCHON WIEDER EINER AN!" Oujeh, peinlich. "'Tschuldigung", murmelte ich und ging ans Telefon. Begrüßt wurde ich wieder von Jan. "Hey Jan", grinste ich.
      Er war ganz außer Atem, was mir Sorgen bereitete. "Was ist los?" - "Fallen...sie ist mal wieder ausgebüxt und in ein Loch getreten...und wir können sie nicht fangen, obwohl sie lahmt, und zwar stark, sie schleift das Bein nurnoch..." Meine Miene schlug schlagartig um - von belustigt in angespannt und besorgt. "Sam ist doch Westernreiter? Dann...dann nehmt Khiara, Else und Ice Splash, die drei schnellste, und Sam kriegt Joyna, die ist westerngeritten. Sag ihm, er soll sie mit dem Lasso packen...und dann holt schnell einen Tierarzt" - "Okay", meinte er gehetzt und legte auf.
      "Was ist los?", fragte Mesud Özil. Ich holte tief Luft und antwortete: "Das war mein Freund und Angestellter Jan, er hat mir grad was berichtet. Fallen Immortaliny, ein Araberstutfohlen von mir, ist ausgebüxt und in ein Loch getreten und lahmt jetzt stark. Naja, ich muss dann auch mal zurüch, Bis dann!" Alle verabschiedeten sich und ich brachte Escador zum Stall zurück um darauf hin zurück zum Hotel zu laufen und mir dort ein paar Runden im Pool zu gönnen. "Fallen kriegen die schon wieder hin", versuchte ich mir einzureden, doch die Sorge blieb.
      29 Juni 2010

      Citara
      Unfaithful

      Es war bewölt und bedrückte Stimmung lag über meinem Hof. Ich hatte gerade Who got the Key von Elle in Empfang genommen und putzte ihn ausgiebig, während Sam sich um Roxy und Joyna kümmerte. Mitleidige Blicke empfingen mich von ihm - warum wusste ich nicht. Doch ich hatte ein ungutes Gefühl und meine Stimmung war auch nicht gerade gut, denn vor wenigen Tagen starben Romeo, Mysteri und Arriban. Bestürzt widmete ich mich nun Escador und Khiara, als Sonja und Anja sich mal wieder die Fohlen schnappten, um sie zu putzen und mit ihnen zu spielen. Jan beschäftigte sich ausnahmsweise mal mit den Falabellas und Bluebayou - der Job, der am weitesten von mir entfernt war. Ich war besorgt, war das doch überhaupt nicht seine Art - schließlich waren wir zusammen.
      "Jan, kümmerst du dich bitte noch um Else, Caipi und Larissa? Und die Großpferde?", wies ich ihn an, und er bejahte. Nun suchte ich noch Sonja und Anja, die sich nach der Fohlenpflege und -beschäftigung um die Zuchtpferde kümmern sollten. Schnell fand ich sie, und als ich schon wieder kehrt machen wollte, rief Anja mich zurück. "Monster? Ich habe Albus übrigens bereits eingeritten für dich." Ich lächelte "Danke, Anja" Was ich erntete, war ein mitleidiger Blick. Wussten sie etwas, was ich nicht wusste?

      Mein Schritt ging zielstrebig auf meine Großpferdehengstweide zu. Dort stand der mittlerweile riesige Albus - mit sorgfältig geflochtener Mähne. Wer das wohl war? Ich tippte auf Jan.
      Albus galoppierte zielstrebig auf mich zu und stoppte vor dem Weidetor. "hey Süßer", meinte ich und strich ihm über seine weichen Nüstern. Spontan legte ich ihm das Halfter um den Kopf und führte ihn zum Putzplatz, um ihn zu putzen und zu satteln. Schnell führte ich ihn ein Stück weg und sprang auf.
      Ich wusste, dass es gefährlich war, mit ihm auszureiten, wo er doch gerade erst eingeritten war, doch mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich dies tun müsste. Mein Handy nahm ich vorsichtshalber auch mal mit.

      Meine Sorgen waren völlig unberechtig. Er verhielt sich vornehmlich. Doch mir wurde immer mulmiger. Vorsichtshalber nahm ich mein Handy in die Hand.
      Der unbeschlagene Hengst glitt leise durch das Dickicht und langsam wurden bedrohliche Stimmen vernehmbar - aus Intuition lies ich mein Handy alles aufnehmen. Vernehmbar waren eine Männer- und eine Frauenstimme. Die Frau redete zuerst:
      "Können wir die Falabellas nicht jetzt schon mitgehen lassen?" Sie schien ungeduldig.
      Der Mann wirkte genervt. "Neein. Hab ich doch schon alles erklärt - das würde auffallen. Ich muss sie zurückbringen."
      "Meinst du wirklich, dass wir damit genug Geld für eine hübsche Villa und ein Boot und den Rest unseres Lebens bekommen werden?"
      "Ja. Du glaubst gar nicht, was für tolle Pferde Monsta hat, wir werden reich werden!"
      Ich hielt inne. Jemand wollte meine Pferde stehlen? Gut, dass ich alles mitschnitt, so konnte ich später zur Polizei gehen. Der Mann redete weiter: "Vielleicht wär es ganz gut, wenn wir den Hof nachher einfach abfackeln"
      Mir blieb die Sprucke weg. Woher kannte ich diese Stimme? Die Frau sprach weiter, mit gesenktem Ton und verführerischer Stimme: "Na gut. Komm her..." Ich hörte wie die beiden knutschten. Doch nun war ich neugierig. WER war das? Ich packte das Handy in die Satteltasche und sprang ab, um hinter einem Baum hervor zu lugen. Und dort sah ich erst einmal eine lange, rote Mähne - vermutlich die von der Frau. Ich ging ein Stück näher...
      "JAN!", entfuhr es mir und die beiden guckten schlagartig in meine Richtung. Ich taumelte ein paar Schritte zurück, rang mich dann jedoch doch noch dazu durch, mit schwacher Stimme ein "warum?..." dahinzuhauchen. Ich konnte es nicht fassen. Was tat der mir da an?
      Angeekelt schaute er mich, die sich mittlerweile haltsuchend an einen Baum klammerte, an. "Ich habe dich noch nie geliebt." Diese Worte trafen mir mitten ins Fleisch. Mir wurde schwarz vor Augen...
      ...ich wachte auf, als ein schriller Pferdeschrei ertönte. Gerade rechtzeitig sah ich, wie Jan mit den Messer auf mich zu ging und ich lief weg. Zu Albus. Oder besser zu den Falabellas, die anscheinend zu ihm abgehauen waren. Schnell ergriff ich Albus' Zügel, sprang in den Sulky und trieb die Falabellas in den vollen Galopp, Albus galoppierte brav nebenher. Mein Ziel war die nahegelegene Polizeibehörde.

      Dort angekommen erklärte ich aufgelöst die Ereignisse und schickte das Aufgenommene einem Beamten aufs Handy. Sie versprachen, mir zur Sicherheit Beamte auf den Hof zu schicken, solange Jan und seine Verführerin noch nicht gefasst waren.

      Mich konnte alles nicht trösten. Ich fuhr nach Hause, brachte alle Ponys auf die Weide, verstaute die Kutschsachen, sattelte Albus ab und putzte ihn. Danach legte ich eine Schmusestunde ein. "Ach Dickerchen...", schluchzte ich....
      Ein paar Stunden später brachte ich Albus in den Stall und legte mich ins Bett. Ich träumte nicht gut, doch alles war besser, als dieser schreckliche Alptraum auf Erden...
      26 Juli 2010

      Floooh
      Pflegebericht

      Zufrieden stieg ich auf mein Fahrrad und machte mich auf den Weg zum Gestüt Green Hills.
      Es war lange her, das ich hier war. Der größte Grund war die Schule. Manchmal hasste ich es einfach, denn in der Zeit hatte ich mein Pflegefohlen Fallen Immortaliny sehr vermisst. Zufrieden maschierte ich in die große Stallgasse und ging den üblichen Weg zu ihrer Box. Ich griff nach ihrem Haflter und öffnete die Boxentür, ehe ich die kleine Araberstute aufhalterte und auf die Stallgasse, Richtung Anbindeplatz führte. Dort angekommen, befestigte ich den Strick mit einem sicheren Pferdeknoten an und hote gleich darauf den Putzkasten der jungen Stute. Fallen war heute nicht besonders schmutzig, daher dauerte das Putzen nicht sonderlich lange. Nachdem alles wieder bei Seite geräumt war, löste ich den Knoten und führte die Araberstute über den Hof, hinüber zur großen Halle. Ic hatte gehört, dass vor einigen Tagen dort ein Schreckpacour für die kleinen statt gefunden hatte, also ging ich gleich nachsehen ob sie es schon abgebaut hatten. Ich hatte Glück, alles stand noch ungerührt da. Da auch niemand sonst in der Halle war, führte ich Fallen hinein und schloss die große Tür hinter mir. Fallen sollte schließlich nicht schreckhaft sein, wenn sie bald auf eine Fohlenschau, oder sogar eine Stutkrönung ging. Auch im Gelände wär es nicht besonders prickelnd. Zuerst lief ich mit Fallen Immortaliny ein wenig um den Parcour herum und ließ es von dem Fohlen beschnuppern. nach einigen Minuten begann ich dann mit Tonnen. Sie waren so aufgestellt, dass es eine Art enger Gang war. Langsam führte ich sie hindurch und blieb immer wieder stehen, damit sie sich die Tonnen anschauen konnte. Dann ging ich auf die Plane zu. Im Gegensatz zu de Tonnen, hatte die Stute hier, deutlich mehr Respekt. Etwas skeptisch sah sie sich den raschelnden Boden an und spitzte die Ohren, doch auch hier überwand sie sich recht schnell und lief mutig hinüber. Die nächste Aufgabe des Parcours waren einfache Stangen, die Fallen auch keine Angst machten. Ihre Beine sortierte sie auch schon super, während sie drüber stolzierte. Zum Schluss kam nur noch das Bändertor. Ich ging selbstsicher vor und raschelte an den Bändern ud Tüten, doch Fallen störte auch das nach kurzem Beschnuppern nicht mehr. Sie folgte mir langsam und schnaubte ruhig. Sie war schon immer gelassener in solchen Sachen, als die anderen Fohlen, trotzdem war ich wahnsinnig stolz auf die Kleine. Zufrieden trabte ich mit ihr über den großen Hof und kam schließlich wieder in der Stallgasse an. Dort putzte ich erneut über ihr leicht gesprenkeltes Fell und räumte die benutzten Striegel zurück in den Spind. Da Fallen sowieso schon den ganzen Tag auf den kleinen Eimer mit den Möhren stiehlte, klaute ich mir 2 kleine daraus und reichte sie der kleinen Stute. Danach führte ich sie in die Box, halfterte sie ab und schloss die Boxentür hinter mir. Da inzwischen das Futter in die Tröge geschüttet wurde, kaute sie sofort genüßlich darauf rum. Zum Schluss fegte ich nur noch den Putzplatz und stieg schließlich wieder auf mein Fahrrad, um den Heimweg an zu treten. Ich hoffte sehr, dass ic die nächste Zeit, mehr mit Fallen machen konnte.
      12 Okt. 2010

      Citara
      Auf nach St. Moritz!

      "Uff", stöhnte ich, als ich zusammen mit Sam, Anja und Sonja den Tag plante. "Wird stressig", ließ Jan anmerken. Nur Anja und Sonja hatten ein Glitzern in den Augen: "Dürfen wir deinen Hof tatsächlich leiten, so lange du weg bist? Ich lächelte. "Ja, sonst hätte ich das nicht gesagt. Bei Fragen könnt ihr mich ja anrufen und... Ich kam nicht dazu, meinen Satz zu Ende zu sprechen, denn in meiner Hosentasche vibrierte es. Schnell zog ich mein Handy heraus und beantwortete den Anruf. "Hallo?" Es war Flair, die mich überschwänglich begrüßte. "Monsta! Du fährst jetzt also tatsächlich weg?" - "Ja. Ich will doch meine Rennpferde live laufen sehen - Fernsehübertragungen sind doch doof" Flair lachte. "Du hast recht. Ja, ich werde ab und zu mal nach dem Rechten sehen, bevor du fragst. Ich muss jetzt auch weiter, bis dann!" - "Bis dann" Sprachs und legte auf. "Also weiter im Text", wandte ich mich wieder Sam, Anja und Sonja zu. "Heute werde ich zusammen mit den Vollblütern abreisen. Um die Verhältnisse zu klären: Anja, du kümmerst dich um die drei Dicken, also Shine, Freedom und Orodeth. Orodeth musst du ein wenig Aufpäppeln, aber ich denke das schaffst du. Außerdem mache ich dich für Prinz und Herz verantwortlich, vorsicht, Herz versteht sich nicht mit Fallen! Anja, du kümmerst dich um Harmony, Piroschka, Fallen und Albus. Sam, Roxi, Joyna und Moonlight sind deine Aufgabe, außerdem solltest du dich um die Instandhaltung kümmern. Der Rest der Pferde hat zuverlässige Reitbeteiligungen, doch guckt auch bitte bei ihnen. Dieser Plan gilt auch für heute, also, huschhusch! Aber helft mir bitte erst, die Vollblüter transportfertig zu machen und sie zu verladen. Also, ich werde mich zuerst um Khiara kümmern, und später um Gettin'. Trader, Valley, Key, Fuchs, Finja und Essi macht bitte ihr fertig, ich kümmere mich derweil um den Transporter. Also, das wars." Alle nickten zustimmend, wir aßen auf und machten uns an die Arbeit.
      Ich putzte Khiaras glänzendes Fell. Es war nicht viel zu tun, denn sie hielt es diese Nacht wohl nicht für ratsam, sich hinzulegen. Also konnte ich schnell anfangen, ihr die Decke, das Halfter und die Transportbandagen anzulegen. Freundlich wie immer ließ sie alles über sich ergehen, und ich band sie erst einmal in der Stallgasse an.
      Danach holte ich Gettin' aus der Box. Er hatte wenigstens ein wenig Vertrauen gefasst und ließ sich führen - auch wenn er des öfteren nach mir schnappte. Vorsichtig putzte ich auch ihn, um ihn danach unter größter Vorsicht transportfertig zu machen. Auch ihn band ich danach in der Stallgasse an.
      Nun ging ich zu unserem großen Transporter, der Platz für 9 Pferde bot, und fegte ihn gründlich aus. Danach streute ich Stroh in die Boxen und steckte die bereits erworbenen Schleifen der Pferde an das Brett, das ich extra für diesen Zweck anmontiert hatte. Außerdem brachte ich noch das Sattelzeug in die dafür vorgesehenen Boxen. Ich seufzte. Mit diesem dicken Teil musste ich gleich über die Autobahn tuckern. Und das eine ganze Ewigkeit lang. Da kam mir eine Idee: Ich würde einfach den Autoanhänger an den Transporter hängen und meinen GT mitnehmen! Dann musste ich wenigstens in St. Moritz nicht mit diesem dicken Teil rumtuckern...
      Da kamen auch schon Sam, Anja und Sonja mit Escador, Finja und Khiara an der Hand. Schnell fuhr ich die Rampe aus und die Drei brachten die Pferde in die Box. Danach holten wir noch 5 und schlossen den Transporter, nachdem die Pferde ein wenig Futter bekommen hatten. Danach nötigte ich Sam, mir den Anhänger anzuhängen - ich war technisch unbegabt. Danach sprang ich in meinen giftgrünen Sportwagen und fuhr ihn auf den Anhänher, danach sicherte ich ihn ordentlich. "Gut", nickte ich zufrieden. "Ich werde jetzt abhauen, kommt ihr allein klar?" Stilles nicken. "Okay, tschüss!" - "Bis bald"

      Die Fahrt zog sich wie erwartet dahin, doch trotzdem kamen wir gegen Abend in St. Moritz an, wo uns Pharlap schon begrüßte. "Hey Monsta! Und wie gehts dir, und den Pferden?" - "Uns gehts allen gut", lachte ich, "und dir?" - "Ebenfalls. Na, dann lass uns mal deine Pferde in den Stall bringen" Also half mir ein Freund von Pharlap schnell, den Hänger mitsamt Opel GT abzuhängen und wir öffneten die Transportertür. Sofort waren alle Pferdeköpfe auf uns gerichtet. "Na ihr Süßen, Fahrt überstanden?"
      Nach und nach brachten wir die Pferde in die Boxen, Khiara holte ich zum Schluss aus dem Transporter. Als wir diesen verließen, waren sofort alle Blicke auf uns gerichtet. "Wow", klang es aus einigen Ecken - größtenteils waren die "Gaffer" wohl Bewohner von St. Moritz. Einer fragte dann auch "Ist das etwa Khiara El Assuad?" Ich nickte nur grinsend und brachte Khiara in den Stall, da diese vor lauter Blicken schon nervös wurde.
      Nun rief ich schnell zu Hause an. Sam hob ab. "Hallo Sam, ich bins, Monsta", begrüßte ich ihn. "Hallo Monsta! Bist du gut angekommen, alles glatt gelaufen?" Es lag eine unheimliche Euphorie in seiner Stimme. Er freute sich, mich zu hören... Oh Gott. Ja, Jan war weg. Aber trotzdem, er hatte keine Chance bei mir. "Ja, ich bin gut angekommen, und ja, es ist alles glatt gelaufen. Ich wollte nur...sind die Pferde versorgt?" - "Ja, sind sie, mach dir keine Sorgen, bis morgen und...schlaf schön" - "Ja, du auch" Ich seufzte und legte auf.
      Wir Joelle Galopp-Mitglieder besprachen uns noch, bevor wir alle zu Bett gingen. Ich für meinen Teil schlief auch schnell ein.
      30 Nov. 2010

      Citara
      Liebsame & unliebsame Begegnungen

      Ein ungeduldiges Wiehern ging durch den Stall. Denn Besuch so früh am morgen, das konnte nur eins bedeuten: Futter! Damit nicht noch mehr Unruhe aufkam, beeilte ich mich in der Futterkammer, die Portionen abzumessen.
      Heute war ich allein, das hieß, 16 Pferde und 10 Fohlen wollten versorgt werden...
      Also, nach und nach das Futter in die Futtereimer geben und der nächste, erst die Hengste, dann die Stuten und zum Schluss die Fohlen. Ich brauchte lange, aber die Pferde waren zum Glück nicht allzu nervös. Ich würde morgen Muskelkater haben...
      Danach verließ ich den Stall und fasste einen Entschluss. Vielleicht wollten mir ein paar Freunde und Reitschüler helfen? Also ging ich schnellen Schrittes ins Haupthaus und telefonierte herum. Viele meiner Freunde hatten selbst zu tun, aber DeJule, Gypsie, IGottaFeeling, VictoriaFrances und nono100 hatten zum Glück Zeit. Reitschüler hatten natürlich genügend Zeit, ein kostenloser Ausritt, vielleicht sogar auf dem Lieblingspferd, das lässt sich natürlich niemand entgehen!

      Innerhalb weniger als einer Stunde standen auch schon alle auf dem Hof. Ich verteilte die Pferde:
      "Wer nimmt Moonlight?" Eine Reitschülerin meldete sich. "Joyna?" Wieder eine Reitschülerin, eine meiner besten. "Dann nimm bitte noch Fallen Immortality als Handfohlen dazu, die muss sich mal an den Straßenverkehr gewöhnen" Die Schülerin strahlte. "Freedom mit Dakini als Handpferd?" Reitschülerin. "Nieve mit Calucci als Handpferd?" Reitschülerin. "Khiara?" Reitschülerin. "Escador?" Gypsie meldete sich. "Nimmst du dann Herz dazu?" Sie nickte. "Shine?" Reitschülerin. "Gettin?" Reitschülerin. Aber eine gute, wem anders würde ich ihn nicht anvertrauen. "Valley Vici?" Göfl grinste breit und meinte: "Ich natürlich" Ich nickte grinsend, schließlich war Valley Göfls Reitbeteiligung. "Nimm bitte Abendprinz dabei, ja? Polarfuchs?" Reitschülerin. "Maid?" Vici. "Nimm dann bitte Harmony dazu. Joe?" Nono. "Wär nett, wenn du Piroschka dazu nehmen würdest. Orodeth?" Reitschülerin. "Inki, zusammen mit Diamant?" Reitschülerin. "Ibi und Angel?" Jule.
      "Gut, das wars. Litzi und Joyce nehme ich. Auf, auf!"

      Und auf gehts. Die Pferde wollten geputzt und gesattelt werden! Ich schnappte mir Litzi's Halfter und holte sie aus der Box. "Na Süße?" Ich tätschelte sie, worauf sie zufrieden schnaubte. Auf ging es zum Putzplatz, der ein wenig überfüllt war. Dennoch putzte ich Litzi, und sie blieb einigermaßen gelassen. Danach holte ich Sattel und Trense und zäumte sie auf.
      Es dauerte eine Weile, bis alle fertig waren. Doch dann trafen wir uns alle zusammen vor dem Stall. Wir stellten eine Abteilung auf, ganz nach dem Motto: Erfahrene vorne und hinten, Anfänger in der Mitte. Ich hängte mich hinter Jule und Gypsie, die die Abteilung anführten, denn Litzi war teilweise ein wenig unberechenbar und außerdem noch neu auf dem Hof, sie kannte das Gebiet nicht.
      Wir saßen alle auf und ich lotste Jule und Gyps durch den Wald, denn ich kannte das Gebiet wie meine Westentasche.

      So ritten wir und ritten wir...bis wir auf einen jungen Mann trafen. Meine Miene verdunkelte sich. "So, genug für heute. Ihr solltet jetzt lieber zurückreiten, bringt die Pferde nach dem Putzen bitte auf die Weide. Ich hab' mein Handy dabei, wenn was ist, und wenn ich in zwei Stunden nicht zurück bin, dürft ihr euch Sorgen machen. Bis dann mal!", meinte ich zu der Reitgruppe, die etwas verwundert drein schaute. "Na los!", scheuchte ich sie auf, und sie machten kehrt und ritten zurück.
      "Du warst nicht auf deinem Hof, und die Pferde auch nicht. Eine ganze Woche lang nicht", meinte der Mann mit ebenfalls düstere Miene. Ich versuchte ein fieses Lächeln, was mir aber nicht gelang. "Geht auch nicht, wir sind schließlich umgezogen. Was willst du, Jan?" Ich liebte ihn immernoch, und es brach mir das Herz. Er hätte nicht auftauchen dürfen! "Was ich will? Du schuldest mir noch was. Wegen dir ist die Polizei hinter mir her." Ich schüttelte den Kopf. Hatte man mir nicht gesagt, er wäre hinter Gittern? Ich biss die Zähne zusammen und antwortete. "Nein. Nein, ich schulde dir rein gar nichts, noch nimmals deinen Lohn vom letzten Monat bei mir. Also lass mich in Ruhe." - "Wo stehen deine Pferde jetzt?" - "Das geht dich gar nichts an!" Ich handelte mir einen bösen Blick ein, aber der kümmerte mich nicht. Ich wendete Litzi ein wenig rabiat und trieb sie in einen schnellen Galopp. Ich wollte weg, einfach nur weg. "Das wirst du bereuen!", rief Jan hinterher und startete sein Mofa - etwas besseres konnte er sich nicht leisten. Und damit kam er nicht hinterher. Doch Litzi erschreckte sich fürchterlich und stieg und buckelte, ich konnte mich nicht mehr halten und krachte auf den Boden. Jan war weg, mein Handy geplättet. Was sollte ich nun tun? Mein Fuß schmerzte fürchterlich und ich wusste noch nimmals, wo ich genau war.
      Glücklicher Weise kam nach gefühlten Stunden ein Passant vorbei, der sich sofort neben mich kniete. "Geht es ihnen gut? Um Gottes Willen, was ist passiert?" Ich musterte ihn. Er sah vertrauensvoll aus, aber ich hatte Jan schließlich auch vertraut, also hieß das nichts. "Es geht mir gut, nur ich kann nicht laufen...mein Fuß tut zu weh...jemand hat mit seiner Mofa mein Pferd erschreckt und ich bin gestürzt", erklärte ich und er sah mich sorgenvoll an. Ich musterte ihn genauer: Er war wahrscheinlich um die 25 Jahre alt, gut gebaut und wahrscheinlich Afro-Amerikaner - er hatte zumindest einen passenden Akzent und die passende Hautfarbe. Und er hatte eine sehr angenehme Stimme. Auch er musterte mich kurz, bevor er zu sprechen begann: "Hier kommt kein Krankenwagen hin...wo wohnen sie denn, und wissen sie, wer das war? Und wie heißen sie überhaupt?" Ich lächelte leicht. "Ich kenne ihn, er ist ein besserer Bekannter, als mir lieb ist...Jan heißt er, er hat mal für mich gearbeitet. Und ich wohne im Prinzip auf dem Gestüt von Flair und mir, ich heiße Monsterflosse. Und sie heißen?" - "Wilson. Moment, irgendwo hab' ich Ihren Namen doch schon gehört..." - "Ab und zu stehen wir mit unserer Zucht mal in den Nachrichten...Sie haben doch bestimmt mal von Khiara El Assuad gehört? Und vielleicht auch von Escador und Trader Joe? Nieve?" - "Klar hab ich das!" Ich lachte, trotz schmerzendem Fuß. "Die gehören alle mir" Er machte große Augen, fing sich aber wieder. "Soll ich Sie vielleicht nach Hause begleiten? Ich könnte Sie stützen" Ich lächelte: "Das wäre nett, danke." Er half mir auf die Beine, ich legte einen Arm um seinen Hals und wir humpelten nach Hause.

      Dort kamen uns bereits Göfl und Jule entgegen. "Monsta! Wo warst du? Wir haben uns Sorgen gemacht, und zwar sowasvon! Als wir Litzi gefunden haben..." Dann entdeckten sie Wilson und grinsten á la 'Die muss auch mal wieder Glück haben'. Aber ich machte mir schon wieder andere Gedanken. "Wie geht es Litzi? Um Himmels Willen, die Arme muss doch ganz wund sein von den Steigbügeln..." Jule antwortete: "Ach wo. Eine kleine Wunde hat sie, ja, aber die haben wir bereits versorgt." Ich atmete durch. "Lasst uns mal alle rein gehen", schlug Göfl vor und wir gingen/humpelten ins Haupthaus, wo ich Wilson erstmal von seiner Last befreite und mich setzte. "Ich glaube, sie braucht einen Arzt...", meinte er besorgt. Göfl und Jule nickten und Göfl verschwand im Büro, um schnell einen Arzt zu rufen. Als sie wieder da war, fragte sie Wilson: "Wer sind Sie eigentlich?" Er antwortete lächelnd: "Wilson"
      Der Arzt kam und stellte eine Verstauchung fest, die sich jedoch schnell kurieren ließe. Ein bisschen Salbe und ein Verband reichte als Behandlung.
      Als der Arzt weg war unterhielten uns noch ein wenig zu viert und erfuhren, dass er tatsächlich aus Amerika kam und hier nur einen langen Urlaub machte. Er interessierte sich ein wenig für Pferdesport, daher hatte er unser Gestüt auch gekannt. Er hatte als Junge selber viel mit Pferden zu tun gehabt und konnte wohl auch gut mit ihnen umgehen. Im Allgemeinen war er total nett. Der Abend verging und es wurde immer dunkler, sodass auch Göfl und Jule irgendwann gehen müssen. "Tschüssi ihr beiden", meinten sie und verschwanden.
      Nun waren Wilson und ich allein. Da kam mir eine Frage auf: "Können Sie.." - "Wie wärs mit dem Du?" - "Natürlich", ich lächelte, "Kannst du eigentlich reiten?" Er guckte ein wenig bedrückt. "Leider nein." Das hatte ich so ziemlich erwartet. "Wie wär's, wenn ich dir morgen ein wenig Unterricht gebe? Ich nehme normalerweise keine Anfänger, weil ich halt nur recht wertvolle Pferde besitze, aber ich könnte auch mal eine Ausnahme machen..." Er strahlte. "Gerne doch! Ich helf dir dann auch gerne beim Versorgen...apropos...ein Bus fährt hier nicht, oder? Ich hab noch kein Hotel und müsste mal in die Stadt..." - "Wir haben Gästezimmer, wenn du willst kannst du auch hier schlafen. Musst nur früh aufstehen, zumindest, wenn du mit mir Frühstücken und mit den Pferden helfen willst" - "Ehrlich? Das wäre nett, danke!" Er schien richtig glücklich zu sein.
      Wir unterhielten uns noch ein paar weitere Stunden und gingen dann beide ins Bett. Ich ließ den Tag Revue passieren und wusste nicht, wie ich die Pferde morgen gescheit versorgen sollte, mit dem Fuß. Aber naja, ich hatte jetzt ja Hilfe.
      3 Feb. 2011
    • Occulta
      Citara
      Alte Wunden

      "Piep, piep, piep!"
      Mein Wecker klingelte erbamungslos. Alle 5 Minuten, und das seit 4 Uhr morgens - jetzt hatten wir halb 5. Halb 5? Ich musste aufstehen! Gequält streckte ich. Mein Fuß schmerzte, ebenso wie mein Kopf, also griff ich erst einmal zu der Schmerztabletten-Packung auf dem Nachttisch, holte mir eine heraus, nahm die Zitronen-Limonandenflasche neben meinem Bett, nahm die Tablette in den Mund und spülte sie schleunigst hinunter. Danach schleppte ich mich aus dem Bett und humpelte (ich hatte mir gestern schließlich meinen Fuß verstaucht) zum Fenster und öffnete es. Frische Vorfrühlings-Luft wehte in's Zimmer, es war noch dunkel.
      Im Angesicht der Zeit zog ich mich in großer Eile um und kämmte mir die Haare, um noch rechtzeitig beim Frühstück zu erscheinen. Als ich fertig war, waren schon alle da - Anja, Sonja und Sam hatten ja keinen Urlaub mehr und Wilson hatte sich auch den Wecker gestellt. "Morgon", sagten alle vier syncron und ich grinste, trotz Schmerzen, da die Tablette noch nicht ganz wirkte. "Morgen", grüßte ich zurück und setzte mich - der letzte freie Platz zwischen Sam und Wilson, damals war Wilson's Platz immer der Platz von Jan gewesen. Ich schluckte, fing mich aber schnell wieder. "Ihr kennt euch also alle schon?" Ein Nicken ging durch die Runde, anscheinend hatten alle einen Mordshunger. "Also, ich verteil dann mal die Aufgaben, damit ihr euch gleich an die Arbeit machen könnt. Ich hab ja einen verstauchten..." - "Wissen wir schon", grummelte Sam. Oh nein, nicht schon wieder. Hatte er nicht begriffen, dass ich ihn nicht liebte? Anscheinend witterte er Konkurrenz, aber mal ganz ehrlich, mit Männern hatte ich es nach der Geschichte mit Jan nicht so. Ich redete weiter. "Naja. Auf jeden Fall, ich werd dann mal die Arbeiten verteilen. Am besten kümmert ihr euch alle erst einmal um die Fohlen, nachdem ihr gefüttert habt.
      Sam? Nimm du Dakini, Fallen Immortality und Piroschka, die drei sind schon sehr kräftig geworden. Anja, du nimmst Novio, den ich mir heute Nachmittag auch noch einmal angucken werde, nachdem meine Arbeiten erledigt sind, Angel und Harmony und Sonja, du nimmst Herz, Prinze und Joyce. Okay soweit?" Stummes Nicken. Ich verteilte weiter. "Ich kann heute den Unterricht am Nachmittag nicht betreuen, also wäre es nett, wenn ihr beim Vorbereiten der Pferde helfen könntet und die Reitschüler ein wenig betreuen könntet - die gehen bald ein Turnier, da kann ich die Reitstunde unmöglich absagen. Bitte in die Halle, und lasst Moonlight und Maid stehen, die brauche ich.
      Sam, du kümmerst dich nachher bitte um Calucci, der muss auch noch ein wenig raus, der wird ja noch nicht geritten, Orodeth, Joe, Polarfuchs, Gettin und Escador. Anja, nimm du Joyna, Finja, Freedom, Nieve, Shine und Lady - Lady ist die Falabellastute, der geht es alles andere als gut. Sonja, du bekommst dann Inki, Litzi, Ibiza und Khiara. Und da das ein wenig wenige sind, heute werden drei neue Pferde ankommen, Rokko, ein Fuchslusitano-Hengst, Chramisa, Lusitano-Schimmelstute und die Holsteiner-Fuchsstute Simple Little Melody, kurz Melody. Wäre nett, wenn du dafür sorgst, dass die drei sich wohl fühlen, ich gucke sie mir heute Abend noch mal genauer an. So, wie ich sehe, ihr habt aufgegessen, also, aufauf!"
      Sam, Anja und Sonja erhoben sich und gingen los, um die Pferde zu füttern und zu versorgen. Schnell griff ich mir selbst eine Scheibe Brot und schmierte sie eilig. "Du willst also wirklich arbeiten und vor allem reiten heute?", ergriff Wilson das Wort, der ebenfalls noch am Essen war. "Ein wenig. Ich hab dir schließlich eine Reitstunde versprochen, und so ganz ohne zu arbeiten fühle ich mich...nicht gut, weißt du?" Er grinste.

      Nachdem wir aufgegessen hatten, ging/humpelte ich mit Wilson zum Stall und stattete zuerst der Sattelkammer einen Besuch ab. Wilson guckte sich neugierig um. "Sag mal, habt ihr nur so teure Sättel?", fragte er und strich über das glatte, schwarze Leder von Maid's Westernsattel. Ich grinste. "Wir haben auch nur teure Pferde, also muss das sein." Daraufhin lachte er, und ich drückte ihm schnell ein Halfter in die Hand. Es war eines der größten Halfter die hier hingen, und er schaute ein wenig verdutzt. Ich selbst griff mir das Halfter von Maid. "Komm mit, ich zeig' dir dein Pferd"
      An der Box angekommen, wurde ich zuerst von einer großen, etwas rosa getupften Ramsnase beschnuppert. "Heey Moonlight", meinte ich sanft und kraulte der Stute den dichten Schopf. Erwartungsvoll drückte sie ihren Kopf an meinen Bauch, als wolle sie sagen. "Lange nicht mehr geschmust!" Ich lachte und schob die daraufhin etwas verdutzte Moonlight ein wenig weg, um mich Jan zuzuwenden. "Das hier ist Moonlight, du kannst sie auch Mooni nennen. Eine reine Irish Tinker-Stute, mein erstes eigenes Pferd. Sie hat mir schon viel, viel beigebracht und ist eigentlich das ruhigste Pferd hier. Mittlerweile hat sie schon 2 2. Plätze im Fahren und einen 2. in der Dressur, außerdem ist sie zur Zucht zugelassen." Ich deutete auf die Schleifen an der Box. "Also, weißt du, wie man einem Pferd das Halfter umlegt?" - "Ja, ich hab in meiner Kindheit viel Umgang mit Pferden gehabt, bin aber nie geritten...ist vielleicht ein wenig eingerostet, aber naja." Ich lächelte erleichtert. "Also, Halfter sie auf und bring sie schonmal zum Putzplatz, den drinnen, gegenüber der Sattelkammer." Er nickte kurz und ich ließ ihn mit Moonlight allein, um zu Maid zu gehen. "Hey Süße", meinte ich und kraulte sie ebenfalls am Schopf, um ihr daraufhin schnell das Halfter umzulegen. Daraufhin brachte ich sie zum Putzplatz und band sie ein gutes Stück neben Moonlight an. Danach zeigte ich Wison, wo die Putzkästen waren und wir holten die von Moonlight und Maid.
      Wilson erwies sich im Umgang mit Moonlight als wirklich gut - anscheinend hatte er tatsächlich einige Erfahrung. Er brauchte zwar trotzdem länger als ich, aber bei Moonlight, der alten Schmusebärin, war das erstens kein Problem und zweitens hatte er seine liebe Mühe mit ihrem dicken Behang und ihrer fülligen Mähne.
      Als wir fertig waren, gingen wir wieder in die Sattelkammer und ich zeigte ihm, welcher Sattel und welche Trense von Moonlight waren. Da ich wegen meines Fußes schlecht tragen konnte, vor allem da ich für Maid einen schweren Westernsattel schleppen musste, nahm er Moonlights Sattel und ich begleitete ihn, um ihm alles nötige zu zeigen. Danach trug er mir auch Maid's Sattel und legte ihn auf ihren Rücken, sodass ich ihn nurnoch in die richtige Position rücken und die Schnallen fest verschließen musste. Beim Blick auf die Steigbügel seuftzte ich - eigentlich waren mir diese viel zu lang, und ich konnte sie nicht mehr kürzer schnallen... Als hätte er meinen Gedanken erraten, fragte Wilson: "Sag mal, sind dir die Steigbügel nicht eigentlich viel zu lang?" Ich nickte. "Ja, das ist noch der Sattel vom Vorbesitzer. Eigentlich sollte Jule heute noch kommen, und mir meinen neuen..." Plötzlich ertönte eine andere, weibliche Stimme. "Sagmal, hab ich hier gerade meinen Namen gehört?" Ich lachte. "Hey Jule, ich hab' mich gerade gefragt, wann du mir meinen Westernsattel bringst" Sie grinste breit. "Hier bitte, inclusive Trense und Creme-Braun-Neongrünem Sattelpad." - "Kannt du den mal kurz auf dem Ständer neben der Sattelkammer ablegen? Wir haben Maid gerade gesattelt, mit dem alten Sattel" - "Klar" Sie legte den Sattel schnell ab, wärend ich die Schnallen des alten Sattels löste und Wilson ihn dann abnahm und auf den zweiten Ständer neben der Sattelkammer legte. Daraufhin schnappte er sich schon den neuen Sattel und legte ihn auf Maid's Rücken. "Danke", lächelte ich und schnallte ihn fest. Er sah einfach fantastisch aus. "Wow, den hast du gut hinbekommen Jule", schwärmte ich, "danke. Willst du den alten gleich mitnehmen?" - "Danke für die Lorbeeren", lachte sie, "Klar, dann kann ich ihn in meinen Laden legen und einen Käufer finden, der ist ja auch alles andere als von schlechten Eltern" Ich griff nach Maid's neuer Trense. Auch sie war so fein und gut gearbeitet wie der Sattel, und auch für sie hatte Jule nur feinstes Leder verwendet. Ich lächelte anerkennent. "Die alte Trense kannst du dann ja auch mitnehmen, Moment" Ich ging in die Sattelkammer, holte die alte Trense von Maid heraus und drückte sie ihr in die Hand. "Danke", meinte sie, "ich muss jetzt auch wieder los, ich hab noch einen Termin bei einem Kunden.", sie schnappte sich das alte Zaumzeug von Maid, "Bis dann mal!" - "Bis dann Jule!", ich grinste, "So, weiter im Kontext Wilson. Also, hol dir mal Moonlight's Trense" So erklärte ich ihm auch das auftrensen, trenste selbst Maid auf und wir brachten die beiden auf den Außenplatz.

      Als wir ankamen, band ich Maid zuerst an und hakte die Ausbinder in Moonlights Sattel und Trense und schnallte sie auf die richtige Länge. Daraufhin hakte ich Longierhilfe und Longe ein und machte vorsichtig einen Knoten in die Zügel, sodass diese nicht durch die Gegend flogen. Danach überprüfte ich, ob sich der Angstriemen am Sattel befand, was er zum Glück noch tat. Daraufhin wandte ich mich zu Wilson und bedeutete ihm, den Reithelm aufzusetzen. "Stell dich mal neben Moonlight" Schnell zeigte ich ihm, wie man die Steigbügel einstellt. "Also, du kannst jetzt aufsteigen. Geh auf die linke Seite vom Pferd, steck deinen linken Fuß in den Steigbügel und greif vorne unter den Sattel. Dann kannst du dich mit ein wenig Schwung hochziehen, und probier dein Bein so über das Pferd zu hiefen, ohne den Rücken zu streifen. Bei Moonlight wär's jetzt nicht ganz so schlimm, aber viele Pferde mögen das absolut nicht." Er befolgte meine Anweisungen und saß nach den zweiten Versuch sicher auf Moonlights Rücken. "Rücken gerade, Hacken runter, Knie Richtung Pferdegenick" Das hätte ich ihm eigentlich gar nicht sagen brauchen, er saß schon wie eine Eins auf dem Pferd. "Und los. Scheeritt!" Moonlight setzte sich in Bewegung. Und Wilson saß immer noch wie eine Eins, und das ohne in den Angstriemen zu packen. "Wilson, also, du kannst mir jetzt nicht erzählen, dass du zum ersten Mal auf einem Pferd sitzt." Er lachte. "Stimmt, ich hab letztens schonmal Reitstunden gehabt, aber nicht sonderlich viele. Und nur an der Longe. Ich muss so langsam mal reiten lernen, wollte ich sowieso schon immer und jetzt brauch ich das noch für 'nen Videodreh." Ich war ein wenig verwirrt. "Videodreh?" - "Jap, kommt bald raus, ich bin Musiker. Hab' aber noch nie wirklich was rausgebracht...ich wurde letztens entdeckt, ich weiß nicht, ob du den DJ kennst..." Ich machte große Augen. "Welchen?" Er grinste. "Eigentlich ist er ziemlich bekannt, aber ich hab' dich hier noch nie beim Musik hören oder Musikfernsehen gucken erwischt. David Guetta" Meine Augen wurden noch größer. "Jetzt halt mich nicht für doof, klar kenn ich den." Ich lachte, "Eigentlich bin ich sogar Fan von den Black Eyed Peas, und die machen ja nicht gerade wenig mit dem zusammen, ich komm nur in letzter Zeit nicht so dazu, Musik zu hören, leider ist im Moment viel zu viel zu tun, mit der Neueröffnung von Green Hills." Er grinste nur. Etwas verwirrt setzte ich die Reitstunde fort. "Na gut, dann werd ich mal gucken, wie du so im Trab und Galopp sitzt, vielleicht kannst du dann schon gleich frei reiten. Aber erstmal muss Moonlight ein bisschen warm werden, mach mal den Knoten aus den Zügeln und nimm sie in die Hand, eine ruhige Zügelführung ist auch wichtig." Er befolgte meine Bitte und hatte schon bald die Zügel in seiner, zugegebener Maßen sehr ruhigen Hand. "Also dann los. Moonlight, Teerab!" Moonlight hatte zwar einen ziemlich schwungvollen Trab, doch hatte Wilson keinerlei Probleme, sich einigermaßen ruhig im Sattel zu halten. "Na gut. Bereit für den Galopp?" Er nickte mit einem Lächeln auf den Lippen. Offensichtlich genoss er den Ritt. "Okay. Gaaalopp!" Moonlight verfiel in einen mittleren Galopp und immernoch saß Wilson ohne Probleme gerade, Knie Richtung Genick, Beine am Pferd ohne zu Klammern, Hacken herunter und Hände ruhig und aufgestellt. "Gut, das reicht", meinte ich. "Brr Moonlight...Teeerab....Scheeritt! Wie wars Wilson?" Er lächelte und klopfte Moonlights Hals. "Klasse" - "Gut, dann gehts jetzt mal ans Lenken. Moonlight, steeeh." Er wurde unsicher. "Und..eh..wie?" Ich lächelte. "Das zeig ich dir schon. Maid ist ja zum Glück westerngeritten, da kann ich neben dir her reiten und dir alles erklären und dich berichtigen, ohne zu viel acht auf mich geben zu müssen." Ich humpelte auf Moonlight zu, entfernte die Longe ging zu Maid, welche ich zu einem hohen Stein führte und dieses Mal von Rechts auf, um meinen verstauchten Fuß zu entlasten. Dann setzte ich - etwas verspätet - meinen Reithelm auf und ritt im Schritt zu Wilson. Der neue Sattel war echt viel angenehmer als der alte. "Also, die Zügel hälst du ja schon richtig. Antreiben tust du Moonlight, indem du dich tief in den Sattel setzt, die Kontakt zum Pferdemaul aufrecht erhälst und die Schenkel leicht andrückst. Bremsen tust du mit Paraden - also nacheinander die Fäuste etwas eindrehen. Dazu musst du noch tief im Sattel sitzen und die Schenkel müssen dicht am Pferd liegen. Probiers mal!
      So lief die Reitstunde weiter, und am Schluss wagten wir sogar eine Runde Galopp. Er erwieß sich als wares Naturtalent. Wir putzten die Pferde noch und brachten sie auf die Weide, um darauf in's Haupthaus zu gehen, wo ich sofort in die Küche stürmte, um Mittagessen zu machen.

      Ich war schon ziemlich spät dran, also beeilte ich mich, und Wilson half mir. Trotzdem waren wir noch nicht fertig, als Sam, Anja und Sonja eintrafen. "Sorry, Essen muss noch ein bisschen. Ist aber gleich fertig, setzt euch!" Der Tisch war bereits gedeckt, und ich hörte Anja und Sonja hinter meinem Rücken tuscheln und kichern. Grinsend schüttelte ich den Kopf. "Was grinst du?", fragte Wilson. "Ach, nichts. Da denkt sich nur wer grad was", antwortete ich und warf einen Blick zu Anja und Sonja, die sofort verstummten. Daraufhin lachte ich und servierte das Essen. Sam hatte anscheinend wieder besonders schlechte Laune, doch ich sprach ihn gar nicht erst darauf an - ich konnte mir denken was los war. Also warf ich ihm nur einen mahnenden Blick zu und setzte mich, was auch Wilson tat. "Was ist denn los, Sam?", fragte er und bekam eine gegrummelte Antwort. "Geht dich gar nichts an" Ich schüttelte nur den Kopf. Um den noch eine Krone aufzusetzen, meinte Sam: "Du sitzt übrigens auf dem ehemaligen Platz von Jan." Schön, dass er mich wieder darauf aufmerksam machen musste. "Sam, es reicht!", fuhr ich ihn an, und er zuckte zusammen. Ich biss mir auf die Lippe, um nicht weinen zu müssen. Ich hatte es immer verdrängt, aber ich liebte Jan immernoch. Jetzt stiegen mir doch noch Tränen in die Augen. "Entschuldigt mich mal kurz", meinte ich, ohne irgendwen anzusehen, und huschte ins Bad. Anja und Sonja schauten mir mitleidig hinterher. Ich hörte noch, wie Anja und Sonja mit Sam schimpften. "Sam, hör endlich auf! Du weißt genau, wie sehr sie die Geschichte fertig macht..." Mehr bekam ich nicht mit, denn ich war im Bad und die Tränen liefen über mein Gesicht.
      Wenig später hatte ich mich gefangen, wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und klatschte mir kaltes Wasser ins Gesicht. Nachdem ich es wieder abgetrocknet hatte. Ging ich zurück in die Küche und setzte mich wieder, ohne Sam auch nur eines Blickes zu würdigen, und aß schweigend auf. Wilson war wohl etwas verwirrt, und Anja und Sonja guckten nur mitleidig. Schweigen.
      Sam verließ den Raum schleunigst, als er aufgegessen hatte. Als Sonja und Anja aufgegessen hatten, warfen sie noch einen vorsichtigen Blick auf mich und gingen dann auch. Nun war ich allein mit Wilson. Vorsichtig, ganz sanft, fragte er: "Was..was ist eigentlich mit diesem Jan?" Ich biss mir abermals auf die Lippe. "Das...das ist doch egal." Er schüttelte leicht den Kopf, wollte mir die Hand tröstend auf die Wange legen, ließ es jedoch bleiben und schaute mir tief in die Augen. "Du kannst nicht alles in dich reinfressen, das bekommt dir nicht gut." Ich senkte meinen Blick, "Lange Geschichte", entgegnete ich ausweichend, in der Hoffnung, er würde sich abbringen lassen, was er jedoch nicht tat. "Bitte", meinte er leise, schon fast flüsternd. Ich entschied, mich ihm zu öffnen. "Na gut", ich seufzte, "es begann alles damals, als mein Hof zu groß wurde, um sich um alles selbst zu kümmern. Damals stellte ich vier Leute ein - Anja, Sonja, Sam und eben..Jan." Es bereitete mir immernoch Schmerz, seinen Namen auszusprechen, aber jetzt musste ich da durch. "Und um ehrlich zu sein, ich mochte Jan. Sehr sogar. Auf jeden Fall, an einem der ersten Arbeitstage war ich mit ihm auf dem Pferdemarkt. Da gab's ein kleines Missverständis, ich dachte er wäre in Maya verliebt, dabei schwärmte er nur für ihren Achal Tekkiner-Hengst und blablabla, auf jeden Fall, am Ende des Tages kamen wir uns ein wenig näher, und kurz bevor es zu einem Kuss kommen konnte, tauchte Sam auf. Naja, auf jedenfall war er ziemlich sauer, anscheinend Eifersüchtig, zum Glück tauchte Norwi auf und rettete die Situation, brachte Sam nach hause und dann haben wir uns doch noch geküsst, Naja, sein Fahrrad wurde gestohlen, da musste er im Gästezimmer übernachten." Ich verstummte kurz und wischte mir eine Träne von der Wange. "Zur Zeit der WM flog ich mal nach Südafrika, kaufte dort Escador und traf unsere deutsche Elf, und es war alles prima mit Jan und mir. Als ich wieder zurück kam, hatte Anja Albus für mich eingeritten - Albus ist ein Shire Horse Hengst, Weißfalbe, mittlerweile nicht mehr in meinem Besitz. Ich ritt mit ihm aus und auf einer Lichtung einen Mann und eine Frau, die miteinander sprachen. Ich belauschte sie und schnitt alles mit meinem Handy mit, glücklicherweise. Die beiden wollten offensichtlich meine Pferde stehlen und meinen Hof anzünden, und ich war ziemlich empört. Nach dem Gespräch knutschten die beiden ziemlich heftig herum, und es ergab sich die Gelegenheit, zu schauen, wer das ist - zumindest die männliche Stimme kam mir bekannt vor. Und...es war.." Ich schluchste tief. "...Jan. Reflexartig schrie ich ihn an, er schaute angeekelt zurück und erklärte mir, mich niemals geliebt zu haben. Daraufhin ging er mit einem Messer auf mich los, ich wurde nur durch Albus' schrilles Wiehern rechtszeitig gewarnt. Ich rannte zu dem Sulky mit meinen sechs Falabellas (die ich mittlerweile verkaufen musste) davor, mit dem Jan gekommen war, schnappte mir Albus' Zügel, sprang in den Sulky und raste mit dem Gespann und Albus an der Hand zum nächsten Polizeirevier. Der Polizei gab ich dann die Aufnahme auf meinem Handy, und sie verprachen, sich um alles nötige zu kümmern und...Jan...wegzusperren. Auf jeden Fall hatte ich danach zum Glück viel Ablenkung, ich hatte Gettin' vor dem sicheren Tod gerettet und kurz darauf hatte er einen Kreuzverschlag, dann ging es mit den Rennpferden nach St. Moritz. Ich hatte alles schön verdrängt, doch dann..." Ich brauchte eine Pause, denn ein heftiges Schluchzen durchfuhr mich. Wilson wusste nicht so recht, was er tun sollte. Er wagte es nicht, mich tröstend zu berühren, nach allem, was mir geschehen war.
      Nachdem ich mich einigermaßen gefangen hatte, erzählte ich weiter. "An dem Tag, an dem ich dich kennen lernte, war ich gerade mit vielen Reitschülern und ein paar Freunden und allen Pferden unterwegs, die meisten davon hast du ja später kennen gelernt. Da trafen wir auf ihn. Ich war ziemlich geschockt, die Polizei hatte mir doch anderes versprochen...auf jeden Fall schickte ich alle auf den Rückweg und machte mich auf eine Auseinandersetzung mit Jan bereit. Er beschwerte sich, dass ich nicht auf meinem Hof gewesen war, und meine Pferde auch nicht, aber ich war ja umgezogen, zusammen mit Flair hierher, was er zum Glück nicht wusste und ich ihm auch nicht erzählen wollte. Er meinte, ich würde ihm noch etwas schulden, da ich ihm die Polizei auf den Hals gehetzt habe. Ich schrie ihn an, wendete Litzi - ich hatte sie auf dem Ausritt geritten - ein wenig rabiat, und er startete seine Mofa. Naja, Litzi ging durch, ich konnte mich nicht halten und landete auf dem Boden. Das hatte Jan zum Glück nicht gesehen, sonst wäre mir vielleicht schlimmeres passiert. Dummerweise fiel ich genau auf mein Handy, das war danach kaputt. Naja, da lag ich eine Weile, und dann kamst du."
      Niedergeschlagen schaute ich auf den Boden, mir liefen Tränen über das Gesicht. Er wollte mich in den Arm nehmen, mich trösten, aber er traute sich nicht. Statdessen flüsterte er nur einfühlsam: "Das tut mir leid" Ich schluckte, guckte auf und sah ihm in die Augen - ich wollte sehen, ob er es ernst meinte. Und er tat es. Ich lächelte leicht, unter Tränen. "Du kannst da nichts zu. Mach dir bitte nicht zu viele Gedanken wegen mir. Und auch nicht wegen Sam." Er guckte leicht verwirrt. Ich lächelte erneut. "Sam wittert Konkurrenz."
      Plötzlich öffnete sich die Tür und Sam, Anja und Sonja platzten herein. "Die neuen sind einfach Prachtstücke, die müsst ihr sehen!", platzte Sonja heraus. Ich grinste verhalten, und wir standen auf, um sie zu betrachten.

      Rokko war tatsächlich ein stattlicher Zuchthengst. Er kam nicht an Nieve heran, dennoch hatte er ein 1A-Exterieur und geschmeidige Gänge. Chramisa kannte ich ja bereits, und ich war bereits damals in sie verliebt. Auch Nieve schien außerstes Interesse an ihr zu haben - sie rosste gerade. Und Melody war einfach ein Traum von Holsteiner, wie bereits ihre Abstammung verriet. Ich begrüßte Göfl, LeFay und Less, die die drei Pferde brachten und lustiger Weise alle drei gleichzeitig erschienen. Göfl hatte ihre liebe Mühe, Rokko von Chramisa fernzuhalten, also bedeutete ich Sam, Anja und Sonja, die drei Pferde schnell in die vorbereiteten Boxen zu bringen. Ich lächelte, so gut es ging, und übergab Göfl und LeFay das Geld für die Zuchtpferde. Melody hatte Less mir einfach so überlassen, und ich liebte sie dafür.

      Abends stand ich noch lange an Moonlights Box, schmuste mit ihr und erzählte ihr meine Bedenken mit Wilson und Sam. Ich konnte den beiden wirklich vertrauen. Ich hatte vergessen, wie gut die große Tinkerstute im Zuhören war, und deshalb schmuste ich besonders lange mit ihr. Auf einmal stand Wilson hinter mir. "Es ist verständlich, wenn du mir nicht vertrauen kannst", meinte er einfühlsam, jedoch hörte ich heraus, dass er leicht gekränkt war. Hatte er mein ganzes Gespräch mit Moonlight mitgehört. Erschreckt starrte ich ihn an. "Hast du..." - "Tut mir leid." Er senkte den Blick. "Ich wollte nicht lauschen, aber ich hab' meinen Namen gehört und naja, ich war halt neugierig." Schuldbewusst zuckte er mit den Schultern und hob den Kopf, schaute mir flehend in die Augen, ich solle ihm doch verzeihen. Erst in seinem Blick sah ich, wie verletzt er durch meine Aussage, ich könne ihm nicht vertrauen, war. "Ich vertraue keinem Mann mehr, es tut mir leid", meinte ich und senkte meinerseits den Kopf. Moonlight stupste mich verständnisvoll an, legte ihren Kof über meine Schulter und knabberte vertrauensvoll an einer langen Haarsträhne von mir. Ich ließ sie gewähren und kraulte sie sanft unter ihrem Schopf. "Es tut mir leid", flüsterte ich erneut, und wieder schossen mir Tränen in die Augen. "Du liebst ihn immernoch, oder?", fragte Wilson sanft, diesmal weniger gekränkt als zuvor. Ich nickte traurig und wandte mich Moonlight zu. Ich schlang meine Arme um ihren Kopf und weinte. Vorsichtig machte sie sich frei und schlabberte mit ihrer Zunge durch mein Gesicht, was mich ein wenig aufheiterte. Wilson beobachtete die Szene und kam einen Schritt näher. Ich hörte, wie die Stalltür auf- und zuging und Sam trat ein. "Was ist hier los? Was hast du ihr angetan?", fragte Sam rau und schubste Wilson würend ein Stück von mir weg. Ich drehte mich um. "Sam, hör auf!", ich weinte noch mehr. "Er hat mir rein gar nichts getan, im Gegenteil, er hat mir geholfen." Sam's Blick, der bisher hasserfüllt auf Wilson lag, wanderte, nicht mehr hasserfüllt sondern sanft und verletzlich, zu mir. Ich redete weiter, vorsichtig, um ihn nicht zu sehr zu verletzen. "Sam, egal was du tust, ich liebe dich nicht...ich liebe..." Sam's Stimme wurde wieder rau. "Wen? Wilson?" Ich schüttelte den Kopf, und zum abertausendsten Mal an diesem Tag füllten sich meine Augen mit Wasser. "Ich liebe immernoch Jan." Sam schüttelte den Kopf und ging schnellen Schrittes aus dem Stall, ich sah ihm nach. "Er macht es nicht gerade besser", stellte ich fest. Wilson nickte mitfühlend. Er kam einen Schritt näher und nahm mich vorsichtig in den Arm. Es tat gut. Ich hatte zwar ein wenig Angst, aber dennoch, es tat gut. Wir standen nicht lange so umschlungen, er wollte es nicht übertreiben und auch für mich war es genug. "Es ist schon spät", flüsterte Wilson. Ich nickte, verabschiedete mich von Moonlight und wir gingen zusammen ins Haupthaus. "Gute Nacht", flüsterte ich, als wir drinnen waren, er erwiederte und ich ging mit gemischten Gefühlen ins Bett.

      Alte Wunden


      "Piep, piep, piep!"
      Mein Wecker klingelte erbamungslos. Alle 5 Minuten, und das seit 4 Uhr morgens - jetzt hatten wir halb 5. Halb 5? Ich musste aufstehen! Gequält streckte ich. Mein Fuß schmerzte, ebenso wie mein Kopf, also griff ich erst einmal zu der Schmerztabletten-Packung auf dem Nachttisch, holte mir eine heraus, nahm die Zitronen-Limonandenflasche neben meinem Bett, nahm die Tablette in den Mund und spülte sie schleunigst hinunter. Danach schleppte ich mich aus dem Bett und humpelte (ich hatte mir gestern schließlich meinen Fuß verstaucht) zum Fenster und öffnete es. Frische Vorfrühlings-Luft wehte in's Zimmer, es war noch dunkel.
      Im Angesicht der Zeit zog ich mich in großer Eile um und kämmte mir die Haare, um noch rechtzeitig beim Frühstück zu erscheinen. Als ich fertig war, waren schon alle da - Anja, Sonja und Sam hatten ja keinen Urlaub mehr und Wilson hatte sich auch den Wecker gestellt. "Morgon", sagten alle vier syncron und ich grinste, trotz Schmerzen, da die Tablette noch nicht ganz wirkte. "Morgen", grüßte ich zurück und setzte mich - der letzte freie Platz zwischen Sam und Wilson, damals war Wilson's Platz immer der Platz von Jan gewesen. Ich schluckte, fing mich aber schnell wieder. "Ihr kennt euch also alle schon?" Ein Nicken ging durch die Runde, anscheinend hatten alle einen Mordshunger. "Also, ich verteil dann mal die Aufgaben, damit ihr euch gleich an die Arbeit machen könnt. Ich hab ja einen verstauchten..." - "Wissen wir schon", grummelte Sam. Oh nein, nicht schon wieder. Hatte er nicht begriffen, dass ich ihn nicht liebte? Anscheinend witterte er Konkurrenz, aber mal ganz ehrlich, mit Männern hatte ich es nach der Geschichte mit Jan nicht so. Ich redete weiter. "Naja. Auf jeden Fall, ich werd dann mal die Arbeiten verteilen. Am besten kümmert ihr euch alle erst einmal um die Fohlen, nachdem ihr gefüttert habt.
      Sam? Nimm du Dakini, Fallen Immortality und Piroschka, die drei sind schon sehr kräftig geworden. Anja, du nimmst Novio, den ich mir heute Nachmittag auch noch einmal angucken werde, nachdem meine Arbeiten erledigt sind, Angel und Harmony und Sonja, du nimmst Herz, Prinze und Joyce. Okay soweit?" Stummes Nicken. Ich verteilte weiter. "Ich kann heute den Unterricht am Nachmittag nicht betreuen, also wäre es nett, wenn ihr beim Vorbereiten der Pferde helfen könntet und die Reitschüler ein wenig betreuen könntet - die gehen bald ein Turnier, da kann ich die Reitstunde unmöglich absagen. Bitte in die Halle, und lasst Moonlight und Maid stehen, die brauche ich.
      Sam, du kümmerst dich nachher bitte um Calucci, der muss auch noch ein wenig raus, der wird ja noch nicht geritten, Orodeth, Joe, Polarfuchs, Gettin und Escador. Anja, nimm du Joyna, Finja, Freedom, Nieve, Shine und Lady - Lady ist die Falabellastute, der geht es alles andere als gut. Sonja, du bekommst dann Inki, Litzi, Ibiza und Khiara. Und da das ein wenig wenige sind, heute werden drei neue Pferde ankommen, Rokko, ein Fuchslusitano-Hengst, Chramisa, Lusitano-Schimmelstute und die Holsteiner-Fuchsstute Simple Little Melody, kurz Melody. Wäre nett, wenn du dafür sorgst, dass die drei sich wohl fühlen, ich gucke sie mir heute Abend noch mal genauer an. So, wie ich sehe, ihr habt aufgegessen, also, aufauf!"
      Sam, Anja und Sonja erhoben sich und gingen los, um die Pferde zu füttern und zu versorgen. Schnell griff ich mir selbst eine Scheibe Brot und schmierte sie eilig. "Du willst also wirklich arbeiten und vor allem reiten heute?", ergriff Wilson das Wort, der ebenfalls noch am Essen war. "Ein wenig. Ich hab dir schließlich eine Reitstunde versprochen, und so ganz ohne zu arbeiten fühle ich mich...nicht gut, weißt du?" Er grinste.

      Nachdem wir aufgegessen hatten, ging/humpelte ich mit Wilson zum Stall und stattete zuerst der Sattelkammer einen Besuch ab. Wilson guckte sich neugierig um. "Sag mal, habt ihr nur so teure Sättel?", fragte er und strich über das glatte, schwarze Leder von Maid's Westernsattel. Ich grinste. "Wir haben auch nur teure Pferde, also muss das sein." Daraufhin lachte er, und ich drückte ihm schnell ein Halfter in die Hand. Es war eines der größten Halfter die hier hingen, und er schaute ein wenig verdutzt. Ich selbst griff mir das Halfter von Maid. "Komm mit, ich zeig' dir dein Pferd"
      An der Box angekommen, wurde ich zuerst von einer großen, etwas rosa getupften Ramsnase beschnuppert. "Heey Moonlight", meinte ich sanft und kraulte der Stute den dichten Schopf. Erwartungsvoll drückte sie ihren Kopf an meinen Bauch, als wolle sie sagen. "Lange nicht mehr geschmust!" Ich lachte und schob die daraufhin etwas verdutzte Moonlight ein wenig weg, um mich Jan zuzuwenden. "Das hier ist Moonlight, du kannst sie auch Mooni nennen. Eine reine Irish Tinker-Stute, mein erstes eigenes Pferd. Sie hat mir schon viel, viel beigebracht und ist eigentlich das ruhigste Pferd hier. Mittlerweile hat sie schon 2 2. Plätze im Fahren und einen 2. in der Dressur, außerdem ist sie zur Zucht zugelassen." Ich deutete auf die Schleifen an der Box. "Also, weißt du, wie man einem Pferd das Halfter umlegt?" - "Ja, ich hab in meiner Kindheit viel Umgang mit Pferden gehabt, bin aber nie geritten...ist vielleicht ein wenig eingerostet, aber naja." Ich lächelte erleichtert. "Also, Halfter sie auf und bring sie schonmal zum Putzplatz, den drinnen, gegenüber der Sattelkammer." Er nickte kurz und ich ließ ihn mit Moonlight allein, um zu Maid zu gehen. "Hey Süße", meinte ich und kraulte sie ebenfalls am Schopf, um ihr daraufhin schnell das Halfter umzulegen. Daraufhin brachte ich sie zum Putzplatz und band sie ein gutes Stück neben Moonlight an. Danach zeigte ich Wison, wo die Putzkästen waren und wir holten die von Moonlight und Maid.
      Wilson erwies sich im Umgang mit Moonlight als wirklich gut - anscheinend hatte er tatsächlich einige Erfahrung. Er brauchte zwar trotzdem länger als ich, aber bei Moonlight, der alten Schmusebärin, war das erstens kein Problem und zweitens hatte er seine liebe Mühe mit ihrem dicken Behang und ihrer fülligen Mähne.
      Als wir fertig waren, gingen wir wieder in die Sattelkammer und ich zeigte ihm, welcher Sattel und welche Trense von Moonlight waren. Da ich wegen meines Fußes schlecht tragen konnte, vor allem da ich für Maid einen schweren Westernsattel schleppen musste, nahm er Moonlights Sattel und ich begleitete ihn, um ihm alles nötige zu zeigen. Danach trug er mir auch Maid's Sattel und legte ihn auf ihren Rücken, sodass ich ihn nurnoch in die richtige Position rücken und die Schnallen fest verschließen musste. Beim Blick auf die Steigbügel seuftzte ich - eigentlich waren mir diese viel zu lang, und ich konnte sie nicht mehr kürzer schnallen... Als hätte er meinen Gedanken erraten, fragte Wilson: "Sag mal, sind dir die Steigbügel nicht eigentlich viel zu lang?" Ich nickte. "Ja, das ist noch der Sattel vom Vorbesitzer. Eigentlich sollte Jule heute noch kommen, und mir meinen neuen..." Plötzlich ertönte eine andere, weibliche Stimme. "Sagmal, hab ich hier gerade meinen Namen gehört?" Ich lachte. "Hey Jule, ich hab' mich gerade gefragt, wann du mir meinen Westernsattel bringst" Sie grinste breit. "Hier bitte, inclusive Trense und Creme-Braun-Neongrünem Sattelpad." - "Kannt du den mal kurz auf dem Ständer neben der Sattelkammer ablegen? Wir haben Maid gerade gesattelt, mit dem alten Sattel" - "Klar" Sie legte den Sattel schnell ab, wärend ich die Schnallen des alten Sattels löste und Wilson ihn dann abnahm und auf den zweiten Ständer neben der Sattelkammer legte. Daraufhin schnappte er sich schon den neuen Sattel und legte ihn auf Maid's Rücken. "Danke", lächelte ich und schnallte ihn fest. Er sah einfach fantastisch aus. "Wow, den hast du gut hinbekommen Jule", schwärmte ich, "danke. Willst du den alten gleich mitnehmen?" - "Danke für die Lorbeeren", lachte sie, "Klar, dann kann ich ihn in meinen Laden legen und einen Käufer finden, der ist ja auch alles andere als von schlechten Eltern" Ich griff nach Maid's neuer Trense. Auch sie war so fein und gut gearbeitet wie der Sattel, und auch für sie hatte Jule nur feinstes Leder verwendet. Ich lächelte anerkennent. "Die alte Trense kannst du dann ja auch mitnehmen, Moment" Ich ging in die Sattelkammer, holte die alte Trense von Maid heraus und drückte sie ihr in die Hand. "Danke", meinte sie, "ich muss jetzt auch wieder los, ich hab noch einen Termin bei einem Kunden.", sie schnappte sich das alte Zaumzeug von Maid, "Bis dann mal!" - "Bis dann Jule!", ich grinste, "So, weiter im Kontext Wilson. Also, hol dir mal Moonlight's Trense" So erklärte ich ihm auch das auftrensen, trenste selbst Maid auf und wir brachten die beiden auf den Außenplatz.

      Als wir ankamen, band ich Maid zuerst an und hakte die Ausbinder in Moonlights Sattel und Trense und schnallte sie auf die richtige Länge. Daraufhin hakte ich Longierhilfe und Longe ein und machte vorsichtig einen Knoten in die Zügel, sodass diese nicht durch die Gegend flogen. Danach überprüfte ich, ob sich der Angstriemen am Sattel befand, was er zum Glück noch tat. Daraufhin wandte ich mich zu Wilson und bedeutete ihm, den Reithelm aufzusetzen. "Stell dich mal neben Moonlight" Schnell zeigte ich ihm, wie man die Steigbügel einstellt. "Also, du kannst jetzt aufsteigen. Geh auf die linke Seite vom Pferd, steck deinen linken Fuß in den Steigbügel und greif vorne unter den Sattel. Dann kannst du dich mit ein wenig Schwung hochziehen, und probier dein Bein so über das Pferd zu hiefen, ohne den Rücken zu streifen. Bei Moonlight wär's jetzt nicht ganz so schlimm, aber viele Pferde mögen das absolut nicht." Er befolgte meine Anweisungen und saß nach den zweiten Versuch sicher auf Moonlights Rücken. "Rücken gerade, Hacken runter, Knie Richtung Pferdegenick" Das hätte ich ihm eigentlich gar nicht sagen brauchen, er saß schon wie eine Eins auf dem Pferd. "Und los. Scheeritt!" Moonlight setzte sich in Bewegung. Und Wilson saß immer noch wie eine Eins, und das ohne in den Angstriemen zu packen. "Wilson, also, du kannst mir jetzt nicht erzählen, dass du zum ersten Mal auf einem Pferd sitzt." Er lachte. "Stimmt, ich hab letztens schonmal Reitstunden gehabt, aber nicht sonderlich viele. Und nur an der Longe. Ich muss so langsam mal reiten lernen, wollte ich sowieso schon immer und jetzt brauch ich das noch für 'nen Videodreh." Ich war ein wenig verwirrt. "Videodreh?" - "Jap, kommt bald raus, ich bin Musiker. Hab' aber noch nie wirklich was rausgebracht...ich wurde letztens entdeckt, ich weiß nicht, ob du den DJ kennst..." Ich machte große Augen. "Welchen?" Er grinste. "Eigentlich ist er ziemlich bekannt, aber ich hab' dich hier noch nie beim Musik hören oder Musikfernsehen gucken erwischt. David Guetta" Meine Augen wurden noch größer. "Jetzt halt mich nicht für doof, klar kenn ich den." Ich lachte, "Eigentlich bin ich sogar Fan von den Black Eyed Peas, und die machen ja nicht gerade wenig mit dem zusammen, ich komm nur in letzter Zeit nicht so dazu, Musik zu hören, leider ist im Moment viel zu viel zu tun, mit der Neueröffnung von Green Hills." Er grinste nur. Etwas verwirrt setzte ich die Reitstunde fort. "Na gut, dann werd ich mal gucken, wie du so im Trab und Galopp sitzt, vielleicht kannst du dann schon gleich frei reiten. Aber erstmal muss Moonlight ein bisschen warm werden, mach mal den Knoten aus den Zügeln und nimm sie in die Hand, eine ruhige Zügelführung ist auch wichtig." Er befolgte meine Bitte und hatte schon bald die Zügel in seiner, zugegebener Maßen sehr ruhigen Hand. "Also dann los. Moonlight, Teerab!" Moonlight hatte zwar einen ziemlich schwungvollen Trab, doch hatte Wilson keinerlei Probleme, sich einigermaßen ruhig im Sattel zu halten. "Na gut. Bereit für den Galopp?" Er nickte mit einem Lächeln auf den Lippen. Offensichtlich genoss er den Ritt. "Okay. Gaaalopp!" Moonlight verfiel in einen mittleren Galopp und immernoch saß Wilson ohne Probleme gerade, Knie Richtung Genick, Beine am Pferd ohne zu Klammern, Hacken herunter und Hände ruhig und aufgestellt. "Gut, das reicht", meinte ich. "Brr Moonlight...Teeerab....Scheeritt! Wie wars Wilson?" Er lächelte und klopfte Moonlights Hals. "Klasse" - "Gut, dann gehts jetzt mal ans Lenken. Moonlight, steeeh." Er wurde unsicher. "Und..eh..wie?" Ich lächelte. "Das zeig ich dir schon. Maid ist ja zum Glück westerngeritten, da kann ich neben dir her reiten und dir alles erklären und dich berichtigen, ohne zu viel acht auf mich geben zu müssen." Ich humpelte auf Moonlight zu, entfernte die Longe ging zu Maid, welche ich zu einem hohen Stein führte und dieses Mal von Rechts auf, um meinen verstauchten Fuß zu entlasten. Dann setzte ich - etwas verspätet - meinen Reithelm auf und ritt im Schritt zu Wilson. Der neue Sattel war echt viel angenehmer als der alte. "Also, die Zügel hälst du ja schon richtig. Antreiben tust du Moonlight, indem du dich tief in den Sattel setzt, die Kontakt zum Pferdemaul aufrecht erhälst und die Schenkel leicht andrückst. Bremsen tust du mit Paraden - also nacheinander die Fäuste etwas eindrehen. Dazu musst du noch tief im Sattel sitzen und die Schenkel müssen dicht am Pferd liegen. Probiers mal!
      So lief die Reitstunde weiter, und am Schluss wagten wir sogar eine Runde Galopp. Er erwieß sich als wares Naturtalent. Wir putzten die Pferde noch und brachten sie auf die Weide, um darauf in's Haupthaus zu gehen, wo ich sofort in die Küche stürmte, um Mittagessen zu machen.

      Ich war schon ziemlich spät dran, also beeilte ich mich, und Wilson half mir. Trotzdem waren wir noch nicht fertig, als Sam, Anja und Sonja eintrafen. "Sorry, Essen muss noch ein bisschen. Ist aber gleich fertig, setzt euch!" Der Tisch war bereits gedeckt, und ich hörte Anja und Sonja hinter meinem Rücken tuscheln und kichern. Grinsend schüttelte ich den Kopf. "Was grinst du?", fragte Wilson. "Ach, nichts. Da denkt sich nur wer grad was", antwortete ich und warf einen Blick zu Anja und Sonja, die sofort verstummten. Daraufhin lachte ich und servierte das Essen. Sam hatte anscheinend wieder besonders schlechte Laune, doch ich sprach ihn gar nicht erst darauf an - ich konnte mir denken was los war. Also warf ich ihm nur einen mahnenden Blick zu und setzte mich, was auch Wilson tat. "Was ist denn los, Sam?", fragte er und bekam eine gegrummelte Antwort. "Geht dich gar nichts an" Ich schüttelte nur den Kopf. Um den noch eine Krone aufzusetzen, meinte Sam: "Du sitzt übrigens auf dem ehemaligen Platz von Jan." Schön, dass er mich wieder darauf aufmerksam machen musste. "Sam, es reicht!", fuhr ich ihn an, und er zuckte zusammen. Ich biss mir auf die Lippe, um nicht weinen zu müssen. Ich hatte es immer verdrängt, aber ich liebte Jan immernoch. Jetzt stiegen mir doch noch Tränen in die Augen. "Entschuldigt mich mal kurz", meinte ich, ohne irgendwen anzusehen, und huschte ins Bad. Anja und Sonja schauten mir mitleidig hinterher. Ich hörte noch, wie Anja und Sonja mit Sam schimpften. "Sam, hör endlich auf! Du weißt genau, wie sehr sie die Geschichte fertig macht..." Mehr bekam ich nicht mit, denn ich war im Bad und die Tränen liefen über mein Gesicht.
      Wenig später hatte ich mich gefangen, wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und klatschte mir kaltes Wasser ins Gesicht. Nachdem ich es wieder abgetrocknet hatte. Ging ich zurück in die Küche und setzte mich wieder, ohne Sam auch nur eines Blickes zu würdigen, und aß schweigend auf. Wilson war wohl etwas verwirrt, und Anja und Sonja guckten nur mitleidig. Schweigen.
      Sam verließ den Raum schleunigst, als er aufgegessen hatte. Als Sonja und Anja aufgegessen hatten, warfen sie noch einen vorsichtigen Blick auf mich und gingen dann auch. Nun war ich allein mit Wilson. Vorsichtig, ganz sanft, fragte er: "Was..was ist eigentlich mit diesem Jan?" Ich biss mir abermals auf die Lippe. "Das...das ist doch egal." Er schüttelte leicht den Kopf, wollte mir die Hand tröstend auf die Wange legen, ließ es jedoch bleiben und schaute mir tief in die Augen. "Du kannst nicht alles in dich reinfressen, das bekommt dir nicht gut." Ich senkte meinen Blick, "Lange Geschichte", entgegnete ich ausweichend, in der Hoffnung, er würde sich abbringen lassen, was er jedoch nicht tat. "Bitte", meinte er leise, schon fast flüsternd. Ich entschied, mich ihm zu öffnen. "Na gut", ich seufzte, "es begann alles damals, als mein Hof zu groß wurde, um sich um alles selbst zu kümmern. Damals stellte ich vier Leute ein - Anja, Sonja, Sam und eben..Jan." Es bereitete mir immernoch Schmerz, seinen Namen auszusprechen, aber jetzt musste ich da durch. "Und um ehrlich zu sein, ich mochte Jan. Sehr sogar. Auf jeden Fall, an einem der ersten Arbeitstage war ich mit ihm auf dem Pferdemarkt. Da gab's ein kleines Missverständis, ich dachte er wäre in Maya verliebt, dabei schwärmte er nur für ihren Achal Tekkiner-Hengst und blablabla, auf jeden Fall, am Ende des Tages kamen wir uns ein wenig näher, und kurz bevor es zu einem Kuss kommen konnte, tauchte Sam auf. Naja, auf jedenfall war er ziemlich sauer, anscheinend Eifersüchtig, zum Glück tauchte Norwi auf und rettete die Situation, brachte Sam nach hause und dann haben wir uns doch noch geküsst, Naja, sein Fahrrad wurde gestohlen, da musste er im Gästezimmer übernachten." Ich verstummte kurz und wischte mir eine Träne von der Wange. "Zur Zeit der WM flog ich mal nach Südafrika, kaufte dort Escador und traf unsere deutsche Elf, und es war alles prima mit Jan und mir. Als ich wieder zurück kam, hatte Anja Albus für mich eingeritten - Albus ist ein Shire Horse Hengst, Weißfalbe, mittlerweile nicht mehr in meinem Besitz. Ich ritt mit ihm aus und auf einer Lichtung einen Mann und eine Frau, die miteinander sprachen. Ich belauschte sie und schnitt alles mit meinem Handy mit, glücklicherweise. Die beiden wollten offensichtlich meine Pferde stehlen und meinen Hof anzünden, und ich war ziemlich empört. Nach dem Gespräch knutschten die beiden ziemlich heftig herum, und es ergab sich die Gelegenheit, zu schauen, wer das ist - zumindest die männliche Stimme kam mir bekannt vor. Und...es war.." Ich schluchste tief. "...Jan. Reflexartig schrie ich ihn an, er schaute angeekelt zurück und erklärte mir, mich niemals geliebt zu haben. Daraufhin ging er mit einem Messer auf mich los, ich wurde nur durch Albus' schrilles Wiehern rechtszeitig gewarnt. Ich rannte zu dem Sulky mit meinen sechs Falabellas (die ich mittlerweile verkaufen musste) davor, mit dem Jan gekommen war, schnappte mir Albus' Zügel, sprang in den Sulky und raste mit dem Gespann und Albus an der Hand zum nächsten Polizeirevier. Der Polizei gab ich dann die Aufnahme auf meinem Handy, und sie verprachen, sich um alles nötige zu kümmern und...Jan...wegzusperren. Auf jeden Fall hatte ich danach zum Glück viel Ablenkung, ich hatte Gettin' vor dem sicheren Tod gerettet und kurz darauf hatte er einen Kreuzverschlag, dann ging es mit den Rennpferden nach St. Moritz. Ich hatte alles schön verdrängt, doch dann..." Ich brauchte eine Pause, denn ein heftiges Schluchzen durchfuhr mich. Wilson wusste nicht so recht, was er tun sollte. Er wagte es nicht, mich tröstend zu berühren, nach allem, was mir geschehen war.
      Nachdem ich mich einigermaßen gefangen hatte, erzählte ich weiter. "An dem Tag, an dem ich dich kennen lernte, war ich gerade mit vielen Reitschülern und ein paar Freunden und allen Pferden unterwegs, die meisten davon hast du ja später kennen gelernt. Da trafen wir auf ihn. Ich war ziemlich geschockt, die Polizei hatte mir doch anderes versprochen...auf jeden Fall schickte ich alle auf den Rückweg und machte mich auf eine Auseinandersetzung mit Jan bereit. Er beschwerte sich, dass ich nicht auf meinem Hof gewesen war, und meine Pferde auch nicht, aber ich war ja umgezogen, zusammen mit Flair hierher, was er zum Glück nicht wusste und ich ihm auch nicht erzählen wollte. Er meinte, ich würde ihm noch etwas schulden, da ich ihm die Polizei auf den Hals gehetzt habe. Ich schrie ihn an, wendete Litzi - ich hatte sie auf dem Ausritt geritten - ein wenig rabiat, und er startete seine Mofa. Naja, Litzi ging durch, ich konnte mich nicht halten und landete auf dem Boden. Das hatte Jan zum Glück nicht gesehen, sonst wäre mir vielleicht schlimmeres passiert. Dummerweise fiel ich genau auf mein Handy, das war danach kaputt. Naja, da lag ich eine Weile, und dann kamst du."
      Niedergeschlagen schaute ich auf den Boden, mir liefen Tränen über das Gesicht. Er wollte mich in den Arm nehmen, mich trösten, aber er traute sich nicht. Statdessen flüsterte er nur einfühlsam: "Das tut mir leid" Ich schluckte, guckte auf und sah ihm in die Augen - ich wollte sehen, ob er es ernst meinte. Und er tat es. Ich lächelte leicht, unter Tränen. "Du kannst da nichts zu. Mach dir bitte nicht zu viele Gedanken wegen mir. Und auch nicht wegen Sam." Er guckte leicht verwirrt. Ich lächelte erneut. "Sam wittert Konkurrenz."
      Plötzlich öffnete sich die Tür und Sam, Anja und Sonja platzten herein. "Die neuen sind einfach Prachtstücke, die müsst ihr sehen!", platzte Sonja heraus. Ich grinste verhalten, und wir standen auf, um sie zu betrachten.

      Rokko war tatsächlich ein stattlicher Zuchthengst. Er kam nicht an Nieve heran, dennoch hatte er ein 1A-Exterieur und geschmeidige Gänge. Chramisa kannte ich ja bereits, und ich war bereits damals in sie verliebt. Auch Nieve schien außerstes Interesse an ihr zu haben - sie rosste gerade. Und Melody war einfach ein Traum von Holsteiner, wie bereits ihre Abstammung verriet. Ich begrüßte Göfl, LeFay und Less, die die drei Pferde brachten und lustiger Weise alle drei gleichzeitig erschienen. Göfl hatte ihre liebe Mühe, Rokko von Chramisa fernzuhalten, also bedeutete ich Sam, Anja und Sonja, die drei Pferde schnell in die vorbereiteten Boxen zu bringen. Ich lächelte, so gut es ging, und übergab Göfl und LeFay das Geld für die Zuchtpferde. Melody hatte Less mir einfach so überlassen, und ich liebte sie dafür.

      Abends stand ich noch lange an Moonlights Box, schmuste mit ihr und erzählte ihr meine Bedenken mit Wilson und Sam. Ich konnte den beiden wirklich vertrauen. Ich hatte vergessen, wie gut die große Tinkerstute im Zuhören war, und deshalb schmuste ich besonders lange mit ihr. Auf einmal stand Wilson hinter mir. "Es ist verständlich, wenn du mir nicht vertrauen kannst", meinte er einfühlsam, jedoch hörte ich heraus, dass er leicht gekränkt war. Hatte er mein ganzes Gespräch mit Moonlight mitgehört. Erschreckt starrte ich ihn an. "Hast du..." - "Tut mir leid." Er senkte den Blick. "Ich wollte nicht lauschen, aber ich hab' meinen Namen gehört und naja, ich war halt neugierig." Schuldbewusst zuckte er mit den Schultern und hob den Kopf, schaute mir flehend in die Augen, ich solle ihm doch verzeihen. Erst in seinem Blick sah ich, wie verletzt er durch meine Aussage, ich könne ihm nicht vertrauen, war. "Ich vertraue keinem Mann mehr, es tut mir leid", meinte ich und senkte meinerseits den Kopf. Moonlight stupste mich verständnisvoll an, legte ihren Kof über meine Schulter und knabberte vertrauensvoll an einer langen Haarsträhne von mir. Ich ließ sie gewähren und kraulte sie sanft unter ihrem Schopf. "Es tut mir leid", flüsterte ich erneut, und wieder schossen mir Tränen in die Augen. "Du liebst ihn immernoch, oder?", fragte Wilson sanft, diesmal weniger gekränkt als zuvor. Ich nickte traurig und wandte mich Moonlight zu. Ich schlang meine Arme um ihren Kopf und weinte. Vorsichtig machte sie sich frei und schlabberte mit ihrer Zunge durch mein Gesicht, was mich ein wenig aufheiterte. Wilson beobachtete die Szene und kam einen Schritt näher. Ich hörte, wie die Stalltür auf- und zuging und Sam trat ein. "Was ist hier los? Was hast du ihr angetan?", fragte Sam rau und schubste Wilson würend ein Stück von mir weg. Ich drehte mich um. "Sam, hör auf!", ich weinte noch mehr. "Er hat mir rein gar nichts getan, im Gegenteil, er hat mir geholfen." Sam's Blick, der bisher hasserfüllt auf Wilson lag, wanderte, nicht mehr hasserfüllt sondern sanft und verletzlich, zu mir. Ich redete weiter, vorsichtig, um ihn nicht zu sehr zu verletzen. "Sam, egal was du tust, ich liebe dich nicht...ich liebe..." Sam's Stimme wurde wieder rau. "Wen? Wilson?" Ich schüttelte den Kopf, und zum abertausendsten Mal an diesem Tag füllten sich meine Augen mit Wasser. "Ich liebe immernoch Jan." Sam schüttelte den Kopf und ging schnellen Schrittes aus dem Stall, ich sah ihm nach. "Er macht es nicht gerade besser", stellte ich fest. Wilson nickte mitfühlend. Er kam einen Schritt näher und nahm mich vorsichtig in den Arm. Es tat gut. Ich hatte zwar ein wenig Angst, aber dennoch, es tat gut. Wir standen nicht lange so umschlungen, er wollte es nicht übertreiben und auch für mich war es genug. "Es ist schon spät", flüsterte Wilson. Ich nickte, verabschiedete mich von Moonlight und wir gingen zusammen ins Haupthaus. "Gute Nacht", flüsterte ich, als wir drinnen waren, er erwiederte und ich ging mit gemischten Gefühlen ins Bett.
      7 Apr. 2011

      Citara
      Wahn

      "Saaaam?", trötete ich, als ich zum Frühstück in die Küche kam. Er guckte mich nur düster an, ich verdrehte die Augen. "Du weißt nicht zufällig, wo der Schlüssel vom Transporter ist?", säuselte ich weiter. Im Gegensatz zu ihm hatte ich nämlich gute Laune. Es waren nun mehrere Wochen vergangen, dass ich Wilson von Jan erzählt hatte. Ich fühlte mich gleich leichter. Aber Sam war auf mich immer noch nur schlecht zu sprechen. Missmutig antwortete er mir. "Hinter der Kaffeemaschine" - "Danke" Also wanderte ich schnell zur Kaffeemaschine, nahm den Schlüssel und machte mir bei der Gelegenheit gleich einen Kaffee. Viel geschlafen hatte ich ja nicht. Glücklich setzte ich mich an meinen Platz zwischen Wilson und Sam, wünschte allen einen guten Morgen und grinste durch die Runde, worauf ich nur verwunderte Blicke erntete. Anja und Sonja fragten sofort. "Sag mal, lange her das du so glücklich warst. Waaaas ist los?" Ich lachte. Ich sah ihnen gleich an, dass sie an eine Romanze dachten. "Ich bin verliebt, das ist alles", grinste ich ohne Rücksicht auf die beiden Männer am Tisch, und Anja und Sonja starrten mich groß an. Daraufhin lachte ich noch mehr und klatschte die Zeitung auf den Tisch, auf der eine Anzeige mit Bild dick eingekringelt war. Es handelte sich um eine weiße Vollblutstute. Anja und Sonja guckten enttäuscht. "War ja klar." Ich grinste euphorisch: "Ja, oder?" Sam zog seine Schlüsse. "Also möchtest du dir eine weitere Vollblutstute anschaffen?" - "Tja, wenn wir eine Rennbahn bauen, brauchen wir auch würdige Rennläufer, oder?" Zustimmendes Nicken. "Also. Sam, wäre nett wenn du dich heute um Shine, Freedom und Joyna kümmerst. Die hatten gestern ganz schön Arbeit mit den Reitchülern, die musst du nur kurz saubermachen und auf die Weide bringen. Achja, und kümmer dich bitte um Roxi, Sea, Prince & Debüt. Anja und Sonja, ihr macht heute einen großen Fohlenbespieltag und kümmert euch um Novio, Piro, Harmony, Herz, Prinz, Joyce, Dakini und Fallen. Ein wenig Erziehung schadet nicht. Achja, und ihr alle drei teilt euch dann noch Back, Rokko, Litzi, Orodeth, Füchschen, Valley, Finja, Maid & Khiara. Achja, und Moonlight, Wilson hat ja heuten den ersten Dreh. Mit Melody mach ich ein paar Übungen, bevor ich fahre um mir die Stute zu besichtigen." Alle nickten. "Ich bin aber erst heute Nachmittag weg, ich meine, Reiten wird dann sowieso nix, aber du hast ja nichts dagegen, wenn ich ein wenig zugucke? Und wann fährst du zur Besichtigung?", sagte Wilson. Ich nickte. "Klar darfst du das, ich fahre so um 10 Uhr los, mit AKU und so bin ich pünktlich zum Essen wieder da" - "Kann ich mitkommen?" Ich freute mich. Selten erlebt man Reitschüler, die so interessiert am Leben auf dem Gestüt sind. "Wenn du noch die Zeit dazu hast, gerne. Eine zweite Meinung kann eh nie schaden" So streuten wir aus, Wilson und ich zuerst zu Melody.
      "Was hast du denn heute vor mit der Hübschen?", fragte er. "Erstmal kommt heute nochmal Jule, ihr neuer VS-Sattel ist fertig. Und dann werde ich mit ihr ein paar Dressurübungen machen, da haperts noch ein wenig" Schnell putzten wir Melody. Prompt platze Jule in die Situation. "Ihr beide könnt euch echt nicht trennen", grinste sie und bevor ich etwas entgegnen konnte, lenkte sie das Augenmerk auf den Sattel. "Wunderschön. Und die grünen Schnallen an der Trense! Und die Decke, so richtig schön plüschig und einmalig schön! Danke Jule", meinte ich begeistert und nahm sie in den Arm. Dann holte ich mein Portemonnaie heraus, zählte die Scheine und drückte sie ihr in die Hand. "Hier bitte. Also, wenn sie älter ist kannst du gerne noch einmal wiederkommen und ihr einen Springsattel, einen Dressursattel und eine Kandarenzäumung anfertigen", lachte ich. Sie nickte glücklich, verabschiedete sich und verschwand. Wilson und ich zäumten Melody und brachten sie auf den Platz, wo ich unter viel Mühe aufstieg - mein Fuß schmerzte immernoch etwas.

      Ich ritt sie ein wenig warm, bis sie schön am Zügel ging, dann machte ich einige Bahnfiguren, versammelte sie, verstärkte ihre Gangarten undundund. Bis wir Halb Zehn hatten, dann musste ich sie absatteln, putzen und auf die Weide bringen, um mit Wilson in den Transporter zu springen und zu dem Hof zu fahren, auf dem es eine Vollblutstute zu verkaufen war. Auf dem Weg sammelten wir meinen Tierarzt ein.
      Angekommen ließen die Hofbesitzer auf sich warten. Der Hof war unaufgeräumt und nicht gerade gepflegt, aber noch nicht so verkommen, dass es den Pferden wirklich schaden konnte. Als die Besitzer dann kamen, waren sie mir gleich ein wenig unsympathisch. Dennoch ließ ich mir die Vollblutstute zeigen. Sie war noch sehr jung, gerade angeritten, aber sie kam mir gleich ein wenig komisch vor, für ein Rennpferd. "Darf ich mal ihre Papiere sehen?", fragte ich. Wiederwillig gaben die Besitzer sie mir. "Super Rennabstammung also, hmmhmm. Für dumm verkaufen können sie mich nicht. Aber ich möchte sie trotzdem gerne einmal rennen sehen, okay? Wäre es evtl möglich, sie einmal zu sehen und dann selbst zu reiten?" Die Besitzer nickten. Auch Wilson guckte ein wenig skeptisch. Die Stute wurde gesattelt und auf die Rennbahn gebracht, dort ein wenig warmgelaufen und dann in die Startbox gestellt. Gespannt sah ich auf. Es klingelte - und sie verpasste den Start. Egal, das konnte man üben. Aber sonderlich schnell war sie auch nicht. "Internationales Rennniveau also?" Die Besitzer nickten. "Besser als Khiara El Assuad?" Ich lachte, die Besitzer nickten. Ich schüttelte den Kopf. "Egal wie schön die Stute ist, sie ist für meine Zwecke zu langsam, außerdem möchte ich kein Pferd von Betrügern kaufen." - "Sie ist aber besser als Khiara El Assuad!", fuhr mich die Frau des Hofbesitzers an. "Sie wissen schon, das Khiara El Assuad mir gehört? Genau wie Valley Victoria, die sich schon mehrfach in der Zucht bewährt hat?" Die beiden wurden kleinlaut und Wilson grinste und schüttelte den Kopf. "Ich bin sicher, die Stute findet noch einen geeigneten Käufer, aber nicht wenn sie so betrügen." Ich schüttelte den Kopf und half, die Stute wegzubringen. Aus einer sehr dunklen Box drang ein tiefes Wiehern. Ich lugte herein und sah einen wunderschönen, braunen Vollblutbox. "Ach der. Der taugt nix, der wird bald gelegt. Oder vielleicht doch besser verkauft oder geschlachtet, mal sehen." Ich sah die Besitzer mit großen Augen kann. DER Hengst sollte nichts taugen? Ich sah eindeutig das Feuer in seinen Augen. "Kann ich nicht mal seine Papiere sehen?" - "Er hat keine gute Abstammung oder so." - "Hier bitte." Ich sah sie drauf und versuchte, mir das Erstaunen nicht anmelden zu lassen. Schmunzelnd beugte ich mich zu Wilson, tippte auf die Abstammung und raunte ihm zu "Valley ist seine Mutter, sein Vater ist Pharlap. Ich glaube, die Leute haben keine Ahnung von Rennpferden" Die Besitzer starrten uns düster an. "Aber wir haben eigentlich keine Zeit mehr, um ihn Vorzuführen." - "Egal, wenn das in Ordnung ginge würde ich ihn auch gerne selbst fertig machen und kurz eine Runde proberennen, Wilson kann dann gucken..." Wilson nickte glücklich und ein wenig stolz, dass ich ihm die Verantwortung überließ. "Jaja, da ist die Sattelkammer, machen Sie das, wir sind im Büro" Und die beiden verschwanden. Wir holten sein Halfter. Angesichts der (teilweise rossigen) Stuten im Stall wieherte er mehrmals dunkel und tänzelte leicht, wobei seine Muskeln gut zur Geltung kamen. Die Stuten warfen ihm erwartungsvolle Blicke entgegen. Schnell gingen wir zum Putzplatz, putzen ihn kurz und sattelten ihn. Er ließ es sich ohne Murren gefallen. Dann ging es auf die Rennbahn, ich ritt ihn kurz warm und stellte ihn in die Startbox. Mit einem Scheppern ging diese auf und der Hengst stürzte nur so heraus. Ich spürte lange, kräftige, schnelle Galoppsprünge, wie ich sie sonst nur von Khiara kannte. Ein Grinsen trat mir ins Gesicht, ich bremste und ritt ihn zu Wilson. Er nickte, ebenfalls grinsend. "Gekauft", lachte ich. "Hälst du ihn mal kurz? Ich hole eben die Besitzer."
      Als ich sie geholt hatte und sie Wilson und mir gegenüber standen, versuchten sie ordentlich zu feilschen. "1.000.000 Joellen." - "Das glauben sie doch wohl selber nicht. Sie finden ihn selbst schlecht, er ist kaum ausgebildet, ist noch nie Rennen gelaufen und hat keine sonderlich gute Abstammung." Unauffällig zwinkerte ich Wilson zu. "Ich mache ein Gegenangebot, 5.000 Joellen." Die Besitzer nickten und ich konnte mein Glück kaum fassen. So untersuchte der Tierarzt den Hengst, und nachdem kein Befund diagnostiziert werden konnte, unterschrieb ich den Kaufvertrag, auf dem ich seinen Namen las. "Hot Toddy, hört sich gut an" Wir luden ihn ein, kauften schnell im nahegelegenem Reitshop Halfter und fuhren nach Hause, wo wir ihn in die frische Box brachten. Die anderen Pferde waren alle auf der Weide, bis auf Khiara. "Sie wollte nicht aus dem Stall", meinte Sam. Imponierend stand Toddy in der Stallgasse neben mir, als ich mich in Bewegung setzte, tänzelte er wieder. Ich schüttelte den Kopf. Khiara war doch noch nimmals rossig! Wilson schien mir den Gedanken von der Stirn ablesen zu können. "Er weiß halt, was gut ist", meinte er und klopfte Khiaras Hals.

      Wir aßen, und schon traf das Filmteam ein. Wilson ging auf sie zu, ich mit ihm. Der Regisseur schüttelte den Kopf. "Rennbahn randaliert worden, Reiter-Modell krank, Pferde nicht schnell und erzogen genug. Wir können's vergessen." David Guetta trat neben den Regisseur, was mir ein wenig peinlich war - ich versuchte, nicht zu auffällig da rum zu stehen. "Keine Alternative?", fragte er. Der Regisseur schüttelte den Kopf. "Ist uns nicht bekannt." Ich nahm mir ein Herz und schaltete mich ein. "Vielleicht...also, ich weiß jetzt nicht wie das Video aussehen soll, aber zusammen mit Flair eben Gestütsbesitzerin und für züchten unter anderem Englische Vollblüter. Momentan ist Flair nicht da und ich kann über ihre Pferde nicht entscheiden, aber ich könnte trotzdem welche zur Verfügung stellen...Je nachdem, was für Anforderungen sie stellen, würden sich dreie bestimmt eignen... Und eine Rennbahn haben wir hier auch, sie ist zwar noch nicht ganz fertig, aber zum Großteil. Dann können sie halt nur (noch) nicht die ganze Bahn filmen..." Na klasse, ich hatte es geschafft, alle Augen ruhten auf mir. Wilson schaltete sich ein. "Und...vielleicht...ich hab ne Idee...Monsta, du magst nicht zufällig in dem Video mitspielen und reiten, wenn die anderen nichts dagegen haben?" Ich machte große Augen - ich war überrumpelt. Das Filmteam und David Guetta nickten einstimmig. Ich war also zu einer Antwort gezwungen. "Na...na gut." Der Regisseur war sichtlich erleichtert. "Die Rennbahn ist dort hinten, wenn sie schonmal dort hin möchten...und was möchten sie für Pferde? Und was für Sattelzeug?" Der Regisseur antwortete: "Am besten wären zwei Stuten, eine hell für Wilson und eine dunkel für David. Und einen Hengst, auf dem Sie dann reiten werden, am besten ein wenig größer als die Stuten und schön imposant, gerne dunkelbraun oder so, und gut bemuskelt. Und dann am besten ganz normale Vielseitigkeitsdecken und Satteldecken, ruhig verschieden Modelle und Farben, der Hengst nur mit Trense" Ich grinste. "Das passt sich. Dann mach ich die drei gleich mal fertig. Bräuchte allerdings ein wenig Hilfe..." Wilson meldete sich, und auch David Guetta wollte helfen. Ich guckte prüfend. "Echt? Haben Sie denn Ahnung von Pferden?" - "Nicht wirklich, aber ich könnte es ja lernen", lachte er. Der Regisseur meldete sich. "Ja, dann macht ihr mal die Pferde fertig, und dann zieht euch um." Ich guckte den Regisseur an. "Ähm. Genau, was soll ich anziehen?" - "Am Besten wär ein Bikini oder so...wie dieser hier", er zeigte einen. Er war schön, ja, aber ich lachte. "Da pass ich nie im Leben rein, da fällt mir alles oben raus" - "Dann sollten sie jetzt vielleicht shoppen gehen. Wir haben einen Vertrag mit der Marke, aber den Bikini gibt's eigentlich fast überall" - "Na gut...Wilson, nimm Valley, Khiara und Toddy. Ist zwar nicht so toll weil Toddy grad neu ist aber gut...ach, und Vorsicht mit denen...und schnapp dir noch Sam oder so, zur Hilfe"
      Sofort schnappte ich mir meinen Opel GT und fuhr in die Stadt. Schnell hatte ich den Bikini gefunden, anprobiert und gekauft, denn er passte. Jetzt nicht in der Größe, die der Regisseur in der Hand hatte, Modellmaße hatte ich halt nicht. Zwar durch Training und Reiten eine gute Figur, aber...

      Als ich wieder da war, hatten Sam, Wilson und David Guetta die Pferde schon fertig, ich kontrollierte noch schnell, befand alles für okay und wir gingen uns umziehen. Aber vorher sprach ich noch das ganze Team an: "Wär vielleicht ganz hilfreich, das Lied erstmal zu kennen" Der Regisseur war verwirrt, gab mir aber sofort seinen MP3-Player und Kopfhörer. Das Lied gefiel mir, also hörte ich es gleich zwei mal und achtete beim zweiten Mal auf den Text. Es ging...um zwei Männer, die um eine Frau kämpften, der eine schon länger und mit unfaireren Mitteln, hatte aber auch schon einmal gegen einen anderen verloren, und der andere erst seit kurzem und fair. Und die Frau liebte immernoch ihren ersten Freund, gegen den der Unfaire schon mal verloren hatte, der sie aber betrogen hatte. Ich nahm die Kopfhörer ab. "JETZT wüsste ich echt gerne, woher die Inspiration für den Text kam", und grinste leicht. Wilson guckte auf den Boden, worauf ich ihn nur prüfend ansah, aber wir wurden aufgescheucht, uns umzuziehen und dann zu den Stylisten zu gehen, die am Auto des Filmteams warteten.
      Also gingen wir uns umziehen und trafen uns dann am Auto. Ich fühlte mich wohl ein wenig nackt, nur so im Bikini, aber meine Bewunderung für Wilsons Oberkörper bließ das weg....
      Dann noch ein Besuch beim Stylisten, der mir gleich einen komplett neuen Haarschnitt und eine neue Haarfarbe verpasste. Und zwar einen tollen Schnitt und eine tolle Haarfarbe.
      Danach gab der Regisseur Anweisungen. "Also, Reitunterricht hattet ihr alle ja schon, jetzt mal rauf auf die Pferde..." Ich unterbrach ihn: "Und zwar vorsichtig, das sind teure und erfolgreiche Rennpferde" Der Regisseur verdrehte die Augen, redete dann aber weiter. "Ja gut, und dann einmal die Rennbahn runter, Monsterflosse mit ein wenig Abstand vorne, Wilson und David nebeneinander hinterher. Denkt an den Gesichtsausdruck! David, du darfst ruhig mal son bisschen, nicht ernst, versuchen, Wilson vom Pferd zu schmeißen. Aber echt nicht ernst, das ist gefährlich! Dann biegt ihr da am Ausgang ab, rennt ihr den Weg entlang, dann denn Fluss entlang und dann am See entlang und das wars dann. Danach springt ihr in den See, am besten nur ein bisschen Abbremsen und direkt runter. Und dann Schnitt. Okay?" Wir nickten und stellten uns auf. Leicht drückte ich die Schenkel an den sattellosen Toddy und er raste los, hinter uns Khiara und Valley. Alle drei Pferde gaben sich sichtlich Mühe, auch wenn sie nicht im vollen Tempo liefen, da Valley doch ein wenig langsamer war als Khiara und Toddy und Wilson und David Guetta auch nicht unbedingt die allerbesten Reiter waren.
      Am See gabs dann einen eleganten Sprung vom Pferd ins Wasser, Toddy wurde von Sam aufgefangen, um Khiara und Valley wollten sich Anja und Sonja kümmern. Ich tauchte wieder auf, und auch Wilson und David waren im Wasser. Ich lachte. Das Wasser war total kalt, und das Gesicht der beiden... "Haha, wir sind hier nicht in LA", gluckste ich und stieg aus dem See. "Das wars für heute", meinte der Regisseur, "meinetwegen könnt ihr euch jetzt abtrocknen und abhauen und euch wieder umziehen" Gesagt, getan. Schon bald standen Wilson und ich wieder bei den Rennpferden, die anderen waren schon weg. "Der Bikini steht dir, solltest du öfter mal tragen", rief Sam herüber. Ich schüttelte nur den Kopf und grinste. Dann dachte ich nach. "Sag mal Wilson, wer hat hier eigentlich den Text geschrieben, und was hat es mit dem auf sich?" Es war ihm sichtlich peinlich. "Ich hab den geschrieben...weißt du, ich verarbeite Dinge meist mit Musik..." Hieß das, das er sich wirklich...in mich verguckt hatte? Ich drehte mich um, legte meine Hand hinter mich auf Toddys Rücken und wartete, bis er sich ebenfalls von Khiara abwandte. Dann sah ich ihm tief in die Augen. Und was ich sah, gefiel mir nicht. Ich glaube, es war wirklich war. Aber das ging doch nicht! Sollte ich einen Freund verlieren? Ich war einfach nicht fähig, mich neu zu verlieben. Zumindest dachte ich das. "Ich weiß", meinte er schmerzvoll, sah auf den Boden und drehte sich dann wieder Khiara zu, um sie energisch zu Striegeln. "scheiße", murmelte er, aber ich hörte es kaum. Ich war zu sehr in Gedanken versunken. Ohne ein Wort zu sagen, brachte ich Toddy in die Box und kehrte dann zu Khiara und Wilson zurück - um Valley hatte sich Sam gekümmert. "Bringst du Khiara gleich weg und kommst dann zum Abendessen?", fragte ich kleinlaut und er nickte nur. Ich verschwand schon einmal in die Küche und bereitete alles für das Abendessen mit den anderen vor.
      Wilson kam dann auch relativ schnell, aber ich war schon fertig. "Ess nicht so viel", raunte er mir zu, als die anderen kamen und wir aßen - ich sehr wenig und Wilson ebenfalls. Ich wunderte mich. Als die anderen fertig waren und gingen, deckten wir den Tisch ab. Und Wilson...deckte ihn wieder? Diesmal mit Kerzen. "Monsta, ich weiß das es dich wahrscheinlich verletzt und ich kann verstehen wenn du das nicht möchtest...aber ich koch uns jetzt erstmal was, okay?" Ich nickte bedrückt. Er hatte recht, ich wollte eigentlich gar nicht. Zu viel war passiert, zwischen Jan und mir. Etwas bedrückt saß ich da, und Wilson merkte das. Er setzte sich neben mich. "Es...es tut mir leid Monsta...ich wollte eigentlich auch gar nicht, dass du es weißt...aber ich war ja zu blöd" Er schüttelte betroffen den Kopf. Ich tat es ihm nach und sah ihm mit Tränen in die Augen. "Das liegt doch nicht an dir...ich...ich kann einfach nicht mehr, es ist zu viel...weißt du, ich kann...niemandem vertrauen, zumindest keinem Mann, es tut mir so leid" Ich brach in Tränen aus und stützte mein Gesicht in meinen Händen. "Warum?", fragte er mit erstickter Stimme. "Jedes...jedes mal, wenn mich jemand liebt, denke ich, er würde das gleiche tun wie Jan. Außerdem...ich weiß nicht wieso, aber ich liebe Jan eben noch..." Ich schluchzte noch lauter, worauf er mich zärtlich in den Arm nahm. Er hatte sich wieder einigermaßen gefangen. Er redete nun ganz sanft, auch wenn man den Schmerz noch raushörte. "Nicht jeder Mensch ist schlecht Monsta, und mit der Zeit wirst du das merken. Bis dahin bin ich immer für dich da, wenn du mich brauchst. Und auch danach, wenn du das willst." Das hatte Jan nie zu mir gesagt. Im Allgemeinen war er der Erste, der das zu mir sagte. Und ich hatte doch Gefühle für ihn. Meine Tränen versiegten langsam. Er ließ ich mich los und sah mir in die Augen. Ich seufzte "Ich...ich...lass mir Zeit, ja?" Er nickte und wendete sich wieder dem Essen zu. Und es schmeckte köstlich. Ich fasste mir ein Herz. "Wollen wir demnächst nicht mal...zusammen ausreiten?" Er grinste breit und freute sich "Ja!" Ich stand auf und nahm ihm diesmal meinerseits in den Arm. "Es tut mir so leid, ich brauche Zeit, das war alles...ein wenig viel für mich. Gute Nacht", meinte ich liebevoll. Er lächelte und wollte mit dem Spülen anfangen. "Ist schon in Ordnung, ich mach das immer morgens früh. Geh ruhig auch schlafen." Er nickte, immernoch grinsend. "Gute Nacht", meinte auch er.
      13 Juni 2011

      Eddi
      Planung auf Green Hills

      Es war erst um sechs, doch ich hatte schon gefrühstückt und zog mich auch schon an. Ich würde mich heute direkt auf den Weg zum Gestüt Green Hills machen. Monsterflosse litt stark unter Stress und hatte beschlossen für eine Weile Urlaub zu nehmen. Ich hatte mich angeboten, mich um ihre Pferde zu kümmern. Zwar hatte sie vier Pfleger, aber die brauchten auch einen täglichen Arbeitsplan. Heute wollte ich noch direkt mitmachen, aber die meisten Tage würde ich nur planen können, denn mein eigenes Gestüt musste ich ja auch leiten. Dreiviertel Sieben kam ich dann endlich auf Green Hills an, ein Stau hatte mich aufgehalten. Ich seufzte leise, parkte und stieg aus. Ich hatte den Pflegern schon gesagt, dass sie die Pferde erstmal füttern könnten, eh ich käme. Ich machte mich auch direkt auf den Weg in das Stallbüro und lief kurz Anja über den weg. Fröhlich grüßte sie mich und ich lächelte ihr zurück. Dann ging es los: vor mir lag ein leeres Blatt, daneben eine Liste der Pferde.
      Ich begann mit den Fohlen. Da ich selbst die Jungpferde kaum kannte, würde ich sie direkt an die Pfleger übergeben. Flott schrieb ich die Namen auf und jeweils dazu einige Pferde. ‘Anja - Fallen Immortaliny, Dakini, Joyce. Sonja - Abendprinz, Schenk mir dein Herz. Sam - Harmony, Piroschka. Wilson - Novio, Iberia.’ Ich musterte zweifelnd die Liste, aber etwas besseres fiel mir momentan nicht ein. Flott entschied ich, dass Sam auch noch um Joyna, New Kind Of Freedom und Bleeding Sunshine kümmerte. Nun waren nur noch die restlichen Großpferde übrig. Ich entschied mich für The Alphabeat, Walking to the Moonlight und Ibiza. Sonja teilte ich Kinderlachen, Don Calandrio und Khiara El Assuad zu, während Anja sich um Colonel’s Struggling Maid, Simple Little Melody und Kahina El Assuad kümmern sollte. Zum Schluss schrieb ich noch zu Wilson die restlichen zwei Pferde Swarovski’s Salinera und Litzi La La zu. Zufrieden mit der Liste heftete ich sie an das schwarze Brett. Zu meiner Erleichterung schienen alle zufrieden zu sein. Ich beschloss mir als erstes für Ibiza. Die Stute besaß einige Mistflecken und beim Putzen hatte ich doch etwas zu tun. Doch nachdem das Fell sauber war, kratzte ich die Hufen aus und kämmte noch Mähne und Schweif. Nachdem ich mit der Stute fertig war, schnappte ich mir ihr Sattelzeug und sattelte die Stute auf. Die anderen vier Pfleger war auch schon bei der Arbeit mit den Tieren. Ich entschied mich für ein wenig Dressur. Also gings mit Ibiza in die Halle. Dort gurtete ich nach und stellte die Steigbügel ein und schwang mich dann in den Sattel. Ibiza spitzte neugierig die Ohren und schien recht entspannt zu sein. Erst einmal ritt ich sie im Schritt am langen Zügel warm bis sie abschnaubte. Dann begann ich mit dem Leichttraben. Alles lief recht locker ab, immerhin kannte ich Ibiza noch gar nicht richtig. Allmählich nahm ich die Zügel auf und stellte die Stute abwärts und schön durch das Genick. Es dauerte nicht lange und schon konnte ich toll mit ihr arbeiten. Seitengänge, Verstärkungen und Versammlungen. Ibiza arbeitete toll mit und hatte super Gänge. Nach einer Stunde reichte es jedoch. Ich ritt sie noch ein wenig trocken und dann ging es zurück in den Stall. Dort sattelte ich sie ab und putzte noch mal über sie drüber. Danach durfte die Stute auf die Weide.
      Als nächstes holte ich mir Alphabeat. Sie war die Tochter meiner Chaira. Ich wollte sie heute ein wenig longieren. Doch zu Beginn verwöhnte ich sie ein wenig. Ich putzte sie ordentlich, kratzte die Hufen aus, fettete diese ein und benutzte auch noch Mähnenspray, eh ich Mähne und Schweif verlas und kämmte. Dann holte ich Kappzaum, Longe und Longierpeitsche. Dann ging es gemeinsam in die Halle. Erst ließ ich Alphabeat im Schritt auf einem großen Zirkel warmlaufen. Danach schaute ich, wie sie trabte. Richtig schön biegen tat sich die Stute jedoch nicht. Also holte ich sie mir im Schritt auf einen kleinen Zirkel und übte das Antraben auf Distanz. Alphabeat protestierte, denn das war wesentlich schwerer. Sie musste ihre Balance finden, die innere Schulter anheben und sich biegen. Kein Pferd tat das freiwillig. Aber schon nach einigen Versuchen lockerte sie sich und suchte einen Weg nach unten. Immer länger hielt sie dies durch und die Hinterhand wurde spurig. Das übten wir noch auf der anderen Hand. Perfekt war es noch nicht, aber dennoch ein großer positiver Schritt. Nach 20 Minuten führte ich Alphabeat noch trocken, eh ich auch sie noch mal putzte und dann auf die Weide ließ.
      Zu guter Letzt schnappte ich mir noch Moonlight. Mit der Tinkerstute wollte ich einen kleinen Ausritt machen. Schnell holte ich die Grauschecke. Ich begann sie gründlich zu putzen und als die Stute dann wie eh und je glänzte, sattelte ich sie. Ein lockerer Ausritt könnte mir jetzt nicht schaden. Auf dem Hof stieg ich auf und ritt im Schritt Richtung Wald. Dieser Herbst war einfach wunderbar! Und der Wald sah dann besonders toll aus. Zufrieden ritt ich mit der gutmütigen Tinkerstute durch die bunte Farbenpracht und genoss die Ruhe. Wir legten auch öfters einen flotten Trab und einen schnellen Galopp ein. Moonlight schien das zu lieben. Wir sahen sogar eine kleine Herde Rehe. Ein Foto schaffte ich leider nicht, denn ein Traktor verscheuchte die hübschen Tiere. Seufzend machte ich mich allmählich wieder auf den Rückweg. Am Stall sattelte ich dann Moonlight ab und brachte die Stute auf die Weide. Nochmal hockte ich mich in das Büro und erstellte die Liste für den morgigen Tag. Dann verabschiedete ich mich von Sam, Wilson, Anja und Sonja, denn ich musste zurück zum Gestüt Hayes End. Die vier würden das schon selbst schaffen.
      7 Nov. 2011

      Sammy
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      Ankunft von Fallen Immortality

      "I knew you we're trouble when you walked in, shame on me but I...", dudelte es aus meinem Radio, während ich verbissen die Anzeigen im Internet studierte. Ich war ja erst vor kurzem auf den neuen Hof gezogen und tat jetzt alles dafür, meine neue Zucht aufzubauen. Mein erstes 'Projekt' bestand darin neue Pferde aufzutreiben. Erstmal hauptsächlich Araber. Danach Deutsche Reitponies, Hannoveraner und Trakehner. Das und natürlich meine New Forest Ponies waren die Rassen, die ich hauptsächlich züchten wollte. Nebenher hatte ich aber auch noch eine Menge anderer Dinge zu tun.
      Als ich gerade zum letzten Mal den Refrain des Liedes mitsang, wurden meine Augen plötzlich groß. Interssiert überflog ich eine Anzeige. "Verkaufe Pferde, auch gekörte". Na das war immerhin schonmal ein Anfang. Eilig klickte ich auf die Anzeige und fand eine Menge schöner Pferde. Da blieb mein Blick auch schon an einem Fohlen hängen: Fallen Immortality. Schon bevor ich den Steckbrief studierte, wusste ich, dass die kleine eine reinrassige Araberstute war. Und dann diese Farbe!
      Frech und wild. Naja hatte ich ja schon einige von der Sorte. Also nicht weiter schlimm. Gewinnerin zweier Fohlenschauen. Was?! Augenblicklich hörte ich auf zu singen und las diesen einen Satz noch mindestens zweimal. Das hieß die Kleine war nicht nur wunderschön, sondern somit bereits automatisch gekrönt! Wow. Sofort griff ich nach meinem Telefon, um floooh anzurufen. Ich musste Immortality umbedingt anschauen. Und wenn sie mir dann gefiel, würde ich alles daran setzen, die Araberdame auch zu bekommen.
      "Ja, hallo, floooh am Apperat", meldete sich da auch schon eine Stimme.
      "Hey! Hier ist Sammy vom Hollybrook Stud Zuchtgestüt! Ich habe gerade ihre Anzeige bezüglich des Pferdeverkaufs im Internet gelesen und hätte sehr großes Interesse an Fallen Immortality!", sprudelte ich hervor.
      "An Immortality? Hm...ich weiß nicht. Sie ist schon so viel herumgereicht worden, eigentlich gehört sie nicht zu den Pferden, die zum Verkauf stehen."
      Ich verzog enttäuscht das Gesicht.
      "Sind sie sich sicher? Ich wollte meine Zucht unter anderem auf Araber umstellen und die Süße wäre perfekt geeignet! Alle meine Pferde bekommen eine gute Ausbildung und Pflege"
      "Hm..naja. Wäre es okay, wenn sie ersteinmal vorbeikommen? Dann können Sie sich Immortality anschauen und dann reden wir weiter."
      "Natürlich! Ich mache mich sofort auf den Weg!", stimmte ich erleichtert zu. Dann war es wenigstens nicht aussichtslos. Nach kurzem Überlegen streute ich eine neue Box neben Melody's Girl ein und koppelte den Hänger an mein Auto. Sicher war sicher.
      Anschließend machte ich mich auf die zwei Stunden lange Fahrt zu flooohs Hof.
      Dort angekommen wurde ich bereits erwartet. Wir begrüßten uns und gingen dann sofort in den Stall.
      "Hier, das ist Fallen Immortality!", sagte floooh mit einem gewissen Stolz in der Stimme.
      Ich trat näher und traute meinen Augen kaum. Das Stütchen war etwas älter als auf dem Internet Foto. Ich schätzte sie auf knapp zwei Jahre. Aber sie war noch viel viel hübscher. Die klugen Augen blickten mir schelmisch entgegen und ihr gepunktetes Fell glänzte im einfallenden Licht.
      "Wow", hauchte ich. "Können wir sie mal rausholen?"
      Floooh nickte, öffnete die Tür und führte Immortality auf die Stallgasse und dann zum Außenplatz. Dort ließ sie die junge Stute wieder frei und diese drehte sofort ein paar Runden im gestreckten Galopp um den Platz.
      "Also...ich muss sagen, mein Interesse ist nicht gesunken. Im Gegenteil. Ich muss die Kleine unbedingt haben. Weggeben würde ich sie ganz sicher nicht mehr!"
      Floooh lächelte: "Ich weiß nicht warum, aber ich glaube Ihnen. Okay..Ich will dass sie es gut hat. Sagen wir 7000 und sie gehört Ihnen?"
      Ich konnte mein Glück kaum fassen, nickte nur dankbar und folgte floooh dann ins Reiterstübchen, wo wir sofort den Papierkram erledigten. Floooh hatte auch nichts dagegen, dass ich die Kleine gleich mitnahm.
      Also verluden wir Immortality kurze Zeit später auf meinen Hänger und ich fuhr langsam vom Hof. Diesmal brauchte ich für die Fahrt sogar noch länger und war heilfroh, als ich endlich wieder zu Hause war.
      Immortality sah sich mit hocherhobenem Kopf und weit geblähten Nüstern um und stieß dann ein schrilles, hohes Wiehern aus, dass sofort mehrstimmig beantwortet wurde.
      Ich klopfte der aufgeregten Stute liebevoll den Hals und führte sie in meinen Araberstall. Sahira, Little Miss Sunshine, Sharley, Bittersweet, Melody's Girl, Adina Ra'idah und natürlich Khamar al Sanaa sahen dem Neuankömmling neugierig entgegen.
      "Darf ich vorstellen? Fallen Immortality! Eure neue Stallgefährtin", sagte ich glücklich und stellte Immortality dann in ihre Box neben Melody. Die beiden Stuten würden sich sicher gut verstehen. Immortality drehte sich ein zweimal in ihrer Box und streckte dann auch schon den edlen Kopf über die Boxenwand auf die Stallgasse, um alles genau betrachten zu können. Ich streichelte ihr nochmals liebevoll über die Nase und ließ meine Kleine neue dann ein wenig alleine.
      23 Juni 2013
    • Occulta
      Sammy
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      Arabische Vollblüter - Monatsbericht August 2013

      Gähnend lief ich durch meinen Stall und verteilt flott die letzten Rationen Kraftfutter in den Trögen. Das zufriedene Malmen meiner Pferde machte mich immer so unglaublich müde!
      Aber egal. Dafür schien es meinen Schätzen auf meinem neuen Gestüt sehr gut zu gefallen und ich war vollkommen mit der Planung meiner neuen Zucht beschäftigt. Für das Ausmisten der Boxen und das Füttern der Pferde hatte ich mittlerweile Pfleger, da ich einfach zu viele Tiere besaß, doch heute war einer krank, weshalb ich den Araberstall übernahm.
      Während meine zehn edlen Vollblüter ihr Frühstück genossen, verzog ich mich in die Sattelkammer, um erst ein wenig aufzuräumen und danach Sattelzeug zu putzen.
      Als ich mit ca der Hälfte durch war, beschloss ich, dass es nun an der Zeit war, ein wenig mit meinen Schätzen zu arbeiten.

      ~ Khamar al Sanaa ~
      Zuerst wollte ich mich mit Khamar al Sanaa beschäftigen. Mein bislang einziger Araberhengst war relativ ruhig, weshalb er mir einen schönen Einstieg in meine Arbeit bescheren würde. Ich hatte vor mir auch noch einen zweiten Hengst zu kaufen, allerdings war noch nicht sicher, ob das klappen würde. Naja seis drum, Khamar würde das auch alleine packen, wenn es sein musste.
      "Na Baby",säuselte ich "alles gut bei dir? Wie wärs denn mit ein bisschen Arbeit, hm?"
      Während ich das sagte, holte ich den schönen Schimmel aus seiner Box und führte ihn zum Putzplatz. Dort begann ich mit sanften Strichen sein seidiges Fell zu bürsten. Khamar genoss die Aufmerksamkeit sichtlich. Ich hatte in letzter Zeit kaum eine Minute gefunden, um mich mit einem meiner Lieblinge allein zu beschäftigen, das wollte ich von nun an wieder gut machen. Flott sattelte ich Khamar auf und führte ihn in meine niegel nagel neue Reithalle. Der Hengst sah sich schnaubend um, doch nachdem er alle Ecken inspiziert hatte, entspannte er sich auch schon wieder. Ich lobte ihn kurz, gurtete dann nach und schwang mich in den Sattel. Khamar stand still da und wartete.
      Unglaublich, der Hengst war tatsächlich noch bräver geworden! Früher hatte er Stillstehen nämlich nicht leiden können. Ich lächelte und gab ihm die Hilfen zum Antreten. Nachdem ich Khamar ein wenig aufgewärmt hatte, ließ ich ihn antraben und genoss für eine kurze Zeit seine wunderbar schwebenden Tritte. Ich bog und wendete Khamar in auf allen nur erdenklichen Bahnfiguren, ritt Schenkelweichen und Traversalen und gab ihm schließlich das Zeichen zum angaloppieren. Khamar sprang sofort in einen fließenden, weichen Galopp und war vollkommen auf meine Hilfen konzentriert. Wieder gab ich mich ein paar Sekunden diesem herrlichen Gefühl hin, dann begann ich Tempowechsel einzulegen - an der langen Seite starker Galopp, an der kurzen versammelter Galopp und schließlich aus dem Galopp in den Schritt und umgekehrt. Khamar arbeite super mit und ich war total stolz, als ich ihn schließlich endgültig zum Schritt durchparierte. Ich ließ ihn die Zügel aus der Hand kauen, bis ich nur noch die Schnalle in der Hand hatte und ritt ihn dann ein paar Minuten trocken. Anschließend stieg ich ab, lockerte den Sattelgurt und führte meinen Schatz zum Putzplatz. Dort angekommen, lobte ich Khamar nochmals ausgiebig, gab ihm sein wohlverdientes Leckerchen, sattelte ab und brachte ihn dann auf eine der Hengstkoppeln, damit er sich noch ein wenig austoben konnte.

      ~ Sahira ~
      Als nächstes beschloss ich, mich um meine mehrfach ausgezeichnete Araberstute Sahira zu kümmern. Die hübsche Falbstute hatte bereits einen Stutbuchwettbewerb, ein Galopprennen, ein Synchronspringen, zwei Schönheitswettbewerbe und sogar eine Stute des Monatswahl gewonnen! Allerdings war sie seit den ganzen Umzügen und vor allem der schrecklichen Nacht, in der mein ehemaliges Gestüt abgebrannt war, nicht mehr die Alte. Mit viel Aufmerksamkeit und Zuwendung hatte ich es geschafft, dass Sahira mich wieder an sich heranließ, doch von unserer einstigen Form waren wir meilenweit entfernt. Leise redend, trat ich an die Box der wunderschönen Stute. Sahira legte die Ohren an, beruhigte sich aber relativ schnell wieder, als sie mich erkannte.
      "So ists fein mein Mädchen. Heute gehen wir das erste Mal wieder reiten, was hälst du davon?", säuselte ich. Denn in dem Pesionsstall in dem ich meine Pferde vorher untergebracht hatte, konnte ich kaum richtig mit Sahira arbeiten, da dauernd kleine nervige Kids um uns herumgesprungen waren, die die Stute noch nervöser machten. Ich holte Sahira aus ihrer Box, fuhr ihr mit einem weichen Lappen über das seidige Fell, kratzte die Hufe aus und verlas anschließend Mähne und Schweif. Da die Stute über Nacht mit Decke im Stall gestanden hatte, war ich relativ schnell fertig. Bereits während ich Sahira sattelte, merkte ich wie sie sich verspannte.
      "Hey, ist ja gut. Du kennst das doch alles. Wir machen heute auch noch langsam", redete ich leise auf sie ein, bis sie ein Ohr in meine Richtung kippen ließ und aufhörte herumzuzappeln. Ich lobte sie, dann verschnallte ich die Trense zu Ende und führte Sahira in die Halle. Heute war zwar schönes Wetter, doch ich wollte nicht, dass sich die Stute unnötig aufregte.
      Schon der Weg zur Halle erwies sich als Herausforderung. Sahira reckte den Kopf in die Höhe und spielte nervös mit den Ohren. Immer wieder stemmte sie die Beine in den Boden und weigerte sich, weiter zu gehen und einmal drehte sie sogar den Kopf und schnappte nach dem Sattel!
      Ich brauchte geschlagene zehn Minuten, um endlich die Halle zu erreichen und war ein wenig beklommen wie das nur weiter gehen sollte.
      Ich stellte Sahira auf der Mittellinie auf, gurtete nach - wobei ich mich wiedermal vor ihren zuschnappenden Zähnen in Sicherheit bringen musste - und schwang mich dann von rechts, so schnell wie möglich in den Sattel. Sahira die das wohl nicht vorausgesehen hatte, blieb wenigstens solange stocksteif stehen, dass ich meinen Fuß in den anderen Steigbügel schieben und mich ordentlich hinsetzen konnte. Doch dann legte die schöne Stute die Ohren flach an den Kopf und machte einen Satz zur Seite. Ich seufzte, nahm die Zügel ein wenig kürzer und drückte ihr vorsichtig die Beine in die Seiten. Als Antwort darauf machte Sahira einen Satz nach vorne und galoppierte dann an. Da ich jedoch genau das erwartet hatte, versuchte ich mich einfach ihrem Gang anzupassen und ließ sie laufen. Solange sie nicht buckelte, hatte ich auch keine Schwierigkeiten oben zu bleiben. Nach und nach begann ich, Sahira leichte Hilfen zu geben - eine kleine Parade an den Zügel, Gewichtsverlagerung in den Ecken und so weiter und schließlich merkte ich, wie sie begann darauf zu reagieren. Erst wurde ihr Tempo kontrollierter. Dann wich sie meinem Schenkel und bog sich in die Ecke und schließlich lief sie einen völlig normalen Arbeitsgalopp. Ich atmete tief aus, setzte mich noch mehr in den Sattel und parierte zum Trab durch. Dann lobte ich Sahira und ritt noch zwei Runden um die Bahn, bevor ich die erhitzte Stute in den Schritt fallen ließ. Auch hier ritt ich eine Runde, wechselte dann die Hand und ritt Sahira trocken, während ich sie weiter lobte. Das war zwar keine Glanzstunde gewesen, aber immerhin war dies auch das erste Mal seit ca eineinhalb Jahren, dass ich auf der schönen Stute saß. Und irgendwie hatte ich es im Gefühl, dass es von nun an wieder stetig bergauf gehen würde!
      Nachdem wir die Halle verlassen hatten, machte ich Sahira fertig und ließ auch sie auf die großzügige Stutenweide meines Anwesens. Dann schaute ich ihr noch kurz zu, wie sie sich genüsslich wälzte, bevor ich wieder in den Stall zurückkehrte.

      ~ Little Miss Sunshine & Bittersweet ~
      Ich hatte gerade meine wunderhübsche Schimmelstute Little Miss Sunshine fertig geputzt, als Eddi um die Ecke gelaufen kam. "Hey! Stör ich dich grade?", fragte sie fröhlich.
      "Nein, ach was, ich bin nur gerade dabei meine Araber zu bewegen...Du hättest Sahira sehen sollen!", lachte ich "Hättest du nicht Lust schnell Bittersweet fertig zu machen? Dann können wir ne Runde ins Gelände?"
      Eddi strahlte und begann sofort damit die Rappstute fertig zu machen. Da Bittersweet so gut wie sauber war, waren wir auch in etwa gleich schnell fertig, schwangen uns auf die Rücken der Pferde und sahen uns dann etwas ratlos um.
      "Wo würdest du denn gerne hinreiten?", fragte ich Eddi. Mein Gestüt hatte eine perfekte Lage, ein Weg führte in den Wald, wo sich auch meine Military-Strecke befand, einer über Felder und der dritte zu meinem eigenen kleinen Strandabschnitt. Eddi überlegte nicht lange: "Na zum Strand, ich wollte schon ewig mal wieder einen Stransausritt machen!"
      Gesagt getan. Im gemächlichen Schritt ließen wir unsere Pferde vom Hof gehen. Bittersweet und Little Miss Sunshine waren ziemlich ruhig, deshalb eigneten sie sich perfekt für einen ersten Erkundungsritt. Und ich hatte später nicht mehr so viele Pferde zu versorgen.
      Kaum hatten wir uns ein Stückchen vom Gestüt entfern, wurden unsere Stuten munterer. Sunny sah sich interessiert um und auch Sweety hatte die feinen Öhrchen aufmerksam gespitzt. "Ich glaube, die beiden waren noch gar nie am Meer", sagte ich grinsend zu Eddi. Ich hatte zwar schoneinmal auf einem Hof gewohnt, wo in der Nähe ein Strand war, doch zu dieser Zeit hatte ich weder Sunny noch Sweety besessen. "Na dann bin ich mal gespannt, wie sie gleich reagieren, mittlerweile kann ich es ja schon riechen!", lachte sie.
      Und in der Tat, die salzige Luft wehte uns bereits entgegen. Schließlich kamen wir an einen sanft abfallenden Pfad, den die Pferde mit größter Vorsicht hinabstiegen, obwohl er weder steil noch rutschig war. "Hey, das ist viel besser, als auf dem alten Hof", bemerkte auch Eddi sofort. Denn früher hatten wir immer einen felsigen, schmalen und extrem steilen Pfad hinunter gemusst, um zum Strand zu kommen. Da war das hier ein Kinderspiel.
      Unten angekommen blieb Sunny zitternd stehen und witterte in Richtung Meer. Auch Sweety starrte das unbekannte Ding etwas ängstlich an. "Na kommt schon Mädels, Wasser beißt nicht!", forderte ich meine beiden Araberdamen energisch auf und trieb Sunny vorwärts. Die Stute war viel zu lieb und viel zu gut erzogen, um nicht zu gehorchen, doch im Gegensatz zu sonst, bewegte sie sich sehr wiederwillig. Auch Bittersweet kam neben uns her, die schwarzen Ohren unsicher nach hinten gestellt. Ich lächelte. Die zwei würden schon noch merken, dass das Wasser unglaublich gut tun konnte - vor allem wenn es so heiß war wie heute.
      Und tatsächlich: Kaum hatte Sunny die Vorderbeine im Wasser, streckte sie auch schon den Kopf nach unten. Allerdings machte sie sogleich einen erschrockenen Satz nach hinten, als ihr eine Welle Salzwasser um das Maul spühlte. Eddi wäre fast von Sweet gefallen, so sehr musste sie lachen. "Du hättest mal ihren Gesichtsausdruck sehen sollen, der war einfach herrlich!", prustete sie. Die beiden Stuten waren nun schon wesentlich ruhiger und wir bekamen sie sogar dazu bis knapp unter die Brust ins Wasser zu gehen.
      "So..lass uns nochmal den Strand hochgaloppieren und dann sollten wir auch wieder zurück, ich hab heute noch einiges zu tun!", rief ich zu Eddi hinüber, die mittlerweile schon Probleme damit hatte, Bittersweet vom Schwimmen abzuhalten.
      Kurze Zeit später preschten wir Seite an Seite über den Strand und ich genoss das wunderbare Gefühl des starken Pferdes unter mir.
      Viel zu schnell waren wir wieder zurück auf dem Gestüt, aber uns beiden war klar, dass wir dieses Erlebnis bald wiederholen mussten, zumal Sunny und Sweety so gut mitgemacht hatten! Nachdem beide Stuten zufrieden auf der Weide grasten, verabschiedete Eddi sich und ich machte mich daran die restlichen sechs Pferde zu beschäftigen.

      ~ Fallen Immortaliny ~
      Als nächstes holte ich meine Jungstute Fallen Immortaliny von der Weide. Mittlerweile hatten meine Pfleger nämlich alle Pferde rausgelassen. Ich hatte Immortaliny erst vor kurzer Zeit gekauft und es war heute nun das erste Mal, dass ich mit ihr arbeitete. Die schöne junge Stute war demnächst soweit, dass ich sie einreiten konnte, da wollte ich sie vorher schon ausreichend an mich gewöhnt haben. Ich setzte große Hoffnungen in sie, da sie bereits zwei Fohlenschauen gewonnen hatte und damit gekrönt war. Dank ihrer außergewöhnlichen Fellfarbe eignete sie sich hervorragend als Zuchtstute.
      "Maus. Brr!", machte ich bestimmt und griff mit einer Hand in das Halfter der vier jährigen Stute. Fallen Immortaliny trabte halb neben mir her und versuchte andauernd mich zu überholen. Das war etwas, was ich meinen Pferde von Anfang an abtrainierte und genau daran würde ich heute auch mit Fallen arbeiten. Immerhin wollte ich sie ja bald einreiten, doch vorher musste die Grunderziehung stimmen.
      Ich nahm wir viel Zeit um das braun getüpfelte Fell der Stute zu säubern, hob geduldig immer wieder ihre Hufe hoch, die sie mir dauernd versuchte weg zu ziehen. Auch Mähne und Schweif verlas ich ordentlich, dann tauschte ich das Stallhalfter gegen ein Knotenhalfter und hakte ein langes 4 Meter Seil ein. Anschließend forderte ich Fallen auf, mir zu folgen. Sofort begann die Stute wieder herum zu tänzeln, war den Kopf und hob einmal sogar mit den Vorderbeinen vom Boden ab! Ich zupfte energisch am Strick und legte einen schnelleren Schritt an den Tag, sodass Fallen nicht mehr so viel Zeit hatte, Blödsinn zu machen. In der Halle angekommen, griff ich mir noch schnell meinen dünnen Stick, ähnlich einer Gerte, nur nicht so flexibel am Ende. Der diente als mein verlängerter Arm. Immortaliny sprang die ganze Zeit neben mir herum und ich musste wirklich all meine Geduld aufbringen, um die Stute nicht erst ein paar Runden um die Bahn zu scheuchen. Das würde sowieso nichts bringen, im schlimmsten Fall würde sich die temperamentvolle Stute noch verletzten, wenn sie ihrem Übermut Luft ließ. Das war mir bereits mit einer anderen Stute passiert. Also atmete ich tief durch, nahm das Seil ein wenig enger und begann auf dem Hufschlag um die ganze Bahn zu gehen. Immer wenn Fallen mich überholen wollte, tippte ich sie an der Brust mit dem Kontaktstock an und hielt ihn anschließend waagrecht vor ihre Nase. Somit hatte die Stute eine deutliche Grenze vor Augen und erst wenn sie aufhörte, mich überholen zu wollen, würde ich den Stock nach unten nehmen. Nach einigen Runden blieb sie dann auch tatsächlich hinter mir. Ich hielt an und strich ihr lobend über den feinen Kopf. Anschließend setzte ich meinen Rundgang wieder fort. Fallen Immortaliny versuchte noch ein oder zwei mal sich an mir vorbeizudrängen, respektierte aber mit der Zeit den Abstand zu mir. Gut so. Das reichte mit dieser Übung für heute. Nun stellte ich mich in der Hallenmitte auf, vor die Stute und wackelte mit dem Ende des Seils. Immortaliny schaute mich etwas verständnislos an, als wollte sie sagen: "Was soll das denn jetzt schon wieder?"
      Ich begann nun das Seil immer stärker zu schwenken. Fallen hob den Kopf und trat unwillig einen Schritt zurück. Sofort hielt ich das Seil wieder ruhig und lobte meine junge Stute. Dann wiederholte ich das ganze. Immortaliny war wirklich intelligent und so brauchte sie nicht lange, um zu verstehen was ich erwartete. Am Ende musste ich das Seilende nur noch leicht bewegen und sie trat willig rückwärts. Sehr schön. Das reichte für heute vollkommen. Beim nächsten Mal konnte ich das ganze vielleicht schon ohne Seil und nur mit Handzeichen versuchen...Nun hakte ich das Seil aus Fallen's Knotenhalfter aus und schnalzte auffordernd mit der Zunge. Immortaliny schoss sofort los und galoppierte in Schlangenlinien um die Bahn. Wenn sie mir zu nahe kam, warf ich die Arme in die Luft und schwenkte das Seil leicht in ihre Richtung, bis sie wieder ordentlich auf dem Hufschlag lief. Als sie sogar auf Zuruf zu mir in die Mitte getrabt kam, beschloss ich, es für heute gut sein zu lassen. Die kleine Stute hatte heute viel gelernt und wenn wir in dem Tempo weiter machten, würde bald ein wunderbares Reitpferd aus ihr werden!

      ~ Melody's Girl, Haadeh & Rose de Soleil ~
      Nachdem ich Fallen Immortaliny wieder auf die Weide geschickt hatte, holte ich nacheinander meine drei neuen Araber Stuten Melody's Girl, Haadeh und Rose de Soleil von der Koppel. Die Stuten waren erst seit kurzer Zeit auf meinem Hof, weshalb ich sie heute nur putzen würde, damit sie sich richtig eingewöhnen konnten - an den Hof und natürlich auch an mich. Melody's Girl und Rose de Soleil waren eher ruhig, sowie Bittersweet, Khamar und Little Miss Sunshine. Haadeh dagegen - die jüngste der Stuten, war da schon ein etwas anders Kaliber. Sie hatte bezaubernde Gänge, doch mit ihrem Temperament musste man erst einmal zurecht kommen. Ich nahm mir für jede der drei Stuten viel Zeit, putzte sie ausgiebig und redete die ganze Zeit mit ihnen. Anschließend durften die drei auch schon wieder zurück auf ihre abgetrennte Koppel. Nächste Woche würde ich sie - zusammen mit Adina De Ra'idah und Immortaliny auf die große Stutenweide stellen, sie hatten ja nun bereits eine Weile Zeit gehabt, sich mit meinen älteren Pferde zu arrangieren.

      ~ Adina De Ra'idah ~
      Leise redend lief ich auf das nächste Pferd der kleinen Stutenherde zu. Adina De Ra'idah war eine wunderschöne Red Roanstute, die allerdings schon viel durchgemacht hatte. Anders als meine anderen neuen Araber, würde ich mich mit ihr heute schon mehr beschäftigen. Wenn man das denn so nennen konnte. Denn momentan ließ Adina niemanden an sich heran. Also trieb ich sie vor mir her in einen kleinen, abgetrennten Teil der Koppel und setzte mich dann einfach in die Mitte. So war es egal wo Adina stand, sie war immer ca gleich weit von mir entfernt. Nach einer Weile schien die nervöse Stute einzusehen, dass ich wohl nicht vorhatte mich zu bewegen und hörte auf wie gestochen um mich herum zu rasen. Von da an stand sie nur da und starrte mich an. Ich bewegte mich nur ab und zu, um mich anders hinzusetzen, woraufhin Adina jedesmal einen erschrockenen Satz machte und wieder angaloppierte. Nach einer Weile wurden ihre Panikattacken jedoch kürzer und irgendwann riss sie nur noch den Kopf hoch, sobald ich mich bewegte. Sehr gut. Das sollte für heute auch schon reichen. Ich erhob mich langsam, ging zur Öffnung der kleinen Weide und band das Seil umsichtig um den Weidepfosten, sodass Adina wenn ich weg war wieder zu den anderen konnte. Morgen würden wir dann weitermachen und irgendwann würde sich die schöne Stute schon an mich gewöhnen...

      ~ Sharley ~
      Als letztes war nur noch Sharley übrig. Ich war mittlerweile doch schon Recht fertig und war gespannt, wie Sharley sich heute benehmen würde. Die Stute konnte zuweilen recht dickköpfig sein und war andererseits immer unglaublich anhänglich und verschmust. Mit ihren zwölf Jahren hatte die Hübsche bereits ein paar tolle Fohlen zur Welt gebracht und wenn ich meine Zucht erst wieder eröffnet hatte, erwartete ich mir noch großes von ihr.
      "Hallo meine Süße", säuselte ich, als Sharley sofort auf mich zu kam. Wie immer wusste sie genau, dass nun sie an der Reihe war. Ich kraulte die Palominostute am Hals und sie legte mir vertrauensselig ihren Kopf auf die Schulter. Ich gab ihr einen Kuss auf das samtige Maul und führte sie dann zum Putzplatz. Dort angekommen brachte ich meine Süße auf Hochglanz, sattelte sie dann und führte sie zum Platz. Mittlerweile hatte es schon abgekühlt und es ging ein angenehmer Wind. Perfekt um meinen Reitplatz einzuweihen. Dort angekommen, stellte ich Sharley auf der Mittellinie auf, gurtete nach und schwang mich in den Sattel. Gleich würde sich zeigen, ob Sharley heute gut drauf war oder eher nicht. Vorsichtig drückte ich ihr meine Beine in die Seiten und Sharley trat gesittet im Schritt an. Ich atmete aus. Gut so. "Feines Mädchen!", lobte ich sie. Sharley zeigte einem immer sofort am Anfang, ob sie Lust hatte zu arbeiten oder nicht. Und heute hatte sie anscheinend Lust. Sie war eines meiner ersten Pferde gewesen und ich liebte sie noch genauso wie am Anfang.
      Nach etlichem Biegen und Wenden, ließ ich die Palominostute antraben. Sofort fiel Sharley in ihren himmlisch weichen, rhythmischen Trab und warf die schlanken Beine nur so von sich. Aufmerksam wartete sie auf weitere Hilfen meinerseits. Nach einer Weile ließ ich sie angaloppieren und als Sharley auch hier unglaublich gut reagierte und mitarbeitete, beschloss ich noch eine kleine Runde ins Gelände zu gehen. Sharley liebte nichts mehr als einen flotten Galopp im Freien und genau das wollte ich ihr nach dieser super Stunde auch gönnen. Ich ritt zum Gatter, öffnete es vom Sattel aus und verließ dann im flotten Schritt den Hof. Sobald Sharley den breiten, ebenen Feldweg vor uns auftauchen sah, spitzte sie die feinen Ohren und wurde kaum merklich ein wenig schneller. Ich lächelte. "Na dann zeig mir mal, was du kannst, Süße!" Ich gab die Zügel frei, lehnte mich nach vorn und schnalzte mit der Zunge. Mehr Aufforderung brauchte Sharley nicht. Sie machte einen rießigen Satz und schon flogen wir über den Weg dahin. Neben uns flogen ein paar verschreckte Vögel vom Weg hoch, doch die störten mein Stütchen nicht. Wenn Sharley laufen konnte war sie glücklich. Da war alles andere egal. Und ich ließ Sharley galoppieren, bis sie von selbst langsamer wurde. Ich wusste das sie noch weiter machen konnte, doch wir mussten sowieso zurück. Also nahm ich die Zügel auf, setzte mich wieder ordentlich hin, parierte zum Trab durch und wendete wieder, um zum Gestüt zurück zu kehren. Im ruhigen Schritt genoss ich die angenehme Temperatur und freute mich, dass jetzt endlich Sommer war.
      Wieder am Stall sattelte ich Sharley ab, brachte sie in ihre Box und half dann dem Pfleger, die anderen Pferde ebenfalls für die Nacht in den Stall zu holen. Nicht mehr lange und meine Schätze würden die Nacht draußen verbringen und den heißen Tag im kühlen Stall....
      12 Aug. 2013

      Sammy
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      Arabische Vollblüter - Monatsbericht September 2013

      Khamar al Sanaa, Sharley, Bittersweet, Little Miss Sunshine, Fallen Immortaliny & Sahira
      "Guten Morgen, meine Schönen, wie geht es euch?", rief ich fröhlich durch den licht durchfluteten Stall in dem meine zehn arabischen Vollblüter untergebracht waren. Heute war es zwar recht kalt, aber immerhin schien die Sonne. Da ich die meisten meiner Lieblinge gestern bereits bewegt hatte, hatten mein Zuchthengst Khamar al Sanaa, Sharley, Bittersweet, Little Miss Sunshine, Fallen Immortaliny und Sahira heute ihren freien Tag. Später würde ich noch mit meiner Pflegerin Anna einen Ausritt machen und sonst musste ich mit Adina und Hadeeh arbeiten. Alles in allem würde dies ein relativ entspannter Tag werden. Ich holte zuerst meinen Schimmelhengst aus der Box, putzte ihn gründlich, tastete seine Beine ab und führte ihn dann auf eine der kleineren Hengstkoppeln. Anschließend holte ich Bittersweet und Little Miss Sunshine und stellte sie auf meine Araberstutenkoppel. Sofort ertönte von Naboo, auf der angrenzenden Weide der New Forest Stuten lautes Gewieher. Ich ging lachend zum Stall zurück. Naboo und Sahira hätten sich wahrscheinlich gegenseitig in Stücke gerissen, wenn ich versucht hätte, die beiden Herden zusammen zu stellen. Aber ich hatte meine Pferde sowieso lieber in ein paar kleineren Gruppen. Nachdem auch Sharley und meine Elitestute Sahira friedlich grasten, holte ich die Jungstute Fallen Immortaliny. Mit der Süßen hatte ich in den letzten Wochen viel geübt und mittlerweile ließ sie sich brav führen, ich konnte sie rückwärts richten und mit Vorder- und Hinterhand weichen lassen. Ich strich ihr liebevoll über den edlen Kopf und entließ die junge Stute dann ebenfalls auf die Koppel, wo sie gleich von Sahira in ihre Schranken gewiesen wurde.

      Adina de Ra'idah
      "Adina!", rief ich leise, als ich die Koppel der Araberstuten betrat. Sofort flog der Kopf der wunderschönen Red Roan-Dame hoch und sie sah mich aufmerksam an. Nachdem ich Wochen Stunden lang im Gras gesessen und Adina beobachtet hatte, konnte ich sie mittlerweile endlich anfassen und einigermaßen führen, ohne dass sie versuchte mich zu beißen oder zu treten. Ich strich ihr den langen roten Schopf aus der Stirn und begann dann ihren Körper mit meinen Händen entlang zu fahren. Anschließend hob ich nacheinander alle ihre Hufe hoch, tastete sie ab und ließ sie dann wieder zu Boden sinken.
      Adina fühlte sich wohler, wenn sie die anderen Stuten um sich herum hatte, deshalb übte ich vorerst nur auf der Koppel mit ihr. Ich hakte einen Strick in ihr Halfter und begann meine Runden um die Weide zu drehen. Sofort kamen Melody, Fallen Immortaliny und Sharley ebenfalls hinzu und bald darauf liefen alle meine Stuten mit uns mit. Als sie es schließlich aber zu bunt trieben und Adina und auch mit immer wieder anrempelten schickte ich sie alle weg, um in Ruhe weiter arbeiten zu können. Vor allem Sahira schaute mich vorwurfsvoll an und ich schüttelte lachend den Kopf.
      Nachdem ich mein Führtraining beendet hatte, putzte ich Adina am Rand der Koppel und ließ sie dann wieder laufen. Es wurde wirklich täglich besser mit ihr, sodass ich beschloss, demnächst endlich die Koppel zu verlassen und alleine mit ihr zu arbeiten.

      Melody's Girl & Rose de Soleil
      "Sammy? Bist du fertig?", fragte Anna mich vorsichtig, während sie mit Melody's Girl am Zügel auf mich zu kam. "Einen Moment noch", antwortete ich, verschnallte die Trense von Rose de Soleil und führte die Zuchtstute dann aus dem Stall. Anna hatte mir erzählt, dass sie seit einigen Jahren nach einem schweren Reitunfall nicht mehr ritt und es aber sehr vermisste. Also hatte ich ihr angeboten heute auf einem meiner Pferde einen Ausritt mit zu machen. Melody's Girl war zwar noch sehr jung, aber ich hatte selten ein so ruhiges Pferd wie die schöne Araberstute gesehen, deshalb hatte ich sie für den ersten Ritt ausgewählt. Anna schien ein wenig nervös zu sein, doch Melody stand ruhig neben ihr und sah neugierig Soleil entgegen. Ich führte Soleil zu Melody, strich der braunen Stute liebevoll über die Blesse und griff dann nach den Zügeln.
      "Okay. Hast du schon nachgegurtet? Gut. Dann zieh die Steigbügel runter und steig auf, ich halte Melody solange." Anna sah mich unsicher an, doch nachdem ich aufmunternd nickte, atmete sie tief durch und schwang sich auf Melody's Rücken.
      "So. Jetzt lass die Zügel einfach locker, Melody ist brav. Konzentrier dich einfach fürs erste auf deinen Sitz.", riet ich Anna, während ich selbst aufstieg. Als ich kurz vor dem Dressurplatz abwendete, um Richtung Feldweg zu reiten, rief Anna von hinten etwas ängstlich: "Gehen wir denn nicht auf den Platz?"
      Ich sah überrascht über die Schulter: "Warum das denn? Melody ist ein Engel im Gelände. Auf dem Platz will sie gefordert werden und ich denke es wäre besser, wenn du dich erst einmal wieder daran gewöhnst auf einem Pferd zu sitzen, anstatt gleich richtig zu arbeiten".
      Rose de Soleil schritt brav den Weg entlang und sah sich nur hin und wieder aufmerksam um. ich genoss den Ritt und sah fröhlich, dass Anna sich nach einer Weile ebenfalls entspannte. Ich winkte ihr zu und holte sie neben mich.
      "Und wie fühlst du dich?", fragte ich.
      "Ach eigentlich ganz gut. Danke dass du mich auf Melody reiten lässt, ich weiß ja, dass du hoffst sie bald als Zuchtstute einsetzen zu können..."
      "Bitte. Aber das hat damit nichts zu tun. Ich habe Melody ausgesucht, weil sie heute Bewegung braucht und so zuverlässig ist.", lachte ich.
      Wir ritten eine gute Stunde lang, bis wir schließlich in einer langen Schleife wieder zu meinem Gestüt zurück kehrten. Anna bedankte sich noch mehrmals, während wir die Pferde fertig machten und ich überlegte, dass ich sie eigentlich, wenn sie ihre Angst verloren hatte, öfter reiten lassen konnte. Das was ich gesehen hatte, hatte mir sehr gut gefallen.

      Haadeh
      Zum Abschluss dieses Tages wollte ich nun noch meine neue Araberstute Haadeh reiten. Die Süße hatte sich schon ganz gut eingelebt und ich hatte bereits viel mit ihr vom Boden aus gearbeitet. Nun wollte ich das erste Mal ein wenig Dressurtraining mit ihr machen. Ich holte Haadeh von der Koppel, putzte sie flott über und sattelte sie anschließend auf. In der Halle angekommen, gurtete ich nach, ließ die Steigbügel herunter und schwang mich leichtfüßig in den Sattel. Die junge Stute schlug ungehalten mit dem Kopf und lief los. Ich stellte sie wieder an ihren Platz und wartete. Das wiederholten wir solange, bis Haadeh schließlich die Nase voll hatte und stehen blieb, bis ich ihr die Hilfen zum antreten gab. Sofort fühlte ich mich wie auf Wolken. Haadeh zu reiten war ein absolutes Erlebnis. Die junge Stute warf ihre Beine gerade zu von sich, hielt den Kopf anmutig gebogen und ihr Schweif wehte wie eine schwarz-silberne Fahne hinter ihr her. Ich galoppierte an und wäre in der nächsten Minute fast aus dem Sattel geflogen, da ich vor lauter Träumerei nicht darauf gefasst gewesen war, dass Haadeh sich erschrecken könnte. Die Stute starrte mit rollenden Augen und angelegten Ohren zur Hallentür und ich brach in Gelächter aus, als mein alter Hofkater auf die Bande sprang.
      "Haadeh! Nein wirklich? Du großes, schweres Tier erschreckst dich vor einem alten Herrn?", sagte ich neckend. Haadeh schüttelte etwas beleidigt ihren schönen Kopf. Ich beendete unsere Galopprunde noch, ritt Haadeh dann im Schritt trocken und versorgte die Stute anschließend.
      26 Sep. 2013

      Loulou
      Ein Tag harter Arbeit

      Schon früh am Morgen machte ich mich auf den Weg zu meinem ersten Auftrag am heutigen Tag. Mein Weg führte mich zu Sammy's Zucht, in der einige Pferde auf mich warteten. Der heutige Tag hieß für mich 39 Pferde abzuhören, zu impfen und zu entwurmen. „Guten Morgen.“, begrüßte ich die junge Frau freundlich, die auf mich zukam, nachdem ich auf den Hof geparkt hatte. „Da haben wir ja heute eine Menge zu tun.“, schmunzelte ich, während wir zum Stall der New Forest Ponys gingen. „Vorausgesetzt, die Tiere sind nicht krank, impfe ich alle gegen Tetanus, Tollwut, Influenza und Herpes durch und gebe ihnen ihre Wurmkur.“, erklärte ich Sammy. Gesagt, getan. Ich betrat den angenehm warmen Stall, während sie sich daran machte, die restlichen Tiere in ihre Boxen zu bringen, wenn sie noch auf der Weide standen. Mit dem impfen würde ich beginnen, sobald sie wieder herein kam und wir zu zweit waren, doch bei 39 Tieren hatte ich noch genug vorzubereiten.
      Nach gut einer halben Stunde hatte ich in eine gelbe Plastikschale den fertigen Impfstoff in Einwegspritzen, auf deren Kanülen jedoch noch die Schutzkappen steckten gelegt und auch die Paste, die die Wurmkur mit Apfel Zimt Geschmack darstellte fertig. Just in diesem Moment schwang auch schon die Stalltür auf und die Sammy kam herein. „Gut, dann lass uns anfangen. Wenn es bei einem Pferd eine charakterliche Besonderheit gibt, die ich beachten muss, sag mir vorher bitte kurz Bescheid.“, gab ich ihr zu verstehen und lächelte leicht, ehe ich zu der ersten Box ging. Ein Pintaloosa Hengst blickte mich neugierig an und das Schild an der Boxentür verriet mir, dass es sich um Hollybrook's Cheeky Jot handelte. „Na du.“, begrüßte ich ihn und schlüpfte in die Box. Interessiert musterte das Tier mich und reckte mir vertrauensvoll den Hals entgegen, als würde er mich schon seit Ewigkeiten kennen. Ich streichelte ihm kurz den Hals, ehe ich das Stethoskop um meinem Hals nahm, um Herz und Lunge abzuhören. Er hatte weder Herzgeräusche, noch Husten oder ähnliches, so maß ich noch Fieber, um eine Infektion auszuschließen. Als alles kontrolliert war, bekam er die Spitze in den Hals, ehe ich die Hülse wieder auf die Kanüle steckte und sie in eine noch leere Box kam. „So großer, jetzt noch die Wurmkur und dann hast du es auch schon geschafft.“, murmelte ich, während ich den Hengst davon überzeugte, dich die große Plastikspritze ohne Kanüle ins Maul schieben zu lassen und den Inhalt runter zu schlucken. „So, damit hätten wir den ersten.“, murmelte ich, klopfte ihm den Hals und ging weiter zur nächsten Box, in welcher ein bildschönes Endmaßpony stand. Etwas ängstlich schien er mich zu betrachten, doch mit einer ruhigen Hand und etwas Geduld ließ er die Behandlung über sich ergehen und der Kasten mit den benutzten Einwegspritzen füllte sich um eine weitere. Ich achtete immer auf penible Sauberkeit und Genauigkeit, denn als Tierarzt durfte man sich keinen Fehler erlauben, wenn man weiterhin bestehen wollte. Der nächste Kandidat war Cardoc, welcher mich aus aufmerksamen Augen betrachtete. „Na komm Großer.“, murmelte ich und begann mit der Untersuchung. Auch er war gesund und ließ das Impfen über sich ergehen, doch als ich ihm die Spritze mit der Wurmkur in das Maul schieben wollte, legte er die Ohren an und riss den Kopf hoch. „Ganz ruhig.“, sagte ich tadelnd und umgriff seinen Nasenrücken, um seinen Kopf herab zu ziehen und mit ein bisschen Geschick war die Wurmkur in seinem Maul verschwunden. „Siehst du, ist doch gar nicht so schwer.“, grinste ich und klopfte ihm den Hals, um dann zur nächsten Box zu gehen. Sammy erleichterte mir meine Arbeit, in dem sie die Türen hinter mir wieder verschloss, die nächste öffnete und mir die Schalen mit den verschiedenen Sachen reichte. Nicht jeder Besitzer, bei dem ich war, so kooperativ und deshalb ging mir die Arbeit oft nur langsam von der Hand. Der nächste war Caspar, ein wunderschöner Scheckhengst. Doch er schien recht ängstlich zu sein, denn als ich die Box betrat und bei meiner Arbeit in einer wohl nach seinem Geschmack zu heftigen Bewegung die Hülle von der Kanüle löste, schrak er zusammen und kickte mit den Hinterhufen, wobei er scheppernd den Wassereimer traf. „Gaaaanz ruhig.“, murmelte ich und versuchte ihn gemeinsam mit Sammy zu beruhigen, was schließlich auch gelang und ich konnte meine Arbeit beenden. In der nächsten Box wartete Magical Moment nun auf mich. Eine bildhübsche Stute, welche vollkommen umgänglich die ganze Prozedur über sich ergehen ließ. Jedes von Sammys Pferden überraschte mich – sowohl im Interieur wie auch im Exterieur, doch die Stute in der nächsten Box toppte bisher alles. Thousand Sunny sah mir aus dunklen, großen Augen entgegen und begutachtete neugierig jede meiner Bewegungen. Nachdem sie grob durchgecheckt, geimpft und entwurmt war, klopfte ich ihr den Hals und widmete mich dem nächsten Pony. Naboo, wie die Stute hieß, schien ein wenig eigenwilliger zu sein und dies zeigte sie auch eindeutig. Es brauchte einiges an Geduld, bis auch sie fertig war und ich die Box verlassen konnte, doch waren mir willensstarke Pferde immer auf ihre eigene Art und Weise sehr sympathisch. Doch dieser Dickkopf sollte noch übertrumpft werden, als ich Isola della Piraterias Box betrat. Misstrauisch begutachtete mich die Stute, als ich begann, sie zu untersuchen. Grade klopfte ich ihr lobend des Hals, als sie eine überraschende und schnelle Bewegung machte und mich zwischen sich und der Wand der Box eingeklemmt hatte. „Wohaa.“, sagte ich mahnend und vertrieb sie energisch von mir. Seufzend klopfte ich mir den Schmutz von der Kleidung und noch ehe sie sich versah, hatte ich sie geimpft schaffte es auch, ihr die Wurmkur zu verabreichen. Mit angelegten Ohren verfolgte mich ihr Blick, als ich die Box verließ und zur nächsten ging. Mit leichtem Kopfschütteln, doch grinsend betrat ich Aimilianis Box und sie und auch Fairylike Facility in der nächsten waren deutlich umgänglicher und schnell geimpft und entwurmt. Nun verblieben noch drei Pferde in den Stallungn der New Forest Ponys. Die junge Stute mit der außergewöhnlichen Farbe – ein Silver Dapple Sooty Buckskin – Golden Flair war eines der zutraulichsten Tiere, die mir je begegnet waren und das obwohl ich vollkommen fremd für sie war. Sie schien die Aufmerksamkeit, die ihr zu Teil wurde, regelrecht zu genießen, ebenso wie Walk of Fame, die laut Sammy heute wohl einen guten Tag hatte. Nun war ich beim letzten Pony in diesem Stall angelangt: Precious Scream. Sie schien sich einen Spaß daraus zu machen, mich auf den Arm zu nehmen und auch wenn es anstrengend war, so war es doch recht amüsierend mit ihr. „So, fertig.“, lächelte ich zu Sammy. „In dem Stall sind alle wohl aus, geimpft und entwurmt. Dann würde ich sagen, kurze Pause und dann geht es bei den Vollblütern weiter.“, sagte ich und begann meine Sachen zusammen zu packen und in den nächsten Stall zu bringen, was mit Hilfe von Sammy recht schnell ging. Doch auch die Pause und das Käsesandwich, dass ich mir am Morgen geschmiert hatte, bekamen ihre Aufmerksamkeit und so war ich nach einer halben Stunde wieder im Stall bei den Arabern. „Dann wollen wir mal.“, seufzte ich und nahm die eintönige Arbeit wieder auf. Khamar al Sanaa, der erste Hengst, war ein unglaublich schickes Tier und man sah ihm seine Herkunft, von der Sammy berichtete durchaus an. Er arbeitete willig mit und so fand ich mich schnell bei Sahira wieder, eine schicke Mausfalbstute. „Na komm, meine Hübsche.“, sagte ich und begann bei ihr mit meiner Arbeit. Mit den Vollblütern war es doch etwas anderes, als mit den Dickköpfigen Ponys und einige Vorurteile trafen durchaus zu, wie ich schon mehrmals bei meiner Arbeit feststellen durfte. Ebenso schnell ging es bei Little Miss Sunshine und Bittersweet, nur Sharley schien ein wenig zu kränkeln. Doch gemeinsam mit Sammy, beschloss ich sie dennoch zu impfen, da es nicht weiter dramatisch zu sein schien, doch sollte sie sie die nächsten Tage ein wenig im Auge behalten. Recht schnell kamen wir in diesem Stall bei dem vorletzten Pferd Rose De Soleil
      an. Der recht dunkle Palominoschecke war definitiv eine gut zuhändelne Stute, nur Fallen Immortaliny fand Spaß daran, mir das Leben ein wenig schwerer zu gestalten. „So, dann wären wir hier auch durch.“, lächelte ich und blickte zu Sammy. „Als nächstes zu den Trakehnern und Hannoveranern, richtig?“ Sammy nickte und so machten wir uns auf den Weg in den nächsten Stall. Wow. Hier schienen wohl ihre Prachtstücke zu stehen, denn mir bot sich ein nicht zu verachtendes Bild an Pferden. Levistino war der erste, ein schicker Apfelschimmel mit ganz eigenem Kopf. Doch wusste ich nach jahrelanger Arbeit inzwischen ganz gut, wie ich mit solchen Pferden umzugehen hatte und ich hatte schon weitaus schlimmere Fälle unterbekommen, da war kein Tier aus diesem Stall nur annähernd schwierig. Auch Samiyah, die sich ganz nach ihrem Namen verhielt, war bald geimpft und entwurmt, sodass ich mich der schicken Stute Mahira widmen konnte. Die erst anderthalb Jahre Stute war jedoch sehr umgänglich, wie auch Branagorn, der Grey Spotted Leopard Hengst. Black Soul hingegen schien ein eher ängstliches Tier zu sein, was jedoch auch seinen Grund hatte, wie Sammy mir erzählte. Dennoch blieb er gerade wie eine Eins stehen, als ich ihn impfte und schließlich entwurmte. Nun kamen wir zur letzten Stute in diesem Stall, Angels Fall First. Ein interessanter Name, wie ich fand, doch war mir auch schon an Namen so einiges kreatives untergekommen. Wieder merkte ich, dass Sammy nicht nur auf Exterieur und Leistung züchtete, sondern all ihre Pferde auch sehr charakterstark waren. „Fertig.“, lächelte ich und streckte mich kurz. Wenn es schon so lang dauerte, alle Pferde durchzu checken und zu impfen beziehungsweise zu entwurmen, wie lange war Sammy wohl mit ihnen beschäftigt? Puh. Nun kamen wir zu den übriegen Ponys und Warmblütern und so langsam schwand meine Motivation. Cinnemont's History war die erste, eine sehr umgängliche Stute. Auch Ojos Azules war die Ruhe selbst, als ich meine Arbeit an ihm fortsetzte. Fair Prince, ein Isländer im Endmaß lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf sich. Ich liebte isabellfarbende Pferde einfach und zudem war er noch sehr umgänglich, was die Arbeit doch etwas versüßte, ebenso wie die freundliche doch etwas schreckhafte Isländerstute Dark Misery. Noch zwei weitere Isländer - Intolerable Life und Fatimah – folgten, bis ich mit dieser Rasse durch war. Glücklicherweise war keines der Tiere krank oder anderweitig geschwächt, was einiges an Zeit sparte. Ich atmete tief durch und zwang mich zur Ruhe, damit sich meine langsam aufkeimende Nervosität nicht auf die Tiere übertrug. Nun war ich bei den Saddlebreds angelangt, drei an der Zahl. Die großen, schönen Tiere ließen die Prozedur willig über sich ergehen, der Hengst Someone, ebenso wie die beiden Stuten Paradises Rafinesse und Mizzi. „So, nur noch vier, dann sind wir durch.“, sagte ich zu Sammy und wir trugen die Kisten zur nächsten Box. Slaters Secret, ein schicker Barockpinto erwartete uns und rasch war er geimpft und entwurmt, ebenso wie die Barockpintostute Benjilala. Als vorletztes kamen wir zu dem Schabrackenfuchs Dorina. Sie war das perfekte Abbild eines Pferdes und es war schön, sie anzusehen, doch blieb dazu nicht allzu viel Zeit, denn draußen dämmerte es inzwischen. „So, du bist nun der letzte, Großer.“, sagte ich zu Daemon und begann damit, den Rapphengst zu untersuchen, um ihn daraufhin den Impfstoff zu spritzen und die Wurmkur zu verabreichen. Kurz klopfte ich ihm den Hals und seufzte zufrieden auf. „Fertig, Sammy.“, schmunzelte ich und verließ die letzte Box. Gemeinsam räumten wir den Geländewagen draußen auf dem Hof wieder ein, ich verabschiedete mich freundlich und schüttelte ihr die Hand. „Dann bis zum nächsten Mal.“, sagte ich, stieg in den Wagen und verließ den Hof, um mich auf dem Heimweg zu machen. Doch zu hause würde mich noch einiges an Aufräumarbeit und Papierkram erwarten.
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      22 Okt. 2013

      Sammy
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      Wüstentänzer - Monatsbericht November 2013

      Adina De Ra'idah, Melody's Girl, Rose de Soleil, Fallen Immortaliny & Haadeh
      "Guten Morgen meine Lieblinge!", rief ich fröhlich durch das Stallabteil, indem meine arabischen Vollblüter untergebracht waren. Ich ging von Box zu Box und begrüßte meine elf edlen Pferde liebevoll. Heute war es zwar relativ kalt, aber immerhin trocken und somit hatte ich einiges vor. Da die Pferde bereits gefüttert worden waren, konnte ich nun mit der Arbeit beginnen. Adina De Ra'idah, Melody's Girl, Rose de Soleil, Fallen Immortaliny und Hadeeh hatten heute ihren freien Tag. Mit Melody war ich in letzter Zeit auf vielen Turnieren gewesen, Immortaliny und Adina trainierten jeden Tag, Rose hatte ich ebenfalls erst bewegt und Hadeeh hatte ihren Stutbuchwettbewerb gewonnen! Ich war so unglaublich stolz auf meine hübsche Maus und überlegte bereits, wann der beste Moment war, um sie decken zu lassen.
      Zuerst holte ich Haadeh und meine Jungstute Fallen Immortaliny aus ihren Boxen. Obwohl Immortaliny bereits vier Jahre alt war, war sie roh zu mir gekommen, daher war ich gerade dabei sie schonend und mit viel Geduld einzureiten - und meine kleine Maus machte rießige Fortschritte. Die zwei hübschen Stuten folgten mir brav auf den Putzplatz. Dort nahm ich ihnen die Stalldecken ab, putzte sie über, kratzte die Hufe aus, kämmte Mähne und Schweif und legte ihnen abschließend ihre Weidedecken auf. Bei diesen Temperaturen brauchten sie die definitiv. Als die beiden gekrönten Schönheiten auf der Koppel waren, kamen Rose de Soleil und Melody's Girl an die Reihe. Mit Rose war ich in letzter Zeit sehr viel im Gelände gewesen, um ihre Ausdauer zu stärken und Melody stand voll im Training für den nächsten Stutbuchwettbewerb. Die junge Stute hatte bereits sechs Turnierschleifen ergattern können und ich war sehr gespannt, ob unsere Glückssträhne uns zu einem Sieg bei der nächsten SK helfen würde. Auch die beiden putzte ich gründlich, schmuste kurz mit ihnen und entließ sie dann auf die Koppel, wo sie sich auch sofort ein Rennen mit den beiden anderen Stuten lieferten. Nun fehlte fürs erste nur noch Adina De Ra'idah. Die schöne Red Roan Stute hatte mittlerweile schon große Fortschritte gemacht: Ich konnte sie ohne Probleme aufhalftern und führen, doch bis ich auch nur ans Reiten denken konnte, würde noch eine lange Zeit vergehen, da Adina ja beim Reiten gequält worden war. Ich führte die Schönheit aus ihrer Box und begann wie immer relativ langsam sie zu putzen. Schnelle Bewegungen erschreckten das junge Pferd immer noch sehr. Natürlich war es ungewiss, ob ich Adina's Ängste jemals soweit besiegen konnte, dass sie sich reiten oder sogar auf einem Wettbewerb vorstellen ließ, doch trotzdem träumte ich bereits von ihren wunderschönen Fohlen.
      Adina wandte mir ihren feinen Kopf zu und ich fuhr ihr liebevoll über die leuchtend weiße Blesse. "Wir schaffen das schon mein Mädchen. Und dann wirst du wundervolle Babys haben, das weiß ich ganz genau!"
      Ich befestigte Adina's Decke und führte die Roan Stute dann zu den anderen. Mittlerweile hatte sich die Jungstute auch gut in die Herde eingegliedert. Ich blieb noch eine Weile am Zaun stehen, dann wandte ich mich ab um Sahira zu bewegen.

      Sahira
      "Hallo du Schönheit!", gurrte ich, als ich vor der Box meiner falbfarbenen Araberstute stand. Sahira hatte bereits viele Schauen und sogar eine Stute des Monatswahl gewonnen und war somit die erfolgreichste meiner Araberstuten. Da sie aber auf Grund der Umstände ein wenig von ihrer Ausdauer eingebüßt hatte, wollte ich nun vermehrt mit ihr ins Gelände gehen - nicht zuletzt um sie auf größere Distanzritte vorzubereiten. Genau das würde ich später auch noch mit dem Rest meiner Araber tun, doch Sahira war im Gelände recht schreckhaft, weshalb ich mit ihr erst einmal so arbeiten wollte - nicht dass sie mir nachher die ganze Gruppe verrückt machte!
      Nachdem die schöne Araberdame geputzt und gesattelt war, zog ich mir meine Sicherheitsweste, Helm und Handschuhe an und schwang mich anschließend leichtfüßig in den Sattel. Sahira war eine lange Zeit lang kaum kontrollierbar gewesen, doch mit viel Geduld und harter Arbeit benahm sie sich jetzt wieder wie das Siegerpferd, das sie ja schließlich auch war.
      Ich klopfte ihren schlanken Hals und ritt im Schritt vom Hof in Richtung Wald. Sahira spitzte zwar die Ohren und zuckte bei jedem unbekannten Geräusch zusammen, sie blieb jedoch dauerhaft an meine Hilfen gestellt, bog den Hals und entspannte sich sogar nach und nach. "Na hoppla, was ist denn mit dir los? Ich meine gut, unser letzter Ausritt ist schon ne ziemliche Weile her, aber so wie du dich jetzt benimmst, hätte ich dich ja auch später in der Gruppe mitnehmen können", sagte ich ein wenig ungläubig. Aber vielleicht hatte Sahira durch die vielen Monate der Bodenarbeit so viel Vertrauen zu mir, dass sie sich einfach nicht mehr so sehr aufregte. Ich beschloss daher den Ausritt nicht allzu lange auszudehnen und kehrte nach einem kurzen, schnellen Galopp zum Gestüt zurück, wo ich meinen Liebling liebevoll versorgte und dann zu den anderen auf die Weide brachte.

      Sharley, Bittersweet, Little Miss Sunshine & Khamar al Sanaa
      Eine Stunde später war ich gerade dabei meine Palominostute Sharley aufzusatteln. Die sechsjährige Araberstute tänzelte nervös von einem Bein auf das andere und schlug immer wieder mit dem schönen Kopf. Neben uns machte Amy Little Miss Sunshine fertig und Scott kümmerte sich um Bittersweet. Ein paar Meter abseits trenste Eddi gerade Khamar al Sanaa auf. Wir würden heute mal eine der kurzen Distanzstrecken abreiten, um den Pferden zu mehr Kondition zu verhelfen. Da Sunny die ruhigste der Gruppe war, ritt Amy , meine etwas ängstliche Pflegerin die Schimmelstute. Für Eddi hatte ich Khamar ausgesucht, da sie ihn so sehr anhimmelte und ich mir außerdem sicher war, dass sie gut mit ihm zurecht kommen würde. Khamar war zwar an sich recht brav und ausgeglichen, konnte jedoch zuweilen etwas hengstig sein. Da wir sonst nur Stuten dabei hatten, wollte ich lieber auf Nummer sicher gehen.
      Ich selbst ritt wie bereits erwähnt Sharley, da ich am besten mit dem kleinen Dickkopf zurecht kam.
      Als wir alle Pferde fertig gemacht hatten, gurtete ich nach und stieg leichtfüßig auf Sharley's Rücken. Die noch junge Stute zappelte unentwegt herum, deshalb setzte ich mich direkt hinter Little Miss Sunshine. Eddi ritt mit Khamar an der Spitze und Bittersweet bildete das Schlusslicht. Scott war einer meiner Hengstpfleger, doch da er so tolle Arbeit leistete, hatte ich ihn gebeten heute mitzukommen. Nach einer langen Aufwärmphase im Schritt, ging es im Trab über Wiesen und Felder und später auch hoch in den Wald. Dort mussten die Pferde stelltenweise schon fast klettern, doch das war gut für ihren Muskelaufbau. Selbst Sharley riss sich nach einer Weile zusammen, weil sie wohl merkte, dass sie ziemlich erledigt sein würde, wenn sie ihre ganze Energie mit Zappeln verbrachte. Als wir wieder aus dem Wald herauskamen, ließen wir die Pferde auf einem breiten, ebenen Weg angaloppieren und kehrten danach im Schritt zum Hof zurück. Da diese Runde so harmonisch verlaufen war, beschlossen wir das Ganze bald zu wiederholen und ganz allmählich den Schwierigkeitsgrad zu steigern. Vielleicht konnte ich das nächste Mal sogar Sahira mitnehmen. Wir versorgten die Pferde und ich lud alle ins Haus zu Tee und Plätzchen ein, da es mittlerweile schon wieder dunkel wurde...
      29 Nov. 2013

      Sammy
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      Der große Umzug
      Teil I und II [Umzugsgedanken & Planen, planen, planen!]


      Umzugsgedanken…
      Aufgeregt und voller Vorfreude stieg ich aus dem Flugzeug, lief zum Kofferband und lud so schnell ich konnte meine Tasche ab. Anschließend ging ich nach draußen und atmete die kühle Luft des Londoner Flughafens ein. Jetzt im Januar war es noch ziemlich frisch. Ich sucht mir ein Taxi und nannte dem Fahrer mein Ziel: ein kleines Hotel in Winchester. Von dort aus wollte ich endlich meine Suche starten – die Suche nach meinem neuen Gestüt.
      Ich hatte mir schon vor einiger Zeit überlegt umzuziehen und zunächst hatte es mich nach Kentucky in die USA gezogen. Nach reiflicher Überlegung war mir dieser Plan jedoch zu gewagt. Amerika war einfach zu weit weg, diese lange Reise wollte ich meinen Pferden nicht antun. Zudem wären auch die Umzugskosten kaum zu stämmen, da ich ja auch den neuen Hof noch bezahlen musste. Nicht zuletzt wäre ich auch völlig ab vom Schuss gewesen und hätte all meine Freunde zurückgelassen. England jedoch lag nicht ganz so sehr aus der Welt und gab auch ein schönes Plätzchen für einen Kurzurlaub ab. Ich hatte auch schon mit einigen Leuten telefoniert, die Gestüte und Höfe zu verkaufen hatten und erhoffte mir von diesen Besuchen natürlich viel. Ich hatte ein ganz genau festgelegtes Budget, welches für den Kauf, eventuelle Renovierungen und Umbauten reichen musste. Den Rest brauchte ich dann für den Umzug und natürlich die tierärztliche Versorgung meiner Pferde. Ich hatte eine ganze Weile gebraucht, um endlich eine Woche zu finden, in der ich nach England fliegen konnte. Zu Hause war momentan schrecklich viel los. Für Wüstentänzer und Melody’s Girl standen nächste Woche Körungen an, Unannounced Pleasure, San Salvador und Reminiscent Inspiration sollten auf Fohlenschauen gehen und natürlich waren viele meiner Pferde für die laufenden Turniere gemeldet. Gott sei Dank hatten sich einige meiner Freunde bereit erklärt, sich diese eine Woche um meine 73 Pferde zu kümmern. Drei davon würde ich auf alle Fälle verkaufen, bei zweien war ich mir noch nicht sicher. Der Rest jedoch durfte bleiben und würde meine Zucht begründen. Früher mit Rawwrrr hatte ich nur New Forest Ponies gezüchtet. Nun wollte ich neben meinen geliebten New Forests jedoch auch Araber, Englische Vollblüter, Trakehner, Hannoveraner, Holsteiner, Isländer, Deutsche Reitponies, Welsh As, Welsh Bs, Andalusier, Lusitanos, Saddlebreds und Barockpintos züchten, sodass ich insgesamt auf 14 Rassen kam. Desweiteren überlegte ich mir auch Quarter Horses und Paints in die Zucht mit aufzunehmen. Dafür hatte ich schon zwei Stuten: einmal meine American Baby, die schon gekört war und dann noch My Golden Heart, eine junge und sehr viel versprechende Paint Horse Stute. Mit diesen beiden Rassen könnte ich auch die Westernreiter abdecken, was mir sicherlich eine etwas größere Kundschaft einbrachte. Sonst waren meine Pferde nämlich bis auf zwei Ausnahmen englisch geritten und ausgebildet.
      Neben der Zucht hatte ich außerdem vor, auch meinen Ausbildungsbetrieb , die Hollybrook Stud Training Stables weiterzuführen. Dies würde allerdings von da an auf meinem Gestüt stattfinden, da ich dann hoffentlich die richtige Anlage dafür bieten konnte.
      Der Taxifahrer hielt vor einem kleinen, aber netten Hotel. Ich bezahlte, stieg aus und checkte schnell ein. In zwei Stunden hatte ich bereits meinen ersten Termin. Solange wollte ich schon einmal auspacken und mich im Internet nach weiteren Angeboten schlau machen.
      Bisher hatte ich vier hoffnungs erweckende Termine, doch ich rechnete eigentlich damit, mir noch mehr Anwesen ansehen zu können. In England gab es eine Vielzahl wunderschöner, alter Höfe, Villen, Schlösser – viele waren jedoch zu teuer oder standen unter Denkmalschutz. Daher war ich umso gespannter, was mir meine Besichtigungen bringen würden.
      Zwei Stunden später hatte ich bereits vier weitere Besichtigungstermine rund um Winchester vereinbart und außerdem für Freitag einen Ausflug in den New Forest Nationalpark geplant. Vier Tage würden mir mit Sicherheit reichen, um ein passendes Gestüt zu finden.
      Mein erstes Ziel lag zwischen Winchester und Stonehenge. Ich hatte mir für diese Woche ein Auto mit Navi gemietet und fand den Hof so auch recht schnell. Es war ein nettes Anwesen, mit einem modernen Stallgebäude und einem schönen Garten. Für mich jedoch viel zu klein und vor allem auch völlig überteuert. Dies lag wohl an der Nähe zu Stonehenge, da der Ort natürlich viele Touristen anlockte. Ich verabschiedete mich schon sehr schnell wieder von der Frau und besichtigte Stonehenge, um mir die Zeit totzuschlagen.
      Mein nächster – und für heute auch letzter – Termin war nahe bei Southampton. Ich fuhr eine kurze Auffahrt hinauf und wurde prompt von einer molligen jungen Frau begrüßt. Sie führte mich über den Hof und erzählte, dass sie das gute Stück geerbt hatte, aber eher ein Stadtmensch war. Der Hof besaß ein paar wirklich schöne Gebäude und sah auch ordentlich gepflegt aus. Renovierungsarbeiten würden hier wohl kaum anfallen. Ich vereinbarte mit der Frau, dass ich mich bis Ende dieser Woche wieder bei ihr melden würde und versicherte ihr, dass ich auf jeden Fall Interesse hatte. Billig war der Hof zwar nicht, aber für das was geboten wurde auf jeden Fall angemessen…
      Die Tage vergingen und viel zu schnell war es Freitag geworden. Ich hatte mir nun vierzehn Höfe angesehen und bereits morgen früh würde ich wieder nach Deutschland fliegen. Nun hatte ich vier Höfe ausgewählt, die in Betracht kommen würden. Keine Frage, es waren alles sehr schöne Anwesen, nur so wirklich „klick“ gemacht, hatte es bei keinem von ihnen. Es fehlte einfach das Gefühl, das perfekte neue Zuhause gefunden zu haben. Ich packte gerade meine Sachen und richtete mir dann belegte Brötchen und etwas zu trinken für meinen Ausflug in den New Forest Nationalpark.
      Von dort stammten meine beiden Gründerponies Caspar und Precious Scream ab. Somit hatten auch ihre Nachkommen Caradoc, Cheeky Jot, Valentine, Casanova, Classic Moment, Nymphomaniac Fantasia und Fairy Bluebird Vorfahren in England. Als ich fertig war, trat ich aus dem Hotel, setzte mich in mein Auto und fuhr los.
      Als ich einige Zeit später schließlich endlich in Tiptoe, einem kleinen Dorf im New Forest ankam, blickte ich mich überwältigt um. Diese Landschaft hier war einfach wunderschön. Ich kaufte mir noch eine Karte der näheren Umgebung und zog dann los, immer faszinierter von der Natur um mich herum. Wohin man auch blickte, waren Wiesen, rießige Bäume, idyllische Waldwege, Brücken und Lichtungen zu sehen. Ab und an stieß man auf ein winziges Dorf, dass aussah als wäre es dem Mittelalter entflohen. Als ich gerade die Dorfstraße entlanglief, kamen mir plötzlich zwei Ponies entgegen. Da die Menschen sie überhaupt nicht beachteten, fragte ich einen Mann danach. Dieser antwortete grinsend: „Ach sie sind Touristin, ja? In diesen Teil des Waldes verirren sich eher weniger Leute..Die Ponies gehören einer Familie aus dem Dorf. Das weiß jeder und deshalb dürfen sie frei herumlaufen. Sie entfernen sich auch nie weiter als ein paar hundert Meter und kommen, sobald man sie ruft.“ Ich bedankte mich und sah staunend den beiden Ponies hinterher. Kurz darauf befand ich mich wieder im Wald und genoss die Ruhe, als ich plötzlich ein weiteres Pony auf mich zugaloppieren sah. Erst dachte ich, das wäre ebenfalls in Ordnung so, doch dann hörte ich eine Kinderstimme rufen. Ich holte schnell ein Stück Zucker aus meiner Tasche und hielt es dem Pony hin. Dieses hob den Kopf, fiel in den Schritt und nahm mir vorsichtig den Leckerbissen ab. Ich griff schnell nach der Mähne des Ponies und wartete auf den kleinen Jungen, der mir mit hochrotem Kopf entgegengerannt kam.
      „Danke, dass sie Funny eingefangen haben! Das ist schon das dritte Mal in dieser Woche, dass sie ausgebüxt ist. Mein Opa wäre sehr wütend geworden, wenn ich sie diesmal nicht gefunden hätte.“
      „Ach kein Problem, das hab ich doch gern gemacht. Wohnt ihr hier in der Nähe?“, fragte ich den Jungen.
      Der antwortete: „Ja noch. Aber wahrscheinlich nicht mehr lange. Mein Opa hat nicht genug Geld um so ein rießiges Grundstück in Schuss zu halten, sagt er. Ich mache jetzt bei ihm Ferien und meine Mama hilft ihm all seine Sachen zu packen. Aber niemand will den Hof kaufen. Und weil Opa jetzt immer so schlechte Laune hat, spricht er die ganze Zeit davon, Funny zu verkaufen! Dabei hab ich sie doch so lieb!“
      Ich sah den Jungen ein wenig entgeistert an. So einen Gefühlsausbruch hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Dann fragte ich: „Dein Opa hat einen Hof zu verkaufen sagst du? Mein du du könntest mich mal zu ihm bringen? Ich bin nämlich gerade auf der Suche nach einem schönen Grundstück für mein neues Gestüt.“
      „Wirklich? Oh das wäre ja schön! Obwohl. Sie sehen so nett aus, da gefällt ihnen der Hof bestimmt nicht. Bisher sind alle netten Leute schnell wieder gegangen und die blöden, hochnäsigen wollten alles abreißen und irgendwelche blöden Hotels darauf bauen.“
      Ich lief neben dem Jungen her und unterhielt mich solange mit ihm über sein Pony. Die kleine Stute war ein New Forest Pony-Mix und ziemlich dick. Er erzählte mir, dass er versuchte, sie auf Diät zu setzen, doch Funny lief einfach immer wieder davon und schlug sich irgendwo anders den Bauch voll.
      So verging die Zeit recht schnell und ein rießiges, schmiedeisernes Tor kam in Sicht. Ich schluckte. Das sah irgendwie ziemlich beklemmend aus. Wir traten durch das Tor und gingen auf ein recht großes, jedoch ziemlich verfallenes Herrenhaus zu. Obwohl der Hof auf den ersten Blick recht verwahrlost wirkte, verliebte ich mich sofort in diesen Ort. Ich wusste nicht wieso, doch ich fühlte mich hier auf Anhieb richtig wohl. Eine wütende Stimme riss mich aus meinen Träumereien: „Wo zum Geier kommst du her? Wir warten mit dem Tee auf dich! Sag bloß das verflixte Tier ist dir schon wieder abgehauen? Deine Mutter hat sich Sorgen gemacht! Und wer ist überhaupt diese Frau?“
      Dann sagte der ältere Mann freundlich zu mir: „Hat er sie etwa belästigt Madam?“
      „Oh nein nein im Gegenteil. Er sagte mir, dass sie einen Hof zu verkaufen haben und zufälligerweise bin ich zur Zeit auf der Suche nach einem. Ich habe mir auch bereits 14 Höfe angesehen, aber wirklich das Passende war nicht dabei.“, erwiderte ich schnell.
      „Timm? Los gib mir das Pony und geh dann zu deiner Mutter. Ich werde die Dame über den Hof führen.“ Mit diesen Worten nahm der Mann dem Jungen Funny’s Strick aus der Hand und ging mit dem Pony los.
      „Also ich weiß nicht was sie führ Ansprüche haben, aber wie sie sehen ist der Hof nicht mehr das, was er einmal war. Früher war dies ein Herrenhaus mit wunderbaren Ställen und einem rießigen Park. Nun..naja das sehen sie ja selbst. Also. Was haben sie denn mit dem Hof vor?“, fragte er.
      „Ich habe 74 Pferde, mit denen ich mir eine erfolgreiche Zucht aufbauen möchte. Außerdem leite ich einen Trainings- und Ausbildungsbetrieb den ich hier gerne weiterführen möchte. Daher suche ich ein Anwesen das ausreichend Platz für ein großes Haus, Top moderne Ställe für ca 100 Pferde, Trainingsanlagen und Weiden bietet. Schöne Ausreitmöglichkeiten wären ebenfalls von Vorteil.“, antwortete ich, wie aus der Pistole geschossen.
      „Aha“, meinte der Alte „Naja wenn ich ehrlich bin, sind die ganzen Gebäude die hier stehen nicht mehr zu gebrauchen. Sie sind alt, morsch, viel zu klein und dunkel. Die Zäune , die den Hof umgeben sind ebenfalls größtenteils kaputt. Das einzige, was mit ein wenig Aufwand wieder in Stand gesetzt werden könnte, wäre das Haupthaus. So viel zu den Nachteilen des Hofs.“, er sah mich erwartungsvoll an, als würde er damit rechnen, dass ich sofort reiß aus nehmen würde. Als ich jedoch nichts sagte, fuhr er fort: „Die Vorzüge des Anwesens liegen sicherlich zum einen in seiner Größe. Ich werde gleich den Wagen holen, wenn wir Funny weggebracht haben, denn zu Fuß schaffe ich das nicht mehr. Es grenzt westlich direkt an den Wald und im Osten an die Heiden. Im Norden liegt in ca fünf Minuten Entfernung das Dorf Sway. Ein sehr hübscher Ort übrigens. Dorthin werde ich ziehen, wenn ich den Hof verkauft habe. Meine Tochter und ihr Mann haben mir netterweise ein Zimmer in ihrem Haus angeboten. Wo war ich jetzt noch gleich stehen geblieben? Ach ja. Im Süden liegen vor allem Felder und Wiesen und außerdem die Bundesstraße. Von dort aus gelangen sie nach etwa fünf Milen nach Milford on Sea, welches direkt am Ärmelkanal liegt. Platz und Ausreitmöglichkeiten hätten sie hier auf jeden Fall mehr als genug.“, schloss er seinen Bericht. Ich hatte aufmerksam zugehört und schwärmte immer mehr für den idyllisch gelegenen Hof. Da auch die Anbindung zur Schnellstraße gut war und Sway einen Bahnhof besaß, wäre mein Gestüt auch sehr leicht erreichbar, was mir sehr wichtig war.
      „Also ich muss sagen, das hört sich alles nicht schlecht an. Könnten wir vielleicht einmal über das ganze Anwesen fahren?“, bat ich den Mann. Dieser nickte und stellte Funny auf eine kleine, mit Stromzaun umsteckte Weide. Dann knipste er kopfschüttelnd den Strom an. „Der Junge ist wirklich unmöglich. Wundert mich nicht, dass das kleine Biest immer abhaut, wenn nie Strom auf dem Zaun ist. Ich lächelte in mich hinein und wir gingen zu einem alten Auto. Ich war recht froh, mal aus der Kälte rauszukommen und wäre gleichzeitig am liebsten draußen geblieben, um mir alles ganz genau anzusehen. Der alte Mann fuhr zunächst um das Herrenhaus herum und dann in weiten Bögen über das Anwesen. Es waren kaum Gebäude zu sehen, eigentlich nur kaputte Zaune und Wiesen. Außerdem lief ein schmaler Bach durch das Anwesen. Es war weitgehend flach, nur hier und da erhob sich ein Hügelchen aus dem Boden. Um den gesamten Hof lief eine halb zerfallene Steinmauer und dahinter konnte man bereits Einblicke in die darumliegenden Wälder und Felder bekommen. Auch wenn dieser Hof unglaublich arbeitsintensiv war, ich hatte mich hoffnungslos verliebt. Der Platz war ausreichend, um einen rießigen Stall, viele großzügige Koppeln, Reitplätze, eine Halle, eine Rennbahn und noch mehr aufzubauen. Die Möglichkeiten hier waren schier unbegrenzt.
      Als wir schließlich wieder vor dem Haupthaus standen, kamen bereits Timm und seine Mutter hinaus und sahen mich gespannt an. Auch der alte Mann schien zu warten, dass ich etwas sagte.
      „Wie viel hätten sie denn gerne für das Anwesen?“, fragte ich dann.
      „Sie..Sie wollen es nehmen? Ich meine, sie kaufen es und bauen dann hier ihr Gestüt?“, stammelte der alte Mann und ich hatte schon ein bisschen Angst, dass er gleich umfallen würde.
      „Naja , ich hätte auf jeden Fall großes Interesse. Aber das kommt natürlich auf den Preis an. Hier ist so viel Instand zu setzen und ich habe leider auch nicht alles Geld der Welt zur Verfügung.“
      „Das verlangt ja auch kein Mensch! Meine Notlösung, dieser reiche Schnösel, der hier ein Hotel bauen wollte, hat mir 200ts Joellen geboten. Er meinte, wenn ich diese Woche noch einwillige und sofort hier verschwinde, verdoppelt er sein Gebot sogar noch.“
      Ich sah meinen Traumhof in Gedanken bereits zerplatzen. So viel war einfach nicht drin, wenn ich die ganzen Renovierungsarbeiten und Materialkosten einrechnete. Dies wollte ich dem Mann gerade mitteilen, als er fort fuhr: „Mir geht es aber nicht darum, dieses Anwesen möglichst teuer zu verkaufen. Ich möchte jemanden, der es zu schätzen weiß und gut damit umgeht. Der Schnösel hätte alles platt gemacht und überall hässliche Betonkästen hingestellt. Das möchte ich aber nicht. Mir gefällt die Idee hier bald ein Gestüt zu haben, viel viel besser. Daher würde ich ihnen anbieten, dass sie mir 20ts Joellen für das Grundstück zahlen und dann hier das schönste Gestüt in der Gegend aufbauen!“
      „Ja! Und wenn sie hier sind, um die Bauarbeiten zu überwachen, können Sie gerne bei meiner Familie unterkommen. Wir haben ein großes Haus mit Gästezimmer, nur fünf Minuten von hier entfernt!“, setzte seine Tochter hinzu. Timm strahlte mit den beiden Älteren um die Wette.
      Ich schaute die drei völlig fassungslos an. 20ts war für so ein rießiges Anwesen eigentlich nichts. Schon fast geschenkt. Ich nickte glücklich und ging mit den dreien ins Haus, um sofort den Kaufvertrag zu unterschreiben. Der alte Mann ließ auch sofort einen Notar kommen, der uns das Ganze beglaubigte und dann gehörte das Grundstück tatsächlich mir. Ich konnte es kaum glauben.
      „Miss? Wenn sie doch hier einen Trainingshof aufmachen, darf ich dann ab und zu mit Funny kommen? Sie ist manchmal soo störrisch. Ein bisschen Training würde ihr sicherlich nicht schaden!“, fragte Timm mich leise. Ich wollte gerade antworten, da viel sein Großvater mir ins Wort:
      „Also Timm was erlaubst du dir? Bitte Madam, hören sie einfach nicht auf ihn. Ach so eine Sache noch, würde es sie stören, wenn ich erst morgen ausziehe? Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich nun so schnell einen passenden Käufer finden würde.“
      „Aber natürlich! Ich fliege morgen früh zurück nach Deutschland. Dort werde ich dann erst einmal alles regeln und komme in frühestens zwei Wochen zurück. Also lassen sie sich ruhig Zeit. Und Timm – wenn ich Zeit habe, darfst du gern mit Funny herüber kommen. Weißt du, ich habe auch New Forests. Zwei davon stammen sogar von hier.“
      Ich verabschiedete mich fröhlich von den drei Leuten, nahm einen Bus zu meinem Auto und fuhr dann nach Winchester zurück, wo ich das Auto wegbrachte, meine Sachen packte und schnell den anderen vier Hofbesitzern absagte.
      Am nächsten Morgen um sieben saß ich bereits im Flugzeug nach Deutschland und konnte es kaum erwarten, meinen Freunden von dem Hof zu erzählen und alles haarklein zu planen…

      Planen, planen und nochmals planen!
      Kaum war ich wieder Zuhause angekommen, rief ich sofort Edfriend an, um ihr die tollen Neuigkeiten mitzuteilen. Sie sagte mir außerdem zu, mir zu helfen wo sie nur konnte. Ich erzählte ihr alles was ich bisher über den Hof wusste. Der alte Mann, Mister Bane, hatte mir inzwischen die früheren Baupläne, sowie Lagepläne und genaue Auflistungen über den Hof zukommen lassen, so dass meiner Organisation eigentlich nichts mehr im Wege stand. Nachdem Eddi und ich uns für nächste Woche verabredet hatten, lief ich hinaus auf den Hof, um Immanuel zu finden. Ihm gehörte der Stall, indem ich 27 meiner Pferde untergebracht hatte. Nämlich meine 17 New Forest Ponies und meine Hannoveraner, Holsteiner und Trakehner. Er erließ mir einen Teil der Stallmiete, dafür dass ich seinen Schülern Unterricht gab oder auch Vorführungen mit meinen Pferden ritt.
      Bei Klaus, der einen Stall ca 6 Kilometer von hier entfernt besaß, hatte ich meine englischen und arabischen Vollblüter, also 21 Pferde untergestellt. Ihm half ich beim Trainieren und Korrigieren seiner Privatpferde und stellte sie ab und an auch auf Turnieren vor.
      Die restlichen 26 Pferde standen 20 Kilometer entfernt, auf einem recht großen Zuchtgestüt. Auch hier half ich wo ich nur konnte, um meine Stallmiete so gering wie möglich zu halten. Auch wenn ich Immanuel und Klaus mittlerweile sehr lieb gewonnen hatte, war ich doch unglaublich froh, bald endlich wieder mein eigenes Gestüt zu leiten. Es war einfach nicht dasselbe, ‚nur‘ ein Einsteller zu sein und außerdem waren die Stallmieten trotz meiner tatkräftigen Mithilfe immer noch horrend.
      Ich teilte also allen dreien mit, dass ich mir einen eigenen Hof gekauft hatte und diesen in nächster Zeit in Stand setzen würde. Immanuel und Klaus sicherten mir zu, beim Transport der Pferde zu helfen und meinten außerdem, sie würden mir die Kündigungsfrist erlassen, damit ich mir um das genaue Umzugsdatum keine Sorgen machen musste. Sollte ein Monat angebrochen werden, würden sie die Kosten einfach anteilig berechnen. Nicht so hingegen Herr Kramer, dem das Zuchtgestüt gehörte. Er verlangte sofortige Auskunft darüber, wann ich umziehen wollte, bestand auf einer fristgerechten Kündigung und meinte außerdem hämisch grinsend, dass ich natürlich die gesamte Monatsmiete zu zahlen hätte, wenn ich erst einen Tag später als geplant den Stall verließ. Ich seufzte resigniert. Der Kerl hatte über 250 Boxen auf seinem Gestüt und über die Hälfte davon stand leer. Aber natürlich konnte er ja nicht wissen, wann genau er die Boxen meiner 26 Pferde brauchen würde!
      Nun gut, das musste ich eben in meiner Planung berücksichtigen. Dann mussten die Pferde, die bei ihm standen, eben zuerst umziehen. Ich fertigte Tabellen an, in die ich all meine Pferde eintrug. Dann überlegte ich: Wir waren vier Leute, die mitfahren würden. Immanuel und Klaus besaßen je einen dieser rießigen Pferdetransporter, in denen man bis zu 10 Pferden transportieren konnte. Eddi und ich hatten beide einen Vierer-Hänger. Somit könnten wir pro Fahrt 28 Pferde nach England bringen. Das wiederum bedeutete dreimal England und wieder zurück. Das war natürlich eine große Belastung, vor allem da Immanuel, Eddi und Klaus ja ihre eigenen Gestüte zu führen hatten. Ich beschloss, einmal bei Herrn Kramer nachzufragen, ob ich seinen großen Pferde-LKW mieten konnte und vielleicht einen seiner Stallburschen als Fahrer. Da wir sowieso zeitversetzt fahren würden und die Fähren nach England jede Stunde ablegten, sollte das kein Problem werden. Die erste Fahrt würde auf jeden Fall ich machen und Eddi sollte das Schlusslicht bilden. So war ich bei der Ankunft der Pferde bereits da und Eddi konnte das Verladen gut im Auge behalten. Außer mir kannte sie meine Pferde immerhin am besten. Ich griff sofort zum Hörer und rief im Büro von Herr Kramer an.
      „Na haben Sie jetzt endlich einen Kündigungstermin für mich?“, bellte er ins Telefon.
      Ich verkniff mir einen bissigen Kommentar und fragte so höflich wie möglich: „Nein, leider noch nicht. Ich muss erst mit den Bauunternehmen reden. Aber ich wollte Sie fragen, ob ich mir ihren großen Pferde-LKW für zwei Fahrten ausleihen könnte? Und vielleicht einen Pfleger der ihn fährt? Selbstverständlich bezahle ich Ihnen auch etwas.“
      Herr Kramer lachte: „Na von mir aus können Sie das tun. Ich möchte für jede Fahrt 1000 Joellen. Zusätzlich zu der Tagespauschale von 500 Joellen. Ach und natürlich müssen sie mir meine Stallkraft ersetzen. Macht noch einmal 1000 Joellen pro Tag.“
      Ich schluckte, konnte meine Wut jedoch nicht völlig unterdrücken: „Sie verlangen von mir 8000 Joellen, dafür dass ich ihren Hänger für eineinhalb Tage miete?“
      „Ja. Wenn sie das nicht möchten, suchen sie sich jemand anderen, auf Wiederhören.“, damit verabschiedete sich der widerliche Kerl und legte einfach auf. Nun gut, ich würde erst einmal mit Immanuel, Klaus und Eddi reden, bevor ich mir überlegte einen Transportverleih zu kontaktieren. Wobei der garantiert immer noch günstiger war, als das Angebot von Herrn Kramer.
      Eine halbe Stunde später saß ich wieder vor meiner Tabelle. Alle drei hatten zugesagt, zu jeder Fahrt mitzukommen, sie würden aber am Tag darauf auch wieder nach Deutschland fahren. Ich war wirklich gerührt von ihrer Hilfsbereitschaft.
      Wenn wir bei den ersten beiden Fahrten alle Transporter voll machten, waren bereits 56 Pferde in England. So könnte ich dann schon dort bleiben, um alles zu regeln und die Pferde zu versorgen. Die restlichen 17 Pferde konnte man dann anders verteilen. Klaus konnte zu Hause bleiben und noch mit nach Immanuels Pferden sehen. Immanuel dagegen würde noch einen Vierer-Hänger an seinen LKW koppeln und Eddi wiederum mit ihrem Vierer-Hänger das Schlusslicht bilden. Immanuel sagte, er würde nicht so gerne mit zwei Anhängern fahren, doch für das eine Mal konnte er eine Ausnahme machen. Nun galt es nur noch zu überlegen, welche Pferde in welchem Transport mitfahren sollten.
      Ich beschloss meine Sensibelchen auf der zweiten Fahrt mitzunehmen. So hatten sie mich die ganze Zeit um sich und sahen bei ihrer Ankunft auch schon ein paar vertraute Gesichter wieder.
      Dazu zählten: Hollybrook’s Cheeky Jot, Hollybrook’s Bloody Valentine, Naboo, Isola delle Pirateria, Walk of Fame, Precious Scream, Wüstentänzer, Sahira, Adina De Ra’idah, Samiyah, Mahira, Cuchara und Black Soul. Also war noch Platz für 15 Pferde. Ich beschloss die Hengste in einen der großen Hänger zu stecken, damit ich zu den nervösen Kerlen auch noch ein paar ruhige stellen konnte. Also brauchte ich noch sechs Hengste. Ich entschied mich für Orfino, Khamar al Sanaa, Branagorn, Warrior, Ghostbuster und Juego. Damit war einer der LKW’s belegt.
      Die acht Stuten wollte ich dagegen aufteilen. Zwei sollten je in einen der Vierer-Hänger und die restlichen Vier kamen in den zweiten LKW. Ich würde Isola delle Pirateria, Adina De Ra’idah, Magical Moment und Thousand Sunny in meinen Hänger nehmen. Eddi bekam Sahira, Precious Scream, Melody’s Girl und Rose de Soleil. In den zweiten LKW kamen demnach Naboo, Walk of Fame, Samiyah, Mahira, Golden Flair, Fairylike Facility, Aimiliani, Cuchara, Angels Fall First und Wild Lady Roxanne. Zufrieden mit meiner Einteilung harkte ich die Pferde in meiner Tabelle ab und widmete mich den anderen beiden Fahrten. Meine Fohlen kamen auf jeden Fall in die letzte Fuhre. Und in der ersten sollten möglichst viele Pferde vom Gestüt von Herr Kramer mitfahren.
      Wieder begann ich aufzuteilen: Bei Kramer im Gestüt standen 26 Pferde. Cuchara und Juego würden allerdings erst in der zweiten Woche nachkommen, die konnte ich dann solange bei Immanuel unterbringen. Blieben 22 Pferde für die erste Fahrt, um bei Kramer die Boxen frei zu räumen. Die Fohlen Mississle und San Salvador würde ich bereits vorher abholen und zu Immanuel stellen.
      Es waren genau 10 Hengste, die ich alle zusammen in einen der großen LKWs stecken wollte. Somit wären Candle in the Wind, Laruna, Ojos Azules, Someone, Slaters Secret, Pierre, Fair Prince, Intolerable Life, Daemon und Hollywood Undead versorgt. Die 14 Stuten würde ich auf den zweiten LKW und auf einen der Hänger verteilen, sodas noch ein Hänger blieb, in den ich Hengste laden konnte. In den Vierer-Hänger sollten Fatimah, Dark Misery, Paradises Rafinesse und Mizzi. Den LKW würden dann My Golden Heart, American Baby, Benjilala, Salwa, Dorina, Cinnemont’s History, Little Big Girl und Kolibri belegen. Außerdem sollten ihnen Haadeh und Little Miss Sunshine Gesellschaft leisten. In den Vierer-Hänger würde ich Levistino, Fantastic Fly, Caradoc und Caspar stellen. Somit waren die Pferde für die zweite Fahrt ebenfalls aufgeteilt.
      Fehlten nur noch die 18 Pferde für die letzte Fahrt. 9 von ihnen waren Fohlen – 6 Stutfohlen und 3 Hengstfohlen. Meine insgesamt fünf Hengste sollten zusammen mit den Stutfohlen in den großen Hänger. Somit wurde der LKW von Tschiwabschischi, El Racino, San Salvador, Hollybrook’s Casanova, Hollybrook’s Classic Moment und den Stutfohlen Reminiscent Inspiration, Unannounced Pleasure, Backup, Mississle und Ravenback belegt. In Eddi’s Hänger würden Everybody’s Darling, Hollybrook’s I Love You My Dear, Sharley und Bittersweet mitfahren. Der Hänger, der an den LKW gekoppelt wurde, würde somit von Fallen Immortaliny, Ace of Spades, Black Pearl und Pirate Island belegt werden.
      Aufatmend machte ich mir eine Tasse Tee und überdachte meine Aufteilung dann noch eine Weile. Im Großen und Ganzen war ich aber ziemlich zufrieden. Nun musste ich noch mit Immanuel abklären, dass Cookie, Juego, Mississle und San Salvador für eine Weile in seinem Stall unterkommen sollten, damit ich die Boxen bei Herr Kramer alle zusammen kündigen konnte. Immanuel erklärte sich sofort einverstanden und so konnte ich diesen Punkt auf meiner Liste auch abhaken. Nun ging es an den aufwändigeren Teil: Ich musste mir überlegen, wie mein Gestüt aussehen sollte, das Ganze mit Architekten abklären und natürlich Baufirmen beauftragen, damit die Renovierung schon bald beginnen konnte.
      10 Apr. 2014
    • Occulta
      Sammy
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      Der große Umzug
      Teil III

      Fahrt 1

      Aufgeregt wälzte ich mich in meinem Bett herum. Seitdem ich mein neues Gestüt gekauft hatte, war inzwischen ein halbes Jahr vergangen und heute würden wir endlich die erste Fuhre mit Pferden nach England bringen. Die zweite Fuhre folgte dann am nächsten Wochenende und mit dieser würde auch ich endgültig nach England ziehen. Während dieser einen Woche vor dem Umzug würden sich Mr. Bane, Liz und Tim um meine Pferde kümmern, Eddi, Immanuel und Klaus übernahmen dann die Pflege für die Woche nach meinem Umzug. Außerdem hatte ich für den nächsten Tag fünf Vorstellungsgespräche anstehen, immerhin brauchte ich Personal um mein Gestüt zu versorgen.
      Obwohl es erst halb vier Uhr morgens war, stand ich schließlich auf, duschte mich und schlüpfte in meine Stallklamotten. Dann ging ich in die Sattelkammer und kontrollierte noch einmal, ob ich auch nichts vergessen hatte. Das Zubehör der Pferde, die diese Woche mitkamen war bereits fein säuberlich verstaut, nur die Halfter, Transportdecken und Gamaschen lagen noch draußen.
      Ich legte mir einen Stapel Zubehör über den Arm und hängte alles ordentlich vor die Box des jeweiligen Pferdes. Anschließend begann ich damit meine Pferde zu putzen.
      Ich begann mit Fatimah und Dark Misery. Anschließend waren Mizzi und Paradises Rafinesse an der Reihe. Das waren die vier Stuten die als erstes mit mir mitkommen würden. Ich war gerade mit Rafinesse fertig, als Eddis fröhliche Stimme die morgendliche Stille zerriss.
      "Wusste ich doch, dass du auch nicht mehr schlafen kannst! Ich bin schon mit dem Hänger da, wen soll ich putzen?"
      "Oh hi Eddi, wie schön, dass du schon da bist! Übernimmst du die Pferde, die bei Immanuel mitfahren? Das wären Candle in the Wind, Dream of Wyoming, Ojos Azules, Someone, Slaters Secret, Pierre, Fair Prince, Intolerable Life, Daemon und Hollywood Undead. Dann würde ich mit den Stuten anfangen, die in Klaus' LKW kommen.", bat ich meine Freundin.
      Die nickte, schnappte sich einen Putzkoffer und legte sofort los.
      Ich dagegen begann mit My Golden Heart, die kürzlich gekrönt worden war, und machte dann mit American Baby, Benjilala, Salwa, Dorina, Cinnemont's History, Little Big Girl, Kolibri, Haadeh und Little Miss Sunshine weiter. Als Eddi und ich fertig waren, war es auch Zeit, die erste Fuhre transportfertig zu machen. Also legten wir Fatimah, Misery, Rafinesse und Mizzi Transportdecken und Gamaschen an und führten die vier in meinen Hänger. Der war bereits vorbereitet: Die Heunetze waren gefüllt und das Zubehör war sicher verstaut. Auch mein Auto war rappelvoll beladen mit den ersten Klamottenkisten und sonstigem Kram, den ich flott brauchte.
      Nachdem wir die Pferde noch einmal kontrolliert hatten, ging ich mit Eddi noch einmal den Ablauf durch:
      "Also zwei Stunden nachdem ich los gefahren bin, sollte sich Immanuel mit den zehn Hengsten auf den Weg machen. Eine Stunde später kommt dann Klaus mit den Stuten und du bildest dann wieder eine Stunde später die Nachhut mit Levistino, Fantastic Fly, BMs Caradoc und Caspar, ja? Die Tickets hast alle du, vergiss also nicht, sie Immanuel und Klaus zu geben. Ich freue mich schon schrecklich darauf, dass du mein Gestüt kennen lernst, bis später dann!", ratterte ich hinunter, setzte mich hinters Steuer und fuhr los in Richtung Frankreich.
      Als ich endlich am Hafen ankam, stand die Fähre nach England schon bereit und ich konnte sofort mit dem Hänger darauf fahren. Dann verzog ich mich in den Hänger, um nach den Pferden zu sehen. Meine vier Stuten reckten zwar aufgeregt die Hälse, blieben aber verhältnismäßig ruhig, sodass ich als das Schiff ablegte ein wenig an Deck ging. Dort holte ich mir etwas zu Essen und stellte mich an die Reling, um ein wenig über die letzten Wochen nachzudenken.
      Ich war ständig zwischen Deutschland und England hin und her gereist, um möglichst viele der Arbeiten auf dem Hof zu überwachen. Zuallererst hatten wir die ganzen zerfallenen Gebäude abreißen und den Müll vom Grundstück entfernen lassen. Gleich im Anschluss begannen die Bauarbeiten an der Mauer, die das Grundstück umgab, immerhin sollte sie auch die Hengstkoppeln und die Gemeinschaftskoppeln an ihrer Außenseite begrenzen und musste deshalb so früh wie möglich fertig gestellt werden. Das Streichen der Mauer hatten dann Tim, Liz und ich übernommen, wobei wir literweise wetterfeste, weiße Farbe verbraucht hatten.
      Im Anschluss daran hatte endlich der Bau des rießigen Stalles begonnen. Ich hatte sehr lange mit meinem Architekten darüber gesessen, bis ich endlich zufrieden gewesen war. Und das Endergebnis konnte sich mehr als nur sehen lassen: In dem Stall war Platz für insgesamt 100 Pferde samt deren Ausrüstung. Außerdem befand sich eine große Futterkammer für das Kraftfutter darin.
      Der Stall war hufeisenförmig angelegt und hatte drei Eingänge. Der Haupttrakt, sowie die linke Seite sollte meine Stuten beherbergen. Im linken Teil gab es zudem einen extra abgetrennten Trakt für die werdenden Mütter und die frischgebackenen Mütter mit ihren Fohlen. Im Haupttrakt befanden sich zusätzlich zwei Eckboxen, die doppelt so groß waren, wie die normalen und gegenüber der Boxenseite befanden sich Futter- und Sattelkammer. Jede Box maß 4x3,5 Meter, besaß eine gerundete Front mit goldenem Namensschild und Halfterhalter und ließ zudem Kontakt zu den Nachbarpferden zu, da die Wände keine Gitterstäbe besaßen. Außerdem waren es alles Außenboxen, an die jeweils ein Paddock angeschlossen war. In der Mitte des Stallkomplexes war mein Putz- und Waschplatz angelegt worden. Er bot genügend Platz und war überdacht, sodass die Pferde auch bei schlechterem Wetter dort fertig gemacht werden konnten.
      Direkt hinter dem Stalltrakt lag die Gemeinschaftskoppel der Hengste, auf der all meine verträglichen Hengste zusammen stehen durften. Daneben folgten dann drei Koppeln für meine Stuten.
      Rechts neben dem Stallgebäude gelangte man zu den einzelnen Hengstkoppeln. Hier würden die Hengste stehen, die sich überhaupt nicht mit anderen verstanden, bzw die, die nur mit einem anderen Hengst auskamen.
      Das Zentrum meines Gestüts war nach wie vor das Haupthaus. Dieses hatten wir auch nicht abgerissen, sondern wunderschön restauriert, was dem alten Mr. Bane unglaublich glücklich gemacht hatte. Er hatte mir erzählt, dass seine Familie schon seit Generationen hier gelebt hatte und es ihn sehr stolz machte, dass der Hof endlich wieder gepflegt wurde.
      Mein Haus war umgeben von einem großzügigen Garten. Darum herum trafen sich sämtliche Wege des Gestüts. Direkt hinter dem Haus lag die Fohlenkoppel, damit ich meine kleinen Schätze auch aus dem Büro heraus im Auge behalten konnte.
      Auf der anderen Seite des Gestüts befanden sich die modernen Trainingseinrichtungen. Der erste Weg führte zum überdachten Longierzirkel und zum Schwimmbad, der zweite zur Grasrennbahn, die auf einer Seite komplett von Tribünen umgeben war, der dritte zur großen Reithalle mit direkt anschließendem Außenplatz und der letzte schließlich zu den Dressur- und Springplätzen. Auch hier waren zwei große Tribünen aufgestellt, da ich vorhatte des öfteren Turniere auf meinem Hof abzuhalten.
      Neben den ganzen Einrichtungen für die Pferde befanden sich aber auch ein Geräteschuppen, sowie ein schönes Gästehaus auf dem Hof. In dem Gästehaus sollte auch mein zukünftiges Personal wohnen und ich hoffte sehr, dass es allen gefallen würde. Der Parkplatz befand sich direkt an der Außenmauer des Gestüts, lediglich in Notfällen wollte ich Autos und Hänger auf meinem Hof haben.
      Gedankenverloren riss ich mich von der Reling los und stieg wieder hinab, um nach meinen Pferden zu sehen. Eigentlich müssten wir auch gleich ankommen.
      Und tatsächlich legten wir eine Viertelstunde später in Dover an. Ich startete den Motor und fuhr langsam von der Fähre. Bisher war alles großartig gelaufen. Auch die vier Pferde hatten die ca. 1 1/2 Stunden auf der Fähre gut überstanden. Insgesamt hatten wir nun bereits etwa acht Stunden Fahrt hinter uns und mussten noch knapp drei Stunden weiter fahren, bis wir endlich auf dem Gestüt angelangt waren. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir gut im Plan lagen und das Gestüt etwa um vier Uhr Nachmittags erreichen würden. Das hieß, dass alle Pferde bis sieben Uhr angekommen sein müssten, wenn alles gut lief.
      Wie bisher kam ich gut voran und erreichte um Viertel nach vier mein neues Zuhause. Das Tor stand offen, sodass ich gleich auf den Parkplatz fahren konnte. Ich stellte mich ganz nach hinten, da Immanuel und Klaus sehr viel mehr Sachen in ihren LKWs hatten, die wir zum Stall schleppen mussten.
      Ich stieg aus und streckte mich glücklich. Endlich war ich daheim. Plötzlich riss mich eine kleine Gestalt fast von den Füßen.
      "Tim! Was machst du denn da?", schimpfte gleich darauf Liz und lächelte mich entschuldigend an.
      "Wir haben schon Heu und Stroh vor die Ställe gebracht, du musst uns nur noch sagen, welche Boxen wir fertig machen sollen." Ich lächelte sie dankbar an.
      "Moment ich schaue schnell auf meinen Plan.", antwortete ich und kramte in meiner Handtasche herum.
      "Also Paradises Rafinesse und Mizzi kommen in die ersten beiden Boxen im linken Trakt auf der rechten Seite. Dark Misery und Fatimah bekommen die dritte und vierte Box von rechts im Haupttrakt.
      "Alles klar, gib uns ne Viertelstunde, dann können sie rein", meinte Liz und joggte mit Tim los, um die Boxen vorzubereiten.
      In dem Moment kam Mr. Bane um die Ecke und blieb erwartungsvoll vor dem Hänger stehen.
      "Ich muss sagen, ich bin sehr gespannt ihre ganzen Pferde zu sehen, nachdem sie so von allen geschwärmt haben!", sagte er lächelnd.
      Ich öffnete die Rampe und führte als erstes Mizzi heraus. Die hübsche Fuchsstute sah sich neugierig um, blieb aber ruhig. Nachdem ich sie am Hänger festgemacht hatte, durfte auch Rafinesse hinaus. Meine erst kürzlich eingerittene Jungstute war schon um einiges nervöser als ihre Freundin. Sie blähte aufgeregt die Nüstern und sah sich mit spielenden Ohren um. Danach waren Dark Misery und Fatimah an der Reihe. Die Isländer ließen sich brav aus dem Hänger führen und drehten ihre flauschigen Ohren in alle Richtungen, um so viel wie möglich mitzubekommen.
      "Sehr schöne Tiere, die Sie da haben Miss Sammy. Wie viele kommen denn heute noch an?", fragte Mr. Bane.
      "Insgesamt 24. Die nächsten müssten auch in einer Dreiviertelstunde ankommen, wenn alles gut läuft. Bis dahin sollten wir die Boxen vorbereitet haben, denn die Hengste sind meistens etwas ungeduldiger als meine Stuten", sagte ich zu ihm.
      Kaum hatten wir meinen vier Stuten die Transportsachen abgenommen, kamen auch schon Liz und Tim zurück und sagten, dass wir die Pferde nun in den Stall bringen konnten.
      "Darf ich auch eine nehmen?", fragte Tim mit leuchtenden Augen. Ich nickte lächelnd und drückte ihm Fatimah's Strick in die Hand. Die Isistute war brav und Tim würde sicherlich mit ihr klarkommen. Liz übernahm Mizzi, Mr. Bane die etwas schwierigere Misery und ich band Rafinesse los. Wir liefen an dem Springbrunnen vorbei, den die Pferde erst kurz ängstlich ansahen und von da aus direkt auf das Stallgebäude zu. Ich lief mit Liz in den linken Stutentrakt, während Liz und Tim die Isländer im Haupttrakt in ihre Boxen führten.
      "So, lasst uns schnell die Sachen ausladen und dann sollten wir die restlichen Boxen herrichten, denn meine drei Freunde kommen dann im Abstand von nur einer Stunde hier an.", berichtete ich den anderen.
      Zuerst machten wir die Boxen für Candle in the Wind, Dream of Wyoming, Ojos Azules, Someone, Slaters Secret, Pierre, Fair Prince, Intolerable Life, Daemon und Hollywood Undead fertig. Als auch die restlichen vierzehn Boxen eingestreut waren, kontrollierten wir die Tränken und hängten Heunetze in jeder Box auf.
      Kurz darauf war ein Hupen zu hören und wir rannten zum Parkplatz um Immanuel zu begrüßen.
      Der Gestütsbesitzer sah recht müde aus, lächelte aber beim Aussteigen.
      "Es ist alles gut gegangen, die Pferde waren auch recht ruhig, nur Someone, Wyoming und Daemon musste ich ein Beruhigungsmittel geben, als wir mit der Fähre abgelegt haben.
      Er half mir dabei die Hängerklappe zu öffnen und führte dann sofort Fair Prince und Intolerable Life aus dem Hänger. Ich folgte ihm und band Hollywood Undead los, um Tim dessen Führstrick in die Hand zu drücken. Liz übernahm Pierre, Mr. Bane Daemon und ich holte Someone aus dem Hänger. Der Cremellohengst hatte weit aufgerissene Augen und sah sich nervös um. Als wir am Springbrunnen vorbeikamen, sträubten sich Daemon und Someone, doch sobald wir den ruhigen Hengststalltrakt betraten, begannen sie sich abzuregen.
      "Pierre kommt auf die rechte Seite in die zweite Box vor dem Durchgang zu den Stuten. Someone stelle ich direkt daneben. Intolerable Life soll auf die linke Seite in die sechste Box vom Stutendurchgang, Fair Prince daneben und Daemon stellen wir neben Prince. Ach so Tim, Hollywood Undead bekommt die Box neben Daemon.", ratterte ich herunter.
      Gleich darauf waren wir wieder beim Hänger. Tim durfte Ojos Azules nehmen, was dem Jungen ein Leuchten in die Augen zauberte. Liz übernahm Candle in The Wind, Mr. Bane Slaters Secret und ich band Dream of Wyoming los. Immanuel trug schon einmal einen Teil der Ausrüstung in die Sattelkammer.
      "Candle in the Wind kommt neben Intolerable Life, Jojo neben Pierre, Secret soll neben Someone und Wyoming kommt zwei Boxen weiter.", sagte ich wieder, während ich meinen Appaloosa in seine Box führte. Der Hengst drehte sich mit schiefgelegten Ohren im Kreis und entdeckte dann sein Heunetz. Das beschäftigte meine Hengste fürs erste.
      Nachdem wir auch die Ausrüstung der Pferde verstaut hatten, luden wir mein Auto aus, richteten unser Luftmatratzen - Lager für die Nacht und räumten meine Lebensmittel in den Kühlschrank.
      Dann gingen wir hinaus und warteten auf Klaus.
      Der kam auch kurz darauf angefahren und streckte sich erst einmal ausgiebig.
      Er übergab mir die Führstricke von My Golden Heart und American Baby, übergab Tim Cinnemont's History und Liz Dorina, drückte Mr. Bane die Führstricke von Little Big Girl und Kolibri in die Hand, Immanuel Benjilala und Salwa und führte zuletzt meine Araberdamen Haadeh und Little Miss Sunshine aus dem Hänger.
      Zwischendurch pfiff er beim Anblick meines neuen Gestüts immer wieder durch die Zähne.
      "Meine Güte Sammy, du hast dir hier echt was tolles aufgebaut! Ich bin gespannt wie deine Zucht laufen wird."
      Vor dem Stall teilte ich die Pferde gleich auf. Benjilala und Salwa kommen in den kleinen Stutentrakt neben Mizzi. My Golden Heart und American Baby ziehen in die Boxen auf der linken Seite und zwar in die vierte und fünfte vom Durchgang gezählt. Little Big Girl und Kolibri beziehen im Haupttrakt die Randboxen rechts und zwar die erste und zweite vom Hengstdurchgang aus. History und Dorina kommen in die ersten Boxen von rechts aus. Haadeh bezieht die dritte Box links vom Eingang im Haupttrakt und Little Miss Sunshine die zweite."
      Als alle Stuten gut versorgt waren, atmete ich erleichtert auf. Wir versorgten auch nun die Ausrüstung und begannen dann mit der Abendfütterung. Kurz darauf traf Eddi mit den letzten vier Hengsten für heute ein. Diesmal bat ich Liz, Tim und Mr. Bane das Sattelzeug zu nehmen, da diese vier Hengste doch ein wenig eigen waren. Eddi übernahm Caradoc, Immanuel Caspar, Klaus Levistino und ich meinen frisch gekörten Hengst Fantastic Fly.
      "So. Die vier kommen natürlich alle in den Hengsttrakt. Levistino bekommt die sechste Box auf der rechten Seite, Fly die daneben. Caradoc zieht auf die linke Seite in die fünfte Box und Caspar in die sechste. Und außerdem darf ich nun endlich verkünden: Das wars für heute, ich bestellte uns jetzt Pizza. Wer möchte noch?"
      Diese Ansage wurde mit zustimmendem Jubel aufgenommen und so machten wir uns gleich darauf auf, um den Lieferservice anzurufen. Bis dahin erntete ich weiterhin viele Komplimente für meinen wunderschönen Hof und meine noch schöneren Pferde. Ich war unglaublich froh, dass die erste Fahrt so gut geklappt hat und hoffte, dass die beiden ausstehenden auch reibungslos verliefen.

      Am nächsten Morgen verabschiedeten sich Eddi, Immanuel und Klaus schon sehr früh wieder. Ich wünschte meinen Freunden eine gute Heimfahrt und teilte ihnen mit, dass ich am Dienstag wieder zurückfahren würde.
      Dann räumte ich ein wenig im Haus auf, putzte meinen Pferdehänger und wartete dann vor meinem Haus auf die Bewerber.
      Insgesamt hatte ich zehn Termine vereinbart und Kandidat Nr 1 müsste in wenigen Minuten auftauchen.
      Tatsächlich tauchte kurz darauf ein großer, blonder junger Mann auf. Zu meiner Verwunderung kam ihm jedoch noch ein zweiter mit roten Haaren hinterer. Ich stand auf und ging auf die beiden zu.
      "Guten Tag! Willkommen auf Hollybrook! Ich nehme an, einer von Ihnen ist Samuel?", fragte ich neugierig.
      Der Blonde errötete ein wenig und meinte lächelnd: "Ja das bin ich, wir hatten telefoniert. Es tut mir sehr Leid, wenn ich Sie verwirre, aber Donald hier ist ein sehr guter Freund und kann wunderbar mit Pferden umgehen. Er hat nur leider vor kurzem seine Stelle verloren und deshalb dachte ich, sie könnten sich vielleicht einmal von ihm überzeugen?"
      Ich musterte Donald. Er war recht kräftig gebaut und machte einen netten Eindruck.
      "Na klar. Ich würde sagen, wir gehen mal zu den Ställen, dann kann ich mich mal von eurem Umgang mit den Pferden überzeugen. Ihr dürft euch nur nicht wunder, die Guten hatten gestern eine sehr lange Fahrt und sind deshalb heute vielleicht ein wenig gereizt."
      Die zwei Männer folgten mir und ich verfolgte aus den Augenwinkeln wie sie sich staunend das Stallgebäude ansahen.
      "Ich würde sagen, wir fangen bei den Hengsten an.", sagte ich, während ich die Tür zum Hengsttrakt öffnete.
      Sofort erschallte lautes Gewieher und den Neuankömmlingen wurden zwölf Köpfe entgegen gereckt. Nur Daemon und Dream of Wyoming kamen nicht an die Türen.
      "Ich würde sagen ihr holt jetzt Levistino und Fantastic Fly aus ihren Boxen, führt sie nach draußen auf den Putzplatz und macht die zwei dann sauber.", wies ich die beiden an und zeigte ihnen die Hengste.
      Samuel nahm meinen hübschen Schimmel, Donald halfterte Fantastic Fly auf. Die beiden großen Hengste waren zwar im Grunde brav, hatten allerdings auch eine gehörige Portion Temperament.
      Als erstes sah ich mir an, wie die beiden die Hengste anbanden. Dabei punkteten sie schon damit, dass sie mit den Tieren redeten und sie nicht direkt nebeneinander stellten.
      Auch beim Putzen gingen sie sorgfältig vor und Donald schaffte es, Fly innerhalb einer Bestzeit zu beruhigen, als der junge Hengst sich mal wieder unnötig aufregte.
      Auf die Fragen der beiden meinte ich: "Levistino ist ein achtjähriger Trakehner, Fly ist ein Holsteiner und erst vier. Beide sind bereits gekört und ich lege sehr viel Wert auf eine gute Ausbildung. So werde ich auch meinen Trainingsbetrieb wieder aufnehmen, sobald hier alles fertig ist. Es würde übrigens auch mit zu den Aufgaben der Pfleger gehören, ab und an beim Training der Pferde zu helfen. Aber das kommt nach und nach, da ich natürlich nicht jeden auf den Rücken meiner Pferde lasse."
      Die beiden nickten und führten ihre Hengste dann zu den Koppeln. Die beiden mussten zu meinem Leidwesen auf Einzelkoppeln, da sie sehr ausgeprägte Hengstmanieren hatten und sofort auf die anderen Tiere losgegangen wären.
      Ich bedankte mich bei den beiden Männern und versprach, mich noch am selben Abend bei ihnen zu melden.
      Kaum dass die beiden weg waren, kam auch schon die nächste Kandidatin.
      Am Ende des Tages hatte ich ohne Mühe sechs junge Leute ausgewählt. Außer Samuel und Donald würden Patrick, Brian, Anna und Meg bei mir anfangen. Arbeitsbeginn war der nächste Sonntag und alle sechs freuten sich schon sehr auf die Arbeit.
      Donald, Samuel, Brian und Meg würden außerdem bei mir auf dem Gestüt wohnen.
      Ich war sehr zufrieden mit dem Tag und fiel hundemüde auf meine Luftmatratze.
      Am nächsten Morgen holte ich Liz ab und fuhr mit ihr zu einem großen Möbelhaus. Samuel und Donald verdienten sich ein wenig Geld dazu, indem sie die Zimmer in dem Gästehaus strichen. Wir würden die Wohnungen der Mitarbeiter alle identisch einrichten, ein kleines Bad und eine Küchenzeile waren bereits vorhanden. Die Zimmer für die Gäste hatten ebenfalls ein Bad, jedoch keine Küche.
      Liz und ich verbrachten den ganzen Tag in dem Möbelhaus. Neben der Einrichtung für das Gäste- und Personalhaus kauften wir auch gleich meine neuen Möbel. Dann vereinbarten wir mit dem netten Herrn an der Information , dass die Möbel nächsten Samstag geliefert und auch gleich in die entsprechenden Räume gebracht werden sollten. Also würde ich bereits am Freitag mit den nächsten Pferden wieder herfahren.
      Nachdem ich meine Pferde versorgt und Liz und Tim die Futterpläne ausgehändigte hatte, ging ich schlafen, um am nächsten Morgen gut ausgeruht nach Deutschland fahren zu können.

      ~*~

      Fahrt 2
      In der darauffolgenden Woche packte ich mein letztes Hab und gut in Kisten, auch das Sattelzeug der verbliebenen Pferde sammelte ich bereits zusammen.
      Als der Freitag schließlich gekommen war, fing ich meine beiden jungen Ragdolls ein, schob sie in ihren Transportkorb und ging dann hinaus, um mich zu verabschieden und Isola della Pirateria, Adina de Ra'idah, Magical Moment und Thousand Sunny einzuladen.
      Eddi bekam von mir sämtliche Dokumente für die anderen Pferde, sowie die Verladungs- und Abfahrtspläne.
      Dann verabschiedete ich mich von meiner besten Freundin und nahm ihr das Versprechen ab, sich am Sonntag vor der Abfahrt noch einmal kurz zu melden.
      Bis zur Fähre lief alles wunderbar, doch als das Schiff ablegte, wurden Isola und Adina sehr unruhig. Also verabschiedete ich mich von dem Gedanken, die Überfahrt an Deck zu verbringen und öffnete die Vordertür des Hängers, um meine Stuten zu beruhigen.
      In diesem Moment rauschte mir etwas grau-weißes entgegen und ein aufgeregtes: "Finn, aus!", schallte durch die Schiffsgarage.
      Ich sah mich einem äußerst hübschen Australian Shepherd gegenüber, der mit eingeklemmten Schwanz versuchte, an mir vorbeizukommen.
      Gleich darauf kam mir ein großer, muskulöser Typ mit schwarzen Haaren und unglaublich grünen Augen entgegen und nahm den Hund mit hochrotem Kopf von mir weg.
      "Das tut mir wirklich sehr Leid, eigentlich ist Finn gut erzogen, aber er hasst die Überfahrt nach England...", begann er seine Entschuldigung.
      "Ach das macht doch nichts! Ich habe auch ein paar Vierbeiner dabei, die nicht ganz so begeistert sind.", sagte ich lachend.
      "Ja das dachte ich mir schon. Die machen ja nen ganz schönen Radau. Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich Ihnen ein wenig Gesellschaft leisten würde? Es ist so unglaublich langweilig alleine.", fragte er mit seinem unglaublich süßen englischen Akzent.
      Ich stimmte freudig zu und so setzten wir uns samt Finn in den Vorraum meines Hängers. In unserem Gespräch stellte sich heraus, dass der nette Typ Kevin hieß, er Familie in Deutschland hatte, aber in Oxford studierte.
      "Und du eröffnest also ein Gestüt?", fragte er mit leuchtenden Augen nach.
      "Ja, dieses Wochenende kommt das zweite Drittel meiner Pferde nach England. Und nächste Woche hab ich dann wenn alles gut geht, alle drüben. Kannst du reiten?", antwortete ich.
      "Naja, ich hab es mal gelernt, aber wirklich gut bin ich glaube ich nicht... Du könntest es mir ja beibringen", meinte er grinsend.
      Ich schluckte und wurde mir zum ersten Mal der Nähe bewusst, die mittlerweile zwischen uns herrschte. Ich errötete und sah lächelnd zu ihm auf.
      Er wurde nun ebenfalls rot und stammelte: "Das war nur ein Scherz, keine Sorge!"
      Ich lächelte tapfer weiter, war aber insgeheim etwas enttäuscht. Mir war schon lange kein so netter Kerl wie Kevin mehr begegnet. Aber wie es aussah, würde ich ihn wohl nicht wieder sehen.
      Kurz darauf legten wir an und ich verabschiedete mich wehmütig von Kevin. Er hatte nicht einmal nach meiner Handynummer gefragt.
      Ich seufzte und machte mich auf, um den letzten Streckenabschnitt zu bewältigen.
      Auf dem Gestüt angekommen, wurde ich wieder von Liz und Tim erwartet. Heute war das Wetter nicht so toll, daher war Mr. Bane zu Hause geblieben, da sein Rheuma ihm Probleme bereitete.
      Ich führte Magical Moment aus dem Hänger und freute mich über die staunenden "Ohs" und "Ahs" von Tim und seiner Mutter. Meine Elitestute sorgte einfach immer für Bewunderung.
      Ich drückte Tim ihren Führstrick in die Hand und grinste, als er vor stolz einen ganz roten Kopf bekam.
      "Liz würdest du kurz hierblieben? Isola und Adina sind beide ein wenig schwierig, ich kann nicht beide zusammen nehmen, aber auch keine von ihnen alleine lassen.", bat ich meine neue Freundin. Liz nickte und ich führte Isola della Pirateria aus dem Hänger. Die junge Rappstute tänzelte mit aufgerissenen Augen neben mir her und drängte sich eng an Magical Moment.
      Vor dem Springbrunnen rammte sie die Hufe in den Boden und quiekte erschrocken.
      "Tim? Dreh Magic mal um und warte dann kurz auf uns!", rief ich dem Jungen hinterher, da Magic natürlich ohne Probleme am Brunnen vorbei ging. Nach einigen Überredungsversuchen bewegte sich Isola schließlich im Stechtrab an dem Brunnen vorbei. Wir banden die beiden am Putzplatz fest und nahmen ihnen die Ausrüstung ab. Tim und Liz hatten die vier Boxen bereits eingestreut, weshalb ich Tim auch nicht sagen musste, wohin die Stuten kamen.
      Ich wurde von freudigem Wiehern begrüßt und Isola entspannte sich sofort ein wenig. Magical Moment bezog die Box im Haupttrakt direkt rechts neben der Stalltür. Isola kam in die dritte Box daneben. Als ich mich versichert hatte, dass die Rappstute keinen Unsinn anstellen würde, joggten wir zurück zu Liz. Diesmal bekam sie den Strick von Thousand Sunny, ich übernahm Adina De Ra'idah und Tim trug schon einmal einen Teil der Ausrüstung zum Stall.
      Auch Adina zickte am Brunnen ein wenig herum, doch als sie das Wiehern von Little Miss Sunshine hörte war sie kaum noch zu halten. Wir nahmen auch den beiden die Ausrüstung ab und führten sie in ihre Boxen.
      Nachdem dann auch die ganzen Zubehörkisten verräumt waren, machten wir uns im Haus an die Arbeit. Morgen sollten schließlich die ganzen Möbel geliefert werden und zwar samt der rießigen Küche für mein Haus.
      Daher besorgten wir uns Wandfarben und strichen die Wände meines Hauses.

      Am nächsten Morgen stand ich bereits sehr früh auf und wartete auf meine Möbel. Um kurz nach acht fuhr bereits der rießige Laster vor und vier Männer sprangen heraus. Zwei von Ihnen kümmerten sich um meine Küche, die anderen begannen damit die Möbel ins Gästehaus zu bringen. Kurz darauf tauchte auch Liz auf und half mir alles zu koordinieren. Nachdem die Männer alle Möbel in die jeweiligen Zimmer gebracht hatten, fuhren sie wieder ab, während ihre beiden Kollegen die Küche anschlossen und aufbauten. Ich verzog mich währenddessen mit Liz in mein Schlafzimmer und wir verbrachten die nächsten Stunden damit mein Bett, den Kleiderschrank und die Badezimmermöbel aufzubauen.
      Anschließend gönnten wir uns eine Pause, verabschiedeten die beiden Handwerker und begrüßten dafür den Elektriker, der sämtliche Lampen in meinem und im Gästehaus anschließend sollte.
      Liz und ich verzogen uns mit dem Mann zusammen in die Personalwohnungen, die über den Garagen für Kutschen und Sulkys standen.
      Dort bauten wir jeweils ein Bett, einen Schrank, einen Spiegelschrank im Bad, einen Schreibtisch, einen Nachttisch, ein Bücherregal und eine Kommode auf. Die Küchenzeilen samt Hängeschränken waren bereits aufgebaut und auch die Badezimmer inklusive Waschmaschine waren bereits fertig.
      Wir schlossen unsere Arbeit in den Zimmer ab, indem wir die Vorhangstangen mit Vorhängen aufhängten, die Betten bezogen und in drei der Zimmer eine Schale mit Süßem stellten.
      "Puh das wars für heute. Ich fahre dich schnell nach Hause, du ziehst dich um und dann gehen wir essen, was hälst du davon?", fragte ich Liz. Die nickte fröhlich und machte noch einen kurzen Abstecher mit in mein Haus, um meine zwei süßen Kätzchen zu knuddeln.

      Der nächste Morgen begann genauso früh wie der Samstag. Wieder kamen Liz und Tim, um mir zu helfen. Zu allererst waren natürlich die Pferde an der Reihe. Wir versorgten die Pferde, die bisher hier standen und streuten dann 24 weitere Boxen ein.
      Gleich darauf machten wir uns daran, mein Haus weiter einzurichten. Wir bauten die restlichen Möbel in der Küche auf, danach war das große Esszimmer an der Reihe. Immerhin sollte es hier irgendwann einmal sehr gesellig zugehen, da ich nicht nur mein Personal des öfteren hier haben wollte, sondern natürlich auch meine Gäste bewirten musste.
      Als wir schließlich schon recht müde das Werkzeug verräumten, hörte ich die Stimmen meiner neuen Mitarbeiter. Ich hatte sie gebeten so rechtzeitig zu kommen, dass sie beim Ausladen der Pferde helfen konnten.
      Kurz darauf fuhr auch schon Immanuel auf den Parkplatz.
      "Immanuel nimmst du Black Soul? Er kommt in den Hengsttrakt, rechte Seite in die zweite Box links von Fly. Samuel, Donald nehmt ihr Wüstentänzer und Khamar al Sanaa. Die beiden kommen auch auf die rechte Seite in die ersten Boxen vom Eingang weg. Patrick du übernimmst Branagorn. Er kommt zwischen Fantastic Fly und Black Soul. Brian dir gebe ich Ghostbuster. Er kommt neben Wüstentänzer. Liz, Tim? Ihr übernehmt Orfino und Juego. Orfino kommt rechts neben Caradoc, Juego zwischen Caspar und Hollywood Undead. Bleiben noch Hollybrook's Casanova, Hollybrook's Cheeky Jot und Hollybrook's Bloody Valentine. Valentine nehme ich. Anna du übernimmst Nova und Meg du hast die Ehre meinen Liebling Cheeky zu führen. Cheeky kommt in die erste Box auf der linken Seite, Valentine daneben und Nova neben Valentine."
      Nachdem wir alles verräumt hatten, atmeten wir erleichtert durch und ich schickte Immanuel ins Haus, damit er sich ausruhen konnte. Mein Freund wollte nämlich noch an diesem Abend wieder nach Hause fahren.
      Kurz darauf traf dann auch schon Klaus mit den Stuten ein. Wieder ratterte ich los:
      "Samuel, Donald euch gebe ich Samiyah und Mahira. Samiyah kommt in den Haupttrakt auf die linke Seite , in die erste Box an der Seite. Mahira steht direkt daneben. Brian du nimmst Wild Lady Roxanne. Sie soll neben Mahira. Liz und Tim ihr bekommt Golden Flair und Fairylike Facility. Anna du gehst gleich mit Aimiliani mit und Meg du nimmst Naboo. Die kommt neben Magical Moment, Aimiliani neben Isola, Facility zwei Boxen rechts von Thousand Sunny und Golden Flair zwei Boxen von Facilty weg. Patrick du nimmst Angels Fall First, Klaus geht gleich mit Cuchara mit und ich schnappe mir Walk of Fame. Angel kommt rechts neben My Golden Heart, Cuchara neben Salwa und Fame stelle ich zwischen Thousand Sunny und Fairylike Facility."
      Ich atmete tief durch als wir auch hier alles erledigt hatte und zeigte Samuel, Donald und Meg ihre neuen Wohnungen. Die drei waren restlos begeistert und bedankten sich überschwänglich. Anschließend schickte ich sie nach Hause und Klaus in mein Haus, da wir mit den vier Stuten die Eddi mitbrachte auch alleine fertig wurden.
      Als Eddi schließlich ankam übernahmen Liz und Tim Melody's Girl und Rose de Soleil, während Eddi und ich uns mit Precious Scream und Sahira abmühten. Meine Araberstute kam in die Box neben Little Miss Sunshine, Scream durfte zwischen Facility und Flair ziehen, Soleil kam rechts neben Adina und Melody links neben Adina.
      Ich kontrollierte gerade noch einmal alles, als Eddi grinsend auf mich zu kam.
      "Du vor dem Gestütseingang steht ein mega süßer Typ, der nach dir gefragt hat. Hast du vielleicht vergessen mir was zu erzählen?", fragte sie mich neckisch.
      "Ich hab keine Ahnung wer das sein könnte. Vielleicht noch ein Bewerber für einen Job...", meinte ich Schulter zuckend und ging zum Tor.
      Dort traf mich jedoch fast der Schlag, denn der mega süße Typ war kein anderer als Kevin!
      Er bemerkte meinen überraschten Blick und lief knallrot an.
      "Also ich muss dir was gestehen. Ich hätte mich Ohrfeigen können, dass ich dich nicht nach deiner Adresse oder wenigstens deiner Handynummer gefragt habe und deshalb bin ich dir am Freitag einfach hinter her gefahren, bis ich ungefähr wusste, wo du hinwillst. Ich war aber zu feige, dich da schon anzusprechen.
      Aber jetzt bin ich da und deshalb: Hättest du Lust nächsten Freitag mit mir Essen zu gehen?", ratterte er hinunter.
      Ich konnte mein Glück kaum fassen und nickte ihm strahlend zu.
      "Oh okay, das ist ja toll! Also..ich denke du hast zu tun und ich muss heute auch wieder zurück nach Oxford, aber ich freue mich schon sehr auf Freitag. Ach ja und hier, meine Nummer!", meinte Kevin, stieg in sein Auto und brauste davon.
      Eddi grinste übers ganze Gesicht und löcherte mich bis tief in die Nacht mit Fragen. Mein Umzug nach England lief wirklich besser, als ich es mir jemals erträumt hätte....

      ~*~

      Fahrt 3
      Endlich war der Tag gekommen, an dem der Rest meiner Pferde ankommen sollte. In der letzten Woche hatte ich mein Personal eingearbeitet, mein Haus eingerichtet und war nun daran, Charme in meinen Hof zu bekommen. Und natürlich hatte ich mich am Freitag mit Kevin getroffen. Seitdem telefonierten wir jeden Tag mindestens zwei Stunden und er hatte versprochen, das nächste Wochenende ganz hier zu verbringen.
      Ich stand bereits vor dem Tor und wartete auf Immanuel, der ja diesmal mit vierzehn Pferden ankommen würde. Auch meine Mitarbeiter, sowie Liz, Mr. Bane und Tim waren hier, um zu helfen.
      Als der rießige Transporter schließlich ankam, verteilte ich sofort wieder die Pferde.
      Immanuel übernahm Tschiwabschischi, Samuel El Racino, Donald San Salvador und Brian Classic Moment. Tschiwi kam neben Ghostbuster, Racino zwischen Tschiwi und Levistino, San Salvador zog zwischen Slaters Secret und Wyoming und Classic Moment kam auf die gegenüberliegende Seite neben Candle in the Wind.
      Liz schnappte Unannounced Pleasure, in die sie sich sofort verliebte, Tim nahm Reminiscent Inspiration, Anna übergab ich Levistino's Hope und Meg nahm Mississle. Für Patrick und mich blieben nun nur noch Backup und Ravenback.
      Die beiden Vollblutfohlen bezogen die Boxen ganz rechts im Haupttrakt. Mississle kam neben Little Big Girl, Inspiration und Pleasure kamen in den rechten Stutentrakt auf die rechte Seite direkt an den Durchgang und Hope auf die gegenüberliegende Seite neben Cuchara.
      Im zweiten Hänger warteten nun noch Ace of Spades, Black Pearl, Pirate Island und Fallen Immortaliny. Fallen durfte zwei Boxen rechts von Soleil stehen, Black Pearl neben Ravenback, Island neben Pearl und Spades zwischen Island und Melody.
      Kaum eine Stunde später war auch Eddi mit der letzten Fuhre da.
      Sie transportierte Everybody's Darling, die zwischen Naboo und Isola stand, Barakah al Sanaa, die die Box neben Hope bezog, Sharley und Bittersweet. Die beiden Araberdamen durften die Boxen rechts und links von Fallen Immortaliny ihr neues heim nennen.
      Ich atmete erleichtert durch Es hatte alles geklappt und endlich hatte ich alle Pferde sowie auch die ganze Ausrüstung hier. Ich kochte für meine Gäste ein feines Essen und lud sie dann alle ein, in ein paar Wochen zur Eröffnungsparty herzukommen.
      Endlich konnte ich meinen Lebenstraum verwirklichen!
      20 Sep. 2014

      Sammy
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      Planung & Vorreiten

      "Guten Morgen alle zusammen!", begrüßte ich fröhlich meine Mitarbeiter Anna, Meg, Patrick, Brian, Donald und Samuel, die mich bereits erwartungsvoll anblickten. Ich hatte sie gestesrn Abend gebeten, sich heute eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn mit mir zu treffen, da es einiges zu besprechen gab.
      "Also ihr Lieben. Wie ihr wisst, möchte ich meine Zucht bald wieder eröffnen und habe nun beschlossen, auch Achal Tekkiner und Berber mitaufzunehmen. Deshalb ist Ivory zu uns gezogen und Candle in the Wind wird ebenfalls bleiben. Die Suche nach den Berbern habe ich auch schon begonnen, aber das wird noch eine Weile dauern. Fakt ist, dass wir den Stall ein wenig umplanen müssen und ich außerdem einen neuen Plan für die Unterbringung der Pferde erstellt habe. Das müssen wir nach dem Misten als erstes machen. Leider ist auf den Koppeln alles vereist, deshalb werden wir von den Stutenkoppeln einen kleineren Teil abtrennen, damit die Pferde wenigstens ein bisschen Auslauf bekommen.
      Außerdem beginnen wir ab heute mit dem Arbeiten der Pferde. Longieren werdet ihr alle, beim Reiten lege ich viel Wert auf die Dressur, wer möchte kann sich auch für Springen, Military, Distanz, Western, Galopprennen und Fahren melden. Eure Longiertechnik und die Dressur schaue ich mir heute schon an, den Rest dann morgen!". Ich blickte meine Mitarbeiter erwartungsvoll an und sie brachen alle in zustimmendes Gejubel aus. Nur Anna drückte sich ein wenig hinter die anderen und wirkte auch nicht wirklich begeistert.
      Wir machten uns nun alle gemeinsam daran, die Pferde auf die Koppeln zu verteilen und anschließend die ganzen Boxen auszumisten. Nachdem diese Arbeit getan war, beorderte ich alle in die Sattelkammer, um die Ausrüstung mal wieder richtig zu reinigen.
      Dann sagte ich: "Na los, erzählt mal. Auf wem würdet ihr das Probereiten heute gern absolvieren? Möchte jemand gar nicht reiten? Oder möchte jemand noch andere Disziplinen dazu nehmen?"
      Samuel und Donald begannen gleichzeitig zu reden, sahen sich an, lachten und begannen dann nacheinander nochmal von vorne. Samuel begann.
      "Also am liebsten würde ich natürlich Levistino reiten. Außer der Dressur würde ich mich unglaublich für Springen und Military interessieren.", begann der blonde Junge.
      "Und ich würde gern Fantastic Fly oder Golden Indian Summer reiten! Aber da du dir ja die Dressur ansehen möchtest, wohl eher Fly. Außer Dressur würde ich gerne Western und Fahren trainieren. Ich hab ja auch auf dem Gestüt auf dem ich vorher war, bereits Pferde eingefahren und mit ihnen trainiert.", schloss sich Donald an.
      Als die beiden Jungs fertig waren, brachte Meg strahlend hervor: "Mir ist es eigentlich egal, wen ich reiten soll, aber ich würde unglaublich gern Galopp- und Distanzrennen trainieren."
      Ich nickte lächelnd. Das hatte ich schon gewusst, da Meg eigentlich von nichts anderem mehr sprach, seit sie hier war.
      Fragend sah ich nun Brian an. Der zuckte mit den Achseln und meinte: "Wen ich reite, interessiert mich nicht. Ein guter Trainer muss ja schließlich mit allen Pferden klar kommen. Meine Disziplinen wären Fahren und Springen."
      Patrick erklärte, er wolle am liebsten nur Dressur reiten, da er mit den restlichen Disziplinen noch keine Erfahrung gesammelt hatte und Anna druckste verlegen, mit hoch rotem Kopf herum, bis ich sie schließlich aufforderte, mit mir nach draußen zu kommen.
      "Anna was ist denn los mit dir?", fragte ich die junge Frau. Schließlich hatte ich doch von vornherein klar gemacht, dass ich von allen erwartete, auch mit den Pferden zu arbeiten und zwar auch vom Sattel aus.
      Anna starrte verlegen auf ihre Füße und meinte dann leise: "Ich habe zu große Angst, um zu reiten! Ich liebe Pferde, aber ich möchte sie auf keinen Fall trainieren. Bitte wirf mich deshalb nicht raus, ich liebe meinen Job wirklich sehr!"
      Stirnrunzelnd betrachtete ich das braunhaarige Mädchen: "Aber Anna, ich habe fast 100 Pferde hier stehen, ich brauche jede Unterstützung, die ich bekommen kann. Warum hast du denn solche Angst? Du musst ja nicht Springen oder Galopprennen reiten. Aber Dressur und Ausritte sollten doch möglich sein?"
      Anna schüttelte den Kopf, während ihr Tränen in die Augen traten: "Nein, wirklich nicht. Ich hatte vor drei Jahren einen schlimmen Unfall und seitdem habe ich einfach zu viel Angst. Erst hatte ich überhaupt keinen Kontakt zu Pferden mehr, doch ich konnte einfach nicht ohne sie. Und dann habe ich gemert, dass alles wunderbar ist, solange ich nur nicht reiten muss!"
      Ich musterte das Mädchen von Kopf bis Fuß und sagte dann entschieden: "Anna es tut mir Leid, aber ihr seid nicht nur zum Arbeiten hier, sondern auch um etwas zu lernen. Um aber alles über ein Zucht- und Trainingsgestüt zu erfahren, muss man sich eben auch aufs Pferd setzen. Ich kann dir höchstens anbieten, dass wir dich auf ein ganz ruhiges Pony setzen, wenn die anderen heute Abend weg sind und du dich dann langsam wieder ans Reiten herantastest. Aber du hast in deiner Bewerbung angegeben, dass du sehr gut reitest und darauf habe ich mich natürlich auch verlassen. Bist du bereit, es heute Abend zu versuchen?"
      Anna sah mich unglücklich an, nickte aber nach einer Weile. Ich lächelte sie an und kehrte dann wieder zu den anderen zurück.
      Nachdem wir alles Sattelzeug geputzt und neu geordnet hatten, machten wir uns daran die Pferde reinzuholen. Wie immer widmete ich mich Hollybrook`s Cheeky Jot und Hollybrook`s Bloody Valentine, die zusammen auf einer der Hengstkoppeln standen. Die Halbgeschwister verstanden sich außerordentlich gut und ich war froh, dass Cheeky in Bloody einen Spielkameraden hatte und Bloody durch Cheeky`s Verhalten selbstsicherer wurde. Ich führte beide zum Putzplatz, nahm ihnen die Weidedecken ab und begann sie flott überzuputzen. Donald tat das gleiche bei Hollybrook`s Casanova und Hollybrook`s Classic Moment, Samuel übernahm Caspar und Orfino, Brian führte BMs Caradoc von der Koppel, Patrick übernahm Daemon, Meg führte Intolerable Life, Eddi`s Dead Pop Romance und Fair Prince von der großen Hengstkoppel und Anna kümmerte sich um Hollywood Undead, Pequeno und Juego.
      Als die zwölf Hengste sauber waren, zog ich meinen zerknitterten Stallplan aus der Tasche und begann vorzulesen: "Cheeky Jot kommt wie gehabt in die erste Box am Eingang auf der linken Seite. Daneben stehen Bloody Valentine, Casanova Orfino, Caradoc, Caspar, Fair Prince, Intolerable Life, Daemon, Hollywood Undead, Juego und Pequeno. Classisc Moment kommt dann neben Juego und Romance wiederum neben den."
      Als alle Pferde versorgt waren, holten wir die nächsten Hengste und wieder las ich vor: "Direkt neben der Tür auf der rechten Seite steht Wüstentänzer. Dann kommen Khamar al Sanaa, Ghostbuster, El Racino, Tschiwabschischi und Candle in the Wind. Die Box neben Candle bleibt frei, dort soll später mal der Berberhengst stehen. Daneben stehen dann Ojos Azules, Pierre, Slaters Secret, San Salvador, Someone, Levistino, Fantastic Fly, Branagorn, Black Soul, Dream of Wyoming und Golden Indian Summer." Somit war neben Summer noch eine Box für den Painthengst frei, den ich mir definitiv noch zulegen wollte. Auf der anderen Seite hingegen gab es noch sechs freie Boxen. Diese waren für Trainingspferde, Fohlen oder auch Rettungspferde gedacht. Immerhin sollten auch Romance und Classic Moment irgendwann wieder ausziehen.
      Nachdem alle Hengste gut versorgt waren, ging es mit den Stuten weiter. Wir begannen mit den Stuten aus dem linken Trakt. Dort standen auf der linken Seite vom Durchgang aus Samiyah, Mahira, Wild Lady Roxanne, Angels Falls First, Reminiscent Inspiration, Unannounced Pleasure, Levistino`s Hope und Barakah al Sanaa. Gegenüber von Barakah sollte irgendwann einmal meine Berberstute einziehen. Daneben kamen dann Ivory, Salwa, Benjilala, Mizzi, Paradises Rafinesse, Shekitt Quinn und Cuchara. Im Haupttrakt im rechten Seitenteil waren American Baby, BBs Harmony, My Golden Heart und The Morticains Daugther untergebracht. Die große Eckbox stand momentan leer. Dann kamen Backup, Kagami el Assuad, Pirate Island, Black Pearl, Ace of Spades, Rose de Soleil, Adina de Ra`idah, Melody`s Girl, Bittersweet, Fallen Immortaliny, Sharley, Haadeh, Little Miss Sunshine und Sahira. Zwischen der Box von Sahira und Magical Moment lag die große Stalltür, die nach hinten zu den Koppel führte. Neben Magic waren Naboo, Everybody`s Darling, Isola della Pirateria, Thousand Sunny, Walk of Fame, Fairylike Facility, Aimiliani, Precious Scream, Golden Flair, Dorina, Cinnemont`s History, Fatimah und Dark Misery untergebracht. Daneben im Seitenteil standen meinen kleinen Damen, nämlich Talina, Mississle, Little Big Girl und Kolibri.
      Als schließlich alle Tiere sauber in ihren gemisteten Boxen standen rief ich meine Pfleger wieder zusammen.
      "Also Samuel du machst Levistino fertig, Donald du darfst Fly reiten. Meg dir habe ich Ghostbuster herausgesucht, Brian nimmt Black Soul. Patrick dich setze ich auf Branagorn, du meintest ja, dass du noch nicht so sicher bist. Anna für dich habe ich Ojos Azules ausgesucht. Ihr sattelt die Pferde bitte alle, aber wir werden zuerst longieren. Anna du legst Jojo einfach nur einen Longiergurt und den Kappzaum an."
      Es verteilten sich sofort alle und Anna nickte mir dankbar zu. Ich lief im Hengststall auf und ab und beobachtete meine Pfleger dabei, wie sie die Pferde putzten.
      "Samuel macht den Anfang, ihr anderen dürft mit gucken kommen.", wies ich die jungen Leute an. Ich war schon sehr gespannt, wie Samuel mit dem etwas eigensinnigen Levistino klar kommen würde, doch ich musste mein Personal auf die schwierigeren Pferde setzen, damit ich sah, was sie konnten.
      Samuel wirkte nun doch ein wenig nervös, als er den hochbeinigen Schimmel aus dem Stall zur Reithalle führte. In der Halle angekommen, verteilten wir anderen uns auf die Ränge, während Samuel Levistino in der Mitte der Bahn aufstellte, die Steigbügel noch einmal sicherte und dann die Longe einhakte. Der große Hengst lief recht manierlich, auch wenn er zweimal versuchte, vom Trab in den Galopp zu wechseln. Schließlich hatte ich genug gesehen und nickte Samuel zu. "Okay, dann schwing dich mal in den Sattel und zeig uns, was du kannst!", sagte ich lächelnd zu ihm.
      Samuel nickte, brachte mir Longe und Peitsche, gurtete nach, stellte die Steigbügel auf seine Länge ein und saß dann auf. Levistino merkte, dass Samuel nervös war und begann sofort auf der Stelle zu tänzeln. Samuel trieb ihn sachte vorwärts und der Hengst schoss im Stechtrab auf die Bande zu. Donald stöhnte auf und Brian verzog verächtlich das Gesicht, während Anna am liebsten davon gelaufen wäre.
      Ich sagte gar nichts, sondern schaute einfach zu. Levistino war kein einfaches Pferd und natürlich lies ich Samuel Zeit, um sich auf den Hengst einzustellen. Der verstand nun langsam, dass er Levistino nervös machte und ich konnte erkennen, wie er versuchte, sich zu entspannen. Er ließ die Zügel lockerer und wurde weicher in der Hand. Auch sein Sitz sah jetzt besser aus und prompt ließ Levistino sich fallen und arbeitete mit. Ich nickte Samuel anerkennend zu und sagte: "Sehr schön, Samuel. Morgen kannst du mit ihm Springen, dann werden wir deinen Trainingsplan ausarbeiten! Bring Levistino bitte zurück in seine Box. Donald du bist als nächtes an der Reihe!"
      Die beiden Männer eilten zurück zum Stall und kamen ein paar Minuten später mit dem gesattelten Fantastic Fly zurück.
      Der junge Fuchs war heute gut aufgelegt und Donald hatte schon seine liebe Not, überhaupt in den Sattel des Hengstes zu kommen. Dann fügte sich Fly jedoch schnell und ich war wieder einmal sehr froh darum, dass Samuel seinen Freund damals einfach zu seinem Vorstellungsgespräch mitgebracht hatte. Nachdem Donald Fantastic Fly auf beiden Händen galoppiert war, nickte ich ihm lächelnd zu. Dann schickte ich Meg in den Stall, um Ghostbuster zu holen.
      Die junge Frau hatte sich im Nu in den Sattel des grauen Hengstes geschwungen und holte nun alles aus ihm heraus. Ich war hin und weg. Ghostbuster war zwar bisher das einfachste Pferd gewesen, doch um ihn so zu präsentieren, brauchte es einiges an Können.
      Als nächstes war Brian mit Black Soul an der Reihe. Der schweigsame Pfleger führte das Pferd mit festen Schritt in die Halle und saß auf dem Rücken des Rappen, bevor dieser überhaupt Blödsinn machen konnte. Black Soul hasste fremde Reiter und gebährdete sich normalerweise wie ein Wahnsinniger, doch ich hatte ihn für Brian ausgesucht, weil der junge Mann einen fantastischen Lebenslauf hatte, was die Reiterei betraf. Und tatsächlich versuchte Black Soul nicht einmal Blödsinn zu machen, sondern zeigte sich wie das geborene Dressurpferd. Als Brian Soul unter meinem lächelnden Blick aus der Halle führte, begannen Donald und Samuel zu tuscheln. "Das war ja gemein! Unsere Pferde waren viel schwieriger. Auf Black Soul hätten wir auch eine solche Figur abgegeben."
      Ich baute mich hinter den beiden auf und räusperte mich: "Ihr irrt euch. Black Soul war das schwierigste Pferd. Dass er Brian nicht abgeworfen hat, grenzt schon fast an ein Wunder und beweist, dass er nicht gelogen hat, was seine reiterliche Laufbahn betrifft."
      Die beiden Jungs zogen die Köpfe ein und liefen knallrot an.
      "Anna? Holst du bitte Ojos Azules? Es wird so langsam immerhin auch Zeit, mit der Abendfütterung zu beginnen. Donald, Samuel geht ihr schon mal vor und fangt mit Brian zusammen an, bitte.", sagte ich zu meinen Helfern.
      Als Anna weg war, nahm ich Meg zur Seite und sagte: "Meinst du, du schaffst es, Jojo`s Sattelzeug hierher zu schmuggeln? Ich will Anna wieder aufs Pferd setzen, aber wenn die Jungs das rausfinden, wollen sie zuschauen."
      "Aber ich dachte Anna reitet nicht, weil sie es nicht kann?", fragte Meg verwundert.
      Ich zog überrascht die Augenbrauen hoch, da ich eigentlich erwartet hatte, dass Anna sich wenigstens den anderen Stallburschen anvertraut hatte. "Nein. Sie kann reiten, hatte aber einen schweren Unfall und hat deshalb fürchterliche Angst. Deshalb möchte ich es sehr ruhig angehen lassen und ich finde, dass Jojo dafür das perfekte Pferd ist."
      Meg nickte und rannte zum Stall, um mir das Sattelzeug zu bringen. Da die Jungs im Hengsttrakt mit der Fütterung beginnen würden, müsste sie es ungesehen aus der Sattelkammer holen können. Kurz darauf kehrte sie bereits wieder zurück, legte mir Jojo`s Trense, Sattel und Satteldecke vor die Füße und machte sich dann daran, ihren Freunden bei der Abendfütterung zu helfen.
      Als Anna mit Jojo zurückkam, ließ ich sie den Rappen erst einmal in aller Ruhe longieren, dann schnappte ich mir das Sattelzeug und lief auf das Mädchen zu. Anna wurde bei den Utensilien auf meinem Arm ganz blass.
      "Ich soll Jojo reiten? Der ist aber doch so groß!", stammelte sie.
      "Er ist vielleicht groß, aber sanft wie ein Lamm, das hast du doch gerade gesehen. Wir satteln ihn jetzt zusammen und dann nehme ich dich für den Anfang an die Longe, wenn du dich damit sicherer fühlst."
      Anna sagte kein Wort mehr, half mir aber den Hengst aufzusatteln. Als ich ihr in den Sattel half, war sie leichenblass und zitterte so sehr, dass sie kaum die Zügel aufnehmen konnte. Ich stellte mich in die Mitte der Bahn und ließ Jojo im Schritt antreten. Anna zuckte zusammen und verkrallte die Finger in den Zügeln. Mein sensibler Andalusierhengst riss den Kopf nach oben, blieb stehen und sah mich verunsichert an.
      "Anna. Ganz ruhig, Jojo ist eines meiner brävsten Pferde. Er würde niemals etwas tun, was dir schadet!", versuchte ich das Mädchen zu beruhigen.
      Nach einem zweiten Blick seufzte ich, entwirrte die Zügel aus Anna`s verkrampften Händen und löste diese von Jojo`s Trense.
      Anna sah mich schockiert an und wollte schon absteigen, da sagte ich : "Halte dich an seiner Mähne fest. Oder am Sattel. Aber Jojo ist sehr empfindsam, deshalb darfst du ihm auf keinen Fall im Maul reißen. Wir lassen ihn heute auch nur Schritt gehen, versprochen!"
      Ich ging wieder zurück in die Mitte der Halle und ließ Jojo erneut losgehen. Der Rappe schritt fleißig aus und bewegte sich in völliger Gelassenheit. Nun, da nichts mehr an seinem Maul zerrte, war die Welt für ihn wieder in Ordnung.
      Ich ließ den Hengst etliche Runden im Schritt drehen und sah zufrieden, dass Anna sich ganz allmählich entspannte.
      "So, das reicht für heute. Sonst fragen sich die anderen noch, wo wir solange bleiben.", sagte ich schließlich, ließ Jojo halten und half Anna aus dem Sattel. Der hübsche Rappe schüttelte seinen weißen Kopf und schnaubte mir in die Haare. Ich lächelte.
      "Morgen bewege ich dich wieder Jojo, dann arbeiten wir eine neue Kür aus.", sagte ich liebevoll zu dem Hengst, während wir sein Sattelzeug wieder gegen Longiergurt und Kappzaum tauschten.
      Im Stall angekommen, half ich Anna den Rapphengst zu versorgen und stellte ihn dann zurück in seine Box.
      Anschließend halfen Anna und ich den anderen bei der Abendfütterung, bevor Patrick und Anna sich verabschiedeten. Meg nahm mich später noch einmal auf die Seite und fragte nach, wie es mit Anna und Jojo gelaufen war.
      "Das Longieren war gar kein Problem, aber beim Reiten musste ich die Zügel ausschnallen, weil sie Jojo so im Maul gerissen hat. Ich hab ihn nur im Schritt gehen lassen und hab aufgehört, als Anna sich endlich ein bisschen entspannt hat. Das wird noch eine ganze Weile dauern, bis sie aktiv beim Arbeiten der Pferde helfen kann.", sagte ich ein wenig resigniert.
      Meg sagte schnell: "Also ich mache gern Überstunden und reite mehr Pferde, um Anna auszugleichen. Samuel, Donald und Patrick würden das bestimmt auch machen. Nur bitte, du darfst sie nicht rauswerfen. Anna liebt diesen Job."
      "Meg, ich habe nicht vor, sie rauszuwerfen. Aber dafür muss sie an sich arbeiten und das habe ich ihr heute auch gesagt. Sie kann ja zusammen mit Patrick die braven Pferde bewegen, aber das muss einfach gehen."
      Wir unterhielten uns noch eine Weile, bis Meg sich schließlich verabschiedete und ich mich todmüde ins Bett fallen ließ. Heute war ein sehr anstrengender Tag gewesen und der morgige würde sicherlich nicht leichter werden, zumal ich noch ein neues Pferd erwartete....
      10 Feb. 2015

      Sammy
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      Der ganze normale Wahnsinn & zwei Neue auf dem Hof!
      Sammelbericht für alle Pferd


      "Hey Eddi, was gibts?", fragte ich ein wenig atemlos. Ich war immer noch in den USA, wo Kagami el Assuad, Backup und Success Story xx an Rennen teilnahmen. Vor einiger Zeit hatte ich Eddi auf ihrer Ranch besucht und ihr beim Training ihrer Stute Classic Gold geholfen.
      "Du bist doch noch in Kentucky, oder? Ich habe mich entschieden einige meiner Pferde abzugeben und wollte dich fragen, ob du Interesse an Napayné und Ehawee hättest?"
      Da musste ich nicht zweimal überlegen. Napayné hatte einmal meiner ehemaligen Zuchtpartnerin rawwrrr gehört und Ehawee war eine wunderschöne fuchsfarbene Traberstute. Da ich sowieso Traber in meine Zucht aufnehmen wollte und ich mit Kolibri und Hollywood Undead ja auch zwei wunderbare Welsh Bs hatte, sagte ich Eddi sofort zu.
      "Ich fliege nächste Woche wieder nach Hause. Am besten rufe ich gleich mal bei der Fluggesellschaft an und frage nach, ob sie die beiden mitnehmen können."

      ~*~

      Eine Woche später knetete ich nervös meine Hände, während ich darauf wartete, dass der Flieger endlich auf der Rollbahn aufsetzte. Der Flug war lang gewesen und ich konnte es kaum erwarten, nach meinen fünf Stuten zu sehen. Gott sei Dank war noch Platz gewesen und wir hatten Ehawee und Napayné gleich mitnehmen können.
      Als wir ausgestiegen waren, trat ich so ungeduldig von einem Bein aufs andere, dass Samuel schon genervt die Augen verdrehte.
      "Erde an Sammy, beruhig dich mal. Denen geht`s gut. Die haben den Hinflug immerhin alle fünf schon einmal hinter sich gebracht. Nach Amerika kann man nun mal nicht mit dem Hänger fahren! A propos Hänger , da kommt Donald!"
      Ich drehte mich um und winkte meinen Mitarbeiter zu uns. Donald war extra mit dem Hänger hergekommen, um uns abzuholen. Ich hatte natürlich schon Bescheid gegeben, dass die Box neben Kolibri und die große Eckbox eingestreut werden sollten, doch noch wusste die Daheimgebliebenen nicht, um was für Pferde es sich handelte.
      Endlich winkte uns der Flugsicherheitsbegleiter heran und wir durften die Pferde aus ihren Container-Boxen holen. Donald nahm Backup, Samuel Kagami und ich kümmerte mich um Succcess Story xx, da die braune Stute immer noch recht scheu war.
      Nachdem die drei verladen waren, begann Donald damit, die Sattelkisten im Transporter zu verstauen und Samuel und ich kümmerten uns um Napayné und Ehawee.
      Die beiden Stuten reckten die Hälse und blähten die Nüstern.
      Donald betrachtete den Schimmel und den Fuchs eingehend, dann strahlte er.
      "Wahnsinn, ich liebe die ganzen neuen Pferde, die du uns in letzter Zeit anschleppst! Ich weiß zwar nicht, wie du das machst, aber irgendwie schaffst du es immer, an absolute Diamanten zu kommen!", rief er aus, bevor er Napayné und Ehawee vorsichtig begrüßte.
      "Napayné ist ein bisschen zickig, aber Ehawee ist ganz lieb. Sie soll die Traberlinie bei uns begründen - fehlt nur noch der passende Hengst.", lachte ich.
      Wir verluden auch die beiden und machten uns dann auf die letzte Etappe unserer Reise. Ich freute mich schon unglaublich darauf, endlich meine ganzen Pferde wieder zu sehen.
      "Hat sich Amayyas eigentlich benommen?", fragte ich Donald nach meiner ehemals neuesten Errungenschaft, einem Berberhengst.
      "Es geht. Er testet uns an allen Ecken und Enden, aber wir haben es geschafft ihn von der Box auf die Weide zu bringen und umgekehrt. Außerdem hab ich mal ein bisschen Bodenarbeit mit ihm gemacht, aber da war ich wohl eher der Rangniedrigere. Er hat mich nämlich einfach stehen gelassen und ist über den Zaun gesprungen. Eigentlich wollte Brian sich ja um ihn kümmern, aber der lag mit einer ziemlich fiesen Grippe im Bett.", sagte Donald ein wenig betreten.
      Ich machte große Augen: "Über den Zaun gesprungen? Und dann?"
      "Ganz einfach. Erst ist er zu den Stutenkoppeln gelaufen, hat dann die Fohlen besucht und hat sich anschließend in seine Box gestellt, als wenn nichts gewesen wäre.", berichtete Donald weiter.
      Während Samuel sich vor Lachen ausschüttete, runzelte ich nachdenklich die Stirn. Amayyas war ein ausgesprochen vielversprechender Hengst, aber ich musste ihn endlich so erziehen, dass auch die anderen mit ihm arbeiten konnten.
      "Na gut, schauen wir erstmal, dass wir gut daheim ankommen, um unseren Geparden kümmere ich mich morgen!", entschied ich grinsend.

      ~*~

      Gähnend stieg ich aus und streckte mich genüsslich. Endlich wieder daheim! Sofort kam Meg angelaufen. Brian lag immer noch im Bett und Anna und Patrick waren bereits nach Hause gefahren, da sie ja nicht auf dem Gestüt lebten.
      "Ich möchte Backup nehmen! Darf ich?", fragte sie sofort. Seit Ravenback`s tragischem Tod kümmerte Meg sich lebevoll Backup und die Stute entwickelte sich unter ihrer Führsorge prächtig. Donald führte diesmal Kagami und ich nahm wieder Succes Story.
      "Samuel bleibt du kurz bei den anderen? Ich möchte keine von ihnen alleine lassen.", bat ich den jungen Mann, während wir die drei Stuten in den Stall brachten. Wie immer wurden wir von lautem Gewieher begrüßt und es juckte mich in den Fingern, jedes meiner geliebten Pferde in die Arme zu schließen.
      Stattdessen liefen wir sofort zurück zum Transporter.
      "Jungs kümmert ihr euch um die Sattelkisten und das Gepäck? Dann stelle ich Meg unsere beiden Neuzugänge vor.", sagte ich, während ich bereits in den Hänger ging und Napayné herausführte. Meg quietschte erfreut, als sie das Schimmel-Pony sah. "Die bekommt bestimmt süße Fohlen mit Holly!!", meinte sie strahelnd.
      "Oh ja, das denke ich auch. Und unsere zweite Hübsche hier wird irgendwann sicherlich auch einmal eine Bereicherung für unsere Zucht!", sagte ich, während ich Ehawee aus dem Hänger führte.
      "Oh wow! Was ist das für ne Rasse? Sieht ein bisschen nach Traber aus....", riet Meg.
      Ich nickte lächelnd und sofort meinte sie: "Trainierst du sie für Trabrennen? Ich weiß, ich will Jockey werden, aber Trabrennen sind ja schließlich auch Rennen...."
      "Halt, stopp! Ich weiß noch nicht genau wie ich sie fördern werde. Eddi hat sie für Dressur und Springen vorgemerkt, sollte sie Talent fürs Rennen und den Sulky haben, nehmen wir diese Disziplinen natürlich dazu. Aber jetzt darf unsere Süße sich erstmal eingewöhnen! Napayné steht natürlich in der Box neben Kolibri und Ehawee hier bekommt die Eckbox neben Napayné. Dort soll sie zwar nicht immer stehen bleiben, immerhin ist das der Ponytrakt, aber dann fühlen sich unsere beiden anfangs vielleicht nicht so einsam."
      Meg nickte zustimmend und gemeinsam führten wir die Stuten in den einladenden Stall. Als ich meinen Rundgang durch den Stall erledigt hatte, lud ich Donald, Samuel und Meg noch zu einem Feierabend -Bier in meinen Garten ein, wo wir einen anstrengenden Tag in der lauen Sommernacht ausklingen ließen.

      ~*~

      Am nächsten Morgen war ich bereits vor allen anderen auf den Beinen, da ich meine Pferde ganz in Ruhe noch einmal begrüßen wollte. Deshalb würde ich sie alle alleine auf die Koppeln bringen.
      Wie immer begann ich im Hengsttrakt, da meine Herren mir sonst einen rießen Radau veranstalten würden. Ich gab meinen Liebling Hollybrook`s Cheeky Jot einen dicken Kuss auf die Nase, zog ihm sein Halfter über und führte ihn aus der Box. Dann halfterte ich einhändig seinen Halbbruder Hollybrook`s Bloody Valentine auf und führte die beiden Ponyhengste nach draußen. Der schüchterne Bloody war der einzige Hengst, mit dem Cheeky sich verstand, deshalb kamen die beiden zusammen auf einen der zehn Hengstpaddocks. Auch Cheeky`s Sohn, Hollybrook`s Casanova, durfte auf einen Hengstpaddock, da er was das Verhalten anderen Hengsten gegebüber anging, genauso war wie sein Vater.
      "Nova, du bist wirklich schrecklich. Schau dir lieber Chex gute Seiten ab und nicht sein alberenes Getue!", ermahnte ich den jungen Silver Dapple, als ich ihn an dem giftenden Cheeky Jot vorbeiführte und der Junghengst sofort das Gehabe seines Vaters nachahmte.
      Der letzte New Foresthengst, der einen Paddock sein Eigen nennen durfte, war Cheeky`s Vater und damit Nova`s Großvater, BMs Caradoc. Der schöne Braunschecke tänzelte eifrig neben mir her und legte auf der Koppel erst einmal ein paar ausgelassene Bocksprünge hin.
      Früher hatte ich auch meinen Gründerhengst Caspar einzeln stellen müssen, doch der in die Jahre gekommene Hengst war ruhiger und umgänglicher geworden und ließ mittlerweile auch andere Hengste an sich heran, weshalb ich ihn zusammen mit dem Palominohengst Orfino auf die große Hengstkoppel brachte.
      Der nächste war mein Araberhengst Wüstentänzer. Der energiegeladene Fuchs schlug bereits mit dem Vorderbein gegen die Boxentür, weshalb ich meinen zweiten Araberhengst, Khamar al Sanaa erst einmal stehen ließ.
      "Keine Sorge mein Schöner, ich bring nur schnell deinen lärmenden Kollegen auf seine Koppel und dann bist du an der Reihe!", tröstete ich den wunderschönen Schimmel.
      Ich streifte Wüstentänzer das Halfter über und er bezog Paddock Nummer vier. Danach löste ich mein Versprechen ein und brachte Khamar al Sanaa auf die Koppel. Der Hengst hatte ein wenig Zeit gebraucht, doch mittlerweile mauserte er sich zu einem Top-Hengst. Erst kürzlich hatte er eine hart umkämpfte Hengst des Monatswahl für sich entscheiden können und ich war unglaublich stolz auf meinen Schönen.
      Weiter ging es mit meinen Warmbluthengsten. Wie immer begann ich mit dem Apfelschimmel Levistino, da er schon am längsten in meinem Besitz war. Der große Hengst vergrub sein Maul in meiner Hand und ich strich ihm liebevoll den weißen Schopf aus der Stirn, bevor ich ihn auf die nächste Hengstkoppel stellte. Auch Levistino verstand sich überhaupt nicht mit anderen Hengsten. Genauso lief es mit dem jungen Holsteiner Fantastic Fly. Er wölbte stolz den Hals, als ich ihn an den anderen Hengsten vorbei zu seiner Koppel führte und preschte dann erst einmal in gestrecktem Galopp über das grüne Gras. Ich schüttelte den Kopf und holte den nächsten im Bunde: Den Hannoveranerrappen Black Soul. Er war bei den Warmblütern immer noch ein wenig mein Sorgenkind, da er außer Brian und mir niemanden so wirklich an sich heran ließ. A propos - nach Brian musste ich heute unbedingt auch noch sehen, immerhin lag der arme Kerl krank im Bett.
      Meinen zweiten Hannoveranerhengst Branagorn führte ich zusammen mit dem Andalusier Ojos Azules auf die große Hengstkoppel, auf der ja schon Orfino und Caspar standen. Die beiden braven Hengst folgten mir wie Lämmchen und ich gab beiden einen Kuss auf die weichen Nüstern. Als nächstes waren dann Golden Indian Summer und Dream of Wyoming an der Reihe. Der Quarterhengst folgte mir brav am langen Strick, während Wyoming immer noch ein wenig zurückhaltend war. Aber gut, er hatte viel durchgemacht, da verzieh ich ihm das natürlich. Ich war unglaublich froh, dass er in Summer einen Freund zu haben schien, denn der Buckskin ließ keinen der anderen Hengste an den Appaloosa heran.
      Das nächste Paar, das auf die große Koppel durfte waren mein Achal Tekkiner Candle in the Wind und mein frisch gekörter American Saddlebred -Hengst GH`s Safriko. Beide gehörten mir noch nicht so lange, hatten sich jedoch hervorragend eingelebt und sich toll entwickelt.
      Als ich wiederkam, schaute mich mein zweiter Saddlebredhengst Someone bereits vorwurfsvoll an. Der elegante Cremello mochte es nicht, missachtet zu werden, schon gar nicht, wenn man ihm seine Boxnachbarn entführte.
      Ich lachte und strich Someone den langen Schopf aus der Stirn, bevor ich ihn auf den achten Hengstpaddock brachte.
      Mein Barockpintohengst Slaters Secret und mein Lusitanohengst Pierre dagegen durften zusammen mit dem Junghengst San Salvador ebenfalls auf die Gemeinschaftskoppel, da sie sich gut mit den anderen verstanden.
      Als nächstes waren dann meine edlen Englischen Vollblüter an der Reihe. El Racino, den pechschwarzen Sohn meiner Stute Black Pearl brachte ich auf Hengstpaddock Nummer neun, während die beiden älteren Hengste Ghostbuster und Tschiwabschischi auf die große Koppel durften. So langsam wurde der Hengststall merklich leerer. Es standen nun nur noch meine Ponyhengste, sowie die beiden ungekörten Amayyas und Classic Moment im Stall.
      Ich begann mit dem Welsh A Juego und dem Welsh B Hollywood Undead. Beide kamen auf die große Koppel, auf der sie sich sofort gemächlich zu den anderen gesellten.
      Auch die Isländer Fair Prince und Intolerable Life machten mir keine Probleme.
      Den Deutschen Reitponyrappen Daemon nahm ich wie üblich alleine, da der Hengst zwar mit anderen Hengsten klarkam, sie aber nicht in seiner unmittelbaren Nähe haben wollte. So stand er auch auf der Koppel immer ein wenig abseits und drohte den anderen, wenn sie ihm zu Nahe kamen.
      Da ich die beiden verbliebenen Ponies auch zusammen mitnehmen würde, beschloss ich zuerst meinen Neuzugang Amayyas, einen wunderschönen Red Roan Berber auf den letzten Hengstpaddock zu bringen. Er war der Grund, warum Daemon jetzt auf der großen Koppel stand. Im Gegensatz zu dem Rappen konnte der wilde Amayyas andere Hengste nämlich nicht ausstehen und ging wenn möglich auf sie los. Um solche Angriffe zu vermeiden, bezog er den letzten Hengstpadock, der durch einen noch höheren Zaun und eine Hecke von den anderen abgetrennt war. Hier war früher Cheeky Jot`s Reich gewesen, doch seit der Hengst mit Bloody Valentine zusammen stand, war er merklich ausgeglichener geworden.
      "So ihr zwei Schönen, ihr seid die letzten!", verkündete ich meinem New Forest Ponyhengst Hollybrook`s Classic Moment und meinem Reitponyhengst Eddi`s Dead Pop Romance. Letzteren hatte ich eigentlich nur kören und dann verkaufen wollen, doch der Hengst hatte solch ein ernormes Potential, dass ich es einfach nicht über mich brachte, ihn herzugeben.
      Classic dagegen würde nach seiner Körung defintiv ausziehen müssen, da ich nicht noch einen Hengst aus der Linie halten konnte. Auch diese beiden durften auf die große Hengstkoppel und nachdem ich ihnen ein paar Minuten beim Toben zugesehen hatte, widmete ich mich meinen Stuten...
      Hier waren wie immer zuerst meine Jüngsten an der Reihe. Mein Champagne farbenes Achal Tekkiner Stütchen Ivory führte ich zusammen mit dem Berbermädchen Cirilla aus dem Stall. Die beiden hatten sich einfach gesucht und gefunden. Anschließend waren die Welsh A Stute Mississle und mein American Saddlebred Shekitt Quinn an der Reihe. Letztere war immer noch sehr schüchtern und hatte auch noch keine wirkliche Freundin in den anderen Pferden gefunden, was ich sehr schade fand. Meine Hannoveranerstuten Unannounced Pleasure und Reminiscent Inspiration führte ich wie immer zusammen auf die mittlere Stutenweide, auf der meine Warmblüter und Westernpferde untergebracht waren. Die zwei waren immer noch unzertrennlich, auch wenn Reminiscent Inspiration mittlerweile schon fleißig im Turniersport unterwegs war, während ich bei Pleasure noch mit Einreiten beschäftigt war.
      Die Trakehnerstute und Tochter von meinem Levistino, Levistino`s Hope führte ich gemeinsam mit der braven Pintostute Glammy ebenfalls auf die mittlere Koppel. Als nächstes waren Backup und Success Story xx dran. Backup war zwar nervös und aufgedreht, ließ sich aber ganz gut händeln, sodass ich meine Konzentration auf die schwierigere Success Story richten konnte. Die beiden Damen bezogen die Koppel links der Warmblutkoppel.
      Nun waren von den ungekörten Stuten nur noch Kagami el Assuad und Ehawee im Stall. Da Ehawee und Napayné die Köfpe zusammen steckten, machte die aufgedrehte Kagami bereits Radau, weshalb ich die schöne Palominostute zuerst aus ihrer Box herausführte. Das aufmümpfige Jungpferd hatte mir bereits ganz schön viel Ärger bereitet, doch ich liebte die Stute trotzdem abgöttisch.
      Meine beiden Neuzugänge Ehawee und Napayné bezogen die dritte Stutenkoppel, allerdings nur einen kleinen abgetrennten Teil davon, damit sie sich an die anderen gewöhnen könnten. Anfangs würde ich die Welsh B Stute und die Traberstute noch zusammen stehen lassen, damit sie sich in Ruhe eingewöhnen konnten.
      Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn. Es war ganz schön anstrengend, alle Pferde alleine raus zu bringen, doch ich wollte ja alle gebührend begrüßen.
      Weiter ging es mit meinen Araberstuten. Hier führte ich wie immer Sahira, Fallen Immortaliny und Sharley alleine auf die Koppel der Vollblüter. Sahira und Kagami hatten sich anfangs gehasst, doch mittlerweile hatte meine Araberfalbstute ihre Position als Leitstute wieder klar gemacht und Kagami hielt sich ihr gegenüber zurück.
      Die anderen Araber nahm ich in Dreier-Gruppen, um noch fertig zu werden, bevor meine Mitarbeiter aufkreuzten. Vor allem Meg kam öfter schon früher in den Stall. Ich schnappte mir Melody`s Girl, Adina de Ra`idah und Rose de Soleil und brachte die drei zur Koppel, um gleich darauf auch Hadeeh, Little Miss Sunshine und Bittersweet hinaus zu führen. Soweit so gut.
      Auch die drei verbliebenen englischen Vollblutdamen Ace of Spades, Pirate Island und Black Pearl beförderte ich im Dreierpack zu den anderen Vollblütern und sah ihnen dann lächelnd dabei zu, wie sie sich über die weitläufige Weide hinweg ein Wettrennen lieferten, solange, bis mich das ungeduldige Wiehern meiner Prinzessin Samiyah aus der Starre riss.
      Die Trakehnerstute forderte die nächsten zehn Minuten meine volle Aufmerskamkeit, da sie immer wieder den Kopf hochriss, nur um gleich darauf ihr rosanes Maul in meine Hände zu drücken. Ich kraulte sie an ihrer Lieblingsstelle am Hals und führte sie dann zusammen mit der zweiten Trakehnerstute, Mahira, auf die Koppel. Gleich darauf waren auch die Hannoveranerstute Angels Fall First und die Holsteinerstute Wild Lady Roxanne an der Reihe. Sie kamen alle auf die mittlere Koppel. Um eben jene voll zu machen, machte ich gleich mit den Warmblütern weiter. Da meine Westernpferde alle exzellent ausgebildet waren und aufs Wort hörten, nahm ich die Paint Horse Stuten My Golden Heart und The Morticains Daugther sowie die Quarter Horse Stuten BBs Harmony und American Baby einfach alle zusammen mit zur Koppel, liebkoste jede Einzelne von ihnen und entließ sie dann zu den anderen.
      Meine Andalusierstute Cuchara führte ich zusammen mit dem Lusitano Salwa und der Barockpintostute Benjilala hinaus und zum Schluss folgten noch meine American Saddlebreds Mizzi und Paradises Rafinesse. Seufzend verschloss ich das Gatter und machte mich auf, um auch meine geliebten Ponies hinaus zu lassen, damit Napayné und Ehawee endlich ihre Stallgenossen richtig kennen lernen konnten.
      Ich begann mit den Welsh Ponies Little Big Girl und Kolibri, dann kamen die Isländer Dark Misery und Fatimah und zum Schluss folgten die Reitponies Dorina und Cinnemont`s History.
      Alle sechs schenkten den beiden Neuen nur einen kurzen Blick und begannen dann zu grasen.
      Das würde bei meinen New Forest Ponies wohl anders laufen. Zumindest Naboo und Walk of Fame würden ihre Position schnell deutlich machen.
      Genau deshalb ließ ich die beiden auch erst einmal stehen und begann stattdessen mit der Palominostute Magical Moment und ihrer Freundin Thousand Sunny. Dann waren die Red Roan Stute Aimiliani und die Braune Fairylike Facility an der Reihe, bevor ich Golden Flair und Precious Scream holte. Die Buckskin Stute verstand sich gut mit der älteren Falbscheckin und Gründerstute meiner Zucht, weshalb ich die beiden problemlos zusammen führen konnte. Auch über das nächste Paar freute ich mich nach wie vor ungemein: Meine scheue Rappstute Isola della Pirateria hatte in dem Waisenfohlen Everybody`s Darling so etwas wie eine Tochter gefunden und obwohl Darling mitlerweile ausgewachsen, gekört und fast fertig ausgebildet waren, bemutterte Isola sie noch immer. Nun waren nur noch Walk of Fame und Naboo übrig. Ich beschloss mich mit Cheeky`s Mutter zu beginnen und führte die Apfelschimmelstute aus ihrer Box. Als wir an Naboo vorbeikamen und diese registrierte, dass sie nun alleine war, stieg sie in ihrer Box und begann laut zu wiehern. Ich verdrehte die Augen, band Walk of Fame neben Naboo`s Box an und holte auch die Rappscheckin aus der Box.
      "Na gut ihr beiden, ich nehme euch zusammen mit, aber wehe ihr macht mir Ärger!", warnte ich die zwei vorsichtshalber. Normalerweise nahm ich meine temperamentvollen Stuten nur einzeln mit nach draußen, aber ich wollte auch nicht, dass Naboo mir den Stall zerlegte oder sich gar verletzte.
      Erstaunlicherweise waren die beiden recht brav, doch sobald sie frei waren, galoppierten sie zum Zaun, der sie von Ehawee und Napayné trennte und gifteten die neuen Stuten gemeinsam an.
      "Na sieh mal einer an, normalerweise könenn sich die beiden nicht leiden, aber bei dem Thema halten sie zusammen...", dachte ich kopfschüttelnd, während ich zurück zum Stall ging, wo mich meine Mitarbeiter ein wenig entgeistert ansahen.
      "Warum hast du die denn alle alleine rausgebracht? Das war doch ne wahnsinnige Arbeit!", meinte Samuel fassungslos.
      "Ja, aber ich war ja jetzt auch ewig weg, da musste das sein. Dafür dürft ihr jetzt Boxen ausmisten, während ich uns Kaffee koche und dann mal nach Brian sehe....", gab ich grinsend zurück.
      Die anderen lachten und machten sich an die Arbeit. Mit diesem tollen Team würde ich sicherlich noch viele schöne Stunden erleben...
      31 Juli 2015

      Sammy
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      Ein neues Jahr beginnt!

      „Guten Morgen meine Lieben!“, begrüßte ich Meg, Brian, Donald und Samuel fröhlich. Die vier hatten Weihnachten mit mir zusammen verbracht und heute wollten wir auch gemeinsam Silvester feiern. Anna und Patrick waren dagegen zu Hause bei ihren Familien geblieben. Während meine Angestellten die morgendliche Stallarbeit erledigt und die Pferde auf die Paddocks gelassen hatten, hatte ich ein bombastisches Frühstück zubereitet. Von einem rießigen Berg Pancakes tropfte der Sirup, eine gigantische Pfanne mit Rührei stand auf dem Tisch und soeben trug ich gefühlt Kiloweise gebratenen Speck zum Tisch. Samuel und Donald sahen den Teller mit leuchtenden Augen an und ich war schon fast ein wenig verwundert, dass sie nicht mit Sabbern anfingen. Meg verdrehte nur die Augen und setzte sich an ihren Platz, während ich den Speckteller wohlweislich vor ihr abstellte und nocheinmal in der Küche verschwand, um meinen Obstsalat zu holen. Dazu gab es frische Brötchen, frisch gepressten Orangensaft und Latte Macchiato. Für das Abendessen hatte ich Gott sei Danke Hilfe von Meg, denn das Frühstück alleine zuzubereiten war schon ein Haufen Arbeit gewesen und ich wollte heut schließlich wenigstens ein bisschen Zeit mit meinen vierbeinigen Lieblingen verbringen. Meine beiden Katzen strichen schnurrend um die Beine meiner Gäste und sogar Brian ließ sich zu einem Lächelnd herab, während er sich den ersten Bissen Rührei auf der Zunge zergehen ließ. Wir hatten ein wundervolles Frühstück, unterhielten und lachend und brachen schließlich gemeinsam zum Stall auf, um die Pferde für einen kleinen Silvester-Ausritt zu satteln. Allerdings würden wir dafür nur die bravsten meiner Pferde nehmen, da viele Leute ja bereits viel zu früh mit der Knallerei begannen. Als Donald und Samuel ein wenig murrten, sie hätten das sonst auch immer getan grinste ich sie nur an und meinte: „Männer, die an Silvester zu früh schießen, kommen auch sonst immer zu früh!“. Meg und Brian brachen in schallendes Gelächter aus, während die anderen beiden bis über die Ohren rot wurden und sich schnell in den Hengststall verdrückten.
      Donald hatte ich American Baby zugeteilt, Samuel Branagorn, Meg Dorina und Brian Melody`s Girl. Ich selbst würde mich in den Sattel meiner Lebensversicherung Ojos Azules schwingen, sodass wir eine nette kleine Truppe zusammen hatten. Jeder von uns holte sein Pferd vom Paddock und ich unterhielt mich ein wenig mit Samuel, während wir die beiden Hengste fertig machten. Der Schnee lag recht hoch und wir befestigten Nierendecken für die Pferde an den Sätteln. Außerdem packten wir auch uns selbst dick ein. Ich kontrollierte ein letztes Mal den Sitz von Jojo`s Gamaschen, dann führte ich den imposanten Rappen nach draußen auf den Hof, wo ich mich nach dem Nachgurten behände in den Sattel schwang. Die anderen taten es mir nach und schon kurz darauf ritten wir an den unzähligen Paddocks meines Stalls vorbei. Manche der Stuten kamen neugierig ans Gatter, andere blieben in ihren Boxen und sahen aus als wären sie glücklich darüber, im trockenen Stall bleiben zu dürfen. Unsere vier Pferde dagegen schritten flott aus und vor allem Dorina lief mit ihren kurzen Beinchen fast doppelt so schnell wie die Großen. Als wir an einer schier unendlichen schneebedeckten Wiese ankamen, ließ ich die anderen zu mir aufschließen und forderte sie zu einem kleinen Galopp auf. „Aber langsam und ordentlich! Ich will hier auf dem Schnee kein hitziges Wettrennen, auf den Tierarzt kann ich dieses Jahr wirklich gut verzichten!“, mahnte ich die vier, bevor ich Jojo eine leichte Galopphilfe gab. Sofort sprang der schicke Hengst in den Galopp und wir flogen über die dicke Schneedecke. Neben mir konnte ich den strahlenden Samuel auf Branagorn sehen, die anderen liefen ein wenig hinter uns. Am Ende der Wiese parierten wir die Pferde zum Schritt durch und ritten dann in einem großen Bogen zum Gestüt zurück. Es war erst zwei Uhr Nachmittags und somit hatte ich noch ein wenig Zeit für meine Lieblinge. Ich übergab Jojo an Samuel und holte sofort meine geliebte Hannoveranerstute Unannounced Pleasure aus ihrer Box. Die große Falbscheckin wurde gerade auf ihre bald anstehende Krönung vorbereitet und machte sich einfach hervorragend. Trotzdem konnte ein letztes Training in diesem Jahr nicht schaden. Ich führte die schöne Stute zur Reithalle, gurtete nach und schwang mich in den Sattel. Pleasure lief eifrig vorwärts und arbeitete wie gewöhnlich hervorragend mit. Als ich mit der schönen Stute zum Stall zurückkehrte, nahm Meg sie mir sofort ab und Samuel brachte Pride and Prejudice hinaus. Der rießige Rappschecke sollte später einmal Glammy`s Partner für meine Sportpintolinie werden, doch bis dahin war es noch ein weiter Weg, da ich den Hengst erst vor kurzem bei mir aufgenommen hatte und er noch nicht viel beherrschte. Auch mit Pride trainierte ich Dressur, nur um mir gleich darauf meine drei jüngsten zu holen: Ivory, Cirilla und Mississle. Mississle und Ivory waren zwar bereits ausgewachsen und auch schon eine ganze Weile im Training, doch sie waren neben Missy eben die Jüngsten und hatten außerdem viel Zeit zusammen auf der Koppel verbracht. Da ich die aufgedrehten Stuten nicht alleine führen wollte, begleitete Meg mich. Sie führte Ivory, ich Cissy und Missy. Gerade das Achal Tekkiner und das Berbermädchen verstanden sich ausgezeichnet. Ivy war sehr lange recht allein gewesen, da sie für die anderen jungen Stuten zu dominant war. In Cissy hatte sie dagegen endlich jemanden gefunden, der ihr ebenbürtig war. Wir lösten die Stricke von den Halftern der Stuten und ließen sie in der Halle freilaufen. Ab und an rief ich eine von ihnen zu mir, schickte sie ein paar Tritte rückwärts und seitwärts oder forderte sie auf, mir ohne Führstrick zu folgen. Das trainierte ich ein paar Mal mit jedem Stütchen und schon durften sie zurück in ihren warmen Stall. Die drei Jungs hatten mittlerweile die entsprechenden Boxen ausgemistet und Brian brachte mir Hollybrook`s Cheeky Jot nach draußen – das letzte Pferd, das ich heute trainieren würde. Ich liebte all meine Pferde, doch Chexx würde für immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen behalten. Ganz abgesehen von seinem unglaublichen Charakter war er immerhin das erste erfolgreiche Fohlen aus Rawrs und meiner damaligen New Forest Pony Zucht. Ich strich dem Pony den langen schwarzen Schopf aus der Stirn und führte es dann zur Halle. Cheeky folgte mir wie ein Hund und blieb geduldig stehen, bis ich es mir im Sattel bequem gemacht hatte. Der einst so aufgedrehte ungeduldige Hengst war besonnener geworden. Er hatte immer noch ein gehöriges Maß an Temperament, doch inzwischen konnte er dieses in sinnvolle Bahnen lenken, was früher eher gescheitert war. Ich wärmte Cheeky Jot in aller Ruhe auf und fragte dann ein paar schwierige Dressurlektionen ab. Der Hengst ging völlig in seiner Aufgabe auf und wieder einmal nagte das schlechte Gewissen an mir. Sicherlich, Cheeky wurde umsorgt wie ein Gott und bekam auch genug Bewegung, doch ich selbst hatte meines Erachtens nach viel zu wenig Zeit für meinen Lieblingshengst. Leider war es auch nicht möglich, daran etwas zu ändern. Ich war zwar händeringend auf der Suche nach gutem Personal – bei 91 Pferden brauchten wir einfach noch Unterstützung – doch selbst dann würde ich nicht mehr Zeit zur Verfügung haben. Allein die Leitung des Gestüts fraß unglaublich viel von diesem kostbaren Gut und dabei hatte ich den Zuchtbetrieb noch nicht einmal aufgenommen. Ich seufzte und galoppierte Cheeky an, um auf andere Gedanken zu kommen. Der Hengst schüttelte unwillig den Kopf, er schätzte es überhaupt nicht, wenn ich mich nicht auf ihn konzentrierte. „Du hast ja Recht mein Guter, wenn ich schonmal Zeit für dich ganz alleine habe, sollst du auch meine volle Aufmerksamkeit bekommen!“, sagte ich liebevoll zu ihm. Kurz darauf zerriss ein lautes Knallen die nachmittägliche Stille und Cheeky machte einen erschrockenen Satz nach vorn. Er spielte unruhig mit den Ohren und ich wusste genau, dass nur meine vertraute Stimme den schönen Hengst davon abhielt, in gestrecktem Galopp durch die Halle zu rasen. Flott glitt ich aus dem Sattel und griff fest in Cheeky`s Zügel. „Na komm mein Schatz, dann bringen wir dich mal zurück, die anderen brauchen sicherlich auch Hilfe.“ Tatsächlich dauerte es keine zwei Minuten, bis mir Meg entgegengerannt kam. Es knallte mittlerweile alle paar Minuten und die junge Frau war völlig aufgelöst. „Du musst und helfen, die Pferde drehen ja völlig durch!“, sagte sie hektisch. Ich schnalzte mit der Zunge und Cheeky trabte mit flotten Schritten neben mir her. Tatsächlich wieherten meine Pferde panisch, während die Pfleger versuchten, sie in ihre Boxen zu bekommen. Ich schüttelte den Kopf und übergab Cheeky an Meg, die erst einmal die Tür zu seinem Paddock schloss, bevor sie den Hengst in seine Box entließ.
      Ich eilte in die Futterkammer und kam gleich darauf mit der Schubkarre voller Kraftfutter wieder. Ein paar mal geschüttelt und schon kamen Khamar al Sanaa, Ojos Azules, Cazador, Golden Indian Summer, Ghostbuster, Tschiwabschischi, Juego, Hollywood Undead, Fair Prince, Intolerable Life, Eddi`s Dead Pop Romance, Branagorn, Wannabe, GH`s Safriko, Slaters Secret, Pierre, Hollybrook`s Classic Moment und Orfino in den Stall. Während ich das Kraftfutter in ihre Tröge schüttete, liefen die anderen vier nach draußen, kletterten durch die Zäune und schlossen die Außentüren. „Na also, zusammen mit Pride and Prejudice und Cheeky sind nun von 35 Hengsten schon 20 im Stall. Meg, Brian und Donald geht ihr mal in den Stutentrakt und macht es dort genauso, Samuel und ich kommen dann gleich nach.“, wies ich meine Mitarbeiter an, bevor ich zu meinem Araberhengst Wüstentänzer trat und ihn energisch in seine Box schickte. Der schöne Fuchs sah mich argwöhnisch an, entschied dann jedoch, dass seine Box der sicherste Ort war. Ich schloss die Tür und ging sofort in die Box nebenan zu Candle in the Wind. Genau wie dieser brauchten auch mein Neuzugang Dissident Hawk, Damon`s Dynamo, Levistino, Fantastic Fly, Someone, El Racino, Daemon, San Salvador, Caradoc und Hollybrook`s Casanova nur ein paar aufmunternde Worte, bis sie ruhig in ihren Boxen standen. Als nächstes war mein Berberhengst Amayyas an der Reihe. Mit ihm kam außer Brian und mir noch immer niemand klar, doch mittlerweile war der wunderschöne Red Roan sogar gekört. Amayyas war jedoch nicht nervös, er sah eher wütend aus. Ich strich ihm besänftigend über das weiche Maul und dirigierte ihn allein mithilfe meiner Körpersprache in seine Box, gleich darauf schloss Samuel die Tür. Amayyas ließ sich nicht gern herumkommandieren, daher wendete ich bei ihm ausschließlich diese Methode an. Nun fehlten nur noch Black Soul und Hollybrook`s Bloody Valentine. Zuerst widmete ich mich dem Pünktchen-Hengst. Seit ich den schönen Halbbruder von Cheeky vor der völligen Verwahrlosung gerettet hatte, hatte er schon eine unglaubliche Wandlung hinter sich. Menschenansammlungen machten ihm keine Angst mehr und er hatte sogar schon vor geraumer Zeit seine Körung bestanden. An Silvester war es jedoch jedes Jahr, als würde der junge Hengst in eine Art Schockstarre verfallen und es war pures Glück, wenn er mich an sich heran ließ. Ich sprach Valentine leise an, doch der Hengst nahm überhaupt keine Notiz von mir. Also nahm ich ihn kurzerhand am Halfter und zog ihn halb hinter mir her, bis Samuel die Tür geschlossen hatte. Er würde später ein von den Beruhigungsspritzen bekommen, die Eddi mir für den Notfall dagelassen hatte. Zuerst einmal musste ich nun jedoch die anderen Pferde reinholen. Mein nachtschwarzer Hannoveranerhengst Black Soul stand mit flach angelegten Ohren in der hintersten Ecke seines Paddocks und giftete mich an, als ich mich auf ihn zubewegte. Ich sah das weiße in seinen Augen schimmern und beim nächsten Knall sprang der große Hengst mit allen Vieren in die Luft. Ich schüttelte den Kopf und bat Samuel die Longe zu holen. Diese spannten wir über den Paddock und trieben Black Soul so in seine Box, da der Hengst sich nicht einmal mit der Longe berühren lassen wollte.
      Erleichtert wischte ich mir über die Stirn. „So, das wäre geschafft. Dann lass uns mal schauen, wie weit die anderen inzwischen sind!“, sagte ich zu Samuel, während wir mit großen Schritten in den Stutenstall liefen. Dort sah es schon recht gut aus. Die Anwärter Ehawee, Middle Ages, Unannounced Pleasure, Shekitt Quinn, Ivory, Mississle und Cirilla starrten uns mit großen Augen aus ihren Boxen heraus an, doch immerhin waren sie alle sicher im Stall. Auch mein Berber-Neuzugang Pangäa, sowie die Araberstuten Hadeeh, Little Miss Sunshine, Bittersweet, Sharley, Fallen Immortaliny und Melody`s Girl waren drinnen. Dass hier Sahira und Adina de Ra`idah fehlten, wunderte mich nicht. Ich verbrachte einiges an Zeit damit, die beiden ängstlichen Stuten in den Stall zu bekommen, doch dann konnten wir unseren Rundgang fortsetzen. Chaira, The Morticains Daugther, BBs Harmony, My Golden Heart und American Baby hatten sich anstandslos hereinholen lassen, genauso Backup, Ace of Spades, Pirate Island und Far Cry. Kagami el Assuad kam nach einem scharfen Piff meinerseits in die Box getrabt und Success Story xx benötigte Zuspruch und ein paar Streicheleinheiten, bevor sie mir folgte. Die Ponies Little Big Girl, Napayné, Kolibri, Fatimah, Dark Misery, Dorina und Cinnemont`s History kauten alle zufrieden an ihrem Heu und schienen sich überhaupt nicht an dem Trubel um sie herum zu stören. Auch Glammy, Levistino`s Hope, Wild Lady Roxanne, Mahira und Angels Falls First standen einigermaßen ruhig da. Reminiscent Inspiration war tatsächlich neugierig und starrte mit hoch erhobenem Kopf zum Himmel hoch. Trotzdem holte ich die junge Stute schnell herein, man konnte ja nie wissen, wie schnell ihre Faszination in Angst umschlug. Bei meiner Trakehner-Prinzessin Samiyah brauchte ich ein wenig mehr Überredungskunst. Die wunderschöne Cremellostute rannte in ihrem Paddock herum, machte bei jeder Ecke Kehrt und wirbelte wieder herum. Ihre schönen blauen Augen weit aufgerissen, hätte sie mich beinahe sogar über den Haufen gerannt. Nach einem scharfen: „Samiyah!“, sah die Stute mich jedoch wenigstens kurz an. Das reichte mir , um ihr Halfter zu packen und sie in den sicheren Stall zu verfrachten. Zu meiner Erleichterung war meine recht nervöse Andalusierstute Cuchara bereits im Stall und auch Paradises Rafinesse, Mizzi, Benjilala und Salwa reckten mir über den Rand ihrer Boxen ihre weichen Nasen entgegen. Ich kraulte jede Stute kurz und straffte dann die Schultern. Mit meinen New Forests würde es sicherlich die meisten Probleme geben. Und so war es auch. Lediglich Magical Moment, Thousand Sunny, Aimiliani, Fairylike Facility und Golden Flair Standen in ihren Boxen. Brian, Donald und Meg bemühten sich um die anderen, waren aber nicht schnell genug oder kamen gar nicht erst an die nervösen Stuten heran. Bei Everybody`s Darling, meiner erklärten Lieblings-Ponystute war es ganz einfach. Ich rief leise ihren Namen und schon kam die Fuchsstute in ihre Box. Ich hatte Darling mit der Flasche aufgezogen und seitdem hatten wir beide eine ganz besondere Verbindung. Precious Scream, Walk of Fame und Naboo waren zwar nervös, ließen sich jedoch mit Hängen und Würgen in den Stall verfrachten, als sie mitbekamen, dass die meisten anderen Stuten nicht mehr draußen waren. Fehlte nur noch mein Sorgenkind Isola della Pirateria. Die gekörte Rappstute war zwar mittlerweile sehr gut ausgebildet und hatte auch Vertrauen in die Menschen gefasst, doch in außergewöhnlichen Situationen wie dieser, drehte sie zuweilen völlig ab. Ich verfluchte im Stillen die Vollidioten, die mal wieder zwölf Uhr nicht abwarten konnten und näherte mich dann langsam meiner verängstigten Stute. Ich brauchte schließlich die Hilfe von Everybody`s Darling, um Isola in den Stall zu bekommen. Die Rappstute hatte das Waisenfohlen unter ihre Fittiche genommen und anscheinend half Darling`s Ruhe ihr auch. „Die Box ist groß genug, wir lassen die beiden heute Nacht zusammen stehen.“, sagte ich, als Isola`s Tür sicher verschlossen war. Die anderen waren genauso erschöpft wie ich, deshalb lud ich sie auf ein Stück Linzertorte und einen Tee zu mir ins Haus ein, bevor wir uns alle zusammen an die Stallarbeit machen würden.
      Ein paar Stunden später stieg ich aus der dampfenden Dusche, legte ein wenig Make up auf und flog dann in die Küche hinunter, wo ich schoneinmal anfing, das Gemüse vorzubereiten. Kurz darauf erschien Meg und wir schnippelten einträchtig nebeneinander. Als später die Jungs dazukamen, hatten wir lauter Schüsseln mit Fleisch, Gemüse, Käse und Wurst, sowie ein paar leckere Dips auf den reich geschmückten Tisch gestellt. Die Raclettes liefen auch schon auf Hochtouren und alle machten sich gut gelaunt über das Essen her. Um zwölf gingen wir dann hinaus auf ein Feld, sahen und das Feuerwerk an und schauten den Jungs zu, wie sie selbst ein paar Raketen zündeten. Als ich ins Bett fiel war bereits vier Uhr morgens und es schüttelte mich, als ich daran dachte, in zwei Stunden schon wieder aufstehen zu müssen. Wenigstens hatten sich die Pferde nach der Knallerei wieder beruhigt und wir konnten zufrieden ins neue Jahr 2016 starten!
      17 Jan. 2016
    • Occulta
      Sammy
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      Ärger im Paradies
      21. Juli 2016

      Schon beim ersten Weckerklingeln saß ich kerzengerade in meinem Bett, streckte mich ausgiebig und war ein paar Sekunden später bereits auf den Beinen. In wenigen Tagen würden die ersten Teilnehmer von Jolympia auf meinem Gestüt anreisen und wir hatten noch eine Menge zu tun. Außerdem hatte ich beschlossen meinen Hof ein wenig umzustrukturieren. So sollte der Schwerpunkt künftig auf der Vielseitigkeit liegen. Selbstverständlich würde ich mich auch von den Pferden, die dazu nicht geeignet waren nicht trennen, auch sie würden Schwerpunktdisziplinen zugewiesen bekommen, in denen ich sie weiterhin fördern wollte. Doch mein Herz schlug nun einmal für die Vielseitigkeit und immerhin hatte ich mit Levistino den ersten Gewinner des größten Vielseitigkeitsturniers weltweit in meinem Stall stehen.
      Während meine Gedanken derart kreiselten, hüpfte ich voller Elan ins Badezimmer, schlüpfte in meine Stallklamotten, schlang ein kurzes Frühstück hinunter und rannte dann beinahe hinüber zu den Stallungen. Da ich heute um einiges früher als gewöhnlich aufgestanden war, war der Stall noch dunkel und ruhig. Draußen ging gerade erst die Sonne auf und ich genoss die morgendliche Idylle mit meinen Vierbeinern. Wie immer zur Zeit schaute ich zuerst bei meinen hochträchtigen Stuten Mahira, Samiyah und Benjilala vorbei. Bei den dreien sollte es in zwei bis drei Wochen soweit sein und ich konnte es kaum erwarten, die kleinen Pferdekinder endlich auf der Welt begrüßen zu dürfen.
      Als ich mich ausgiebig vergewissert hatte, dass es den werdenden Müttern an nichts fehlte, schlenderte ich durch die Stallgasse und blieb an jeder Box stehen, um dem jeweiligen Insassen gebührend Aufmerksamkeit zu schenken. Bei einigen Pferden verbrachte ich ein wenig mehr Zeit, doch im Grunde liebte ich all meine Pferde auf die gleiche Weise. Far Cry und Classic Moment waren mit ihrem Training mittlerweile soweit, dass sie uns demnächst verlassen konnten. Sobald Jolympia vorüber war, würde ich mich mit ihrem Verkauf beschäftigen. Gerade den jungen Fuchshengst Classic Moment gehen zu lassen war schwer für mich, doch ich hatte genug New Forest Ponys und war mir daher sicher, dass Classic an anderer Stelle besser gefördert werden würde.
      Kaum war ich mit meinem Stallrundgang durch, kamen meine Angestellten schwatzend angelaufen. Kurz darauf trudelten auch Patrick und Anna ein, die im nahegelegenen Dorf Sway wohnten. „Sammy was machst du denn schon hier? Heißt das etwa, wir können heute alle ein paar Boxen zum Misten abziehen?“, fragte Samuel feixend und ich boxte ihn lachend gegen die Schulter. „Nein, da muss ich dich enttäuschen. Aber ich werde euch nach der Morgenfütterung dabei helfen, die Pferde auf die Koppeln zu bringen. Ruft mich einfach, wenn ihr soweit seid, ich bin solange in meinem Büro!“, gab ich zurück und verschwand fast in der selben Sekunde, indem ich gekonnt Samuels Stöhnen überhörte. Mittlerweile hatte ich fünf neue Stallburschen eingestellt, die lediglich zum Ausmisten der Boxen und zum Abäppeln der Koppeln auf das Gestüt kamen, sodass sich meine Langzeitangestellten sowieso nur noch um die Fütterung und den Koppelgang der Pferde kümmern mussten. Ansonsten waren sie mit dem Training beschäftigt. Nur zu einigen ausgewählten Pferden ließ ich die „Ausmister“ nicht. Allen voran gehörte dazu mein stürmischer und ausnehmend dominanter Berberhengst Amayyas, aber auch der ängstliche Dream of Wyoming, der Hannoveranerhengst Black Soul, die immer noch menschenscheue Isola della Pirateria, der noch etwas zurückhaltende Andalusierhengst Negresco und die sehr heißblütige Kagami el Assuad. Offensichtlich hatte Samuel heute die Ehre, Amayyas Box auszumisten. Der Berberhengst war zwar wirklich traumhaft schön, doch bis auf Brian und mich kam keiner so richtig mit ihm zurecht. Kurz darauf hörte ich Samuel auch schon schimpfen kicherte in meine Hand. Typisch!
      Gerade als ich die To Do-Liste für Jolympia fertig geschrieben hatte, streckte auch schon Meg den Kopf zur Tür herein und meinte: „Die Pferde sind fertig mit ihrem Frühstück, kommst du?“ Ich nickte und erhob mich sofort von meinem Stuhl. Jetzt im Sommer standen die Pferde den ganzen Tag über auf der Weide und kamen erst zur Abendfütterung wieder in den Stall. Wie üblich begannen wir im Hengststall. Samuel winkte mich heran und zeigte mit flehendem Blick auf Amayyas, der ihn mit hoch erhobenem Kopf anstarrte. Ich schüttelte grinsend den Kopf und betrat die Box des herrlichen Red Roans. Sofort senkte Amayyas den Kopf und schnoberte meine Handflächen nach einer Leckerei ab. Samuel meinte nur beleidigt: „Du bist ein sturer, verwöhnter Esel!“ und zog mit grimmigem Gesicht ab, um seinen Liebling Levistino aus seiner Box zu holen. „Hör nicht auf ihn mein Gepard, er hat dich eben noch nicht verstanden!“, säuselte ich Amayyas zu, während ich den Hengst aus seiner Box führte. Aufgrund seines Temperaments musste Amayyas auf einer der kleinen Hengstkoppeln alleine stehen, doch mittlerweile konnte ich ihn wenigstens neben den anderen Hengsten führen, ohne dass es gleich einen Aufstand gab. Vor uns liefen Samuel und Donald mit Levistino und Fantastic Fly, neben mir Meg mit Ghostbuster – ihrem persönlichen Liebling unter den Hengsten, hinter und Brian mit Black Soul und Patrick mit Branagorn und die Nachhut bildete Anna mit Juego. Das schüchterne Mädchen traute sich immer noch nicht so recht an die großen Hengste heran und ich nahm mir vor, nochmals mit ihr zu reden, wenn der ganze Trubel mit Jolympia und der Fohlenzeit vorbei war. So konnte es einfach nicht weitergehen. Amayyas, Fly, Levistino und Black Soul bezogen die Hengstpaddocks, während Jojo, Ghostbuster und Juego auf die große, mittlerweile aber unterteilte Gemeinschaftskoppel der Hengste durften. Jojo und Ghost kamen auf die linke Seite, Juego auf die rechte der Ponys.
      Als nächstes führte Donald Pride and Prejudice, der sich tatsächlich so gut mit dem Holsteinerhengst Fantastic Fly verstand, dass er mit ihm zusammen eine Hengstkoppel beziehen dufte. Ich führte Hollybrook`s Cheeky Jot und Hollybrook`s Bloody Valentine auf einen weiteren Paddock, Samuel führte Hollybrook`s Casanova, der neben seinem Vater einen Paddock sein Eigen nennen durfte, Brian übernahm dessen Großvater BMs Caradoc, Meg führte den energiegeladenen Araberhengst Wüstentänzer und Patrick übernahm Someone. Anna, die auch keine aufsässigen Pferde führen wollte, holte Hollywood Undead aus seiner Box und brachte ihn zu Juego auf die Gemeinschaftskoppel. Weiter ging es mit Someone, El Racino und den beiden Neuzugängen Pawaneeh und Negresco. Sie alle stellten wir auf die verbliebenen Hengstpaddocks. Bei letzteren hatte ich noch die Hoffnung, dass sie irgendwann auf die große Koppel ziehen konnten, doch gerade der Andalusierhengst Negresco legte doch ein sehr dominantes Verhalten an den Tag. Patrick führte Khamar al Sanaa hinaus, Donald den Hannoveranerhengst Branagorn und Anna übernahm Orfino. Beim nächsten gang schnappte sich Meg die zwei Isländerhengste Fair Prince und Intolerable Life, Anna übernahm den absolut charmanten Hollybrook`s Zarin, Donald führte Golden Indian Summer, Dissident Hawk und Dream of Wyoming, Samuel durfte Damon`s Dynamo hinausbringen, Patrick den Paso Fino Wannabe, Brian führte Daemon und ich folgte mit Slaters Secret und Pierre.
      Nun folgte der letzte Gang mit den Hengsten. Dieser Trakt war dementsprechend auch schon recht leer und die Stallburschen begannen mit dem Ausmisten der Boxen. Ich überließ Anna meinen neuen American Miniature Horse Hengst Darkwood`s Storm Dancing Feather, damit sie mal wieder ein wenig aus ihrer Komfortzone herauskam, übernahm selbst San Salvador, der sich prächtig entwickelte und wies dann auch die letzten Hengste zu. Meg führte Hollybrook`s Classic Moment und Eddi`s Dead Pop Romance hinaus, Donald übernahm Candle in the Wind, Patrick den Criollohengst Cazador, Samuel den heute ein wenig überdrehten Tschiwabschischi und Brian kümmerte sich um den jungen Saddlebredhengst GH`s Safriko. Danach gönnten wir uns alle erst einmal eine kurze Pause, bevor es mit den Stuten und Jungpferden weiterging. Ich schickte Meg mit Anna zu den Ponies, während ich mit den Jungs bei meinen Vollblütern begann. Ich übernahm die Achal Tekkiner Stute Ivory, während Samuel ihre Freundin Cirilla aus der Box führte. Uns auf dem Fuß folgten Donald mit Rainbow, Brian mit Ehawee und Patrick mit Middle Ages. Die Stuten durften alle auf die mittlere Stutenkoppel. Auf dem Weg zurück kamen uns gerade Meg und Anna entgegen. Meg führte Mississle und Hollybrook`s Fairy Bluebird, während Anna mit Miniature America`s Narnia hinterherschlich. Die kleine Stute war beinahe eine Lebensversicherung, doch Anna sah trotzdem aus, als würde sie am liebsten davon laufen. Wir kehrten in den Stall zurück und ich halfterte meinen Liebling Sahira auf. Die wunderschöne Falbstute tänzelte mit aufgestelltem Schweif und hocherhobenem Kopf neben mir her. Donald führte Haadeh aus ihrer Box, Samuel nahm Little Miss Sunshine, Patrick Bittersweet und Brian holte die Palominodame Sharley aus dem Stall. Gemeinsam mit uns liefen Meg mit Napayné, Kolibri und Little Big Girl und hinter ihr Anna mit Hollybrook`s Tiny Girl. Meg machte ein Gesicht, als hätte sie gerade in eine Zitrone gebissen und ich fragte mich, was zwischen ihr und Anna vorgefallen war. Beim nächsten Gang holten wir Fallen Immortaliny, Adina De Ra`idah, Melody`s Girl, Kagami el Assuad und Success Story xx aus dem Stall. Meg kam mit Fatimah und Dark Misery aus dem Stall, Anna führte Magical Moment. Meine wunderschöne New Forest Ponystute mit dem traumhaft langen Behang wirkte irgendwie nervös. Auf dem Rückweg von den Koppeln zum Stall sprach ich Anna darauf an, doch das Mädchen versicherte mir, dass es ihm gut ging und alles in bester Ordnung war. Durch dieses kurze Gespräch kam ich erst im Stall an, als die Jungs ihre Pferde bereits aus den Boxen geholt hatten. Sie warteten mit Backup, Pirate Island, Ace of Spades und Far Cry auf mich. So schnell ich konnte halfterte ich The Morticains Daugther auf und ging mit den anderen zu den Koppeln. Gleich darauf holten wir Meg ein, die den Weg mit Thousand Sunny und Aimiliani zurücklegte. „Meg wo ist Anna?“, fragte ich meine Angestellte und Freundin, als ich mit Daughter zu ihr aufgeschlossen hatte. „Sie war mir zu langsam, deshalb hab ich ihr gesagt, dass sie die Runde aussetzen und auf mich warten soll.“, gab Meg ein wenig giftig zurück.
      Ich hob ein wenig überrascht die Augenbrauen, sagte aber nichts weiter. Als wir auf dem Rückweg zu den Ställen waren, schrie Samuel plötzlich auf: „Was macht Anna denn da?“ Sofort schoss mein Kopf in die Richtung in die Samuel blickte und ich wurde weiß. Anna führte die beiden hochträchtigen Stuten Samiyah und Mahira in Richtung der Fohlenkoppel. Nichteinmal Brian, Meg und ich nahmen die beiden temperamentvollen Trakehnerstuten zusammen und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, was Anna geritten hatte das zu versuchen. „Mit was führt sie die beiden denn da? Hat sie sie aufgetrenst?“, fragte Brian da mit zusammengekniffenen Augen. Ich schloss die Augen und atmete hörbar aus. Hauptsache sie brachte die Stuten sicher zur Koppel und immerhin kamen wir dem Gespann mit jedem Schritt näher. In diesem Moment warf Samiyah ihren hübschen Kopf nach oben und ruckte am Zügel. Anstatt ruhig zu bleiben und die Stuten weiter vorwärts zu führen schrie Anna auf, wodurch auch Mahira nervös wurde. Die junge Scheckstute riss an den Zügeln und rannte rückwärts und Anna ließ tatsächlich beide Zügel los und begann lautstark zu heulen. Aufgescheucht von der ungwohnten Situation schossen die beiden Trakehnerstuten los und wir anderen standen ein paar Sekunden völlig geschockt wie erstarrt da, bevor endlich wieder Leben in mich kam. „Wir müssen sie einfangen, das könnte in einer Katastrophe enden!“, rief ich und sprintete zum Stall. „Donald schnapp dir Harmony, ich nehme Heart. Samuel bring uns Lassos!“, wies ich die beiden Jungs an, während ich schon die Box von My Golden Heart öffnete und mich auf den bloßen Rücken der Stute schwang. Donald machte es mir mit BBs Harmony nach und sobald wir die Lassos von Samuel übernommen hatten, dirigierten wir die Stuten aus dem Stall. Glücklicherweise waren beide absolute Verlasspferde und perfekt ausgebildet. Sobald wir aus dem Stall hinaus waren, galoppierten wir die Pferde an. Mahira und Samiyah rannten in Richtung der Rennbahn und wir wollten so schnell wie nur irgend möglich in ihre Nähe kommen. In diesem Moment blieb meine Prinzessin Samiyah in ihren Zügeln hängen und stürzte. Ich schlug mir erschrocken die Hand vor den Mund, sprang bei Samiyah angekommen aus dem Sattel und kniete mich neben die Stute. Ein paar Sekunden später kam Donald mit den beiden Stuten bei uns an und glücklicherweise kam Mahira im Schritt zu ihrer Freundin zurückgetrottet. Beide Stuten schwitzten stark und ich beauftragte Donald Mahira und die Westernpferde zurückzubringen. Er griff sofort nach den Zügeln der trächtigen Stute und führte sie langsam zurück zum Stall. Ich befreite Sami`s Bein von dem Zügel und forderte die Stute dazu auf, aufzustehen. Ächzend rollte die Stute sich herum und wuchte sich nach oben. Ich atmete auf, das war schon einmal gut. Allerdings belastete Samiyah ihr rechtes Vorderbein nicht und mir traten vor Wut und Angst Tränen in die Augen. Liebevoll strich ich der Cremellostute über das samtweiche Maul und führte sie langsam Schritt für Schritt zurück zum Stall. Dort erwarteten mich die anderen und Meg teilte mir sofort mit, dass sie den Tierarzt des Dorfes Sway bereits verständigt hatte. Natürlich hätte ich viel lieber meine liebste Freundin Eddi hier gehabt, doch das ging aufgrund unserer Wohnsituation natürlich nur nach vorheriger Absprache und damit meist für Voruntersuchungen der Körungen. Anna trat auf mich zu und wollte etwas sagen, doch ein Blick von mir in Meg`s Richtung genügte und sie ging dazwischen: „Anna ich denke du solltest jetzt nach Hause gehen. Wir klären das hier und Sammy meldet sich dann später oder morgen bei dir. Natürlich gebe ich dir auch Bescheid, was der Tierarzt gesagt hat.“ Anna nickte mit eingezogenem Kopf und verließ mit hängenden Schultern den Hof. Fast schon tat sie mir Leid, doch dann blickte ich auf Samiyah`s abgewinkeltes Bein und wusste, welche Entscheidung ich zu treffen hatte. „Leute macht ihr bitte alle weiter? Ich bleibe bei Mahira und Samiyah und warte auf den Tierarzt!“, sagte ich und brachte Sami in ihre Box. Die anderen nickten und machten mit den Warmblütern weiter, damit es ruhig im Stall wurde. Donald führte My Golden Heart und BBs Harmony noch ein wenig draußen herum, bevor er die beiden auf die rechte Stutenkoppel entließ. Meg übernahm American Baby und Apaches Tomahawk, Samuel führte Chaira hinaus, Brian Paradises Rafinesse und Shekitt Quinn und Patrick brachte Mizzi hinaus. Bei der nächsten Runde durften Cuchara, Unannounced Pleasure, Reminiscent Inspiration, Angels Fall First und Wild Lady Roxanne hinaus. Allmählich wurde es wirklich ruhiger und ich dankte meinen Angestellten. Meg brachte nun Glammy hinaus, Samuel und Donald nahmen Benjilala und Salwa. Letztere durfte ausnahmsweise mit der trächtigen Stute zusammen in den abgetrennten Teil der Stutenkoppel, da ich Benji nicht alleine stehen lassen wollte. Brian führte Naboo, Patrick nahm Fairylike Facility. Anschließend holte sich Meg Everybody`s Darling und lief Samuel mit Isola della Pirateria voraus. Die nachtschwarze Stute war immer noch deutlich ruhiger, wenn Darling in der Nähe war und natürlich wollten wir ihr so viel Stress wie möglich ersparen. Patrick holte Golden Flair, Donald Walk of Fame und Brian Precious Scream. Nun waren nur noch die Deutschen Reitponystuten Dorina und Cinnemont`s History sowie die Fohlen im Stall. Der Tierarzt müsste auch jede Minute kommen. Samuel kümmerte sich um die Ponystuten, Brian führte PFS Devil in Prada und Grace`s Cookie`n`Cream, Donald übernahm Siberia und Shawnée und Patrick führte die Lewitzer Rosewell und Panta Rhei auf die Fohlenkoppel. Meg betrat Mahira`s Box und strich der Stute über den Kopf, während ich bei Samiyah blieb. Kurz darauf führte Brian endlich den örtlichen Tierarzt in den Stall und ich musste mich sehr zusammenreißen, ihn nicht zu fragen, warum zur Hölle das solange gedauert hatte. Doch ich war mir natürlich im Klaren, dass er so schnell wie irgend möglich hergekommen war und er auch nichts für den Unfall von Samiyah konnte.
      Er sah sich zuerst das Bein meiner Cremellostute an. Dieses war mittlerweile dick und heiß. Ich kaute nervös auf meiner Unterlippe, während ich Samiyah am Halfter hielt. „Sehnenzerrung, das hätte sehr viel schlimmer kommen können.“, meinte Dr. Smelta schließlich. „Ist in ihrem Zustand natürlich nicht gerade toll, weil so viel zusätzliches Gewicht das Bein belastet. Sie müssen es so oft wie möglich kühlen und sie mehrmals am Tag ein wenig im Schritt führen. Mehr ist momentan auf keinen Fall drin. Möchten sie, dass ich bei beiden einen Ultraschall mache? Zur Sicherheit?“, erklärte er mir.
      Ich nickte natürlich sofort. Die Sehnenzerrung würden wir schon wieder in den Griff bekommen, auch wenn es bei der sogar jetzt noch hibbeligen Samiyah nicht einfach werden würde. Das bedeutete auch, dass ich jeden Tag eine weitere Stute im Stall stehen lassen musste, damit Samiyah nicht alleine stand. Der Ultraschall ließ uns alle Gott sei dank aufatmen, den Fohlen ging es gut. Ich bedankte mich bei Dr. Semlta, verabschiedete ihn und suchte dann sofort die Kühlgamasche heraus, um Samiyah`s Bein zu kühlen. Die Stute schauderte, als ich die Gamasche befestigte, doch ich fütterte sie mit einem Stückchen Möhre und Samiyah schaute sofort ein wenig glücklicher aus der Wäsche. Meg hatte auch sofort Anna gesimst, damit sie sich nicht mehr Sorgen als nötig machte. Wir erledigten die weitere Stallarbeit und besprachen dann die Vorbereitungen für Jolympia.
      Die Stallzelte würden auf der hintersten Stutenkoppel aufgebaut werden, allerdings erst einen Tag vor dem großen Event. Die Stallungen und die restlichen Koppeln würde ich absperren, da ich wollte dass meine Pferde weitgehend ihre Ruhe hatten. Sowieso wurde die gesamte rechte Hälfte des Hofes gesperrt und nur Pferdebesitzer und Angehörige hatten dorthin Zutritt. Die Gästezimmer waren schon bereit. Auch die Tribünen waren alle blitzblank geputzt und auch die Hindernisse hatten niemals besser ausgesehen. Am Tag vor Jolympia würden wir auch alles mit Blumen schmücken.
      Als alle Arbeiten für diesen Tag erledigt waren, kam Meg auf mich zu. „Was ist mit Anna?“, fragte sie mich. Ich seufzte und meinte: „Ich fahre heute Abend zu ihr und rede mit ihr. Vielleicht lässt sich das alles nochmal klären, aber das weiß ich jetzt ehrlich gesagt noch nicht. Das kommt auch darauf an, wie sie sich verhält.“ „Ähm Sammy…. Da ist jemand für dich…“, meinte Samuel in dem Moment und als ich mich umdrehte stand Anna vor mir. „Was machst du denn hier? Meg hat dir doch geschrieben, dass es Mahira und Samiyah gut geht oder?“, fragte ich ein wenig verwundert.
      „Ja, deshalb bin ich ja hier. Ich meine, es ist ja nichts passiert, also kann ich ja auch weiterarbeiten.“, sagte sie. Ich starrte sie etwas sprachlos an und Meg schlug sich die Hand gegen die Stirn. Als ich mich wieder gefangen hatte, forderte ich Anna auf, mir zu folgen und schickte die anderen wieder an die Arbeit. Ich führte Anna zu Samiyah und zeigte auf ihr Bein. „Ich dachte, es ist alles okay?“, fragte sie nun schon leicht unsicher. „Nein, es ist nicht okay. Du hast zwei hochträchtige Stuten in Gefahr gebracht. Und Samiyah hat eine Sehnenzerrung, die ist gerade in ihrem Zustand auch nicht ohne. Wie bist du denn auf die Idee gekommen die beiden rauszubringen?“, fragte ich. Zu meiner Überraschung hob Anna trotzig das Kinn: „Es hat mich genervt, dass Meg nicht gewartet hat. Also wollte ich ihr beweisen, dass ich ohne Probleme zwei Pferde nehmen kann. Und da Mahira und Samiyah zusammen mit Benjiala momentan am stärksten überwacht werden, dachte ich eben, dass sie dazu am besten geeignet wären. Ich kann ja nichts dafür, dass sie sich selbst in ihrem Zustand noch nicht benehmen können!“ Da die anderen schon wieder in der Nähe herumlungerten, bat ich Anna in mein Büro und sagt dort: „Anna, du willst mir also sagen, du hast zwei meiner Stuten und deren Fohlen in Gefahr gebracht, weil du irgendetwas beweisen wolltest? Du hattest hier sowieso keinen guten Stand, weil du mich bei deiner Einstellung belogen hast, aber das hier jetzt ist noch einmal etwas ganz anderes. Ich muss dir leider mitteilen, dass du hier nicht weiter arbeiten kannst. Ich werde dir deine restlichen Urlaubstage mit deinem nächsten Monatsgehalt auszahlen, aber mehr kann ich leider nicht mehr für dich tun.“
      Anna schwieg einige Sekunden, dann wurde ihr Gesicht rot: „Du wirfst mich raus? Das kannst du nicht! Es gibt Kündigungsfristen! Du kannst hier nicht alles machen, wie es dir gerade passt!“ Ich atmete tief durch und erhob mich: „Anna. Du hast gegen wichtige Regeln verstoßen. Regeln die die Sicherheit der Pferde gewährleisten sollen. Und das aus einem absolut nicht nachvollziehbaren Grund. Anstatt nun Einsicht zu zeigen, spielst du das Ganze herunter. Glaub mir, das ist ein Grund für eine außerordentliche Kündigung. Ich hätte sogar das Recht, die die heutigen Tierarztkosten in Rechnung zu stellen. Also bitte, lass uns jetzt nicht im absoluten Streit auseinander gehen.“ Ich öffnete die Bürotür und wollte Anna die Hand geben, doch die junge Frau stürmte einfach an mir vorbei und rauschte davon.
      „Du hast sie gefeuert?“, fragte Patrick mit großen Augen und ich nickte. „Leute, ich hoffe ihr könnt meine Entscheidung besser nachvollziehen als Anna. Aber fakt ist, sie ist nicht mehr rückgängig zu machen. Ich werde mich sofort daran machen, eine neue Kraft für uns zu finden, aber für die nächsten Tage bedeutet das leider, dass wir alle noch mehr Arbeit haben. Außerdem muss Samiyah`s Bein alle zwei bis drei Stunden gekühlt werden. Bei der Hitze und der Wärme ihres Beins ist das nötig.“ Die anderen nickten ein wenig betreten und auch ich war noch nicht völlig glücklich, doch wir hatten nun alle mehr als genug Arbeit am Hals.
      21 Juli 2016

      Sammy
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      Ein neues Jahr beginnt!
      12. Januar 2017

      Fröhlich vor mich hinpfeifend hängte ich die letzte blau glitzernde Christbaumkugel an meinen Baum und trat dann einen Schritt zurück, um mein Werk zu bewundern. Die rießige Tanne machte sich toll in meinem Wohnzimmer mit den hohen, stuckverzierten Decken und ich konnte den Weihnachtsabend kaum noch erwarten. Meine Familie würde aus Deutschland herkommen und natürlich hatte ich auch Meg, Brian, Samuel und Donald wieder eingeladen. Meg würde diesmal allerdings in die USA zu ihrer Familie fliegen. Die drei Jungs blieben wie auch die Jahre zuvor bei mir auf dem Gestüt. Patrick hatte es nicht weit, sodass er bei sich zu Hause das Fest verbrachte. In zwei Tagen war endlich Weihnachten und ich steckte noch mitten in den Vorbereitungen. Plätzchen hatte ich bereits gebacken - überall im Stall standen Dosen mit den den süß duftenden Leckereien, von denen sich vor allem die Jungs bedienten. Meg musste nach eigener Aussage auf ihre Figur achten und ich backte sehr viel lieber als die Kekse am Ende auch zu essen. Mein Haus war nun endlich festlich geschmückt und in allen Bäumen und Büschen des Gestüts hingen wunderschöne Lichterketten. Auch die Turniersaison hatte ich vor einer Woche für beendet erklärt. Im Januar ging es dann frisch und munter weiter. Ich riss mich vom Anblick meines Bäumchens los, schnappte mir seufzend meine Jacke und die Autoschlüssel und machte mich ans Einkaufen. Normalerweise kochte ich überhaupt nicht gerne, doch dieses Jahr wollte ich eine Ausnahme machen. Immerhin kam meine Familie zum allerersten Mal auf mein Gestüt, da sollte alles perfekt sein. Auch die Gästezimmer hatte ich bereits hergerichtet, nur die Betten mussten noch bezogen werden.

      ~*~

      "Ich wünsche dir einen guten Flug meine Liebe, meld dich bei mir, wenn du gut angekommen bist, ja? Und lass dich nicht ärgern!", sagte ich ein wenig wehmütig zu Meg, als ich sie am nächsten Tag verabschiedete. "Mache ich. Und falls ich es nicht aushalte, kann ich früher zurückkommen, oder?", fragte sie. Ich grinste nur und drückte sie an mich. Dann winkte ich ihr hinterher, während sie durch die Kontrolle ging und aus meinem Sichtfeld verschwand. Es würde seltsam sein, das erste Weihnachtsfest ohne sie zu verbringen. Ich fuhr zurück zum Gestüt, wo gerade das Heu angeliefert wurde. Die Jungs hievten die Ballen mit hochroten Gesichtern auf Karren, um sie zur Scheune zu bringen. "Das Futter ist schon da und verräumt, Sammy!", informierte Brian mich, bevor er sich dem nächsten Ballen zuwandte. Ich zeigte ihm den erhobenen Daumen und trollte mich in mein Büro. Es gab doch noch ein paar Formalitäten, die ich vor den Feiertagen erledigen wollte. Aber Hauptsache für die Pferde war gesorgt. Mississle und Shamal waren letzte Woche beide gekört worden und ich musste die Akten noch aktualisieren und die Eintragung ins Zuchtregister veranlassen. Außerdem hatte ich zwei Fohlenschauen gefunden, auf der ich meine beiden jüngsten Lieblinge Kazumi Princess El Assuad und Successful Dream vorstellen wollte. Dies alles erledigte ich zuerst, dann ging ich ins Haus um schon einmal das Dessert für den morgigen Abend vorzubereiten, Betten zu beziehen und ein letztes Mal das Haus zu kontrollieren. In dieser Nacht tat ich mich mit dem Einschlafen doch recht schwer, da ich ziemlich aufgeregt war, was meine Familie zu meinem Herzstück sagen würde.

      ~*~

      Am nächsten Morgen war ich trotz der bescheidenen Nacht vor allen anderen auf den Beinen, schlüpfte in meine wintertauglichen Stallklamotten und stapfte durch den frisch gefallenen Schnee hinüber zu den Stallungen. Ich schaltete die Notbeleuchtung aus und das Licht ein, drehte es jedoch ein wenig herunter. Dann begann ich mit der Morgenfütterung. Am Weihnachtsmorgen übernahm ich diese immer selbst und genoss dabei die Ruhe und das Zusammsein mit meinen geliebten Vierbeinern. Ich maß das Kraftfutter ab und stellte zehn Eimer in eine Schubkarre. Wie üblich begann ich bei den Stuten, da die Tür zum Hengsttrakt geschlossen war und sie daher nicht so viel mitbekamen wie meine Damen. Im Stuten-Fohlentrakt angekommen, fütterte ich zuerst Success Story xx und Kagami el Assuad. Ich schlüpfte auch in die Boxen und kraulte meinen Pferden liebevoll die schlanken Hälse. Selbstverständlich widmete ich mich auch den erst wenige Tage alten Bewohnern von Hollybrook Stud: Den beiden wunderschönen Englischen Vollblutmädchen Successful Dream und Kazumi Princess el Assuad. Die zwei entwickelten sich einfach prächtig und ich hatte das Gefühl, dass sie mit jedem Tag noch hübscher wurden. Dennoch riss ich mich ein paar Augenblicke später von den Pferdebabys los. Immerhin warteten auch die anderen Stallbewohner auf ihr Frühstück. Die nächsten Eimer Futter verteilte ich an meine hochtalentierte Andalusierstute Cuchara, die hübsche Barockpintostute Benjilala und die grauschimmernde Lusitanostute Salwa. Die drei restlichen Futterrationen gingen an die Saddlebredstuten Shekitt Quinn, Paradises Rafinesse und Mizzi. Alle drei waren gekrönt und wurden vor allem im Gangreiten auf Turnieren vorgestellt. Während nun langsam schon der Tumult begann, musste ich erst einmal zurück in die Futterkammer, um die nächsten zehn Eimer zu richten. Weiter ging es mit meinen Westernpferden. Wie üblich bekamen zuerst meine beiden geliebten Paints My Golden Heart und The Morticains Daughter ihre Ration, gleich darauf die Quarter Horses Your possible Pasts, American Baby und BB's Harmony und zum Schluss die Appaloosadame Apaches Tomahawk, die ich von meiner besten Freundin Eddi geschenkt bekommen hatte und die beiden Criollos Girlie und Charia. Nun waren die Fohlen beziehungsweise Jungpferde an der Reihe. Die letzten beiden Eimer bekamen die Lewitzer Rosewell und Panta Rhei. Auch die zwei hatte ich von Eddi und sie waren mittlerweile beide langsam bereit zum Einreiten. Beide sollten später im Vielseitigkeitssport gehen und ich war schon sehr gespannt darauf, wie sie sich entwickeln würden. Panta Rhei würde demnächst auch in den Hengsttrakt umziehen. Er würde zusammen mit dem Isländerhengst Ljósfari seine Jungpferdezeit genießen dürfen. Nach einem weiteren Gang in die Futterkammer bekamen auch das Paintstütchen Grace's Cookie'n'Cream, Ljósfari, die Welsh Ds Siberia und Shawnée, die Criollo Jungstute Devil in Prada und die American Miniature Horses Porcelain Doll und Ala' Forza ihr Frühstück. Gerade auf Cookie war ich sehr neugierig, da das Stutfohlen schon durch seine außergewöhnliche Fellfärbung ins Auge fiel. Die drei übrigen Eimer gingen an die noch ungekörten Miniature Horse Stuten Miniature America's Narnia und Hollybrook's Tiny Girl und die erst kürzlich gekrönte Welsh A Stute Mississle. Little Big Girl, die neben Missy untergebracht war, trat gegen ihre Boxentür, doch sie musste sich gedulden, bis ich die nächsten Futterrationen eingefüllt hatte. Danach waren auch die Welsh B Stuten Napayné und Kolibri an der Reihe, die aber geduldig auf ihr Frühstück gewartet hatten. Weiter ging es mit den drei Traberstuten Middle Ages, Ehawee und Rainbow. Gerade Letztere machte immer einen höllischen Aufstand, wenn es um ihr Futter ging und ich war jedesmal froh, wenn sie "abgefertigt" war. Die letzten vier Eimer gingen an die Trakehnerstuten Mahira und Samiyah und die Hannoveranerstuten Reminiscent Inspiration und Unannounced Pleasure. Inspiration und Pleasure hatten in diesem Jahr nach ihren frühen Krönungen eine lange Turnierpause einlegen dürfen, da ich sie in diesem Alter auf keinen Fall überfordern wollte, doch 2017 wollte ich sie wieder auf Englands Turnierplätze loslassen. Beide waren extrem talentiert, sodass man gut aufpassen musste, es nicht zu schnell anzugehen. Dafür hatte ich mich in diesem Jahr um die Förderung meiner dritten Hannoveranerstute - der Falbscheckin Angels Fall First konzentriert, die nun auch den ersten Eimer der nächsten Fuhre bekam. Das talentierte Stütchen hatte die viele Aufmerksamkeit sichtlich genossen und sich wunderbar entwickelt. Sie zählte nun zu den erfolgreichsten Pferden in meinem Stall. Von den Warmblütern fehlten nun nur noch die Holsteinerstute Wild Lady Roxanne und das gescheckte deutsche Reitpferd Glammy. Ich lief die Stallgasse weiter zu den englischen Vollblutstuten. Da Kagami und Story im Fohlentrakt standen, blieben hier nur noch Backup, Pirate Island, Ace of Spades und Far Cry. Gerade Backup entwickelte sich wahnsinnig gut, weshalb ich in diesem Jahr auch davon abgesehen hatte, sie decken zu lassen. Ich wollte sie nicht in ihrer Hochphase stören. Far Cry wiederum war mittlerweile bereit zum Verkauf, doch ich hatte noch keinen geeigneten Käufer ausfindig gemacht, dem ich die Stute anvertrauen wollte. Erschrocken fuhr ich zusammen, als mich die samtene Nase meiner Achal Tekkinerstute Ivory anstupste. Flott fütterte ich das elegante Stütchen und gab auch den Berberstuten Pangäa und Cirilla ihre Rationen. Mutter und Tochter verstanden sich ausnehmend gut, weshalb ich sie auch nebeneinander stehen ließ. Gleich nachdem ich die nächste Karre mit Kraftfutter geholt hatte, widmete ich mich meinen Araberstuten Sahira, My lovely Horror Kid - die Anfang nächsten Jahres bei einer Krönung mitmischen sollte, Saddy, Haadeh, Little Miss Sunshine, Sharley, Bittersweet, Fallen Immortaliny, Adina de Ra'idah und Melody's Girl. Ich liebte die feingliedrigen Stütchen und freute mich schon sehr auf die zukünftigen Fohlen mit meinen nicht minder talentierten Hengsten. Fehlten nur noch die restlichen Ponies, bevor ich auch meine Hengste versorgen konnte. Das Herzstück meiner alten Zucht - meine New Forest Ponies waren als nächstes dran. Ich begann mit der wunderschönen Magical Moment, machte mit der frisch gekrönten Hollybrook's Fairy Bluebird weiter und ging dann die Stallgasse entlang, vorbei an Thousand Sunny, Aimiliani, Naboo, Isola della Pirateria, Fairylike Facility, Everybody's Darling, Golden Flair und Walk of Fame. Die nächste Fuhre teilte ich auf Precious Scream, die Deutschen Reitponies Dorina und Cinnemont's History, sowie die Isländer Fatimah und Dark Misery auf. Ich wischte mir über die Stirn und atmete einmal tief durch, bevor ich mit dem Hengsttrakt weiter machte. Diese schöne Tradition hatte begonnen, als ich nur zwei Pferde besessen hatte, mit inzwischen 117 Tieren war das doch schon etwas anstrengender. Dennoch machte ich mich gleich darauf wieder an die Arbeit. Als erstes bekamen meine edlen Araberhengste Khamar al Sanaa, Shamal und Wüstentänzer ihr Futter. Danach waren der Achal Tekkiner Candle in the Wind und der Berber Amayyas dran. Da ich mit dem Beginn der Fütterung sofort einen Tumult bei meinen Hengsten auslöste, sauste ich gleich darauf in die Futterkammer und machte bei den New Forest Ponyhengsten Hollybrook's Cheeky Jot, Hollybrook's Casanova, Hollybrook's Bloody Valentine, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Zarin, BMs Caradoc und Orfino weiter. Gleich darauf waren auch mein Starhengst Levistino, die Hannoveranerhengste Branagorn und Black Soul, das deutsche Reitpferd Pride & Prejudice und der Holsteiner Fantastic Fly versorgt. Auch die englischen Vollblüter Ghostbuster, Tschiwabschischi, El Racino und Pawaneeh stürzten sich gierig auf ihr Futter. Dagegen ging mein Liebling, der Traberhengst Damon's Dynamo mit schierer Eleganz an die Morgenroutine heran. Meine Ballettänzer - die Pferde die hauptsächlich auf die Dressur spezialisiert waren, waren ebenfalls richtige Gentleman. Dies waren die Andalusier Negresco und Ojos Azules, die Barockpintos Slaters Secret und San Salvador und der Lusitano Pierre. Bei meinen Gangpferden war das Benehmen schon gemischter: Der Saddlebredhengst Someone stürzte sich gierig auf den Trog, kaum dass ich das Futter eingeschüttet hatte, während GH's Safriko und der Paso Fino Wannabe höflich warteten. Auch die Isländer Fair Prince und Intolerable Life zeigten sich von ihrer guten Seite und ich wuschelte ihnen fröhlich durch die dichten Mähnen. Fehlten nur noch die Ponyhengste Juego, Hollywood Undead und der kürzlich gekörte Minihengst Darkwood's Storm Dancing Feather, sowie die Westernpferde Dissident Hawk, Golden Indian Summer, Dream of Wyoming und Cazador. Kaum hatte ich den letzten Futtereimer verräumt, kamen Brian, Donald, Patrick und Samuel durch die Stalltür. Obwohl sie meine Tradition mittlerweile kannten, staunten sie nicht schlecht, dass alle Pferde bereits eifrig am Kauen waren. Sie schnappten sich sofort Mistgabeln und begannen damit die Boxen herzurichten. Mittags durften die Pferde dann hinaus auf die Paddocks, doch ich ging zurück ins Haus, stellte mich unter die Dusche und wartete dann auf die Ankunft meiner Familie. Sie kamen tatsächlich pünktlich und ich ging mit einem leicht nervösen Lächeln hinaus um sie zu begrüßen. Meine Mutter, Tante und Oma sahen sich begeistert um, während mein Onkel etwas fehl am Platz wirkte. Auch mein jüngerer Bruder schien noch nicht zu wissen, ob seine Entscheidung mitgekommen zu sein so gut war. Doch meine Cousine sah aus, als hättte man sie gerade kopfüber in einen Haufen Kuhmist gestippt. Ich unterdrückte den Impuls die Augen zu verdrehen und führte meine Familie in mein Haus. Dort zeigte ich ihnen zuallererst ihre Zimmer. Meine Cousine teilte sich ihres mit meiner Tante, meine Oma mit meiner Mutter, mein Onkel hatte sein eigenes Zimmer und mein Bruder schlief auf der Couch. Ich ließ ihnen ein wenig Zeit und ging zurück in den Stall, um dort noch einmal alles zu kontrollieren, bevor ich mich ans kochen machen würde. Im Stall griff ich Donald, Brian und Samuel unter die Arme, da inzwischen auch Patrick nach Hause gefahren war. Wir rückten Stalldecken zurecht, schlossen die Türen zu den Paddocks, kontrollierten die Tränken und bereiteten die Abendfütterung vor, damit die Jungs es später leichter hatten. Irgendwann tauchte mein kleiner Bruder hinter mir auf und fragte: "Was machst du da? Sind das alles deine?" Mit großen Augen sah er sich um und ich lächelte stolz. "Jap, alles meine. Ich finde auch, dass wir morgen mal einen kleinen Ausritt machen sollten. Komm mal mit.", schlug ich vor und führte ihn hinüber in den Hengsttrakt. Dafür, dass er neun Jahre jünger war als ich, war er mittlerweile einen Kopf größer und brauchte dementsprechend auch ein großes Pferd. Außerdem wusste ich, dass er Pferde mochte, aber Angst hatte für mädchenhaft gehalten zu werden, wenn er reiten ging. Ich blieb vor der Box meines Hannoveranerhengstes Branagorn stehen und öffnete die Tür. Sofort streckte der große Leopardenschecke uns seinen hübschen Kopf entgegen und schnoberte an den Taschen meines Bruders. Der streichelte dem Hengst vorsichtig übers Maul. "Leon, das ist Branagorn. Ich denke, dass du ihn reiten könntest. Er ist zwar ein Hengst, aber ganz brav.", sagte ich. Großspurig lächelnd stimmte Leon zu. Ich legte ihm einen Arm um die Schulter und führte ihn zurück zum Haus.

      ~*~

      Das gesellige Essen am heiligen Abend war wunderbar gewesen und fast alle hatten sich prächtig verstanden. Die Ausnahme war natürlich wieder einmal meine Cousine gewesen. Sie hatte die ganze Zeit eine missbilligende Miene aufgesetzt und jegliche Unterhaltungsversuche der Jungs ignoriert. Dennoch hatte ich die Zeit mit meiner Familie sehr genossen. Auch der erste Weihnachtsfeiertag begann herrlich. Der Himmel war stahlblau, über Nacht hatte es nochmals geschneit und bis auf meine Oma und meinen Onkel wollten alle auf den Ausritt mitkommen. Das hatte mich allerdings ein wenig überrascht, da ich nicht gedacht hätte, dass meine Cousine uns begleiten würde. Nun war ich schon eine Stunde vor meinen Mitreitern im Stall, um Pferde auszuwählen und mit dem Putzen zu beginnen. Leon setzte ich wie versprochen auf Branagorn. Meine Tante sollte den pechschwarzen Andalusierhengst Ojos Azules reiten, meine Mutter Pierre, meine Cousine bekam Cazador und ich selbst würde Damon's Dynamo ein wenig Auslauf verschaffen. Alle fünf Pferde waren sehr verträglich, sodass ich sie alle nebeneinander auf der Stallgasse anbinden konnte. Mein kleiner Bruder kam in den Stall und ich gab ihm das Putzzeug für Branagorn, während ich die anderen vier Hengste fertig machte. Gerade als ich Branagorn den Sattel auflegte, kamen auch die anderen durch die Stallgasse geschlendert. Ich stellte jeden neben sein Pferd und machte mich ans auftrensen. Dann führte ich Dynamo hinaus, band ihn draußen am Halfter fest und half den anderen. Meine Mum durfte zuerst aufsitzen und streichelte begeistert Pierre's schlanken Hals. Auch meine Tante war mit meiner Wahl vollauf zufrieden, nur meine Cousine rümpfte wiederum die Nase. "Warum muss ich in so einem komischen Sattel reiten?", fragte sie hochnäßig und deutete auf Cazador's Westernsattel. "Weil Cazador ein Westernpferd und auch westernmäßig ausgebildet ist. Außerdem hast du dadrin einen sichereren Sitz, als im Vielseitigkeitssattel. Unsere Mütter hatten früher ein Pony und Leon habe ich selbst schon Reitstunden gegeben, also bist du die einzige, die noch keine Erfahrung hat. Cazador wird dir gefallen, keine Sorge.", sagte ich und musste mich sehr zusammenreißen, um meinen ungeduldigen Ton zu unterdrücken. Ich half meiner Cousine in den Sattel und führte Cazador neben Pierre und Jojo, die brav auf die Kommandos ihrer Reiter warteten. Nun trat ich neben meinen kleinen Bruder, der plötzlich recht beklommen wirkte. "Was ist denn los?", fragte ich mit gesenkter Stimme. Er schluckte und meinte: "Branagorn ist doch ziemlich groß. Bist du sicher, dass er mich nicht einfach abwirft?" Ich lächelte: "Ganz sicher. Branagorn ist das liebste Pferd hier, auch wenn man es ihm nicht gleich ansieht." Leon nickte und ich half ihm in den Sattel. Unsicher nahm er die Zügel auf und zog sie zu eng. Vorsichtig verlängerte ich sie ein wenig und strich Branagorn lobend über den Hals. In diesem Moment kamen auch Donald und Samuel auf Negresco und Hollybrook's Zarin aus dem Stall. Sie würden uns begleiten, während Brian mit Black Soul ein wenig Dressurarbeit machte. Der ruhige Mann hatte es lieber, wenn er den Hof für sich hatte, um mit dem stürmischen schwarzen Hengst zu arbeiten. Ich selbst schwang mich auf Dynamo's Rücken, schickte Donald vor und reihte mich selbst neben meinem kleinen Bruder ein. Samuel ritt neben meiner Mutter und meine Cousine neben meiner Tante. Kaum waren wir vom Hof runter, wurde Leon's Haltung entspannter. Ich grinste. Offenbar hatte er schon verstanden, dass der Hannoveranerhengst tatsächlich brav war. Dynamo schritt eifrig aus und ich musste den energiegeladenen Traber ein wenig zurück halten, damit er meine Cousine auf Cazador nicht überholte. Als wir an einen ebenen Feldweg kamen, der schneebedeckt war, schlug ich vor ein Stück zu galoppieren. Meine Mutter und meine Tante winkten ab, doch mein Bruder und meine Cousine wollten mitmachen. Also ließ ich Donald und Samuel zurück, damit sie Jojo und Pierre daran hindern konnten uns hinterherzustürmen. Die Hengste waren zwar brav, aber das war doch eine sehr große Versuchung. Unterdessen erklärte ich meinen beiden Mitreitern, was sie zu beachten hatten und ritt zum Anfang der Galoppstrecke. Ich wartete bis die beiden bereit waren und galoppierte Dynamo mit einem Schenkeldruck und leisem Zungenschnalzen an. Branagorn fiel ebenfalls sofort in seinen wunderbaren, raumgreifenden Galopp, während Cazador eher eine Art Stechtrab zeigte. Meine Cousine hatte die Zügel viel zu eng angezogen und hinderte den Schecken am galoppieren. Ich hielt Dynamo zurück, bis ich gleich auf mit ihr war und rief: "Lass die Zügel locker, sonst kann er nicht laufen!" Sie gehorchte Augen rollend und sofort galoppierte der Criollohengst an. Im Stillen dankte ich ihm für seine Geduld und trieb Dynamo wieder ein wenig vorwärts. Als das Ende der Galoppstrecke in Sicht kam, setzte ich mich vor Branagorn und Cazador und parierte durch. Aus Gewohnheit taten es die anderen beiden Hengste dem schönen Braunen gleich und verlangsamten das Temp ebenfalls. Nun warteten wir auf die Nachzügler. Meine Cousine starrte mit verbissener Mühe in den Schnee - sie hatte ihr braves Reitpferd nicht einmal gelobt. Ich lenkte Dynamo neben Cazador und klopfte dem Schecken den Hals. "Was soll denn das? Er hat nicht gehorcht!", schnappte meine Cousine. Ich biss mir auf die Zunge, doch da kamen schon Donald, Samuel und unsere Mütter an. "Konnte er ja nicht, so eng wie du die Zügel gehalten hast.", bemerkte meine Mutter in ihrer direkten Art. Meine Cousine starrte zu Boden und sagte kein Wort mehr. Ich schüttelte über so viel Uneinsichtigkeit den Kopf, beschloss jedoch mir davon die Laune nicht verderben zu lassen. Als sie die Zügel jedoch wieder so sehr anzog, dass Cazador sein Maul aufriss, nahm ich ihr die Zügel aus der Hand und gab sie Donald auf Zarin als Handpferd. Sie protestierte zwar, merkte aber schnell, dass nicht einmal ihre Mutter auf ihrer Seite war.
      Als wir wieder auf dem Gestüt waren, machte Donald noch schnell ein Familienfoto, dann versorgten wir die Pferde. Auch Leon, meine Tante und meine Mutter halfen mit, nur meine Cousine zog sich ins Haus zurück.

      ~*~

      Die nächsten Tage vergingen wie im Flug und schon war der Tag gekommen, an dem meine Familie wieder abreiste. Mit meiner Mutter und meinem kleinen Bruder hatte ich viel Zeit bei den Fohlen verbracht, vor allem natürlich bei Kazumi Princess El Assuad und Successful Dream. Ein wenig traurig war ich zugegebenermaßen schon, doch auf der anderen Seite war ich auch über alle Maßen froh, dass ich meine Cousine jetzt wieder für eine Weile los war. Sie war einfach ein unglaublich anstrengender Mensch. Es waren keine zwei Stunden vergangen, nachdem meine Familie abgereist war, als mein Handy klingelte. Eine Sekunde lang blieb mir der Mund offen stehen, denn Meg's Nummer wurde mir angezeigt. Hastig nahm ich ab. "S..S..Sammy?", krächzte eine verheulte Meg durch das Telefon. "Meg! Was ist denn los?", fragte ich alamiert. "Ich bin am Flughafen, kannst du mich morgen abholen? Ich weiß, es ist Silvester, aber....", schluchzte sie. "Natürlich hole ich dich, schreib mir einfach nur wann, ja? Aber was ist denn passiert?" "Ach, ich weiß nicht was ich erwartet habe, aber es waren alle einfach furchtbar. Ich halte es keinen Tag länger mehr hier aus. Aber ich muss jetzt Schluss machen, sonst wird die Telefonrechnung unbezahlbar." Ich seufzte: "Okay, Süße. Aber halt die Ohren steif, morgen bist du wieder daheim."

      ~*~

      Nervös trommelte ich mit den Fingern auf die Armlehne des Stuhls, auf dem ich saß. Es war bereits vier Uhr nachmittags und ich saß am Flughafen und wartete auf Meg. Eigentlich hatten Donald und Samuel mitkommen wollen, doch ich hatte sie überredet bei den Pferden zu bleiben. Am Silvesterabend wollte ich unbedingt Leute auf dem Gestüt haben. Das Essen war bereits vorbereitet, fehlte nur noch Meg. Endlich kam die Durchsage für ihren Flug. Ich suchte das Kofferband auf dem ihr Gepäck ankommen würde und schloss sie schon ein paar Minuten später in die Arme. Ihr Gesicht war rot und verquollen, doch ich wollte sie hier am Flughafen nicht ausfragen. Als wir im Auto saßen, brach es jedoch wie von selbst aus Meg hervor: "Meine Mutter hat die ganze Zeit nur gestichelt, dass ihre jüngste Tochter ja so gar nichts auf die Reihe bekommt. Immerhin haben Terry und Rima schon Kinder und Jonathan ist Anwalt. Als ich ankam hat sie meine gesamten Klamotten in die Waschmaschine gekippt, weil sie meinte die stinken nach 'diesen widerlichen Viechern mit denen ich mich ja permanent umgebe' und das würde sie nicht aushalten. Meine Geschwister haben vorgestern sogar einen Teil meiner Kleider verbrannt und meinten ich solle mir doch mal was anständiges kaufen, da ich sie so nur beschämen würde. Aber mein Vater war am Schlimmsten. Er hat kein Wort mit mir geredet, hat einfach so getan, als wäre ich überhaupt nicht da. Er hat mir zu Weihnachten nichtmal was eingeschenkt und die Pute einfach direkt an Jonathan weitergereicht." Nun liefen Meg regelrächte Tränenbäche über die Wange. Ich setzte den Blinker, fuhr links ran und nahm sie in den Arm. Ich hatte gewusst, dass Meg aus einer sehr wohlhabenden amerikanischen Familie stammte, die mit ihrem Berufswunsch überhaupt nicht einverstanden war, doch als die Nachricht ihrer Mutter eingetroffen war, dass sie sie über Weihnachten gerne bei sich haben wollte, hatte ich doch Hoffnung gehabt. Dass diese angebliche Familie die herzensgute Meg nun so gequält hatte, machte mich rasend. Ich fuhr erst weiter, als Meg sich ein wenig beruhigt hatte.
      Eine Stunde später fuhr ich durch das Tor meines Gestüts und sofort kamen die Jungs angerannt, um Meg zu begrüßen. Alle nahmen sie fest in den Arm und Donald trug sofort ihren Koffer hinüber zu den Personalwohnungen. "Siehst du Meg, du hast doch eine Familie - hier bei uns!", flüsterte ich ihr ins Ohr und das erste Mal an diesem Abend sah ich sie lächeln. Ich führte sie ins Haus und bat sie einen Moment zu warten. Dann reichte ich ihr einen schmalen Umschlag und ein in seidenpapier eingewickeltes Päckchen. Sie riss den Umschlag zuerst auf und starrte mich mit großen Augen an. "Ist gestern gekommen, ich wollte es dir aber lieber persönlich überreichen!", sagte ich lächelnd. "Meine Assistenztrainerlizenz.... du hast mir ja gar nicht gesagt, dass du sie schon beantragt hast!", sagte Meg fassungslos. "Ich weiß, aber du bist soweit. Und ich wollte dich überraschen. Aber jetzt mach mal dein Weihnachtsgeschenk auf!", forderte ich sie grinsend auf. Innerhalb von zwei Sekunden war das Papier aufgerissen und zum Vorschein kam ein Seidenblouson in royalblau und gold - den neuen Hollybrook-Farben. Dabei waren auch lederne Handschuhe und ein Helmüberzug in den selben Farben. Nun stand Meg's Mund endgültig offen. "Das.. was... oh wow.", stammelte sie. "Ich möchte, dass du endlich richtig für Hollybrook reitest und dass das auch jeder sehen kann. Du musst doch absolut super aussehen, wenn du Kazumi Princess und Successful Dream in ihren ersten Rennen reitest oder?" Meg flog mir um den Hals und schluchzte erneut hemmungslos. So waren die Jungs ein wenig fassungslos, als sie die Küche betraten, doch sie fingen sich schnell wieder und stiegen einfach in das Gruppenkuscheln ein.
      Wir verbrachten ein wunderschönes Essen, erfreuten uns an dem rießigen Feuerwer, dass hier auf dem Land in alle Richtungen meilenweit zu sehen war und gingen anschließend zu den Pferden um ihnen ein frohes neues Jahr zu wünschen. Ich wusste einfach, dass dieses Jahr noch besser werden würde als das letzte. Immerhin hatte ich die tollsten Pferde und das tollste Team, das man sich nur wünschen konnte!
      12 Jan. 2017

      Sammy
      Schnelle Pflege für alle Pferde

      Gähnend betrat ich die Stallungen und fing gemeinsam mit meinen Mitarbeitern an die Pferde auf die Koppeln zu bringen. Wir führten Levistino, Branagorn, Black Soul, Fantastic Fly und Pride and Prejudice auf die Weiden. Meg und Brian kümmerten sich solange um Glammy, Wild Lady Roxanne, Samiyah, Mahira, Unannounced Pleasure, Reminiscent Inspiration und Angels Fall First. Weiter ging es bei den Englischen Vollblütern. Meine wundervollen Rennpferde durften diesen schönen Sonnentag natürlich auch draußen verbringen. Wir holten Ghostbuster, Tschiwabschischi, El Racino, Pawaneeh, Success Story xx mit Successful Dream, Kagami El Assuad mit Kazumi Princess El Assuad, Backup, Pirate Island, Ace of Spades und Far Cry aus ihren Boxen und führten sie hinaus. Gleich darauf folgten meine Wüstentänzer Amayyas, Pangäa, Cirilla, Ivory, Candle in the Wind, Khamar al Sanaa, Shamal, Wüstentänzer, Sahira, My lovely Horror Kid, Saddy, Haadeh, Little Miss Sunshine, Bittersweet, Sharley, Fallen Immortaliny, Adina De Ra'idah und Melody's Girl. Als das geschafft war holten wir meine Baletttänzer nach draußen - also die Warmblütern, deren Ausbildungsschwerpunkt in der Dressur lag. Das waren Negresco, Ojos Azules, Cuchara, Slaters Secret, San Salvador, Benjilala, Pierre und Salwa. Anschließend folgten die Bewegungskünstler Damon's Dynamo, Rainbow, Ehawee, Middle Ages, GH's Safriko, Mizzi, Someone, Paradises Raffinesse, Shekitt Quinn, Wannabe, Fair Prince, Intolerable Life, Fatimah und Dark Misery. Gleich darauf kamen die ganz kleinen: Rumpelstielzchen, Darkwood's Storm Dancing Feather, Miniature America's Narnia, Hollybrook's Tiny Girl, Juego, Mississle, Little Big Girl, Hollywood Undead, Kolibri und Napayné. Fehlten nur noch drei Sparten. Als erstes waren meine Westernpferde an der Reihe. Das waren Arriba, Dissident Hawk, The Morticains Daugther, My Golden Heart, Golden Indian Summer, American Baby, Girlie, Cazador, BB's Harmony, My possible Pasts, Chaira, Dream of Wyoming und Apaches Tomahawk. Danach folgten meine Vielseitigkeitsponys Panta Rhei, Rosewell, Hollybrook's Cheeky Jot, Hollybrook's Casanova, Hollybrook's Bloody Valentine, BMs Caradoc, Orfino, Hollybrook's Zarin, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Fairy Bluebird, Magical Moment, Thousand Sunny, Isola della Pirateria, Aimiliani, Naboo, Fairylike Facility, Everybody's Darling, Golden Flair, Walk of Fame, Precious Scream, Daemon, Dorina, Cinnemont's History und Eddi's Dead Pop Romance. Nun fehlten nur noch die Pferde, die noch nicht gekört waren. Das waren Ma Belle apasionada, Porcelain Doll, Ala' Forza, PFS' Glenn's Cookie, Grace's Cookie 'n Cream, GE's Ljosfari, Siberia, Shawnée und Devil in Prada. Sie alle durften diesen herrlichen Tag draußen verbringen und hatten somit frei. Meine Mitarbeiter und ich machten uns dagegen an die Stallarbeit...
      13 Juli 2017

      Sammy
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      Es wird kalt auf Hollybrook!
      30. Oktober 2017

      Bibbernd zog ich meine gefütterte Stalljacke enger um meine Schultern, als mir beim Verlassen des Hauses ein eisiger Wind entgegen schlug. Mittlerweile war es Ende Oktober und der schöne Sommer war endgültig vorüber. Letzte Woche hatte es angeblich noch zwei sonnige Tage gegeben, doch nun regnete es seit Tagen beinahe ununterbrochen. Die Koppeln waren reine Schlammwiesen und meinen Pferden schlug das Wetter ebenfalls auf die Laune. Dazu kam, dass ich in den letzten Monaten sehr viel unterwegs gewesen war. Erst vor zwei Stunden war ich aus dem Flieger gestiegen und mich nach kurzem Überlegen entschlossen, zuerst meine Lieblinge zu besuchen. Meine Mitarbeiter hatten zwar die Pflege und das Training der Pferde übernommen, doch weiter ausgebildet hatten sie sie selbstverständlich nicht. Sie hatten lediglich den Auftrag bekommen, sie in Form zu halten und alte Lektionen zu festigen, sowie die Gehorsamkeit und Beweglichkeit zu schulen. Ich hoffte, dass ich nun auf den Winter hin wieder mehr Zeit auf meinem geliebten englischen Gestüt verbringen konnte, um meine Pferde während der Turnierpause weiter auszubilden. Auch die Arbeit mit den Fohlen würde dann an vorderster Stelle stehen. Kazumi Princess El Assuad und Successful Dream wurden bald ein Jahr alt und auch die beiden Pineforest Stable Fohlen PFS' Isis und PFS' Beck's Little Diva hatten ihr erstes Lebensjahr bald hinter sich. Devil in Prada, Shawnée und Siberia durften Anfang des Jahres unter den Sattel und auch für Ljósfari wurde es demnächst ernst. Grace's Cookie n' Cream, Ala' Forza, PFS' Glenn's Cookie und PFS' Daydream of Money mussten auf ihre ersten Fohlenschauen vorbereitet werden und meine kleine Porcelain Doll gewann hoffentlich ihre zweite. Ansonsten mussten selbstverständlich die Anwärter Ma Belle apasionada, Lamira, Incendio und Roi du Soleil für ihre Körungen bzw. Stutbuchwettbewerbe trainiert werden.
      In diesem Moment wurde ich unsanft aus meinen Überlegungen geholt, als mich ein besonders heftiger Windstoß beinahe von den Füßen riss. Ich biss die Zähne zusammen und legte den Rest zum Stall im Laufschritt zurück. Drinnen wurde ich wie gewohnt von warmer Luft und vielstimmigem Gebrummel empfangen. Glücklich schloss ich die Augen und so den herrlichen Stallgeruch ein, der mir entgegenschlug. Bei all dem Stress in letzter Zeit war es einfach herrlich, mal wieder einen ganzen Morgen in aller frühe mit meinen geliebten Vierbeinern zu verbringen. Mein erster Weg führte mich heute zu meinen Vielseitigkeitschampions. Levistino drückte liebevoll sein weiches Maul in meine Hand und ich kraulte ihm seine Stirn und strich seinen langen weißen Schopf aus seinem Gesicht. Gleich darauf wechselte ich zu meinem Holsteinerhengst Fantastic Fly, der mich erst einmal ein paar Sekunden lang ignorierte. Dann hielt der schöne Fuchs es jedoch nicht länger aus und empfing mich mit einem leisen Brummeln. Auch das deutsche Reitpferd Pride and Prejudice ließ sich erst ein wenig betteln. Einige meiner Pferde waren extrem eigen und das zeigte sich eben, wenn ich einmal nicht so viel Zeit für sie hatte wie sonst immer. Nachdem ich auch mit meinen Hannoveranerhengsten Black Soul, Incendio und Branagorn gekuschelt hatte, waren meine Vollbluthengste an der Reihe. Da waren die englischen Vollblüter Ghostbuster, Pawaneeh, Tschiwabschischi und El Racino, der Achal Tekkiner Candle in the Wind, der Berber Amayyas, die Araber Khamar al Sanaa, Wüstentänzer und mein Nachwuchstalent Shamal. Sie alle bekamen eine extra Portion Streicheleinheiten und vor allem bei dem schönen Araberschimmel Khamar entschuldigte ich mich. Der Hengst war schon lange Zeit bei mir und hatte einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Weiter ging es mit den Andalusiern Negresco und Ojos Azules, den Barockpintos Slaters Secret und San Salvador, dem Lusitano Pierre, dem Traber Damon's Dynamo, den Saddlebreds GH's Safriko und Someone, dem Paso Fino Wannabe und den Isländern Fair Prince und Intolerable Life. Als ich gerade durch die dicke Mähne des Rappschecken fuhr, stieß mein Liebling bei den Ponys - Hollybrook's Cheeky Jot - ein entrüstetes Wiehern aus. Der schöne Hengst hasste es, ignoriert zu werden und anscheinend hatte ich mir für seinen Geschmack mit den anderen zu viel Zeit gelassen. Also wandte ich mich dem schönen Hengstchen zu und schlang ihm die Arme um den kräftigen Hals. Meine Mitarbeiter hatten wirklich ganze Arbeit geleistet, meine Pferde sahen wunderbar aus. Nach Cheeky war sein Sohn Hollybrook's Casanova an der Reihe, dann Hollybrook's Bloody Valentine, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Zarin, BMs Caradoc, Orfino, Panta Rhei, der Neuzugang Roi du Soleil, Eddi's Dead Pop Romance und Daemon. Als nächstes wurde meinen Minis Aufmerksamkeit zuteil. Die Miniature Hengste Rumpelstielzchen und Darkwood's Storm Dancing Feather waren als erstes dran, dann ging es mit Juego und Hollywood Undead weiter. Nachdem ich auch meine Westernpferde Dissident Hawk, Golden Indian Summer, Dream of Wyoming und Cazador geknuddelt hatte, bekamen meine Schätze ihr Frühstück.
      Da ich bei den Hengsten mit den Westernstars aufgehört hatte, waren die Stuten unter ihnen nun als erstes an der Reihe. Ich besuchte die Criollos Chaira, Arriba und Girlie, dannach Apaches Tomahawk, American Baby, BB's Harmony, Your possible Pasts, My Golden Heart und The Morticains Daughter. Auch die Minis des Hofes, Miniature America's Narnia, Hollybrook's Tiny Girl, Mississle, Little Big Girl, Napayné und Kolibri bekamen ihre Streicheleinheiten. Die Traber Rainbow, Ehawee und Middle Ages interessierten sich herzlich wenig für mich, sondern eher für die Möhren, die ich ihnen zusteckte. Meine Saddlebred Stute Shekitt Quinn genoss die Aufmerksamkeit dafür umso mehr. Genauso wie Paradises Rafinesse, Mizzi, Ma Belle apasionada und die Isländer Fatimah und Dark Misery. Gleich im Anschluss daran ging ich weiter zu Cuchara, Benjilala, Salwa, Pangäa, Cirilla, Ivory, Sahiar, My lovely Horror Kid, Saddy, Haadeh, Sharley, Bittersweet, Little Miss Sunshine, Fallen Immortaliny, Adina De Ra'idah und Melody's Girl. Nun fehlten nur noch die Ponys, die Englischen Vollblüter und meine Militarypferde. Erstere waren gleich an der Reihe. Rosewell, Hollybrook's Fairy Bluebird, Magical Moment, Thousand Sunny, Aimiliani, Naboo, Isola della Pirateria, Fairylike Facility, Everybody's Darling, Golden Flair, Walk of Fame, Precious Scream, Dorina und Cinnemont's History freuten sich sichtlich über die Aufmerksamkeit. Vor allem Isola, Darling und Fame bekamen nicht so viele Streicheleinheiten, wenn ich nicht da war. Aber auch die Vollblüter, um die sich vor allem Meg heiß und innig kümmerte, freuten sich über meine Anwesenheit. Backup, Success Story xx mit ihrem Fohlen Successful Dream, Kagami el Assuad mit Kazumi Princess El Assuad an ihrer Seite, Pirate Island, Ace of Spades und Far Cry bekamen alle eine kurze Rückenmassage, bevor ich weiter zu meinen Warmblütern ging. Der Neuzugang Lamira war zuerst dran, dann folgte die Leitstute Samiyah, Mahira, Unannounced Pleasure, Reminiscent Inspiration, Angels Fall First, Wild Lady Roxanne und Glammy. Nachdem ich all meine Stuten gefüttert hatte, setzte ich mich bei Everybody's Darling in die Box und döste ein wenig neben dem Fuchsstütchen. Geweckt wurde ich vom spitzen Schrei meiner Freundin und Angestellten Meg, die mich als erstes entdeckt hatte. "Du kommst mitten in der Nacht zurück und hast dann nichts besseres zu tun als die Pferde zu füttern? Du hättest mich wecken können!", beschwerte sie sich. "Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es sich nicht mehr lohnt, ins Bett zu gehen. Außerdem musste ich doch meine Babys begrüßen! Und jetzt erzähl mir alles. Jedes Detail, ich muss alles wissen.", wies ich Meg grinsend an.
      30 Okt. 2017

      Sammy
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      April, April, der weiß nicht was er will
      30. April 2018

      Mit einem leichten Stirnrunzeln sah ich von den Unterlagen auf, die ich gerade durchging. Es war Frühling auf Hollybrook und dementsprechend gab es eine ganze Menge zu tun. Die Turniersaison begann, für die frischgebackenen Jährlinge musste ein Trainingsprogramm erstellt werden und natürlich erwarteten einige meiner Stuten auch dieses Jahr wieder ein Fohlen. Die letzten Tage war es brütend heiß gewesen, die Frühlingstemperaturen waren wohl an England vorbeigegangen. Wir hatten die Pferde angeweidet und sie tollten momentan alle auf ihren Koppeln herum, während meine Mitarbeiter die Stallarbeit erledigten. Für ernsthaftes Training war es an diesem Aprilnachmittag sowieso viel zu heiß. Gerade eben hatte mich jedoch ein bedrohliches Grollen aus meiner Konzentration gerissen und nach einem Blick aus dem großen Fenster sprang ich sofort auf. Der bisher wunderbar blaue und wolkenlose Himmel war nun stahlgrau, um nicht zu sagen schwarz. Wind kam auf und schon zuckten die ersten Blitze über den Himmel. Und ich hatte sage und schreibe 129 Pferde auf den Weiden stehen. Mit zwei großen Schritten war ich aus der Tür hinaus und eilte über den Hof zu den Stallungen, um meine Mitarbeiter zusammen zu trommeln. Im Stalltrakt der Stuten lief laute Musik, weshalb das drohende Unwetter bisher unbemerkt geblieben war. Ich schaltete den Lärm ab und beschleunigte alle. Immerhin hatte ich einige höchst nervöse Tiere auf dem Hof, die mit Gewitter überhaupt nichts anfangen konnten. Wir begannen mit meinen Englischen Vollblütern. Zuerst kamen Kagami el Assuad und Success Story xx in den Stall. Die beiden Pferdedamen waren vor einem halben Jahr von ihren Babys getrennt worden und gerade Kagami war seitdem nicht unbedingt einfacher geworden. Meg und ich führten sie in die Boxen und schlossen hastig die Türen. Patrick eilte währenddessen durch die gesamten Stallungen und schloss alle Türen zu den Außenboxen. Gleich nach uns folgten Pirate Island, Ace of Spades, Backup und Far Cry. Auch die vier Hengste Ghostbuster, Tschiwabschischi, El Racino und Pawaneeh waren blitzschnell von den Koppeln geholt. Als wir den Stall das nächste Mal verließen, um die anderen Vollblüter einzusammeln, mussten wir uns schon regelrecht gegen den Wind stemmen. Ich schnappte mir zuerst Amayyas, den stolzen Berberhengst. Der Roan ließ noch immer nur Brian und mich an sich heran und Brian war gerade mit dem Araberhengst Wüstentänzer zugange. Meg folgte mit Ivory, Patrick nahm Candle in the Wind, Donald führte Cirilla und Samuel Khamar al Sanaa. Gleich darauf waren Shamal, Pangäa, Sahira, My lovely Horror Kid, Saddy und Barakah al Sanaa dran. Letztere war erst vor einer Woche auf mein Gestüt zurückgekehrt und noch von den anderen Stuten separiert. Mit Horror, Sahira und Saddy hatten wir bereits ganz schöne Probleme und auch der junge Araberhengst Shamal spielte sich ziemlich auf. Ich atmete erleichtert auf, als ich die Tür hinter dem temperamentvollen Tier schloss und auch die anderen die Stricke vor die Boxen warfen. Haadeh und Little Miss Sunshine konnte man gemeinsam führen, sodass mit ihnen auch Bittersweet, Sharley, Adina De Ra'idah, Fallen Immortaliny und Melody's Girl in die sicheren Stallungen kamen. Damit waren sämtliche Vollblüter versorgt. "Und jetzt?", fragte Meg atemlos, als sie die Tür hinter Melody schloss. "Die Vielseitigkeitspferde. Gleich danach die Traber und die Jungpferde bzw. Fohlen. Die Ponies kommen zum Schluss, weil wir die noch am besten händeln können.", gab ich meine Anweisungen wie aus der Pistole geschossen. Wir hatten gerade Lamira, Incendio, Mahira, Samiyah, Levistino, Branagorn, Black Soul, Unannounced Pleasure, Reminiscent Inspiration, Angels Fall First, Fantastic Fly, Wild Lady Roxanne, Pride & Prejudice und Glammy im Stall, als der Regen einsetzte. Ich fluchte reichlich undamenhaft vor mich hin uns sprintete los, um meinen Traberhengst Damon's Dynamo von der Koppel zu holen. Der sonst so sanftmütige Hengst hasste Regen und galoppierte bereits mit geblähten Nüstern und angelegten Ohren am Zaun seiner Koppel entlang. Ich hatte dennoch keine Mühe ihn einzufangen, glücklicherweise besaß Dynamo wirklich ausgezeichnete Manieren. Dennoch war ich sehr erleichtert als er, Ehawee, Rainbow, Middle Ages, GH's Safriko, Someone, Paradises Rafinesse, Mizzi, Shekitt Quinn, Ma Belle apasionada und Wannabe im Stall standen. Wie angekündigt folgten nun die Jungpferde Devil in Prada, Shawnée, Siberia, GE's Ljósfari, Grace's Cookie 'n Cream, PFS' Beck's Litte Diva, Ala' Forza, PFS' Glenn's Cookie, Porcelain Doll, PFS' Isis, PFS' Arctic Alinghi, PFS' Daydream of Money, Kazumi Princess El Assuad, Successful Dream und Picturesque Diova. Diova hatte ich zusammen mit Barakah von Canyon übernommen und freute mich schon sehr auf die Arbeit mit der jungen Stute. Princess lief mir vor lauter Aufregung fast in die Hacken. Dies war das erste richtige Gewitter, dass die junge Stute ohne ihre Mutter durchleben musste. Dreamy spielte dagegen völlig verrückt. Die junge Stute stieg auf die Hinterbeine und sprang im Kreis um Brian herum. Ich führte Princess schneller, um Dreamy zu überholen und hoffte darauf, dass die braune Stute ihrer Freundin folgen würde. Glücklicherweise war dies der Fall, auch wenn Dream dabei Brian hinter sich zurückließ und plötzlich neben mir bei Princess in der Box stand. Ich beschloss die beiden während des Gewitters zusammen stehen zu lassen, Dream hätte mich sonst wahrscheinlich sowieso gefressen. Immer schneller zuckten die Blitze nun über den Himmel, als wir die Andalusier Negresco, Cuchara und Ojos Azules, die Lusitanos Salwa und Pierre und die Barockpintos Slaters Secret, Benjilala und San Salvador vor dem Sturm retteten. Von den übrigen Pferden erschallte nervöses Gewieher und ich musste mich sehr zusammenreißen, um nicht in Panik zu verfallen. Der Regen schlug uns hart ins Gesicht, während wir begannen, die Ponies herein zu holen. Da waren der klatschnasse Hollybrook's Cheeky Jot, Hollybrook's Casanova, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Bloody Valentine, Hollybrook's Zarin, Orfino, Blue Moon's Caradoc, Panta Rhei und Rosewell, Hollybrook's Fairy Bluebird, Magical Moment, Thousand Sunny, Aimiliani, Naboo, Isola della Pirateria, Fairylike Facility, Everybody's Darling, Golden Flair, Walk of Fame, Precious Scream, Eddi's Dead Pop Romance, Daemon, Dorina, Cinnemont's History, Dark Misery, Fair Prince, Intolerable Life, Fatimah und die Minis Rumpelstielzchen, Darkwood's Storm Dancing Feather, Miniature America's Narnia, Hollybrook's Tiny Girl, Juego, Mississle, Little Big Girl, Hollywood Undead, Napayné, Kolibri und Roi du Soleil. Fehlten nur noch die Westernpferde. Als wir dieses Mal den Weg zu den Koppeln gingen, begann es zu hageln. Ich zog den Kopf ein und legte noch einmal einen Zahn zu. Meg, Brian, Samuel und ich kümmerten uns um Arriba, Chaira, The Morticains Daughter, My Golden Heart, Your possible Pasts, BB's Harmony, American Baby, Girlie und Apaches Tomahawk. Die anderen holten Cazador, Dream of Wyoming, Golden Indian Summer und Dissident Hawk hinein. Völlig erledigt ließ ich mich auf den Boden vor Golden's Box sinken und atmete erst einmal tief durch. Die Pferde waren nervös und ein Großteil von ihnen klatschnass, aber immerhin waren wir nun alle geschützt vor diesem ekelhaften Unwetter. Der Donner grollte pausenlos und durch die Stallfenster sah man alle paar Sekunden Blitze aufleuchten. Ich teilte jedem ein Stallende zu und wir begannen damit, die Pferde trocken zu reiben. Die Westernpferde hatte es am Schlimmsten erwischt, Harmony und Daughter stellte ich als erstes unters Rotlicht, nachdem ich ihnen mit einem Schweißmesser das gröbste Wasser aus dem Fell geholt hatte. So arbeiteten wir uns schweigend durch den Stall, beruhigten die Pferde und auch selbst und warteten, bis das Gewitter vorbei war. Der ganze Spuck dauerte nicht einmal zwei Stunden, dann wurde der Himmel wieder hell und eine knappe Stunde später war auch die drückende Hitze wieder da. Nach einem kurzen Blick in den Wetterbericht entschied ich dennoch, die Pferde für heute nur noch auf die Paddocks hinaus zu lassen. Eine Wahnsinnsaktion pro Tag reichte mir vollkommen.
      30 Apr. 2018

      Sammy
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      Bunte Blätter, Nieselregen und schwerwiegende Entscheidungen
      21. Oktober 2018

      Fröstelnd zog ich den Reißverschluss meiner Softshelljacke höher und zog die Kapuze tiefer ins Gesicht. Der Herbst hatte mit voller Wucht Einzug auf Hollybrook Stud gehalten. Innerhalb kürzester Zeit hatten sich die Blätter der Bäume orange, rot und gelb gefärbt und regneten in Scharen zu Boden. Während es tagsüber meist noch angenehm warm war, erreichte es nachts schon Minusgrade. Fünf Uhr morgens war praktisch nachts, also fror ich erbärmlich. Erleichtert schlüpfte ich in die behaglich warmen Stallungen und vernahm sofort das beruhigende Rascheln der Pferde im Stroh. In ein paar Minuten würden meine Angestellten mit dem Training der Vollblüter beginnen, danach folgte die Morgenfütterung. Ich aber hatte heute ein paar wichtige Dinge zu entscheiden und so verzog ich mich gleich in mein Büro und schloss die Tür hinter mir. Die Zucht lief nicht wie geplant. Gerade nach den selteneren Rassen bestand kaum Nachfrage, dafür kostete der Unterhalt von knappen 150 Pferde eine ganze Menge. In letzter Zeit hatte ich auch nicht mehr das Gefühl, meinen Lieblingen unter den Pferden gerecht werden zu können. Hatte ich mich früher ausschließlich selbst um das Training der Fohlen und Jungpferde gekümmert, so musste ich nun schon allen wegen des ganzen Verwaltungsaufwands immer mehr darauf verzichten. So konnte es nicht weitergehen. Also hatte ich schweren Herzens beschlossen, meine Zucht rein und allein auf die englischen Vollblüter und meine Vielseitigkeitspferde zu beschränken. Alle anderen mussten gehen. Ein paar Pferde hatten sich auch definitiv ihren Ruhestand verdient und ich hatte schon ein wunderschönes Gehöft in zweistündiger Entfernung ausgemacht. Dort wurde armen und benachteiligten Kindern der Umgang mit Pferden ermöglicht. Sie durften die Tiere putzen, mit ihnen spazieren gehen und teilweise auf ihnen reiten. Das war genau das richtige, für einige meiner Lieblinge.
      Seufzend zog ich die Listen mit den Namen meiner Pferde aus der Schublade. Leicht wurde dieses Unterfangen dennoch nicht, ich hing an allen meinen Schützlingen.
      Definitiv verkaufen wollte ich Hollybrook's Barakah al Sanaa, Bittersweet, Wüstentänzer, Far Cry, Candle in the Wind & Ivory, Pierre und Salwa, Someone & Mizzi, Dream of Wyoming, American Baby & BBs Harmony, Daemon, Dorina und Eddi's Dead Pop Romance, Kolibri, Hollybrook's Tiny Girl, Precious Scream, BMs Caradoc, Hollybrooks Classic Moment, Hollybrook's Bloody Valentine, Hollybrook's Zarin, Hollybrook's Fairy Bluebird und Hollybrook's Casanova. Gerade bei Letzterem zeriss es mir beinahe das Herz, so sehr liebte ich den jungen Hengst. Allerdings konnte ich es mir nur erlauben einen New Forest Hengst zu behalten und das war unstreitig Hollybrook's Cheeky Jot, das erste Fohlen der Hollybrook Zucht. Niemals könnte ich mich von ihm trennen. Außerdem hoffte ich für Casanova und all die anderen Käufer zu finden, die die Tiere gut förderten und ihnen ein schönes Zuhause schenkten. Auch bei Wüstentänzer fiel mir die Entscheidung alles andere als leicht. Jedoch hatte ich mit Khamar al Sanaa und Shamal zwei Araberhengste die weitaus besser zu meinen künftigen Plänen passten. Rosewell und Panta Rhei würde ich Eddi anbieten, immerhin hatte ich die beiden damals im Fohlenalter von ihr übernommen und großgezogen.
      Dann gab es in den letzten Jahren leider auch einige Verluste zu beklagen. Meine wunderschöne Berberstute Cirilla hatte sich beim Toben eine Sehne gerissen, die nie mehr richtig verheilt war. Auch die Fohlen Ala Forza und Shawnée würden niemals in einer Zucht mitwirken können. Apaches Tomahawk und Girlie hatten sich den Ruhestand dagegen redlich verdient. Mississle war nach einem Kutschunfall nicht mehr dieselbe. Sie kam nicht mehr mit dem Trubel auf dem großen Gestüt zurecht und obwohl ich so viele Hoffnungen in die süße Stute gesetzt hatte, würde ich sie gehen lassen. Selbes galt für Chaira, Cazador, Napayné, Wannabe, Juego und Little Big Girl. Sie hatten alle tolle Arbeit geleistet und sich ein wenig Entspannung mehr als verdient. Meine Traberstute Middle Ages war während eines Rennens gestürzt und hatte sich das Röhrbein gebrochen. Ich hatte gehofft, dass sie sich nach einer ausgiebigen Ruhepause so weit erholen würde, um Mutter werden zu können, doch der Tierarzt hatte mir davon abgeraten. Das Gewicht eines Fohlenbauches wäre zu viel für das Bein. Bei Shekitt Quinn, GH's Safriko, Paradises Rafinesse und Ma Belle apasionada war ich mir noch nicht sicher, was ich tun sollte. Sie passten nicht mehr auf den Hof, aber ich hing doch sehr an jedem von ihnen. Gerade Belle hatte ich ja noch gar nicht so lange in meinem Besitz. Hollywood Undead, Orfino, Dark Misery, Fair Prince, Sahira, Hadeeh, Slaters Secret, Little Miss Sunshine, Sharley, Golden Flair, Walk of Fame und Melody's Girl lag der Umzug ebenfalls am Alter. Der Mix San Salvador machte mir zur Zeit Sorgen. Er hatte hohes Fieber und stand mittlerweile sogar in Quarantäne. Der Tierarzt machte mir nicht allzu viele Hoffnungen. Und falls sich der junge Hengst erholte, würde er wohl nicht mehr im Sport mitmischen können. Mein Flaschenfohlen Everybody's Darling litt an der gleichen Krankheit wie Salvador, nur dass es ihr noch wesentlich schlechter ging. Bei ihr rechnete ich schon nicht mehr damit, dass sie sich noch erhohlen würde. Fallen Immortaliny und Adina De Ra'idah waren für das hektische Gestütsleben einfach nicht gemacht. Sie waren unzufrieden und sollten deshalb in ein ruhigeres Heim umziehen. Ich macht Haken und Kreuze, schrieb neue Listen, teils mit, teils ohne Fragezeichen dahinter. Schließlich war ich soweit, dass ich nur noch die Pferde auf einer Liste hatte, die definitiv bleiben sollten.
      Inzwischen war die Morgenfütterung vorbei und ich trat hinaus auf die Stallgasse, um alles über das Training der Vollblüter zu erfahren. Pawaneeh, Ghostbuster, Tschiwabschischi und El Racino waren heute ein Trainingsrennen gegeneinander gelaufen, was anscheinend auch hervorragend geklappt hatte. Es überraschte mich nicht, dass der ehrgeizige Racino als Sieger daraus hervorgegangen war. Für Pirate Island, Ace of Spades und Backup hatte heute nur leichtes Galopptraining stattgefunden, während Kagami El Assuad und Success Story xx alles hatten geben dürfen. Die Fohlen der beiden waren mittlerweile fast zwei Jahre alt und bereiteten mir täglich mehr Freude. Kagami und Story waren wieder ganz die Alten und gaben auf der Bahn alles. Auch wenn sie eigentlich nicht mehr aktiv im Galopprennsport liefen, brauchten sie das schnelle Training auf der Bahn ab und an einfach. "Sammy! Kagami war der absolute Wahnsinn!", rief Meg mit strahlenden Augen. Ihr Herz schlug vor allem für das Rennreiten und sie war völlig aus dem Häuschen gewesen, als ich sie schließlich auf die äußerst talentierte aber auch besonders schwierige Kagami gesetzt hatte. Ich grinste und zeigte ihr den erhobenen Daumen. "Bereit für die Vielseitigkeitsstars? Donald nimmt wie üblich Fantastic Fly und Brian Black Soul. Für die beiden steht heute Dressurarbeit auf dem Programm. Lasst euch nicht veralbern, die haben das Dressurtraining dringend nötig. Samuel nimmt Levistino und Meg Angels Fall First. Mit den beiden geht es heute mal wieder ins Gelände. Zieht euch warm an und wärmt die zwei gut auf, es ist verdammt kalt heute." gab ich meine Anweisungen. "Oh und Patrick? Du schließt dich mit Branagorn an. Du bist so weit und Branagorn passt auf dich auf.", sagte ich zu dem unerfahrensten Reiter in meinem Team. Der konnte sein Glück kaum fassen. Ich selbst schnappte mir die Cremellostute Samiyah und machte sie fürs Springen fertig. Sami war eine echte Diva, aber eine Sportskanone sonder gleichen. Ich packte mich dick ein und warf der Stute eine Fleecedecke über den glänzenden Rücken, bevor wir uns zum Springplatz aufmachten. Der leichte Nieselregen störte Samiyah zwar, doch da musste sie durch. Ich hatte gestern bereits mit meinem deutschen Reitpferd Pride & Prejudice trainiert, weshalb der Parcours noch aufgebaut war. Der schöne Schecke hatte seine Sache wirklich gut gemacht und ich erwartete von Samiyah dasselbe. Ich ritt die Stute im Schritt am langen Zügel um den Platz und ignorierte den schlagenden Schweif und die zeitweise angelegten Ohren. Sami war eine ausgemachte Zicke, wenn ihr etwas nicht passte und dieses Gehabe hatte uns bei schlechtem Wetter schon den ein oder anderen Turniersieg gekostet. Ich ignorierte es und wärmte Samiyah in aller Seelenruhe auf. Beim Angaloppieren buckelte die Stute, doch darauf war ich schon gefasst gewesen und saß tief im Sattel ein. Als ich das Tierchen endlich auf den ersten Sprung zusteuerte musste Sami sich konzentrieren. Immerhin sprangen wir hier einen Parcours auf S-Niveau. Das Gezicke wurde weniger und ich hatte endlich mein arbeitswilliges Stütchen unter mir. Sami flog über die Sprünge des Parcours, als wären sie überhaupt nicht vorhanden und riss bis auf die letzte Stange kein Hindernis. Ich klopfte ihr den feuchten Hals, sprang aus dem Sattel und führte sie zum Stall. Der Regen war stärker geworden, so würde Samiyah sowieso nicht trocken werden. Im Stall angekommen, befreite ich sie von Sattel und Zaumzeug, legte ihr ihre Abschwitzdecke auf und führte sie die Stallgasse auf und ab, damit sie abkühlte. Dann brachte ich sie in die Box zurück. Zwischenzeitlich standen auch Fantastic Fly und Black Soul wieder in ihren Boxen. Für Mahira, Unannounced Pleasure und Reminiscent Inspiration - die drei Jungspunde bei den Warmblütern - stand heute ebenfalls Dressurtraining an. Brian übernahm Pleasure, Donald Inspiration und ich selbst holte die Scheckstute Mahira aus ihrer Box. Meg und Samuel sollten später Glammy und Wild Lady Roxanne longieren und damit waren wir mit den Vielseitigkeitspferden dann auch schon durch.
      Nur neun Hengste gemischter Rassen sollten endgültig auf Hollybrook bleiben. Darunter war natürlich mein gliebter Traberhengst Damon's Dynamo. Er war gestern erster bei einem Gangturnier geworden und hatte sich daher heute einen freien Tag verdient. Mit den beiden Andalusiern Negresco und Ojos Azules arbeiteten Brian und ich zu Zeit an einem Pas de deux. Ich hatte vor in naher Zukunft beim Fohlenverkauf und auch auf Turnieren eine kleine Show aufzuziehen, wobei die beiden Hengste eine große Rolle spielten. Ich liebte meine Spanier und könnte mich niemals von ihnen trennen. Dann waren da noch die beiden Westernhengste Golden Indian Summer und Dissident Hawk. Bei ihnen hatte ich sehr lange überlegt, ob ich sie nicht in eine gute Zucht geben sollte, aber da ich auch zwei Paint Horse Stuten behalten würde und einfach an den beiden hing, durften sie bleiben. Auch der Berberhengst Amayyas hatte seinen festen Platz auf meinem Hof gefunden. Der Red Roan war immer noch schwer zu händeln und ließ außer Brian und mir keinen auf seinen Rücken. Er hatte allerdings so unglaublich viel Charakter, dass die Arbeit mit ihm viel Freude machte. Auch er sollte irgendwann in der Hengstparade mitlaufen, genau wie die beiden Araber Khamar al Sanaa und Shamal. Der Schimmel Khamar gehörte schon so lange zum festen Bestandteil des Hofes, dass all meine Mitarbeiter ihn abgöttisch liebten. Er war zwar auch temperamentvoll, aber wunderbar feinfühlig zu reiten. Bei Shamal musste man sich noch etwas mehr durchsetzen, doch der Hengst war trotz seiner ganzen Erfolge ja auch noch immer ein Jungspund. Zuletzt blieb mein Isländerhengst Intolerable Life. Bei ihm hatte ich lange überlegen müssen, ob ich ihn und seine Zwillingsschwester Fatimah behalten sollte. Allerdings waren die Zwillinge für mich etwas so Besonderes, dass ich mich nicht von ihnen trennen konnte. Sie waren die ersten Fohlen meines allerersten Zuchtpferdes. Zuletzt ging ich bei Hollybrook's Cheeky Jot vorbei. Der New Foresthengst hatte heute ebenfalls seinen freien Tag, bekam aber wie üblich seine Schmuseeinheit von mir.
      Als nächstes waren die verbliebenen Stuten an der Reihe. Donald, Samuel, Brian, Patrick und Meg kümmerten sich um die Westernpferde Arriba, My Golden Heart, The Morticains Daugther und Your possible Pasts. Da der Regen nachgelassen hatte, würden sie einen schönen ausgiebigen Ausritt mit den vier Stuten machen. Ich dagegen kümmerte mich in dieser Zeit um das Dressurtraining der Berberstute Pangäa, der Andalusierdame Cuchara und der Barockpintostute Benjilala. Die Dressurchracks liebten das Training und grade Cuchara war der unangefochtene Star im Stall. Als ich mit dem Training der drei Stuten fertig war, kamen auch die Westerndamen wieder auf den Hof zurück. Ich nahm Samuel und Brian Heart und Daugther ab und übergab ihnen dafür die Traberstuten Ehawee und Rainbow. Auch für sie stand ein schön langer Ausritt auf dem Programm. Nach kurzem Überlegen schickte ich Donald und Meg auf den Araberstuten Saddy und My lovely Horror Kid hinterher. Patrick wirkte etwas enttäuscht, aber keine der Stuten war ruhig genug, um sie mit ihm ins Gelände zu schicken. Ich winkte ihn heran. Die sechs verbliebenen New Forest Stuten Magical Moment, Aimiliani, Isola della Pirateria, Thousand Sunny, Naboo und Fairylike Facility sowie die Isländerstute Fatimah durften heute ein bisschen in der Halle laufen. Immer zu zweit, bzw Aimi, Magic und Fatimah zu dritt. Magic, Aimi und Sunny bildeten einen Teil meines Feenpferdchen-Programms mit ihren langen, wallenden Mähnen. Sie würden zusammen mit Fairy und Fatimah auch für Ausritte potentieller Gäste zur Verfügung stehen. Ich ging nun mit der Ministute Miniature America's Narnia ein wenig in den Round Pen, während Patrick Rumpelstielzchen und Darkwood's Storm Dancing Feather frei laufen ließ. Die Minihengste hatten schon einige Erfolge für sich verbuchen können und ich hoffte, bald schon die ersten Fohlen von ihnen auf dem Hof begrüßen zu dürfen.
      Nun fehlten nur noch die Pferde in den Nebenstallungen, also die, die noch nicht gekört waren. Ich setzte Patrick auf den dressurbegabten Welsh D Hengst Roi du Soleil, während ich selbst den Hannoveraner Incendio sattelte. Beide waren von ihrem Trainingsstand her bald soweit, eine Körung zu bestreiten. Die Hannoveranerstuten Lamira und Cassidy brauchten dagegen noch ein wenig. Mit ihnen gingen wir heute eine Runde um das Gestüt spazieren, was bei dem Herbstwetter, wo alles raschelte und zappelte, eine ganz schöne Herausforderung war. Sowohl Lamira als auch Cass waren nämlich nicht unbedingt nervenstark. Als wir die Stuten gerade wieder in ihre Boxen brachten, kamen die ziemlich durchgefrorenen Geländereiter wieder zurück. "Bitte, bitte schick uns nicht gleich wieder raus. Ich brauch nen Tee!", sagte Samuel bibbernd und rutschte aus dem Sattel seiner Stute. Im Gegensatz zu meinen Mitarbeitern machten die Stuten einen recht munteren Eindruck. Gerade Horror Kid sah überhaupt nicht aus, als hätte sie sich anstrengen müssen. "Keine Sorge, wir sind schon durch. Fehlen nur noch die Babys. Aber versorgt ihr erstmal eure Pferde und wärmt euch auf. Patrick und ich nehmen solange Prada und Ljósfari mit.", beruhigte ich sie grinsend. Gesagt getan. Patrick holte die Criollostute, die mit vollem Namen PFS' Devil in Prada hieß und ich übernahm den Isländerhengst GE's Ljósfari. Die beiden wurden zur Zeit schonend eingeritten, doch heute stand nur ein kleiner Spaziergang an. Im Gegensatz zu den Hannoveranerdamen blieben die beiden aber vollkommen ruhig. Grade Prada war ein absoluter Fels in der Brandung und ich freute mich schon, sie und Arriba auf schöne lange Ausritte mit Gästen des Gestüts zu schicken.
      Die Ministute Porcelain Doll hatte heute frei, da sie gerade eingefahren wurde und gestern gewaltige Fortschritte gemacht hatte. Genauso verhielt es sich mit der Welsh B Stute Siberia und dem Paint Horse Grace's Cookie 'n Cream. Nun blieben nur noch die "Fohlen" übrig. Das waren die fast dreijährigen PFS' Daydream of Money, PFS' Arctic Alinghi und PFS' Glenn's Cookie und die fast zweijährigen Picturesque Diova, Kazumi Princess el Assuad, Successful Dream, PFS' Isis und PFS' Beck's Little Diva. Für Princess und Dream würde es bald ernst werden, da sie in die Fußstapfen ihrer Mütter treten und auf der Rennbahn großes vollbringen sollten. Die anderen hingegen hatten noch eine Weile Ruhe, da ich meine Pferde erst vierjährig einritt. Dafür standen Schrecktrainings, Spaziergänge und Gehorsamkeitsübungen an. Als alle Pferde wieder gut versorgt in ihren Boxen standen, eröffnete ich meinen Mitarbeitern meine Pläne. Die Reitponystute Cinnemont's History war sogar vor einigen Tagen schon zu Occulta umgezogen, was viele überrascht hatte. Normalerweise trennte ich mich so gut wie nie von meinen Pferden, da kam dieser Rundumschlag doch sehr überraschend. Wie erwartet wurde viel Protest laut, Meg fragte sogar, ob sie die Araberstute Melody's Girl nicht kaufen konnte. Doch ich schüttelte den Kopf. Melody war krank und Meg hatte nicht das Geld, um sie ordentlich zu versorgen und hätte ich es, hätte ich die schöne braune Stute behalten. Die anderen sahen abwechselnd zwischen Meg und mir hin und her. Wir hatten uns noch nie gestritten und waren selten nicht einer Meinung gewesen. Dies war das erste Mal, dass Meg zu spüren bekam, dass der Hof mir gehörte und nicht ihr. "Meg, glaub mir, das fällt mir auch nicht leicht. Aber ich habe alles durchgerechnet und so geht es nicht weiter", setzte ich an, doch Meg drehte sich einfach um und ging. Die anderen sahen ihr bestürzt hinterher. "Die kriegt sich schon wieder ein. Mach dir keinen Kopf Sammy. Wir verstehen das alle.", sagte Samuel leise. Dennoch blieb ein bitterer Nachgeschmack.
      22 Okt. 2018
    • Occulta
      Sammy
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      Dressurstar & Windgeist

      19. April 2019"Mensch, wenn die alle gehen, wird es hier ja richtig leer.", sagte Samuel mit leisem Bedauern in der Stimme. Ich nickte mit einem Klos im Hals. Aber ich hatte mich entschieden. 42 Pferde wurden zum Verkauf angeboten, außerdem war meine Araberstute Fallen Immortaliny bereits für Occulta reserviert. Zunächst war ich mir nicht sicher, ob ich mich von der hübschen Schimmelstute trennen konnte, doch Occulta hatte mir ein unschlagbares Angebot gemacht und so würde das Stütchen demnächst in einen anderen Teil Englands umsiedeln.
      Auch Mississle, Rosewell, Panta Rhei, Napayné und Apaches Tomahawk hatten bereits einen Platz gefunden. Sie würden zu Eddi zurückkehren. Es tat mir sehr Leid, dass ich die Pferde, die mir meine Freundin anvertraut hatte, nicht behalten konnte, doch es war einfach höchste Zeit für einen Umbruch.
      Für Hollybrook's Barakah al Sanaa, Candle in the Wind, Girlie, Hollybrook's Tiny Girl, Hollybrook's Fairy Bluebird, Hollybrook's Zarin, Cirilla, Middle Ages, Ivory, Wannabe, Pangäa, Chaira, Far Cry, Glammy, Eddi's Dead Pop Romance, Dream of Wyoming, BB's Harmony, Wüstentänzer, Juego, American Baby, Hollywood Undead, Kolibri, Daemon, Dorina, Hollybrook's Casanova, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Bloody Valentine, BMs Caradoc, Someone, Black Soul, Mizzi, Pierre, Salwa, Little Miss Sunshine, Bittersweet, Sharley, Golden Flair, Precious Scream und Adina De Ra'idah hatte ich bereits Inserate geschaltet und auch schon einige Angebote bekommen.
      Bei Branagorn, Ghostbuster, Tschiwabschischi, Naboo, Rainbow und Ehawee war ich mir noch nicht sicher, ob ich sie verkaufen oder behalten wollte. Gerade Naboo war aufgrund ihres Charakters nicht einfach zu vermitteln, passte aber eigentlich auch nicht mehr auf das Gestüt. Das hatte nun nämlich eine klare Linie. Mein Hauptaugenmerk lag darauf, ausgezeichnete Deutsche Sportpferde für die Vielseitigkeit und Englische Vollblüter für Galopprennen und Vielseitigkeit zu züchten. Daneben wollte ich eine eigene Gestüts-Show aufziehen, zu der auch eine aufwändige Hengstparade gehörte. Diese Pferde würde ich zum großen Teil auch für Filmprojekte zur Verfügung stellen. Sie sollten den Bekanntheitsgrad des Gestüts erhöhen. Dann gab es natürlich noch meine Feenpferdchen, die Minis auf dem Hof. Von ihnen hatte ich mich auch nach langem Überlegen nicht trennen können und sie somit kurzerhand in der Show eingeplant. Blieben zu guter Letzt nur noch die Ranchpferde, soll heißen meine Westernstars. Auch bei ihnen hatte ich lange hin und her überlegt, ob ich sie weggeben oder behalten sollte. Schließlich hatte ich mich dafür entschieden, geführte Ausritte für geübte Reiter anzubieten. Außerdem hatte ich ja Donald, der sich liebend gerne um die Turnierteilnahmen der sieben Pferde kümmern wollte. Mit dieser Umstrukturierung würde hoffentlich wieder mehr Geld in die Kassen fließen, denn ich wollte einige Umbauten am Gestüt vornehmen. Weiterhin hatte ich die Hoffnung, selbst wieder etwas freier atmen zu können. In den letzten Jahren hatte sich alles nur noch um Geld, Training und Turniere gedreht. Ich war jeden Tag auf unzähligen Pferden gesessen und hatte mich überhaupt nicht mehr richtig mit meinen Lieblingen beschäftigen können. Das Reiten war zum Job geworden, zur Verpflichtung, die nunmal erfüllt werden musste. Davon wollte ich wieder wegkommen, daher die drastischen Maßnahmen.
      Ana, meine neuste Trainingsreiterin gesellte sich zu uns und legte mir den Arm um die Schultern. "Manchmal sind Veränderungen nötig. Wer das nicht sieht, hat in diesem Geschäft nichts verloren. Du hast das gründlich durchdacht, also ist es auch das richtige.", sagte sie tröstend und ich lächelte sie an.
      Ana war als Ersatz für Meg hier und auch wenn sie ihren Platz nie ausfüllen konnte, hatte ich die junge Frau ins Herz geschlossen. Sie ging toll mit den Pferden um und war der Sonnenschein des Gestüts. Außerdem hatte ich mit ihr endlich wieder eine Frau auf dem Hof. Nichts gegen meine Jungs, aber es war halt doch nicht dasselbe. "Komm, ich stelle dir endlich alle vor!" Eigentlich unternahm ich diesen Rundgang mit meinen neuen Angestellten gleich am ersten Tag, doch da hier gerade alles im Umbruch war und Ana mir sowieso mit meinen beiden Nachwuchsstars Successful Dream und Kazumi Princess El Assuad geholfen hatte, waren wir noch nicht dazu gekommen. Das wollten wir nun jedoch nachholen. Zunächst machten wir einen Abstecher zur Mini-Weide. Hier standen der Überrest meiner ehemaligen New Forest Pony Zucht und natürlich meine American Miniature Horses. Magical Moment kam sofort an den Zaun, dicht gefolgt von Aimiliani und Thousand Sunny. Meine drei Mähnenwunder ließen sich ausgiebig kraulen und Magic giftete Sunny an, als diese sie wegschieben wollte. Die drei Stuten wirkten in der Dressurquadrille mit und Aimiliani war sogar schon einmal bei einem Filmdreh dabei gewesen. Ich pfiff leise durch die Zähne und die beiden anderen New Forest Damen Fairylike Facility und Isola della Pirateria kamen ebenfalls zu uns. Facility war eine echte Lebensversicherung unter dem Sattel, war aber eher für spritzige Ritte durchs Gelände und spannende Springparcours geschaffen, als für eine ausdrucksstarke Dressurkür. Daher übten wir mit ihr eine Stuntnummer ein. Isola dagegen war schon immer mein Problemkind gewesen und seit sich Darling die Hüfte gebrochen hatte und eingeschläfert werden musste, war die Rappstute nur noch schwieriger. Ich strich ihr behutsam den schwarzen Schopf aus der Stirn und streichelte ihr samtenes Maul. Als Ana ebenfalls die Hand ausstreckte, hielt ich sie zurück. "Bei Isola musst du aufpassen. Sie lässt sich fast ausschließlich von mir anfassen und braucht viel Zeit, um einen Menschen zu akzeptieren. Sie hat schon sehr viel mitgemacht, daher gebe ich ihr diese Zeit.", erklärte ich der jungen Frau. Ana nickte und bat um die Erlaubnis, sich ab und an mit Isola beschäftigen zu dürfen. Freudig willigte ich ein. Es wäre toll, wenn Isola eine zweite Bezugsperson finden würde. Nun schenkten wir unsere Aufmerksamkeit den Minis. Prämiert war hier nur Miniature America's Narnia, meine wunderschöne Silver Dapple Stute. Doch auch Porcelain Doll, das eitle Scheckstütchen sollte bald ihren Stutbuchwettbewerb bestreiten. Da die junge Stute unglaubliches Talent besaß, sah ich dem Ereignis zuversichtlich entgegen. Schließlich gab es da noch meine Halbstarken, die ebenfalls mit den Ponys auf der Weide standen.
      Das waren die Welsh D Stute PFS' Daydream of Money, das Paint Horse Grace's Cookie 'n Cream, das deutsche Sportpferd Picturesque Diova, die Minis PFS' Glenn's Cookie und PFS' Beck's Little Diva und nicht zu vergessen natürlich mein kleiner Liebling PFS' Isis. Wobei keines der Jungpferde mehr wirklich klein war. Sie alle waren ausgewachsen und sollten demnächst eingeritten werden. Bis auf Diova waren sie alle absolute Liebhaberpferde, die irgendwann bei der Gestütsshow mitwirken sollten. Besonders auf Isis war ich sehr gespannt, da die kleine Stute sich einfach prächtig entwickelte.
      Wir schlenderten über den Hof und gelangten schließlich zur großen Hengstkoppel. Hier standen alle Hengste, die verträglich waren. Meine Raufbolde hatten dagegen ihre eigenen, kleinen Koppeln. Wieder zeigte ich zuerst auf die Miniature Pferde. Hier stand auch der letzte Jungspund, PFS' Arctic Alinghi. Der winzige Tigerschecke stolzierte stolz hinter seinem alten Kumpel Rumpelstielzchen her und zwickte spielerisch nach dem älteren Hengst. Darkwood's Storm Dancing Feather, mein dritter Minihengst, hatte seine eigene Koppel, da der kleine Mann extrem hengstig war und sogar auf die ganz Großen losgehen wollte. Dafür kam nun mein geliebter Isländer GE's Ljósfari an den Zaun. Mein Lichtbringer. Der Ponyhengst gehörte mir nun schon eine ganze Weile und hatte mich mit seinem Charme völlig in seinen Bann gezogen. Auch wenn ich meine anderen Isis, inklusive den Zwillingen Intolerable Life und Fatimah hergegeben hatte, von Ljósfari würde ich mich niemals trennen können. Der Fünfgänger war mit seinen spektakulären Gängen aber auch ein wichtiger Punkt der Show, weshalb ich mich gar nicht groß rechtfertigen musste. Auf dieser Koppel standen auch meine beiden Westernhengste Dissident Hawk und Golden Indian Summer. Die beiden waren Donalds erklärte Lieblinge, was ich Ana schnell erklärte, als ich ihren verliebten Blick auf Hawk ruhen sah. "Westernreiten ist eh nicht so mein Ding. Da fühle ich mich auf der Rennbahn doch wesentlich wohler.", lachte die junge Frau. Ich ließ den Blick über meine wundervollen Hengste schweifen und zeigte schließlich auf Damon's Dynamo. Der Hengst sah auf, spitzte die feinen Ohren und kam mit federnden Schritten auf uns zugetrabt. "Oh, ist der aber schön!", hauchte Ana, als Dynamo sein weiches Maul in ihrer Hand vergrub. "Das ist er. Und ein absoluter Schatz. Dynamo ist zur Zeit unser Schleifensammler. Er räumt einfach alles ab.", sagte ich stolz, während ich den muskulösen Hals des Hengstes streichelte. Ich wimmelte Dynamo ab und zeigte auf meine beiden Spanier. Die Andalusierhengste Negresco und Ojos Azules. Die beiden waren seit Negresco's Ankunft hier unzertrennlich und wir übten gerade ein schwieriges Pas de deux mit ihnen ein, da sie beide absolute Dressurtalente waren. Zu den Dressurkünstlern zählte auch der Welsh D Hengst Roi du Soleil. Ausgebildet war er für die Vielseitigkeit, doch sein Talent lag ganz eindeutig in der Dressur, weshalb ich den Schwerpunkt der Ausbildung auf diese Disziplin gelegt hatte. Ich strich Negresco ein letztes Mal über die Stirn und wandte mich dann Hengstkoppel Nummer zwei zu.
      Hier standen zunächst einmal der englische Vollbluthengst Pawaneeh. Der schöne und talentierte Schimmel war Papa meiner über alles geliebten Kazumi Princess El Assuad. Da Ana diese im Training und auch bei dem bald anstehenden Stutbuchwettbewerb ritt, war sie an Pawaneeh besonders interessiert. Der Hengst lief mit seinen 12 Jahren längst nicht mehr im Galopprennsport, doch er machte sich sehr gut als Vielseitigkeitspferd. Ich hoffte, dass er dieses Talent an seine Tochter vererbt hatte. Auch der Hannoveranerhengst Incendio und mein Spitzenhengst Levistino standen hier. Levistino war der erste Gewinner von Jolympia und erst kürzlich hatte ich seine Enkelin auf mein Gestüt holen können. Es war unglaublich, wie ähnlich sich die beiden waren. Wir schlenderten um die Ecke des Stalls herum und kamen bei den Einzelkoppeln an. Sofort ließ mein New Forest Pony Hengst Hollybrook's Cheeky Jot ein lautes Wiehern vernehmen. Das Punktetier passte tatsächlich wenig zum neuen Zuchtziel, doch von Cheeky würde ich mich niemals trennen können. Der Abschied von seinem Sohn Casanova fiel mir schon schwer genug. Auch mein stürmischer Berberhengst Amayyas stand hier in Einzelhaft. Obwohl der Hengst nun schon einige Jahre auf Hollybrook lebte, war er immer noch oft unberechenbar und ging liebend gern auf andere Hengste los, wenn ihm der Sinn danach stand. Ich strich ihm den langen roten Schopf aus der Stirn und riss erstaunt die Augen auf, als das eigensinnige Tier sich von Ana anfassen ließ. Normalerweise gestattete Amayyas das nur Brian und mir, bei allen anderen machte er zunächst ein rießiges Tamtam. "Samuel, Donald und Patrick werden dich küssen, wenn sie wegen dir Amayyas nicht mehr von der Koppel holen müssen.", lachte ich. Hinter der nächsten Hecke erwarteten uns meine beiden Arabischen Vollbluthengste Khamar al Sanaa und Shamal. Khamar war eigentlich sehr verträglich, doch da Shamal nur ihn an sich heranließ, hatte ich die beiden kurzerhand zusammengepackt. Das funktionierte sehr gut und so musste der Junghengst Shamal nicht alleine stehen. "Gehen sie auch im Rennsport?", wollte Ana mit leuchtenden Augen wissen. Ich nickte. "Beide, ja. Außerdem nehme ich mit ihnen an Distanzritten teil. Dressur- und Springtechnisch haben sie aber auch ganz schön was drauf. Die beiden sind meine Allrounder.", sagte ich, während wir uns El Racino zuwandten. Das englische Vollblut galoppierte mit hoch erhobenem Schweif über seine Koppel und genoss die warme Aprilsonne. "Den darfst du morgen früh im Training reiten. Aber Achtung, er ist ein Hitzkopf.", sagte ich. Ana lachte nur: "Kann er sein. Ich bin selbst einer, wie könnte ich ihm das dann vorwerfen." Ich grinste und führte sie zu den beiden letzten Koppeln. "Das sind Fantastic Fly und Pride & Prejudice. Sie gehen beide Vielseitigkeit und kommen so gar nicht mit anderen Hengsten klar.", stellte ich den Holsteiner und das deutsche Warmblut vor und verdrehte dabei die Augen. Fly war Samuel's erklärter Liebling, während ich sehr an Pride hing. Die stahlblauen Augen des Hengstes hatten mich einfach von Beginn an verzaubert. "So das wars mit den Hengsten. Weiter gehts mit den Damen!", sagte ich fröhlich und führte Ana zu den Stutenkoppeln.
      Auf Koppel Nummer eins befanden sich meine Ranchpferde. PFS' Devil in Prada kam sofort zum Zaun und suchte uns nach Leckerchen ab. Die junge Criollostute war extrem anhänglich und mindestens ebenso talentiert. Ihr Name passte wirklich überhaupt nicht zu ihr, denn Prada war ein Engel. Selbes traf auf My Golden Heart zu. Die Stute begleitete mich seit ihrer Geburt und hatte schon so viele Erfolge eingeheimst, dass ich sie kaum noch zählen konnte. Zeitgleich war sie unglaublich sanft und liebesbedürftig. Auch Your Possible Pasts, Arriba und The Morticains Daugther kamen nun zum Zaun, um zu sehen, ob wir nicht eine Kleinigkeit dabei hatten. Lachend schob ich ihre Nasen zur Seite und stellte sie alle der Reihe nach vor.
      Koppel Nummer zwei beherbergte die Showpferde. Dazu gehörte natürlich mein Andalusierstar Cuchara. Die Stute hatte mir in ihren wilden Jahren recht spektakulär das Bein gebrochen, doch inzwischen hatte sie sich zum Dressurass gemausert. Auch die arabischen Vollblutstuten My lovely Horror Kid und Saddy waren auf dieser Koppel zu Hause und demnächst würde auch Isis hierher umsiedeln. Wieder leuchteten Ana's Augen. Sie war genauso begeistert vom Rennsport wie Meg. Stolz zeigte ich auf eine große Stute, deren lange lockige Mähne bis weit über die Schulter reichte. "Das ist unser Neuzugang, Where's Sleep. Ich hab sie gesehen und war verliebt. Sie passt einfach wunderbar hierher und ist dressurtechnisch am weitesten fortgeschritten. Ich plane ein Pas de deux mit ihr und Cookie. Die zwei würden zusammen sicher fantastisch aussehen.", schwärme ich. Where's Sleep war tatsächlich ein absoluter Spontankauf gewesen. Ungeplant und daher umso schöner. Für die Stute hatte es viele Bewerber gegeben und als ich schließlich den Zuschlag erhalten hatte, hatte ich mein Glück kaum fassen können. Ich lockte die Stute zum Zaun und das schöne Tier kam anmutig auf uns zu. Ich kämmte ihr mit den Fingern die langen Strähnen des schwarzen Schopfes aus den Augen und hauchte einen Kuss auf die samtigen Nüstern. Where's Sleep war defintiv etwas ganz Besonderes und ich konnte es kaum erwarten, endlich mehr Zeit für die schöne Stute zu haben.
      Nun waren noch zwei Koppeln übrig. Zuerst kamen wir an die meiner englischen Vollblutstuten. Natürlich kamen Successful Dream und Kazumi Princess El Assuad zuerst an den Zaun galoppiert. Sie überholten sich auf dem Weg zu uns immer wieder gegenseitig und buckelten übermütig. Meine beiden Wildfänge. Ich liebte sie abgöttisch, zumal sie von meinen eigenen Stuten stammten. A propos - da kamen auch schon die stolzen Mamis Kagami El Assuad und Success Story xx. Kagami giftete ihre Tochter an, woraufhin die sich flott zurückzog, doch Successful Dream warf den Kopf nach oben und bleckte die Zähne. Ich verdrehte die Augen. Dream war sozial absolut unverträglich und ich hatte gehofft, die Zeit bei den Großen würde ihr ein paar ihrer Flausen austreiben. Zu meinem großen Erstaunen war es jedoch Kagami, die zurückwich und dafür nach der Rappstute Ace of Spades schnappte. Kagami gesellte sich schließlich zu ihrer Freundin Backup, während Successful Dream sich genüsslich den Hals kraulen ließ. Die schicke Falbstute Pirate Island hielt sich wie immer im Hintergrund und wartete darauf, dass der Pferdeauflauf sich auflöste. Sie mochte keine Konflikte und ich stellte mich schnell etwas abseits, um sie zu streicheln.
      Nun fehlten nur noch meine Warmblutstuten. Hier hatte sich in letzter Zeit einiges getan. Zuerst stellte ich Ana die alten Hasen vor. Zu denen gehörten zweifellos und als erstes Wild Lady Roxanne und Angels Fall First, dicht gefolgt von Samiyah und Mahira und schließlich den Hannoveranerstuten Reminiscent Inspiration und Unnanounced Pleasure. Cassidy gehörte zu den jüngeren Stuten hier, gleich danach folgte die wunderschöne Rappstute und Enkelin von Levistino - Leveneza. An diesem Pferd konnte ich mich überhaupt nicht satt sehen und Ana ging es genauso. Ehrfürchtig streichelte sie Leveneza's feinen Kopf und strich dann den glänzenden Hals entlang. Das Stütchen war zwar durch zwei gewonnene Fohlenschauen bereits prämiert, doch so langsam startete ich ihre Turnierkarriere. Und das sehr erfolgreich. Leveneza hatte sich in allen drei Prüfungen, in denen sie bisher gestartet war, plaziert und ich könnte nicht stolzer sein. Dann gab es da natürlich noch die beiden unprämierten Damen. Zum einen das Schimmelchen Lamira. Die Hannoveranerstute war nun aber körfertig und sollte schon an diesem Wochenende ihren Stutbuchwettbewerb bestreiten - den sie wohl auch erfolgreich absolvieren würde. Und dann war da noch meine große Liebe Lilith oder wie sie mit vollem Namen hieß: Coeur de Lilith. Die wunderschöne Fuchsstute mit den strahlend weißen Abzeichen war erst gestern auf meinem Gestüt angekommen und daher noch von den anderen Stuten separiert. Lilith hatte ich im Tausch gegen Fallen Immortaliny bekommen und ich bereute diesen Handel keine Sekunde. Die sanften braunen Augen der Stute taxierten uns und forderten uns quasi auf, näher zu kommen. Als wir auf sie zugingen, ließ Lilith sich kurz streicheln und wirbelte dann herum, um mit wilden Sprüngen über die Koppel zu laufen. Lilith - der Windgeist. Einen passenderen Namen hätte man diesem sprunghaften, stürmischen Pferd wahrlich nicht geben können. Die junge Stute präsentierte sich nun in ihrer ganzen Pracht vor uns. Sie trabte am Zaun entlang, der rote Schweif wehte wie eine Flagge hinter ihr her. Plötzlich stoppte das Holsteinerstütchen, wirbelte auf der Hinterhand herum und begann die Parade von neuem. Ich war völlig hingerissen. Bald schon würde ich mit dem Einreiten beginnen und ich konnte es kaum erwarten auf dem Rücken dieses Traumpferds zu sitzen. Lilith stammte von Leitz, dem Hengst einer guten Freundin und Colored Belle, einer Stute mit eigensinnigem Charakter und toller Abstammung ab. Diese Anpaarung war vor langer Zeit mein Wunsch gewesen und ich konnte mein Glück noch immer kaum fassen, dieses Traumgebilde nun vor mir auf und ab traben zu sehen. Lilith würde mir sicher noch sehr viel Freude bereiten, davon war ich überzeugt.
      19 Apr. 2019
    • Occulta
      Turnierreiterei
      Areion, Diarado, Vychahr, Flintstone, White Dream, Yoomee, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Nimué, PFS’ Shadows of the Past, Cambria, Fallen Immortality, Namuna, Farasha

      Heute stand ein aufregender Tag bevor. Es war Samstag und wir gingen auf Turnier – mit «wir» meinte ich Lily, Sheridan, Ruth, Robyn, Lisa, Darren und mich. Jonas hatte Hausarrest; jemand musste auf den Hof aufpassen und er war in letzter Zeit öfter als die anderen im Schwimmbad gewesen. Er war deswegen den ganzen Morgen etwas grumpy und streckte mir die Zunge raus, als er mich auf dem Weg zum Tor des Hauptstalls beim Stiefel-Putzen in der Sattelkammer sah. Ich lächelte nur liebevoll - er konnte so ein Kindskopf sein. Am frühen Morgen bewegte ich Flint und Yoomee, danach machte ich mit Lily, Areion, Lisa und Nimué einen Ausritt im Sattel von Silver. Wir ritten wie so oft bei Rosies Wilkinson Farm vorbei. Dort schien auch etwas los zu sein: ein Transporter stand in der Einfahrt und Rosie öffnete gerade zusammen mit einem Fremden die Rampe. Ich erkannte einen Schimmel im Inneren des Gefährts und bog prompt neugierig ab. "Hey!", riefen Lisa und Lily fast synchron, und folgten mir. "Good day to you, Miss Wilkinson!", begrüsste ich Pineforests ehemalige Rennreiterin mit frechem Unterton. "All the same for you, my dearest Mrs Smith. How are you doing lately?", meinte sie nicht minder neckisch. "Very well, thank you. And what a fine new horse do we have here. You wouldn't happen to have a moment to introduce us?" "Sure, no problem. This is Fallen Immortality, my newest acquisition." Sie löste den Anbindestrick und schickte die Stute rückwärts die Rampe runter. Es polterte kurz, dann sah sich die Araberdame mit geblähten Nüstern in ihrem neuen Zuhause um. "Hello gorgeous!", bemerkte ich bewundernd. "I hope she will get along with Namuna and Farasha. The two were a bit rough with eachother lately, I think Namuna is trying to rise in rank. Maybe this beauty will provide some distraction." Ich meinte dazu nur zwinkernd "I'm sure they will have a lot of fun."

      Nach dem Ausritt widmete Lisa ihre ganze Aufmerksamkeit Bluebell, während Lily und ich zusammen Mathe-Hausaufgaben lösten, die die Schülerin nicht ganz verstand. Die Zeit schritt rasch voran und ehe wir uns versahen, war es Zeit, uns für das Turnier fertig zu machen.
      Jonas half uns trotz schmollen beim Packen. Wir parkten den Selbstfahrer mit dem zusätzlichen zweier Anhänger hintendran und den dreier-schrägverlad-Anhänger um, räumten die am Vortag geputzten Sättel und Zäume ein, und pro Fahrzeug eine Putzbox zur Sicherheit. Danach folgte das ausgiebige Pferdeputzen. Ich nahm mir Diarado vor, den nachtschwarzen Rapphengst. Innerhalb einer halben Stunde verwandelte ich ihn von frisch-von-der-Weide-staubig zu showreif-glänzend. Der Schweif war das Mühsamste: ich musste ihn waschen, denn sonst hätte ich nur unnötig viele Haare ausgerissen. Ich sortierte also die Stohstückchen aus, machte ihn nass, arbeitete einen Klecks Shampoo ein bis es schäumte, und spülte ihn anschliessend gründlich aus. Dann drückte ich so viel Wasser wie möglich raus und sprühte ihn im noch feuchten Zustand mit Conditioner ein, um ihn einfacher entwirren zu können. Während der Schweif schon trocknete, packte ich auch gleich die Gelegenheit um die kleinen Beinabzeichen des Hengstes wieder weiss zu waschen und die Hufe zu fetten. Den Kopf bearbeitete ich mit einer weichen Bürste. Das mochte Diarado ziemlich gerne; er hielt den Kopf tief und schloss die Augen halb, als würde er nächstens einschlafen. Ich hob seinen Schopf, um auch darunter zu bürsten, wobei er ein entspanntes Seufzen von sich gab. Die Hufe waren rasch ausgekratzt, und danach fehlten nur noch die Transportgamaschen. Ein Blick zu Vychahr hinter uns verriet mir, dass auch Darren fast fertig war. Zufrieden klettete ich Diarados Gamaschen fest und überprüfte den Sitz. Dann musste er noch einen Moment warten, während ich nach den anderen sah. Ich versuchte, mich zu beeilen, denn es war elf Uhr und schon jetzt viel zu heiss. Die Prüfungen fanden erst am späten Nachmittag statt, aber wir hatten vorher drei Stunden Fahrt vor uns: den ganzen Weg nach Chelmsford. Im Nebenstall wurden Lily, Sheridan und Ruth gerade mit Fake, Lychee und Sweets fertig. Robyn kratzte Cambria noch die Hufe aus, dann war auch sie so weit, die Gamaschen anzuziehen. Die Mädchen halfen danach noch Lisa, die sowohl White Dream, als auch Shira putzte. Kurz darauf konnten wir alle Pferde zügig verladen. Bis auf Shira kannten alle das Verladen zur Gnüge, aber trotzdem war die junge Ponystute nicht die, die am längsten brauchte. Cambria schien nämlich genau zu wissen, was wir vorhatten und war nicht begeistert darüber. Sie versuchte durch Rückwärtsziehen und ansatzweisem Steigen davonzukommen. Robyn blieb aber hartnäckig und führte sie immer wieder in die Ausgangsposition vor dem Anhänger. Lisa wollte schon vorschlagen, dass wir sie doch anstelle von White Dream in den Selbstfahrer stellen sollen, aber ich wollte der Stute das sture Verhalten nicht durchgehen lassen. «Keep adding pressure, until she stops pulling back. As soon as she stops, release immediately, then ask her again to make a step.” Robyn folgte meinen Anweisungen und hielt den Führstrick entgegen. Cambria streckte ihren Hals und zog noch immer dagegen. Die junge Frau erhöhte den Druck, indem sie schnalzte und das ende des Führstricks schwang. Als Cambria immer noch keinen Schritt tun wollte und stattdessen schon wieder Anstalten zum Steigen machte, trieb ich sie von hinten einen Schritt vorwärts, damit Robyn sie loben konnte und sie begriff, was wir von ihr wollten. Wir gaben ihr einen Moment Pause, dann forderte Robyn einen weiteren Schritt in Richtung Rampe. Diesmal musste ich nicht nachtreiben; sie gab nach ein paar Sekunden des Seilziehens nach und der Führstrick entspannte sich. Wiederum liess ihr Robyn einen Moment Zeit zum Nachdenken. Die gescheckte Stute schleckte sich die Lippen und senkte den Kopf, um die Rampe zu untersuchen. Das war es, was ich sehen wollte: dass sie sich mit der Situation beschäftigte, und nicht einfach per se flüchten wollte. Wir forderten weiter und sie stellte sich schliesslich mit beiden Vorderhufen auf die Rampe. Kurz vor dem Einsteigen bekam sie aber nochmal Bedenken wegen des Dachs über ihren Ohren und sie versuchte, sich nochmals mit Steigen wegzudrehen. Robyn liess sie nicht weg und schnalzte sofort energisch, bis die Stute wieder mit einem Huf auf der Rampe stand. Cambria sog laut Luft ein und überlegte noch einen Moment, dann folgte sie der jungen Pflegerin endlich ins ach so gefährliche Innere des Anhängers. Wir lobten sie ausgiebig und schlossen rasch die Stange hinten. Im Normalfall hätte ich sie gleich nochmal ausgeladen und es erneut geübt, aber wir mussten uns langsam beeilen, weil wir nicht wussten, ob es Stau geben würde. Wir schlossen alle Rampen und liessen ein paar Fenster spaltweise offen, damit es während der Fahrt nicht zu warm im Inneren der Fahrzeuge wurde. «Everyone ready?», fragte ich, mich umsehend, ehe ich einstieg. Wir fuhren los und kamen wie geplant kurz nach zwei Uhr an. Wir fanden sogar einen Parkplatz, der halbwegs im Schatten lag. Nun hatten wir erstmal Zeit, uns umzusehen, denn die erste Prüfung begann erst um drei Uhr. Darren blieb bei den Fahrzeugen und wir öffneten alle Türen und Fenster zum Durchlüften. Die Mädchen, Lisa und ich verschafften uns einen Überblick über die Anlage. Der Springplatz war gleich neben dem Abreitplatz gelegen. Das war gut, denn so konnten die unerfahreneren Pferde sich den Parcours bereits von weitem ansehen. Gleich zuerst fand die Prüfung über 70 cm statt, die Lily mit Fake bestritt. Es tat mir etwas leid, dass meine Nichte mit dem Hackney Pony gleich in der grössten Nachmittagshitze starten musste, aber den Zeitplan konnte ich nun mal nicht ändern. Lily hatte die Startnummer 16. Wir halfen ihr beim Bereitmachen und ich lief mit ihr zum Abreitplatz, um ihr die Hindernisse beim Einwärmen zu stellen. Es tummelten sich bereits reichlich Reiter auf dem kleinen Sandplatz, sodass es ziemlich unübersichtlich wurde. Ich biss die Zähne zusammen und hoffte, dass Lily niemandem in den Weg kam – und natürlich auch umgekehrt. Ein Kreuzchen stand schon, also konnte sie nach dem Eintraben direkt damit beginnen. Fake zeigte trotz der Hitze sofort ihren lebhaften Charakter und raste mit Lily auf jedes Hindernis zu, das ich ihr aufbaute. «Halt sie etwas zurück, sonst ist sie schon müde bevor ihr reingeht!», rief ich meiner Nichte zu – und erntete dabei ein paar verwunderte Blicke, weil ich deutsch mit ihr sprach. Wir liessen Fake nur vier Hindernisse springen, danach fand ich, dass beide bereit waren. Fake hatte schon leicht geschwitzt, besonders am Hals. Die beiden blieben noch eine Runde im Schritt auf dem Platz, dann konnten sie sich beim Start melden. Lily stellte sich wie ein kleiner Profi den Richtern vor. «Number 16, Lily Adams» Der Mann nickte und winkte sie auf den Springplatz. Die vorherige Teilnehmerin war gerade gestartet. Lily ritt aussen durch, sowohl um Fake die Festzelte und Lautsprechanlagen zu zeigen, als auch um der anderen Reiterin nicht in den Weg zu kommen. Sobald die andere fertig war, konnte Lily angaloppieren und sauber auf das erste Hindernis zusteuern. Fake zog an und die beiden flitzten über ein Hindernis nach dem anderen. Ich ermahnte mich, nichts dazwischen zu rufen, aber innerlich dachte ich aufgeregt: halt sie zusammen, sonst wird sie flach. Ich machte mir die Sorgen um sonst, denn meine Nichte kannte das Pony langsam gut genug. Die beiden absolvierten den Parcours fehlerfrei und mit einer sehr schnellen Zeit. Lily schnaufte genauso wie Fake, als die beiden rauskamen und ich ihnen stolz entgegenkam. «Well done!» Ich tätschelte Fakes schlanken Hals und gab der Stute eine Karotte. Sie kaute die orange Wurzel in Rekordzeit und kratzte sich dann den Kopf an ihrem Vorderbein, um den juckenden Schweiss bei ihren Augen loszuwerden. Wir führten sie zum Anhänger zurück und nahmen sofort den Sattel ab, dann brachte Lily sie zum Waschplatz bei den Stallungen des Turniergeländes. Inzwischen begannen Robyn und Ruth mit dem Satteln. Sie waren beide gleich nacheinander in der nächsten Prüfung dran, und zwar schon nach der dritten Startnummer. Sie wärmten deshalb Cambria und White Dream schon ein wenig auf, während der alte Parcours umgebaut und die Rangverkündigung abgehalten wurde. Ich musste Lily auf deren Bitten hin wiedermal begleiten. Sie wollte nie alleine zur Siegerehrung gehen, «weil dann so viele Leute sie ansahen», wie sie mir mal erklärt hatte. Sie landete auf dem zweiten Platz – ein einziges anderes Pony war schneller als Fake gewesen. Die Leute klatschten und Lily nahm verlegen ihre Schleife entgegen. Die Siegerehrung fand übrigens unberitten statt, weil es so heiss war. Die Prüfung, in der Ruth und Robyn starteten war über 80 cm und der Parcours würde auch für die nächste, die 90er Prüfung, derselbe sein. Auch Darren und Vychahr starteten in dieser Höhe, aber erst als fünftletztes Paar. Ausserdem waren die beiden auch für den 90er gemeldet, aber das wollte ich streichen lassen, um den Fuchs zu schohnen. Als der Parcours zur Besichtigung geöffnet wurde, hielt ich die beiden Pferde rasch, damit ihre Reiterinnen sich ihre Strategien überlegen konnten. Cambria war zu erst dran. Die Scheckstute, die beim Verladen noch so unartig gewesen war, verhielt sich nun wie ausgewechselt. Sie konzentrierte sich ab dem Augenblick, in dem sie den Springplatz betrat, voll auf ihre Aufgabe. Robyn machte eine schöne, ruhige Volte, bevor sie zum ersten Sprung ansetzte. Bis zum sechsten Hindernis lief alles wie am Schnürchen. Es würde zwar vielleicht keine Bestzeit werden, aber es sah sehr harmonisch aus. Beim siebten Hindernis, einer Kombination, musste ich dann kurz die Luft anhalten, denn Cymru verpasste den richtigen Moment zum Abspringen und konnte sich nur dank der geringen Höhe und ihrer schieren Sprungkraft retten. Robyn trieb sie an, um für das zweite Hindernis den Takt wiederzufinden, was dann zum Glück auch klappte. Erleichtert atmete ich auf und verfolgte gespannt den restlichen Parcours. Leider wurde die junge Stute beim letzten Hindernis dann doch noch zu müde und zog das linke Hinterbein etwas zu spät an – sodass die oberste Stange gerade noch zu Boden fiel. «What a pity!», konnte ich nur wiederholen, lobte die beiden aber trotzdem ausgiebig. In der Hitze war es nun mal nicht leicht, die Konzentration bis zum Schluss zu behalten. «I stopped helping her a bit too early», stellte dann auch Robyn fest. Ruth hatte ihren Umgang auch bereits gestartet und ich bekam gerade noch die zweite Hälfte mit. Sie blieben fehlerfrei, in einer vernünftigen Zeit. Mit White Dream war es nicht schwierig, noch etwas mehr auf’s Gas zu drücken, aber Ruth war noch nicht so erfahren und deshalb hatten wir bisher im Training auch immer ein ruhiges Grundtempo und einen «schönen Nuller» angestrebt. Darren und Vychahr bekamen acht Strafpunkte, weil Vychahr einmal verweigerte und bei einem weiteren Hindernis einen Abwurf hatte. Darren war so enttäuscht, dass er gerne doch noch den nächsten Parcours gesprungen wäre, aber ich redete es ihm aus. «I really start to believe that he is rather a dressage prospect than a jumper», bemerkte ich lachend, um den Pfleger aufzuheitern. Vychahr hatte sich trotz allem Mühe gegeben, und war halt heute einfach nicht ganz fit gewesen. Da brachte es nichts, ihn mit noch einer Runde Schwitzen zu bestrafen. Wir wollten schliesslich, dass er alles positiv in Erinnerung behielt. Darren stimmte mir nach dieser Erklärung zu und die beiden genossen eine Abkühlung beim Waschplatz. Die nächsten waren Sheridan und Lisa. Normalerweise war geplant, dass Sheridan und Ruth mit den Ponys in der Silver- beziehungsweise Gold-League des Pony Jumping starteten. Aber da sie ohnehin viel Üben mussten, waren auch Turniere für normale Pferde für sie von Nutzen. Deshalb startete Sheridan heute mit Lychee über 1.00 m. Im Training waren die beiden schon bis 1.20 m gesprungen, aber mit den Temperarturen machte es sowieso Sinn, das Ganze etwas gemütlicher anzugehen. Lisa startete übrigens mit Shira ebenfalls auf dieser Stufe. Vorher war Sheridan aber noch mit Sweets in der 90er Prüfung am Start – und holte sich prompt den Sieg. Danach war sie so euphorisch, dass sie im Durchgang mit Lychee beim drittletzten Sprung, einem blauen Oxer, patzte. Vielleicht war die junge Reiterin auch einfach langsam zu müde geworden. Natürlich ärgerte sie sich darüber, aber der Ritt war ja trotzdem nicht schlecht gewesen. Nun gab es für uns eine Pause, bevor um acht Uhr die Prüfung für mich und Diarado über 1.30 m begann. Wir beobachteten die Durchgänge der fremden Pferde und Reiter, um ihre Ritte zu analysieren. «There he should have picked up a quicker pace – see, I knew he wouldn’t make it through those two…” Es schien auch besonders spannend für die Mädchen, von diesen vielen fremden Reitern zu lernen. Wobei ich aber am Ende feststellen musste, dass sie eher die Vierbeiner bewerteten. «Ohhh, look at his markings! That’s the type I like best…” “Hey, didn’t that one also compete in the previous class?” “Yeah, I think so. He looks a bit tired, don’t you think?” “But the rider as well. Her face is all red.” “OH MY! Did they get hurt?” Während wir plauderten driftete das Pony bei der Kombination seitlich in einen der Hindernisständer und zerlegte den halben Sprung. Die Reiterin konnte sich oben halten, aber es war offensichtlich, dass beide nicht mehr genug Energie hatten, um sich richtig zu konzentrieren. Darren reagierte auf meinen Blick und nickte nur – er verstand nun, was ich gemeint hatte und schien froh, auf die zweite Runde verzichtet zu haben.

      Schliesslich wurde der 1.30 m Parcours gebaut und ich lief ihn ab, nach möglichen Schwierigkeiten Ausschau haltend. Diarado war sehr wendig, deshalb entschied ich mich, zwischen Hindernis 4 und 7 hindurch abzukürzen und dann den neunten Sprung leicht schräg anzusteuern. Da es sich um einen der niedrigsten Steilsprünge im Parcours handelte, rechnete ich mir gute Chancen für das doch etwas riskante Manöver aus. Entschlossen lief ich zu Darren zurück, der den Rappen bereits gesattelt hatte. Wir starteten mit der Nummer sieben, deshalb musste ich gleich mit dem Aufwärmen beginnen. Diarado war etwas abgelenkt, als wir auf dem Reitplatz unsere Runden trabten und dann ein paarmal über die Hindernisse in der Platzmitte ritten. Er schielte dauernd zum Parkplatz rüber, oder drehte seine schlanken Ohren zur Tribüne und den Festzelten. Ich ermahnte ihn jeweils mit halben Paraden und versuchte, ihn möglichst abwechslungsreich zu bewegen, um seine Aufmerksamkeit auf mich zu locken. Als wir beim Eingang warteten, war er zwar am Zügel, aber ich hatte trotzdem gemischte Gefühle. Ich sollte recht behalten: gleich beim ersten Hindernis passierte uns ein Patzer. Diarado schien unvorbereitet auf den Absprung gewesen zu sein und spickte die oberste Stange mit den Vorderbeinen zu Boden. Damit waren unsere Siegeschancen verspielt. Trotzdem konzentrierte ich mich auf den Parcours vor uns. Wir hatten nun keinen Druck mehr und konnten die anspruchsvollen Kombinationen und abgekürzten Wendungen perfekt zum Üben gebrauchen. Diarado hatte anscheinend seinen Fehler bemerkt und gab sich für den Restlichen Umgang umso mehr Mühe, alles richtig zu machen. Er war nun endlich voll bei der Sache und liess sich von mir in gewohnter Weise mit feinsten Hilfen steuern. Wir überwanden die nachfolgenden drei Hindernisse wie im Flug und kürzten dann in der Kurve zur ersten Kombination gekonnt ab. Die Distanz zum hinteren Oxer passte perfekt und so konnten wir auch diesen, höchsten Sprung des Parcours fehlerfrei bezwingen. Der improvisierte Wassergraben beeindruckte Diarado überhaupt nicht, ebenso wenig wie die darauffolgende Mauer. Er drückte einfach etwas kraftvoller ab. Nun folgte die geplante Abkürzung, die ich nach kurzem innerlichem Zögern präzise ansteuerte. Diarado und ich rauschten möglichst nahe am Hindernisständer des siebten Sprungs vorbei und ich versuchte danach eine möglichst gerade Linie auf die kurze Distanz vor dem neunten Hindernis hinzubekommen. Der Absprung war nicht ganz passend, aber Diarado rettete sich mit seiner gewaltigen Sprungkraft irgendwie über die blauen Stangen. Ich kraulte für eine Millisekunde stolz seinen Hals beim Widerrist, dann widmeten wir uns dem letzten Teil, der sich als wahres Kinderspiel nach den ersten paar Herausforderungen herausstellte. Wir behielten unsere vier Punkte vom Anfang bei und schlossen in einer Spitzenzeit ab. Von Sheridan bekam der Hengst eine Karotte, als wir hinausschritten. Es war wichtig, den Patzer zu vergessen und ihn für den übrigen, souverän gemeisterten Parcours ausgiebig zu loben; da waren sich alle einig. Wir versorgten gemütlich die Vierbeiner und die Ausrüstung in den Transportern. Diarado wollte ich zuletzt einladen, weil er noch nassgeschwitzt war und ich ihn ein wenig neben den Anhängern grasen liess. Der Himmel färbte sich langsam dunkler und Wolken zogen auf, ein frisches Lüftchen zog zwischen den Fahrzeugen hindurch. Durch einen entfernten Lautsprecher wurden die Reiter für die berittene Siegerehrung aufgerufen. Nur dank dem Windzug, der den Klang der Stimme weiter mittrug, hörte ich meinen Namen unter den genannten. Ich traute meinen Ohren kaum. Sofort eilte ich mit Diarado zum Transporter rüber und drückte seinen Strick Darren in die Finger. Er sah mich verwirrt an, und ich entgegnete nur, während ich den Sattel und das Zaumzeug holte, «don’t ask me how, but somehow we made it!» Er half mir eifrig. Die Mädchen, die noch vorne beim Turnierplatz zugesehen hatten, kamen angerannt. «Occu, you have to go –» Lily brach ab als sie sah, dass ich Diarado bereits Zäumte. Lisa, an der der Trubel natürlich nicht vorbeigegangen war, setzte mir den Helm auf den Kopf und half mir auf den Rücken des Rappen. «And off you go», murmelte sie bewundernd, und gab Diarado, der vermutlich die Welt nicht mehr verstand, einen symbolischen Klaps auf die Kruppe. Ich trabte zum Reitplatz und stellte mich neben die anderen wartenden. Die letzte Reiterin beendete gerade noch ihren Parcours, konnte aber keine Platzierung mehr herausholen, da die Tafel ebenfalls schon vier Punkte anzeigte. Gespannt wartete ich ab; und wir wurden am Ende tatsächlich aufgerufen. Wir kamen gerade noch auf den zehnten Platz dank unserer schnellen Zeit – offenbar hatten nur neun Reiter den Parcours ohne Fehler geschafft. Wie froh war ich nun, dass ich mich an die ganzen Abkürzungen gewagt hatte! Stolz klopfte ich Diarados Hals, als sie ihm die Schleife anhängten und mir eine Tüte Leckerlis mit einem Gutschein überreichten. Wir hatten wiedermal das Beste aus einer unglücklichen Situation herausgeholt.
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    Wilkinson Farm
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    Occulta
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    28 Apr. 2019
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    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Offizieller HG

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    Vom: Nazir

    Vom: Nizar ox
    Aus der: Sandikah ox


    Aus der: Samibia

    Vom: -
    Aus der: Shalis



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    Auch bekannt als "Fallen Immortaliny"
    Rufname:
    Geburtstag: 16.03.
    Alter: 10 Jahre
    Stockmaß: 1.53 m
    Rasse: Arabisches Vollblut
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Fliegenschimmel
    (Ee,aa,Gg)
    Abzeichen: -
    Gesundheit: sehr gut


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    frech, temperamentvoll, stur


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    Fallen Immortality ist eine ausgesprochen freche und wilde Stute. Sie versucht immer und überall ihren Kopf durchzusetzen und wendet dabei zuweilen auch fiese Tricks wie beißen und steigen an. Daher braucht sie eine sehr konsequente Bezugsperson, die mit dem Wildfang umzugehen weiß. Im Grunde ist Fallen jedoch ein liebenswertes Tier, dem nur manchmal etwas das Temperament durchgeht.
    Ihr Talent bewies die junge Stute durch die Siege in zwei Fohlenschauen, womit sie automatisch gekrönt ist.


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    Besitzer: Occulta (Rosie Wilkinson)
    Ersteller: Vampyrin, grossgemalt by Sweetvelvetrose
    VKR: Sweetvelvetrose
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Ja
    Nachkommen: -


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    Galopprennen Klasse: L
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: E
    Military Klasse: E
    Dressur Klasse: E
    Distanz Klasse: A

    Eignung: Freizeit, Distanz
    Eingeritten: ja


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    [Nachtrag]
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    2. Platz 301. Distanzturnier
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    3. Platz 386. Galopprennen
    3. Platz 387. Galopprennen
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    Fallen's Spind​