Occulta

• Chiccory ox, EVB ♂

Hengst | bay splash

• Chiccory ox, EVB ♂
Occulta, 14 Feb. 2017
    • Occulta
      Hoher Besuch
      Gleam of Light, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Caspian of the Moonlightvalley, A Winter's Day, PFS' Merino, Primo Victoria, tc Miss Moneypenny, Simba Twist, PFS' Cryptic Spots, Framed in History, Sumerian, Kaythara El Assuad, Cabinet of Caligari, Chiccory ox, Sunday Morning, Indiana, Mikke, Diarado, Vychahr, Calico, Flintstone, Baccardi, Donut, Burggraf, Sika, Yoomee, River's Blue Lady Liquor, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Parányi, Fake xx, PFS‘ Ljúfa, Papillon d'Obscurité, Silhouette of a Rose, PFS' Kicks-A-Lot, Tic Tac, PFS‘ Dressy Miss Allegra, Snottles Peppermint, PFS' Sarabi, PFS' A Winter's Tale, PFS' Counterfire, PFS' Stop Making Sense, PFS' Shadows of the Past, PFS’ Skydive

      Heute musste alles etwas schnell gehen, denn meine Eltern kamen zu Besuch und ich wollte die Pferde vorher bewegt haben. Ausserdem musste alles sauber aufgeräumt werden, aber das überliess ich den Pflegern und Jonas. Ich kümmerte mich nun zuerst um Jungstute Ljúfa. Die rappfarbene Stute putzte ich gründlich, anschliessend spielte ich ein wenig im Rounpen mit ihr, um sie gegen den grossen Gymnastikball, die bunte Blache und die Fahne zu desensibilisieren. Sie fand das ganze am Anfang sehr unheimlich und machte grosse Glupschaugen. Sie war aber charakterlich sehr geduldig und aufgeschlossen, sodass wir rasch Fortschritte machten.
      Nachdem ich bei Ljúfa fertig war, ging es weiter mit Diarado. Der elegante und doch imposante Warmbluthengst war kaum schmutzig und sein kurzes Sommerfell glänzte seidig. Ich wischte nur rasch mit der Staubbürste darüber, dann war er wieder blitz-blank. Ich zog ihm den Kapzaum an und nahm ihn an der Longe mit zum Sandplatz, wo er in der noch kühlen Morgenluft sein lockerungs work-out bekam. Ich war zufrieden mit seinen durchschwingenden Bewegungen und liess ihn nach etwa einer halben Stunde austraben.
      Ich war bereits auf dem Weg zur nächsten Box, aber sah unterwegs gerade noch Lisa mit Vychahr losreiten. Die beiden gingen auf einen schönen, langen Ausritt. So wie ich Lisa kannte, würde Vilou bestimmt auch der ein oder andere Galopp bevorstehen. Der Fuchshengst war aber auch toll zu reiten im Gelände. Das machte den Galopp mit ihm umso verlockender.
      Auch Calico musste ich nicht selber bewegen - das übernahm Rita liebend gerne für mich. Sie liebte ihren Criollo immernoch wie kein anderes Pferd. Ich schmunzelte immer darüber, wie sie beim Putzen mit ihm redete. So auch heute; der Hengst wurde rundum betüddelt. Immerhin, ihm schien die Aufmerksamkeit zu gefallen.
      Ich erreichte endlich Flintstones Box. Seine kristallblauen Augen verfolgten mich gebannt, während ich seine Ausrüstung holte. Wir gingen Ausreiten, den für die Reithalle war es jetzt schon zu heiss und der Sandplatz war bereits voll mit Pferden. Wir ritten durch den schattenspendenden Wald. Flint wirkte ruhig und zufrieden, also war ich es auch. Nach dem Ritt bürstete ich ihn gut durch und brachte ihm seine Karotten.
      Baccardi und Donut wurden von Darren und David bewegt. Es sah witzig aus, wie die beiden Zwillinge auf den Ponys über den Platz kurvten. Darren war zwar der bessere Reiter, trotzdem schienen heute beide dieselben Fehler zu machen. Die Ponys waren gnadenlos und machten bei der Hitze keinen Schritt gratis. Die Reiter schienen aber auch nicht so motiviert wie sonst.
      "Du bist viel zu langsam", murmelte ich zu mir selbst und seufzte, als ich feststrellte, dass es schon fast Mittag war. Burggraf drehte den Kopf um zu sehen, ob er ein Leckerli bekam. Er musste dafür aber zuerst arbeiten. Arbeit hiess für ihn konkret, ein richtig weiter Ausritt mit viel Trab. Das war auch Teil seiner Distanzausbildung.

      Unsere Spaghetti mit Pesto-Sauce waren zwar kein Gourmet Menu, aber erfüllten ihren Zweck als Mittagessen und machten uns satt. Lily dümpelte noch ein wenig auf dem Hof herum und spielte mit den Hunden, bevor sie wieder mit dem Fahrrad in Richtung Schule verschwand. Ich hingegen begab mich zu den Miniweiden und holte Silhouette of a Rose raus. Ihre silbernen Dapples waren im Sommer besonders gut zu sehen, wie bei Arco. Mit ihr machte ich Langzügelarbeit, zusammen mit Lewis und Papillon d'Obscurité.
      Als ich mit Rose zurückkam, sah ich, dass Lisa bereits Kicks-A-Lot und Tic Tac putzte. Lewis und ich erlösten unsere beiden Ponys von deren Ausrüstung. Wir wurden gerade Zeugen, wie Dressy Miss Allegra zum Zaun geschlendert kam, um Kiwi und Tiki abzulenken. Die Jungpferde hatten eben nichts als Flausen im Kopf. Lewis und ich schmunzelten amüsiert, als Lisa das aufdringliche Fohlen verscheuchen wollte.
      Von der Miniweide wechselte ich direkt zu den Fohlen. Dort stand unter anderem die mittlerweile garnicht mehr so kleine Sarabi. Zu dem Stutfohlen hatte ich einen Besonderen Bezug; nicht wegen ihrer besonders schönen Farbe oder den ausdrucksstarken blauen Augen, sondern weil sie von meinem geliebten Stromer abstammte. Ich vermisste den Hengst immernoch wahnsinnig und sah immer wieder wehmütig auf sein Bild, das im Reiterstübchen in der Halle hing. Sarabi hatte viele der Züge ihres Vaters geerbt und besonders ihr Kopf glich dem seinigen. Das weckte einerseits stets schmerzvolle Erinnerungen, denn sie konnte Stromer ja nicht ersetzen - andererseits erinnerte es mich auch daran, dass das Leben weiterging und ein Teil von ihm immernoch hier war, direkt vor meiner Nase. Ich streichelte die Stute daher mit einem liebevollen Lächeln im Gesicht.
      Ebenfalls ein Fohlen von einem meiner Lieblingshengste war A Winter's Tale. Ihr Vater lebte aber zum Glück noch und war äusserst fit. Ein Blick in die Ferne unter den Tannen hindurch zu den grossen Weiden bestätigte mir dies. Die kleine Snowflake, wie die Pfleger sie nannten, war heute frech und neugierig. Sie kam sofort an den Zaun und beschnupperte meine Hände. Dann versuchte sie, meine Haare mit ihrer Fohlenschnauze zu zerzausen. Ich schubste sie lachend beiseite und kraulte sie am Hals, sodass sie genüsslich die Oberlippe verzog. Ich liebte es, einfach zwischendurch bei den Fohlen Halt zu machen und mit ihnen Zeit zu verbringen. So konnten wir jetzt schon eine Beziehung aufbauen und sie lernten, dass Menschen meistens Gutes brachten.
      Auch Cassys Fohlen Counterfire genoss meine Streicheleinheiten und konnte gar nicht genug kriegen. Das Fuchsfohlen vom letzten Jahr hatte ich behalten, weil sie eine vielversprechende Abstammung hatte und ich noch kaum Füchse im Rennstall besass. Ich bereute es keinen Moment, denn sie entwickelte sich prächtig und ganz entsprechend ihrer Eltern. Schon jetzt hatte sie drahtige, lange Beine und ein gut bemuskeltes Hinterteil. Ich freute mich schon darauf, sie und die anderen Fohlen ihres Jahrgangs einzureiten und rennen zu sehen.
      Mambo gefiel mir auch von Tag zu Tag besser. Stop Making Sense, wie er effektiv hiess, ich ihn aber nie nannte, war in letzter Zeit wieder ziemlich in die Höhe geschossen und immernoch hinten überbaut, aber langsam wurde sein Hals breiter und sein Langhaar liess ihn wie ein Wildpferd wirken. Weil ich es so schick fand, zögerte ich auch so lange wie es ging das Schneiden hinaus. Obwohl Oliver anderer Meinung war. Er meinte, dass es schon längst fällig sei und ein Vollblut gefälligst auch als solches erkannt werden sollte, "wenn es schon von der Farbe her nicht so aussieht." Aber da immernoch ich hier das Sagen hatte, blieb die lange Mähne vorläufig noch.
      'Prinzesschen' Shadows of the Past war mittlerweile eigentlich kräftig genug zum Anreiten. Ich wartete aber noch damit, weil die Stute sich beim Spielen auf der Weide eine kleine Verletzung am Sprunggelenk zugezogen hatte, die ich zuerst ganz verheilen lassen wollte. Sie war zwar nur kurz etwas lahm gegangen und zeigte mittlerweile kein Unwohlsein mehr, aber die Schramme war doch noch gut sichtbar und das Gelenk leicht geschwollen. Ausserdem musste bei ihr noch der Zahnarzt vorbei kommen und ihr ins Maul schauen, um sicher zu gehen, dass die Zähne uns beim Reiten keine Probleme bereiten konnten. Ich erwartete allerdings keine grossen Überraschungen, denn die Beisserchen von Shira sahen allesamt schön gerade aus - man konnte es immer wieder gut beurteilen, wenn sie damit am Zaun nagte.
      Als Lily kurz nach vier Uhr Nachhause kam, war sie wiedermal als Erstes bei Skydive zu finden. Der Junghengst wurde wirklich rundum von ihr mit Streicheleinheiten und Spielen verwöhnt. Er brummelte ihr sogar schon zu, wenn er sie sah. Die beiden werden mal ein gutes Team, stellte ich schmunzelnd fest. Skydive sollte aber nicht nur Lilys Kinderpony werden, sodern auch im Sport laufen. Der Hengst hatte mehr als genug Potential durch seinen Vater und sein Exterieur liess auch auf Springveranlagung schliessen. Je älter er wurde, desto mehr erinnerte er mich an ein britisches Riding Pony. Tatsächlich war er aber ein Mix aus englischen und deutschen Vorfahren, durch seine Mutter White Dream.

      Jetzt stand für mich noch ein schöner Nachmittagsausritt zum Fluss an, und zwar mit Yoomee. Begleitung bekamen wir von Darren und Lisa mit Sika und Blue Lady Liquor. natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, auch ins Wasser hinein zu reiten und den Pferden eine Abkühlung zu geben. Yoomee ging ohne zu Zögern rein und begann auch gleich zu scharren. Ich musste regelrecht aufpassen, dass sie sich nicht hinlegte. Lychee war zuerst nicht ganz so begeistert, folgte dann aber Sika, die mutig voraus ging. Wir blieben einen Moment am Ufer, dann Ritten wir weiter zum Pinienwald, wo es reichlich Schatten gab.
      Auf dem Ausritt begegneten wir auch Anne und Rita, die mit Sugar and Sweets und Bluebell in die andere Richtung unterwegs waren. Sie hatten schon über eine Stunde Ausreiten hinter sich und waren auf dem Heimweg. Ich fragte rasch, wie's gelaufen war. Anne erzählte, dass Rita fast runtergefallen sei, als Bluebell sich vor einem Fahrradfahrer erschrocken habe. Rita spielte das Ganze verlegen etwas herunter und meinte, sie sei nur kurz hinter die Bewegung gekommen. "Schon okay, kann ja mal passieren. Hauptsache du bist noch oben", stellte ich schulterzuckend fest. Da musste man ja nun wirklich kein Drama draus machen. Das hätte ich gerne auch zu Anne gesagt, aber ich liess es dann doch bleiben.
      Vom Ausritt nachhause gekommen, kümmerte ich mich als nächstes um Parányi. ich wollte sie nur rasch longieren, da sie am Vortag eine anstrengende Springstunde gehabt hatte und sie mit ihrem rabenschwarzen Fell bei der Hitze sowieso bestimmt Mühe hatte. Ich putzte sie also gründlich, dann ging ich mit ihr zum Roundpen und übte lockernde Übergänge. Sie arbeitete konzentriert mit, obwohl auf dem Kiesweg neben dem Roundpen immer wieder Jonas mit Fake durchfuhr. Er hatte die Hackneystute vor ein Sulky gespannt und übte fleissig mit ihr. Ich bewunderte die extravaganten, dynamischen Bewegungen von Fake, die ganz von Natur aus die typischen Hackney Gänge zeigte.

      Um halb sieben fand ich mich wieder im Hauptstall ein, wo gerade fleissig aufgeräumt wurde. Meine Eltern kamen jeden Moment an und ich war froh, dass Jonas sich um das Abendessen kümmerte. Wir wollten grillieren, wobei die Pfleger unter sich bleiben und Jonas, Lily und ich mit meinen Eltern essen würden. Ich streichelte im Vorbeigehen Mikke, die mir zuröchelte. "Ja meine schöne, wir gehen morgen wieder zusammen raus. Für heute hat April dich genug bewegt." Sie erwiderte mein Kraulen mit ihrer Schnauze. Ajith lief fröhlich pfeifend an uns vorbei, sodass ich mich ihm gleich anschloss und 'Caprice' vorher aber noch ein letztes Mal über die Stirn strich.
      "Anything unusual today?", fragte ich Ajith beiläufig. "Nope, they all doin' fine, boss." Ich nickte zufrieden und fragte, ob denn Indiana heute wieder ausgegessen hatte. Am Vortag hatte sie nämlich am Mittag ein wenig übrig gelassen. "Yeah, I checked on her a moment ago and it was all gone", beruhigte mich der Pfleger. Ich nickte zufrieden. Vielleicht lag es ja an der Hitze, überlegte ich mir. Oder sie hatte schon genug Gras auf der Weide.
      Chiccory und Sunday Morning standen in der Stallgasse, weil sie noch eine Massage von Elliot bekamen. Der Reitlehrer hatte sich vor einer Weile weitergebildet und kannte ein paar nützliche Handgriffe, um verspannte Muskeln zu lockern. Normalerweise liessen wir das einen Experten machen, zum Beispiel kurz vor einem wichtigen Rennen. Aber so zwischendurch war es für Elliot eine gute Übung und für die Pferde natürlich auch nur positiv. Sunday, der gerade dran war, schlief jedenfalls fast ein vor Entspannung. Sein Kopf hing in den Seilen und die Unterlippe liess er hängen. Chiccory war hingegen etwas ungeduldig und scharrte, als ich neben ihm durchlief. Wie ich ihn kannte, wollte der Hengst nichtmal Futter, sondern einfach nur Aufmerksamkeit. Ich kraulte ihn deshalb kurz, bevor ich weiterging.
      Gleam of Light, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Caspian of the Moonlightvalley und A Winter's Day waren noch immer auf der Weide. Sie waren die letzte Gruppe von Hengsten, die noch reingeholt werden musste. Kurze Zeit später kamen sie dann auch in die Stallgasse getrabt und wurden von den Pflegern in Empfang genommen, damit sie auch wirklich in die richtige Box gingen. Die Pferde liefen ansonsten den ganzen Weg von der Weide zum Stall und umgekehrt selbstständig über den jeweils rasch abgezäunten Weg. Winter blieb bei mir stehen, also übernahm ich ihn gleich und führte ihn in seine Box, indem ich ihm rasch einen Führstrick um den Hals legte. Die Pferde trugen auf den Weiden aus Sicherheitsgründen meistens keine Halfter.
      Ich wollte den Hauptstall gerade verlassen, als Oliver reinkam und mich zu sich winkte. "I just wanted to tell you that the second group this morning ran better than yesterday. Almost all of them made it in over a second less Time." "Ahh, wonderful to hear. I'm sorry I wasn't able to take part, but I had so much to do..." "Sure, no problem." Es freute mich zu hören, dass die jungen Rennpferde sich stets verbesserten. Framed in History, Sumerian und Kaythara El Assuad waren im Moment herausragend. Dafür hinkte Cabinet of Caligari wieder etwas hinterher. Aber für mich war es nur eine Frage der Zeit bis sie mehr Muskeln und Ausdauer hatte.
      "What about the youngest Group?", fragte ich Oliver weiter. "Well, could be better, but I guess they just need time." Ich nickte zustimmend, aber mein Ehrgeiz piekte mich trotzdem ein wenig. Ich hatte gehofft, dass in diesem Jahrgang auch wieder ein paar Überraschungen sein würden. Besonders in Merino und Primo Victoria hatte ich hohe Erwartungen gesteckt. Aber natürlich konnte sich das alles noch entwickeln - schliesslich waren die Jungspunde noch ganz am Anfang. Oliver fügte noch an: "Miss Moneypenny had the leading time today. Didn't surprise me really, she has the longest legs already." "And what about Simba Twist and Cryptic Spots?" Oliver machte sein 'ich-bin-nicht-so-zufrieden-wie-ich-es-gerne-wäre'-Gesicht und ich fragte nicht weiter. Schmunzelnd lief ich zum Parkplatz, denn ich hörte ein Auto heranrollen. Ich begrüsste meine Eltern, die aus dem Taxi ausstiegen und führte sie zum Haus.
      Wir assen alle gemütlich zu Abend und unterhielten uns über alles was seit dem letzten Telefonat so passiert war. Lily war natürlich wieder als erste fertig und wollte vom Tisch. Ich liess sie, weil sie sonst sowieso nur herumgezappelt hätte. Sie verschwand mit Sheela in Richtung Weiden. Zira und Jacky blieben treu hinter mir im mittlerweile kühlen Gras liegen. Ich war Barfuss und genoss das kitzeln der kühlen Halme. Meine Eltern redeten auch viel mit Jonas; sie fragten ihn fast schon aus, was mir etwas peinlich war. Er schien es aber locker zu nehmen und setzte sein charmantes Lächeln auf. Plötzlich kam Lily wieder zurück, ohne Sattel und nur mit Stallhalfter auf Snottles Peppermint sitzend. Offenbar wollte sie etwas bluffen, wie gut sie schon reiten konnte. Meine Eltern waren nicht so begeistert, dass ihre Enkelin keinen Helm trug und ich versuchte ihnen weiss zu machen, dass sie ihn normalerweise trug. (Was sie auch tatsächlich tat, zumindest wenn sie richtig reiten ging.) Wir genossen den Abend dann doch noch ohne weitere Diskussionen und meine Eltern blieben über Nacht im Gästezimmer.
    • Occulta
      Herbstbeginn, oder: es gibt Ärger auf Pineforest Stable, Teil I
      Chiccory ox, Shades of Gray, Iskierka, Painting Shadows, Coulee, Sympathy of the Devil, A Winter’s Day, Campina, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Gleam of Light, Caspian of de Moonlightvalley, Sunday Morning, Unbroken Soul of a Rebel, Drømmer om Død, Flintstone, Calico, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Halluzination, Yoomee, Sika, Fake xx, Parányi, River’s Blue Lady Liquor, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Islah

      Seit zwei Wochen war der neue Praktikant Tobias Leech nun bei uns. Ich hatte ihn nach der ‚Schnupperzeit‘ eingestellt, denn er hatte seine Sache gut gemacht und zeigte sich sehr hilfsbereit. Auch jetzt war er stets anständig, kümmerte sich um seine Aufgaben und befolgte sämtliche Anweisungen. Ich hatte also nichts zu meckern und war zufrieden, wie es im Moment lief. Es standen ein paar interessante Events bevor, und heute hatte ich auch noch eine Notiz von einer Fuchsjagd in der Zeitung gesehen, bei der es mich schon in den Fingern kribbelte. Als erstes wollte ich heute Morgen wie immer bei den Vollblütern helfen. Um richtig in die Gänge zu kommen, musste ich mir davor aber eine Schüssel Müsli und einen kräftigen Schwarztee genehmigen. Eine weitere Leiche kam die Treppe runter geschlurft und setzte sich gähnend an den Tisch. „Ich verstehe einfach nicht, wie du jedesmal eine Stunde vor mir im Bett liegst, nur um dann am Morgen trotzdem so schlapp zu sein“, wunderte ich mich laut. Jonas murrte: „Manche Menschen brauchen nunmal mehr als fünf Stunden Schlaf.“ „Jetzt übertreibst du aber – sechs Stunden hast du ja mindestens, wenn du schon um Elf ins Bett kriechst“, neckte ich. Er seufzte mit hochgezogenen Augenbrauen und und nippte an seiner Tasse. „Schüler müsste man sein. Lily kann richtig ausschlafen im Vergleich zu uns.“ Für unsere kleine Schülerin stellte ich auch schonmal Besteck und Schüssel auf den Tisch, auch wenn sie erst in ein paar Stunden aufstehen würde. Jeden Tag zwischen Fünf und halb Sechs zu frühstücken ist schon hart, aber man gewöhnt sich daran, mit ein paar Ausnahmen – ich warf einen schmunzelnden Blick zu meinem Gegenüber. „Irgendweilche besonderen Pläne für heute, von denen ich noch nichts weiss?“, fragte Jonas während dem Müsli-Löffeln. „Nö, aber wenn du willst können wir heute wieder etwas weiter ausreiten gehen. Ich würde gerne sehen, ob sie in Tewkesbury schon meine Lieblingskürbisse haben.“ „Klingt gut.“

      Ich machte mich mit Zira und Jacky auf in den Hauptstall, wo die meisten Jockeys bereits die Pferde aus den Boxen holten und zu putzen begannen. Sheela begleitete Jonas zum Nordstall. Gruppe drei war heute zuerst dran, bestehend aus Chiccory, Shades of Gray, Iskierka, Painting Shadows, Coulee, Sympathy und Winter. Ich selbst hatte vor in Gruppe vier mitzureiten, nämlich auf Gleam of Light. Während sich Gruppe drei vorbereitete, huschte ich zwischen den Pferden durch und machte die morgendliche Stallkontrolle. Ajith hatte so früh morgens natürlich noch nicht mit dem Misten begonnen, aber ansonsten sahen die Boxen einwandfrei aus und waren gut eingestreut. Gesunder Schlaf war schliesslich wichtig für Rennpferde. Raufutter hatten sie schon bekommen; Kraftfutter gab es erst nach dem Training. Wir wollten heute die ersten Vollblüter scheren, weshalb bei den Auserwälten bereits die passenden Decken vor den Boxen hingen. Wir begannen damit jeweils früh, weil die Rennpferde natürlich um einiges mehr schwitzten als die sonstigen Reitpferde und mit Winterfell zu lange trocknen mussten. Eine der Kandidatinnen für eine heutige Schur war auch Indiana. Sie lief zwar nicht mehr aktiv Rennen, wurde aber ziemlich fit gehalten für’s Military. Die rappfarbene Stute kaute an ihrer morgendlichen Heuration, während sie interessiert das Treiben im Stallgang beobachtete. Ich fragte mich beim betrachten ihrer dunklen Augen, ob die Stute wohl den Alltag auf der Rennbahn vermisste. Doch dann fiel mir ein, dass sie vermutlich gar nie richtig Rennen gelaufen war. Ich wusste nur von einem einzigen Rennen, bei dem sie gestartet war; dem Joelle-Galopp Maiden über 1400 Meter. Dabei war sie immerhin auf dem dritten Platz gelandet. Im Training mit den jungen Vollblütern, als wir sie für’s Military aufzubauen begannen, zeigte sie auch ein gewisses Talent, schien aber mit der Startmaschine nicht vertraut und brauchte einen Moment, um sich auf ihren Jockey einzulassen. Jedenfalls schaute mich Indiana zwischendurch erwartungsvoll an, als meinte sie, dass ich gleich ihre Box öffnen und sie halftern würde. Ich ging jedoch weiter und beendete meine Runde, bevor ich mich langsam aber sicher auch ans Putzen machte. Die erste Gruppe war inzwischen draussen und wärmte sich ein. Light grunzte begeistert, als ich bei ihm hielt. Er hatte sein Heu noch längst nicht fertig gefressen, schien aber bereits begierig darauf, die soeben aufgenommene Energie wieder zu verpuffen. Vielleicht freute er sich auch einfach über die Karotte, die ich ihm als Begrüssung brachte. Ich holte ihn aus seiner Box und band ihn in der Stallgasse an, dann begann ich mit Striegeln. Er spitzte genüsslich die Lippe, als ich beim Unterhals schrubbte. Als ich bei der Kruppe angelangte, kippte der ganze Körper plötzlich nach hinten und Light streckte sich genüsslich, gefolgt von einem ungeduldigen Scharren. „Are you ready now?“, lachte ich belustigt und wechselte auf die andere Seite. Nach dem Striegeln wischte ich sein Fell mit der Staubbürste ab und kratzte die Hufe aus, ausserdem sprayte ich etwas Glanzspray in das schwarze Langhaar und kämmte es gründlich durch. Nun sah Light wieder so aus, als würde er seinem Namen alle Ehre bereiten: Er glänzte von Kopf bis Fuss. Ich sattelte Gleam und bandagierte seine Beine, mit dem Zäumen wartete ich noch. Die anderen waren noch nicht ganz fertig, also alberten wir noch ein wenig herum. Light konnte auf Kommando Lächeln und seine Zunge rausstrecken. Während dem Warten versuchte ich ihn dazu zu bewegen, abwechselnd die Vorderbeine zu strecken. „Pass auf, dass er nicht zu betteln anfängt“, rief Jonas, der sich gerade unter Sundays Anbindekette durchduckte. „Nö, er kriegt nur was, wenn ich ihm ein Kommando gebe. Was gibt’s?“ „Ich wollte nur Bescheid geben, dass Darren, Alan und ich mit Rebel, Dod und Flint rausgehen“, erklärte er, und fügte mit einem Zwinkern an „nicht dass du mich suchst.“ „Pfft, als ob ich dich von allen Leuten vermissen würde“, neckte ich zurück, und gab ihm einen raschen Kuss. „Weisst du vielleicht gerade, wo Rita ist? Vielleicht will sie mit Calico mitkommen“, fragte er beim Gehen. „Die reitet in der letzten Gruppe mit, also könnte es noch knapp reichen – ich glaube ich habe sie vorhin bei der Sattelkammer vorne gesehen.“ Er hob die Hand, zum Zeichen, dass er verstanden hatte und verschwand wieder zwischen den Pferden. Inzwischen konnte ich zäumen und dann Light hinter Caspian und Fly rausführen. Ajith und Oliver gingen uns beim Aufsteigen zur Hand, sodass alle nach wenigen Sekunden oben sassen und losreiten konnten. Wir ritten schön in einer Reihe zum Galoppweg, wo wir uns wie immer im Trab aufwärmten. Die Pferde dieser Gruppe kannten den Ablauf ganz genau und wussten, als wir ans Ende der Runde kamen, dass sie gleich auf die Bahn durften. Die vorherige Gruppe verliess gerade die Bahn, also liessen wir sie rasch durch. Fly begann etwas unruhig zu werden und steckte Spot mit Zappeln an. Auch Light schaukelte vorne leicht in die Luft, doch ich stellte ihn nach links und ritt ihn im Schulter-Vor um die Kurve, um ihn ruhig zu halten. Das Gehampel war zwar nervig, aber andererseits wollten wir auch, dass die Pferde wach waren und eine gewisse Grundspannung hatten. Tatsächlich kamen wir heute auch beim Start hervorragend weg und ich klopfte Light rasch zufrieden auf den Hals, bevor ich mich auf die Bahn vor uns konzentrierte. Die einzige Stute in dieser Gruppe, Campina, zog übermütig an uns vorbei und ich fragte mich, ob Parker das mit Oliver so abgesprochen hatte. Später stellte sich heraus, dass sie die Stute eigentlich hatte bremsen wollen, aber zuerst etwas mehr Platz schaffen wollte.

      Nach dem anstrengenden Intervalltraining liessen wir die Pferde austraben und ritten sie zurück zum Hauptstall. Dort wurden sie abgesattelt und in den Freilauftrainer gebracht, damit sie sich noch trockenlaufen konnten. Ich gab auch Light beim ‚Karussell‘ ab und übernahm stattdessen Iskierka, um die inzwischen trockene Stute in ihre Box zurück zu bringen. „Hey Zicke“, murmelte ich liebevoll, als ich sie hinausführte. Sie hatte nur eines im Kopf: Ihr Kraftfutter, das bald in der Raufe liegen würde. Beim Tor wollte sie mich wiedermal überholen, obwohl wir das schon gefühlte 1000-mal geübt hatten. Das war einfach typisch Iskierka – egal wie oft man sie zu erziehen versuchte, sie war und blieb dominant und hatte Mühe sich unterzuordnen. „I know you’re hungry, but you have to wait even longer, if you keep it up like this”, sprach ich augenrollend aber geduldig. Ich wusste, dass es nichts brachte, sich über das Verhalten der Stute aufzuregen. Man kam schneller voran, wenn man schön ruhig blieb und ihr klare Anweisungen gab. Ich liess sie deshalb rückwärts wieder vom Tor weg weichen, dann versuchte ich es erneut, so lange, bis sie respektvoll blieb. Schliesslich durfte sie in ihre Box und sich über das restliche Heu von der ersten Fütterung hermachen, bis das Kraftfutter serviert wurde. Ich beobachtete noch, wie Gruppe zwei, bestehend aus Ciela, Kaythara, Sumerian, Frame, One Cool Cat und Cabby zum Aufsteigen geführt wurden. Frame röchelte leise, als er mich sah. Ich ging rasch zu ihm hin, streichelte ihn und half Quinn beim Aufsteigen. Bei ihr war der sensible Schecke in guten Händen, aber es konnten ihn noch immer längst nicht alle reiten. Als die Gruppe zur Bahn lief, wechselte ich zum Nebenstall. Ich liess zusammen mit Robin und David die Stuten auf die Weide unter der Stutenweide. Das Gras dort war wieder etwas üppiger geworden, weil wir sie lange geschohnt hatten, also mussten die vierbeinigen Rasenmäher ran. Damit es schneller ging zäunten wir wie immer den Weg ab und liessen die Pferdchen selber zur Weide laufen. Robin und ich öffneten die Boxen, während David sicherstellte, dass niemand unterwegs anhielt zum Fressen oder mit den anderen Stuten Zanken. Sika und Lychee trotteten sogleich aus ihrer Box und liefen zügig die Betonrampe runter auf den Kiesweg. Die anderen liessen sich mehr Zeit und wollten lieber schon unterwegs am Wegrand grasen. Als alle aus den Boxen waren, liefen Robin und ich den übriggebliebenen Stuten hinterher und trieben sie bis zur Weide. Bluebell, Sweets und Yoomee waren heute auch so mühsam vorwärtszubewegen. Als sie endlich alle durch das Weidetor getrabt waren, schlossen wir dieses und beobachteten amüsiert, wie Fake im Bluff-Hackney-Trab über die Wiese schwebte, weil die Stuten von der Offenstallweide zur Begrüssung an den Zaun gekommen waren. Parányi führte die Gruppe dann aber in eine andere Ecke der Weide, wo es anscheinend besseres Gras gab. Sie war im Moment wohl die Ranghöchste der Nebenstallstuten, wobei sie sich aber immer mal wieder mit Hallu zankte. Manchmal wusste ich gar nicht so recht, wer denn nun wirklich Chef war von den beiden.

      Auf dem Rückweg zu den Ställen begann mein Handy plötzlich hartnäckig zu summen. Erstaunt erkannte ich Rosies Nummer auf dem Display. “Hello?“ “Occu, I have a problem! The horses were stolen!“ “What!!?” Ich traute meinen Ohren kaum. “What do you mean they were stolen?” “They’ve disappeared from the barn!” “Whait – I’ll come over, inform the police!” Ich lief zügig zum Parkplatz und stieg in mein Auto. Auf der Wilkinson Farm angekommen, erzählte mir die aufgewühlte Rosie, dass sie vorhin in den Stall gegangen war, um die Pferde auf die Weide zu lassen; doch diese seien einfach spurlos verschwunden gewesen. Die Polizei, die eine Viertelstunde später ebenfalls eintraf, vermutete, dass die Pferde über Nacht aus den Boxen geholt und wegtransportiert worden waren. Sie befragten alle Anwesenden und suchten nach Spuren, doch weder Rosie, noch ihr Angestellter Lucas Gordon hatten etwas mitbekommen. Ausserdem waren die Diebe anscheinend ziemlich professionell vorgegangen und hatten kaum Hinweise zurückgelassen. Besorgt und ruhelos wanderte Rosie auf dem Hof herum, trotz meiner Versuche, ihr einzureden, dass die Polizei die Pferde schon finden würde. „If they took them in the middle of the night they could already be who-knows-where!” Darauf wusste ich nichts zu erwiedern. Nachdenklich sah ich mich auf dem Hof um. Irgendeinen Hinweis muss es doch geben… Aber Natürlich war ich auch nicht schlauer als die Beamten, die ihren Job sehr gründlich auszuführen schienen. Im nächsten Moment fiel mir jedoch eine Bewegung im Augenwinkel auf, weiter hinten bei der Reithalle. „Over there! That is… Islah!?“ Rosie und ich hasteten sofort in die entsprechende Richtung. Da stand sie, die braun gescheckte Araberstute – friedlich am Wegrand grasend, als wäre nichts geschehen. Rosie näherte sich ihr langsam. Die Stute schien unversehrt. Als ich mich auf den Weg machen wollte, um ein Halfter zu holen, fand ich im halbhohen Gras ein schwarzes solches liegen, mitsamt Führstrick. Der Backenverschluss war jedoch abgerissen. Ich fasste es nicht an, damit die Beamten, die sich erst näherten als sie sahen, dass Islah bei Rosie blieb, es unverändert untersuchen konnten. „Looks like someone tried to use this, but it broke and the horse got away”, schloss einer der Polizisten. “What a clever girl, Islah!“, rief Rosie aus und umarmte die Stute, die mittlerweile ein intaktes Halfter, von Lucas gebracht, trug. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie das ganze abgelaufen sein musste: vermutlich hatten die Diebe ein Pferd nach dem anderen unter Zeitdruck rausgeführt und verladen. Da Islah jedoch überhaupt nicht gerne einstieg und jeweils ordentlich rumzicken konnte, wenn es auch nur schon auf einen Anhänger zuging (erst recht mit fremden Leuten, malte ich mir aus), hatte sie sich wohl reingehängt und das Halfer zerrissen. Danach musste sie es irgendwie geschafft haben, ganz daraus zu schlüpfen und so zu entkommen. Vermutlich hatten sich die Diebe gar nicht die Mühe gemacht, der Stute hinterherzujagen, sondern stattdessen rasch die anderen Pferde verladen und weggebracht. In diesem Fall war ihr eigener Sturkopf der Stute zugute gekommen. Rosie und ich brachten Islah in ihre einsame Box und brachten ihr eine ordentliche Portion Heu, um sie abzulenken. Sie begann nämlich nach den anderen zu rufen, als sie bemerkte, dass sie weg waren. Vielleicht ist sie auch empört und denkt, die anderen seien auf der Weide, während sie in den Stall muss, überlegte ich stirnrunzelnd. Jedenfalls musste sie nun erstmal so ausharren, bis ihre Kollegen wieder auftauchten. Wenn sie denn wieder auftauchen, dachte ich missmutig. Wir sahen uns nun noch angestrengter um, falls noch ein Pferd entkommen sein sollte. Vielleicht Numair – er ist ja auch nicht immer leicht im Umgang. Oder Bintu… Doch leider fanden wir nichts Weiteres. Die Polizei schickte trotzdem noch Suchtrupps ins nahe Gelände. Schliesslich blieb mir nichts anderes übrig, als zurück auf meinen eigenen Hof zu wechseln und abzuwarten. Ich erzählte Jonas und den bereits neugierigen Pflegern was passiert war. Alle diskutierten angeregt und suchten parallelen zu anderen Pferdediebstählen in der Region. Bis plötzlich Lewis bemerkte „Speaking of disappearance – has anyone seen this Leech-guy since mornin‘?“ Es wurde still und alle schienen angestrengt nachzudenken. Lisa war die erste, die die Stille brach. „…actually I have not seen him today at all.“ Die anderen nickten langsam, und auch ich schloss müde die Augen, als es mir dämmerte. Dieser Mistkerl! Ich hatte ihm gleich am ersten Tag sogar noch brav die Wilkinson Farm gezeigt, sodass er wunderbar hatte abchecken können, wie die Infrastruktur war und wo man sich am besten Zugang verschaffte. „Ich bin so ein Idiot…“, murmelte ich enttäuscht. „Sei nicht zu hart mit dir; woher hättest du den wissen sollen, dass er ein Krimineller ist? Sogar ich fand ihn nett“, tröstete mich Jonas. Auch die Pfleger schienen fassungslos, denn Leech war immer anständig und freundlich rübergekommen. Das war wohl alles geschauspielert, stellte ich fest.

      Ich meldete die Entdeckung der Polizei und gab alle Infos weiter, die ich von dem Verdächtigen hatte. Natürlich stellte sich heraus, dass der Name und die Identität gefälscht waren und der Typ jemand ganz anderes sein musste, als er vorgegeben hatte. Wenigstens kannten wir sein Aussehen, was ein guter Anfang war. Die folgenden Tage waren für mich quälend lang und ich wartete sehnsüchtig auf Fortschritte bei der Fahndung.
    • Occulta
      [​IMG] E-A
      Chiccory ox, Shades of Gray, A Winter’s Day, PFS’ Captured in Time, PFS’ Merino, Simba Twist, Primo Victoria, PFS’ Cryptic Spots

      Nachdem wir mit der ersten Springstunde fertig waren und ich Iskierka weggeräumt hatte, war nun eine etwas weniger erfahrene Gruppe dran. Diesmal ritt ich Merino, den Rappen mit den lustigen weissen Punkten. Auch seine Zwillingsschwester Primo war dabei, denn beide hatten etwa denselben Trainingsstand. Natürlich folgten uns auch die restlichen Rennpferde dieser Jahrgangsgruppe, Ciela, Simba und Cryptic, auf den Reitplatz, wo immernoch derselbe Parcours wie zuvor stand - nur dass Elliot ihn inzwischen etwas runtergestellt hatte. Aber insgesamt waren wir am Schluss sogar acht Pferd-Reiterpaare auf dem Sandplatz, denn Chiccory, Gray und Winter hatten das Springtraining auch nötig. Zuallererst wärmten wir uns wie immer gründlich auf. Danach trabten wir über ein paar Stangen und schulten den gleichmässigen Takt der Vollblüter. Als nächstes folgten ein paar einfache Kreuze und Steilsprünge, bevor wir schliesslich mehrere Hindernisse flüssig nacheinander anritten. Wir gingen alles schön langsam an, da die jüngeren Pferde der Gruppe wirklich noch ganz am Anfang des Springreitens standen. Sie waren ja auch eigentlich Rennpferde, und zumindest im Moment nur indirekt fürs Springen gedacht. Aber es konnte nicht schaden, ihre Ausbildung abwechslungsreich und vielseitig zu gestalten. Das beanspruchte auch wieder ganz andere Muskeln als das Galoppieren auf der Bahn, sodass sie weitere Kraft dazugewannen. Sie machten ihre Sache allesamt gut. Es gab zwar hie und da noch ein paar kleine Patzer, entweder mit Verweigerungen oder fallenden Stangen, aber das war nicht weiter schlimm. Besonders die jüngsten waren halt noch etwas tollpatschig und hatten nicht so viel Balance wie die älteren Pferde. Aber für erste Turniere würden sie bald bereit sein, da war ich mir sicher.
    • Occulta
      [​IMG] S**-S***
      Chiccory ox, Painting Shadows, A Winter’s Day, Captured in Time, Sympathy of the Devil, Iskierka, Spotted Timeout

      «Occu! Es schneit!!» Meine kleine Nichte hüpfte aufgeregt durch die ganze Küche. «Echt?», sagte ich gespielt verwundert, denn ich hatte ja schon am Vortag den Wetterbericht gelesen. Draussen vor dem Fenster tanzten kleine Flocken vom dunkelgrauen Morgenhimmel. Es war kurz nach halb acht, Zeit für Lily, in die Schule zu verschwinden. Ich tippte mit strengem Blick auf meine Jockey-Armbanduhr, und Lily liess ein genervtes Stöhnen hören. «Schon gut, ich bin ja gleich weg. Wenigstens können wir heute in der Pause eine Schneeballschlacht machen», rief sie, während sie nochmal die Treppe hochpolterte, um ihren Rucksack zu holen. Naja, ich bezweifle, dass es schon genug Schnee dafür haben wird. Ich räumte gerade die Überreste vom Frühstück weg, nachdem ich vorhin schonmal draussen gewesen war. Da hatte es erst genieselt. Die Morgenrunde war bereits gemacht und die ersten Pferde auf die Weide geschmissen. Das Vollbluttraining war auf acht Uhr angesetzt, also zog ich anschliessend meine dicke Jacke wieder an und bewaffnete mich ausserdem mit Schal und gefütterten Reithandschuhen. Im Hauptstall wurden die ersten Pferde bereits aus ihren Boxen rausgeholt. Ich hatte diesen Monat unter anderem Chiccory, der sich wiedermal wunderbar eingeschlammt hatte. «Sogar die Stirn ist verkrustet. Hat er etwa den Kopf absichtlich in den Schlamm gedrückt?» Quinn gluckste belustigt – A Winter’s Day war nämlich schön sauber und weiss. Ajith und die Hauptstallpfleger hatten es gestern nicht geschafft, alle Pferde am Abend noch zu putzen wie sie es sonst immer taten – sie hatten dafür aber sämtliche Weiden vor dem Eindunkeln abgeäppelt. Ich schrubbte das braun-weisse Fell Chiccorys so gründlich es ging, aber ganz ohne ein wenig restlichen Staubes schaffte ich es nicht. An der Stirn entfernte ich das meiste mit dem Gummistriegel, den Rest krümelte ich mit den Fingern weg. Der Hengst scharrte ungeduldig, als ich ihm zuerst das Pad, dann die Satteldecke und die Nierendecke und schliesslich den Trainingssattel aufsetzte. Ich legte ihm zur Sicherheit ein Vorgeschirr an, denn auch wenn der Rennsattel passte, wollte ich bei den hohen Geschwindigkeiten kein Risiko eingehen. Ich hatte einmal bei einem Rennen einen üblen Sturz miterlebt, bei dem der Auslöser ein verrutschter Sattel gewesen war. Pferd und Reiter hatten in vollem Tempo die Balance verloren; wenigstens war das Pferd ohne fatale Verletzungen davongekommen. Jedenfalls Zäumte ich Chiccory nun, klopfte ihm Stollen in die Hufeisen und führte ihn hinter Spotted Timeout und Winter raus. Die Stuten wurden aus dem gegenüberliegenden Tor rausgeführt; es waren Painting Shadows, Iskierka (die Paint beinahe ins Hinterteil kniff), Sympathy und – zu meiner Überraschung – Ciela. Verwundert wandte ich meinen Blick an Oliver, der prompt erklärte «Ich wollte Ciela und Winter unbedingt mal zusammen rennen sehen, pure Neugier.» Ich überlegte mit einem verschmitzten Lächeln, ob das wirklich der einzige Grund war, oder er nicht doch langsam genauso Gefallen an den weissen Vollblütern gefunden hatte wie ich selbst. Schliesslich war Spot ja auch dabei, und Kierka – wenn man die als weiss mitzählen konnte. Überhaupt war die Gruppe kunterbunt, wobei daran vor allem ich schuld war. Schliesslich konnte Oliver nur die Pferde trainieren, die ich ihm zur Verfügung stellte. Wir stiegen auf und ritten hintereinander zum Galoppweg. Dort trabten wir die Pferde eine Runde lang in flottem, aber kontrolliertem Tempo warm. Danach ging^s ab auf die Grasrennbahn. Wir machten einen freien Start ohne Maschine und trainierten separat in Intervallen; ausser Winter und Ciela, die auf Olivers Wunsch hin ein Kopf-an-Kopf Training absolvierten. Ich blieb mit Chiccory am Anfang ganz in der Nähe, also konnte ich das Geschehen zumindest bis in die zweitletzte Kurve gut verfolgen. Weil ich aber immer wieder ruhigere Galopps dazwischenschaltete, hängten sie uns ab und ich bekam den Schluss nicht mehr mit. Es war speziell, die beiden weissen Vollblüter über das feuchte Gras brettern zu sehen, noch dazu begleitet von leichtem Schnee. Oliver machte, wie ich im Nachhinein erfuhr, sogar ein Foto mit seinem Handy. Ich beschloss, ihn später zu belagern, damit er es mir auch schickte. Ich war natürlich während dem Austraben gespannt, wer denn nun gewonnen hatte. Zunächst wollte es mir niemand verraten, bis Charly es ausplauderte. Winter war mit einer halben Länge vorn gewesen. Wir stellten die Pferde zum trockenlaufen in die Führmaschine und packten sie in Abschwitzdecken ein. Später gab es für jeden wohlverdientes Kraftfutter und Karotten.
    • Occulta
      Aftermath
      Satine, Dancing Moonrise Shadows, Ronja Räubertochter, PFS’ Dancin’ to Jazz, Moon Kiddy, Phantom, Fake xx, PFS’ Ljúfa, Estragon Sky, Areion, Co Pilot de la Bryére, Vychahr, Flintstone, tc Herkir, PFS’ Ljóski, Drømmer om Død, Circus Dancer, Feline, Unbreaking Soul of a Rebel, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Bacardi Limited, Lovely Summertime, Burggraf, Cantastor, Chiccory ox, Sunday Morning, Rosenprinz, Empire State of Mind, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, A Winter’s Day, Spotted Timeout, Framed in History, One Cool Cat, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS‘ Cryptic Spots, Mikke, Khiara El Assuad, Indiana, Vai Alida, Sympathy of the Devil, Campina, Sumerian, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, Nosferatu, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire

      Der Tag nach dem Sturm war von Aufräumarbeiten geprägt. Der Forstwart kam gegen Nachmittag vorbei, um die gefallenen Tannen einzusammeln, aber abgebrochene Äste mussten wir selber wegräumen. Damit waren wir den ganzen Morgen beschäftigt, denn es gab reichlich davon. Auch die Zäune mussten kontrolliert werden, bevor wir die Pferde wieder auf die Weiden lassen konnten; dazu schickte ich April los. Jonas, Ajith, Quinn, Oliver, Parker, Lisa und ich liefen die Galoppbahn ab und luden das Geäst in Schubkarren. Hier lag zum Glück nicht so viel Schnee (wenn im Moment auch mehr als sonst), sodass wir gut vorankamen. Insgesamt waren vier Tannen dem Wind zum Opfer gefallen. Sonst hatte es zum Glück aber kaum Schäden gegeben. Gegen Mittag waren wir soweit, dass wir die ersten Gruppen wieder rauslassen konnten. Wir zäunten alle Fluchtwege ab und liessen die Stuten aus dem Nebenstall auf die unterste, lange Weide laufen. Sie mussten nicht zweimal aufgefordert werden: alle trabten oder galoppierten sogar zwischen den anderen Weiden hindurch in Richtung der schneebedeckten Wiese. Satine trottete zuhinterst den anderen nach, offenbar nicht sonderlich bemüht, jemanden einzuholen. Die Stuten aus dem Offenstall kamen wie immer an den Zaun, um ihre Kolleginnen zu begrüssen. Shadow und Ronja steckten die Schnauzen zusammen, aber gingen kurz darauf quietschend wieder auseinander. Jazz beobachtete die beiden interessiert, bevor sie von Moon mit einem warnenden Ohrenspiel verscheucht wurde, weil diese ebenfalls zum Zaun wollte. Besonders Phantom hatte die Nase zuvorderst und schien erfreut über den Besuch. Nach dem Begrüssungsritual begannen die Stuten im Schnee zu scharren, um sich zu rollen, oder unter der weissen Decke nach müden Grashalmen zu suchen, während die Offenstallherde sich wieder unter die Bäume bewegte. Nur Fake und Ljúfa blieben beim Zaun, um miteinander zu spielen. Phantom behielt die schwarze Isländerstute vom Schatten der Bäume aus im Auge, machte sich aber nicht die Mühe, sie zu den anderen zu treiben. Er hatte noch immer ausgeprägtes Herdenverhalten, dass er wohl bis ans Ende seiner Tage behalten würde, doch inzwischen hatte er auch begriffen, dass ‘seine’ Stuten nirgends hinkonnten, weil der Zaun sie eingrenzte. Dadurch war er trotz seiner grossen Herde sichtlich entspannter geworden. Jonas und ich grenzten den unteren Teil des Weges ab und leiteten Mikke, Khiara, Indiana, Vai Alida, Sympathy, Campina, Sumerian, Caligari, Ciela und Kaythara auf die untere der beiden Weiden neben den Miniature Horse und Fohlen Offenställen. Anschliessend durften die übrigen Vollblutstuten auf die Weide daneben. Die Hengste teilten wir ebenfalls auf zwei der grossen Weiden ausserhalb des Hofes auf, auch die aus dem Nordstall. Normalerweise kamen nicht alle Pferde gleichzeitig raus, aber da heute Morgen der Weidegang wegen der Aufräumarbeiten ja ausgefallen war, konnten wir so die Zeit wieder wettmachen und inzwischen nochmal alle Boxen Misten, das Futter vorbereiten, oder die Stallgassen wischen. Das taten wir auch – zumindest bis Ajith mich darüber informierte, dass die meisten der Hengste auf der Weide neben dem Pinienwald verschwunden waren. Verdutzt und ungläubig sah ich ihn an. «U sure they aren’t just under the trees or somethin?» Er schüttelte grimmig den Kopf. Anscheinend waren Artemis, Areion, Donut und Baccardi (Senior) noch dort, aber die restlichen fehlten. «Aaaapril…», rief ich genervt durch den Hauptstall. Die Pflegerin tauchte hinter der nächsten Ecke auf und liess ein unschuldiges «hmm?» hören. «You said you checked ALL the fences, right?» «Well…» «Well what?» «I didn’t walk all the way ‘round of course, I mean, it would have taken me forever. But the parts that I checked looked all real good, so the rest should be fine, too.» «Doesn’t quite seem like it.», konterte ich ungeduldig und schickte Ajith los, um Oliver zu holen. Wir trommelten die verfügbaren Pfleger zusammen und planten die Suche rasch, danach schwärmten alle aus, um entweder per Auto oder per Pferd nach der ausgebüxten Herde zu suchen. Meine Vermutung war, dass die Pferde irgendwo im Pinienwald herumstreunten, oder aber hinter dem Wald auf einer Wiese – allerdings glaubte ich nicht, dass sie sich allzu weit von ihrem Zuhause entfernt hatten. Bevor wir überhaupt mit der Suche anfangen konnten, kam plötzlich Co Pilot, gefolgt von Vychahr, Ljóski, Flint, Herkir und Dancer seelenruhig von den Weiden her über den Kiesweg geschlendert. Unterwegs hielten sie immer mal wieder an, um Grashalme am Wegrand zu zupfen, oder mit den Miniature Horses die Schnauze zusammenzustecken. Ich hörte Lewis, der bereits in diese Richtung unterwegs gewesen war, laut lachen und beobachtete, wie er auf Pilot zuging, um ihn an seinem Halfter zu greifen und ihn zu streicheln, während ich mich selbst zügigen Schrittes auf den Weg dorthin machte. Grinsend stellte ich fest «That’s a fine boy. Brought your buddies home, didn’t ya?» Ich klopfte ihm stolz auf den Hals und nahm dann Ljóski und Herkir am Halfter, während Lewis Pilot und Vychahr führte, sodass die letzten beiden uns einfach folgten. Wir brachten alle zurück in ihre Boxen, wo die (eigentlich) Abendportion Heu auf sie wartete, sodass sie gewissermassen eine Belohnung für ihre freiwillige Heimkehr hatten. Herkir kniff Loki eifersüchtig ins Hinterteil, als dieser vor ihm reindurfte. Vilou wartete geduldig, bis Lewis Pilots Box geschlossen hatte. Dancer lief bereits selbstständig vor seine Boxentür und wartete dort, bis jemand für ihn öffnete, während Flint draussen blieb und neben dem Vorplatz graste, bis ich ihn abholte. Danach schlossen Lewis und ich uns der Suche nach den restlichen Pferden an. Zuerst hatte ich die Idee im Kopf, mit dem Fahrrad zu gehen – das konnte ich aber natürlich gleich wieder abhaken, angesichts des vielen Schnees. Also Rannten Lewis und ich kurzerhand zum Offenstall, schnappten uns Moon und Feline, schwangen Westernsättel über ihre Rücken und ritten im Halfter los. Zira, Sheela und Jacky rannten freudig nebenher, als wir den Weg am Waldrand runtertrabten. Lisa, Elliot und Jonas waren bereits vor Ort, als wir die ersten Pferde fanden. Jonas hatte Rebel an den Führstrick genommen. Er war mit Hilfe von Shadow problemlos an den Hengst rangekommen. Ich war einmal mehr froh, dass wir unsere Hengste so rigoros trainierten und erzogen, damit sie in jeder Situation händelbar und respektvoll blieben, ansonsten wäre die Fangaktion auf diese Weise undenkbar gewesen. Einen Haken gab es: die Neulinge, Sniper und Bacardi, hatten ebendiese Erziehung natürlich noch nicht erfahren. Daher waren sie recht aufdringlich, als wir mit den vielen Stuten in die Nähe kamen. Dennoch schafften wir es, die Gruppe hinter Jonas, Shadow und Rebel zurück zum Hof zu treiben. Sogar Dod lief brav mit, obwohl er ja manchmal recht eigenwillig sein konnte. Wann immer Sniper und Bacardi unseren Reittieren zu nahekamen, legten diese zuverlässig die Ohren platt und wiesen die Jungspunde zurecht. Besonders Moon war im ‘Cutting Modus’ und verstand keinen Spass mit aus der Reihe tanzenden Individuen. Sie machte ihren Hals rund, plusterte sich tänzelnd auf und schlug ab und zu mit dem Schweif, um ihre Gesten zu verdeutlichen. Als wir endlich alle Pferde wieder in ihre Boxen versorgt hatten, war es bereits vier Uhr. «Phew, alright. Thank you guys, let’s go back to work.» Unter zustimmendem Gemurmel zerstreuten sich die Pfleger wieder und Normalität kehrte ein. April schien sich ihren Fehler zwar immer noch nicht so recht einzugestehen, wischte aber gründlicher als sonst. Ich schüttelte den Kopf über dieses Verhalten, beschwichtigte mich selbst aber mit dem Gedanken, dass sie wenigstens sonst gut mitarbeitete.


      Ich sattelte Summertime und führte sie zum Sandplatz. Die Paint Stute hatte beim Striegeln schon ein paar erste Haare verloren, der restliche Plüsch war aber noch voll ausgebildet und glänzte seidig in der Wintersonne. Ich stieg auf und ritt sie ausgiebig warm, dann machte ich ein paar Reiningübungen. Wir arbeiteten am Stop aus verschiedenen Galoppgeschwindigkeiten. Sie beherrschte die Lektion zwar längst; ich wollte sie aber noch weiter verfeinern, sodass es auch auf kleinste Hilfen klappte. Im Schnee machte das echt Spass, weil es richtig schön spritzte, wenn sie gekonnt darauf herumrutschte. Der Schnee hatte genau die richtige Konsistenz dafür, denn er war schön pulvrig und leicht. Auch die Seitwärtsgänge nahm ich mir vor, damit die Stute schön weich am Schenkel wurde und sich auch gut biegen liess. Sie war voll bei der Sache und galoppierte sofort aus dem Schritt an, wenn ich das äussere Bein entsprechend zurücknahm. Manchmal war sie fast etwas zu eifrig und nahm mir die Hilfen vorweg. Dann bremste ich sie jeweils nochmal und versuchte es erneut, bis es zu meiner Zufriedenheit klappte. Während ich mit Summer meine Runden drehte, kam Lisa mit Burggraf dazu und ritt ihn in Dressur. Nach dem Ausbruch-Abenteuer schien der Hengst etwas geladen zu sein; er bockte ein paarmal kräftig, als Lisa Galoppwechsel üben wollte. Ich schmunzelte bei dem Anblick. Aristo war eben ‘voll im Saft’ und spürte wie die anderen Pferde den Schnee – oder den kommenden Frühling – oder den Vollmond - oder was auch immer gerade Grund zum herumhüpfen bot. Summer war inzwischen richtig toll vor dem Bein und galoppierte, wohl auch etwas angesteckt durch Aristo, bereits an, wenn ich nur daran dachte. Ich liess sie schliesslich austraben, wobei sie schön streckte und ihr Rücken mitsamt Popo locker durchschwang. «That’s a good girl». Ich versorgte sie nach dem Trockenführen (mit Winterfell schwitzte man eben doch etwas mehr als sonst, auch wenn der Bauch und die Brust geschoren waren), und machte schonmal alles bereit für’s Jungpferdetraining, doch bevor ich damit loslegen konnte, mussten wir zuerst noch die Pferde von der Weide holen. Also lief das ganze Spiel rückwärts: Wir zäunten alles ab, öffneten die erste der drei grossen Weiden und liessen Cantastor, Chiccory, Sunday, Quick, Empire, Light, Caspian, Winter, Spot, Frame, Cool Cat, Merino, Simba, Cryptic und Mambo, der unterwürfig zuhinterst mitlief, zurück in den Offenstall laufen. Bei so vielen Pferden auf einmal dauerte es einen Moment, bis alle drin waren. Die Pferde aus dem Nordstall hingegen waren ja bereits im Stall; Ajith und Parker hatten auch die restlichen schon reingeholt, damit sie nicht auch noch hatten entwischen können.


      Sobald auch die letzten, die Nebenstall Stuten, wieder in ihren Boxen standen, kümmerte ich mich um die zukünftigen Rennpferde. Sie wurden nun seit zwei Monaten ‘Trainiert’; das hatte bis anhin beinhaltet, dass sie an der Longe und Doppellonge Muskelaufbautraining mit vielen Übergängen erhalten hatten, und an die Ausrüstung gewöhnt worden waren – alles noch ohne Reiter. Das hatte mehrere Vorteile: zum einen kannten sie nun Stimmkommandos als Hilfe, zum anderen hatten sie bereits ein Startkapital an Muskeln, die ihnen halfen, den Reiter schadlos zu tragen. Heute wollten wir zum ersten Mal versuchen, jemanden auf den Rücken der Jungspunde zu setzen. Ich lief zu Counterfires Box und Streichelte sie zur Begrüssung. Sie musterte mich mit ihren frech, aber freundlich wirkenden Augen und zupfte an meinem Ärmel. Ich schob die Tür auf und streifte ihr das Halfter über, dann band ich sie in der Stallgasse an. Sie spielte mit der Kette, während ich sie striegelte, und brummelte, als Dolly von Quinn ebenfalls in die Stallgasse geführt wurde. Beim noch nicht straff trainierten Bauch fand ich eine Stelle, an der es sie wohl gerade juckte. Sie drehte den Kopf zu mir und spitzte die Lippe, als wollte sie mithelfen. Belustigt gluckste ich und schrubbte kräftiger. Nach dem Putzen zog ich ihr ein Knotenhalfter an und wartete noch kurz, bis die anderen auch fertig waren. Ausserdem holte ich zur Sicherheit eine Sturzweste aus der Sattelkammer. Während dem Warten zupfte Fire an der Regendecke vor ihrer Box herum, untersuchte den Stallboden, untersuchte Jacky, die nicht so recht wusste, was sie davon halten sollte und jeweils hilfesuchend zu mir hochschaute; versuchte Dolly zu nerven, oder scharrte ungeduldig. Ich war es längst gewohnt, dass es für junge Vollblüter, oder überhaupt junge Pferde, einfach nicht schnell genug gehen konnte. Thomas kam mit Mambo um die Ecke und winkte uns, zum Zeichen, dass er fertig war. Wir führten die Vierbeiner, gefolgt von Oliver und Ajith, durch die Stalltüren raus in den Innenhof und an der Führanlage vorbei in Richtung Halle. Es wurde nun immer dunkler draussen, aber in der Halle brannte glücklicherweise schon Licht. Als wir reinkamen, erblickte ich überrascht Lily und Suri, die mit Nosferatu spielten. Suri sass gerade auf Nossis blankem Rücken und wurde von Lily herumgeführt. «Hey girls. I see, you have fun, but would you mind to go out for a bit? We’d like to train the youngsters for a bit, and it would be safer for you not to be around…» «Jup, no probs Occu. C’mon Suri, we go for a walk outside!» Das dunkelhäutige Mädchen nickte und Lily zupfte am Stallhalfter, um Nossi wieder in Bewegung zu versetzen. Wir begannen unterdessen, die Vollblüter warmzuführen und am langen Führstrick ein wenig im Kreis zu schicken. Als ich das Gefühl hatte, dass Counterfire bereit war, zog ich mir die Sturzweste und den Helm an. Dann begann ich, neben der Stute auf und ab zu hüpfen, während ich mich leicht mit einer Hand auf den Widerrist stützte. Ich übte das von beiden Seiten. Als nächstes legte ich meinen Arm über ihren Rücken und klopfte ihr ausgiebig mit der Hand auf die gegenüberliegende Flanke, als Desensibilisierung. Ajith und Oliver stellten unterdessen in der Halle Cavalettis auf, als Aufstieghilfen. Zu solch einem führte ich Fire nun, und stellte mich darauf. Ich beobachtete ihr Ohrenspiel und ihre Körpersprache ganz genau, während ich mich über ihren Rücken lehnte, immer noch auf ihre Flanke klopfend. Ich wollte sie auf keinen Fall überrumpeln, deshalb nahm ich mir viel Zeit und stellte immer sicher, dass sie sich auf mich konzentrierte. Als ich mein Bein über ihren Rücken legte, kamen ihre Ohren zurück und sie drehte ihr Hinterteil vom Cavaletti weg. Ich blieb ruhig und richtete sie neu aus, dann versuchte ich es erneut. Ich liess mich langsam auf ihren Rücken gleiten und lobte sie ausgiebig mit Kraulen, dann stellte ich mich wieder auf das Cavaletti. Ich hatte soeben das erste Mal richtig auf ihrem Rücken gesessen! Total happy wartete ich einen Moment, bevor ich es ein zweites Mal versuchte, wieder erfolgreich. Diesmal blieb ich etwas länger oben und bewegte meine Beine ein wenig. Ich wiederholte das Spiel, bis es für Fire nichts Besonderes mehr war und sie sich vollkommen entspannte. Dann sass ich einfach oben und beobachtete eine Weile die anderen Jockeys. Sarabi hatte demonstrativ das Hinterbein angewinkelt, wobei ich mir nicht sicher war, ob es eine entspannte, oder eine drohende Geste war. Sie hielt aber brav still, während Parker auf ihr herumturnte. Bei den anderen sah es ähnlich aus; Thalia und Mambo untersuchten die Beine ihrer Reiter neugierig. Es sah ein Bisschen so aus, als wollten sie zu verstehen versuchen, was da auf ihrem Rücken vor sich ging. Es war gut, wenn sie sich damit auseinandersetzten, denn das bedeutete, dass sie auch wirklich etwas dabei lernen konnten. Nur Dolly schien nicht so begeistert von der Idee. Sie hatte einen eingeklemmten Schweif und zuckte immer wieder zusammen, wenn Quinn sich unerwartet bewegte. Sie seufzte tief und senkte den Kopf, aber ich sah ihr an, dass sie sich unwohl fühlte. Manche brauchen eben ein bisschen länger, sagte ich mir. Plötzlich bewegte sich Fire unter mir, sodass ich aus meinen Gedanken gerissen wurde. Die Stute hatte offenbar eine interessante Stelle im Sand entdeckt, die sie nun untersuchen wollte. Sie begann zu scharren, und ich dachte mir nichts dabei – bis sie auf einmal vorne in die Knie gehen wollte. «Woa, stop that girl!» ich zupfte am Knotenhalfter, denn ich wollte auf keinen Fall, dass sie schon beim ersten Reitversuch lernte, sich mit dem Reiter hinzulegen. Sie hielt inne und bog auf mein Zupfen hin brav ihren Kopf nach hinten. Ich liess mich von ihrem Rücken gleiten; jetzt durfte sie von mir aus Wälzen. Tat sie auch: wenig später begann sie wieder zu scharren und legte sich genüsslich grunzend in den Sand. Selbst Oliver konnte sich bei dem Anblick ein Lachen nicht verkneifen. Dolly glotzte zu uns rüber und vergass offenbar einen Moment lang Quinn auf ihrem Rücken, nur um dann wieder zusammenzuzucken, als diese abstieg. Als ich zur Glasscheibe des Reiterstübchens hinüberschaute, bemerkte ich belustigt, dass Lily und Suri das Welshpony verräumt hatten, um uns zuzusehen. Ich Winkte ihnen zu und führte Counterfire noch ein Weilchen herum, bis alle fertig waren und wir die Pferde zurück in den Hauptstall bringen konnten. In den nächsten paar Tagen wollten wir das spielerische Aufsitzen wiederholen und bereits ein wenig im Schritt herumreiten, danach erst würden die anderen Gangarten folgen; vor allem aber viel Trabarbeit. Ich war zuversichtlich, dass alles gut gehen würde. Der Tierarzt hatte die Pferde vor kurzem untersucht und als kerngesund befunden, was mir zusätzliche Sicherheit gab. Jacky und Zira waren froh, dass sie mich wieder begleiten durften. Ich hatte sie nicht mit in die Halle gelassen, damit sie die Jungpferde nicht hatten ablenken können. Jonas kam mir mit dem Wegräumen zu Hilfe und fragte mich darüber aus, wie es gelaufen war. «Also gelaufen ist noch nix, aber gestanden, wie ein Musterschüler», scherzte ich. «Klingt toll. Ich hab übrigens vorhin den schwarzen Flohpelz wieder gesehen.» «Flohpelz? Moya?» «Jup. Ist durch die Sattelkammer geschlichen. Da hat’s wohl Mäuse.» Als er wieder davonlief, lief ich ‘zufällig’ an besagter Sattelkammer vorbei. Zuerst entdeckte ich keine Katze, aber dann sah ich einen buschigen Schwanz hinter einer der Putzboxen hervorschauen. Ich schlich mich an und griff zielsicher zu. Meine Hand erwischte tatsächlich Fell, und ich konnte das schwarze Tier triumphierend hochhalten. «Hab ich dich!» Ich hielt sie auf meinem Arm fest; alles Zappeln nützte nichts. Sie hatte plattgelegte Ohren und geweitete Augen, ausserdem schluckte sie entsetzt. Ich streichelte und knetete das rauchschwarze, lange Fell. Es war seidig und weich wie Kaninchenpelz, obwohl es noch nie gebürstet worden war. Andererseits sah man schon die ein- oder andere verfilzte Stelle. Solches Fell war eben eigentlich nicht für Streuner gedacht, sondern für verwöhnte Wohnungskatzen, sodass Moya es so alleine nicht gründlich genug pflegen konnte. Ich trug das Raubtier, das sich inzwischen erstaunlich ruhig hielt (sie hatte wohl aufgegeben) in Richtung Haus. Lisa führte gerade Aristo vom Viereck runter, als sie mich, selbst im Dunkeln, mit der Katze entdeckte. «Waaas?! Ist das Moya? Du hast es echt geschafft sie anzufassen?» Naja, über meine Methoden wollen wir jetzt mal lieber nicht sprechen, aber «Ja, so könnte man es nennen», antwortete ich halb gedacht, halb gesprochen. Mit ihrem typisch faszinierten Gesichtsausdruck kam sie näher und streichelte den Kopf der Katze, die prompt einen neuen Fluchtversuch unternahm - natürlich erfolglos. «Was machst du jetzt mit ihr? Wenn du sie loslässt, ist sie gleich wieder weg, und wird in Zukunft vermutlich noch viel vorsichtiger sein…» «Ich nehme sie ins Haus und sperre sie für’s erste im Badezimmer ein. Du wolltest sie ja schon lange einmal vom Tierarzt impfen und durchchecken lassen. Danach schaue ich weiter.» Lisa nickte begeistert. Die anderen Katzen liess sie, seit sie alt genug dazu waren, regelmässig entwurmen und was auch immer dazugehörte, aber Moya war seit sie selbstständig geworden war praktisch nicht mehr angefasst worden. Ich hatte, wenn ich sie so ansah, auch einen regen Verdacht auf Flöhe oder Haarlinge – aber zu sehr wollte ich darüber jetzt wirklich nicht nachdenken. Ich konnte Lisa, die die entsetzte Katze noch immer mit ihren Händen malträtierte, abschütteln und durch die Haustür schlüpfen. Erst, als wir im Badezimmer waren und ich die Tür fest verschlossen hatte, liess ich das Tier los. Sie stürzte sofort in die hinterste Ecke des Badezimmers, unter die Toilette, und kauerte sich fauchend hin. «Ja ja, du wirst mir schon noch dankbar sein», murmelte ich schulterzuckend und huschte raus, bevor sie entwischen konnte. Ich holte im Pflegerheim eine Schüssel Katzenfutter von Lisa, wobei ich gleich noch ein wenig mit Africa und Blue herumalberte. Die beiden Graupapageien hatten eine Tonne Spielzeug in ihrer Voliere, aber verpassten trotzdem keine Chance auf Beschäftigung und Zuwendung. Ich öffnete die Voliere und kraulte Blues Kopf mit dem Zeigefinger, wobei er genüsslich die Federn aufstellte. Africa versuchte mich eifersüchtig in die Hand zu zwicken, sodass ich das Katzenfutter absetzen und beide gleichzeitig streicheln musste. Africa wollte mir schon auf die Schulter klettern, als sie genug vom Streicheln hatte – aber ich wusste, dass sie dann nur wieder mit meinen Haaren spielen würde (was nicht besonders angenehm war), also zog ich mich zurück und kümmerte mich wieder um die inzwischen jämmerlich miauende Katze im Badezimmer. Ich fand eine alte Haarbürste, welche ich opfern konnte, und ein Anti-Flohmittel für den Nacken, das ich auch für die Hunde benutzte. Der Futterschale wurde während meiner Anwesenheit kaum Beachtung geschenkt. Ich sass eine Weile an die Wand gelehnt und versuchte, Moya anzulocken, aber sie machte keine Anstalten es sich auch nur zu überlegen. Also schnappte ich sie mir wieder, was mir vor allem dank der rutschigen Badewanne gelang, und hielt sie auf meinem Schoss fest, während ich ihr Fell zu kämmen begann. Am Anfang wehrte sie sich wieder mit allem was sie hatte, aber ich hatte vorsorglich Gartenhandschuhe montiert und den langen Pullover anbehalten, weshalb ich gut geschützt war. Nach einer Weile wurde sie ruhiger und ich konnte vorsichtig alle Knoten lösen. Sobald ich fertig war und sie losliess, huschte sie wieder unter ihren Toilettenplatz und funkelte mir böse entgegen. Ich liess sie in Ruhe, denn es war inzwischen acht Uhr und ich hatte noch ein paar Dinge im Stall zu erledigen.
    • Occulta
      Kleine und grosse Rennen
      Iskierka, Chiccory ox, Gleam of Light, Sunday Morning, A Winter’s Day, Snottles Peppermint

      Es war Freitag Abend auf Pineforest Stable. Uns stand eine kleine Reise bevor, denn wir waren mit fünf Pferden für ein Wochenendevent in Doncaster angemeldet. Naja, eigentlich mit sechs. Denn Lily und Peppy hatten am selben Event ihr erstes Qualifikationsrennen. Weil die Rennbahn diesmal etwas weiter weg und die einzelnen Rennen auf das Wochenende verteilt waren, mussten wir die Pferde vor Ort einstallen. Wir mussten bereits heute losfahren, denn das erste Rennen fand auf Grund der Sommerhitze bereits am frühen Morgen statt, und auch damit sich die Pferde über Nacht eingewöhnen konnten. Lily war schon den ganzen Tag total nervös und konnte kaum stillsitzen. Sie hatte mehrfach Peppys Ausrüstung überprüft und alles bereitgelegt, ausserdem war Peppy wohl so sauber geputzt und so gründlich massiert wie noch nie. Wir assen gemütlich das Abendessen, dann gingen wir in den Hauptstall, bzw. Lily zur Ministutenweide, um ihr Shetty abzuholen. Sie brachte das kurzbeinige Pony in den Hauptstall und band sie in einer der dafür vorgesehenen Nischen an, damit sie mir bei den Grosspferden helfen konnte. Ich hatte inzwischen Light mit einem mit Lammfell unterlegten Halfter aus seiner Box geholt und striegelte gerade sein kurzes Rappfell durch. Er genoss die Massage, war aber aussergewöhnlich aufmerksam und zappelig. Er schien ganz genau zu wissen, dass wir etwas vorhatten. Naja, es war ja auch ungewöhnlich, dass wir ihn Abends nochmal so gründlich durchputzten. Winter schien dagegen schon halb verschlafen, denn er stand mit waagrechtem Hals da und stüzte ein Hinterbein auf. Er hob den Kopf nur gelegentlich, wenn jemand durchlief, oder er Zira und Jacky beobachtete, die gelangweilt herumschnüffelten. Sheela war in der Sattelkammer bei Jonas, der zusammen mit Ajith die Ausrüstung vorbereitete und in den Transportern verstaute. Wir fuhren mit dem grossen Lastwagen und einem Selbstfahrer. Ich fühlte während dem Bürsten die Beine der Vollblüter ab, um sicherzugehen, dass sie sich auf der Weide trotz Gamaschen nicht noch eine Verletzung geholt hatten. Besonders Chiccory traute ich alles zu; der Hengst war irgendwie anfällig für kleine Schrammen und kahle Stellen. Aber wir hatten Glück, alle Pferde schienen zumindest äusserlich kerngesund zu sein. Als ich vor dem Verladen noch etwas Zeit hatte, massierte ich Sundays Rücken, um ihn so gut es ging zu lockern. Der Braune zeigte mir an, wenn ich eine gute Stelle erwischte und schien nirgends empfindlich zu sein. Ein gutes Zeichen also. "Occu wir sind auch fertig", meldete Lily um die Ecke, stellvertretend für Quinn und die anderen. Ich nickte und schlug vor, langsam mit dem Verladen zu beginnen. Ahjith übernahm gleich Sunday, während ich zu Winter ging. Ich schmiss ihm eine dünne Fleecedecke über den Rücken und legte ihm die gut gepolsterten Transportgamaschen an, damit seinen wertvollen Beinen nichts passieren konnte. Ich löste die Anbindestricke und führte den schneeweissen Vollblüter durch das Tor raus unter den langsam dunkler werden Himmel. Es wurde schon langsam kühler. Ajith lief vor uns mit Sunday die Rampe hoch. Ich wartete kurz, bis das braune Rennpferd nach kurzem beschnuppern der Rampe gefügig hinauf stakste, dann führte ich Winter näher. Ajith schloss rasch die schräge Trennwand, dann spazierten Winter und ich ebenfalls die Rampe hoch ins Innere des Camions. Die Gruppen der erfahrenen Rennpferde kannten den Ablauf eben in und auswendig, und weil wir versuchten, an Renntagen eine gewisse Routine einzuhalten, regten sie sich auch nicht übermässig auf. Ich band Winter locker an und schob die nächste Trennwand zu, damit Light und Chiccory reinkommen konnten. Iskierka und Peppy fuhren zusammen im Selbstfahrer mit. Und weil ich meine Schimmelstute und ihre Macken sehr gut kannte, hatten wir extra etwas mehr Zeit eingeplant - die wir nun auch wiedermal brauchten. Denn wie fast immer, brauchte Iskierka einfach ein paar Minuten länger, um sich für's Einsteigen zu entscheiden. Sie war nunmal sensibel (oder einfach durchgeknallt, wie Jonas zu sagen pflegte), aber ich respektierte das und gab ihr die Möglichkeit, sich alles in Ruhe anzusehen. Dafür lief sie in den Rennen jeweils tadellos (wenn man sie denn einmal in die Startmaschine bugsiert hatte). Oliver hatte schon oft bemerkt, dass sie bei anderen Trainern und Besitzern wohl längst den Kopf ab hätte, und ich aussergewöhnlich geduldig mit ihr war. Aber wenn Kierka ihre Rivalen wie neulich mit Leichtigkeit um Längen besiegte, war er stumm, oder vollen Lobes für die Stute. Sie ist eben ein Drache: wild, eigenwillig, manchmal feuerspuckend und vor allem stolz. Als sie schliesslich neben Peppy im Transporter stand, konnten wir endlich die Klappen schliessen und losfahren. Ich fuhr den Selbstfahrer, Quinn sass auf dem Beifahrersitz und Lily in der Mitte. Jonas blieb auf Pineforest - jemand musste schliesslich nach dem Rechten sehen, während ich weg war. Wir plauderten viel während der Fahrt, um Quinns und vor allem Lilys Nervosität abzuschwächen. Quinn hatte ja jahrelange Erfahrung als Jockey, aber für Lily war es das erste, ernste Rennen.
      Der Transportlastwagen bog vor uns in die Einfahrt des Renngeländes, wir folgten. Nun lief alles zügig und professionell ab. Wie parkierten auf den ausgewiesenen Plätzen, luden die Pferde aus und brachten sie in die Boxen des Rennstalls. Die Boxen waren nicht sehr gross und der Boden nur dürftig mit Spänen eingestreut, aber wenigstens war alles schön sauber, aufgeräumt und gut beleuchtet. Ajith und ich brachten den Athleten etwas Heu, damit sie sich sofort wohlfühlten. Iskierka war noch etwas zu aufgewühlt, um wie die Jungs genüsslich am Heu zu knabbern. Ich blieb noch einen Moment länger bei ihr und streichelte sie, als sie neugierig in die Stallgasse schaute. Die anderen verstauten die Ausrüstung für morgen griffbereit und schlossen die Fahrzeuge ab. Danach fuhren wir alle ins nahegelegene Hotel. Lily machte vermutlich die ganze Nacht kein Auge zu, aber ich schlief relativ rasch ein und träumte so ziemlich von allem, was irgendwie schiefgehen konnte.

      Am nächsten Morgen holten wir Light und Chiccory aus den Boxen, stellten beide in die Vorbereitungsabteile, bürsteten sie nochmal durch, zäumten und sattelten sie und brachten sie zum Warmlaufen in den Führring. Quinn und Parker beschäftigten sich unterdessen mit der Gewichts- und Ausrüstungskontrolle. Als wir überall grünes Licht bekamen, war es Zeit zum Aufsitzen. Ajith half Quinn auf Lights Rücken, ich ünernahm Parker. Es war mir bewusst, dass Besitzer selten so viel mithalfen, aber ich wollte immerzu bei den Pferden sein und selbst Hand anlegen, um sicherzustellen, dass alles nach Plan lief. Wir führten die beiden Pferde noch einen Moment mitsamt den Jockeys, sodass die Zuschauer sich ein Bild der Pferde machen und entsprechend ihre Wetten abgeben konnten. Danach hiess es, dass man zich zum Start begeben solle. Wir durchquerten einen Tunnel unter der Tribüne durch und führten die Pferde bis zum Eingang der Bahn, dann mussten die Jockeys alleine klarkommen. In England war es nicht üblich, Begleitponys einzusetzen - das machten wir eigentlich nur Zuhause auf Pineforest. Ich nahm Platz auf der Tribüne und beobachtete, wie die Jockeys einen raschen Aufwärmgalopp machten und danach zur Startmaschine trabten. Es lief heute alles rasch und ruhig ab, alle Pferde schienen gut vorbereitet zu sein und gingen eigentlich sofort in die Maschine. Sobald der letzte drin war, startete das Rennen, sodass die Pferde nur einen Moment lang in der Maschine stillstehen mussten. Light und Chiccory waren wie geplant von Anfang an im Mittelfeld. Es war wichtig, dass sie sich eine gute Position mit Möglichkeiten nach vorne freihielten, obwohl sie jetzt noch Energie für den Schluss sparten. Gute Vorbereitung war für die finalen Sekunden des Rennens essentiell, denn die Zielgerade kam rasch näher, und war umso schneller vorbei. Lasst euch nicht einklemmen, fieberte ich mit. Das Rennen war so schnell vorüber, wie es begonnen hatte. Light war für einen Moment zuvorderst gewesen, doch kurz vor dem Ziel trotzdem noch von einem Dunkelbraunen überholt worden. Natürlich war ich stolz auf den zweiten Platz, den er sich ergattert hatte - aber eine gewisse Enttäuschung konnte ich schwer verbergen. Chiccory war erst an fünfter Stelle eingetrudelt, nachdem er schon in der Kurve ein Überholmanöver gestartet und sich so zu früh verausgabt hatte. Ich lief zügig zurück, um die beiden und ihre Jockeys zu empfangen. Parker war total zerknirscht über ihren Misserfolg und redete nicht viel. Quinn ging es ähnlich wie mir; sie kopfte dem schnaufenden Light stolz auf den Hals, die Begeisterung hielt sich aber in Grenzen. Wir duschten die Pferde ab, sobald ihr Puls sich etwas gesenkt hatte. Dann belohnten wir sie mit Äpfeln und brachten sie auf die kleinen, abgezäunten Paddocks, damit sie zu. Trocknen ein wenig grasen konnten, während Ajith sie bewachte. Den ganzen Morgen schauten wir Rennen und Lily durfte mit Ajith zusammen ins Wettbüro, um 10 Pfund auf einen hübschen, dunkelbraunen Hengst zu wetten. Zu aller Überraschung gewann der dann auch tatsächlich das Rennen, sodass Lily am Ende 60 Pfund zurückbekam. "She seems to have a good eye...", murmelte ich zu Quinn, noch immer etwas verdutzt über das unerhörte Glück meiner Nichte. Am Nachmittag sahen wir uns zusammen die Stadt an und später im Rennstall die vielen fremden Vollblutpferde, die am morgigen Rennen mitlaufen würden. Es hatte einige ganz hübsche dabei, aber keines hatte so eine spezielle Farbewie Winter oder Chiccory. Ausserdem sah bei vielen die Kruppe oben etwas eingefallen aus, und ich fragte mich, ob das eher am Trainings- oder am Fütterungszustand der Tiere lag. Meine Rennpferde waren wohl eher auf der schwereren Seite (mal abgesehen von der kleinen Chime), dafür hatten sie viel Kraft und sahen rund um gesund aus. Die Hinterteile schön muskelbepackt und definiert, der Lendenbereich ausgefüllt und der Bauch zwar schmal, aber nicht zu sehr geschürzt. Für mich machte es mehr Sinn, die Pferde ausreichend und vor allem mit hochwertigem Futter zu versorgen, damit sie optimal Muskeln aufbauen konnten, anstatt sie magern zu lassen, damit sie weniger Gewicht hatten. Muskelkraft konnte das Zusatzgewicht gut wettmachen, und die Gesundheit der Pferde war sowieso immer oberste Priorität.
      Oliver und ich holten am Abend beim Eindunkeln Winter, Sunday und Iskierka raus. Ihr Rennen war am nächsten Morgen, also wollten wir uns nochmal die Zeit für ein letztes Training nehmen. Das war auch eine gute Gelegenheit, die Pferde schonmal an das Geläuf und die Umgebung zu gewöhnen. Wir trainierten ohne Startmaschine und im Kopf-an-Kopf-Stil, um die Vierbeiner für morgen anzufeuern. Das Training lief hervorragend, Sunday stellte sogar eine neue persönliche Bestzeit auf. Meine Pferde mochten das Gras als Boden, weil wir zuhause ja auch nur die Grasbahn hatten. Gras war ohnehin schonender für die Beine als Sand oder Kunstboden. Ich nahm meine Lieblinge und ihre Jockeys in Empfang, als sie im Licht der Scheinwerfer über die Bahn in Richtung Eingang zurückgetrabt kamen. Wir führten die drei im Schritt trocken und wuschen die Sattellage mit dem Schwamm (sie hatten nicht wahnsinnig viel geschwitzt, weil die Luft inzwischen schon ziemlich abgekühlt war). Danach verbrachten wir eine weitere Nacht im Hotel, wobei sogar Lily gut einschlafen konnte, weil sie den ganzen Tag auf den Beinen gewesen war.

      Quinn half uns am nächsten Morgen, die beiden weissen Vollblüter Iskierka und Winter vorzubereiten, aber Parker hatte sich irgendwo auf die Tribüne zurückgezogen, um das Rennen der Zweijährigen zu beobachten. Ich wischte mit der Staubbürste über Winters kurzes, seidiges Sommerfell. Er war so weiss wie schon lange nicht mehr (in der kalten, nassen Jahreszeit hatte er sich dauernd gründlich eingesaut und daher immer einen gewissen Staubanteil im Fell gehabt, aber nun wurde er wieder nach jedem Training Abgeduscht, weil es wärmer war und die Rennpferde mehr schwitzten). Seine rosa Haut, die am Kopf und zwischen den Beinen durchschimmerte, war manchmal etwas gefärdet für Sonnenbrand. Daher cremte ich sie sogar ein, wenn die Sonne stark schien und er nachmittags raus durfte. Heute Morgen verzichtete ich aber darauf, denn die Sonne war noch nicht hoch am Himmel und es war leicht bewölkt. Ausserdem stand er ja nicht wie au der Weide stundenlang direkt im Einfluss der Strahlung. Ich kraulte Winter zwischen den Ohren, wodurch er sich ein wenig entspannte. Er war zwar nicht wahnsinnig hibbelig, aber eine gewisse Anspannung vor den Rennen war einfach unvermeidlich - und sogar erwünscht, denn die Rennbereitschaft trug massgeblich zu den Erfolgschancen bei. Ein träges, schläfriges Pferd hatte hier genausowenig verloren wie ein übersensibles, nicht händelbares, das im Voraus Energie verpuffte. Iskierka war an letzterem wiedermal nahe dran. Im Führring tänzelte sie dauernd, versuchte zu steigen und konnte keine Sekunde still halten. Seufzend liess ich sie um mich kreisen und ignorierte das Gehampel. Es hatte gar keinen Sinn, sie beruhigen zu wollen, wusste ich aus Erfahrung. Iskierka hatte genug Energie, um ihre Attitüde zu kompensieren und trotzdem noch das Rennen zu laufen. Ausserdem schien sie die Bewegung zu brauchen, um ihre Nerven unter Kontrolle zu halten. Iskierka hatte mir in all der bisherigen gemeinsamen Zeit etwas wichtiges beigebracht; nämlich auch mal einen Kompromiss einzugehen und nicht immer nach Perfektion zu streben. Vielleicht würde der 'weisse Drache' nie vollständig gezähmt werden. Also war es meine Aufgabe, einen gemeinsamen Weg zu finden, der trotzdem alle Beteiligten zufriedenstellen konnte. Wenn ich ehrlich war, konnte und wollte ich mir Iskierka auch nicht treu-doof oder brav wie ein Lamm vorstellen. Es lag einfach nicht in ihrer sensiblen und zugleich selbstbewussten Natur. Ihr starker Charakter machte ihre Eleganz und Schönheit aus, die mich immer wieder verzauberten. Ich wollte diesen Drachen mit all seinen Eigenheiten als Partner haben, und nicht dem Lehrbuch entsprechend zurechtbiegen. Was aber selbstverständlich trotz aller Toleranz einen gewissen Grundgehorsam für den sicheren Umgang voraussetzte. Den hatte Iskierka auf Pineforest gelernt und akzeptiert. Zum Beispiel wusste die Schimmelstute ganz genau, dass sie niemanden umrennen durfte. Sie wich auf Druck aus, schlug nicht (sofern nicht provoziert) und liess eigentlich total fein mit sich kommunizieren, nur hing letzteres stark von ihrer Tagesform ab und man konnte manchmal bloss mit klaren Argumenten überzeugen; aber immerhin konnte man sie überhaupt überzeugen. Ich meinte mit 'klaren Argumenten' nicht Kraft, sondern verständliche Anweisungen und Geduld - und ein Hinwegsehen über den gelegentlichen Verlust ihrer Selbstkontrolle. Denn genau das war das Problem, in meinen Augen. Mir kam es vor, als sei Iskierka durchaus bemüht, alles richtig zu machen, aber könne sich manchmal einfach nicht genug beherrschen - besonders, wenn ihr langweilig war oder es nicht schnell genug voran ging. Wenn sie eine Aufgabe hatte, war die Sache mit dem Beherrschen kein Thema mehr. Sobald die Stute mit April auf ihrem Rücken in der Startmaschine stand, war sie konzentriert und mit jedem Muskel ihres Körpers bereit zum Lossprinten. Kein Wunder also, dass der Start perfekt ablief. Auch Winter kam gut weg, und meine Freude wuchs, als die beiden dicht beieinander im vorderen Feld rhythmisch mitgaloppierten. Sie hatten einen beinahe freien Weg nach vorne (nur zwei andere Pferde liefen mit), erhöhten aber das Grundtempo nicht zu stark bis zum finalen Sprint. Alles lief optimal - bis plötzlich die Fuchsstute, die vorne mitgaloppiert war, vor Iskierka rüberschwankte und sie im entscheidenden Moment zu blockieren drohte. Die Schimmelstute warf wütend den Kopf hoch und fiel kurz aus dem Takt. Die anderen Jockeys begannen, ihre Pferde nach vorne zu schicken, aber Kierka hatte deutlich Schwung verloren und musste ihre Sprünge zuerst wieder verlängern. Es sah so aus, als hätte der andere Jockey absichtlich versucht, Iskierka zu blockieren, um genau das zu bewirken. Als die beiden endlich wieder frei an der Aussenbahn waren, kniff ich bereits missmutig die Lippen zusammen; die Wahrscheinlichkeit dass sie so noch aufholen konnte, noch dazu auf der Aussenbahn, war gering. Winter war gut unterwegs, aber ich befürchtete, dass auch er seine Position nicht lange halten können würde, denn zwei Braune holten bereits von hinten auf arbeiteten sich immer weiter vor. Die Konkurrenz war heute stärker, als ich das eingeschätzt hatte. Plötzlich bemerkte ich, dass Iskierka den Abstand zu der Fuchsstute deutlich verringert hatte. Kierka sprang mit jeder Bewegung näher an die Stute heran und zog schliesslich an ihr vorbei. Ihr kraftvoller Galopp sah beinahe aus, als käme sie gerade erst aus der Startmaschine, und sie streckte sich voll aus, wodurch sie mehr Boden gewann als die anderen. Ich wusste ja, dass die Stute im Galopp einen weiten Raumgriff hatte, aber ihre Sprünge waren, wie jetzt im Vergleich gut zu sehen war, deutlich länger als die der anderen Pferde. Sie hatte die Ohren nach hinten geklappt und streckte ihren Kopf nach vorne. Nach wenigen Augenblicken hatte sie nicht nur die Fuchsstute hinter sich gelassen, sondern auch das restliche Feld. Keiner hatte mehr eine Chance, sie bis zum Ziel einzuholen. Und so flog sie einsam über die Endlinie. Winter folgte an vierter Stelle. Ich hätte wohl Freudenhopser ohne Ende machen können, riss mich aber zusammen und lief bloss mit einem breiten Grinsen auf die Stute und ihren Jockey zu, die gerade ausgaloppierten und dann im Trab die Bahn verliessen. April sprang runter und umarmte erst mich überglücklich, dann wieder Kierka. Die Schimmelstute schnaufte noch stark und war nass geschwitzt. Sie rieb ihren Kopf an meiner Schulter, um den Schweiss am Kopf loszuwerden. Schon kamen die ersten Journalisten auf uns zu und schossen ein paar Bilder. Wir führten Kierka gemeinsam zum Siegerring, nachdem ich auch rasch nach Winter gesehen hatte. Dort bekam sie einen Kranz und es wurden weitere Bilder geknipst. Es war längst nicht das erste mal, dass ich hier stand und einem meiner Athleten beschwichtigend den Hals tätschelte - Iskierka hatte bereits die letzten paar ihrer Rennen gewonnen und auch meine anderen Pferde sammelten fleissig Erfolge. Aber es kam dennoch nicht alle Tage vor und fühlte sich jedes mal wieder speziell an. Ausserdem war dies ein bedeutenderes Rennen gewesen als die letzten und durch diesen weiteren Sieg, angereiht an die vorherigen, würde Kierka ihre Bekanntheit in der Rennszene bedeutend verbessern.
      Nachdem der ganze Trubel vorbei war, duschten wir die Schimmelstute gründlich ab. Ihr Puls war noch nicht zur Ruhe gekommen - es schien einfach zu warm zu sein und sie wirkte etwas schlapp. Ich führte sie daher noch länger als sonst auf dem Gelände herum und beobachtete sie genau, weil ich Angst hatte, dass sie kollabieren könnte. Dadurch verpasste ich dann auch Sundays Rennen. Die anderen hatten mir zwar angeboten, dass sie Iskierka führen könnten, aber ich wollte es selbst tun. Ich wurde doppelt belohnt: Sunday wurde zweiter, und Iskierka verhielt sich nach einer Weile wieder völlig normal; begann sogar zu grasen. Als ich sie zurück zum Anhänger brachte, bereitete sich gerade Lily vor. Die Shettys liefen im letzten Rennen des Tages, sozusagen als kleines Highlight. "Alles klar bei dir?", fragte ich möglichst lässig. Meine Nichte nickte nur und legte den Sattel auf Peppys Rücken. Ich half ihr beim Gurten und reichte ihr anschliessend Peppys Zaumzeug. Die Stute schien mehr als fit zu sein, denn sie zappelte herum und wollte den Kopf kaum stillhalten, als Lily die Schnallen zu schliessen versuchte. Lily liess sie beim Führen um sich herumkreisen, wenn sie zu stark wurde. So liefen wir zusammen zum Führring und ich setzte Lily so rasch wie möglich auf Peppys Rücken. Auch die anderen Shettyreiter sassen auf und ritten die Ponys warm, jeweils begleitet von einer Führperson. Es hatte wirklich athletische Exemplare dabei; da konnte Peppy noch nicht wirklich mithalten. Ich hoffte, dass die beiden trotzdem möglichst weit vorne durchs Ziel laufen konnten. Die ersten Ponys machten sich auf den Weg zur Bahn, die innerhalb der grossen Rennbahn lag; wir folgten. Von hier an musste Lily selber klarkommen, ich durfte nicht mit auf den Rasen. Sie wärmte Peppy mit einem flotten, aber lockeren Galopp auf, wie sie es gelernt hatte. Die Shettystute war schon dabei ziemlich stark und versuchte dauernd, Lily die Zügel zu klauen. Aber die junge Reiterin setzte sich durch und diktierte Peppy ihr Tempo durch. Schliesslich fielen die beiden in den Trab und sammelten sich mit den anderen Shettys zusammen vor der Tribüne. Die Shetland Ponys stellten sich schön ordentlich in einer Linie auf und warteten auf den Start. Auf das Handzeichen des Starthelfers setzten sie sich langsam im trab in Bewegung, immernoch alle auf möglichst gleicher Höhe; dann erklang die Startglocke und die Ponys schossen los. Lily und Peppy waren von Anfang an vorne mit dabei und versuchten, nicht zwischen die anderen Ponys zurückzufallen. Das war eine gute Strategie, angesichts des Tohuwabohus, das oft herrschte, wenn alle Ponys dicht beieinander galoppierten. Die Gruppe hüpfte problemlos über den ersten Zaun. Ich fieberte total mit und jubelte bei jedem Erfolgreichen Hüpfer, genauso wie die anderen Zuschauer, die die Ponys mit ihren flauschigen Mähnen und den kurzen Beinchen anspornten. Kurz vor dem Ziel war Lily immernoch an zweiter Stelle. Peppy schaffte es auch bis zum Schluss nicht, das Braune Pony vor ihr einzuholen, aber das machte nichts. Lily war glücklich über den zweiten Platz in ihrem ersten richtigen Rennen und fiel beinahe vom Sattel, als sie Peppy mit strahlendem Gesicht am Hals kraulte, während sie im Trab die Bahn verliess. Ich fragte neckisch: "Beim letzten Mal hast du dich nicht so über den zweiten Platz gefreut" "Ach, das war Training. Das kann man nicht Vergleichen." Ich hob skeptisch die Augenbrauen. Später wurde mir klar, warum sich meine Nichte so freute. Im selben Rennen war auch eines der Mädchen aus ihrer Schule mitgeritten, und erst au dem fünften Platz eingetrudelt. Ich fragte mich, was in der Schule zwischen den Mädchen wohl so passierte, aber solange meine Lily nichts sagte, konnte ich nur raten, dass ein kleiner Konkurrenzkampf stattfand. Das andere Mädchen war entsprechend missmutig gelaunt, wie ich mit ein paar Blicken über den Parkplatz erhaschte.
      Lily bekam eine violette Schleife, auf der in silbernem Schriftzug der 2. Platz stand. Fünf weitere solcher Schleifen musste sie bis im Herbst sammeln, dann konnte sie am Shetland Pony Grand National teilnehmen. Für heute packten wir unsere Sachen zusammen, luden alle Pferde ein und fuhren endlich nach Hause.
    • Occulta
      Donnerwetter
      Empire State of Mind, Mikke, Khiara El Assuad, Indiana, Painting Shadows, Chiccory ox, Sunday Morning, Vai Alida, Sympathy of the Devil, Coulee, Rosenprinz, Iskierka, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, Shades of Gray, A Winter’s Day, Campina, Cassiopeia, Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, PFS’ Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, Drømmer om Død, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Ronja Räubertochter, Silverangel, Satine, Parányi, River’s Lychee, Nera, PFS’ Ljúfa, PFS’ Dancin’ to Jazz, Anubis, Numair, Tayr al-Diyari, Areion

      Es war wiedermal Morgen, sechs Uhr, ein gewöhnlicher Arbeitstag stand bevor. Ich streckte mir die Müdigkeit aus den Gliedmassen, begab mich in die Küche und stellte das Frühstück bereit. Jonas lag noch unter der Decke, und um ihn auf die Beine zu bekommen, musste ich ihn auskitzeln gehen. Selbst dann dauerte es noch einige Minuten, bis er genug Energie fand. Lily schlief munter weiter, sie musste ja wie immer erst um acht Uhr in die Schule. Moya schlich mir hungrig unter dem Küchentisch um die Beine. Ich bereitete deshalb rasch das Futter der rauchig schwarzen Langhaarkatze vor und stellte ihr den Napf hin. Sie nahm es dankbar an. Ich fütterte auch die drei Hunde, die schon mit glänzenden Augen eifersüchtig warteten. Danach ass ich selbst zuende und zog mir meine Reitsachen an. Draussen hörte ich die Pfleger, die gerade plaudernd zum Hauptstall liefen. Ich cremte mich noch rasch gegen die UV-Strahlung ein, dann verliess ich das Haus zusammen mit Jonas, Zira, Sheela, Jacky und Moya, die hinterherhuschte, bevor ich die Tür schloss. Zira blieb bei mir, Sheela folgte Jonas zum Nordstall und Jacky streunerte davon, um Mäuse zu jagen. So war es bei uns fast jeden Morgen – eine Abfolge von Ritualen. Im Hauptstall traf ich auf die Jockeys und Oliver. Sie besprachen gerade den heutigen Trainingsablauf. Ich hörte mit, obwohl ich schon wusste, was der Trainer vorhatte, weil er es immer zuerst am Vortag mit mir absprach. Ich ritt heute im Training auch wieder mit, und zwar in fast allen Gruppen. Als erste war die erfahrene Gruppe mit Chiccory, Sympathy, Coulee, Iskierka, Light, Caspian und Sunday dran. Ich öffnete Lights Box, streichelte den Rappen zur Begrüssung liebevoll und streifte ihm sein Lederhalfter, mit dem goldenen Namensplättchen auf der Seite, über die Ohren. Er folgte mir eifrig aus der Box und scharrte beim Putzen immer mal wieder ungeduldig. „Ja ja, ich weiss, dass es dir nicht schnell genug gehen kann. Aber benimm dich bitte etwas besser“, tadelte ich. Er sah mich nur mit einer Art unschuldigem Hundeblick an. Ich wischte die letzten Staubkörner von seinem Hinterteil, dann kratzte ich die Hufe aus und bandagierte seine Beine. Anschliessend konnte ich bereits satteln. Caspian hatte wieder nichts als Blödsinn im Kopf und zerzauste mir im Vorbeigehen mit seiner Schnauze die Haare. Ich band sie mir zugleich lachend und fluchend neu zusammen, während ich zur Sattelkammer lief. Gesattelt hatte ich schnell, obwohl es jedesmal eine Kunst war, die Pads und Satteldecken faltenfrei und in der richtigen Reihenfolge auf den Rücken zu packen. Aber nach all der Zeit konnte ich die individuelle Zusammenstellung für jedes einzelne Pferd im Schlaf. Ich zäumte Light und führte ihn raus, wo mir Ajith beim Aufsteigen half. Dann liefen wir auch gleich los in Richtung Rennbahn – hier lief einfach alles wie in einem Uhrwerk. Die Pferde gingen brav im Gänsemarsch und benahmen sich auch beim Aufwärmen im Trab und langsamen Galopp. Dann durften sie endlich aufdrehen. Wir machten ein anspruchsvolles Intervalltraining, denn bald war wieder ein wichtiges Rennen für Kierka, Chiccory, Light und Sunday. Coulee verbesserte ihre Zeit auch heute um ein paar Millisekunden. Sogar Iskierka benahm sich ausnahmsweise ganz gut und zickte kein einziges Mal rum. Sunday war nicht ganz auf der Höhe: er war etwas langsamer als am Vortag. Aber das machte nichts, denn die Zeiten hingen von so vielen Faktoren ab – war zum Beispiel gut möglich, dass ihm das etwas feuchtere Gras nicht passte. Ich war auch mit Sympathys Leistung zufrieden, konnte und wollte mich aber nicht so recht auf sie konzentrieren, denn die Stute hatte ich vor kurzem an eine gute Kollegin mit Spitznamen Fuchsel verkauft, zusammen mit ihrem Vater Cantastor. Der kommende Abschied machte mir zwar zu schaffen, aber ich wusste, dass es die beiden gut haben würden, denn Cantastor hatte ich damals von Fuchsel übernommen. Nun hatte sie einen neuen Hof und viel Platz, deshalb begrüsste sie es sehr, als ich sie wegen der beiden angesprochen hatte. Ich brauchte nunmal einfach wieder etwas mehr Luft im Hauptstall, besonders wenn ich in Zukunft noch ein paar Fohlen ausbilden wollte.
      Nach dem Training brachten wir die Pferde in den Freilauftrainer zum auskühlen. Wir beeilten uns mit dem Vorbereiten der nächsten Gruppe genauso, denn es wurde immer wärmer, je länger die Sonne am Himmel stand. Campina, Gray, Winter, Cassiopeia, Spot und Painting Shadows waren diesmal dran. Ich ritt Gray, und die lief grossartig. Sie setzte sich in einem Kopf-an-Kopf Rennen mit Paint klar durch. Aber am beeindruckendsten fand ich diesmal Campina, die ihre Beine so weit auszog, dass es beinahe unnatürlich aussah. Dadurch konnte sie mit jedem Galoppsprung mehr Boden als die anderen gewinnen. Da zeigte sich wiedermal ihr hervorragendes Blut. Ich war schon gespannt, was aus ihrer genetischen Tochter Call it Karma werden würde – von der Kombination aus Cataract und Black Bloom erhoffte ich mir grosses Potential. Winter war nicht herausragend, aber er lief in gewohnter Zuverlässigkeit die 1500 Meter und war gar nicht so sehr verschwitzt danach, wie Spot, der auch eine gute Ausdauer zu haben schien. Cassiopeia war diesen Frühling zu einem richtigen Kraftpaket mutiert. Ihre Schulter war beängstigend stark, aber sie musste im gegensatz zu Spot an ihrer Ausdauer noch arbeiten. Sie war mit Abstand am verschwitztesten von den sechs Pferden.
      Auch für die dritte Gruppe mit Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Captured in Time und Kaythara El Assuad reichte es noch, doch danach wurde es bereits zu warm. Wir verschoben daher die letzten zwei Gruppen auf den späten Abend. Ich konnte mich also nach dem Training mit Frame voll und ganz den anderen Pferden auf Pineforest widmen. Zum einen machte ich eine halbe Stunde Reining auf dem Sandplatz mit Dod, wobei ich weiter an unseren Stops und Rollbacks arbeitete. Der Hengst war einfach ein purer Genuss zum Reiten, so feinfühlig und reaktionsfreudig. Wir feilten wirklich nur noch an kleinen Details, denn er war top ausgebildet und lief auf den schwersten Turnieren mit. Als nächstes kümmerte ich mich um Satine und machte einen eineinhalbstündigen Ausritt durch die Pinienwälder mit ihr. Der Schatten der Bäume war dabei eine wohltat, angesichts der immer stärker werdenden Sonnenstrahlen. Es ging gegen Mittag zu und ich wollte vor dem Essen noch rasch Jazz an der Doppellonge arbeiten. Die Stute sprach gut auf diese Art von Training an und war motiviert bei der Sache, völlig anders als noch am Anfang. Sie trabte ohne zu Zögern über die Stangen am Boden und folgte brav den Stimmkommandos für die Übergänge. Oft war sie schon im Galopp, bevor ich das Wort zuende Sprechen konnte.

      Nach dem Mittag ging es für mich weiter mit Bacardi Limited. Der Baccardi Sohn glänzte in der Nachmittagssonne so richtig kitschig. Sein dunkles Fuchsfell schillerte in vielen Orangetönen, und das obwohl ich ihn diesmal nicht ganz so gründlich geputzt hatte. Jonas und Darren begleiteten mich zusammen mit Sniper und Silver auf einen weiteren Ausritt. Wir ritten in Richtung Wilkinson Farm und nutzten den breiten Grasstreifen des Feldwegs nach der Brücke für einen flotten Trab. Bacardi hatte federnd weiche Gänge, sogar noch mehr als sein Vater, weshalb ich wohl den ganzen Ausritt ohne Probleme im Trab hätte machen können. Aber spätestens im Wald kurz nach Rosie’s Gestüt bremsten wir ab, weil uns wiedermal Dirt-Bike-Fahrer entgegenkamen. Zum Glück waren sie anständig und fuhren im Schritttempo an uns vorbei, so dass es keinen Ärger gab. Wenig später begegneten wir auch noch Rosie und Lucas, die mit Numair und Anubis unterwegs waren. Wir plauderten kurz und ich erfuhr, dass Diyari vor noch nicht all zu langer Zeit eine Haltershow gewonnen hatte. Ich gratulierte Rosie herzlich. Der Fuchshengst war wirklich ein Hingucker, und ich hoffte, dass ihre Zuchtpläne mit ihm aufgehen würden.
      Wieder zuhause versorgten wir die Ponys und ich machte bei Ronja weiter. Mit der Achal Tekkiner Stute arbeitete ich ein paar Dressurlektionen durch; nichts besonderes, nur Gymnastizierung. Sie lief am Ende schön vorwärts-abwärts und liess den Rücken schwingen, worüber ich sehr froh war. Vor einer Weile war sie nämlich wieder auf einem Distanzritt mit Lisa gewesen und hatte danach wohl etwas Muskelkater gehabt. Jedenfalls war sie ein paar Tage steif gegangen, aber jetzt schien alles wieder gut zu sein. Lily kam irgendwann nach vier Uhr aus der Schule zurück und begab sich wie immer sogleich zu ihrem Areion. Ich sah nicht, was die beiden heute trieben, weil ich mit Ljúfa auf der Ovalbahn war, aber sie hatte etwas von „Roundpen – Longieren“ gemurmelt. Ljúfa hatte durch unser ausgiebiges Training schon viel mehr Muskeln bekommen und nun kein Problem mehr, Reitergewicht zu tragen; sofern es sich nicht gleich um einen 80-Kilo-Mann handelte. Im Moment ritten eh nur Lisa und ich auf ihr, und wir waren beide halbe Protionen, wie Lewis immer so schön bemerkte. Ljúfa ging heute aber trotz ihrer neu gewonnenen Muskelkraft nicht so fleissig voran. Ich verstand die Stute; mit ihrem pechschwarzen Fell unter der brütenden Nachmittagssonne zu arbeiten, konnte nicht gerade sonderlich motivierend sein. Auch ich hatte keine Lust, noch mehr zu schwitzen. Also verkürzte ich die Töltarbeit und duschte sie nach dem reiten gründlich ab. Ich konnte förmlich zusehen, wie sie wieder trocknete, als ich sie zurück auf die Stutenweide brachte. Auf dem Rückweg zum Hauptstall, wo ich als nächstes Caprice bewegen wollte, bemerkte ich eine dunkelhaarige Frau mittleren Alters. „Ahh, Angelina Moore! …I suppose.“ “Yes, and you must be Occulta Smith?” “Occu is fine. Welcome on Pineforest Stable! I’m embarrassed to say I almost forgot that you planned to come today.” “Oh, don’t be. We were already welcomed by your daughter and husband.” “…Haha, he’s not my husband and Lily not my daughter, either. But close enough. We have kind of a patchwork family.” “Oh, sounds exciting. I have two kids, a daughter and a son. And a typical husband – always working or out with his buddies, so there’s lots of time left for horse riding.” “So, let’s see your black pearl!” “’Course. She’s waiting in the trailer.” Wir schlenderten plaudernd zum Parkplatz. Angy war eine neue Pensionärin. Ihre rappfarbene Murgesenstute namens Nera drehte neugierig den Kopf, als sie unsere Stimmen hörte. Wir öffneten die Klappe des Anhängers und Angy lud sie aus. Ein echtes Prachtexemplar, das mich etwas an die Ritterpferde aus diversen Filmen erinnerte. Sie hatte eine lange, gewellte Mähne und einen prächtigen Schweif. Ausserdem schien sie ziemlich umgänglich zu sein. Angy war meines Wissens zufolge Dressurreiterin und das auch recht erfolgreich. Ich war gespannt, mehr über dieses Pferd-Reiter-Paar zu erfahren. Ich zeigte den beiden ihre Box im Nebenstall und führte sie auf dem Hof herum. Angy hatte sich bisher auf die Fotos auf unserer Website verlassen, war aber nicht minder begeistert von der nun greifbaren Infrastruktur. Ich verliess sie nach einer Weile, um mich endlich um Caprice zu kümmern. Die neue Pensionärin hatte ja noch Lily, die irgendwann dazugekommen war und nun eifrig eine Frage nach der anderen stellte. Zira, die die ganze Zeit treu an meiner Seite blieb und die neue nur misstrauisch beäugt hatte, schien erleichtert darüber, dass wir jetzt wieder unsere eigenen Wege gingen. Sie sass stolz neben Caprice’s Boxentür und hielt Wache, als ich die Fuchsstute putzte. Auch später, als ich auf dem Sandplatz ein paar Trainingshindernisse übersprang, wartete sie neben dem Eingang im Gras liegend und behielt alles in ihrem Blick. Caprice war schön locker vom gestrigen Doppellongentraining. Sie schien allgemein sehr zufrieden und kraftvoll vorwärtszugehen; keine Spur von Anspannung. Die Hindernisse waren ein Kinderspiel für sie, im Vergleich zu jenen in den Military Events. Aber es ging ja nicht darum, die Stute zu überfordern, sondern sie mit interessanten, abwechslungsreichen Kombinationen bei Laune zu halten. Ausserdem konnte es nie schaden, ein wenig an Takt und Timing zu arbeiten. Gegen Ende bekamen wir noch Zuschauer: Lisa und David waren zurück von ihrem Ausritt mit Parányi und Lychee. Sie stellten sich am Eingang des Vierecks zu Zira und beobachteten mich eine Weile, bis es mir peinlich wurde und ich mit dem Austraben begann. „So so. Habt ihr nichts Besseres zu tun?“, tadelte ich freundschaftlich. Lisa entgegnete fröhlich: „Wir dürfen wohl mal Pause machen, oder etwa nicht, Boss?“

      Wenig später gingen wir nochmal mit Empire, Indiana, Rosenprinz, Khiara und Vai Alida raus – Charly und Thomas kamen ebenfalls mit. Danach war es Zeit für die Fortsetzung des Vollbluttrainings. Ein kühler Wind war aufgekommen, ideal für die abendliche Arbeit. Angy war noch hier und folgte ineressiert Oliver und Ajith zur Bahn. Die Jockeys und ich waren unterdessen bereits am Warmreiten. Ich sass in Miss Moneypennys Sattel und trabte so ruhig es ging hinter Simba her. Heute war irgendwie der Wurm drin; die junge Stute war unkonzentriert und viel zu geladen. „Was ist denn los, Penny. Du warst den ganzen Morgen auf der Weide, und gestern haben wir auch schon Intervalltraining gemacht. Trotzdem noch so viel überschüssige Energie?“, murmelte ich, während ich sie beruhigend zu kraulen versuchte. Aber es wurde auch während der Galopparbeit nicht besser. Immer wieder liess sie sich von Kleinigkeiten ablenken und machte Seitensprünge, oder versuchte, ihren Hals steif zu machen. Beim austraben sagte ich deshalb ernüchtert zu Oliver „We’ve seen better days, aye?“ Er nickte zuerst nur mit strengem Blick, meinte dann aber, dass Penny vielleicht in letzter Zeit etwas viel gearbeitet habe und eine kleine Pause brauche. Nicht alle Pferde waren gleich, und manche brauchten einfach einen etwas anderen Trainingsplan als andere. Das respektierte Oliver, und genau deshalb schätzte ich ihn so als Trainer. Primo, Merino, Cryptic und Goldy waren wie sonst auch gelaufen – im Moment keine herausragende Verbesserung, aber immerhin eine stabile Leistung. Die jüngste Gruppe hingegen wollte es wissen: gleich zwei neue persönliche Bestzeiten stellten sie auf (Counterfire und Sarabi), und alle inklusive Angsthase Dolly gingen heute problemlos in die Startmaschine. Mambo und Thalia waren von der Anstrengung viel nasser als die anderen, also duschten wir die beiden gleich nochmal komplett ab und bei den anderen, um die Haut zu schonen, nur die Sattellage und den Rest mit dem Schwamm. Angy war inzwischen nachhause gefahren. Ich ging bei der abendlichen Kontrollrunde, bevor ich ins Haus ging, sicher, dass sich Nera rundum wohlfühlte. Die Rappstute mümmelte zufrieden an ihrem Strohbett herum, also machte ich mir keine Sorgen. „Gute Nacht“, murmelte ich symbolisch an alle Pferde gewannt, dann gesellte ich mich noch ein wenig zu den Pflegern, die mit den beiden Papageien Africa und Blue spielten.
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Album:
    Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Occulta
    Datum:
    14 Feb. 2017
    Klicks:
    236
    Kommentare:
    28

    EXIF Data

    File Size:
    179,3 KB
    Mime Type:
    image/jpeg
    Width:
    600px
    Height:
    400px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Offizieller HG

    [​IMG]

    Vom: Ehrengold

    Vom: Solo
    Vom: Sir Lemon Ice xx
    Aus der: Professional Illusion xx


    Aus der: Shew O'Gold
    Vom: Guaranteed Gold
    Aus der: Shew

    Aus der: Black Pearl



    [​IMG]

    Rufname: Chiccory, Oz
    Geburtstag:
    September
    Alter: 8 Jahre
    Stockmaß: 1.71 m
    Rasse: Englisches Vollblut
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: Brown Splash Overo
    (Ee,AA,Splspl)

    Abzeichen: Laterne, 4x hochweiss gestiefelt
    Gesundheit:
    sehr gut


    [​IMG]

    Verschmust, Quatschkopf, aufmerksamkeitssüchtig, temperamentvoll


    [​IMG]

    Chiccory ist ein richtiger Quatschkopf. Er liebt Aufmerksamkeit und muss immer im Mittelpunkt stehen. Hat man mal keine Zeit für ihn, muss er zwanghaft etwas anstellen, um alle Blicke auf sich zu ziehen. Selbst wenn er viel Unsinn treibt, böse sein kann man ihm nie. Spätestens wenn Chicco einem mit seiner weichen Nase durch die Haare wuselt, bringt er einen wieder zum Lachen.
    Dennoch sollte man den schicken Strahlemann nicht unterschätzen. Das Vollblut in ihm bringt natürlich auch eine Menge Temperament und Bewegungsdrang mit sich, dem man auf jedenfall gerecht werden sollte.



    [​IMG]

    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Chequi, umgemalt by Ivi.Kiwi
    VKR: Ivi.Kiwi/ (Fuchsl)
    Verkäuflich: Nein



    [​IMG]

    Gekört: Ja
    Nachkommen: Shades of Gray
    , tc Miss Moneypenny, PFS' Catching Fire, Wildfire, PFS' Challenging Time, Culain, PFS' Counterfire
    Decktaxe: 100J



    [​IMG]

    Galopprennen Klasse: S***
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: A
    Military Klasse: E
    Dressur Klasse: E
    Distanz Klasse: E

    Eignung: Galopprennen, Springen
    Eingeritten: Ja



    [​IMG]


    [BHK 421]
    [​IMG]


    [​IMG]

    Chiccory's Spind