Occulta

• Donut, DRP ♂

Hengst | Rappe

• Donut, DRP ♂
Occulta, 9 Aug. 2013
AliciaFarina gefällt das.
    • Occulta
      Ankunft von Donut und Ocean Water 09.05.2013

      Aufgeregt fuhr ich auf einer Landstrasse in Richtung Chequi’s Hof. Sie hatte mir Donut und Ocean Water überlassen, da sie nicht mehr so viel Zeit haben würde. Ich freute mich unheimlich, denn nun konnte ich einen entscheidenden Teil meiner Zucht aufbauen. Als ich auf dem Hof ankam, waren auch schon andere Leute da um weitere Pferde abzuholen. In dem Gewusel fand ich dennoch schnell den Weg zu den Boxen der beiden. Nacheinander lud ich sie in den Anhänger. Zum Glück war Donut nicht sehr hengstig, deshalb konnte ich ihn und Ocean zusammen in den Anhänger stellen, ohne dass er diesen gleich auseinander nahm. Ich verabschiedete mich von Chequi, die mit wehmütigem Blick den Abtransport ihrer Pferde verfolgte.
      Zuhause angekommen lud ich die beiden nacheinander aus und brachte sie erstmal in ihre Boxen im Nebenstall. Dort durften sie sich bis zum Nachmittag in aller Ruhe eingewöhnen. Später kamen sie noch etwas auf die Weide, reiten würde ich sie erst am nächsten Tag.
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      Ein nicht ganz so toller Sommertag 03.06.2013

      Es hatte schon die ganze Woche heftig geregnet und mein Mann hatte schon gemeint, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Fluss über die Ufer treten würde. Heute Morgen passierte es dann. Als ich aufwachte hörte ich draussen das Rufen der Pfleger und jemand kam gerade die Treppe hochgerannt. Die Tür wurde aufgerissen: "Schnell Occu, der Nebenstall steht circa 10 Zentimeter tief unterwasser! Tendenz eher steigend..." Ich sprang auf, zog mich an und hüpfte die Treppe runter zur Haustür. Draussen schien auf den ersten Blick ein riesen Chaos zu herrschen. Vom Nordosten her kam eine braune Suppe durch die Tannen der Galoppbahn geflossen, zwar nicht sehr tief, dafür breitflächig. Die Hälfte des Reitplatzes war unterwasser und die Wassermasse floss weiter zum Nebenstall, der ebenfalls schön umspült wurde. Wenigstens ein paar der Weiden und der Hauptstall, sowie das Haupthaus und der Parkplatz waren einigermassen trocken. Ich schlüpfte schnell in meine Gummistiefel und zog im Rennen die blaue Regenjacke an. Beim Nebenstall waren die Helfer gerade dabei, die Pferde zu evakuieren und in den Hauptstall zu bringen. Dort hatte es noch genügend leere Boxen, in denen die Tiere provisorisch untergebracht werden konnten. Ich schnappte mir Halfter und Seil und schob die Boxentür von Moon auf, während Lewis und Lisa Co Pilot und Costa rüber brachten. Als ich mit Moon zum Hauptstall joggte, kamen uns Quinn und Rosie entgegen, die Feline, Silver und Risandro schon in eine Trockene Box gebracht hatten. Mein Mann hatte mit einem Nachbar, Ajith und Jonas ein paar Sandsäcke organisiert und versuchte nun den Strom aus Schlamm und Wasser vom Hauptstall fernzuhalten. Ich watete mit Moon weiter aus dem Wasser und führte sie durch eine Lücke im Schutzwall. Ich stellte sie in eine der freien Boxen und holte dann nacheinander Donut, Ocean und Dream. Als alle Pferde im Hauptstall waren und der Schutzwall stand, lief ich mit Quinn und Lisa zu den Weiden, um nach den Fohlen und Minis zu sehen. Dort schien zum Glück alles in Ordnung zu sein. Kaum hatten wir uns umgedreht, als wir auch schon wieder nach oben gerufen wurden. Oliver und Lily waren inzwischen auch eingetroffen und mein Mann wollte planen, was als nächstes getan werden musste. Also trommelten wir alle anwesenden zusammen. Ich stellte mich neben meinen Mann und strich mir die nassen Haare aus dem Gesicht, denn im Eifer des Gefechts hatte ich die Kapuze nicht hoch gezogen. "Okay, so weit so gut. Alle Pferde stehen wieder im Trockenen und das Wasser wird vom kleinen Schutzwall zurückgehalten. Im Verlauf des Nachmittages sollte der Regen aufhören, mit etwas Glück ist das Wasser heute Abend weg. Die Pferde bleiben aber ganz bestimmt über die Nacht hier im Hauptstall. Also müssen wir jetzt dafür sorgen, dass sie es für die Nacht schön bequem haben. Einstreuen der leeren Boxen währe zu verschwenderisch, aber wir können ihnen Heu und Wassereimer hinstellen, eine Nacht ohne zu liegen werden sie ja wohl überleben. Trocknet ausserdem die Beine derjenigen, die nass geworden sind." Alle murmelten zustimmend und machten sich an die Arbeit. Ich brachte Peace und Burggraf einen Wassereimer und zog Ronja, die am durchweichtesten von allen war, eine warme Fleece Decke an. Den drei Western Pferdchen Summer, Shadow und Flint ging es anscheinend auch gut, sie waren jedenfalls schon wieder am Heuhalme sortieren. Als alle Pferde genügend zu fressen hatten, bekamen auch die Menschen eine kleine Aufwärmung: Der freundliche Nachbar und Lewis hatten in der Zwischenzeit für alle warmen Kakao und trockene Handtücher hergezaubert. So sassen wir alle in der Stallgasse des Hauptstalls und trockneten uns gegenseitig. Am Nachmittag liess der Regen dann wie erhofft nach und auch die braune Suppe wurde weniger. Am Abend schliesslich war der Strom vollständig verschwunden, der Boden um den Hauptstall war aber noch sehr matschig. Ich sah bevor ich ins Bett ging nochmals nach den Pferden, dann fielen mir erschöpft die Augen zu. Was für ein Tag!
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      Der Bericht

      Es war Abend und ich hatte es mir gerade draussen auf der Hängematte bequem gemacht, bereit mein Erdbeer-Frappé zu schlürfen. Da kam Lily vom Nebenstall her angelaufen. "Guten Abend, ich dachte ich komm noch kurz vorbei und sag gute Nacht." Sie lächelte mir mit diesen Worten freundlich entgegen. "Das ist aber lieb. Musst du denn gleich gehen, oder bleibst du noch etwas hier?", erwiderte ich und stellte den Becher beiseite. "Nö, ich hab's nicht eilig.", kam die Antwort. Ich schlug vor, dass sie neben mir auf die Hängematte kommen solle und mir vom heutigen Tag erzählen könne. "Also gut", fing sie an und liess sich neben mir nieder. "Wie jeden Morgen haben wir zuerst alle hungrigen Mäuler gestopft. Dann habe ich Peace rausgenommen und mit ihm ein wenig Gelände Training gemacht. Währenddessen haben Lewis, Jonas, Lisa und Quinn mit Summer, Flint, Moon und Shadow auf dem Platz trainiert. Anschliessend haben wir die Hengste auf die Weiden gebracht, wie immer diejenigen zusammen, die auf der Liste standen. Die Stuten durften am Nachmittag raus. Die Mini Stuten haben wir ausserdem wieder freilaufen lassen. Nach dem Misten hab ich mir Pilot geschnappt und Oliver Sun; wir sind mit den beiden rausgegangen. Ich glaube Rosie hat in der Zwischenzeit mit Dream gearbeitet, ich weiss aber nicht was. Ach ja, Lewis hat zusammen mit Quinn Silver und Bella longiert. Nach dem Mittag bin ich nochmal raus gegangen, diesmal mit Ocean. Rosie ist mit Islah mitgekommen. Das ging ziemlich gut, Islah hat nur einmal bei der Brücke ein bisschen gezickt." "Ach ja, das kennen wir ja", unterbrach ich sie und rollte mit den Augen. "Jaaa, immer an derselben Stelle... Aber irgendwann kurieren wir auch das noch." "Und wie macht sich Bandit?", wollte ich wissen. "Ahh der Neue, ja, der ist ganz brav. Hat sich gegen Abend ohne Probleme von Jonas longieren lassen und am Schluss ist er mit ihm um die Galoppbahn geritten." "Das ist ja toll! Hatte er nicht Angst vor den Tannen?" "Ja, aber jetzt nicht mehr. Er ist brav wie ein Lamm. Vorhin hab ich noch Oliver und Lisa mit Donut und Anubis auf dem Platz gesehen. Schau, das Licht brennt noch." "Ahh ja", antwortete ich und beobachtete die beiden kurz. Lilys stimme riss mich aus meinen Gedanken. "Und wie war der Distanzritt?" "Toll, wir haben zwar nicht gewonnen, aber ich wurde mit Ronja Dritte und mein Mann mit Burggraf Fünfter." "Echt gut! Ich will unbedingt auch mal mitkommen und zuschauen. Wann geht ihr das nächste Mal?" "Erst in ein paar Monaten, ich weiss das Datum gerade nicht. Aber ich sag's dir morgen.", antwortete ich. "Gut." Sie sah auf die Armbanduhr und meinte dann "Ich muss jetzt leider los, bis morgen also." Ich verabschiedete mich und schlürfte mein Frappé fertig. Es war ein herrlicher Abend.
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      Ausritt mit Anubis, Burggraf und Donut

      „Occu? Hey Occu!“ Die Stimme von Lisa riss mich aus meinen Gedanken. Ich war gerade dabei, den Rennsattel von Spot zu putzen, als die aufgedrehte Pflegerin hereingestürmt kam. „Wow wow wow, was ist denn mit dir los?“, fragte ich lachend. Sie räusperte sich, dann trällerte sie in übertrieben hoher Stimme: „Jonas fragt, ob du mit uns ausreiten kommst!“ Im Hintergrund hörte ich ein Geräusch und Sekunden später tauchte Jonas verlegen im Türrahmen auf. „Nunja, falls du Zeit hast natürlich. Muffin, Donut und Anu brauchen mal wieder Auslauf.“ Ich überlegte kurz und ging im Geiste meinen Tagesplan durch, ehe ich zufrieden nickte und den Schwamm weglegte. „Ich denke, das dürfte noch reinpassen, wir haben ja nicht gleich 3 Stunden oder?“, meinte ich in herausforderndem Tonfall. Die beiden nickten eifrig und Lisa überflutete mich gleich mit Fragen. „Welchen der drei nimmst du? Welchen Sattel willst du? Oder sogar ohne Sattel? Und Schabracke? Wollen wir bis zum Ende der Galoppwiese oder noch weiter oder in die andere Richtung? Sollen wir nochwartenmitputzenjetztbleibdoch hiiieeer!“ Ich war bereits am Putzzeug holen, nämlich das von Donut. Jonas grinste belustigt und schnappte sich das Halfter von Muffin, so blieb für Lisa nur noch Anu übrig. Wir liefen ‚Somewhere Over the Rainbow‘-summend zu den dreien. Ich band Donut direkt hinter Muffin an, Anu stand weiter vorne. Immer noch vor mich hin pfeifend begann ich, den Rappen durchzubürsten. Zuerst mit dem Striegel, dann mit der groben und schliesslich mit der weichen Bürste. Als ich auch die Hufe und das Langhaar geputzt hatte, holte ich den Sattel und die Trense. Donut machte beim Zäumen einen ganz runden Hals und suchte das Gebiss regelrecht. Auch Anubis liess sich ohne weiteres aufzäumen, Muffin sträubte sich jedoch zuerst ein bisschen, indem er den Kopf hochstreckte. Mit seiner üblichen Geduld schaffte es Jonas trotzdem, den Hengst zum Maul-Öffnen zu bewegen. Ich beobachtete, wie er ihm lobend auf die Schulter klopfte, kaum war das Nackenstück über die Ohren gestreift. „Seid ihr fertig?“, fragte ich rasch, um meinen leeren Blick zu begründen. Beide waren so weit, also liefen wir nacheinander aus dem Stall auf den kleinen Platz im Innenhof des Hauptstalls. Dort stiegen wir wie immer auf und gurteten nochmal nach, dann ritten wir los in Richtung Fluss. Ich hörte eines der Minipferdchen wiehern als wir in die Nähe der Weiden kamen. „Ist denen etwa schon wieder langweilig? Die durften doch erst heute Morgen auf dem Platz mit den Kindern spielen.“, bemerkte ich belustigt. „Mit den Kindern spielen – das ist der richtige Ausdruck!“, lachte Jonas. Lisa begann nach ein paar Minuten der Stille eifrig von ihren Erlebnissen als Trainerin zu erzählen. Jonas und ich sahen uns gleichzeitig an und rollten mit den Augen, um gleich darauf in Lachen auszubrechen. Lisa schwatzte währenddessen munter weiter, als hätte sie es nicht bemerkt, vielleicht hatte sie das ja tatsächlich nicht. Nach dem Fluss bogen wir rechts ein wenig ins Feld und galoppierten an. Es entwickelte sich ein kleines Rennen, bei dem Donut und ich anfangs vorne lagen, jedoch schnell eingeholt wurden durch den temperamentvollen Araber Anubis. Uns blieb auch nicht erspart, dass Muffin aufholte und an uns vorbeizog. „Macht nix mein dicker, die haben nen Vorteil.“, murmelte ich dem Ponyhengst ins Ohr. Am Waldrand bremsten wir wieder in den Trab, dann ritten wir südwärts und schliesslich in einer grossen Schlaufe zurück zum Hof. Dabei mussten wir den Fluss nochmals überqueren, diesmal bei einer Betonbrücke, die Muffin nicht geheuer war. Ich ritt extra nahe vor den beiden, damit Muffin sich anhängen konnte und es klappte; wir schafften es beim dritten Versuch doch noch. Muffin tänzelte zwar auf dem ganzen Weg darüber, aber er blieb bei uns. Da er sich auch auf dem restlichen Rückweg nicht wirklich beruhigte, gab mir Jonas seine Gerte, in der Hoffnung, dass er so etwas ruhiger werden würde. Es klappte leider nicht wirklich, aber Jonas nahm dafür bei unserer Wiederankunft noch ein paar Sprünge auf dem Platz. So konnte er den Achal Tekkiner noch etwas auspowern. Wir verräumten die Pferde in ihre Boxen und liefen anschliessend zu den Mini-Weiden. Ich öffnete das Zauntor und schon kamen die Stütchen angerannt. „Heyy Daki, halllooo, Chip lass das! Ach Queenie das kann man nicht fressen, au!“ Goldy, mit ihrem goldenen Charakter, war die einzige, die nicht versuchte, mich irgendwie zu beknabbern oder meine Schuhbändel aufzumachen. Dann war der Spuk auch wieder vorbei, denn Daki hatte wohl eine Stelle mit etwas frischem Gras unter dem Schnee entdeckt. Sie lief davon und alle anderen folgten ihr eifrig. Jonas schüttelte lachend den Kopf, denn die Hengstchen hatten so gar nicht Freude daran, dass sich ‚ihre‘ Stütchen vom Zaun entfernten. Arco und Caress standen beide mit gespitzten Ohren und geblähten Nüstern da, Arco trug ausserdem den Schweif elegant aufgestellt. In solcher Pose sah er richtig edel aus, fast wie ein zu klein geratener Araber. Plötzlich flitzte etwas Weisses an mir vorbei. Ich drehte mich erstaunt und entdeckte Kiwi, die in Richtung Lewis trabte, der vom Nebenstall her angelaufen kam. Die Kleine hatte sich gut gemacht, sie war kräftig geworden und hatte wolliges Babyfell. Lewis streichelte sie zur Begrüssung wie man es bei einem kleinen Hund getan hätte, und Kiwi verhielt sich auch nicht viel anders als ein solcher. Sie trottete Lewis hinterher, sogar als er weg von den anderen Minis zur Halle lief. Ich rief ihm noch hinterher, dass er auf die Kleine aufpassen solle. „Achja, Lisa, heute kommt noch ein neuer Pflegling für dich an. Eine Ministute namens Alufolie. Wir haben sie…“ Ich wurde durch Jonas‘ Gelächter unterbrochen. „Alufolie? Echt jetzt?“ „Ja, ihr Vater heisst Klofolie.“ Nun lachten wir alle herzhaft, denn die Namen waren nun wirklich etwas… seltsam. Doch nichts desto trotz mussten wir die Stute empfangen, weshalb wir pünktlich um sieben Uhr auf dem Parkplatz standen. Dort wurde sie nun rückwärts herausgeführt, unsere Alu. Der Name war schnell vergessen als wir die toll gefärbte Stute sahen. Ihre Kruppe war komplett weiss gesprenkelt und sie hatte einen ausgezeichneten Körperbau, daher war sie ja auch gekrönt worden. Wir bedankten uns beim Fahrer und führten die Stute erstmal alleine in den Offenstall, die anderen waren ja noch daran, den Hof unsicher zu machen und so konnte sie sich in Ruhe eingewöhnen. Sie machte sich auch gleich daran, mit den überaus neugierigen Hengstchen zu quietschen.
    • Occulta
      Osterschnitzeljagd

      Donut röchelte mir schon entgegen, als ich den Hauptstall betrat. Ich musste mich jedoch erst noch durch die Stallgasse kämpfen, in der gerade Hochbetrieb herrschte. Die Pfleger waren am füttern und man hörte ungeduldiges Hufscharren und Gewieher. Ich schlängelte mich an den Schubkarren vorbei und wich Empires weicher Schnauze aus, der gerade geputzt wurde und mich im vorbeigehen an stupsen wollte. Endlich war ich bei Donuts Box angelangt und stellte die Putzkiste ab. „Na mein kleiner schicker?“ begrüsste ich ihn, wie ich es immer tat. Trotz dem ich so viele Pferde zu betreuen hatte nahm ich es mir nicht, bei jedem Einzelnen gewisse Rituale einzubauen und ihnen allen so Sicherheit zu vermitteln. Ausserdem ritt ich alle Pferde mindestens zweimal pro Woche selber, den Rest übernahmen jeweils die Pfleger, die schliesslich auch gefördert werden mussten. Ausserdem hatten die Pferde alle einmal in der Woche frei, nämlich immer sonntags. Dann durften sie in Gruppen auf die grossen Weiden und das Pferdeleben geniessen. Ich schnappte mir einen Striegel und warf einen Blick auf die Uhr. „Schon halb eins, Jonas du bist spät dran.“, murmelte ich erbarmungslos, denn der Pfleger war gerade in Baccardis Box geschlichen. „T’schuldigung, ich musste noch Telefonieren….“, antwortete er hastig und kam nochmal raus, um sich ebenfalls einen Striegel zu angeln. Als er aufsah trafen sich unsere Blicke. „Etwas Wichtiges?“ „Jain, meine Tante ist letzte Woche verstorben, die Vorbereitungen für die Beerdigung sind schon in vollem Gange.“ „Das hast du mir ja gar nicht erzählt, tut mir schrecklich leid…“ „Ach ich mochte sie nie besonders, wir redeten seit Jahren nicht mehr zusammen.“ Er erklärte mir während dem Putzen, dass seine Tante mit seiner neuen Berufswahl als Pferdepfleger nicht einverstanden gewesen sei. Sie sei immer schon der Meinung gewesen, dass Pferde gefährlich seien und stinken würden. Ich hörte gespannt zu und entwirrte Donuts Mähne. Jonas unterbrach seine Rede, weil er konzentriert versuchte, Baccardis Mähne zu einem französischen Zopf zu flechten. Ich musste lachen bei dem Anblick und wechselte die Box um ihm zu helfen. Ich übernahm die Haarsträhnen und schob ihn sanft zur Seite. Doch er hielt leicht gegen und legte plötzlich seine Arme um mich. Ich sah ihn verwundert an und stupste ihm in den Bauch, da liess er auch schon wieder los und stupste zurück. Ich beschloss, nicht weiter darauf einzugehen, da es vermutlich wieder nur eine Spielerei seinerseits gewesen war. Ich flocht sie Mähne ruckzuck zu einem ordentlichen Zopf, da ich darin viel Übung hatte. Er sah mir dabei ganz genau auf die Finger, beeindruckt von meiner Geschicktheit. „Naja, manche Dinge werd ich wohl nie beherrschen.“, grinste er als ich fertig war. „Sag niemals nie.“, meinte ich und lächelte verschwörerisch. Wir sattelten endlich und führten die Pferde in den Innenhof. Dort stiegen wir auf und ritten anschliessend zum Dressurviereck, wo wir die beiden erstmal gründlich aufwärmten. Nach einer Weile trabte ich an und begann, Volten und Schlangenlinien zu reiten. Donut löste sich schon nach wenigen Runden und lief locker durch’s Genick. Wenn er versuchte, mit dem Kopf auf und ab zu wackeln, gab ich ihm eine leichte Parade am inneren Zügel. Wir hatten das Headshaking dank der vielen Longenstunden gut in den Griff bekommen, aber ab und zu zeigte er noch Rückfälle. Baccardi schien heute etwas aufgezogen zu sein, er trabte recht zügig und glotze ab und zu wieder das Gebüsch an, als ob dort etwas Gefährliches drin schlummern würde. Als ich an derselben Stelle vorbei kam, fuhr Donut plötzlich zusammen und bockte daraufhin los. Ich war völlig unvorbereitet und plumpste schon nach wenigen Sekunden in den weichen Sand. Donut rannte mir gehobenem Schweif und gespitzten Ohren in Richtung Ausgang, doch Jonas konnte ihm gerade noch den Weg versperren. Da Donut angehalten hatte, konnte er ihn nun leicht am Zügel fassen und mit zu mir führen. „Alles okay?“, fragte er besorgt und stieg ab. Ich stand noch etwas benebelt auf und richtete meinen Helm gerade. „Ja, nix passiert. Irgendwas muss da im Gebüsch sein!“, meinte ich, und lief auf die Stelle zu. Mit triumphierendem Blick richtete ich mich kurz darauf wieder auf und drehte mich zu ihm um. In der Hand hatte ich einen kleinen Korb mit bunten Ostereiern. „Da war jemand fleissig. Ich wette, das war Lisa. Die hat immer solchen Unsinn im Kopf.“ Wir lachten herzhaft und versteckten den Korb wieder, ehe wir weiter ritten. Nach knapp einer Stunde intensiver Arbeit mit den beiden Ponyhengsten stiegen wir zufrieden ab und brachten die beiden in ihre Boxen zurück. Nach dem Absatteln und Bürsten spielte ich noch etwas mit Donut: Ich zeigte ihm ein Handzeichen und sagte ruhig und deutlich: „Lachen“. Daraufhin streckte er seine Oberlippe nach oben und flehmte. Ich lobte ihn und gab ihm Karottenstückchen. Als ich keine mehr hatte kam er mit seinem Maul und fummelte mir an der Stirn herum. Ich stiess ihn lachend zur Seite als es mir zu bunt wurde, um zu Baci zu wechseln und ihn noch etwas zu streicheln. Die Blesse die sich über sein Gesicht zog war elegant den Augen angepasst und liess ihn frech und neugierig wirken. Die kräftigen Hengstpony-Backen und die kurzen Ohren unterstützten dieses Bild. Alles in allem war der Hengst wie Donut einfach ein Traum von einem Pony. Ich wuschelte ihm noch etwas mit der Hand durch die Mähne, und weil Jonas mit seinen dunklen, kurzen Locken gerade daneben stand, ihm ebenfalls.
      Am späteren Nachmittag trommelten uns Lisa und Rosie zusammen. Gespannt hörte ich zu, was die beiden wieder ausgeheckt hatten: Eine Ostereier-Schnitzeljagd. Sie hatte mich zuvor gefragt, ob die Pfleger heute mit den Pferden ins Gelände dürften. Ich schlug vor, dass sie gleich die Vollblüter nehmen sollten, die noch nicht bewegt waren. So suchte sich jeder ein Pferd aus und machte es hübsch für die Jagd nach den Eiern. Lewis nahm Sunday, Quinn nahm Paint, Ich nahm Gray, Jack nahm Fly, Rosie nahm Stromer, Jonas nahm Light, Lisa nahm Empire, Oliver nahm Indiana, Lily nahm Chiccory, Ajith nahm Felicita und Elliot nahm Campina. Die anderen, Smarty, Sumerian, Winter, Spot, Kierka, Crack, Blüte und Cantastor waren schon am Morgen auf der Bahn trainiert oder longiert worden. Gray war artig beim Aufsteigen und blieb schön stehen, während Campina neben uns die ganze Zeit wegen der vielen Pferde zappelte. Immerhin waren wir 11 Reiter! Lisa gab uns den Tipp, wo der erste Posten versteckt war und hielt sich dann zusammen mit Rosie im Hintergrund, denn die beiden kannten die Verstecke ja. Jonas und ich erkannten den ersten Posten auch gleich wieder, denn der Tipp lautete: ‚Der Start beginnt, wo der Schüler im Sommer stunden nimmt.‘ Die anderen berieten sich kurz, ehe die Gruppe auf den Platz ritt und das erste Nest suchte. Es dauerte auch nicht lange, bis Lewis es entdeckt hatte. Darin war ein Zettel, der mir vorher gar nicht aufgefallen war: ‚Wo der Fisch schwimmt, dort die Suche erst recht beginnt.‘ Die Zettel waren auf Deutsch, was mir erst jetzt in den Sinn kam. Ich fragte Rosie deswegen und sie meinte, dass es so spannender für die englisch sprechenden sei, da sie erst noch übersetzten mussten. Wir ritten also zum Fluss, der vermutlich gemeint war. In einer Hecke am Ufer war der zweite Korb aufgehängt, diesmal bekam ihn Jack. Auf dem Zettel stand: ‚Zögert nicht und reitet zum dritten, dort wo sich einst Räuber stritten.‘ Ich wusste sofort, was damit gemeint war. Es gab eine alte Bauern Legende, dass im nahen Pinienwald auf der grossen Lichtung einmal eine Banditenfestung gewesen sei. Sie soll ganz aus Holz gewesen sein. Einmal seien die Räuber jedoch erfolglos von einem Beutezug heimgekehrt und hätten sich aus ärger gegenseitig so lange beschimpft, bis einer die Festung in Brand gesetzt hatte. In ihrer Wut hätten sie nicht bemerkt, wie die Rauchfahne ihren Standort verriet und die wütenden Dorfbewohner anlockte. Die Festung sei komplett ausgebrannt und durch die Flammen sei der Wald um sie herum auch noch fast kreisrund gerodet worden, dies war die heutige Lichtung der Legende nach. Wir ritten also auf meinen Aufruf hin zur Waldlichtung. Tatsächlich fanden wir dort hinter einem Steinhaufen versteckt das dritte Körbchen. Rein aus Neugier sah ich mich ausserdem diesmal genauer auf der Lichtung um. Ich ritt in die Mitte, konnte jedoch auf dem Boden nichts Ungewöhnliches entdecken. Enttäuscht trieb ich Gray wieder zur Gruppe zurück. Was hatte ich überhaupt erwartet? Es war ja nur eine Legende und selbst wenn nicht, musste diese Geschichte schon laaange zurück liegen und es würde keine Spuren mehr geben. Ich schob diese Gedanken beiseite und genoss den Ritt. In meiner Abwesenheit hatte ich den neuen Rätselspruch gar nicht mitbekommen. Ich machte mir jedoch auch keine Mühe, ihn noch herauszufinden. Wir ritten zur Galoppwiese, auf der mitten im Feld ein weiterer Korb versteckt war. Wir mussten uns alle aufteilen, um ihn zu finden. Und so jagten auf der ganzen Wiese Pferde im Galopp durchs saftige Gras, auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Als wir sie nach einer Viertelstunde immer noch nicht gefunden hatten, wurde Lisa um Hilfe gefragt. Zu allem Überfluss wusste sie jedoch nicht mal mehr, wo genau sie den Korb hingelegt hatte. Gerade als wir aufgeben wollten hüpfte Elliot triumphierend vom Pferd. Auf dem Zettel stand: ‚Den zweitletzten Schatz hältst du beinahe schon in der Hand. Um ihn zu finden halte dich am Waldesrand.‘ Wir wunderten uns ein wenig über die Einfachheit dieses Hinweises, doch sagten nichts und ritten weiter. Die suche war schliesslich doch nicht so leicht wie gedacht, denn der Korb hängte am Ende an einem Ast über unseren Köpfen. Quinn musste auf Paints Rücken stehen um ihn zu erreichen. Die Stute hielt zum Glück schön still, weil Ajith sie hielt. ‚Das Ende ist nah und doch noch fern, du findest es im Kern.‘ Im Kern? – Ich hatte keine Ahnung, was damit gemeint war. „Ist das Nest etwa in einem Apfel?“, scherzte Jonas und die Gruppe brach die Stille mit herzhaftem Gelächter. Lisa schüttelte weise lächelnd den Kopf. „Eigentlich ist es ganz leicht.“, stellte sie fest. Auch Rosie nickte eifrig. Wir beschlossen, erstmal zurück zum Hof zu reiten, denn wir vermuteten, dass das Körbchen dort irgendwo versteckt sein musste. Ich schnalzte und trieb Gray in den Galopp, denn wir waren auf einem der sandigen Galoppwege im Wald angelangt und die Reiter vor uns waren ebenfalls angaloppiert. Ich hielt die Zügel gespannt und schnappte mir ein Büschel Mähne, um Gray besser zu stützen. Wir sprangen den Weg entlang, das dumpfe Geräusch aufschlagender Hufe im Sand klang rhythmisch und vor mir wehten die Schweife. Am Ende der Strecke musste ich Gray in ihrem Eifer stark bremsen, denn wir wären fast in Light reingerasselt. Dieser war zum Glück gerade abgelenkt mit einer Wurzel, über die er halb drüber stolperte. Wenige Augenblicke später hatten wir die kurze Schrittpassage überquert (dort durfte man nur im Schritt durch, da ab und an ein Fussgänger durchlief) und die Vordersten sausten bereits wieder los. Ich trieb Gray auch wieder an. Der Wind zerzauste mir die Haare und Gray nahm gewaltige Sprünge, um einen kleinen Rückstand zu den Vorderen Pferden aufzuholen. Wir galoppierten die ganze Strecke bis zum Waldrand. Erst als wir wieder auf freiem Feld waren, parierten wir die Pferde in den Trab durch und ritten so den restlichen Weg zum Stall zurück. Es war herrlich; Die späte Nachmittagssonne und die angenehm aufgewärmte Luft unterstützten die ausgelassene Stimmung perfekt. Wir plauderten und lachten auf dem ganzen Weg und Lewis erzählte immer wieder Witze. Wir durchquerten die Galoppbahn mit ihren grossen Tannen, wobei wir uns leicht unter einem tief hängenden Ast ducken mussten. Als wir an den Weiden vorbei kamen, kamen die beiden Mini Hengstchen aufgeregt angetrabt und begleiteten uns. Die Stuten schienen sich nicht für uns zu interessieren. Nun ging die Sucherei los: Wir teilten uns auf und durchkämmten das Hofgelände nach dem fehlenden Korb. Ich wollte gerade zu Jack reiten, als Jonas an meine Seite kam. Daher bildeten wir beide gleich ein Team. Er schlug vor, dass wir zuerst auf dem Geländeparcours suchen sollten, schliesslich war dieser der ‚Kern‘ der Galoppbahn. Ich fand dies eine gute Idee und wendete Gray in die richtige Richtung. Ich nutzte die Gelegenheit, um Light etwas zu beobachten. Der sensible Hengst mochte keine harte Hand, doch bei Jonas schien er locker und zufrieden. Er war zwar feurig, wie immer, doch Gray hielt gut mit (sie war ebenfalls recht fleissig) und er trat schön ans Gebiss. Ich blieb stumm und wnedete meinen Blick wieder von dem schwarzen Hengst ab, um nach dem Vogel zu suchen, der sein Lied über unseren Köpfen trällerte. Wir überquerten die Galoppbahn und gelangten schliesslich zur Geländestrecke. Zuerst ritt ich zu der vordersten Baum-Insel und suchte das Bodengestrüpp ab. An den Stellen, an denen der Boden kahl war, wuchs nur spärlich Gras und die Erde war hart getreten von den vielen Hufen, die hier durchgekommen waren. Dennoch sahen die mit Schatten und einzelnen Lichtstrahlen überzogenen Flächen harmonisch und geheimnisvoll aus. Da ich nichts entdecken konnte, trieb ich Gray weiter zur nächsten kleinen Baumgruppe. Ich suchte auch in den Ästen über mir, doch selbst dort befand sich kein Korb. Als nächstes sah ich beim kleinen Grabenhindernis, beim Gebüsch-Sprung, beim Baumstamm und beim Hügelchen. Doch nirgends war etwas zu finden. Auch Jonas schien erfolglos geblieben, deshalb ritten wir zurück zu den anderen. Die hatten sich gerade um Elliot versammelt, der soeben den letzten Korb im Innenhof des Hauptstalls gefunden hatte. „Na klar, der Kern ist der Hauptstall mit unseren Engländern!“, Lachte ich und gratulierte ihm. Dann bedankte ich mich formell bei Lisa und Rosie für die hervorragende Durchführung dieser Eier-Jagd und lud alle Teilnehmer zu einem heissen Tee im Garten des Haupthauses ein. Zuerst wurden jedoch natürlich noch die Pferde versorgt. Sie genossen den Sonnenuntergang in Gruppen auf der Weide.
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      Und der bunte Rest…

      Nachdem ich Sheela im Haus versorgt hatte, lief ich mit Jonas zurück zum Hauptstall. Merino döste erschöpft im Stroh und Blüte knabberte entspannt an ihrem Heu, dort war also alles okay. Jonas kam sich etwas unnütz vor, wie er mir verriet, da er noch nicht wieder arbeiten oder reiten konnte. Also bot ich ihm an, mir beim Training zuzusehen und mir Tipps zu geben. Er half mir ein wenig dabei, Peace zu putzen. Als wir fertig waren, verpasste ich Peace noch einen neuen Haarschnitt, was er dringend nötig hatte. Danach sah er wieder sportlich und frisch aus. Ich führte ihn nach draussen auf den Dressurplatz und stieg auf, um ihn einzuwärmen. Der kräftige Hengst hielt aber nicht viel von langsamem Schritt und schreckte immer wieder vor Vögeln oder ähnlichem zurück. Bei einem weiteren Seitensprung war es mir genug und ich beschloss, ihn endlich anzutraben um ihn zu beschäftigen. Wie erwartet lief er nun konzentrierter und brav. Ich übte einige Übergänge zur Lockerung und im späteren Verlauf des Trainings arbeitete ich viel im Galopp. Galoppwechsel waren mittlerweile kein Problem mehr für den talentierten Genossen, weshalb ich mich an die Galopppirouetten wagte. Kein Meister fällt vom Himmel – so auch nicht Paco, aber immerhin drehte er nach fünf Versuchen schon beinahe auf der Stelle. Nach einer halben Stunde intensivem Training lobte ich ihn und ritt mit Jonas im Schlepptau auf der Galoppbahn etwas Schritt. Es war ein schöner Spaziergang, denn heute war es zum Glück nicht mehr ganz so heiss. Trotzdem war ich froh um die schattenspendenden Äste der Tannen und den kühlen Luftzug, der zwischen ihnen hindurchfegte. Ich bemerkte, dass es für Jonas nicht gerade angenehm war, so viel zu laufen mit seinen Wunden, denn er verzerrte ab und zu das Gesicht, wenn er dachte, ich sähe es nicht. „Willst du aufsteigen?“, fragte ich mit abenteuerlichem Tonfall. Der kräftige Hengst würde sicherlich nicht gleich zusammenklappen und wir waren beide eher schlank. „Hmm, eigentlich…. Warum nicht?“ Ich hielt Paco an und Half ihm, sich hochzuziehen. Damit wir beide Platz hatten, musste ich vor den Sattel rutschen, während er im Sattel selbst sass. „Ich steuere, du treibst“, bestimmte ich, und nahm die Zügel auf. Paco lief zunächst etwas zögerlich, weil ihm das Gewicht und das auf dem Hals sitzende Occu ungewohnt waren. Aber als er merkte, dass alles in Ordnung war und ich ihn ausgiebig lobte, zeigte er seinen üblichen, fleissigen Schritt. Nach einigen Metern schlang Jonas plötzlich seine Arme um meinen Bauch. „Ich muss mich schliesslich festhalten“, flüsterte er mir erklärend ins Ohr. Ich schwieg und genoss die Berührung insgeheim. So ritten wir entspannt eine ganze Runde auf der Bahn. Irgendwann musste ich zurück zum Hauptstall wenden, so sehr es schmerzte diesen Ritt zu beenden. Jonas half mir beim Versorgen von Peace und ging anschliessend mit Rosie und Lisa auf den Platz, denn die beiden wollten eine Reitstunde halten. Dass er einfach so davonschlich enttäuschte mich etwas, ich hatte gehofft, den restlichen Morgen mit ihm zu verbringen. Aber warum sollte er auch bei mir bleiben, es ist ja nicht so dass ich ihm mehr bedeute als die anderen. Ausserdem bin ich immer noch der Boss hier, und mit dem Boss ist man nun mal nicht gerne freiwillig unterwegs. Ich blieb gleich bei den Trakehnern und sattelte Filou. Ich beschloss ausserdem, den anderen nicht in die Quere zu kommen und stattdessen einen Ausritt zu machen. In Stimmung dazu war ich ja schon. Als ich am Reitplatz vorbeiritt, übte Rosie gerade mit Baccardi Schulterherein, während Lisa auf Piroschka ihr Glück versuchte. Ich trieb Filou in Richtung Dorf und trabte viel. Auch einen rassigen Feldgalopp liess ich mir nicht nehmen, aber trotz allem kroch die Einsamkeit mir überall hinterher. Als ich zurückkam war schon fast zwei Uhr und ich hatte gewaltig Kohldampf. Dennoch reichte die Zeit nur für ein Sandwich, Jack hätte heute für mich gekocht, danach sattelte ich Aerith und übte etwas Trail mit ihr. Ajith und Oliver ritten Islah und Anubis auf dem Geländeparcours. Ich schloss mich ihnen um halb vier mit White Dream an. Um halb fünf mussten nur noch Donut, Ocean und Gianna bewegt werden, Ronja und Burggraf hatten bereits Lewis und Quinn übernommen. Rosie, Oliver und ich gingen also nochmals gemeinsam ausreiten, ich nahm dabei Ocean. Wir ritten über die Galoppwiese und durch den Pinienwald, die übliche Runde. Sogar für einen Abstecher zum Fluss reichte die Zeit, schliesslich hatten wir nicht mehr viel zu tun bis das Vollbluttraining vom Morgen weiterging. Die Rennpferde wurden nämlich immer nur morgens und abends trainiert, aufgrund der Hitze. Am Ende des Tages, um halb elf Uhr, setzte ich mich mit den anderen Pflegern ins Wohnzimmer und wir sahen uns gemeinsam einen Film an. Ich veranstaltete solche Abende oft, denn das stärkte meiner Meinung nach den Teamgeist und förderte ein gutes Arbeitsklima. Der Film, den Oliver ausgesucht hatte, war zwar schrecklich, doch wir machten uns dennoch einen tollen Abend.
    • Occulta
      White Storm

      Sonnenstrahlen wärmten meinen Rücken, als ich mit Lila den Feldweg entlang töltete. Es war Sonntag, kurz nach dem Weihnachtsball. Ein Blick auf die Armbanduhr unterrichtete mich von der Tageszeit – zehn nach zwei Uhr. Es war ein vollgepackter Morgen gewesen. Zwei neue Pferde hatte ich begrüssen dürfen, und morgen würde nochmals eines folgen. Um fünf Uhr war ich aufgestanden, um beim Füttern zu helfen und anschliessend mit den Rennpferden und Jockeys ins Training zu gehen. Kaum war Cantastor wieder abgesattelt und versorgt gewesen, hatte ich Gini auf dem verschneiten Platz bewegt. Es waren sogar immer noch ein paar Flöckchen gefallen, während ich mit ihr Slaloms, Stops und Seitwärtsgänge geübt hatte. Richtig hübsch hatten die weissen Fetzen sich ihren Weg durch den nebligen Himmel getanzt. Danach hatte ich Amor Casdove vom Flughafen abgeholt. Der Pintoaraber hatte wohl einen echten Kulturschock gehabt, als er vom warmen Australien ins verschneite England verfrachtet worden war. Er hatte sich auch entsprechend verhalten und war trotz seiner Winterdecke extrem zappelig gewesen, als hätte es ihm an die Beine gefroren. Ich nahm es dem temperamentvollen Jungspund nicht allzu übel. Er hatte sich in der Box einige Male gedreht und gewiehert, danach war aber auch schon Ruhe eingekehrt. Ich hatte anschliessend Anubis bewegt, der zum Glück einiges ruhiger gewesen war. Nachdem ausserdem auch Donut und Hallu bewegt gewesen waren, hatte ich mich auf den Weg in den Süden gemacht, um meine neue Paint Stute abzuholen. Sie war ein interessantes Projekt, da sie vollkommen militärisch ausgebildet worden war. Ich hatte zwar gute zwei Stunden bis Bristol gehabt, doch die Fahrt hatte sich gelohnt: Echo war bereits mit einigen anderen Pferden angebunden auf dem Parkplatz gestanden, denn sie war nicht das einzige Pferd gewesen, das heute abgeholt worden war. Der alte Bauer, der aufgrund seiner Demenz seine Hobbyzucht aufgeben musste, war etwas verwirrt in Begleitung seiner Tochterzwischen den Pferden und Anhängern hindurch gewuselt und es war ihm sichtlich schwer gefallen zu verstehen, warum seine Pferde weg mussten. Als ich Echo endlich hatte die Rampe hochführen dürfen, hatte ich ihm versichern müssen, dass ich sie weiterhin kavallerietauglich ausbilden würde. Er hatte mir ihr Zaumzeug geschenkt, da sie dieses in der Ausbildung so gut angenommen hatte. Ich hatte beschlossen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen und es für mich als Challenge zu betrachten. Nun war die Stute in ihrer neuen Box und lebte sich ein, während ich auf dem Ausritt mit Lila war.
      Mein Mopho summte, ich bremste die Islandstute. "Hey, bist du noch lange weg?", stand auf dem Display, darüber fand ich das Profilbild von Jonas. Ich verneinte und fragte warum, konzentrierte mich dann aber wieder auf Lila. Mein Pferdchen war fleissig heute: kaum nahm ich die Zügel wieder auf, spurtete sie auch schon im Trab los. Die wollige Mähne tanzte dabei im Takt auf und ab. Überhaupt war alles an ihr wollig. Ich hatte sie noch nicht geschoren, da es so schnell so kalt geworden war, doch nun schien es langsam Zeit zu werden. Sie wird sich sonst zu Tode schwitzen, wenn sie so Gas gibt. Der Schnee war bereits wieder am Schmelzen, doch er stand noch immer knöchelhoch. Und für die nächste Woche war ein Schneesturm angekündigt worden. Ich mochte den Schnee, sehr sogar. Und ich mochte es, gemütlich im warmen Wohnzimmer zu sitzen, während draussen der Wind heulte und der Schnee wirbelte. Alles um mich herum lag still und weiss da, nur hin und wieder lösten sich das schmelzende Pulver von einem Ast und hinterliess einen glitzernden Nebel aus Eiskristallen in der Luft. Irgendwo in der Ferne rief eine Krähe, als ich den Weg beim Flussufer erreichte. An einer steil abfallenden Stelle beim Ufer, dort wo Schmelzwasser in den Fluss lief, entdeckte ich einige wunderschöne Eiszapfen. Ich hielt Lila und liess mich zu Boden gleiten, um einen abzubrechen. Den muss ich unbedingt Lewis zeigen! Er behauptet immer noch, dass 'seiner' bei der Reithalle der grösste sei. Ich sah nochmal auf das Display meines Mophos, ehe ich wieder aufstieg. "Wir wollen Schlitteln gehen. Keine Angst - die Pferde sind schon alle versorgt." Ich lächelte kopfschüttelnd und lenkte mein Pferdchen auf den Heimweg.

      Vor dem Nebenstall stieg ich ab und führte Lila unter das Vordach zum Anbinden. Sie stützte entspannt den Huf auf, während ich den Sattel von ihrem Rücken nahm und das lange Winterfell kurz durchbürstete. Ich schäre sie später gegen Abend. Schon kamen Lewis und Jonas um die Ecke. "Ah, you're back! Okay, let's groom Lila and then go, while it's still sunny", rief Lewis freudig. Ich nickte und die beiden halfen mir kurz beim Hufe Auskratzen und Beine Bürsten. Dann brachten wir Lila rein und holten meinen Holzschlitten aus dem Keller. Rosie, Lisa, Elliot, Darren und Oliver standen schon bereit; Quinn war nicht dabei weil sie sich eine Grippe eingefangen hatte. Ajith fehlte ebenfalls, da er keinen Schlitten hatte und sich nicht so geeignet für den Schneesport fand. Die anderen hatten versucht, ihn zu überreden, doch Ajith bleibt hart Granit wenn er sich einmal entschieden hat. Wir liefen los in Richtung Galoppwiese, dann ein wenig südöstlich. Dort gab es, weit vom Hof entfernt, einen grossen Hügel, den ich letztens mit Numair hochgaloppiert war, um dessen Kondition zu verbessern. Es war mühsam, durch den bereits schmelzenden Schnee zu stapfen. Der Weg auf den Hügel kam mir ewig vor. Doch die Mühe lohnte sich: trotz des klebrigen Schnees fuhren die Schlitten schnell. Dumm nur, dass mein Schlitten bei der zweiten Abfahrt einige Meter neben der Piste eine unliebsame Begegnung mit ein paar Felsen erlitt, die hinterhältig unter der Schneedecke schlummerten. Ich landete unsanft im Tiefschnee und der Schlitten sah mitleidserregend aus. Ich sammelte die linke Kufe und das restliche Holzgestell ein und lief damit die Piste hinunter, wo die anderen halb besorgt, halb lachend warteten. Jonas bot mir an, auf seinem Schlitten mitzufahren, was ich nach einigem Zögern auch annahm. Dankbar hastete ich neben ihm den Hügel hinauf, während er den Schlitten zog. Ich setzte mich vorne hin, er sich hinten, da er so besser lenken konnte. Die Abfahrt war turbulent aber lief gut, bis Lewis uns hinauswarf, indem er den Schlitten hinten packte und herumriss. Wir machten ständig solche Spiele beim Schlittenfahren - das machte es um einiges spannender. Ich lag lachend neben dem Gefährt im Schnee und sah zu Jonas, der sich ärgerlich die Mütze ausschüttelte. Schon entdeckte ich das typische, herausfordernde Glitzern in seinen Augen und wir erklimmten den Hügel erneut. Noch einige Male landeten wir im Schnee, und oft revanchierten wir uns an diesem Nachmittag. Ich genoss es in vollen Zügen und das Beste war, dass Jonas und ich ein hervorragendes Team bildeten. Als der Spass schliesslich zu Ende ging, da es bereits dunkel wurde, liefen wir fröhlich lachend und schnatternd zurück zum Stall. Im Pflegerheim liess ich mich erschöpft aber glücklich mit einem warmen Punsch in der Hand auf die blaue Couch fallen. Jonas setze sich neben mich. Wir redeten eine Weile, ehe wir beschlossen, einen Film zu schauen. Doch zuerst mussten die Pferde versorgt werden. Ich trank aus und zog mich wetterfest an. Es war sechs Uhr und dunkel draussen, ausserdem kam ein starker Wind auf, der eisig durch meine Jacke zog.
      Ich stampfte durch den bloss noch knöchelhohen Schnee zu den Weiden, wo ich Pina und Indiana auf halfterte. Die beiden liefen zügig und aufgeregt schnaubend neben mir den Weg hinauf, offenbar spürten sie den herannahenden Sturm. Ich liess, im Hauptstall angekommen, Diana los, damit sie selber in ihre Box laufen konnte. Währenddessen brachte ich Pina in die ihrige. Auch Jonas kam gerade mit Caprice und Crack angelaufen. Beim Zurückgehen schob ich auch Dianas Tür zu und warf einen Blick in die Box von Cassy, die bereits nass, aber zufrieden am Heu knabberte, dann lief ich erneut los um zwei weitere Stuten zu holen. Beim Eingang wich ich Ajith aus, der Kierka und Blüte hineinführte. Auf dem Weg zu den Weiden hielt mich Lisa auf um zu fragen, wann die Pfleger füttern sollten. Sie schaffte es kaum, Paint und Gray ruhig zu halten. Paint stand breitbeinig da, den Kopf hoch erhoben, und sog hin und wieder geräuschvoll Luft ein. Gray stand mit gespitzten Ohren daneben. Ich beschloss, dass wir das Füttern und Misten gleich erledigen sollten und anschliessend um neun nochmals Heu geben und Kontrolle machen würden. Lewis hatte inzwischen auch Sumerian geholt. Ich kümmerte mich also noch um die letzten beiden, Shio und Pointless. Doch auf dem Weg schüttelte Point die ganze Zeit heftig den Kopf und riss am Strick. Ich massregelte sie mehrfach, Wirkung zeigte es bei der sensiblen Stute kaum. Im Gegenteil: kurz vor dem Hauptstall nahm sie einen gewaltigen Satz in meine Richtung und warf mich beinahe um, sodass ich sie loslassen musste, um nicht überrannt zu werden. Knapp gelang es mir, Shio zu halten. Die gepunktete Stute hingegen raste im gestreckten Galopp zurück in Richtung Weiden. "Spinnvieh!" Ich fluchte vor mich hin und brachte Shio schleunigst in die Box, um gleich darauf ein paar Pfleger zusammenzutrommeln und Pointless zu suchen. Mittlerweile stürmte es fast schon, und es schneite. "Na toll, sie haben den Sturm doch erst für Montag angesagt!", beschwerte sich Lisa. Ich beachtete sie nicht und kniff die Augen zusammen, damit keine Schneeflocke hineingeweht wurde. Ich lief zielstrebig in Richtung Fohlenweide, denn dort vermutete ich die ausgerissene Stute. Die anderen folgten mir. Tatsächlich stand Pointless beim Zaun und sah uns entgegen, doch als wir zu nahe kamen, drehte sie ab und bewegte sich im Stechtrab weiter den Weg hinab. "No chance, she'll run to the field if we try to chase her. We have to block the way down there", rief ich durch den Wind und deutete auf das Ende des Weges zwischen den letzten beiden Weiden. Lewis und ich rannten in einem Bogen über die Weiden nach unten, indem wir uns unter den massiven Holzzäunen hindurch zwängten. Point beobachtete uns hin und wieder misstrauisch, dann wiederum sah sie zu Lisa und Ajith hoch. Als wir unten ankamen, streckten Lewis und ich die Arme aus und blockierten den Weg, von Zaun zu Zaun. Dann trieben wir die aufgewühlte Stute langsam nach oben zu Ajith. Er schaffte es schliesslich, ihr noch immer am Halfter baumelndes Seil zu fassen und ihr zusätzlich einen Strick um den Hals zu legen. Gemeinsam führten wir Pointless in den Stall, was diesmal bis auf einige grunzende Seufzer ihrerseits ereignislos verlief. Als sie endlich in der Box war, atmete ich auf. Wir waren alle vier Total durchnässt und zerzaust vom Wind, der draussen gerade erst seine volle Kraft zu entwickeln schien.
      Wir fütterten die ungeduldig schnaubenden Pferde rasch und säuberten die Boxen, danach machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Pflegerheim. Kaum waren wir da, legte der Sturm richtig los. Es flitzten eine Menge weisser Flocken am Fenster vorbei und der Wind heulte durch die Spalten des Hauses. Drinnen war es dafür umso gemütlicher: die Heizung lief auf Hochtouren und es wurden bereits Decken und heisser Tee verteilt. Ich zog die Jacke aus und stellte fest, dass nicht nur meine Haare, sondern auch meine Hosen durchnässt waren. Ich wickelte mich daher rasch auf dem Sofa in eine der Decken ein und liebäugelte mit einer blauen Tasse auf dem Tisch vor mir. Mit einem federnden Aufschlag liess sich Jonas neben mich fallen, wie ich es mir insgeheim erhofft hatte. Wir starteten den Film und verdunkelten den Raum. Es dauerte nicht lange, da fühlte ich eine Hand sich um meine Schulter legen, und eine sanfte Kraft zog mich weiter nach links. Ich liess es zu, bis ich mit dem Kopf an seine Schulter gelehnt war und wagte es nicht, aufzusehen. Als ich es doch tat, sah er mich mit solch einer Herzlichkeit an, dass ich mir ein glückliches Lächeln unmöglich hätte verkneifen können. Ich liebte seine tiefgründigen Augen, seine feinen und doch kantigen Gesichtszüge und das wollene Haar - alles an ihm war in diesem Moment wundervoll und ich vergass die schmerzenden Monate der Kälte und Nüchternheit. It's so silly, sagte ich zu mir selbst, but if this was a dream, I would never want to wake up. Die Zeit ging viel zu schnell vorüber. Und so kam das unweigerliche Ende der zärtlichen Liebkosungen. Still hatten wir unser Glück für ein paar Stunden gehabt, und ebenso schnell war es wieder vorüber. Das Licht ging an, unsere Wege trennten sich bei den Schlafzimmertüren. Ich lag noch lange wach, während draussen der Sturm an den Schindeln zerrte und alles in Dunkelheit tauchte. Wie wird es wohl morgen sein? Harmonischer Sonnenschein, oder Verwüstung?
    • Occulta
      Wasser und Wellen

      Ich war auf dem Weg zu Parkplatz, denn ich wollte sehen, wie weit der Bau des neuen Stallgebäudes fortgeschritten war. Neues Stallgebäude? Richtig. Ich hatte vor einigen Monaten beschlossen, dass es Zeit währe, Pineforest Stable etwas zu erweitern. Wir hatten langsam ziemlich viele Pferde auf dem Hof und dadurch zwar noch nicht wirklich Platzmangel, aber für Gastpferde wurde es immer knapper. Und da der Park, in dem sich das Gestüt befand, ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Wanderreiter und überhaupt für alle Pferdenarren war, hatten wir bisher jeden Sommer reichlich Feriengäste zu Besuch gehabt. Das war schliesslich auch eine gute Einnahmequelle, neben den paar Reitschülern, die Regelmässig mit ihren Pferden aus der Nachbarschaft in die Halle zum Trainieren kamen. Geplant waren daher ein neuer Stall im Nordwesten des Gestüts, ein grosser Offenstall im Südosten, dort wo im Moment die oft ungenutzten Weiden lagen; entsprechend eine neue Weideaufteilung und die Krönung des Ganzen: Eine neue 1500m Galopprennbahn. Auf die freute ich mich besonders, denn so konnten wir die Vollblüter endlich anständig trainieren. Bisher hatten wir zwar auch das Beste aus der Situation gemacht, doch auf Dauer war die alte Bahn einfach zu klein und eng. Wie viel angenehmer würde es sein, nicht mehr für spezielle Trainings zur nächstbesten Rennbahn fahren zu müssen, sondern auf der Stalleigenen, grosszügigen Strecke zu trainieren? Ich sehnte mich danach, endlich neben den grossen Tannen um die Kurve zu kommen, danach auf die Gerade zu biegen und über die wundervoll lange und breite Bahn zu fliegen. Die Bahn würde kunftig um den Galoppweg herum verlaufen und damit Pineforest Stable noch etwas mehr von der Aussenwelt abschotten. Die Bahn würde zwar immernoch relativ bescheiden sein, doch zumindest viel angenehmer als die Alte. Dort wo die gestanden hatte, entstand nebenbei eine Ovalbahn; der kleine Militaryparcours im inneren blieb bestehen.

      Der ‚Nordstall‘, wie die Pfleger und ich ihn nannten, nahm langsam Form an. Die Wände Standen und das Dach war in Arbeit, Danach würde vor allem noch die Inneneinrichtung fehlen. Geplant waren 19 Boxen, wobei eine davon eine grössere Eckbox war, in der zwei Ponys Platz fanden. Wir waren uns schon jetzt alle einig, dass diese Box wie gemacht war für Herkir und Ljóski. Ich rieb mir zufrieden die Hände und begab mich dann wieder in Richtung Weiden, wo der Bau des grossen Offenstalls ebenfalls in vollem Gange war. Es war brütend heiss und ich lief in Shorts und Trägertop herum. Beim Offenstall angekommen versuchte ich mir vorzustellen, wie das ganze aussehen würde, wenn es fertig war. Die Weide wird riesig!, dachte ich entzückt. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass das Gras nicht überbeansprucht wird. Zum Glück habe ich mit der Parkverwaltung über zusätzliches Weideland diskutiert. Von den Miniature Horse Weiden her rief mich Lewis. Ich lief zügig zu ihm, Elliot und Lisa hin. Sie waren gerade dabei, die Fohlen und die Miniature Horses in die Offenställe zu sperren, denn die Weiden mussten neu abgesteckt werden. Ich beschloss natürlich mitzuhelfen und schnappte mir ebenfalls zwei Stricke und Halfter. Zunächst fingen wir die Mini-Stuten ein, danach die Hengste auf der gegenüberliegenden Weide. Das selbe geschah mit den Fohlen. Die Gekörten Stuten, die auf den unteren Weiden standen, mussten ebenfalls weg, doch ihre Offenställe wurden abgerissen, da sie veraltet und reparaturfällig waren. Da sie dank des neuen grossen Offenstalls nicht mehr gebraucht wurden, mussten sie weichen. Die beiden kleinen Offenställe und die Zäune im Osten waren bereits weg. Ich führte Gianna und Piro zur Halle und liess sie dort drin laufen. Lewis brachte Islah und Ronja, Elliot nahm Dream. Lisa fing währenddessen noch die letzten Fohlen ein. Dann bauten wir alle gemeinsam die Zäune ab. Es fühlte sich komisch an, die massiven Pfosten einer nach dem anderen auszubuddeln und auf einen Haufen zu tragen. Wir wurden nicht fertig bis zum Mittag und es war mittlerweile so heiss geworden, dass ich den Nachmittag frei gab. Ich wollte nicht riskieren, dass jemand einen Hitzschlag erlitt. Auch die Bauarbeiter zogen nach und nach ab.

      Zum Mittagessen trafen wir uns alle vor dem Pflegerheim im Schatten der Bäume. Jonas und Oliver hatten ein paar Tische und Bänke aufgestellt, denn wir grillierten. Bald sassen alle fröhlich plaudernd beim Essen und es kam die Frage auf, was man am Nachmittag tun könnte. Da hatte ich plötzlich einen Geistesblitz. „Es ist Sommer! Was machen wir im Sommer?“ “Ehh, I don’t know…“ “Es ist nicht Sommer, noch nicht“ „Ja - but it feels like summer, and it’s very hot today. Also gehen wir doch an den Strand!”, rief ich mit gespielter Ungeduld. Einige der Pfleger jubelten begeistert, andere grinsten nur, weil sie nicht verstanden hatten was ‚Strand‘ heisst. Ich sagte „Beach“ zur Erklärung, und sie stimmten mit ein. „But what about feeding and cleaning the barns?“, wollte Elliot wissen. Ich ordnete an, dass gleich nach dem Mittag alle Boxen gemistet und die Pferde gefüttert werden mussten, ausserdem würden ein paar Pfleger hier bleiben und nach dem Rechten sehen müssen. Lisa und Darren meldeten sich sofort freiwillig um zu bleiben. Lisa hatte die Begründung, dass sie ohnehin schon fast einen Sonnenstich hatte und daher kaum Energie um mit uns an den Strand zu kommen, und Darren hatte einfach keine Lust. Ich fand dies etwas fragwürdig, diskutierte jedoch nicht weiter, denn irgendwer musste ja bleiben. Auch ein paar weitere meldeten sich, sodass zum Glück niemand allzu enttäuscht war. Fröhlich und ausgelassen liefen wir nach dem Essen zu den Ställen, um den Plan umzusetzen. Als alles fertig war, machten wir den grossen Transporter bereit und dann die Pferde, die mit durften. Wir (Ajith, Lily, Quinn, Lewis, Jonas und ich) hatten uns für Numair, Anubis, Baccardi, Donut, Amor und Dod enschieden. Ich zog Dod keine transportgamaschen an, denn die Fahrt nach Newport würde nicht allzulange dauern. Beim Verladen bewies Dod mal wieder seinen Sturkopf. Er wollte partout nicht einsteigen und sträubte sich, sobald man in die Nähe der Rampe kam. „Oh come on budd, we’ll have a lot of fun!“, versuchte ich ihn zu überzeugen. Natürlich verstand er micht nicht und liess sich auch durch die Karotte, die ihm Lewis hinstreckte, nicht beeindrucken. Wir schafften es nur mit viel Geduld und Durchsetzungsvermögen, ihn Schritt für Schritt die Rampe hoch zu befördern. Endlich waren alle Pferde verladen und die eineinhalbstündige Fahrt stand an. Die Zeit verging wie im Flug und als wir in Newport auf einem abgelegenen Parkplatz beim Strand die Klappen des Transporters öffneten, schnupperten alle sechs Pferde bereits aufgeregt die Meerluft. Wir führten sie hinaus, halfen uns gegenseitig beim Satteln und stiegen schliesslich auf. Numair, Anubis, Amor und Dod waren allesamt sehr aufgeregt. Besonders Numi blähte die Nüstern und spitzte die Ohren. Doch Ajith hatte ihn soweit im Griff. Es schien dem Indischen Pfleger sogar Spass zu machen, auf einem solch temperamentvollen Tier zu sitzen. Ich hatte ein wenig Streit mit Dod, als wir den Trampelpfad zum Strand hinunter ritten, denn er wollte nicht hinter Baccardi bleiben. Unten angekommen trabten wir direkt zum Wasser und ritten ein wenig hinein. Die Wellen kamen Dod bis zum Bauch, was ihm nichts auszumachen schien, denn er scharrte freudig mit dem Huf. Salzwasser spritzte mir ins Gesicht und wir lachten. Donut war das Meer wohl noch immer nicht ganz so geheuer, denn er brauchte wieder mal am längsten um rein zu kommen. Wir waren nicht das erste mal hier – schon letztes und vorletztes Jahr hatten wir einige Strandausflüge unternommen, um möglichst mit allen Pferden einmal herzukommen. Die meisten behielten den Strand in guter Erinnerung und freuten sich beim zweiten mal schon deutlich sichtbar auf die langen Galopps und das Wasser. Manche hingegen, wie Sunday, Iskierka, Islah und eben Donut, konnten gut auf die Salzigen Wellen verzichten. Nach einer Weile trabten wir die Pferde auf dem trockenen Sand ein. Wir ritten Zirkel und formten einen Hufschlag, indem wir immer an den selben Stellen ritten. Anschliessend reihten wir uns in der Nähe des Wassers auf und bretterten dann nebeneinander über den Strand. Nasser Sand spickte von den Hinterhufen der Pferde und ich hielt den Kopf zum Schutz etwas schräg. Neben mir und Dod holte Amor mit ausholenden Bewegungen auf, den Schweif arabertypisch wie eine Fahne aufgestellt. Ich erhaschte einen Blick auf Jonas‘ grinsendes Gesicht und beschloss, Dod noch etwas mehr Zügel zu geben. Baccardi und Donut hatten trotz ihrer Grösse keine Probleme mitzuhalten, aber die Araber waren ja abgesehen von Anubis auch nicht viel grösser. Und Dod selbst hatte ebenfalls Kleinpferdemasse. Nach über einer Stunde am Strand waren endlich auch Amor und Numair ruhiger geworden, denn der Sand und das Wasser zehrten sehr an ihren Kräften. „I hope they’ll not have sore muscles tomorrow“, bemerkte Quinn. Wir beschlossen, zurück zum Parkplatz zu reiten und es für heute gutsein zu lassen. Die Pferde hatten allesamt geschwitzt, doch wir mussten, als wir zurück auf dem Hof waren, so oder so den Sand und das Salzwasser abwaschen, also wurden alle gleich beim Hauptstall angebunden und geduscht. Danach brachten wir sie gemeinsam zur alten Galoppbahn, denn die Fläche im inneren der Bahn wurde ebenfalls als Weide genutzt und war jetzt, da sich alles im Umbau befand, eine der einzigen Weiden überhaupt.

      Der Abend hielt nocheinmal eine grosse Überraschung bereit. Ich wollte gerade nach den Fohlen sehen, als ich einen Anruf von Elisa Cranfield erhielt. Ich hatte grosses Interesse an ihrem Paint Hengst ‚Unbroken Soul of a Rebel‘ gezeigt, jedoch nicht damit gerechnet, so schnell eine Antwort zu bekommen. Zu meiner positiven Überraschung rief sie nämlich an um mir zu verkünden, dass sie Pineforest Stable als geeignetes Zuhause für den Hengst sah. Wir einigten uns auf einen Preis und besprachen den Transport, dann bedankte ich mich und legte gut gelaunt auf. Der Hengst würde in drei Wochen kommen, gerade zur rechten Zeit um in den Nordstall ziehen zu können. Nun musste nur noch alles nach Plan verlaufen.
    • Occulta
      Gesellschaft für Echo

      Gähnend verliess ich das Haus, wie immer um 5 Uhr morgens. Ich hatte eigentlich nie Schwierigkeiten um diese Uhrzeit schon wach zu sein, aber heute fühlte ich mich wie gerädert. Selbst der kurz gezogene Schwarztee hatte daran nichts geändert. Auf dem Weg traf ich auf Lisa, Darren, David, Quinn und Ajith, die sich pünktlich wie immer zu den Ställen begaben. Ich schloss mich Quinn und Ajith an. In der Sattelkammer des Hauptstalls besammelten sich alle Jockeys, wie jeden Morgen, um den Trainingsplan zu besprechen. Heute starteten in der Morgengruppe zuerst die Erfahrenen Pferde, denn in einer Woche war ein wichtiges Qualifikationsrennen in Doncaster für die drei und vierjährigen. Das Feld bestand aus Lily mit Sunday, April mit Spot, Quinn mit Campina, Rita mit Winter, Tom mit Fly, Oliver mit Yalata und mir mit Gleam of Light. Tom und Fly waren ein Experiment, denn der Pfleger war sehr ruhig und sorgfältig im Umgang mit den Pferden, hatte aber dennoch genug Kraft, was mich zuversichtlich stimmte, dass er mit Fly klarkommen würde. Wir putzten die Pferde und stiegen dann auf, um im Schritt zur Galoppbahn zu reiten. Der grosse schwarze Light tänzelte schon ungeduldig, obwohl er sich beim Bürsten absolut brav benommen hatte. Aber er war bekannt dafür, im Umgang ein Engel zu sein. Wir ritten schön hintereinander im Trab zum Aufwärmen. Ich musste Lights Zügel die ganze Zeit über kurz halten und tief in den kleinen Rennsattel sitzen, um ihn ruhig zu halten. Auch Spotted Timeout war geladen, aber Quinn hatte ihn im Griff. Smelyalata erschrak in der dritten Kurve vor einer Amsel und scheute zur Seite. Oliver ging geschickt mit der Bewegung mit und gab ihr eine Parade, um sie vor einem erneuten Sprung abzufangen. Schon waren die beiden wieder auf Kurs. Nach dem Einwärmen bogen wir auf die eigentliche Rennbahn. Es war jedes Mal ein tolles Gefühl hier zu sein, auf dieser grossen, neuen Strecke mit dem trotz der Sommerhitze saftigen, kurzen Gras. Die Hitze – die war so früh morgens zum Glück noch nicht zu spüren, aber frühestens am Nachmittag würde ich mich wieder nach einem Bad sehnen. Fly stieg wiedermal vor den Startboxen, also musste Ajith, der wiedermal Bodenassistent spielte, zu Hilfe eilen. Indem wir die Türen ganz öffneten und ich mit Light voraus ritt, schafften wir es schliesslich, den braunen Hengst hinein zu bugsieren. Ich schloss die Türen vorne, bevor er mir und Light gleich wieder hinterher traben konnte, während Ajith hinten zuzog. Flys Augen waren noch immer geweitet und seine Nüstern gebläht. Er hielt den Kopf aufgeregt oben und die Ohrenspitzen berührten sich fast. Kopfschüttelnd dachte ich, wann wird er endlich wieder normal in eine Startboxe gehen? Nun trieb ich Light ebenfalls in seine Box und wartete gespannt auf den Start. In Lights Körper kribbelte jede Faser; er war sowas von bereit. Ich machte mich gefasst auf seinen üblichen, gewaltigen Absprung und duckte mich tief nach unten – da krachte es und die Türen flogen auf. Light schoss wie erwartet nach vorne und war sofort an der Spitze. Ich hielt ihn energisch zurück, denn sonst würde er sich zu früh verausgaben. Heute war zwar keine besonders weite Distanz geplant („nur“ 1600 Meter) doch ich kannte den Hengst gut und wusste, dass er grössere Leistungen brachte, wenn er im letzten Viertel noch in der Mitte des Feldes lag. Wir trainierten etwas härter als sonst, um zu testen, ob die jungen Athleten fit für das Rennen waren. Dazu trieben wir die Vollblüter von Anfang an zu einer hohen Grundgeschwindigkeit an, die im Finish nochmals gesteigert wurde. Light hielt durch und ich konnte ihn auf der Zielgeraden an den anderen vorbei pilotieren, sodass wir mit einer Länge Abstand gewannen. Gleich hinter uns folgte Winter ins Ziel. Der weisse Hengst hatte im Moment eine Art Glücksphase, denn er war bei den letzten acht Trainingsrennen immer entweder auf dem ersten oder dem zweiten Platz gelandet. Ich tätschelte Light stolz den Hals und warf ein rebellierendes Büschel der sportlich geschnittenen, rabenschwarzen Mähne wieder auf die richtige Seite. Wir ritten zum Abkühlen in Richtung Pinienwald und dann denselben Weg wieder hoch. Dann versorgten wir die Pferde und die Pfleger gönnten sich in der Reiterstube der Halle einen Kaffee. Ich jedoch lief weiter zur grossen Stutenweide, um Echo zu holen. Ich wollte mit der Stute ins Gelände, ehe ein ganz besonderer Zuwachs ankommen würde. Heute würde nämlich endlich Unbroken Soul of a Rebel eintreffen. Sein Begleitpfleger hatte mir vorhin angerufen und mich informiert, wann genau er ankommen würde. Dem Hengst ging es soweit gut und er war anscheinend auch nicht allzu gestresst gewesen, aber das erstaunte mich auch nicht, denn er war für seine Nervenstärke bekannt. Auch für seine etwas sture und wählerische Art hatte er Bekanntheit erlangt, was mir jetzt schon ein mulmiges Gefühl in die Magengegend trieb. Würde er mich als Bezugsperson akzeptieren? Andererseits vertraute ich auf meine Fähigkeiten im Umgang mit Pferden. Grinsend beschloss ich im Stillen „Challenge accepted!“ und lief zügig durch das Weidetor.
      Das hübsche Lederhalfter von Echo, das an der Stallwand hing, legte ich mir um die Schulter. Dann lief ich zu den schattenspendenden Bäumen, unter denen sich die Pferde gesammelt hatten. Sie sahen mir alle entgegen, alle bis auf Noir. Denn die Stute war im Moment gar nicht hier, sondern bei Sarah McAlistair zur Ausbildung. So wie ich Sarah kannte, fühlte sich Noir dort bestimmt wie im Paradies. Bevor ich zu Echo vordringen konnte, musste ich an Feline vorbei, die mich fast auffrass. Ich schickte sie einige Schritte rückwärts, da sie zu aufdringlich war. Schmusen war gut und recht, aber sie durfte nicht zu unverschämt werden. Nachdem ich auch Moon ein wenig gestreichelt hatte, halfterte ich die Paint Stute auf. Sie zog zuerst den Kopf etwas hoch, aber ich schaffte es trotzdem das breite Lederhalfter über ihre Ohren zu streifen. Nun führte ich sie zum Offenstallgebäude und band sie an. Sie stand schön brav da während ich sie rasch bürstete und hübsch machte. Dann holte ich den Militärsattel aus dem abgetrennten Bereich im Inneren des Stalls und machte sie fertig zum Aufsteigen. Ich wollte ihr irgendwann noch einen Western-Kavalleriesattel besorgen, wegen Style und so, aber für den Moment fand ich den auf den ich jetzt aufstieg ganz bequem. Ich ritt im Schritt vom Hofgelände weg und trabte dann zügig einige Feldwege entlang. Dabei achtete ich darauf, dass sie das Tempo beibehielt, ohne dass ich treiben musste. Das Ziel war, dass sie erst langsamer wurde, wenn ich sie bremste. Ganz klappte es noch nicht, aber immerhin blieb sie im Trab. Ich galoppierte einen Hügel im Wald hinter der Whispering Creek Ranch hoch, machte eine grosse Schlaufe mit einigen weiteren Waldgalopps und ritt dann im Trab Richtung Fluss zurück. Ich trabte geradewegs auf das Wasser zu, denn der Fluss hatte einen rekordmässig tiefen Spiegel und ich wollte testen, ob sie einfach so hineintrabte. Schon spritzte das Wasser auf beiden Seiten hoch und wir befanden uns mitten im Flussbett. Ich lobte sie und parierte in den Schritt durch. Wir überquerten die mit ein paar Bäumen und Büschen bestückte Insel und ritten dann durch den zweiten Flussarm. Hier war der Boden sandig unter dem Wasser, sodass ich mich fast wie am Meer fühlte. Nun trieb ich sie aber zurück in Richtung Pineforest Stable.
      Wir wurden von Oliver empfangen. „Can you come and have a look at Muskat? He’s a bit lame I fear.” Ich nickte und stieg ab. Ich führte Echo mit zum Hauptstall, wo ich sie beim Waschplatz anband. Dann kam Oliver mit Muskat nach draussen und führte ihn mir auf dem Schotterweg vor den Weiden vor. Tatsächlich lief er vorne rechts nicht sauber. „Okay, I’ll call the Vet after I took care of Echo. It doesn’t look too bad, but save is better than sorry.” Ich streichelte Muskat liebevoll und kehrte zu Echo zurück. Die Stute hatte das Abspritzen nötig, denn es war immer noch unglaublich heiss und sie hatte geschwitzt. Sie zappelte etwas, als das kalte Wasser an ihre Beine kam. Als ich fertig war, kam mir Alan entgegen, einer der beiden neuen Pfleger. „Hi boss, Daydreaming Sorrow was lunged this morning, but I’d like to take him out again for a forest gallop…“ “Alright, he’ll like that”, antwortete ich lächelnd. Obwohl der junge Mann erst vor drei Tagen angefangen hatte, konnte man denken er sei schon Jahre hier und er kam ausgezeichnet mit den Hengsten des Nordstalls klar. Ich mochte seine stille, aufmerksame Art und war sicher, die richtige Entscheidung bei der Auswahl aus den vielen Bewerbungen getroffen zu haben. Auch das 19 jährige Mädchen, Linda, verstand sich schon hervorragend mit den anderen Pflegern. Sie hat aber auch einen Bonus durch Jason, dachte ich schmunzelnd. Die beiden waren gut befreundet. Er hatte ihr vor ein paar Wochen vorgeschlagen, sich bei mir zu bewerben. Natürlich waren aber schliesslich ihre Fähigkeiten ausschlaggebend für ihre Einstellung gewesen.
      Ich schob diese Gedanken beiseite, als ein Transporter auf den Parkplatz fuhr. Das muss er sein! Freudig beschleunigte ich meinen Schritt und kam gerade recht, um die Klappe zu öffnen. Da stand er, der wunderschöne Paint Hengst mit der weissen Hinterhand die aussah, als wäre er rückwärts in einen Farbtopf gefallen. Er war ein Traum, nicht nur von der Farbe her: Sein Körper war sehr gut bemuskelt und der Kopf mit den hübschen kleinen Ohren und nussbraunen Augen drehte sich mir aufmerksam zu. Ich streichelte ihm vorsichtig über die Stirn und gab ihm einen Moment Zeit, mich kennenzulernen, ehe ich ihn rückwärts aus dem Transporter schob. Im Sonnenlicht schimmerte sein kurzes Sommerfell wie eingeölt. Ich bedankte mich herzlich beim Begleitpfleger und führte Rebel geradewegs zum Nordstall, wo er sich einleben konnte, bis er am Abend erstmal neben den anderen Hengsten auf die Weide durfte. Es war mir zu riskant, ihn schon heute zu den anderen zu lassen, zumal ich nicht wusste, wie er reagieren würde. Er drehte sich noch etwas in seiner neuen, geräumigen Box, dann begann er, sein Heu zu mampfen, wobei er zwischendurch wieder den Kopf hob und herumlief.

      Es war mittlerweile Abend geworden und ich stand beim robusten Holzzaun der grossen Weide beim Pinienwald. In einiger Entfernung grasten Co Pilot, Vychahr, Peace, Donut, Baccardi, Dancer, Sorrow und Burggraf. Die restlichen Hengste befanden sich auf der obersten Weide, damit es nicht zu viel Gruppendynamik gab. Rebel war alleine auf der Weide dazwischen, aber ihn trennte jeweils noch eine Strasse oder ein Feldweg von seinen zukünftigen Kumpels. Sie schienen ihn nicht gross zu verunsichern, jedenfalls liess er es sich nicht nehmen, direkt am Zaun zu fressen, da das Gras bekanntlich auf der anderen Seite des Zauns immer grüner wächst. Belustigt beobachtete ich einen harmlosen Spielkampf zwischen Dancer und Pilot. Es war toll den kraftvollen Hengsten beim Balgen zuzusehen, aber natürlich blieb ich im Stillen immer bereit, im Ernstfall einzugreifen. Die Hengste waren zwar sehr ausgeglichen und friedlich, doch in seltenen Fällen artete das Spiel aus und dann musste ein Schlichter dazwischen, bevor sich jemand verletzte. Viele befreundete Züchter konnten es nicht nachvollziehen, dass ich das Risiko auf mich nahm und die teuren Hochleistungssportler zusammen raus liess. Aber ich war der Ansicht, dass diese Pferde genau deswegen so ausgeglichen waren und ihr volles Potential zeigten. Pilot und Dancer bewiesen mir in ebendiesem Moment, dass ich Recht hatte und ein friedliches Spiel nicht nur möglich war, sondern auch von allen Beteiligten geschätzt wurde. Jedenfalls klappt es gut, solange keine Stuten in der Nähe sind. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehte mich um und stand direkt vor Jonas, der mich anlächelte. Ich antwortete ebenfalls mit einem herausfordernden Lächeln. Er schlang seinen Arm um mich und wir liefen gemeinsam zurück zum Haupthaus. Die Frage brannte mir die ganze Zeit über auf der Zunge, doch ich konnte mich erst vor der Tür überwinden, sie auszusprechen. „Willst du heute hier schlafen?“ „Okay“, war alles was ich zu hören bekam. In dieser Nacht lagen wir eng beieinander und ich genoss jede Sekunde, in der ich seinen rhythmischen Herzschlag hörte. Ich fühlte mich auf einmal so lebendig. Ich wusste weder, warum ich ihn überhaupt hereingelassen hatte, noch warum er sich auf mich einliess. Aber ich war glücklich, und er schien es auch zu sein.
    • Occulta
      Halloween Special auf Pineforest Stable

      Heute war es besonders Neblig, als ich zum Fenster raus blickte. Ich musste augenblicklich grinsen als ich feststellte, dass es Halloween war und die Szenerie perfekt passte. Doch richtig lustig würde es erst abends werden. Sheela kam schwanzwedelnd die Treppe rauf geschossen, als ich die Zimmertür öffnete. Sie schleckte mir die Hand ab, während Jacky kurz um mich wuselte, und dann wieder runter in die Küche hüpfte. Morgens war die kleine Jack-Russel Hündin nicht so liebevoll, da sie vor allem eines wollte: Futter. Das bekamen die beiden nun auch.
      Den Tag über war ich an einer Kostümparty und einer Halloween Show mit Unbroken Soul of a Rebel zu finden. Ich hatte den Paint-Hengst so bemalt, dass es aussah, als wäre er beim Übergang seiner Scheckung Frankenstein-mässig aus zwei verschiedenen Pferden zusammengenäht. Lewis hatte diese lustige Idee gehabt, und mir die Farben besorgt.
      Auf Pineforest Stable selber war nicht viel los; die Pfleger wollten ihre Arbeit möglichst früh erledigt haben, damit sie am Abend ausgehen konnten, also waren sie nicht sehr gesprächig. Ausser Ajith und Quinn, die ich erwischte, wie sie aufgeregt kichernd und flüsternd in Sundays Box standen. Sie gingen jedoch sofort wieder ihrer Arbeit nach, als sie sahen, dass ich sie beobachtete, sodass ich die beiden gar nicht erst auffordern musste. Ein zufriedenes Grinsen huschte mir dabei übers Gesicht – wie gut ich meine Mitarbeiter doch erzogen hatte. Ich genoss die Ruhe, wenn ich zuhause war, denn Feststimmung gab es auf der Party genug. Als ich gerade bei Burggraf stand und den Hengst sattelte, kam Jonas auf mich zu. „Hey Boss, heute Abend schon was vor?“ Ich hob erstaunt die Augenbrauen. „Nein… Warum?“ „Ach, ich hab grad überlegt, ob du mit an die Party in Birmingham kommen willst, aber mir ist eingefallen, dass ja jemand auf den Hof aufpassen muss.“ Mir klappte der Mund auf und ich wollte empört etwas erwidern, aber er verschwand schon wieder durch das Stalltor. Frechheit! Von wegen gut erzogen… Ich wandte mich wieder Muffin zu und zog den Gurt an.
      Als ich mit ihm, Jacky und Sheela vom Gelände zurückkam, hatte ich einen Entschluss gefasst. Quinn hatte am Morgen deutlich gemacht, dass sie weder an eine Kostümparty, noch an sonst irgendeine Saufveranstaltung mitkommen würde. Sie hatte sogar versucht, die Leute zu überzeugen, auf Pineforest Stable selbst zu feiern, anstatt alle auszugehen. Sie würde also bestimmt hier sein, um aufzupassen. Deshalb wollte ich nun doch auch nach Birmingham. Aber nicht dorthin wo Jonas ist, dachte ich mit einer herrlichen Genugtuung. Ich erzählte ihr von meinem Plan, sobald ich Burggraf versorgt hatte. Zu meiner Überraschung reagierte sie verstört. „No, you cannot…. I mean, you should stay here“, stammelte sie. „Why? You stay, right? I leave Sheela here to protect you, and If something happens you can always call me.“ „Probably, but what if some drunken people come here and mess things up?“ Ich verstand ihren Punkt; ich wollte auch nicht alleine im Dunkeln einer besoffenen, verkleideten Meute begegnen. „Fine, I’ll stay.“ Sie sah sehr erfreut aus und lief in Richtung Halle, bevor ich etwas Weiteres sagen konnte. Ich hingegen, machte mich auf den Weg zu den Minis. Die meisten von ihnen mussten heute für die Herbstshows geschoren werden, was ein ganzes Stück Arbeit war. Zum Glück halfen Lewis und Lisa mit. Wir führten zuerst Arco, Lenny, Storm und Caillean in den Innenhof des Hauptstalls. Dort banden wir die Flauschkugeln an und begannen, mit den Schermaschinen die dichte Wolle zu trimmen. Beim Kopf war ich besonders vorsichtig, aber auch der musste ein wenig bearbeitet werden. Alle hielten schön still, denn sie waren schon als Fohlen auf das Scheren vorbereitet worden. Auch Caillean stand Schulbuchmässig da und spielte mit dem Strick, anstatt sich um das lärmende Ding zu kümmern. Wir waren rasch fertig und konnten auch gleich die nächsten Kandidaten holen: Papillon, Daki und Lady. Letztere zappelte etwas, als ich die Maschine am Bauch ansetzte, doch mit etwas Geduld konnte ich sie auch dort von ihrem Pelz befreien. Nun fehlten noch Chip, Queen und Sunny. Ach, und natürlich die neue; Tigrotto. Ich hatte sie wenige Wochen nach Dante, dem Esel, übernommen, denn sie war eine hervorragende Showstute und hatte gute Bewertungen an den Fohlenschauen bekommen, an denen sie teilgenommen hatte. Um sie kümmerte ich mich als letztes. Dabei war ich zunächst eher vorsichtig, weil ich nicht wusste, wie gut sie an das Scheren gewöhnt war. Doch sie zickte nicht, sodass ich ebenfalls schon nach zwanzig Minuten fertig war. Nun hatten wir einen Berg aus Fell vor uns, und auf der Weide standen viele nackte Miniaturpferdchen. Lewis und ich machten uns daran, ihnen allen eine Decke anzuziehen, damit sie nicht kalt hatten, Lisa hielt unterdessen Sheela davon ab, den Fellhaufen auseinanderzunehmen. Es handelte sich um stabile, wasserabweisende Decken mit guten Verschlüssen, die sie in Position hielten. Sie waren ganz schön teuer gewesen, aber die Anschaffung hatte sich definitiv gelohnt. Tic-Tac, Rose, Alu und Kiwi durften ihren Pelz noch behalten, denn mit ihnen wollte ich erst im Frühling wieder starten. Zufrieden kraulte ich Daki, als alles erledigt war. Die kleine Stute knabberte mir liebevoll an der Regenjacke, als wäre ich ein anderes Pony.

      Am Nachmittag unterrichtete ich Rita auf Dod, damit sie auch ein Gefühl für Westernpferde bekam. Das klappte erstaunlich gut – naja, so erstaunlich war es doch nicht, denn sie brauchte nur einigermassen gerade zu sitzen, den Rest erledigte der fein ausgebildete Dod von selbst. Jedenfalls solange er kooperativ war. Als die Pflegerin zum dritten Mal auf dem Zirkel angaloppieren wollte, hatte der Hengst genug und beschloss kurzerhand, den Platz zu verlassen. Rita konnte kaum etwas tun, denn wenn Dod ein Ziel im Kopf hatte, musste man schon verdammt gut reiten können, um ihn wieder in den Griff zu bekommen. Ich eilte ihr zu Hilfe und fing ihn kurz vor dem Weg wieder ein. Danach arbeiteten wir noch etwas vom Boden aus weiter, das gefiel ihm deutlich besser. Ich überliess es Rita, ihn zu verräumen und ging direkt weiter zu Numair. Ich wollte mit ihm ebenfalls auf dem Platz arbeiten, allerdings zusammen mit Anubis und Lisa, die bereits in der Stallgasse des Nordstalls bereit standen. „Sorry, I’m late“, keuchte ich, denn ich war den Weg hochgerannt. „It’s okay, du kannst Deutsch mit mir sprechen, schon vergessen?“, meinte Lisa lachend. Ich schlug mir symbolisch mit der Hand gegen die Stirn und grinste, dann holte ich Numi aus der Box. Wir ritten eine Art Pas-de-Deux mit den beiden sonst Western gerittenen Hengsten. Sie machten gut mit, aber schaukelten sich nach dem ersten Galopp gegenseitig hoch und zeigten ihr südliches Temperament. Am Ende bauten wir mehr Galopp in die ‚Kür‘ ein als uns lieb war, doch wenigstens waren die beiden danach müde. Auch die anderen beiden Araber auf dem Hof, Islah und Amor, mussten noch bewegt werden. Allerdings konnte ich Amor nicht besonders gut mit Stuten laufen lassen, da er sich dann nicht mehr konzentrierte. Also schickte ich Lisa und ihn zusammen mit Donut unter David und Baccardi unter Jonas raus. Islah übernahm ich ebenfalls nicht selbst, sondern übergab sie Lewis, um stattdessen mit Blue Lady Liquor zu arbeiten. Mit ihr sprang ich einen leichten Parcours und übte dabei insbesondere das Springen aus der Kurve. Die junge Stute war noch nicht lange unter dem Sattel, also musste ich ihr Schritt für Schritt alle Tricks beim Springen zeigen.
      Später ging ich wieder mit Halluzination und Satine als Handpferd ins Gelände. Das hatte beim ersten Mal so hervorragend geklappt, dass ich es seither immer wieder versucht hatte – mit Erfolg. Die beiden Stuten schienen miteinander zu harmonieren. Auch auf der Weide standen sie oft beisammen. Satine machte mir trotzdem immer noch Sorgen. Sie nahm einfach kaum zu, egal wie viel ich zufütterte. Den Tierarzt hatte ich auch schon mehrfach bestellt, aber er meinte jedes Mal nur, ich solle weitermachen wie bisher. Während ich die beiden nach dem Ritt versorgte, berichtete mir Lewis, dass Islah wiedermal etwas faul, dafür umso schreckhafter gewesen war. Darren, der mit Piroschka mitgegangen war, hatte weniger Mühe gehabt.

      Als es dunkel wurde, verschwanden auch nach und nach die Leute, bis Quinn und ich als einzige im Hauptstall standen. Ich schlug vor, dass wir uns auch einen gemütlichen Abend machen sollten. Sie nickte erfreut und meinte, man könne ja ins Strohlager. Ich holte eine Taschenlampe, Tee in einer Kanne, Snacks und ein paar Brettspiele aus dem Haus. Dann öffneten wir die Luke zum Dachboden des Hauptstalls, wo das Stroh gelagert wurde. Sheela winselte, als wir ohne sie nach oben kletterten, doch sie war mittlerweile einfach zu gross, als dass ich sie hätte nach oben tragen können. Fairnesshalber liess ich auch Jacky unten. Ich legte den beiden eine alte Abschwitzdecke auf den Boden, auf der sie sich auf mein Zeichen hin platzierten. Der Dachboden war ein durchgehender Raum, nicht besonders hoch und vollgestopft mit Strohballen. Es hatte zwar Lampen hier oben, aber sie leuchteten nur dämmrig. Alle paar Meter gab es eine neue Luke, durch die das Stroh nach unten in die Stallgasse befördert werden konnte. Quinn und ich machten es uns im weichen Stroh neben den grossen Quadern gemütlich und begannen mit einer Partie Mühle. Ich merkte gar nicht, wie die Zeit verging, denn als ich beim nächsten Mal auf die Uhr sah, war bereits halb zwölf. Ich gähnte demonstrativ und fragte, ob Quinn noch etwas Tee wolle. Sie bejahte, also kletterten wir die Leiter hinunter und wollten gerade zum Haus, als ich Schritte vernahm. „Guess you were right with those drunken guys“, flüsterte ich mit besorgter Stimme. Ich hielt es für das Beste, nachzusehen und die Eindringlinge zu verscheuchen. Wir schlichen mit Sheela, die gerade mitten in der Ausbildung zum Schutzhund war, um den Hauptstall herum zum Roundpen, doch ich konnte niemanden sehen. Plötzlich sah ich zwischen den Tannen der Galoppbahn ein Licht auf und ab tanzen. „There! Sheela, go!“ Ich schickte die Hündin wie im Training auf das Ziel los, da ich mir sicher war, dass das Licht von einer Taschenlampe stammte. Sie flitzte los, bellte ein paarmal, doch dann wurde es still. Ich schluckte leer. „…Sheela?“ Keine Reaktion. Quinn und ich sahen uns an, dann liefen wir langsam in Richtung des Lichts. Als wir kurz davor waren, verschwand es jedoch. Von Sheela war keine Spur. „Oh no, she must have followed them – or they dognapped her!“, meinte Quinn, wobei sie bei dem Wort ‚dognapped‘ grinsen musste. Wie kann sie auch noch Scherze darüber machen? Wir müssen weiter, dachte ich aufgebracht. Schon sah ich ein neues Licht, diesmal beim Offenstall der Minihengstchen. Sofort rannte ich in die Richtung, denn ich wollte auf jeden Fall verhindern, dass die Typen den Minis etwas antaten, auch wenn ich mich mit Händen und Füssen würde wehren müssen. Als wir dort ankamen, war das Licht aber bereits wieder ausgegangen. Im Dunkeln stolperte ich über etwas im feuchten Gras liegendes und fiel beinahe ausgestreckt auf den Boden. Ich sah nicht, was der Gegenstand war, denn ich rappelte mich erschrocken wieder auf und rannte zur Halle, wo das nächste Licht aufflackerte. Quinn rief irgendwas von „there’s something hanging in the tree“, aber ich achtete mich nicht, zu fokussiert war ich auf mein Ziel. Schliesslich erreichte ich die Halle, und Quinn wenige Sekunden nach mir ebenfalls. Wir schlichen, abermals in völliger Dunkelheit, um das grosse Gebäude herum, auf der Suche nach irgendwelchen Gestalten. Warum ist es nur so dunkel? Ohne den Nebel würde ich sie bestimmt sehen. Plötzlich schrie Quinn kurz auf, es folgte ein kurzes Glucksen, dann Totenstille. Mittlerweile tatsächlich ängstlich drehte ich mich um und rief nach ihr, doch bekam keine Antwort. Das ist nicht möglich, der Mörder ist doch längst hinter Gittern! Ich wollte mein MoPho aus der Jackentasche holen, um endlich der Polizei anzurufen, doch es war weg. Ich suchte überall, sicher, dass ich es wie immer rechts gehabt hatte, doch es war nirgends zu finden. Als nächstes torkelte ich durch die Dunkelheit zum Haus, doch die Tür war verschlossen. Wie ist das möglich? Ich hatte sie doch offen gelassen, als ich Tee geholt hab... Langsam kam ich mir vor wie eine Geistesgestörte, die sich alles nur einbildete, denn auch den Schlüssel fand ich nirgends. Bestimmt bin ich im Strohlager eingeschlafen und träume alles nur, beschloss ich. Doch mit einem Kniff in den Arm wachte ich nicht auf. Unentschlossen blickte ich umher und sah dabei abermals das Licht, diesmal beim Nebenstall. Ich änderte meine Strategie und schlich mich darauf zu, immer im Schutz der Gebäude bleibend. Es schien zu klappen; diesmal verschwand das Licht nicht. Beim Näherkommen hörte ich aufgeregtes Getuschel und ein „shhh!“ An den Stimmen erkannte ich Lisa, Lewis, Jonas, Rosie und Ajith, doch da waren auch die Umrisse von weiteren. „What is happening?“, fragte ich, als ich nahe genug war, und erschreckte sie damit erfolgreich. Jemand machte Licht, sodass ich alle Gesichter erkannte. Es waren fast sämtliche der Pfleger. „Happy Halloween!...“, lachte Lewis, und die anderen stimmten mit ein. „Aber wie… Wo ist Sheela?“ Kaum hatte ich gefragt, kam die Labradorhündin Schwanzwedelnd auf mich zugehüpft. Sie haben mir also nur einen Streich gespielt, stellte ich erleichtert fest. Wir liefen alle zum Hauptstall und kletterten ins Strohlager, wobei Jonas mir Sheela hochhob und Jacky von Ajith mitgenommen wurde. Die beiden Hunde sahen sich sofort neugierig in diesem unbekannten Teil ihres Territoriums um, während die Pfleger mir erzählten, wie sie das Ganze geplant und durchgeführt hatten. Nachdem zuerst jeder gleichzeitig seine Sicht schildern wollte, sorgte Oliver für Ordnung und gab Jonas das Wort. „Aaaalso; wir haben die Idee schon vor Wochen gehabt, aber Quinn ist es hauptsächlich zu verdanken, dass wir es wirklich durchgeführt haben, sie hat die Leute zusammengetrommelt und hierbehalten. Zuerst mussten wir sicherstellen, dass du auch hier bleibst.“ „Ach deshalb warst du so frech“, unterbrach ich ihn. Er strich mir grinsend mit der Hand übers Gesicht, zum Zeichen, dass ich schweigen solle. „Jedenfalls war ich erfolgreich, oder?“ „Auf keinen Fall! Ich war sogar fast so weit, aus Trotz extra wegzugehen. Quinn war diejenige, die mich überzeugt hat zu bleiben.“ „Wie auch immer; wir anderen gingen also nach und nach, versteckten uns aber tatsächlich in der Halle. Als du ins Haus gegangen bist und den Schlüssel hast stecken lassen, hab ich ihn mir geschnappt, um später die Tür zu schliessen, damit du, nachdem dir Quinn hier oben so erfolgreich das Handy geklaut hat, nicht auf die Idee kommst, doch noch die Polizei zu rufen oder so. Dann haben wir uns mit den Taschenlampen positioniert und sind jedes Mal ein paar Meter weiter ins Gras gelegen, wenn ihr zu nahe kamt.“ „Ach deshalb hat Sheela nicht angegriffen – sie hat euch natürlich gleich erkannt…“ „Jap, und Elliot hat sie fixiert, damit sie nicht bellt. Über unseren abgetrennten fake-Arm beim Offenstall bist du leider nur drübergefallen, und auch den hängenden Mann hast du nicht gesehen.“ „Even as I wanted to call you back!“, warf Quinn ein. „Danach mussten wir uns einen Plan B überlegen, denn eigentlich war geplant gewesen, dass du es dabei natürlich merkst. Also haben wir Quinn bei der Halle entführt.“ „Dann wusstest du vom letzten Teil auch nichts?“, fragte ich Quinn lachend. „Nein, daher hatten wir auch Mühe, sie festzuhalten und vor allem zu verhindern, dass sie vor Lachen platzte!“, antwortete Lisa für sie. „Doch zuletzt hast du uns doch überlistet. Wir waren so abgelenkt, dass wir gar nicht bemerkt haben, wie du näherkommst…“ Ich stiess ein triumphierendes „yes!“ aus, und wir lachten alle herzhaft. „Nun hätte ich aber gerne meine Schlüssel und mein MoPho zurück“, sagte ich auffordernd. Quinn gab mir das Handy, doch Jonas hielt die Schlüssel nur grinsend auf. Ich stürzte mich auf ihn und nahm sie mir etwas unsanft, wobei er mich festhielt, sodass wir nebeneinander im Stroh lagen. Wir amüsierten noch etwas mit Brettspielen und Tee, ehe wir endlich alle zu Bett gingen.
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  • Album:
    Pensionspferde (Gnadenweide)
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    Occulta
    Datum:
    9 Aug. 2013
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    Vom: Douglas


    Vom: Dublino
    Aus der: Nibelungensage


    Aus der: Chesters Girl


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    Rufname: Donut, Dodo
    Geburtstag:
    09.12.
    Alter: 9 Jahre
    Stockmaß: 1.46 m
    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: Rappe
    (Ee,aa)

    Abzeichen: Unregelmäßige Blesse, halbweiße Fessel VL, zwei weiße Fesseln hinten
    Gesundheit: sehr gut


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    Brav,
    aufmerksam, unkompliziert im Umgang


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    Donut ist ein braves und gehorsames Reitpony. Er hat keinerlei Hengstmarnieren und ist daher sogar von Kindern reitbar. Der schicke Rappe hat sein excellentes Exterieur und sein Sprungvermögen von seinem Vater Douglas geerbt. Auch seine GGA's und seine Marnier am Sprung sind einfach traumhaft!
    Leider neigt Donut ab und zu leicht zum Headshaking.



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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Finelore, umgemalt by Occu
    VKR: Chequi/ Occulta
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Ja
    Nachkommen: Denino, Zimtstern, scs Primula, Cabba, Rapsoul, Sunshine's Wonder, Light Summer Rain, Amata, Dacaprio
    , PFS' Heart of Ocean, Reebook
    Decktaxe:
    150J


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    Galopprennen Klasse: A
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: M
    Military Klasse: A
    Dressur Klasse: M
    Distanz Klasse: A

    Eignung: Dressur, Springen
    Eingeritten: Ja



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    [BHK 366]
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    1. Platz 62. HdMW
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    1. Platz 193. Dressurturnier
    1. Platz 250. Dressurturnier (Nikolaus-Quadrille)
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    2. Platz 198. Dressurturnier
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    2. Platz 196. Galopprennen
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    3. Platz 197. Springturnier
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    Teilnahme beim Osterritt 2010
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    Teilnahme am Dressurturnier des Gestüt Milky Way


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    Donut's Spind