Occulta

• Baccardi, DRP ♂

Hengst | Dunkelfuchs

• Baccardi, DRP ♂
Occulta, 18 Dez. 2013
AliciaFarina und Snoopy gefällt das.
    • Occulta
      Alte Berichte:
      mKay, on 16 Feb 2013 - 07:15, said:​

      Abenteuer Reiterhof


      Nein, ich fahre nicht auf reitferien, sonder muss mich um meine Ponies Kuemmern. Es ist grad mal 9 Uhr als mein Freund kommt um mit mir die Ponies zu machen. Ich zieh mich schnell an und wir gehen bewaffnet mit zwei Halftern zu den Hengst weiden. Er holt Draki und ich den Mellamo. Wir gehen zusammen zurueck. Am Hof angekommen binden wir die Kerle an und ich hole die Putzkiste aus der Sattelkammer. Zu aller dem muessen die beiden noch rassiert werden. Aber vorher Putzen wir die Pferde die ziemlich doll haaren. Ich bin als erstes Fertig und hole den Rassierer aus der Kiste. Am Hals angefangen runter zur Brust. Dann noch den Po im Krossen kreis um den Schweif rumm und an der Sattelgurt lage. Dann bin ich auch schon fertig. Mellamo fand das ganze nicht so toll aber mir egal. Daw gleiche macht mein Freund bei Draki auch als ich dabei bin Mello zu satteln. Drakis Zeug habe ich schon mitgebracht. Er ist dann auch fertig und sattelt. Mello hat schon die Trense im Maul. Also dann Schatz auch fertig ist laufen wir mit den Pferden zum Reitplatz der langsam abgetrocknet ist. Endlich. Wir laufen rein und ich mach das Tor zu. Wir sind nur auf den kleinen Platz der andere wir noch erneuert. Ich steige auf und reite im Schritt los. Mein Freund sitz schon lange und dreht die ersten Runden im viereck. Beide sind flott unterwegs, weil sie lange standen. Die Hengste sind Zuchttiere aber muessen beide bewegt werden. Also gut. Ich fange nach den ersten Schritt Runden an mit toelt hingegen Schatz noch beim Dehnen ist. Jeder arbeit fuer sich. Wir reden auch kaum mit einander. Ich bin gluecklich das er sich auch entschieden hat zu reiten. Dann brauche ich nicht so viel alleine machen. Mellamos Toelt ist sehr unsicher aber vermutlich dadurch das er keine Hufeisen drauf hat. Er rollt sehr auf der linken Seite also stelle ich sein Kopf nach links um die Rolle rauszubekommen was mir auch gelingt. Mello toelt taktklar. Hingegen Schatz nicht das Problem hatte. Draki hat Eisen draut und durch das Biegen und die Aufmerksamkeits uebungenist er aucg sehr Taktklar. Aber Draki ist eh viel Besser von den Gaengen her. Doch das ist grad egal. Mit Mellamo geh ich auf den Zirkel und versuche im Arbeitstempo zu bleiben was nicht immer sehr leicht ist. Nach ein paar Runden parriere ich in den Halt durch, weil ich noch mal nach gurtem muss. Sonst sitze ich im trab mit dem Sattel auf den Hals. Ich reite ihn wieder an aber bleine eine Runde im Schritt bevor ich ihn wieder an Toelte. Sofort stelle ich ihn in den Trab um indem ich ihm auf den Maehnenkamm druecke. Das klappt super. Er weiss es nocg. Mein Freund galoppiert grad auf dem anderen Zirkel. Draki arbeitet super mit. Der schimmelhengst ist einfach Klasse. Es sind dreisig Minuten vergangen als wir Fertig sind. Die beiden Hengste sind sehr verschwitzt und bekommen am Hof eine Decke drauf. Anschliessejd konmen sie in Boxen hinein um zu Trocknen. Als nechstes holen wir Byjumi und Lemon. Diesmal muessen wir in verschiedene Richtungen laufen. Ich hol mir Lemon und er Byjumi. Als wir am Hof sind putzen wir die Ponies. Er soll Byjumi nur kurz longieren und rassieren. Ich geh mit dem Hengst kurz auf die Bahn. Wenn Schatz fertig ist kann er die Stute wieder weg bringen. Dafuer soll er dann Hell und Baccardi holen. Also gut. Ich putze Schnell und rassiere sein Po hinten, den Hals und Brust, dazu noch die Sattelgurtlage. Dann steige ich am Hof auf und reite zur Bahn. Mein Freund putzt der weil immer noch. Byjumi sieht auch aus... Ziemlich dreckig. Lemon ist auf der Bahn sehr gechillt. Haette ich echt nicht erwartet weil er ist von allen immer noch einer der flottesten auch wenn er mansche Pferde nicht ueberbieten kann. Wir reiten auf jeder Hane drei Runden Schrit mit Anhalten, Schenkelweichen, Schlangenlinien, Schulternach innen, Schulternach aussen und Rueckwertsrichten. Das findet der Rappe ganz doof von mir. Tja da hat er halt pech. Mein Freund hat Byjumi schon rassiert und bringt sie grade weg. Die anderen Stuten warten schon auf die Stute. Ich fange endlich an mit Trab. Mit toelt geht nicht weil er sehr unklar laeuft und er nicht so richtig zu hoert. Ich gebe ihn ein bisscehn Zuegel und er trabt locker aussen rum. Uebersgrass geht nichr mehr weil dort jetzt das viereck ist. Nach vier, fuenf Runden parriere ich ihn wieder durch und reite ihn ab. Reicht. Mein Schatz putzt grad die beiden Hengste. Baccardi muss noch rassiert werden Hell ist es ja schon. Ich fuehre aber den Rappen zurueck sonst dreht der wieder durch. Ist einfach schon zu oft passiert leider. Am Hof lege ich ihm eine Abschwitzdecke rueber nach dem ich das Sattelzeug weggepackt habe. Lemon kommt in die Box und dann sattel ich acu schon Hell. Mein Freund rassiert Baccardi grad noch zu ende und faengt dann auch an mit sattlen. Als wir dann fertig sind steigen wir auf und reiten los es ist bereits 15 Uhr. Wir sind schon ewigkeit bei den Pferden und haben ziemlich hunger. Also beeilen wir uns ein bisschen aber machen trotzdem einen relativ gemuetlichen Ausritt. Wir reden mit einader traben mal ein Stueck und bei bestimmten Stellen galoppieren wir. Als wir am Maisfeld sind gucken wir uns an un galoppieren durch. War sehr lustig auch wenn es nicht erlaubt ist. Egal. Dann sind wir auch schon wieder richtung Hof unterwegs. Es ist schon 16 Uhr. Langsam sollten wir essen. Also steigen wir ab und machen machen die Pferde fertig. Anschiessend gehen wir rein und machen essen. Wir machen uns dann noch eine schoenen Abend.​



      mKay, on 22 Apr 2013 - 21:41, said:​

      Zuchtpferdekontrolle


      Ich laufe mit einem Halfter als erstes Stutenweide um mir sie nur mal anzugucken, weil sie bald wieder zum Hengst sollen. Also gut. Als erstes kommt mir Aqua entgegen. Die Scheckstute hat schon abgefohlt und ein gesundes Fohlen zur Welt gebracht. Ausserdem hat es auch eine schöne Farbe. Aber jetzt muss ich mir noch ihre Beine angucken, weil sie ein wenig Wasserbeine hatte. Ich lege ihr also das Halfter um und lege den Strick über den Hals. Sie steht wie ein Baum während ich mir die Beine angucke. An den Gelenken sind sie noch ein kleines bisschen dick, deshalb mache ich noch mal das Kühlgel rauf und mache das Halfter ab.
      Jetzt gucke ich mir Byjumi an. Die ander Scheckstute. Sie hatte kein Fohlen, aber ein tränendes Auge, wegen dem Wind. Also lege ich ihr ebenfalls das Halfter um und gucke mir das Auge noch mal an. Schon viel Besser, sonst hätte ich sie auf den Hof holen müssen und dann Boxenruhe. Doch das ist auch nicht so einfach. Ich gucke noch schnell den Rest des Körpers an und gehe dann zur nächsten Stute.
      Milka läuft mir schon entgegen, also gucke ich mir sie auch noch mal an. Bei ihr geht es auch recht schnell, weil sie eben falls gut steht. Ihr Kopf ist inordnung und die Beine ebenfalls. Ich bin am überlegen sie auf den Hof zu holen, um sie einwenig zu reiten, aber das wird wohl nichts.
      Nun ist Blacky an der Reihe. Die braun-Rappstute mit der Blesse ich wirklich eine Schönheit und bringt auch super Fohlen. Ich nehme sie heute auch mit auf den Hof, um sie ein wenig zu reiten, weil sie eine zimeliche Zuchtmaschiene ist und den Sommer lang mal geritten wird. Danach kann sie gern zu Hengst, jetzt aber erst mal nicht. Also mache ich aus dem Strick, Zügel und reite zum Hof. Vor der Gasse steige ich ab und führe sie zur eine Paddockbox. Dort mache ich das Halfter usw. ab und laufe zu den Hengst-Tages-Weiden.
      Hell wiehrt und dann folgen auch schon die anderen Hengste, aber als erstes gehe ich zu Felix, der hier neu ist. Er ist vor ein paar Wochen erst gekört wurde, und das haben wir Abends erst einmal gefeiert. Doch jetzt gucke ich mir den Hengst erst mal an. Ich habe auch eine Scherre bei um die Stehmähne nach zuschneiden. Als ich das geschafft habe laufe ich zu Hell.
      Er wiehrt mich schon wieder an und ich streichle ihm am Maul. Dann bekommt er das Halft um und ich gucke ihn mir an. Vor kurzend stand er ja noch wo anders auf einem Hof und hat gedeckt, Natursprung. Ein paar Stellen hat er schon, aber nichts lebensgefährlich. Also gut dann kann ich ja auch zum nächsten Pferd.
      Das ist Lemon, ein Rapphengst mit befriedigenden Gängen, aber jetzt nicht sooo gute. Dafür hat er einen schönen Charakter und das ziegt er immer wieder. Er bekommt auch wieder ein Halfter und ich gucke ihn an, weil er bald auch zu den Stuten kommt. Alles inordung und ich kann mir das nächste Pferd angucken.
      Mellamo guckt zu mir und ich laufe zu ihm. Er wiehrt einmal und entspannt dann. Ich wuschle ihm durch den Schopf und gehe dann auf die Weide. Ihm lege ich auch ein Halfter an und gucke mir seinen Kopf an und die Beine auch. Das freut mich. Er kommt auf jedenfall dieses Jahr zum Hengst, weil er so schöne Mähne hat. Dann mache ich wieder das Halfter ab und geh zu Draki.
      Der Schimmel liegt im Dreck. Wie immer. Aber ich scheuche ihn hoch umd ihm den Dreck ab zu machen. Aufjedenfall das was geht mit den Handschuhen. Dann gucke ich mir auch die Beine an und den Kopf auch. Mit der Hand gehe ich auch nochmal durch die lange Mähne und geh dann auch schon zu Baccardi.
      Ich gucke mir noch einmal die Beine und den Kopf an. Der ist inordung aber am hinteren linken Bein ist etwas an der Fessel. Ich hebe das Bein und er zuckt oft. Dann führe ich ihn hin und her, doch er humpelt leicht. Also nehme ich ihn gleich mit auf den Hof. Ist bestimmt bei dem Decken auf der Weide passiert. So schlimm auch wieder nicht, aber schon ärgerlich.
      Also laufe ich noch mal zum Hengst, den ich aber schon kenne, weil er von Sarah ist und er schon einmal bei uns war. Doch jetzt steht er etwas länger bei uns, mal sehen wie lange, aber hier ist er gut untergebracht. Ich gucke mir noch einmal die Beine an und den Kopf auch. Alles immer noch inordung.
      Aber jetzt laufe ich mit Baccardi zum Hof und rufen den Tierarzt an. Mal sehen wann sie/er kommt. Aber jetzt gebe ich den beiden Pferden futter und gehen dann in dern Auffendhaltsraum eine kleine Pause machen, eh ich weiter mache.



      Cinn, on 23 Apr 2013 - 15:33, said:​
      Tierklinik Cavallo - Behandlung: Baccardi

      Heute kam ein etwas schwierigerer Auftrag in die Klinik. Das Pferd von mKay, die ich schon von niolee kannte, da sie ihre Zuchtpartnerin war, lahmte. Es wurde eine Fesselträger-Krankheit vermutet. Ich packte sofort alle Sachen und machte mich auf den Weg zu ihrem Hof, wo sie mit Baccardi stand. Sie begrüßte mich und zeigte mir das linke Vorderbein. Deutlich trat die Sehne schon hervor. Ich fuhr mit den Fingern darüber und sie sank kurz ein, trat danach aber wieder raus. Ich übernahm Baccardis Strick und führte ihn ein wenig herum. Er stellte die Fessel etwas steiler und humpelte. Ich hielt ihn an und tastete die einzelnen Sehnen ab. Jede war sehr warm und angeschwollen. Ich lobte ihn kurz und sagte dann zu mKay: "Zum Glück ist es nicht so schlimm. Er wird einige Tage nur in der Box sein können, oder nur langsam im Schritt spazieren, reiten aber nicht. Sollte er in den nächsten Tagen immer noch lahmen, rufen Sie mich einfach an.", sagte ich lächelnd und gab Baccardi ein Leckerli. "Eventuell könnte Ihnen diese Salbe auch noch anbieten, die verschnellert den Heilungsprozess.", sagte ich und hielt ihr eine Wärmesalbe hin. Sie nahm diese dankend an und ich verabschiedete mich bei ihr. Dann packte ich meine Sachen ein, stieg in mein Auto und fuhr zurück zur Klinik.
      [1304 Zeichen | Tierklinik Cavallo]

      mKay, on 24 Aug 2013 - 10:46, said:​

      Umweiden, die Zwölfte



      Ich hole einen der Zuchthengste, Lemontree, um ihn auf ein Paddock stellen mit Baccardi zusammen. Der Rappisländer kann nicht mit den anderen zusammen stehen, weil er immer auf die los geht und sie tritt. Doch mit dem DRP verträgt er sich. Nun bringe ich noch auf den Paddock mit Halfter wie auch die andern Pferde. Da wir eh bald um ziehen.
      Ich hole den Baccardi aus der Box und laufe zum Paddock. Lemon wartet schon auf dem Paddock auf sein Kumpel. Der Hengst neben mir läuft immer schneller als er soll, also kann es noch dauern eh wir da sind. Ankommen stelle ich ihn auf den Paddock und die beiden begrüssen sich erst mal. Doch ich hab keine Zeit noch zu gucken und geh dann die nächsten Pferde umweiden.





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      Heute fuhr ich ernuet zu Lena. Nach kurzer Fahrt kam ich auf ihrem Gestüt, wo ich bereits erwartet wurde, an. Wir winkten uns kurz zu, anschließend parkte ich mein Auto und Lena half mir, die Werkzeuge zum Putzplatz zu bringen. „Heute sind die Hengste dran“, sagte sie und fügte noch hinzu: „Ich hole schon mal den ersten Kandidaten.“ Ich nickte nur kurz und sortierte dann weiter meine Sachen, während Lena im Stall verschwand.
      Einen Augenblick später kam sie mit einem hübschen Kohlfuchs zurück. Sie band ihn an und erklärte mir kurz: „Das ist Baccardi, ein Deutsches Reitpony. Bei ihm müssen die alten Eisen ab und dann soll er barhuf laufen.“ Ich hörte aufmerksam zu und nickte dann zustimmend. Mit einem Leckerli stellte ich mich dem Hengst vor und hob dann den ersten Huf, um das Eisen abzunehmen. Das war zwar anstrengend, ging aber schnell über die Bühne, sodass ich auch bei den anderen Hufen schnell die Eisen abgenommen hatte. Der dunkle Hengst mit den blauen Augen blieb dabei brav stehen und ließ mich ungestört meine Arbeit machen. Ich legte die alten Eisen beiseite und fing nun damit an, die Hufe ordentlich auszuschneiden. Zuerst kürzte ich die Hufwände und die Trachten. Die Hufe hatten eine gute Form, sodass ich nicht viel schneiden musste. Mit der Raspel rundete ich die Hufwände ab, damit diese schön rund waren. Zum Schluss schnitt ich an jedem Huf den Strahl zurecht, dann war der erste Hengst fertig. Zur Belohnung bekam Baccardi ein Leckerli. Lena band ihn los und führte ihn zurück in den Stall.
      Draki, ein Isländerhengst, war der nächste auf unser langen Liste. Der Schimmel hatte die Ohren gespitzt und betrachtete mich genau, während Lena ihn am Putzplatz anband. Mit einem Leckerli begrüßte ich ihn und fing dann an, die Hufeisen abzunehmen. Der Hengst stand brav still, war aber immer aufmerksam. Ich fuhr damit fort, die Hufe auszuschneiden. Auch den Hufbock fand Draki weniger Interessant, sodass die Behandlung relativ schnell ging. Die Arbeitsschritte waren die gleichen wie bei Baccardi. Ich lobte Draki ausgiebig und Lena brachte ihn anschließend zurück in den Stall.
      Als nächstes war ein 2 Jähriger Hengst dran. Radioactive hatte eine außergwöhnliche Farbe und lief aufmerksam neben Lena her. Sie band ihn an und ich begrüßte ihn mit einem Leckerli. Der Kleine hatte selbstverständlich noch keine Hufeisen, weswegen ich direkt mir dem Ausschneiden anfing. Zuerst kürzte ich die Hufwände und Trachten. Bei den kleinen Hufen war das nicht viel, sodass ich dann die Hufwände abrundete. Zum Schluss schnitt ich an allen Hufen den Strahl zurecht. Der Hengst war dabei brav, dafür lobte ich ihn nun. Lena führte ihn in den Stall, während ich auf den nächsten Kandidaten wartete.
      Towelie war ebenfalls ein Isländer und 3 Jahre alt. Langsam trottete er Lena hinterher, die ihn am Putzplatz anband. Ich begrüßte den Hengst und fing dann direkt mit dem Ausschneiden an. Ich ging vor, wie bei den anderen Pferden, Towelie wirkte etwas abwesend, sodass ich ungestört arbeiten konnte. Erst als ich ihm ein Leckerli hinhielt, schien er aus seiner Traumwelt zurückzukommen. Zufrieden kaute er das Leckerli, dann brachte Lena ihn zurück in den Stall.
      Der letzte, der keine neuen Eisen bekam, war Novio, ein Lusitano Hengst. Mit einem Leckerli begrüßte ich ihn, nachdem Lena ihn angebunden hatte. Kurz ließ ich ihn die Werkzeuge beschnuppern, dann fing ich mit dem Ausschneiden an. Nachdem ich die Hufwände und die Trachten gekürzt hatte, rundete ich die Hufwände mit der Raspel ab und schnitt zum Schluss den Strahl zurecht. Der Hengst stand die ganze Zeit über ruhig da, weswegen er nun ein Leckerli bekam. Lena führte ihn in den Stall und brachte mir den nächsten.
      Eypor, ein gescheckter Isländerhengst, sollte heute für den Winter ausgerüstet werden. Ich begrüßte den Hengst und machte mich dann daran, die alten Hufeisen abzunehmen. Nach einiger Zeit hatte ich das geschafft und schnitt anschließend die Hufe zurecht. Nun suchte ich neue, passende Eisen raus und erhitzte das erste im Schmiedeofen. Neugierig beobachtete Eypor mich, während ich das Eisen mit einer Zange aus dem Feuer nahm. Zum Anpassen legte ich es auf den ersten Huf. Der Rauch störte den Hengst nicht. Mit einem Hammer formte ich das Eisen in die richtige Form, anschließend kühlte ich es in einem Eimer mit Wasser ab. Mit einer Schere schnitt ich den Schneegrip passend auf das Eisen und befestigte es mit zwei Nieten, so konnte es später nicht verrutschen. Zum Schluss nagelte ich das Eisen samt Grip an den Huf. Ich wiederholte alles bei den anderen drei Hufen. Lobend klopfte ich dem Hengst den Hals und gab ihm noch ein Leckerli. Lena band ihn ab und brachte ihn zurück in den Stall.
      Als letztes für heute war Ghosts an der Reihe. Der Hengst sollte ebenfalls neue Eisen mit Schneegrip und Stollen bekommen. Nachdem ich den Rappen kurz begrüßt hatte, fing ich damit an, die alten Eisen abzunehmen. Mit dem Unterhauer bog ich die Nägel grade und zog das Eisen dann mit einer Zange vom Huf. Das wiederholte ich bei den anderen drei Hufen und schnitt dann alle Hufe ordentlich zurecht. Die neuen Eisen legte ich neben den Schmiedeofen, das erste erhitzte ich darin. Auch Ghosts war vollkommen ruhig, während ich das heiße Eisen auf den Huf legte. Es passte von Anfang an super, sodass ich es direkt im Wasser abkühlte. Dann schnitt ich den Schneegrip zurecht und nagelte es zusammen mit dem Eisen auf den Huf. Auch den anderen Hufen verpasste ich neue Eisen, ebenfalls mit Schneegrip. Außerdem konnten Stollen an die Eisen angebracht werden. Ich kontrollierte alles nochmal, dann lobte ich den Hengst. Lena brachte ihn zurück in den Stall, während ich meine Sachen zusammenpackte und im Auto verstaute. Die junge Frau kam aus dem Stall wieder und wir verabschiedeten uns. Dann machte ich mich auf den Weg nach Hause.
      [5814 Zeichen | ohne Leerzeichen | © Mongofisch | 2013]
    • Occulta
      Baccardi's Ankunft

      Das Telefon riss mich aus meinen Träumen, und das an einem Sonntag. Mürrisch murmelnd hievte ich mich aus dem Bett und hüpfte, mir die letzte Müdigkeit aus den Augen reibend, nach unten. Ich nahm den Hörer gerade noch rechtzeitig und hörte dem anderen Ende so aufmerksam wie an einem Sonntagmorgen möglich zu. Aber bald schon war ich hellwach: ich hatte die Nachricht erhalten, dass ich den wunderschönen DRP-Hengst Baccardi abholen durfte! Ich hatte schon lange ein Auge auf ihn geworfen und konnte es kaum erwarten, ihn in live zu sehen. Schliesslich war er in Deutschland ziemlich bekannt und hatte schon einige gute Fohlen gezeugt. Erwartungsvoll schwang ich mich ins Auto und fuhr zum Flughafen. Den Papierkram hatte ich mit mKay schon vor Wochen geklärt und so brauchte ich ihn heute nur noch in Empfang zu nehmen. Die Quarantäne war jetzt schliesslich endlich abgeschlossen. Gesagt getan, wieder auf dem Hof konnte ich einen leicht aufgezogenen Baccardi aus dem Anhänger holen und auf dem Hof begrüssen. Auch Jack und Lewis waren da, um den neuen zu begutachten. „Tolles Exterieur, hübsche Augen, wundervolle Farbe“ – war das Fazit. Ich brachte ihn in den Nebenstall wo er gleich mit seinem Boxennachbarn schnupperte.
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      Spass-Schnee-Turnier

      Heute war mal wieder ein etwas besonderer Tag, denn wir durften nicht nur einen Neuankömmling begrüssen, sondern auch gleich noch ein ganzes Turnier organisieren! Zugegeben, es war kein grossartiger Spring- oder Dressurevent, aber ‚ein bisschen Spass muss sein‘ zählt doch sicherlich auch. Wir waren alle schon emsig am Vorbereiten, denn der Schnee musste präpariert werden, sodass die Pferde anständig darauf laufen konnten. Immerhin war der ganze Platz zugeschneit! Gebaut wurden unter anderem zwei Hindernisse ganz aus Schnee, eine Schneebar für die Zuschauer, ein Posten, bei dem man Schneebälle an eine Zielscheibe werfen musste, ein kleiner Schneetunnel (der mit Abstand am aufwändigsten war, da er hoch genug für Ross und Reiter sein musste) und ein stinknormaler Flattervorhang. Weitere Posten waren ausserdem ‚der Tee-Express‘ und das Schlitten Ziehen. Bei letzterem wurden zur Sicherheit schnell reissende Seile verwendet, was gleichzeitig eine erschwerte Bedingung darstellte. Ich half Lewis gerade mit dem Bau des Schneetunnels. Wir durften die Decke nicht zu dick machen, wegen der Einsturzgefahr, also war es umso schwieriger die Konstruktion stabil zu bauen. Der Tunnel war am Ende gerade so hoch, dass ein Reiter auf einem mittelgrossen Pferd leicht geduckt hindurchreiten konnte. Meine Handschuhe waren bereits durchnässt, doch ich musste noch weiter um beim ‚Tee-Express‘ zu helfen. Dort mussten die Teilnehmer eine Tasse warmen Tee durch einen Slalom transportieren und dann in einen Messbecher kippen. Anschliessend wurde gemessen, wie viele Zentiliter Tee das Ziel erreicht hatten. Der Parcours war recht anspruchsvoll, aber bei den jüngeren Teilnehmern wollten wir die Bewertung entsprechend milder vornehmen. Um halb Zwölf fingen wir an die Pferde zu putzen, damit wir nach dem Mittag gleich mit dem Einwärmen anfangen konnten. Das Turnier sollte um halb Zwei starten. Ich nahm mit Pilot Teil, den ich zuerst noch zusammen mit den anderen von der Weide holen musste. Sein wunderschönes, schwarz geflecktes Fell war ordentlich dreckig. Er hatte seinen Weidegang offensichtlich genossen. Wir riefen den Pferden vom Tor aus, worauf sie gleich angetrabt kamen. Die anderen gaben mir ein Zeichen, dass der Weg zum Stall abgegrenzt war, also konnte ich den Zaun öffnen und die Hengste strömten nach draussen in Richtung Nebenstall. Sie fanden ihre Boxen selber, denn dort wartete Frisches Heu für alle. Nur die Neueren, Filou und Dod, vertauschten ihre Boxen ausversehen. Wir brachten sie kurzerhand in die jeweils Richtige, dann wurde ich durch einen Anruf unterbrochen. Es war Jack, der gerade mit dem Anhänger auf der Autobahn war, um die neue Vollblutstute abzuholen. „Hey Schatz, wir haben Stau hier, es wird wohl etwas später als geplant, aber ich sollte vor vier Uhr zurück sein.“ Ich seufzte und verabschiedete mich dann, ehe ich die Putzbox von Pilot aus der Kammer holte. Sein Fell war zum Glück nicht sehr schmutzig, wir hatten ihn schon am Vortag hübsch gemacht. Aber besonders die Beine musste ich nochmals putzen. Immer wenn ich an Dancer, der hinter Pilot angebunden war, vorbeilief, um etwas aus der Sattelkammer zu holen, wurde ich von dem frechen Hengst in die Seite gestupst. Zweimal war ich jedoch gefasst und stupste zurück, mitten auf die Nüstern. Als ich fertig war, zeigte die Stalluhr bereits auf die Zwölf und auch die anderen schienen Fertig zu sein. Ich klatschte in die Hände und rief alle zum Mittagessen zusammen, das Lily grosszügigerweise vorbereitet hatte. Es waren zwar nur Sandwiches, aber es würde am Abend dafür ein Festmal geben. Ich würgte mein Sandwich hinunter und zäumte dann Pilot. Wir gingen in die Halle zum Einwärmen, dort herrschte bereits Hochbetrieb. Viele bunte Pferde und Reiter in schöner Turnierkleidung wuselten durcheinander; wir hatten darauf bestanden, dass jeder angemessen gekleidet kommen sollte, trotz dem es nur ein Spassturnier war. Ich ritt zuerst zusammen mit Rosie und Peace im Schritt. Draussen fielen ein paar kleine Schneeflöckchen und ein Rotbrüstchen hüpfte vor der Fensterseite der Halle im Schnee. Ich entfernte die Fleecedecke und Trabte mit Pilot durch die vielen Teilnehmer hindurch, was gar nicht so leicht war. Er war etwas aufgedreht durch die vielen Fremden, was auch gut verständlich war. Offenbar war ich nicht die einzige, die Mühe mit der Konzentration ihres Vierbeiners hatte, denn etwas weiter hinten in der Halle bewies Islah wiedermal ihre Bockkünste. Als Ajith, der wohl wiedermal Pech beim Pferdeauslosen gehabt hatte, sogar runterfiel, ritt ich zu den beiden hinüber, während Lewis schon von Vychahr’s Rücken runtergehüpft und ihm zu Hilfe geeilt war. „Alles in Ordnung?“, fragte ich etwas teilnahmslos, da mir gerade aufgefallen war, wie schön Numair unter Jonas lief. „I’m fine“, murmelte Ajith, aus meinen Gendanken gerissen blickte ich ihn wieder an und sah, dass er sehr schwankend aufstand. „Are you sure? I don’t want to see you fall down again…“ meinte ich ernst, und beobachtete den jungen Pfleger noch ein Weilchen skeptisch, ehe ich es Lewis überliess, sich um ihn zu kümmern. Pünktlich um zehn vor Eins war ich an der Reihe, bisher klappte also alles reibungslos. Ich sah gerade noch Lisa auf Bandit vom Platz reiten, dann konzentrierte ich mich vollständig auf die erste Aufgabe, dem ‚Tee-Express‘. Als ich die Tasse in die Hand nahm, drang der wundervolle Duft von warmem Früchtetee in meine Nase. Er war extra nicht zu heiss, dass sich das Pferd beim Verschütten nicht verletzen konnte. Zu gerne hätte ich einen Schluck riskiert, doch ich zwang mich, der Versuchung zu widerstehen und den Slalom im Trab zu meistern. Ich verschüttete leider gleich in der ersten Wendung eine ordentliche Portion, was nicht gerade ein vielversprechender Start war. Egal – weiter ging es zum ersten Schneehindernis, das Pilot locker übersprang. Ich musste ihn danach in seinem Eifer bremsen, sonst hätten wir den Schneetunnel verpasst. Auch dort ging er sauber hindurch. Dann ritt ich vorbei an der Schneebar zum Schneeballwerfen. Ich warf zwei Bälle, traf aber beim ersten mal die Scheibe gar nicht erst und beim zweiten Versuch bloss den äussersten Ring. Da hörte ich eine Vertraute Stimme lachen; es war Oliver, der ganz vorne im Publikum stand und sich köstlich über meine Trefferquote amüsierte. Als er bemerkte, dass ich zu ihm sah, meinte er schelmisch „Da würde sogar Jackie besser treffen!“, und hob die Hündin, auf die er aufpassen musste, grinsend hoch. Na warte – dachte ich, schnappte mir den dritten Ball und traf in seinen Nacken. „Ups“, lachte ich, dann ritt ich weiter. Einen Punkt hatte ich so zwar verspielt, aber es hatte sich durchaus gelohnt. Nun kam ich zum Flattervorhang, der für Pilot kein Hindernis war, der Schneewall dahinter jedoch schon, denn dies war gleich die zweite Schneehürde. Nur noch zum Schlittenziehen – dachte ich, und trabte zu dem alten Holzschlitten. Ich nahm das Seilende im vorbeireiten vom Pfosten, denn ich musste dringend Zeit aufholen. Pilot erschrak etwas, als er den plötzlichen Widerstand spürte, doch ich hielt ihn erfolgreich und manövrierte ihn durch die Zielstangen. Wir waren recht langsam gewesen im Vergleich zu Elliot und Silver, die beiden lagen bisher an der Spitze. Ich klopfte Pilot trotzdem stolz den Hals und verliess den Platz. Kaum war ich auf dem Weg zur Galoppbahn, wo ich ihn noch ein wenig trockenreiten wollte, kam auch schon die Antwort von Oliver geflogen, sie traf mich an die Schulter. „Hey!“, lachte ich und trabte auf ihn zu, sodass Pilot ihn zur Strafe abschlabbern konnte, war er auch tat. Der Hengst mochte es, seine Schnauze ins Gesicht der Zweibeiner zu drücken. Es endete damit, dass Oliver uns begleitete, um seine „müden Knochen etwas zu bewegen“. Zurück im Stall brachte ich Pilot noch etwas Heu, wobei ich unterwegs auch Ocean etwas durch die Gitter stopfen musste, denn dem süssen Röcheln der Stute konnte ich nicht wiederstehen. Dann lief ich zum Platz zurück, um den Durchgang von Quinn und Ronja nicht zu verpassen. Die beiden waren echt gut, leider wollte Ronja beim ersten mal nicht durch den Tunnel laufen. Am ende gewann eine nette junge Dame aus dem Nachbardorf mit ihrem Knabstrupper Wallach. Die beiden hatten fast alles im Galopp gemeistert und das auch noch Fehlerfrei. Ich gratulierte ihnen herzlich. Auf dem zweiten Platz war die kleine Schwester von Elliot gelandet, die auf White Dream hatte teilnehmen dürfen. Ich war stolz auf die Schimmelstute und Elliot auf seine Schwester. Nach dem Turnier begannen wir mit dem Aufräumen. Als ich endlich das lang ersehnte Rufen von Jack vernahm, der gerade die Klappe des Anhängers öffnete, rannte ich gleich hin um die Stute zu begrüssen. Sie hiess Sumerian und kam von einem hübschen kleinen Hof in der Nähe von Manchester. Sie sah noch etwas dürr und schlaksig aus, was aber nicht weiter von Bedeutung war, wenn man ihre schönen Gänge und die klaren Augen sah. Ich brachte sie gleich in den Hauptstall (nachdem ich Jack einen Kuss auf die Backe gegeben hatte), damit sie durch die Aufräumarbeiten nicht gestresst wurde. Sie machte sich direkt über das frische Heu her, hob aber ab und zu wieder aufgeregt den Kopf in die Höhe und drehte eine Runde in der Box. Ich beobachtete sie eine Weile, dann ging ich wieder zu den anderen, um zu helfen. Als wir fertig waren mussten noch einige Pferde versorgt werden, ehe wir Feierabend hatten. Zum einen waren das die Vollblüter, die heute etwas vernachlässigt worden waren, und zum anderen die vier übrigen Pferde aus dem Nebenstall, die nicht am Turnier teilgenommen hatten. Ich führte also wenig später Lila auf den Platz, nachdem ich ihren dicken Schweif endlich entwirrt hatte. Ich wollte etwas Bodenarbeit mit der Stute machen. Ich liess sie am langen Seil hinter mir her laufen und stoppte zwischendurch, um zu sehen, ob sie aufmerksam war. Ich übte auch ein paar Seitengänge und das Tölten an der Hand. Lange waren wir nicht ungestört, denn nach rund zwanzig Minuten kamen Lily, Lewis und Rosie auf den Platz geritten und wollten mich ins Gelände entführen. Ich willigte ein und schwang mich ohne Sattel auf Lilas Rücken. Wir ritten in Richtung der Galoppwiese, wo wir sogar einen Schneegalopp wagten. Ich fasste dabei Lilas Mähne, damit ich bei ihren kurzen Galoppsprüngen nicht das Gleichgewicht verlor. Rosie war auf Dod mitgekommen, Lily hatte Moon und Lewis Baccardi. Zurück auf dem Hof beobachtete ich die Jockeys beim Training, dann half ich Jack und Elliot mit dem Abendessen. Wir genossen den Abend mit allen Pflegern im Wohnzimmer, ein guter Film durfte natürlich auch nicht fehlen.
    • Occulta
      Osterschnitzeljagd

      Donut röchelte mir schon entgegen, als ich den Hauptstall betrat. Ich musste mich jedoch erst noch durch die Stallgasse kämpfen, in der gerade Hochbetrieb herrschte. Die Pfleger waren am füttern und man hörte ungeduldiges Hufscharren und Gewieher. Ich schlängelte mich an den Schubkarren vorbei und wich Empires weicher Schnauze aus, der gerade geputzt wurde und mich im vorbeigehen an stupsen wollte. Endlich war ich bei Donuts Box angelangt und stellte die Putzkiste ab. „Na mein kleiner schicker?“ begrüsste ich ihn, wie ich es immer tat. Trotz dem ich so viele Pferde zu betreuen hatte nahm ich es mir nicht, bei jedem Einzelnen gewisse Rituale einzubauen und ihnen allen so Sicherheit zu vermitteln. Ausserdem ritt ich alle Pferde mindestens zweimal pro Woche selber, den Rest übernahmen jeweils die Pfleger, die schliesslich auch gefördert werden mussten. Ausserdem hatten die Pferde alle einmal in der Woche frei, nämlich immer sonntags. Dann durften sie in Gruppen auf die grossen Weiden und das Pferdeleben geniessen. Ich schnappte mir einen Striegel und warf einen Blick auf die Uhr. „Schon halb eins, Jonas du bist spät dran.“, murmelte ich erbarmungslos, denn der Pfleger war gerade in Baccardis Box geschlichen. „T’schuldigung, ich musste noch Telefonieren….“, antwortete er hastig und kam nochmal raus, um sich ebenfalls einen Striegel zu angeln. Als er aufsah trafen sich unsere Blicke. „Etwas Wichtiges?“ „Jain, meine Tante ist letzte Woche verstorben, die Vorbereitungen für die Beerdigung sind schon in vollem Gange.“ „Das hast du mir ja gar nicht erzählt, tut mir schrecklich leid…“ „Ach ich mochte sie nie besonders, wir redeten seit Jahren nicht mehr zusammen.“ Er erklärte mir während dem Putzen, dass seine Tante mit seiner neuen Berufswahl als Pferdepfleger nicht einverstanden gewesen sei. Sie sei immer schon der Meinung gewesen, dass Pferde gefährlich seien und stinken würden. Ich hörte gespannt zu und entwirrte Donuts Mähne. Jonas unterbrach seine Rede, weil er konzentriert versuchte, Baccardis Mähne zu einem französischen Zopf zu flechten. Ich musste lachen bei dem Anblick und wechselte die Box um ihm zu helfen. Ich übernahm die Haarsträhnen und schob ihn sanft zur Seite. Doch er hielt leicht gegen und legte plötzlich seine Arme um mich. Ich sah ihn verwundert an und stupste ihm in den Bauch, da liess er auch schon wieder los und stupste zurück. Ich beschloss, nicht weiter darauf einzugehen, da es vermutlich wieder nur eine Spielerei seinerseits gewesen war. Ich flocht sie Mähne ruckzuck zu einem ordentlichen Zopf, da ich darin viel Übung hatte. Er sah mir dabei ganz genau auf die Finger, beeindruckt von meiner Geschicktheit. „Naja, manche Dinge werd ich wohl nie beherrschen.“, grinste er als ich fertig war. „Sag niemals nie.“, meinte ich und lächelte verschwörerisch. Wir sattelten endlich und führten die Pferde in den Innenhof. Dort stiegen wir auf und ritten anschliessend zum Dressurviereck, wo wir die beiden erstmal gründlich aufwärmten. Nach einer Weile trabte ich an und begann, Volten und Schlangenlinien zu reiten. Donut löste sich schon nach wenigen Runden und lief locker durch’s Genick. Wenn er versuchte, mit dem Kopf auf und ab zu wackeln, gab ich ihm eine leichte Parade am inneren Zügel. Wir hatten das Headshaking dank der vielen Longenstunden gut in den Griff bekommen, aber ab und zu zeigte er noch Rückfälle. Baccardi schien heute etwas aufgezogen zu sein, er trabte recht zügig und glotze ab und zu wieder das Gebüsch an, als ob dort etwas Gefährliches drin schlummern würde. Als ich an derselben Stelle vorbei kam, fuhr Donut plötzlich zusammen und bockte daraufhin los. Ich war völlig unvorbereitet und plumpste schon nach wenigen Sekunden in den weichen Sand. Donut rannte mir gehobenem Schweif und gespitzten Ohren in Richtung Ausgang, doch Jonas konnte ihm gerade noch den Weg versperren. Da Donut angehalten hatte, konnte er ihn nun leicht am Zügel fassen und mit zu mir führen. „Alles okay?“, fragte er besorgt und stieg ab. Ich stand noch etwas benebelt auf und richtete meinen Helm gerade. „Ja, nix passiert. Irgendwas muss da im Gebüsch sein!“, meinte ich, und lief auf die Stelle zu. Mit triumphierendem Blick richtete ich mich kurz darauf wieder auf und drehte mich zu ihm um. In der Hand hatte ich einen kleinen Korb mit bunten Ostereiern. „Da war jemand fleissig. Ich wette, das war Lisa. Die hat immer solchen Unsinn im Kopf.“ Wir lachten herzhaft und versteckten den Korb wieder, ehe wir weiter ritten. Nach knapp einer Stunde intensiver Arbeit mit den beiden Ponyhengsten stiegen wir zufrieden ab und brachten die beiden in ihre Boxen zurück. Nach dem Absatteln und Bürsten spielte ich noch etwas mit Donut: Ich zeigte ihm ein Handzeichen und sagte ruhig und deutlich: „Lachen“. Daraufhin streckte er seine Oberlippe nach oben und flehmte. Ich lobte ihn und gab ihm Karottenstückchen. Als ich keine mehr hatte kam er mit seinem Maul und fummelte mir an der Stirn herum. Ich stiess ihn lachend zur Seite als es mir zu bunt wurde, um zu Baci zu wechseln und ihn noch etwas zu streicheln. Die Blesse die sich über sein Gesicht zog war elegant den Augen angepasst und liess ihn frech und neugierig wirken. Die kräftigen Hengstpony-Backen und die kurzen Ohren unterstützten dieses Bild. Alles in allem war der Hengst wie Donut einfach ein Traum von einem Pony. Ich wuschelte ihm noch etwas mit der Hand durch die Mähne, und weil Jonas mit seinen dunklen, kurzen Locken gerade daneben stand, ihm ebenfalls.
      Am späteren Nachmittag trommelten uns Lisa und Rosie zusammen. Gespannt hörte ich zu, was die beiden wieder ausgeheckt hatten: Eine Ostereier-Schnitzeljagd. Sie hatte mich zuvor gefragt, ob die Pfleger heute mit den Pferden ins Gelände dürften. Ich schlug vor, dass sie gleich die Vollblüter nehmen sollten, die noch nicht bewegt waren. So suchte sich jeder ein Pferd aus und machte es hübsch für die Jagd nach den Eiern. Lewis nahm Sunday, Quinn nahm Paint, Ich nahm Gray, Jack nahm Fly, Rosie nahm Stromer, Jonas nahm Light, Lisa nahm Empire, Oliver nahm Indiana, Lily nahm Chiccory, Ajith nahm Felicita und Elliot nahm Campina. Die anderen, Smarty, Sumerian, Winter, Spot, Kierka, Crack, Blüte und Cantastor waren schon am Morgen auf der Bahn trainiert oder longiert worden. Gray war artig beim Aufsteigen und blieb schön stehen, während Campina neben uns die ganze Zeit wegen der vielen Pferde zappelte. Immerhin waren wir 11 Reiter! Lisa gab uns den Tipp, wo der erste Posten versteckt war und hielt sich dann zusammen mit Rosie im Hintergrund, denn die beiden kannten die Verstecke ja. Jonas und ich erkannten den ersten Posten auch gleich wieder, denn der Tipp lautete: ‚Der Start beginnt, wo der Schüler im Sommer stunden nimmt.‘ Die anderen berieten sich kurz, ehe die Gruppe auf den Platz ritt und das erste Nest suchte. Es dauerte auch nicht lange, bis Lewis es entdeckt hatte. Darin war ein Zettel, der mir vorher gar nicht aufgefallen war: ‚Wo der Fisch schwimmt, dort die Suche erst recht beginnt.‘ Die Zettel waren auf Deutsch, was mir erst jetzt in den Sinn kam. Ich fragte Rosie deswegen und sie meinte, dass es so spannender für die englisch sprechenden sei, da sie erst noch übersetzten mussten. Wir ritten also zum Fluss, der vermutlich gemeint war. In einer Hecke am Ufer war der zweite Korb aufgehängt, diesmal bekam ihn Jack. Auf dem Zettel stand: ‚Zögert nicht und reitet zum dritten, dort wo sich einst Räuber stritten.‘ Ich wusste sofort, was damit gemeint war. Es gab eine alte Bauern Legende, dass im nahen Pinienwald auf der grossen Lichtung einmal eine Banditenfestung gewesen sei. Sie soll ganz aus Holz gewesen sein. Einmal seien die Räuber jedoch erfolglos von einem Beutezug heimgekehrt und hätten sich aus ärger gegenseitig so lange beschimpft, bis einer die Festung in Brand gesetzt hatte. In ihrer Wut hätten sie nicht bemerkt, wie die Rauchfahne ihren Standort verriet und die wütenden Dorfbewohner anlockte. Die Festung sei komplett ausgebrannt und durch die Flammen sei der Wald um sie herum auch noch fast kreisrund gerodet worden, dies war die heutige Lichtung der Legende nach. Wir ritten also auf meinen Aufruf hin zur Waldlichtung. Tatsächlich fanden wir dort hinter einem Steinhaufen versteckt das dritte Körbchen. Rein aus Neugier sah ich mich ausserdem diesmal genauer auf der Lichtung um. Ich ritt in die Mitte, konnte jedoch auf dem Boden nichts Ungewöhnliches entdecken. Enttäuscht trieb ich Gray wieder zur Gruppe zurück. Was hatte ich überhaupt erwartet? Es war ja nur eine Legende und selbst wenn nicht, musste diese Geschichte schon laaange zurück liegen und es würde keine Spuren mehr geben. Ich schob diese Gedanken beiseite und genoss den Ritt. In meiner Abwesenheit hatte ich den neuen Rätselspruch gar nicht mitbekommen. Ich machte mir jedoch auch keine Mühe, ihn noch herauszufinden. Wir ritten zur Galoppwiese, auf der mitten im Feld ein weiterer Korb versteckt war. Wir mussten uns alle aufteilen, um ihn zu finden. Und so jagten auf der ganzen Wiese Pferde im Galopp durchs saftige Gras, auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Als wir sie nach einer Viertelstunde immer noch nicht gefunden hatten, wurde Lisa um Hilfe gefragt. Zu allem Überfluss wusste sie jedoch nicht mal mehr, wo genau sie den Korb hingelegt hatte. Gerade als wir aufgeben wollten hüpfte Elliot triumphierend vom Pferd. Auf dem Zettel stand: ‚Den zweitletzten Schatz hältst du beinahe schon in der Hand. Um ihn zu finden halte dich am Waldesrand.‘ Wir wunderten uns ein wenig über die Einfachheit dieses Hinweises, doch sagten nichts und ritten weiter. Die suche war schliesslich doch nicht so leicht wie gedacht, denn der Korb hängte am Ende an einem Ast über unseren Köpfen. Quinn musste auf Paints Rücken stehen um ihn zu erreichen. Die Stute hielt zum Glück schön still, weil Ajith sie hielt. ‚Das Ende ist nah und doch noch fern, du findest es im Kern.‘ Im Kern? – Ich hatte keine Ahnung, was damit gemeint war. „Ist das Nest etwa in einem Apfel?“, scherzte Jonas und die Gruppe brach die Stille mit herzhaftem Gelächter. Lisa schüttelte weise lächelnd den Kopf. „Eigentlich ist es ganz leicht.“, stellte sie fest. Auch Rosie nickte eifrig. Wir beschlossen, erstmal zurück zum Hof zu reiten, denn wir vermuteten, dass das Körbchen dort irgendwo versteckt sein musste. Ich schnalzte und trieb Gray in den Galopp, denn wir waren auf einem der sandigen Galoppwege im Wald angelangt und die Reiter vor uns waren ebenfalls angaloppiert. Ich hielt die Zügel gespannt und schnappte mir ein Büschel Mähne, um Gray besser zu stützen. Wir sprangen den Weg entlang, das dumpfe Geräusch aufschlagender Hufe im Sand klang rhythmisch und vor mir wehten die Schweife. Am Ende der Strecke musste ich Gray in ihrem Eifer stark bremsen, denn wir wären fast in Light reingerasselt. Dieser war zum Glück gerade abgelenkt mit einer Wurzel, über die er halb drüber stolperte. Wenige Augenblicke später hatten wir die kurze Schrittpassage überquert (dort durfte man nur im Schritt durch, da ab und an ein Fussgänger durchlief) und die Vordersten sausten bereits wieder los. Ich trieb Gray auch wieder an. Der Wind zerzauste mir die Haare und Gray nahm gewaltige Sprünge, um einen kleinen Rückstand zu den Vorderen Pferden aufzuholen. Wir galoppierten die ganze Strecke bis zum Waldrand. Erst als wir wieder auf freiem Feld waren, parierten wir die Pferde in den Trab durch und ritten so den restlichen Weg zum Stall zurück. Es war herrlich; Die späte Nachmittagssonne und die angenehm aufgewärmte Luft unterstützten die ausgelassene Stimmung perfekt. Wir plauderten und lachten auf dem ganzen Weg und Lewis erzählte immer wieder Witze. Wir durchquerten die Galoppbahn mit ihren grossen Tannen, wobei wir uns leicht unter einem tief hängenden Ast ducken mussten. Als wir an den Weiden vorbei kamen, kamen die beiden Mini Hengstchen aufgeregt angetrabt und begleiteten uns. Die Stuten schienen sich nicht für uns zu interessieren. Nun ging die Sucherei los: Wir teilten uns auf und durchkämmten das Hofgelände nach dem fehlenden Korb. Ich wollte gerade zu Jack reiten, als Jonas an meine Seite kam. Daher bildeten wir beide gleich ein Team. Er schlug vor, dass wir zuerst auf dem Geländeparcours suchen sollten, schliesslich war dieser der ‚Kern‘ der Galoppbahn. Ich fand dies eine gute Idee und wendete Gray in die richtige Richtung. Ich nutzte die Gelegenheit, um Light etwas zu beobachten. Der sensible Hengst mochte keine harte Hand, doch bei Jonas schien er locker und zufrieden. Er war zwar feurig, wie immer, doch Gray hielt gut mit (sie war ebenfalls recht fleissig) und er trat schön ans Gebiss. Ich blieb stumm und wnedete meinen Blick wieder von dem schwarzen Hengst ab, um nach dem Vogel zu suchen, der sein Lied über unseren Köpfen trällerte. Wir überquerten die Galoppbahn und gelangten schliesslich zur Geländestrecke. Zuerst ritt ich zu der vordersten Baum-Insel und suchte das Bodengestrüpp ab. An den Stellen, an denen der Boden kahl war, wuchs nur spärlich Gras und die Erde war hart getreten von den vielen Hufen, die hier durchgekommen waren. Dennoch sahen die mit Schatten und einzelnen Lichtstrahlen überzogenen Flächen harmonisch und geheimnisvoll aus. Da ich nichts entdecken konnte, trieb ich Gray weiter zur nächsten kleinen Baumgruppe. Ich suchte auch in den Ästen über mir, doch selbst dort befand sich kein Korb. Als nächstes sah ich beim kleinen Grabenhindernis, beim Gebüsch-Sprung, beim Baumstamm und beim Hügelchen. Doch nirgends war etwas zu finden. Auch Jonas schien erfolglos geblieben, deshalb ritten wir zurück zu den anderen. Die hatten sich gerade um Elliot versammelt, der soeben den letzten Korb im Innenhof des Hauptstalls gefunden hatte. „Na klar, der Kern ist der Hauptstall mit unseren Engländern!“, Lachte ich und gratulierte ihm. Dann bedankte ich mich formell bei Lisa und Rosie für die hervorragende Durchführung dieser Eier-Jagd und lud alle Teilnehmer zu einem heissen Tee im Garten des Haupthauses ein. Zuerst wurden jedoch natürlich noch die Pferde versorgt. Sie genossen den Sonnenuntergang in Gruppen auf der Weide.
    • Occulta
      Und der bunte Rest…

      Nachdem ich Sheela im Haus versorgt hatte, lief ich mit Jonas zurück zum Hauptstall. Merino döste erschöpft im Stroh und Blüte knabberte entspannt an ihrem Heu, dort war also alles okay. Jonas kam sich etwas unnütz vor, wie er mir verriet, da er noch nicht wieder arbeiten oder reiten konnte. Also bot ich ihm an, mir beim Training zuzusehen und mir Tipps zu geben. Er half mir ein wenig dabei, Peace zu putzen. Als wir fertig waren, verpasste ich Peace noch einen neuen Haarschnitt, was er dringend nötig hatte. Danach sah er wieder sportlich und frisch aus. Ich führte ihn nach draussen auf den Dressurplatz und stieg auf, um ihn einzuwärmen. Der kräftige Hengst hielt aber nicht viel von langsamem Schritt und schreckte immer wieder vor Vögeln oder ähnlichem zurück. Bei einem weiteren Seitensprung war es mir genug und ich beschloss, ihn endlich anzutraben um ihn zu beschäftigen. Wie erwartet lief er nun konzentrierter und brav. Ich übte einige Übergänge zur Lockerung und im späteren Verlauf des Trainings arbeitete ich viel im Galopp. Galoppwechsel waren mittlerweile kein Problem mehr für den talentierten Genossen, weshalb ich mich an die Galopppirouetten wagte. Kein Meister fällt vom Himmel – so auch nicht Paco, aber immerhin drehte er nach fünf Versuchen schon beinahe auf der Stelle. Nach einer halben Stunde intensivem Training lobte ich ihn und ritt mit Jonas im Schlepptau auf der Galoppbahn etwas Schritt. Es war ein schöner Spaziergang, denn heute war es zum Glück nicht mehr ganz so heiss. Trotzdem war ich froh um die schattenspendenden Äste der Tannen und den kühlen Luftzug, der zwischen ihnen hindurchfegte. Ich bemerkte, dass es für Jonas nicht gerade angenehm war, so viel zu laufen mit seinen Wunden, denn er verzerrte ab und zu das Gesicht, wenn er dachte, ich sähe es nicht. „Willst du aufsteigen?“, fragte ich mit abenteuerlichem Tonfall. Der kräftige Hengst würde sicherlich nicht gleich zusammenklappen und wir waren beide eher schlank. „Hmm, eigentlich…. Warum nicht?“ Ich hielt Paco an und Half ihm, sich hochzuziehen. Damit wir beide Platz hatten, musste ich vor den Sattel rutschen, während er im Sattel selbst sass. „Ich steuere, du treibst“, bestimmte ich, und nahm die Zügel auf. Paco lief zunächst etwas zögerlich, weil ihm das Gewicht und das auf dem Hals sitzende Occu ungewohnt waren. Aber als er merkte, dass alles in Ordnung war und ich ihn ausgiebig lobte, zeigte er seinen üblichen, fleissigen Schritt. Nach einigen Metern schlang Jonas plötzlich seine Arme um meinen Bauch. „Ich muss mich schliesslich festhalten“, flüsterte er mir erklärend ins Ohr. Ich schwieg und genoss die Berührung insgeheim. So ritten wir entspannt eine ganze Runde auf der Bahn. Irgendwann musste ich zurück zum Hauptstall wenden, so sehr es schmerzte diesen Ritt zu beenden. Jonas half mir beim Versorgen von Peace und ging anschliessend mit Rosie und Lisa auf den Platz, denn die beiden wollten eine Reitstunde halten. Dass er einfach so davonschlich enttäuschte mich etwas, ich hatte gehofft, den restlichen Morgen mit ihm zu verbringen. Aber warum sollte er auch bei mir bleiben, es ist ja nicht so dass ich ihm mehr bedeute als die anderen. Ausserdem bin ich immer noch der Boss hier, und mit dem Boss ist man nun mal nicht gerne freiwillig unterwegs. Ich blieb gleich bei den Trakehnern und sattelte Filou. Ich beschloss ausserdem, den anderen nicht in die Quere zu kommen und stattdessen einen Ausritt zu machen. In Stimmung dazu war ich ja schon. Als ich am Reitplatz vorbeiritt, übte Rosie gerade mit Baccardi Schulterherein, während Lisa auf Piroschka ihr Glück versuchte. Ich trieb Filou in Richtung Dorf und trabte viel. Auch einen rassigen Feldgalopp liess ich mir nicht nehmen, aber trotz allem kroch die Einsamkeit mir überall hinterher. Als ich zurückkam war schon fast zwei Uhr und ich hatte gewaltig Kohldampf. Dennoch reichte die Zeit nur für ein Sandwich, Jack hätte heute für mich gekocht, danach sattelte ich Aerith und übte etwas Trail mit ihr. Ajith und Oliver ritten Islah und Anubis auf dem Geländeparcours. Ich schloss mich ihnen um halb vier mit White Dream an. Um halb fünf mussten nur noch Donut, Ocean und Gianna bewegt werden, Ronja und Burggraf hatten bereits Lewis und Quinn übernommen. Rosie, Oliver und ich gingen also nochmals gemeinsam ausreiten, ich nahm dabei Ocean. Wir ritten über die Galoppwiese und durch den Pinienwald, die übliche Runde. Sogar für einen Abstecher zum Fluss reichte die Zeit, schliesslich hatten wir nicht mehr viel zu tun bis das Vollbluttraining vom Morgen weiterging. Die Rennpferde wurden nämlich immer nur morgens und abends trainiert, aufgrund der Hitze. Am Ende des Tages, um halb elf Uhr, setzte ich mich mit den anderen Pflegern ins Wohnzimmer und wir sahen uns gemeinsam einen Film an. Ich veranstaltete solche Abende oft, denn das stärkte meiner Meinung nach den Teamgeist und förderte ein gutes Arbeitsklima. Der Film, den Oliver ausgesucht hatte, war zwar schrecklich, doch wir machten uns dennoch einen tollen Abend.
    • Occulta
      Abendstunde mit Spannung

      Burggraf röchelte, als er merkte, dass ich auf seine Box zukam. Erwartungsvoll streckte er mir die gepunkteten Nüstern entgegen, nicht weil er ein Leckerli wollte, sondern weil er wusste, dass er nun arbeiten durfte. Ich wollte mit ihm in die Reitstunde von Elliot, die um 5 Uhr beginnen würde. Jetzt war halb fünf und ich band Burggraf im Schein der Lampen unter dem Nebenstallvordach am Holzgeländer an. Neben mir führten die weiteren Teilnehmer der heutigen Stunde die Pferdeaus den Boxen. Es waren Darren und David, Jason, Anne, Rosie und Jonas. Und Rita. Die ehemalige Besitzerin von Calico war mittlerweile fest angestellte Pflegerin und verbrachte beinahe ihre ganze Freizeit bei dem Hengst. Sie schlief aber, anders als die anderen Pfleger, im Moment noch zuhause. Wir hatten für die heutige Reitstunde, die eigentlich eher eine Springstunde war, extra die Warmblüter und Ponys ausgewählt. Nämlich Pilot, Peace, Ronja, Vychahr, Ocean, Dream und Baccardi. Sie waren allesamt schon längst geschoren und am Morgen auf der Weide gewesen, sodass sie in der Stunde gut laufen würden. Ich hatte heute auf meinen Liebling Co Pilot verzichtet, weil Muffin anscheinend in der letzten Stunde mit David ordentlich gebockt hatte und dieser sogar runtergeflogen war. Ich wollte herausfinden, ob er heute wieder zickte, oder ob es an Davids Reitweise lag. Ich zog die Fleece-Decke nicht ganz aus, da es Schneite und kalt draussen war. Dann bürstete ich das kurze Stoppelfell und kämmte das eher feine Langhaar des Achal Tekkiner Hengstes. Einen Moment lang genoss ich die Wärme, die von seinem Körper ausging und lehnte mich gegen die weiche Schulter. Er zuckte etwas mit dem Widerrist, als wollte er eine Fliege verscheuchen, und schnüffelte dann an meinem Arm. Ich streichelte die rosa Nüstern liebevoll und zupfte den Schopf zurecht. Als nächstes holte ich den Sattel. Die anderen waren noch nicht ganz so weit, also konnte ich mir Zeit lassen und in aller Ruhe die Bügel einstellen, was ich normalerweise erst beim Aufsteigen tat. Rosie neben mir kratzte Oceans Hufe aus, danach holte sie ebenfalls bereits den Sattel. Jason war am wenigsten weit mir Ronja, denn die ungeduldige Stute zog immer wieder die Hufe weg, wenn er sei auskratzen wollte. Ausserdem zappelte sie beim Bürsten oft. Ich hatte Mitleid mit ihm und kam ihm rasch zu Hilfe. Auch beim Satteln ging sie etwas zur Seite. Ich gab ihr einen warnenden Klaps und schimpfte „es reicht jetzt Zicklein“. Wenigstens liess sie sich gut gurten. Ich ging zurück zu Muffin und zäumte ihn, dann zog ich mir die Sturzweste und den Helm an. „Darren, don’t you want to wear a helmet?“, bemerkte ich mit mahnendem Blick, als ich sah, dass der junge Mann Pilot ohne Helm auf den Weg führen wollte. Er hielt inne, als wollte er sich eine Ausrede überlegen, gab dann aber die Zügel kurz Anne in die Hand, die mit Filou hinterher kam. Ich bestand darauf, dass alle Pfleger einen Helm trugen, oft genug hatte ich auf Turnieren schlimme Stürze beobachten müssen. Ausserdem war Pilot manchmal etwas empfindlich unter dem Sattel und konnte den einen oder anderen Bocksprung machen. Der Scheckhengst war und blieb ein Sensibelchen. Ich hatte ihn Darren nur anvertraut, weil er mit den anderen Pferden eine feine Hand gezeigt hatte und sehr sanfte Hilfen gab. Endlich führte auch ich Burggraf auf den Weg und stieg auf. Ich musste ihn in seinem Eifer bremsen, als er direkt nachdem ich im Sattel sass loslaufen wollte. Ich rückte die Decke auf seiner Kruppe zurecht und schlang sie um meine Beine, sodass auch ich schön warm hatte. Dann wartete ich auf die restlichen sieben Teams, damit wir gemeinsam zur Halle reiten konnten. Dort wartete bereits Elliot und war emsig am Hindernisse einstellen. Er hatte zwei kleine Kreuze, einen Steilsprung auf der Diagonalen, eine Kombination und ein In-Out aufgebaut. Gespannt überlegte ich mir mögliche Reihenfolgen aus, wurde aber von Jonas aus meinen Gedanken gerissen, der mich mit Dream eingeholt hatte. Die beiden waren ein seltsames Paar, doch auch sie mussten lernen, miteinander umzugehen. Jonas hatte mir einmal verraten, dass er lieber Grosspferde ritt, da sie etwas schwerfälliger waren und nicht so schnell auf dumme Gedanken kamen. Wir unterhielten uns eine Weile über den Schnee und die vergangene Woche, dann war es Zeit anzutraben und sich auf das Pferd zu konzentrieren. Burggraf war geladen und lief ziemlich schwungvoll. Ich ritt viele Volten, um ihn zu beschäftigen. Nach einigen Runden löste er sich und lief am Zügel, zwar noch immer zügig, aber nun angenehm weich im Hals. Ich kam mir vor wie auf einem Gummiball, als ich angaloppierte und kurz darauf über das erste Kreuz hüpfte. Vor der Wand bremste ich den Hengst wieder in den Trab und ritt dann die Kombination an. Im Moment durften wir noch frei einwärmen, Elliot gab uns lediglich zwischendurch Tipps oder korrigierte uns. Doch bald räusperte er sich und die richtige Stunde begann. „Rosie, come from the left side and take the In-Out”, hiess es, und wir sahen alle gespannt zu, während wir im Schritt Runden um die Hindernisse drehten. Es sprang jetzt einer nach dem anderen ein paar Hindernisse, dann kam etwas mehr Bewegung ins Spiel und wir sprangen in kürzeren Abständen hintereinander. Ich folgte einmal David, der mit Peace über den Oxer voraus ritt. Doch beim Absprung flatterte eine Taube von einem der Dachbalken auf, sodass der Hengst sich erschrak und nach dem eigentlichen Sprung einige Bocksprünge anhängte. David konnte den kopflos gewordenen Schecken mit Mühe gegen die Wand richten und bremsen, wobei er beinahe über den Hals gefallen wäre. Muffin wollte sich schon anstecken lassen, doch ich gab eine scharfe Parade und ritt eine kleine Volte, sodass er wieder ruhiger wurde. Auch Darren hatte ein paar spannende Momente, da Pilot sich sehr von der allgemeinen Anspannung der Pferde beeinflussen liess. Nach einer halben Stunde meinte Elliot kopfschüttelnd dass es besser sei, wenn wir wieder einzeln springen würden. Gesagt getan – tatsächlich klappte es danach wieder besser. Alles in Allem war die Stunde interessant und alles andere als langweilig, und die Pferde erfüllten die Erwartungen ihrer Reiter. Nach dem austraben drehten wir alle eine Runde um den Hof und versorgten die Pferde dann in aller Ruhe. Beim Absatteln schnaubte Muffin und schüttelte sich, sodass seine Mähne über seine Ohren fiel, was lustig aussah. Ich streichelte ihn zum Abschied in seiner Box und gab ihm seine Karotte, die er sich wirklich verdient hatte. Er schlang sie gierig runter und sah mich dann mit seinem erwartungsvollen Hundeblick an, doch ich blieb hart und packte lediglich freundschaftlich sein Ohr. Dann verliess ich die Box und schloss den unteren Teil der Holztür.
    • Occulta
      Wasser und Wellen

      Ich war auf dem Weg zu Parkplatz, denn ich wollte sehen, wie weit der Bau des neuen Stallgebäudes fortgeschritten war. Neues Stallgebäude? Richtig. Ich hatte vor einigen Monaten beschlossen, dass es Zeit währe, Pineforest Stable etwas zu erweitern. Wir hatten langsam ziemlich viele Pferde auf dem Hof und dadurch zwar noch nicht wirklich Platzmangel, aber für Gastpferde wurde es immer knapper. Und da der Park, in dem sich das Gestüt befand, ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Wanderreiter und überhaupt für alle Pferdenarren war, hatten wir bisher jeden Sommer reichlich Feriengäste zu Besuch gehabt. Das war schliesslich auch eine gute Einnahmequelle, neben den paar Reitschülern, die Regelmässig mit ihren Pferden aus der Nachbarschaft in die Halle zum Trainieren kamen. Geplant waren daher ein neuer Stall im Nordwesten des Gestüts, ein grosser Offenstall im Südosten, dort wo im Moment die oft ungenutzten Weiden lagen; entsprechend eine neue Weideaufteilung und die Krönung des Ganzen: Eine neue 1500m Galopprennbahn. Auf die freute ich mich besonders, denn so konnten wir die Vollblüter endlich anständig trainieren. Bisher hatten wir zwar auch das Beste aus der Situation gemacht, doch auf Dauer war die alte Bahn einfach zu klein und eng. Wie viel angenehmer würde es sein, nicht mehr für spezielle Trainings zur nächstbesten Rennbahn fahren zu müssen, sondern auf der Stalleigenen, grosszügigen Strecke zu trainieren? Ich sehnte mich danach, endlich neben den grossen Tannen um die Kurve zu kommen, danach auf die Gerade zu biegen und über die wundervoll lange und breite Bahn zu fliegen. Die Bahn würde kunftig um den Galoppweg herum verlaufen und damit Pineforest Stable noch etwas mehr von der Aussenwelt abschotten. Die Bahn würde zwar immernoch relativ bescheiden sein, doch zumindest viel angenehmer als die Alte. Dort wo die gestanden hatte, entstand nebenbei eine Ovalbahn; der kleine Militaryparcours im inneren blieb bestehen.

      Der ‚Nordstall‘, wie die Pfleger und ich ihn nannten, nahm langsam Form an. Die Wände Standen und das Dach war in Arbeit, Danach würde vor allem noch die Inneneinrichtung fehlen. Geplant waren 19 Boxen, wobei eine davon eine grössere Eckbox war, in der zwei Ponys Platz fanden. Wir waren uns schon jetzt alle einig, dass diese Box wie gemacht war für Herkir und Ljóski. Ich rieb mir zufrieden die Hände und begab mich dann wieder in Richtung Weiden, wo der Bau des grossen Offenstalls ebenfalls in vollem Gange war. Es war brütend heiss und ich lief in Shorts und Trägertop herum. Beim Offenstall angekommen versuchte ich mir vorzustellen, wie das ganze aussehen würde, wenn es fertig war. Die Weide wird riesig!, dachte ich entzückt. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass das Gras nicht überbeansprucht wird. Zum Glück habe ich mit der Parkverwaltung über zusätzliches Weideland diskutiert. Von den Miniature Horse Weiden her rief mich Lewis. Ich lief zügig zu ihm, Elliot und Lisa hin. Sie waren gerade dabei, die Fohlen und die Miniature Horses in die Offenställe zu sperren, denn die Weiden mussten neu abgesteckt werden. Ich beschloss natürlich mitzuhelfen und schnappte mir ebenfalls zwei Stricke und Halfter. Zunächst fingen wir die Mini-Stuten ein, danach die Hengste auf der gegenüberliegenden Weide. Das selbe geschah mit den Fohlen. Die Gekörten Stuten, die auf den unteren Weiden standen, mussten ebenfalls weg, doch ihre Offenställe wurden abgerissen, da sie veraltet und reparaturfällig waren. Da sie dank des neuen grossen Offenstalls nicht mehr gebraucht wurden, mussten sie weichen. Die beiden kleinen Offenställe und die Zäune im Osten waren bereits weg. Ich führte Gianna und Piro zur Halle und liess sie dort drin laufen. Lewis brachte Islah und Ronja, Elliot nahm Dream. Lisa fing währenddessen noch die letzten Fohlen ein. Dann bauten wir alle gemeinsam die Zäune ab. Es fühlte sich komisch an, die massiven Pfosten einer nach dem anderen auszubuddeln und auf einen Haufen zu tragen. Wir wurden nicht fertig bis zum Mittag und es war mittlerweile so heiss geworden, dass ich den Nachmittag frei gab. Ich wollte nicht riskieren, dass jemand einen Hitzschlag erlitt. Auch die Bauarbeiter zogen nach und nach ab.

      Zum Mittagessen trafen wir uns alle vor dem Pflegerheim im Schatten der Bäume. Jonas und Oliver hatten ein paar Tische und Bänke aufgestellt, denn wir grillierten. Bald sassen alle fröhlich plaudernd beim Essen und es kam die Frage auf, was man am Nachmittag tun könnte. Da hatte ich plötzlich einen Geistesblitz. „Es ist Sommer! Was machen wir im Sommer?“ “Ehh, I don’t know…“ “Es ist nicht Sommer, noch nicht“ „Ja - but it feels like summer, and it’s very hot today. Also gehen wir doch an den Strand!”, rief ich mit gespielter Ungeduld. Einige der Pfleger jubelten begeistert, andere grinsten nur, weil sie nicht verstanden hatten was ‚Strand‘ heisst. Ich sagte „Beach“ zur Erklärung, und sie stimmten mit ein. „But what about feeding and cleaning the barns?“, wollte Elliot wissen. Ich ordnete an, dass gleich nach dem Mittag alle Boxen gemistet und die Pferde gefüttert werden mussten, ausserdem würden ein paar Pfleger hier bleiben und nach dem Rechten sehen müssen. Lisa und Darren meldeten sich sofort freiwillig um zu bleiben. Lisa hatte die Begründung, dass sie ohnehin schon fast einen Sonnenstich hatte und daher kaum Energie um mit uns an den Strand zu kommen, und Darren hatte einfach keine Lust. Ich fand dies etwas fragwürdig, diskutierte jedoch nicht weiter, denn irgendwer musste ja bleiben. Auch ein paar weitere meldeten sich, sodass zum Glück niemand allzu enttäuscht war. Fröhlich und ausgelassen liefen wir nach dem Essen zu den Ställen, um den Plan umzusetzen. Als alles fertig war, machten wir den grossen Transporter bereit und dann die Pferde, die mit durften. Wir (Ajith, Lily, Quinn, Lewis, Jonas und ich) hatten uns für Numair, Anubis, Baccardi, Donut, Amor und Dod enschieden. Ich zog Dod keine transportgamaschen an, denn die Fahrt nach Newport würde nicht allzulange dauern. Beim Verladen bewies Dod mal wieder seinen Sturkopf. Er wollte partout nicht einsteigen und sträubte sich, sobald man in die Nähe der Rampe kam. „Oh come on budd, we’ll have a lot of fun!“, versuchte ich ihn zu überzeugen. Natürlich verstand er micht nicht und liess sich auch durch die Karotte, die ihm Lewis hinstreckte, nicht beeindrucken. Wir schafften es nur mit viel Geduld und Durchsetzungsvermögen, ihn Schritt für Schritt die Rampe hoch zu befördern. Endlich waren alle Pferde verladen und die eineinhalbstündige Fahrt stand an. Die Zeit verging wie im Flug und als wir in Newport auf einem abgelegenen Parkplatz beim Strand die Klappen des Transporters öffneten, schnupperten alle sechs Pferde bereits aufgeregt die Meerluft. Wir führten sie hinaus, halfen uns gegenseitig beim Satteln und stiegen schliesslich auf. Numair, Anubis, Amor und Dod waren allesamt sehr aufgeregt. Besonders Numi blähte die Nüstern und spitzte die Ohren. Doch Ajith hatte ihn soweit im Griff. Es schien dem Indischen Pfleger sogar Spass zu machen, auf einem solch temperamentvollen Tier zu sitzen. Ich hatte ein wenig Streit mit Dod, als wir den Trampelpfad zum Strand hinunter ritten, denn er wollte nicht hinter Baccardi bleiben. Unten angekommen trabten wir direkt zum Wasser und ritten ein wenig hinein. Die Wellen kamen Dod bis zum Bauch, was ihm nichts auszumachen schien, denn er scharrte freudig mit dem Huf. Salzwasser spritzte mir ins Gesicht und wir lachten. Donut war das Meer wohl noch immer nicht ganz so geheuer, denn er brauchte wieder mal am längsten um rein zu kommen. Wir waren nicht das erste mal hier – schon letztes und vorletztes Jahr hatten wir einige Strandausflüge unternommen, um möglichst mit allen Pferden einmal herzukommen. Die meisten behielten den Strand in guter Erinnerung und freuten sich beim zweiten mal schon deutlich sichtbar auf die langen Galopps und das Wasser. Manche hingegen, wie Sunday, Iskierka, Islah und eben Donut, konnten gut auf die Salzigen Wellen verzichten. Nach einer Weile trabten wir die Pferde auf dem trockenen Sand ein. Wir ritten Zirkel und formten einen Hufschlag, indem wir immer an den selben Stellen ritten. Anschliessend reihten wir uns in der Nähe des Wassers auf und bretterten dann nebeneinander über den Strand. Nasser Sand spickte von den Hinterhufen der Pferde und ich hielt den Kopf zum Schutz etwas schräg. Neben mir und Dod holte Amor mit ausholenden Bewegungen auf, den Schweif arabertypisch wie eine Fahne aufgestellt. Ich erhaschte einen Blick auf Jonas‘ grinsendes Gesicht und beschloss, Dod noch etwas mehr Zügel zu geben. Baccardi und Donut hatten trotz ihrer Grösse keine Probleme mitzuhalten, aber die Araber waren ja abgesehen von Anubis auch nicht viel grösser. Und Dod selbst hatte ebenfalls Kleinpferdemasse. Nach über einer Stunde am Strand waren endlich auch Amor und Numair ruhiger geworden, denn der Sand und das Wasser zehrten sehr an ihren Kräften. „I hope they’ll not have sore muscles tomorrow“, bemerkte Quinn. Wir beschlossen, zurück zum Parkplatz zu reiten und es für heute gutsein zu lassen. Die Pferde hatten allesamt geschwitzt, doch wir mussten, als wir zurück auf dem Hof waren, so oder so den Sand und das Salzwasser abwaschen, also wurden alle gleich beim Hauptstall angebunden und geduscht. Danach brachten wir sie gemeinsam zur alten Galoppbahn, denn die Fläche im inneren der Bahn wurde ebenfalls als Weide genutzt und war jetzt, da sich alles im Umbau befand, eine der einzigen Weiden überhaupt.

      Der Abend hielt nocheinmal eine grosse Überraschung bereit. Ich wollte gerade nach den Fohlen sehen, als ich einen Anruf von Elisa Cranfield erhielt. Ich hatte grosses Interesse an ihrem Paint Hengst ‚Unbroken Soul of a Rebel‘ gezeigt, jedoch nicht damit gerechnet, so schnell eine Antwort zu bekommen. Zu meiner positiven Überraschung rief sie nämlich an um mir zu verkünden, dass sie Pineforest Stable als geeignetes Zuhause für den Hengst sah. Wir einigten uns auf einen Preis und besprachen den Transport, dann bedankte ich mich und legte gut gelaunt auf. Der Hengst würde in drei Wochen kommen, gerade zur rechten Zeit um in den Nordstall ziehen zu können. Nun musste nur noch alles nach Plan verlaufen.
    • Occulta
      Gesellschaft für Echo

      Gähnend verliess ich das Haus, wie immer um 5 Uhr morgens. Ich hatte eigentlich nie Schwierigkeiten um diese Uhrzeit schon wach zu sein, aber heute fühlte ich mich wie gerädert. Selbst der kurz gezogene Schwarztee hatte daran nichts geändert. Auf dem Weg traf ich auf Lisa, Darren, David, Quinn und Ajith, die sich pünktlich wie immer zu den Ställen begaben. Ich schloss mich Quinn und Ajith an. In der Sattelkammer des Hauptstalls besammelten sich alle Jockeys, wie jeden Morgen, um den Trainingsplan zu besprechen. Heute starteten in der Morgengruppe zuerst die Erfahrenen Pferde, denn in einer Woche war ein wichtiges Qualifikationsrennen in Doncaster für die drei und vierjährigen. Das Feld bestand aus Lily mit Sunday, April mit Spot, Quinn mit Campina, Rita mit Winter, Tom mit Fly, Oliver mit Yalata und mir mit Gleam of Light. Tom und Fly waren ein Experiment, denn der Pfleger war sehr ruhig und sorgfältig im Umgang mit den Pferden, hatte aber dennoch genug Kraft, was mich zuversichtlich stimmte, dass er mit Fly klarkommen würde. Wir putzten die Pferde und stiegen dann auf, um im Schritt zur Galoppbahn zu reiten. Der grosse schwarze Light tänzelte schon ungeduldig, obwohl er sich beim Bürsten absolut brav benommen hatte. Aber er war bekannt dafür, im Umgang ein Engel zu sein. Wir ritten schön hintereinander im Trab zum Aufwärmen. Ich musste Lights Zügel die ganze Zeit über kurz halten und tief in den kleinen Rennsattel sitzen, um ihn ruhig zu halten. Auch Spotted Timeout war geladen, aber Quinn hatte ihn im Griff. Smelyalata erschrak in der dritten Kurve vor einer Amsel und scheute zur Seite. Oliver ging geschickt mit der Bewegung mit und gab ihr eine Parade, um sie vor einem erneuten Sprung abzufangen. Schon waren die beiden wieder auf Kurs. Nach dem Einwärmen bogen wir auf die eigentliche Rennbahn. Es war jedes Mal ein tolles Gefühl hier zu sein, auf dieser grossen, neuen Strecke mit dem trotz der Sommerhitze saftigen, kurzen Gras. Die Hitze – die war so früh morgens zum Glück noch nicht zu spüren, aber frühestens am Nachmittag würde ich mich wieder nach einem Bad sehnen. Fly stieg wiedermal vor den Startboxen, also musste Ajith, der wiedermal Bodenassistent spielte, zu Hilfe eilen. Indem wir die Türen ganz öffneten und ich mit Light voraus ritt, schafften wir es schliesslich, den braunen Hengst hinein zu bugsieren. Ich schloss die Türen vorne, bevor er mir und Light gleich wieder hinterher traben konnte, während Ajith hinten zuzog. Flys Augen waren noch immer geweitet und seine Nüstern gebläht. Er hielt den Kopf aufgeregt oben und die Ohrenspitzen berührten sich fast. Kopfschüttelnd dachte ich, wann wird er endlich wieder normal in eine Startboxe gehen? Nun trieb ich Light ebenfalls in seine Box und wartete gespannt auf den Start. In Lights Körper kribbelte jede Faser; er war sowas von bereit. Ich machte mich gefasst auf seinen üblichen, gewaltigen Absprung und duckte mich tief nach unten – da krachte es und die Türen flogen auf. Light schoss wie erwartet nach vorne und war sofort an der Spitze. Ich hielt ihn energisch zurück, denn sonst würde er sich zu früh verausgaben. Heute war zwar keine besonders weite Distanz geplant („nur“ 1600 Meter) doch ich kannte den Hengst gut und wusste, dass er grössere Leistungen brachte, wenn er im letzten Viertel noch in der Mitte des Feldes lag. Wir trainierten etwas härter als sonst, um zu testen, ob die jungen Athleten fit für das Rennen waren. Dazu trieben wir die Vollblüter von Anfang an zu einer hohen Grundgeschwindigkeit an, die im Finish nochmals gesteigert wurde. Light hielt durch und ich konnte ihn auf der Zielgeraden an den anderen vorbei pilotieren, sodass wir mit einer Länge Abstand gewannen. Gleich hinter uns folgte Winter ins Ziel. Der weisse Hengst hatte im Moment eine Art Glücksphase, denn er war bei den letzten acht Trainingsrennen immer entweder auf dem ersten oder dem zweiten Platz gelandet. Ich tätschelte Light stolz den Hals und warf ein rebellierendes Büschel der sportlich geschnittenen, rabenschwarzen Mähne wieder auf die richtige Seite. Wir ritten zum Abkühlen in Richtung Pinienwald und dann denselben Weg wieder hoch. Dann versorgten wir die Pferde und die Pfleger gönnten sich in der Reiterstube der Halle einen Kaffee. Ich jedoch lief weiter zur grossen Stutenweide, um Echo zu holen. Ich wollte mit der Stute ins Gelände, ehe ein ganz besonderer Zuwachs ankommen würde. Heute würde nämlich endlich Unbroken Soul of a Rebel eintreffen. Sein Begleitpfleger hatte mir vorhin angerufen und mich informiert, wann genau er ankommen würde. Dem Hengst ging es soweit gut und er war anscheinend auch nicht allzu gestresst gewesen, aber das erstaunte mich auch nicht, denn er war für seine Nervenstärke bekannt. Auch für seine etwas sture und wählerische Art hatte er Bekanntheit erlangt, was mir jetzt schon ein mulmiges Gefühl in die Magengegend trieb. Würde er mich als Bezugsperson akzeptieren? Andererseits vertraute ich auf meine Fähigkeiten im Umgang mit Pferden. Grinsend beschloss ich im Stillen „Challenge accepted!“ und lief zügig durch das Weidetor.
      Das hübsche Lederhalfter von Echo, das an der Stallwand hing, legte ich mir um die Schulter. Dann lief ich zu den schattenspendenden Bäumen, unter denen sich die Pferde gesammelt hatten. Sie sahen mir alle entgegen, alle bis auf Noir. Denn die Stute war im Moment gar nicht hier, sondern bei Sarah McAlistair zur Ausbildung. So wie ich Sarah kannte, fühlte sich Noir dort bestimmt wie im Paradies. Bevor ich zu Echo vordringen konnte, musste ich an Feline vorbei, die mich fast auffrass. Ich schickte sie einige Schritte rückwärts, da sie zu aufdringlich war. Schmusen war gut und recht, aber sie durfte nicht zu unverschämt werden. Nachdem ich auch Moon ein wenig gestreichelt hatte, halfterte ich die Paint Stute auf. Sie zog zuerst den Kopf etwas hoch, aber ich schaffte es trotzdem das breite Lederhalfter über ihre Ohren zu streifen. Nun führte ich sie zum Offenstallgebäude und band sie an. Sie stand schön brav da während ich sie rasch bürstete und hübsch machte. Dann holte ich den Militärsattel aus dem abgetrennten Bereich im Inneren des Stalls und machte sie fertig zum Aufsteigen. Ich wollte ihr irgendwann noch einen Western-Kavalleriesattel besorgen, wegen Style und so, aber für den Moment fand ich den auf den ich jetzt aufstieg ganz bequem. Ich ritt im Schritt vom Hofgelände weg und trabte dann zügig einige Feldwege entlang. Dabei achtete ich darauf, dass sie das Tempo beibehielt, ohne dass ich treiben musste. Das Ziel war, dass sie erst langsamer wurde, wenn ich sie bremste. Ganz klappte es noch nicht, aber immerhin blieb sie im Trab. Ich galoppierte einen Hügel im Wald hinter der Whispering Creek Ranch hoch, machte eine grosse Schlaufe mit einigen weiteren Waldgalopps und ritt dann im Trab Richtung Fluss zurück. Ich trabte geradewegs auf das Wasser zu, denn der Fluss hatte einen rekordmässig tiefen Spiegel und ich wollte testen, ob sie einfach so hineintrabte. Schon spritzte das Wasser auf beiden Seiten hoch und wir befanden uns mitten im Flussbett. Ich lobte sie und parierte in den Schritt durch. Wir überquerten die mit ein paar Bäumen und Büschen bestückte Insel und ritten dann durch den zweiten Flussarm. Hier war der Boden sandig unter dem Wasser, sodass ich mich fast wie am Meer fühlte. Nun trieb ich sie aber zurück in Richtung Pineforest Stable.
      Wir wurden von Oliver empfangen. „Can you come and have a look at Muskat? He’s a bit lame I fear.” Ich nickte und stieg ab. Ich führte Echo mit zum Hauptstall, wo ich sie beim Waschplatz anband. Dann kam Oliver mit Muskat nach draussen und führte ihn mir auf dem Schotterweg vor den Weiden vor. Tatsächlich lief er vorne rechts nicht sauber. „Okay, I’ll call the Vet after I took care of Echo. It doesn’t look too bad, but save is better than sorry.” Ich streichelte Muskat liebevoll und kehrte zu Echo zurück. Die Stute hatte das Abspritzen nötig, denn es war immer noch unglaublich heiss und sie hatte geschwitzt. Sie zappelte etwas, als das kalte Wasser an ihre Beine kam. Als ich fertig war, kam mir Alan entgegen, einer der beiden neuen Pfleger. „Hi boss, Daydreaming Sorrow was lunged this morning, but I’d like to take him out again for a forest gallop…“ “Alright, he’ll like that”, antwortete ich lächelnd. Obwohl der junge Mann erst vor drei Tagen angefangen hatte, konnte man denken er sei schon Jahre hier und er kam ausgezeichnet mit den Hengsten des Nordstalls klar. Ich mochte seine stille, aufmerksame Art und war sicher, die richtige Entscheidung bei der Auswahl aus den vielen Bewerbungen getroffen zu haben. Auch das 19 jährige Mädchen, Linda, verstand sich schon hervorragend mit den anderen Pflegern. Sie hat aber auch einen Bonus durch Jason, dachte ich schmunzelnd. Die beiden waren gut befreundet. Er hatte ihr vor ein paar Wochen vorgeschlagen, sich bei mir zu bewerben. Natürlich waren aber schliesslich ihre Fähigkeiten ausschlaggebend für ihre Einstellung gewesen.
      Ich schob diese Gedanken beiseite, als ein Transporter auf den Parkplatz fuhr. Das muss er sein! Freudig beschleunigte ich meinen Schritt und kam gerade recht, um die Klappe zu öffnen. Da stand er, der wunderschöne Paint Hengst mit der weissen Hinterhand die aussah, als wäre er rückwärts in einen Farbtopf gefallen. Er war ein Traum, nicht nur von der Farbe her: Sein Körper war sehr gut bemuskelt und der Kopf mit den hübschen kleinen Ohren und nussbraunen Augen drehte sich mir aufmerksam zu. Ich streichelte ihm vorsichtig über die Stirn und gab ihm einen Moment Zeit, mich kennenzulernen, ehe ich ihn rückwärts aus dem Transporter schob. Im Sonnenlicht schimmerte sein kurzes Sommerfell wie eingeölt. Ich bedankte mich herzlich beim Begleitpfleger und führte Rebel geradewegs zum Nordstall, wo er sich einleben konnte, bis er am Abend erstmal neben den anderen Hengsten auf die Weide durfte. Es war mir zu riskant, ihn schon heute zu den anderen zu lassen, zumal ich nicht wusste, wie er reagieren würde. Er drehte sich noch etwas in seiner neuen, geräumigen Box, dann begann er, sein Heu zu mampfen, wobei er zwischendurch wieder den Kopf hob und herumlief.

      Es war mittlerweile Abend geworden und ich stand beim robusten Holzzaun der grossen Weide beim Pinienwald. In einiger Entfernung grasten Co Pilot, Vychahr, Peace, Donut, Baccardi, Dancer, Sorrow und Burggraf. Die restlichen Hengste befanden sich auf der obersten Weide, damit es nicht zu viel Gruppendynamik gab. Rebel war alleine auf der Weide dazwischen, aber ihn trennte jeweils noch eine Strasse oder ein Feldweg von seinen zukünftigen Kumpels. Sie schienen ihn nicht gross zu verunsichern, jedenfalls liess er es sich nicht nehmen, direkt am Zaun zu fressen, da das Gras bekanntlich auf der anderen Seite des Zauns immer grüner wächst. Belustigt beobachtete ich einen harmlosen Spielkampf zwischen Dancer und Pilot. Es war toll den kraftvollen Hengsten beim Balgen zuzusehen, aber natürlich blieb ich im Stillen immer bereit, im Ernstfall einzugreifen. Die Hengste waren zwar sehr ausgeglichen und friedlich, doch in seltenen Fällen artete das Spiel aus und dann musste ein Schlichter dazwischen, bevor sich jemand verletzte. Viele befreundete Züchter konnten es nicht nachvollziehen, dass ich das Risiko auf mich nahm und die teuren Hochleistungssportler zusammen raus liess. Aber ich war der Ansicht, dass diese Pferde genau deswegen so ausgeglichen waren und ihr volles Potential zeigten. Pilot und Dancer bewiesen mir in ebendiesem Moment, dass ich Recht hatte und ein friedliches Spiel nicht nur möglich war, sondern auch von allen Beteiligten geschätzt wurde. Jedenfalls klappt es gut, solange keine Stuten in der Nähe sind. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehte mich um und stand direkt vor Jonas, der mich anlächelte. Ich antwortete ebenfalls mit einem herausfordernden Lächeln. Er schlang seinen Arm um mich und wir liefen gemeinsam zurück zum Haupthaus. Die Frage brannte mir die ganze Zeit über auf der Zunge, doch ich konnte mich erst vor der Tür überwinden, sie auszusprechen. „Willst du heute hier schlafen?“ „Okay“, war alles was ich zu hören bekam. In dieser Nacht lagen wir eng beieinander und ich genoss jede Sekunde, in der ich seinen rhythmischen Herzschlag hörte. Ich fühlte mich auf einmal so lebendig. Ich wusste weder, warum ich ihn überhaupt hereingelassen hatte, noch warum er sich auf mich einliess. Aber ich war glücklich, und er schien es auch zu sein.
    • Occulta
      Halloween Special auf Pineforest Stable

      Heute war es besonders Neblig, als ich zum Fenster raus blickte. Ich musste augenblicklich grinsen als ich feststellte, dass es Halloween war und die Szenerie perfekt passte. Doch richtig lustig würde es erst abends werden. Sheela kam schwanzwedelnd die Treppe rauf geschossen, als ich die Zimmertür öffnete. Sie schleckte mir die Hand ab, während Jacky kurz um mich wuselte, und dann wieder runter in die Küche hüpfte. Morgens war die kleine Jack-Russel Hündin nicht so liebevoll, da sie vor allem eines wollte: Futter. Das bekamen die beiden nun auch.
      Den Tag über war ich an einer Kostümparty und einer Halloween Show mit Unbroken Soul of a Rebel zu finden. Ich hatte den Paint-Hengst so bemalt, dass es aussah, als wäre er beim Übergang seiner Scheckung Frankenstein-mässig aus zwei verschiedenen Pferden zusammengenäht. Lewis hatte diese lustige Idee gehabt, und mir die Farben besorgt.
      Auf Pineforest Stable selber war nicht viel los; die Pfleger wollten ihre Arbeit möglichst früh erledigt haben, damit sie am Abend ausgehen konnten, also waren sie nicht sehr gesprächig. Ausser Ajith und Quinn, die ich erwischte, wie sie aufgeregt kichernd und flüsternd in Sundays Box standen. Sie gingen jedoch sofort wieder ihrer Arbeit nach, als sie sahen, dass ich sie beobachtete, sodass ich die beiden gar nicht erst auffordern musste. Ein zufriedenes Grinsen huschte mir dabei übers Gesicht – wie gut ich meine Mitarbeiter doch erzogen hatte. Ich genoss die Ruhe, wenn ich zuhause war, denn Feststimmung gab es auf der Party genug. Als ich gerade bei Burggraf stand und den Hengst sattelte, kam Jonas auf mich zu. „Hey Boss, heute Abend schon was vor?“ Ich hob erstaunt die Augenbrauen. „Nein… Warum?“ „Ach, ich hab grad überlegt, ob du mit an die Party in Birmingham kommen willst, aber mir ist eingefallen, dass ja jemand auf den Hof aufpassen muss.“ Mir klappte der Mund auf und ich wollte empört etwas erwidern, aber er verschwand schon wieder durch das Stalltor. Frechheit! Von wegen gut erzogen… Ich wandte mich wieder Muffin zu und zog den Gurt an.
      Als ich mit ihm, Jacky und Sheela vom Gelände zurückkam, hatte ich einen Entschluss gefasst. Quinn hatte am Morgen deutlich gemacht, dass sie weder an eine Kostümparty, noch an sonst irgendeine Saufveranstaltung mitkommen würde. Sie hatte sogar versucht, die Leute zu überzeugen, auf Pineforest Stable selbst zu feiern, anstatt alle auszugehen. Sie würde also bestimmt hier sein, um aufzupassen. Deshalb wollte ich nun doch auch nach Birmingham. Aber nicht dorthin wo Jonas ist, dachte ich mit einer herrlichen Genugtuung. Ich erzählte ihr von meinem Plan, sobald ich Burggraf versorgt hatte. Zu meiner Überraschung reagierte sie verstört. „No, you cannot…. I mean, you should stay here“, stammelte sie. „Why? You stay, right? I leave Sheela here to protect you, and If something happens you can always call me.“ „Probably, but what if some drunken people come here and mess things up?“ Ich verstand ihren Punkt; ich wollte auch nicht alleine im Dunkeln einer besoffenen, verkleideten Meute begegnen. „Fine, I’ll stay.“ Sie sah sehr erfreut aus und lief in Richtung Halle, bevor ich etwas Weiteres sagen konnte. Ich hingegen, machte mich auf den Weg zu den Minis. Die meisten von ihnen mussten heute für die Herbstshows geschoren werden, was ein ganzes Stück Arbeit war. Zum Glück halfen Lewis und Lisa mit. Wir führten zuerst Arco, Lenny, Storm und Caillean in den Innenhof des Hauptstalls. Dort banden wir die Flauschkugeln an und begannen, mit den Schermaschinen die dichte Wolle zu trimmen. Beim Kopf war ich besonders vorsichtig, aber auch der musste ein wenig bearbeitet werden. Alle hielten schön still, denn sie waren schon als Fohlen auf das Scheren vorbereitet worden. Auch Caillean stand Schulbuchmässig da und spielte mit dem Strick, anstatt sich um das lärmende Ding zu kümmern. Wir waren rasch fertig und konnten auch gleich die nächsten Kandidaten holen: Papillon, Daki und Lady. Letztere zappelte etwas, als ich die Maschine am Bauch ansetzte, doch mit etwas Geduld konnte ich sie auch dort von ihrem Pelz befreien. Nun fehlten noch Chip, Queen und Sunny. Ach, und natürlich die neue; Tigrotto. Ich hatte sie wenige Wochen nach Dante, dem Esel, übernommen, denn sie war eine hervorragende Showstute und hatte gute Bewertungen an den Fohlenschauen bekommen, an denen sie teilgenommen hatte. Um sie kümmerte ich mich als letztes. Dabei war ich zunächst eher vorsichtig, weil ich nicht wusste, wie gut sie an das Scheren gewöhnt war. Doch sie zickte nicht, sodass ich ebenfalls schon nach zwanzig Minuten fertig war. Nun hatten wir einen Berg aus Fell vor uns, und auf der Weide standen viele nackte Miniaturpferdchen. Lewis und ich machten uns daran, ihnen allen eine Decke anzuziehen, damit sie nicht kalt hatten, Lisa hielt unterdessen Sheela davon ab, den Fellhaufen auseinanderzunehmen. Es handelte sich um stabile, wasserabweisende Decken mit guten Verschlüssen, die sie in Position hielten. Sie waren ganz schön teuer gewesen, aber die Anschaffung hatte sich definitiv gelohnt. Tic-Tac, Rose, Alu und Kiwi durften ihren Pelz noch behalten, denn mit ihnen wollte ich erst im Frühling wieder starten. Zufrieden kraulte ich Daki, als alles erledigt war. Die kleine Stute knabberte mir liebevoll an der Regenjacke, als wäre ich ein anderes Pony.

      Am Nachmittag unterrichtete ich Rita auf Dod, damit sie auch ein Gefühl für Westernpferde bekam. Das klappte erstaunlich gut – naja, so erstaunlich war es doch nicht, denn sie brauchte nur einigermassen gerade zu sitzen, den Rest erledigte der fein ausgebildete Dod von selbst. Jedenfalls solange er kooperativ war. Als die Pflegerin zum dritten Mal auf dem Zirkel angaloppieren wollte, hatte der Hengst genug und beschloss kurzerhand, den Platz zu verlassen. Rita konnte kaum etwas tun, denn wenn Dod ein Ziel im Kopf hatte, musste man schon verdammt gut reiten können, um ihn wieder in den Griff zu bekommen. Ich eilte ihr zu Hilfe und fing ihn kurz vor dem Weg wieder ein. Danach arbeiteten wir noch etwas vom Boden aus weiter, das gefiel ihm deutlich besser. Ich überliess es Rita, ihn zu verräumen und ging direkt weiter zu Numair. Ich wollte mit ihm ebenfalls auf dem Platz arbeiten, allerdings zusammen mit Anubis und Lisa, die bereits in der Stallgasse des Nordstalls bereit standen. „Sorry, I’m late“, keuchte ich, denn ich war den Weg hochgerannt. „It’s okay, du kannst Deutsch mit mir sprechen, schon vergessen?“, meinte Lisa lachend. Ich schlug mir symbolisch mit der Hand gegen die Stirn und grinste, dann holte ich Numi aus der Box. Wir ritten eine Art Pas-de-Deux mit den beiden sonst Western gerittenen Hengsten. Sie machten gut mit, aber schaukelten sich nach dem ersten Galopp gegenseitig hoch und zeigten ihr südliches Temperament. Am Ende bauten wir mehr Galopp in die ‚Kür‘ ein als uns lieb war, doch wenigstens waren die beiden danach müde. Auch die anderen beiden Araber auf dem Hof, Islah und Amor, mussten noch bewegt werden. Allerdings konnte ich Amor nicht besonders gut mit Stuten laufen lassen, da er sich dann nicht mehr konzentrierte. Also schickte ich Lisa und ihn zusammen mit Donut unter David und Baccardi unter Jonas raus. Islah übernahm ich ebenfalls nicht selbst, sondern übergab sie Lewis, um stattdessen mit Blue Lady Liquor zu arbeiten. Mit ihr sprang ich einen leichten Parcours und übte dabei insbesondere das Springen aus der Kurve. Die junge Stute war noch nicht lange unter dem Sattel, also musste ich ihr Schritt für Schritt alle Tricks beim Springen zeigen.
      Später ging ich wieder mit Halluzination und Satine als Handpferd ins Gelände. Das hatte beim ersten Mal so hervorragend geklappt, dass ich es seither immer wieder versucht hatte – mit Erfolg. Die beiden Stuten schienen miteinander zu harmonieren. Auch auf der Weide standen sie oft beisammen. Satine machte mir trotzdem immer noch Sorgen. Sie nahm einfach kaum zu, egal wie viel ich zufütterte. Den Tierarzt hatte ich auch schon mehrfach bestellt, aber er meinte jedes Mal nur, ich solle weitermachen wie bisher. Während ich die beiden nach dem Ritt versorgte, berichtete mir Lewis, dass Islah wiedermal etwas faul, dafür umso schreckhafter gewesen war. Darren, der mit Piroschka mitgegangen war, hatte weniger Mühe gehabt.

      Als es dunkel wurde, verschwanden auch nach und nach die Leute, bis Quinn und ich als einzige im Hauptstall standen. Ich schlug vor, dass wir uns auch einen gemütlichen Abend machen sollten. Sie nickte erfreut und meinte, man könne ja ins Strohlager. Ich holte eine Taschenlampe, Tee in einer Kanne, Snacks und ein paar Brettspiele aus dem Haus. Dann öffneten wir die Luke zum Dachboden des Hauptstalls, wo das Stroh gelagert wurde. Sheela winselte, als wir ohne sie nach oben kletterten, doch sie war mittlerweile einfach zu gross, als dass ich sie hätte nach oben tragen können. Fairnesshalber liess ich auch Jacky unten. Ich legte den beiden eine alte Abschwitzdecke auf den Boden, auf der sie sich auf mein Zeichen hin platzierten. Der Dachboden war ein durchgehender Raum, nicht besonders hoch und vollgestopft mit Strohballen. Es hatte zwar Lampen hier oben, aber sie leuchteten nur dämmrig. Alle paar Meter gab es eine neue Luke, durch die das Stroh nach unten in die Stallgasse befördert werden konnte. Quinn und ich machten es uns im weichen Stroh neben den grossen Quadern gemütlich und begannen mit einer Partie Mühle. Ich merkte gar nicht, wie die Zeit verging, denn als ich beim nächsten Mal auf die Uhr sah, war bereits halb zwölf. Ich gähnte demonstrativ und fragte, ob Quinn noch etwas Tee wolle. Sie bejahte, also kletterten wir die Leiter hinunter und wollten gerade zum Haus, als ich Schritte vernahm. „Guess you were right with those drunken guys“, flüsterte ich mit besorgter Stimme. Ich hielt es für das Beste, nachzusehen und die Eindringlinge zu verscheuchen. Wir schlichen mit Sheela, die gerade mitten in der Ausbildung zum Schutzhund war, um den Hauptstall herum zum Roundpen, doch ich konnte niemanden sehen. Plötzlich sah ich zwischen den Tannen der Galoppbahn ein Licht auf und ab tanzen. „There! Sheela, go!“ Ich schickte die Hündin wie im Training auf das Ziel los, da ich mir sicher war, dass das Licht von einer Taschenlampe stammte. Sie flitzte los, bellte ein paarmal, doch dann wurde es still. Ich schluckte leer. „…Sheela?“ Keine Reaktion. Quinn und ich sahen uns an, dann liefen wir langsam in Richtung des Lichts. Als wir kurz davor waren, verschwand es jedoch. Von Sheela war keine Spur. „Oh no, she must have followed them – or they dognapped her!“, meinte Quinn, wobei sie bei dem Wort ‚dognapped‘ grinsen musste. Wie kann sie auch noch Scherze darüber machen? Wir müssen weiter, dachte ich aufgebracht. Schon sah ich ein neues Licht, diesmal beim Offenstall der Minihengstchen. Sofort rannte ich in die Richtung, denn ich wollte auf jeden Fall verhindern, dass die Typen den Minis etwas antaten, auch wenn ich mich mit Händen und Füssen würde wehren müssen. Als wir dort ankamen, war das Licht aber bereits wieder ausgegangen. Im Dunkeln stolperte ich über etwas im feuchten Gras liegendes und fiel beinahe ausgestreckt auf den Boden. Ich sah nicht, was der Gegenstand war, denn ich rappelte mich erschrocken wieder auf und rannte zur Halle, wo das nächste Licht aufflackerte. Quinn rief irgendwas von „there’s something hanging in the tree“, aber ich achtete mich nicht, zu fokussiert war ich auf mein Ziel. Schliesslich erreichte ich die Halle, und Quinn wenige Sekunden nach mir ebenfalls. Wir schlichen, abermals in völliger Dunkelheit, um das grosse Gebäude herum, auf der Suche nach irgendwelchen Gestalten. Warum ist es nur so dunkel? Ohne den Nebel würde ich sie bestimmt sehen. Plötzlich schrie Quinn kurz auf, es folgte ein kurzes Glucksen, dann Totenstille. Mittlerweile tatsächlich ängstlich drehte ich mich um und rief nach ihr, doch bekam keine Antwort. Das ist nicht möglich, der Mörder ist doch längst hinter Gittern! Ich wollte mein MoPho aus der Jackentasche holen, um endlich der Polizei anzurufen, doch es war weg. Ich suchte überall, sicher, dass ich es wie immer rechts gehabt hatte, doch es war nirgends zu finden. Als nächstes torkelte ich durch die Dunkelheit zum Haus, doch die Tür war verschlossen. Wie ist das möglich? Ich hatte sie doch offen gelassen, als ich Tee geholt hab... Langsam kam ich mir vor wie eine Geistesgestörte, die sich alles nur einbildete, denn auch den Schlüssel fand ich nirgends. Bestimmt bin ich im Strohlager eingeschlafen und träume alles nur, beschloss ich. Doch mit einem Kniff in den Arm wachte ich nicht auf. Unentschlossen blickte ich umher und sah dabei abermals das Licht, diesmal beim Nebenstall. Ich änderte meine Strategie und schlich mich darauf zu, immer im Schutz der Gebäude bleibend. Es schien zu klappen; diesmal verschwand das Licht nicht. Beim Näherkommen hörte ich aufgeregtes Getuschel und ein „shhh!“ An den Stimmen erkannte ich Lisa, Lewis, Jonas, Rosie und Ajith, doch da waren auch die Umrisse von weiteren. „What is happening?“, fragte ich, als ich nahe genug war, und erschreckte sie damit erfolgreich. Jemand machte Licht, sodass ich alle Gesichter erkannte. Es waren fast sämtliche der Pfleger. „Happy Halloween!...“, lachte Lewis, und die anderen stimmten mit ein. „Aber wie… Wo ist Sheela?“ Kaum hatte ich gefragt, kam die Labradorhündin Schwanzwedelnd auf mich zugehüpft. Sie haben mir also nur einen Streich gespielt, stellte ich erleichtert fest. Wir liefen alle zum Hauptstall und kletterten ins Strohlager, wobei Jonas mir Sheela hochhob und Jacky von Ajith mitgenommen wurde. Die beiden Hunde sahen sich sofort neugierig in diesem unbekannten Teil ihres Territoriums um, während die Pfleger mir erzählten, wie sie das Ganze geplant und durchgeführt hatten. Nachdem zuerst jeder gleichzeitig seine Sicht schildern wollte, sorgte Oliver für Ordnung und gab Jonas das Wort. „Aaaalso; wir haben die Idee schon vor Wochen gehabt, aber Quinn ist es hauptsächlich zu verdanken, dass wir es wirklich durchgeführt haben, sie hat die Leute zusammengetrommelt und hierbehalten. Zuerst mussten wir sicherstellen, dass du auch hier bleibst.“ „Ach deshalb warst du so frech“, unterbrach ich ihn. Er strich mir grinsend mit der Hand übers Gesicht, zum Zeichen, dass ich schweigen solle. „Jedenfalls war ich erfolgreich, oder?“ „Auf keinen Fall! Ich war sogar fast so weit, aus Trotz extra wegzugehen. Quinn war diejenige, die mich überzeugt hat zu bleiben.“ „Wie auch immer; wir anderen gingen also nach und nach, versteckten uns aber tatsächlich in der Halle. Als du ins Haus gegangen bist und den Schlüssel hast stecken lassen, hab ich ihn mir geschnappt, um später die Tür zu schliessen, damit du, nachdem dir Quinn hier oben so erfolgreich das Handy geklaut hat, nicht auf die Idee kommst, doch noch die Polizei zu rufen oder so. Dann haben wir uns mit den Taschenlampen positioniert und sind jedes Mal ein paar Meter weiter ins Gras gelegen, wenn ihr zu nahe kamt.“ „Ach deshalb hat Sheela nicht angegriffen – sie hat euch natürlich gleich erkannt…“ „Jap, und Elliot hat sie fixiert, damit sie nicht bellt. Über unseren abgetrennten fake-Arm beim Offenstall bist du leider nur drübergefallen, und auch den hängenden Mann hast du nicht gesehen.“ „Even as I wanted to call you back!“, warf Quinn ein. „Danach mussten wir uns einen Plan B überlegen, denn eigentlich war geplant gewesen, dass du es dabei natürlich merkst. Also haben wir Quinn bei der Halle entführt.“ „Dann wusstest du vom letzten Teil auch nichts?“, fragte ich Quinn lachend. „Nein, daher hatten wir auch Mühe, sie festzuhalten und vor allem zu verhindern, dass sie vor Lachen platzte!“, antwortete Lisa für sie. „Doch zuletzt hast du uns doch überlistet. Wir waren so abgelenkt, dass wir gar nicht bemerkt haben, wie du näherkommst…“ Ich stiess ein triumphierendes „yes!“ aus, und wir lachten alle herzhaft. „Nun hätte ich aber gerne meine Schlüssel und mein MoPho zurück“, sagte ich auffordernd. Quinn gab mir das Handy, doch Jonas hielt die Schlüssel nur grinsend auf. Ich stürzte mich auf ihn und nahm sie mir etwas unsanft, wobei er mich festhielt, sodass wir nebeneinander im Stroh lagen. Wir amüsierten noch etwas mit Brettspielen und Tee, ehe wir endlich alle zu Bett gingen.
    • Occulta
      Neues Jahr, neues Glück

      Weihnachten war relativ unspektakulär verlaufen, da ich es nicht wirklich feierte und auch meine Familie keinen Wirbel darum machte. Auf die heutige Silvesterparty hingegen freute ich mich besonders. Es würde ein kleines Feuerwerk geben und Pizza für alle Pfleger. Ausnahmsweise musste dabei nicht Lisa an den Herd, sondern der Pizzadienst. Doch zuerst mussten die Pferde versorgt werden. Es war schliesslich erst Mittag. Ich verdrückte die Reste meines Sandwichs und begab mich dann zum Nebenstall, um Vychahr bereit zu machen. Mit dem Hengst stand Dressurarbeit auf dem Programm, denn er musste fit gemacht werden für ein Turnier am Wochenende. Ihn schien das aber nicht zu interessieren, denn er frass stur an seinem Heu weiter, als ich kam. „Come on boy, don’t mock me“, sagte ich mit verschränkten Armen, dann umfasste ich seinen Kopf und zog ihn sanft in die Höhe, um ihm das Halfter überzustreifen. Er rieb sofort das Auge an meinem Arm, sodass ich einige Sekunden brauchte, um das Halfter zu verschliessen. Dafür folgte er mir brav aus der Box in die Stallgasse. Ich bürstete ihn gründlich durch, wobei ich mich mal wieder über einen tollen Mistfleck an der Flanke freuen durfte. „Dass du auch immer mitten drauf liegen musst – als ob deine Luxusbox zu klein währe“, murmelte ich mit zusammengebissenen Zähnen, während ich daran herumschrubbte. Stuten sind viel sauberer, die benutzen immer dieselbe Ecke, stellte ich fest. Als ich das Stroh aus dem Schweif gelesen, die Mähne entwirrt und die Hufe ausgekratzt hatte, verschwand ich in die Sattelkammer. Einen Moment lang überlegte ich, ob ich nicht doch den Springsattel nehmen sollte. Ich fand den nämlich eindeutig bequemer. Doch ich entschied mich seufzend für den lackschwarzen Dressursattel und lief damit zurück zu Vilou. Na wenigstens war ich von Vorgestern noch auf den Sattel eingestimmt, denn da hatte ich mit Feline in Dressur den ersten Platz abgeräumt. Überhaupt waren die letzten Wochen wiedermal vielversprechend gewesen: Caspian hatte alle Erwartungen übertroffen und in einem wichtigen Qualifikationsrennen den Sieg geholt, und fünf Tage später gleich noch den zweiten Platz bei einem hochdotierten Handicap. Diarado war ebenfalls in Dressur aufs Podest gekommen und Lady Diva hatte in der Fahrshow geglänzt. Ausserdem hatte Ljóski in einer Clubmeisterschaft gewonnen, bei der einige bekannte Spitzentölter um den Sieg gekämpft hatten. Ich war unglaublich stolz auf den Schecken, der als Fohlen so unscheinbar gewesen war.
      Ich übte mit Vychahr an den Übergängen, besonders Schritt-Trab, und das Rückwärtstreten. Bei letzterem hatte er noch ziemlich mühe, obwohl er das Stimmkommando von der Bodenarbeit her kannte. Ich schien ihn mit dem Treiben etwas zu verwirren, deshalb schickte ich ihn zunächst nur mit der Stimme und halben Paraden zurück, um dann Schritt für Schritt die Schenkelhilfen dazuzunehmen. Am Ende klappte es zweimal fast perfekt, danach beendete ich das Tranining sofort, denn ich wollte seine Geduld nicht noch mehr strapazieren. Ich versorgte den Fuchs und ging weiter zu Fly Fast in den Hauptstall. Mein grosser Brauner sah mir schon von weitem entgegen und röchelte. Ich öffnete fröhlich die Boxentür und klopfte ihm auf den Hals, dann schob ich ihm eine Begrüssungkarottenscheibe ins Maul. Er schien heute gut gelaunt, also beschloss ich kurzerhand, ein wenig Startboxentraining mit ihm zu machen. Das hatte ich mittlerweile schon oft getan, und jedes Mal gehofft, dass es endlich nachhaltig sein würde. Doch so leicht machte es mir Fly nicht. Der Hengst hatte ein regelrechtes Trauma, das ihm immer wieder Rückschläge brachte. Immerhin hatten wir ihn durch all das Training erreicht, dass Starts ohne Boxen möglich waren und er auf der Bahn selbst, die er am Anfang kaum noch betreten wollte, wieder konzentriert arbeiten konnte. Ich bürstete das geschorene Stoppelfell und die frisch gekürzte Mähne, dann säuberte ich die Hufe und den Kopf. Er konnte kaum stillhalten und blödelte rum, indem er die Bürste immer wieder zwischen die Zähne nahm. Nachdem ich eher sein Gebiss gebürstet hatte, als die Stirn, holte ich schliesslich das Sattelzeug. Er schnappte wie immer mürrisch nach dem Anbindeseil, als ich den Sattel auflegte. Immerhin wagte er es nicht, gegen mich zu scharren, wie er es noch vor einem Jahr getan hatte. Anschliessend führte ich ihn zur Bahn. Ich stieg noch nicht auf, sondern wollte ihn erstmal vom Boden aus in die Startmaschine führen. Dazu hatte ich zur Sicherheit die Führkette über die Nase des Hengstes gelegt, falls er steigen wollte. Solange er brav am Boden blieb, war auch kein Druck auf seinem Nasenrücken. Ich nahm mir viel Zeit und liess ihn an allem was ihm Angst einjagte schnüffeln und knabbern. Trotzdem versuchte er ein paar Mal, sich rückwärts aus der engen Box rauszuretten und sich loszureissen. Jedesmal führte ich ihn erneut hinein und blieb dabei so ruhig wie möglich. Ich rettete mich jeweils, wie es normalerweise auch die Pfleger taten, auf der Trittfläche am Rand der Boxen in die Höhe, damit Fly mich nicht irgendwie übertrampeln konnte. Schliesslich stand er drinnen, senkte den Kopf etwas und schnaubte lautstark ab. Ich lobte ihn lächelnd und gab ihm ein paar Karottenstücke, damit er sich kauend noch mehr entspannte. Nach einer Viertelstunde stieg ich auf und ritt ein paarmal hinein, was erstaunlich gut klappte. Dann versorgte ich Fly zufrieden und gönnte mir eine kurze Pause, ehe ich mit Lisa, Rosie und Lewis ausreiten ging. Wir nahmen dazu Anubis, Rebel, Burggraf und Diarado, wobei ich letzteren ritt. Die vier waren brav und wir konnten den Ausritt trotz anhaltenden Schneeregens geniessen. Zweimal liessen wir die Jungs auf passenden Waldwegen galoppieren, wobei sie richtig aufdrehten. Der Wind peitschte mir den kalten Regen ins Gesicht und ich fühlte mich steif vor Kälte, aber biss die Zähne zusammen. Mir zu Schlitzen verengten Augen vorausschauend hielt ich Diarado hinter Burggraf, sodass der Rappe sein Tempo anpassen musste. Anubis hielt trotz des Hundewetters wiedermal seinen Schweif wie eine graubraune Fahne im Wind. Ich lächelte über den unbrechbaren Stolz des Hengstes. Als wir zurückkamen, wartete Jonas vor dem Nordstall auf uns. „Hey Boss, Dakotas Fohlen ist da!“ Ich rutschte, mitten beim Absteigen, vor Überraschung fast vom Pferd. „Waaaas, aber heute Morgen war doch noch alles normal; wie ist das möglich?!“ „Sie muss wohl über den Mittag die Wehen bekommen haben. Lewis war seit kurz nach dem Misten nicht mehr unten und sonst hat auch niemand mehr nach den Minis gesehen, sonst hätten wir es wohl früher bemerkt“ Ich rollte die Augen. Das passt ja zu Daki – einen Moment wählen, in dem garantiert niemand sie stört… Ich stieg ab und versorgte Diarado mit zitternden Händen, weil ich es kaum erwarten konnte, das Fohlen zu sehen. Wie Jonas berichtet hatte war es gesund und bereits auf den Beinen als ich kam. Das schlaksige kleine Ding hatte bezauberndes, silbernes Fell ohne jegliche Abzeichen. Es war noch ganz zerzaust von der Geburt, doch stakste schon neugierig durch das Stroh im Offenstall. Zum Glück hatten wir die Minis heute nicht raus gelassen, sonst hätte sich das Stütchen bestimmt verkältet. Vorsichtig näherte ich mich und kraulte zuerst Daki, um sie kurz durchzuchecken und gewissermassen ihre Erlaubnis zu holen, das Fohlen überhaupt anfassen zu dürfen. Sie schien munter und frass entspannt weiter ihr Heu, selbst als ich mich hinkniete und das Fohlen zu mir lockte. Die kleine schnupperte ganz sanft an meinem Ärmel und nahm meine Finger in ihren Mund. Ich war ganz verzaubert von ihr und wäre am liebsten stundenlang dort geblieben, doch die Arbeit rief. Bevor ich ging, drehte ich mich bei der Tür nochmal um und murmelte den ersten Namen, der mir bei ihrem Anblick in den Sinn gekommen war: Allegra.
      Wenig später ritt ich meinen geliebten Co Pilot in der Halle. Ich sprang eine leichte Gymnastikreihe und ein paar lockernde Kreuze, ausserdem baute ich viel frischen Galopp ein. Der Hengst hatte gestern eine anstrengende Springstunde gehabt, deshalb wollte ich ihm heute eine Pause gönnen und ein paar spassigere Dinge mit ihm unternehmen. Er schien jedenfalls nicht abgeneigt und lief locker am Zügel, ohne den Schwung zu verlieren. Ausserdem streckte er wunderbar in die Tiefe, als ich ihn nach einer halben Stunde liess. Ich klopfte ihm stolz auf den Hals und begrüsste beim rausreiten Darren und David mit Baccardi und Calico. Die beiden wollten gerade in die Halle, um etwas Bodenarbeit mit den beiden zu machen. Bei dem Wetter war das wohl auch das Vernünftigste. Ich bürstete Pilot nach dem Absatteln gründlich durch, besonders bei der Gurtlage. So erhoffte ich mir, allfällige Verspannungen zu lösen und die Durchblutung anzuregen. Er gähnte entspannt, als ich den Muskellinien bei der Schulter mit den Fingern entlang fuhr. Was er hingegen nicht ganz so gerne mochte war, dass ich ihn unter dem Bauch kitzelte, damit er den Rücken etwas anhob. Er verzieh mir, als ich ihm seine Karotten und einen Apfel als Belohnung brachte. Ich wollte, dass die Pferde auch etwas von ihrer Mitarbeit hatten und nicht einfach nur funktionieren mussten. Daher fand ich es ganz natürlich, dass sie alle ihre verdienten Leckereien am Ende der Arbeit bekamen. Allerdings verzichtete ich meist auf herkömmliche Leckerlis und fütterte stattdessen meist Karottenstückchen, da diese besser für Zähne und Bikinifigur waren.
      Als es schon längst dunkel war, mussten Rosie und ich noch die letzten Pferde für heute bewegen; nämlich Shadow und Noir. Ich führte die Welsh Stute von der Stutenweide zum Nebenstall und band sie locker unter dem Vordach an. Rosie tat es mir gleich und ich brachte ihr gleich Shadows Putzzeug mit. Wir bereiteten die beiden Stuten gründlich vor und gingen dann in die Halle um sie zu longieren. Noir ritt ich fast nicht mehr, weil auch ihr Fohlen nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Sie war noch kugeliger als sonst – aber immerhin hatte sie jetzt eine Ausrede. Ich kam nicht umhin zu schmunzeln, als sie auf mein Kommando hin angaloppierte und trotz allem zu ein paar kräftigen Bocksprüngen ansetzte. Shadow auf der anderen Volte liess sich anstecken und drehte ebenfalls ein paar Schleuderrunden, aber sie war bereits gut eingewärmt, also machte ich mir keine Sorgen. Im Gegenteil: ich bewunderte, wie toll die lackschwarze Stute ausbalanciert war. Wir brachten die beiden in einer guten halben Stunde sogar etwas zum Schwitzen, sodass wir sie etwas länger trockenführen mussten. Nachdem beide versorgt waren, sah ich nochmal nach dem jüngsten Bewohner von Pineforest Stable. Allegra lag platt auf der Seite neben ihrer Mutter im Stroh und döste, Daki stand mit aufgestütztem Bein da und hob sofort den Kopf, als ich kam. Ich schlich mich leise wieder raus, um die kleine nicht zu wecken. Danach gings ans Vorbereiten des Neujahrsfests. Ich bestellte beim Pizzadienst die Wunschliste der Pfleger und half danach beim Decken der Tische im Pflegerheim. Wir hatten die Sofas im Aufenthaltsraum an die Wand geschoben und so einen geräumigen Essraum geschaffen. Das Radio lief und sorgte für gute Stimmung, ausserdem hatten sich alle irgendwas zu erzählen, sodass es nicht langweilig wurde, bis das Essen kam. Pünktlich um Mitternacht stiessen wir alle an und wünschten uns gegenseitig ein erfolgreiches neues Jahr. Dann verzogen sich die meisten Pfleger auch schon wieder in die Betten, da auch am nächsten Tag schon früh gefüttert und gemistet werden musste. Pferde kannten nunmal keine Feiertage. Diejenigen Pfleger, die morgen später Schicht hatten, oder gar ganz frei, blieben noch ein wenig länger auf. Ich begab mich ebenfalls zurück ins Haupthaus, denn ich war hundemüde. Ich schickte Zira, Sheela und Jacky auf ihre Decken und streichelte sie ein letztes Mal, ehe ich die Treppe hoch schlenderte. Gerade, als ich das Licht löschen wollte, klingelte das Telefon. Ein Anruf um diese Zeit? Sicher irgendwelche verrückten Verwandten die mir ein gutes neues Jahr wünschen wollen, dachte ich seufzend. Doch als ich den Hörer ans Ohr hob, musste ich leer schlucken. “Police office Birmingham, am I talking to Miss Occulta Smith?“ Ich zögerte, dann antwortete ich. Besorgt wartete ich auf die Erklärung für den Anruf, doch als ich sie bekommen hatte, wollte ich die Worte am liebsten gleich wieder vergessen. „We are sorry to tell you that your cousin Rachel passed away.“ Schluchzend legte ich auf, sobald der Officer fertig war und wählte die Nummer von Rachels Nachbaren, die Lily fürs erste bei sich aufgenommen hatten. Sie gaben mir meine Nichte ans Telefon, die natürlich völlig geschockt und aufgelöst war. Lily war nun eine Waise, denn ihr Vater war schon vor Jahren an Lungenkrebs gestorben. Nun hatte es ihre Mutter erwischt – ein schrecklicher Verkehrsunfall auf dem Heimweg. „Shhhh, ganz ruhig, es wird alles gut… irgendwie. Ich hole dich morgen ab, es ist alles mit der Polizei abgesprochen. Du kommst zu mir, und ich kümmere mich um dich. Wir stehen das zusammen durch.“ Das Schluchzen am anderen Ende wurde leiser und ein ersticktes „Okay“ folgte. Ich konnte diese Nacht kaum schlafen und hatte Albträume. Fing so ein gutes neues Jahr an?
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  • Album:
    Pensionspferde (Gnadenweide)
    Hochgeladen von:
    Occulta
    Datum:
    18 Dez. 2013
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  • Offizieller HG

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    Rufname: Baci
    Geburtstag: 05.07.
    Alter: 9 Jahre
    Stockmaß: 1.48 m
    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: Kohlfuchs

    (ee,aa)
    Abzeichen: laterne, 4x hochweiss
    Gesundheit: sehr gut

    Hufe: Beschlagen, gutes Horn


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    Mutig, freundlich, stolz, etwas misstrauisch


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    Baccardi ist ein stolzer Hengst, er ist mutig und selbstbewusst. Baci hat kaum Hengstmanieren und ist ziemlich freundlich. Doch wie fast jedes Pferd, braucht er eine Weile bis er Vertrauen erfasst und sich mehr traut.
    Baccardi kommt aus einen ordentlichen Zuchtgestüt. Er ist ein Hengstanwärter und wurde auch als Saugfohlen schon prämiert. Er hat eine richtige Grundausbildung hinter sich und wäre ein perfektes Turnierpony. Durch Exterieur und Farbe aber eben auch ein sehr guter Zuchthengst. Auch weil er seine feinen Gänge und den hengstfreien Charakter vererben könnte.



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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Sweetvelvetrose
    VKR: (Sweetvelvetrose)
    Verkäuflich: Nein



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    Gekört: Ja
    Nachkommen: River's Batida de Coco, River's Baghira, Baccarda, River's Blue Lady Liquor, River's Bateau, River's Candy, Bright Paradise, PFS' Pompeii, PFS' Bacardi Mojito, PFS' Baccardi Limited
    Decktaxe: 80 J



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    Galopprennen Klasse: A
    Western Klasse: E

    Spring Klasse: A
    Military Klasse: L
    Dressur Klasse: A
    Distanz Klasse: A

    Eignung: Dressur, Springen
    Eingeritten: Ja



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    [HK 426]
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    2. Platz 250. Springturnier
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    2. Platz 152. Militaryturnier
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    2. Platz beim Sommerturnier von Caed Crevan
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    1. Platz Ponyquadrille des Harp Stud
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    Baccardi's Spind