Occulta

• Anubis, Araber ♂

Hengst | Schimmel

• Anubis, Araber ♂
Occulta, 9 Aug. 2013
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    • Occulta
      Vollblütertraining und so weiter 22.06.2013

      Wie versprochen machte ich mich nach dem Spaziergang mit den Minis noch auf zum Hauptstall, wo ich Sunday putzte und sattelte. Stromer, Felicita, Light, Crack und Paint waren am Morgen schon bewegt worden, blieben also nur noch Spot, Kierka, Pina und Sunday eben. Ausserdem sollte um sieben Uhr noch eine neue Stute ankommen: Shades of Gray. Ich hatte die Süsse von einem Kollegen in Süd England abgekauft. Die Zweijährige war noch nicht eingeritten worden. Doch nun erstmal zurück zu Sunday, den ich nach dem Putzen zur Bahn ritt. Es war schon deutlich kühler geworden und die Sonne stand nicht mehr ganz so hoch. Auf der Grasbahn liess ich ihn locker eintraben, darauf folgte ein kleiner Galopp. Dann trabte ich ihn bis zum 500-Meter Pfosten und machte dort einen fliegenden Start. Er ging gut, galoppierte sauber im Takt. Bei der 1000-Meter Markierung liess ich ihn noch einmal zulegen bis zur 1200er Markierung, danach liess ich ihn auslaufen. Ich lobte ihn und wendete auf der Bahn. Nun wiederholte ich das Ganze auf dieser Seite. Diesmal machten wir eine ganze Runde auf der 1500 Meter langen Bahn. Er blieb bis zum Ende fit, also hängte ich nach einer halben Trabrunde einen kleinen Lockerungsgalopp an. Danach liess ich ihn austraben. Er streckte trotz der Anstrengung schön den Kopf nach unten und lief schwungvoll vorwärts, ein Zeichen dass er mittlerweile gute Kondition hatte. Ich lobte ihn ausgiebig, dann verliess ich im Schritt die Bahn und ritt zur Galoppbahn, um ihn dort noch eine Weile Schritt zu reiten.
      Zurück beim Hauptstall sattelte ich Sunday ab und wusch ihn. Er hatte stark geschwitzt wegen der Wärme und der hohen Luftfeuchtigkeit. Ich nutzte die Gelegenheit, um ihn ganz abzuduschen. Dazu rieb ich ihn ordentlich mit Shampoo ein und spülte dieses danach gründlich aus. Zum Trocknen liess ich ihn ein wenig an der Hand grasen. Er war recht schnell trocken, also verräumte ich ihn wieder in die Box und lief danach zum Parkplatz, wo mein Mann schon wartete. Gleich würde die neue Stute kommen. Wenige Minuten später fuhr der Anhänger auf den Hof und die graue Zweijährige wurde herausgeführt. Ich nahm sie entgegen, während mein Mann sie sich genau ansah. Sie schien top fit und bereit zum einreiten. Zufrieden führte ich sie in ihre neue Box neben Crack. Mein Mann fuhr daraufhin los um eine weitere neue Stute zu holen: Islah. Auch sie kam gut an, die beiden neuen schienen sich jedenfalls auf Anhieb wohl zu fühlen in der grossen Box. In der Zwischenzeit hatten Quinn, Oliver und Lily Pina, Kierka und Spot bewegt. Nun waren also alle müde und zufrieden, Zeit dass auch die Menschen eine Pause bekamen. Zum Abschluss des Tages sassen wir also alle noch draussen vor dem Haus und assen eine Schüssel Fruchtsalat.
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      Der Bericht

      Es war Abend und ich hatte es mir gerade draussen auf der Hängematte bequem gemacht, bereit mein Erdbeer-Frappé zu schlürfen. Da kam Lily vom Nebenstall her angelaufen. "Guten Abend, ich dachte ich komm noch kurz vorbei und sag gute Nacht." Sie lächelte mir mit diesen Worten freundlich entgegen. "Das ist aber lieb. Musst du denn gleich gehen, oder bleibst du noch etwas hier?", erwiderte ich und stellte den Becher beiseite. "Nö, ich hab's nicht eilig.", kam die Antwort. Ich schlug vor, dass sie neben mir auf die Hängematte kommen solle und mir vom heutigen Tag erzählen könne. "Also gut", fing sie an und liess sich neben mir nieder. "Wie jeden Morgen haben wir zuerst alle hungrigen Mäuler gestopft. Dann habe ich Peace rausgenommen und mit ihm ein wenig Gelände Training gemacht. Währenddessen haben Lewis, Jonas, Lisa und Quinn mit Summer, Flint, Moon und Shadow auf dem Platz trainiert. Anschliessend haben wir die Hengste auf die Weiden gebracht, wie immer diejenigen zusammen, die auf der Liste standen. Die Stuten durften am Nachmittag raus. Die Mini Stuten haben wir ausserdem wieder freilaufen lassen. Nach dem Misten hab ich mir Pilot geschnappt und Oliver Sun; wir sind mit den beiden rausgegangen. Ich glaube Rosie hat in der Zwischenzeit mit Dream gearbeitet, ich weiss aber nicht was. Ach ja, Lewis hat zusammen mit Quinn Silver und Bella longiert. Nach dem Mittag bin ich nochmal raus gegangen, diesmal mit Ocean. Rosie ist mit Islah mitgekommen. Das ging ziemlich gut, Islah hat nur einmal bei der Brücke ein bisschen gezickt." "Ach ja, das kennen wir ja", unterbrach ich sie und rollte mit den Augen. "Jaaa, immer an derselben Stelle... Aber irgendwann kurieren wir auch das noch." "Und wie macht sich Bandit?", wollte ich wissen. "Ahh der Neue, ja, der ist ganz brav. Hat sich gegen Abend ohne Probleme von Jonas longieren lassen und am Schluss ist er mit ihm um die Galoppbahn geritten." "Das ist ja toll! Hatte er nicht Angst vor den Tannen?" "Ja, aber jetzt nicht mehr. Er ist brav wie ein Lamm. Vorhin hab ich noch Oliver und Lisa mit Donut und Anubis auf dem Platz gesehen. Schau, das Licht brennt noch." "Ahh ja", antwortete ich und beobachtete die beiden kurz. Lilys stimme riss mich aus meinen Gedanken. "Und wie war der Distanzritt?" "Toll, wir haben zwar nicht gewonnen, aber ich wurde mit Ronja Dritte und mein Mann mit Burggraf Fünfter." "Echt gut! Ich will unbedingt auch mal mitkommen und zuschauen. Wann geht ihr das nächste Mal?" "Erst in ein paar Monaten, ich weiss das Datum gerade nicht. Aber ich sag's dir morgen.", antwortete ich. "Gut." Sie sah auf die Armbanduhr und meinte dann "Ich muss jetzt leider los, bis morgen also." Ich verabschiedete mich und schlürfte mein Frappé fertig. Es war ein herrlicher Abend.
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      Ausritt mit Anubis, Burggraf und Donut

      „Occu? Hey Occu!“ Die Stimme von Lisa riss mich aus meinen Gedanken. Ich war gerade dabei, den Rennsattel von Spot zu putzen, als die aufgedrehte Pflegerin hereingestürmt kam. „Wow wow wow, was ist denn mit dir los?“, fragte ich lachend. Sie räusperte sich, dann trällerte sie in übertrieben hoher Stimme: „Jonas fragt, ob du mit uns ausreiten kommst!“ Im Hintergrund hörte ich ein Geräusch und Sekunden später tauchte Jonas verlegen im Türrahmen auf. „Nunja, falls du Zeit hast natürlich. Muffin, Donut und Anu brauchen mal wieder Auslauf.“ Ich überlegte kurz und ging im Geiste meinen Tagesplan durch, ehe ich zufrieden nickte und den Schwamm weglegte. „Ich denke, das dürfte noch reinpassen, wir haben ja nicht gleich 3 Stunden oder?“, meinte ich in herausforderndem Tonfall. Die beiden nickten eifrig und Lisa überflutete mich gleich mit Fragen. „Welchen der drei nimmst du? Welchen Sattel willst du? Oder sogar ohne Sattel? Und Schabracke? Wollen wir bis zum Ende der Galoppwiese oder noch weiter oder in die andere Richtung? Sollen wir nochwartenmitputzenjetztbleibdoch hiiieeer!“ Ich war bereits am Putzzeug holen, nämlich das von Donut. Jonas grinste belustigt und schnappte sich das Halfter von Muffin, so blieb für Lisa nur noch Anu übrig. Wir liefen ‚Somewhere Over the Rainbow‘-summend zu den dreien. Ich band Donut direkt hinter Muffin an, Anu stand weiter vorne. Immer noch vor mich hin pfeifend begann ich, den Rappen durchzubürsten. Zuerst mit dem Striegel, dann mit der groben und schliesslich mit der weichen Bürste. Als ich auch die Hufe und das Langhaar geputzt hatte, holte ich den Sattel und die Trense. Donut machte beim Zäumen einen ganz runden Hals und suchte das Gebiss regelrecht. Auch Anubis liess sich ohne weiteres aufzäumen, Muffin sträubte sich jedoch zuerst ein bisschen, indem er den Kopf hochstreckte. Mit seiner üblichen Geduld schaffte es Jonas trotzdem, den Hengst zum Maul-Öffnen zu bewegen. Ich beobachtete, wie er ihm lobend auf die Schulter klopfte, kaum war das Nackenstück über die Ohren gestreift. „Seid ihr fertig?“, fragte ich rasch, um meinen leeren Blick zu begründen. Beide waren so weit, also liefen wir nacheinander aus dem Stall auf den kleinen Platz im Innenhof des Hauptstalls. Dort stiegen wir wie immer auf und gurteten nochmal nach, dann ritten wir los in Richtung Fluss. Ich hörte eines der Minipferdchen wiehern als wir in die Nähe der Weiden kamen. „Ist denen etwa schon wieder langweilig? Die durften doch erst heute Morgen auf dem Platz mit den Kindern spielen.“, bemerkte ich belustigt. „Mit den Kindern spielen – das ist der richtige Ausdruck!“, lachte Jonas. Lisa begann nach ein paar Minuten der Stille eifrig von ihren Erlebnissen als Trainerin zu erzählen. Jonas und ich sahen uns gleichzeitig an und rollten mit den Augen, um gleich darauf in Lachen auszubrechen. Lisa schwatzte währenddessen munter weiter, als hätte sie es nicht bemerkt, vielleicht hatte sie das ja tatsächlich nicht. Nach dem Fluss bogen wir rechts ein wenig ins Feld und galoppierten an. Es entwickelte sich ein kleines Rennen, bei dem Donut und ich anfangs vorne lagen, jedoch schnell eingeholt wurden durch den temperamentvollen Araber Anubis. Uns blieb auch nicht erspart, dass Muffin aufholte und an uns vorbeizog. „Macht nix mein dicker, die haben nen Vorteil.“, murmelte ich dem Ponyhengst ins Ohr. Am Waldrand bremsten wir wieder in den Trab, dann ritten wir südwärts und schliesslich in einer grossen Schlaufe zurück zum Hof. Dabei mussten wir den Fluss nochmals überqueren, diesmal bei einer Betonbrücke, die Muffin nicht geheuer war. Ich ritt extra nahe vor den beiden, damit Muffin sich anhängen konnte und es klappte; wir schafften es beim dritten Versuch doch noch. Muffin tänzelte zwar auf dem ganzen Weg darüber, aber er blieb bei uns. Da er sich auch auf dem restlichen Rückweg nicht wirklich beruhigte, gab mir Jonas seine Gerte, in der Hoffnung, dass er so etwas ruhiger werden würde. Es klappte leider nicht wirklich, aber Jonas nahm dafür bei unserer Wiederankunft noch ein paar Sprünge auf dem Platz. So konnte er den Achal Tekkiner noch etwas auspowern. Wir verräumten die Pferde in ihre Boxen und liefen anschliessend zu den Mini-Weiden. Ich öffnete das Zauntor und schon kamen die Stütchen angerannt. „Heyy Daki, halllooo, Chip lass das! Ach Queenie das kann man nicht fressen, au!“ Goldy, mit ihrem goldenen Charakter, war die einzige, die nicht versuchte, mich irgendwie zu beknabbern oder meine Schuhbändel aufzumachen. Dann war der Spuk auch wieder vorbei, denn Daki hatte wohl eine Stelle mit etwas frischem Gras unter dem Schnee entdeckt. Sie lief davon und alle anderen folgten ihr eifrig. Jonas schüttelte lachend den Kopf, denn die Hengstchen hatten so gar nicht Freude daran, dass sich ‚ihre‘ Stütchen vom Zaun entfernten. Arco und Caress standen beide mit gespitzten Ohren und geblähten Nüstern da, Arco trug ausserdem den Schweif elegant aufgestellt. In solcher Pose sah er richtig edel aus, fast wie ein zu klein geratener Araber. Plötzlich flitzte etwas Weisses an mir vorbei. Ich drehte mich erstaunt und entdeckte Kiwi, die in Richtung Lewis trabte, der vom Nebenstall her angelaufen kam. Die Kleine hatte sich gut gemacht, sie war kräftig geworden und hatte wolliges Babyfell. Lewis streichelte sie zur Begrüssung wie man es bei einem kleinen Hund getan hätte, und Kiwi verhielt sich auch nicht viel anders als ein solcher. Sie trottete Lewis hinterher, sogar als er weg von den anderen Minis zur Halle lief. Ich rief ihm noch hinterher, dass er auf die Kleine aufpassen solle. „Achja, Lisa, heute kommt noch ein neuer Pflegling für dich an. Eine Ministute namens Alufolie. Wir haben sie…“ Ich wurde durch Jonas‘ Gelächter unterbrochen. „Alufolie? Echt jetzt?“ „Ja, ihr Vater heisst Klofolie.“ Nun lachten wir alle herzhaft, denn die Namen waren nun wirklich etwas… seltsam. Doch nichts desto trotz mussten wir die Stute empfangen, weshalb wir pünktlich um sieben Uhr auf dem Parkplatz standen. Dort wurde sie nun rückwärts herausgeführt, unsere Alu. Der Name war schnell vergessen als wir die toll gefärbte Stute sahen. Ihre Kruppe war komplett weiss gesprenkelt und sie hatte einen ausgezeichneten Körperbau, daher war sie ja auch gekrönt worden. Wir bedankten uns beim Fahrer und führten die Stute erstmal alleine in den Offenstall, die anderen waren ja noch daran, den Hof unsicher zu machen und so konnte sie sich in Ruhe eingewöhnen. Sie machte sich auch gleich daran, mit den überaus neugierigen Hengstchen zu quietschen.
    • Occulta
      Und der bunte Rest…

      Nachdem ich Sheela im Haus versorgt hatte, lief ich mit Jonas zurück zum Hauptstall. Merino döste erschöpft im Stroh und Blüte knabberte entspannt an ihrem Heu, dort war also alles okay. Jonas kam sich etwas unnütz vor, wie er mir verriet, da er noch nicht wieder arbeiten oder reiten konnte. Also bot ich ihm an, mir beim Training zuzusehen und mir Tipps zu geben. Er half mir ein wenig dabei, Peace zu putzen. Als wir fertig waren, verpasste ich Peace noch einen neuen Haarschnitt, was er dringend nötig hatte. Danach sah er wieder sportlich und frisch aus. Ich führte ihn nach draussen auf den Dressurplatz und stieg auf, um ihn einzuwärmen. Der kräftige Hengst hielt aber nicht viel von langsamem Schritt und schreckte immer wieder vor Vögeln oder ähnlichem zurück. Bei einem weiteren Seitensprung war es mir genug und ich beschloss, ihn endlich anzutraben um ihn zu beschäftigen. Wie erwartet lief er nun konzentrierter und brav. Ich übte einige Übergänge zur Lockerung und im späteren Verlauf des Trainings arbeitete ich viel im Galopp. Galoppwechsel waren mittlerweile kein Problem mehr für den talentierten Genossen, weshalb ich mich an die Galopppirouetten wagte. Kein Meister fällt vom Himmel – so auch nicht Paco, aber immerhin drehte er nach fünf Versuchen schon beinahe auf der Stelle. Nach einer halben Stunde intensivem Training lobte ich ihn und ritt mit Jonas im Schlepptau auf der Galoppbahn etwas Schritt. Es war ein schöner Spaziergang, denn heute war es zum Glück nicht mehr ganz so heiss. Trotzdem war ich froh um die schattenspendenden Äste der Tannen und den kühlen Luftzug, der zwischen ihnen hindurchfegte. Ich bemerkte, dass es für Jonas nicht gerade angenehm war, so viel zu laufen mit seinen Wunden, denn er verzerrte ab und zu das Gesicht, wenn er dachte, ich sähe es nicht. „Willst du aufsteigen?“, fragte ich mit abenteuerlichem Tonfall. Der kräftige Hengst würde sicherlich nicht gleich zusammenklappen und wir waren beide eher schlank. „Hmm, eigentlich…. Warum nicht?“ Ich hielt Paco an und Half ihm, sich hochzuziehen. Damit wir beide Platz hatten, musste ich vor den Sattel rutschen, während er im Sattel selbst sass. „Ich steuere, du treibst“, bestimmte ich, und nahm die Zügel auf. Paco lief zunächst etwas zögerlich, weil ihm das Gewicht und das auf dem Hals sitzende Occu ungewohnt waren. Aber als er merkte, dass alles in Ordnung war und ich ihn ausgiebig lobte, zeigte er seinen üblichen, fleissigen Schritt. Nach einigen Metern schlang Jonas plötzlich seine Arme um meinen Bauch. „Ich muss mich schliesslich festhalten“, flüsterte er mir erklärend ins Ohr. Ich schwieg und genoss die Berührung insgeheim. So ritten wir entspannt eine ganze Runde auf der Bahn. Irgendwann musste ich zurück zum Hauptstall wenden, so sehr es schmerzte diesen Ritt zu beenden. Jonas half mir beim Versorgen von Peace und ging anschliessend mit Rosie und Lisa auf den Platz, denn die beiden wollten eine Reitstunde halten. Dass er einfach so davonschlich enttäuschte mich etwas, ich hatte gehofft, den restlichen Morgen mit ihm zu verbringen. Aber warum sollte er auch bei mir bleiben, es ist ja nicht so dass ich ihm mehr bedeute als die anderen. Ausserdem bin ich immer noch der Boss hier, und mit dem Boss ist man nun mal nicht gerne freiwillig unterwegs. Ich blieb gleich bei den Trakehnern und sattelte Filou. Ich beschloss ausserdem, den anderen nicht in die Quere zu kommen und stattdessen einen Ausritt zu machen. In Stimmung dazu war ich ja schon. Als ich am Reitplatz vorbeiritt, übte Rosie gerade mit Baccardi Schulterherein, während Lisa auf Piroschka ihr Glück versuchte. Ich trieb Filou in Richtung Dorf und trabte viel. Auch einen rassigen Feldgalopp liess ich mir nicht nehmen, aber trotz allem kroch die Einsamkeit mir überall hinterher. Als ich zurückkam war schon fast zwei Uhr und ich hatte gewaltig Kohldampf. Dennoch reichte die Zeit nur für ein Sandwich, Jack hätte heute für mich gekocht, danach sattelte ich Aerith und übte etwas Trail mit ihr. Ajith und Oliver ritten Islah und Anubis auf dem Geländeparcours. Ich schloss mich ihnen um halb vier mit White Dream an. Um halb fünf mussten nur noch Donut, Ocean und Gianna bewegt werden, Ronja und Burggraf hatten bereits Lewis und Quinn übernommen. Rosie, Oliver und ich gingen also nochmals gemeinsam ausreiten, ich nahm dabei Ocean. Wir ritten über die Galoppwiese und durch den Pinienwald, die übliche Runde. Sogar für einen Abstecher zum Fluss reichte die Zeit, schliesslich hatten wir nicht mehr viel zu tun bis das Vollbluttraining vom Morgen weiterging. Die Rennpferde wurden nämlich immer nur morgens und abends trainiert, aufgrund der Hitze. Am Ende des Tages, um halb elf Uhr, setzte ich mich mit den anderen Pflegern ins Wohnzimmer und wir sahen uns gemeinsam einen Film an. Ich veranstaltete solche Abende oft, denn das stärkte meiner Meinung nach den Teamgeist und förderte ein gutes Arbeitsklima. Der Film, den Oliver ausgesucht hatte, war zwar schrecklich, doch wir machten uns dennoch einen tollen Abend.
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      White Storm

      Sonnenstrahlen wärmten meinen Rücken, als ich mit Lila den Feldweg entlang töltete. Es war Sonntag, kurz nach dem Weihnachtsball. Ein Blick auf die Armbanduhr unterrichtete mich von der Tageszeit – zehn nach zwei Uhr. Es war ein vollgepackter Morgen gewesen. Zwei neue Pferde hatte ich begrüssen dürfen, und morgen würde nochmals eines folgen. Um fünf Uhr war ich aufgestanden, um beim Füttern zu helfen und anschliessend mit den Rennpferden und Jockeys ins Training zu gehen. Kaum war Cantastor wieder abgesattelt und versorgt gewesen, hatte ich Gini auf dem verschneiten Platz bewegt. Es waren sogar immer noch ein paar Flöckchen gefallen, während ich mit ihr Slaloms, Stops und Seitwärtsgänge geübt hatte. Richtig hübsch hatten die weissen Fetzen sich ihren Weg durch den nebligen Himmel getanzt. Danach hatte ich Amor Casdove vom Flughafen abgeholt. Der Pintoaraber hatte wohl einen echten Kulturschock gehabt, als er vom warmen Australien ins verschneite England verfrachtet worden war. Er hatte sich auch entsprechend verhalten und war trotz seiner Winterdecke extrem zappelig gewesen, als hätte es ihm an die Beine gefroren. Ich nahm es dem temperamentvollen Jungspund nicht allzu übel. Er hatte sich in der Box einige Male gedreht und gewiehert, danach war aber auch schon Ruhe eingekehrt. Ich hatte anschliessend Anubis bewegt, der zum Glück einiges ruhiger gewesen war. Nachdem ausserdem auch Donut und Hallu bewegt gewesen waren, hatte ich mich auf den Weg in den Süden gemacht, um meine neue Paint Stute abzuholen. Sie war ein interessantes Projekt, da sie vollkommen militärisch ausgebildet worden war. Ich hatte zwar gute zwei Stunden bis Bristol gehabt, doch die Fahrt hatte sich gelohnt: Echo war bereits mit einigen anderen Pferden angebunden auf dem Parkplatz gestanden, denn sie war nicht das einzige Pferd gewesen, das heute abgeholt worden war. Der alte Bauer, der aufgrund seiner Demenz seine Hobbyzucht aufgeben musste, war etwas verwirrt in Begleitung seiner Tochterzwischen den Pferden und Anhängern hindurch gewuselt und es war ihm sichtlich schwer gefallen zu verstehen, warum seine Pferde weg mussten. Als ich Echo endlich hatte die Rampe hochführen dürfen, hatte ich ihm versichern müssen, dass ich sie weiterhin kavallerietauglich ausbilden würde. Er hatte mir ihr Zaumzeug geschenkt, da sie dieses in der Ausbildung so gut angenommen hatte. Ich hatte beschlossen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen und es für mich als Challenge zu betrachten. Nun war die Stute in ihrer neuen Box und lebte sich ein, während ich auf dem Ausritt mit Lila war.
      Mein Mopho summte, ich bremste die Islandstute. "Hey, bist du noch lange weg?", stand auf dem Display, darüber fand ich das Profilbild von Jonas. Ich verneinte und fragte warum, konzentrierte mich dann aber wieder auf Lila. Mein Pferdchen war fleissig heute: kaum nahm ich die Zügel wieder auf, spurtete sie auch schon im Trab los. Die wollige Mähne tanzte dabei im Takt auf und ab. Überhaupt war alles an ihr wollig. Ich hatte sie noch nicht geschoren, da es so schnell so kalt geworden war, doch nun schien es langsam Zeit zu werden. Sie wird sich sonst zu Tode schwitzen, wenn sie so Gas gibt. Der Schnee war bereits wieder am Schmelzen, doch er stand noch immer knöchelhoch. Und für die nächste Woche war ein Schneesturm angekündigt worden. Ich mochte den Schnee, sehr sogar. Und ich mochte es, gemütlich im warmen Wohnzimmer zu sitzen, während draussen der Wind heulte und der Schnee wirbelte. Alles um mich herum lag still und weiss da, nur hin und wieder lösten sich das schmelzende Pulver von einem Ast und hinterliess einen glitzernden Nebel aus Eiskristallen in der Luft. Irgendwo in der Ferne rief eine Krähe, als ich den Weg beim Flussufer erreichte. An einer steil abfallenden Stelle beim Ufer, dort wo Schmelzwasser in den Fluss lief, entdeckte ich einige wunderschöne Eiszapfen. Ich hielt Lila und liess mich zu Boden gleiten, um einen abzubrechen. Den muss ich unbedingt Lewis zeigen! Er behauptet immer noch, dass 'seiner' bei der Reithalle der grösste sei. Ich sah nochmal auf das Display meines Mophos, ehe ich wieder aufstieg. "Wir wollen Schlitteln gehen. Keine Angst - die Pferde sind schon alle versorgt." Ich lächelte kopfschüttelnd und lenkte mein Pferdchen auf den Heimweg.

      Vor dem Nebenstall stieg ich ab und führte Lila unter das Vordach zum Anbinden. Sie stützte entspannt den Huf auf, während ich den Sattel von ihrem Rücken nahm und das lange Winterfell kurz durchbürstete. Ich schäre sie später gegen Abend. Schon kamen Lewis und Jonas um die Ecke. "Ah, you're back! Okay, let's groom Lila and then go, while it's still sunny", rief Lewis freudig. Ich nickte und die beiden halfen mir kurz beim Hufe Auskratzen und Beine Bürsten. Dann brachten wir Lila rein und holten meinen Holzschlitten aus dem Keller. Rosie, Lisa, Elliot, Darren und Oliver standen schon bereit; Quinn war nicht dabei weil sie sich eine Grippe eingefangen hatte. Ajith fehlte ebenfalls, da er keinen Schlitten hatte und sich nicht so geeignet für den Schneesport fand. Die anderen hatten versucht, ihn zu überreden, doch Ajith bleibt hart Granit wenn er sich einmal entschieden hat. Wir liefen los in Richtung Galoppwiese, dann ein wenig südöstlich. Dort gab es, weit vom Hof entfernt, einen grossen Hügel, den ich letztens mit Numair hochgaloppiert war, um dessen Kondition zu verbessern. Es war mühsam, durch den bereits schmelzenden Schnee zu stapfen. Der Weg auf den Hügel kam mir ewig vor. Doch die Mühe lohnte sich: trotz des klebrigen Schnees fuhren die Schlitten schnell. Dumm nur, dass mein Schlitten bei der zweiten Abfahrt einige Meter neben der Piste eine unliebsame Begegnung mit ein paar Felsen erlitt, die hinterhältig unter der Schneedecke schlummerten. Ich landete unsanft im Tiefschnee und der Schlitten sah mitleidserregend aus. Ich sammelte die linke Kufe und das restliche Holzgestell ein und lief damit die Piste hinunter, wo die anderen halb besorgt, halb lachend warteten. Jonas bot mir an, auf seinem Schlitten mitzufahren, was ich nach einigem Zögern auch annahm. Dankbar hastete ich neben ihm den Hügel hinauf, während er den Schlitten zog. Ich setzte mich vorne hin, er sich hinten, da er so besser lenken konnte. Die Abfahrt war turbulent aber lief gut, bis Lewis uns hinauswarf, indem er den Schlitten hinten packte und herumriss. Wir machten ständig solche Spiele beim Schlittenfahren - das machte es um einiges spannender. Ich lag lachend neben dem Gefährt im Schnee und sah zu Jonas, der sich ärgerlich die Mütze ausschüttelte. Schon entdeckte ich das typische, herausfordernde Glitzern in seinen Augen und wir erklimmten den Hügel erneut. Noch einige Male landeten wir im Schnee, und oft revanchierten wir uns an diesem Nachmittag. Ich genoss es in vollen Zügen und das Beste war, dass Jonas und ich ein hervorragendes Team bildeten. Als der Spass schliesslich zu Ende ging, da es bereits dunkel wurde, liefen wir fröhlich lachend und schnatternd zurück zum Stall. Im Pflegerheim liess ich mich erschöpft aber glücklich mit einem warmen Punsch in der Hand auf die blaue Couch fallen. Jonas setze sich neben mich. Wir redeten eine Weile, ehe wir beschlossen, einen Film zu schauen. Doch zuerst mussten die Pferde versorgt werden. Ich trank aus und zog mich wetterfest an. Es war sechs Uhr und dunkel draussen, ausserdem kam ein starker Wind auf, der eisig durch meine Jacke zog.
      Ich stampfte durch den bloss noch knöchelhohen Schnee zu den Weiden, wo ich Pina und Indiana auf halfterte. Die beiden liefen zügig und aufgeregt schnaubend neben mir den Weg hinauf, offenbar spürten sie den herannahenden Sturm. Ich liess, im Hauptstall angekommen, Diana los, damit sie selber in ihre Box laufen konnte. Währenddessen brachte ich Pina in die ihrige. Auch Jonas kam gerade mit Caprice und Crack angelaufen. Beim Zurückgehen schob ich auch Dianas Tür zu und warf einen Blick in die Box von Cassy, die bereits nass, aber zufrieden am Heu knabberte, dann lief ich erneut los um zwei weitere Stuten zu holen. Beim Eingang wich ich Ajith aus, der Kierka und Blüte hineinführte. Auf dem Weg zu den Weiden hielt mich Lisa auf um zu fragen, wann die Pfleger füttern sollten. Sie schaffte es kaum, Paint und Gray ruhig zu halten. Paint stand breitbeinig da, den Kopf hoch erhoben, und sog hin und wieder geräuschvoll Luft ein. Gray stand mit gespitzten Ohren daneben. Ich beschloss, dass wir das Füttern und Misten gleich erledigen sollten und anschliessend um neun nochmals Heu geben und Kontrolle machen würden. Lewis hatte inzwischen auch Sumerian geholt. Ich kümmerte mich also noch um die letzten beiden, Shio und Pointless. Doch auf dem Weg schüttelte Point die ganze Zeit heftig den Kopf und riss am Strick. Ich massregelte sie mehrfach, Wirkung zeigte es bei der sensiblen Stute kaum. Im Gegenteil: kurz vor dem Hauptstall nahm sie einen gewaltigen Satz in meine Richtung und warf mich beinahe um, sodass ich sie loslassen musste, um nicht überrannt zu werden. Knapp gelang es mir, Shio zu halten. Die gepunktete Stute hingegen raste im gestreckten Galopp zurück in Richtung Weiden. "Spinnvieh!" Ich fluchte vor mich hin und brachte Shio schleunigst in die Box, um gleich darauf ein paar Pfleger zusammenzutrommeln und Pointless zu suchen. Mittlerweile stürmte es fast schon, und es schneite. "Na toll, sie haben den Sturm doch erst für Montag angesagt!", beschwerte sich Lisa. Ich beachtete sie nicht und kniff die Augen zusammen, damit keine Schneeflocke hineingeweht wurde. Ich lief zielstrebig in Richtung Fohlenweide, denn dort vermutete ich die ausgerissene Stute. Die anderen folgten mir. Tatsächlich stand Pointless beim Zaun und sah uns entgegen, doch als wir zu nahe kamen, drehte sie ab und bewegte sich im Stechtrab weiter den Weg hinab. "No chance, she'll run to the field if we try to chase her. We have to block the way down there", rief ich durch den Wind und deutete auf das Ende des Weges zwischen den letzten beiden Weiden. Lewis und ich rannten in einem Bogen über die Weiden nach unten, indem wir uns unter den massiven Holzzäunen hindurch zwängten. Point beobachtete uns hin und wieder misstrauisch, dann wiederum sah sie zu Lisa und Ajith hoch. Als wir unten ankamen, streckten Lewis und ich die Arme aus und blockierten den Weg, von Zaun zu Zaun. Dann trieben wir die aufgewühlte Stute langsam nach oben zu Ajith. Er schaffte es schliesslich, ihr noch immer am Halfter baumelndes Seil zu fassen und ihr zusätzlich einen Strick um den Hals zu legen. Gemeinsam führten wir Pointless in den Stall, was diesmal bis auf einige grunzende Seufzer ihrerseits ereignislos verlief. Als sie endlich in der Box war, atmete ich auf. Wir waren alle vier Total durchnässt und zerzaust vom Wind, der draussen gerade erst seine volle Kraft zu entwickeln schien.
      Wir fütterten die ungeduldig schnaubenden Pferde rasch und säuberten die Boxen, danach machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Pflegerheim. Kaum waren wir da, legte der Sturm richtig los. Es flitzten eine Menge weisser Flocken am Fenster vorbei und der Wind heulte durch die Spalten des Hauses. Drinnen war es dafür umso gemütlicher: die Heizung lief auf Hochtouren und es wurden bereits Decken und heisser Tee verteilt. Ich zog die Jacke aus und stellte fest, dass nicht nur meine Haare, sondern auch meine Hosen durchnässt waren. Ich wickelte mich daher rasch auf dem Sofa in eine der Decken ein und liebäugelte mit einer blauen Tasse auf dem Tisch vor mir. Mit einem federnden Aufschlag liess sich Jonas neben mich fallen, wie ich es mir insgeheim erhofft hatte. Wir starteten den Film und verdunkelten den Raum. Es dauerte nicht lange, da fühlte ich eine Hand sich um meine Schulter legen, und eine sanfte Kraft zog mich weiter nach links. Ich liess es zu, bis ich mit dem Kopf an seine Schulter gelehnt war und wagte es nicht, aufzusehen. Als ich es doch tat, sah er mich mit solch einer Herzlichkeit an, dass ich mir ein glückliches Lächeln unmöglich hätte verkneifen können. Ich liebte seine tiefgründigen Augen, seine feinen und doch kantigen Gesichtszüge und das wollene Haar - alles an ihm war in diesem Moment wundervoll und ich vergass die schmerzenden Monate der Kälte und Nüchternheit. It's so silly, sagte ich zu mir selbst, but if this was a dream, I would never want to wake up. Die Zeit ging viel zu schnell vorüber. Und so kam das unweigerliche Ende der zärtlichen Liebkosungen. Still hatten wir unser Glück für ein paar Stunden gehabt, und ebenso schnell war es wieder vorüber. Das Licht ging an, unsere Wege trennten sich bei den Schlafzimmertüren. Ich lag noch lange wach, während draussen der Sturm an den Schindeln zerrte und alles in Dunkelheit tauchte. Wie wird es wohl morgen sein? Harmonischer Sonnenschein, oder Verwüstung?
    • Occulta
      Wasser und Wellen

      Ich war auf dem Weg zu Parkplatz, denn ich wollte sehen, wie weit der Bau des neuen Stallgebäudes fortgeschritten war. Neues Stallgebäude? Richtig. Ich hatte vor einigen Monaten beschlossen, dass es Zeit währe, Pineforest Stable etwas zu erweitern. Wir hatten langsam ziemlich viele Pferde auf dem Hof und dadurch zwar noch nicht wirklich Platzmangel, aber für Gastpferde wurde es immer knapper. Und da der Park, in dem sich das Gestüt befand, ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Wanderreiter und überhaupt für alle Pferdenarren war, hatten wir bisher jeden Sommer reichlich Feriengäste zu Besuch gehabt. Das war schliesslich auch eine gute Einnahmequelle, neben den paar Reitschülern, die Regelmässig mit ihren Pferden aus der Nachbarschaft in die Halle zum Trainieren kamen. Geplant waren daher ein neuer Stall im Nordwesten des Gestüts, ein grosser Offenstall im Südosten, dort wo im Moment die oft ungenutzten Weiden lagen; entsprechend eine neue Weideaufteilung und die Krönung des Ganzen: Eine neue 1500m Galopprennbahn. Auf die freute ich mich besonders, denn so konnten wir die Vollblüter endlich anständig trainieren. Bisher hatten wir zwar auch das Beste aus der Situation gemacht, doch auf Dauer war die alte Bahn einfach zu klein und eng. Wie viel angenehmer würde es sein, nicht mehr für spezielle Trainings zur nächstbesten Rennbahn fahren zu müssen, sondern auf der Stalleigenen, grosszügigen Strecke zu trainieren? Ich sehnte mich danach, endlich neben den grossen Tannen um die Kurve zu kommen, danach auf die Gerade zu biegen und über die wundervoll lange und breite Bahn zu fliegen. Die Bahn würde kunftig um den Galoppweg herum verlaufen und damit Pineforest Stable noch etwas mehr von der Aussenwelt abschotten. Die Bahn würde zwar immernoch relativ bescheiden sein, doch zumindest viel angenehmer als die Alte. Dort wo die gestanden hatte, entstand nebenbei eine Ovalbahn; der kleine Militaryparcours im inneren blieb bestehen.

      Der ‚Nordstall‘, wie die Pfleger und ich ihn nannten, nahm langsam Form an. Die Wände Standen und das Dach war in Arbeit, Danach würde vor allem noch die Inneneinrichtung fehlen. Geplant waren 19 Boxen, wobei eine davon eine grössere Eckbox war, in der zwei Ponys Platz fanden. Wir waren uns schon jetzt alle einig, dass diese Box wie gemacht war für Herkir und Ljóski. Ich rieb mir zufrieden die Hände und begab mich dann wieder in Richtung Weiden, wo der Bau des grossen Offenstalls ebenfalls in vollem Gange war. Es war brütend heiss und ich lief in Shorts und Trägertop herum. Beim Offenstall angekommen versuchte ich mir vorzustellen, wie das ganze aussehen würde, wenn es fertig war. Die Weide wird riesig!, dachte ich entzückt. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass das Gras nicht überbeansprucht wird. Zum Glück habe ich mit der Parkverwaltung über zusätzliches Weideland diskutiert. Von den Miniature Horse Weiden her rief mich Lewis. Ich lief zügig zu ihm, Elliot und Lisa hin. Sie waren gerade dabei, die Fohlen und die Miniature Horses in die Offenställe zu sperren, denn die Weiden mussten neu abgesteckt werden. Ich beschloss natürlich mitzuhelfen und schnappte mir ebenfalls zwei Stricke und Halfter. Zunächst fingen wir die Mini-Stuten ein, danach die Hengste auf der gegenüberliegenden Weide. Das selbe geschah mit den Fohlen. Die Gekörten Stuten, die auf den unteren Weiden standen, mussten ebenfalls weg, doch ihre Offenställe wurden abgerissen, da sie veraltet und reparaturfällig waren. Da sie dank des neuen grossen Offenstalls nicht mehr gebraucht wurden, mussten sie weichen. Die beiden kleinen Offenställe und die Zäune im Osten waren bereits weg. Ich führte Gianna und Piro zur Halle und liess sie dort drin laufen. Lewis brachte Islah und Ronja, Elliot nahm Dream. Lisa fing währenddessen noch die letzten Fohlen ein. Dann bauten wir alle gemeinsam die Zäune ab. Es fühlte sich komisch an, die massiven Pfosten einer nach dem anderen auszubuddeln und auf einen Haufen zu tragen. Wir wurden nicht fertig bis zum Mittag und es war mittlerweile so heiss geworden, dass ich den Nachmittag frei gab. Ich wollte nicht riskieren, dass jemand einen Hitzschlag erlitt. Auch die Bauarbeiter zogen nach und nach ab.

      Zum Mittagessen trafen wir uns alle vor dem Pflegerheim im Schatten der Bäume. Jonas und Oliver hatten ein paar Tische und Bänke aufgestellt, denn wir grillierten. Bald sassen alle fröhlich plaudernd beim Essen und es kam die Frage auf, was man am Nachmittag tun könnte. Da hatte ich plötzlich einen Geistesblitz. „Es ist Sommer! Was machen wir im Sommer?“ “Ehh, I don’t know…“ “Es ist nicht Sommer, noch nicht“ „Ja - but it feels like summer, and it’s very hot today. Also gehen wir doch an den Strand!”, rief ich mit gespielter Ungeduld. Einige der Pfleger jubelten begeistert, andere grinsten nur, weil sie nicht verstanden hatten was ‚Strand‘ heisst. Ich sagte „Beach“ zur Erklärung, und sie stimmten mit ein. „But what about feeding and cleaning the barns?“, wollte Elliot wissen. Ich ordnete an, dass gleich nach dem Mittag alle Boxen gemistet und die Pferde gefüttert werden mussten, ausserdem würden ein paar Pfleger hier bleiben und nach dem Rechten sehen müssen. Lisa und Darren meldeten sich sofort freiwillig um zu bleiben. Lisa hatte die Begründung, dass sie ohnehin schon fast einen Sonnenstich hatte und daher kaum Energie um mit uns an den Strand zu kommen, und Darren hatte einfach keine Lust. Ich fand dies etwas fragwürdig, diskutierte jedoch nicht weiter, denn irgendwer musste ja bleiben. Auch ein paar weitere meldeten sich, sodass zum Glück niemand allzu enttäuscht war. Fröhlich und ausgelassen liefen wir nach dem Essen zu den Ställen, um den Plan umzusetzen. Als alles fertig war, machten wir den grossen Transporter bereit und dann die Pferde, die mit durften. Wir (Ajith, Lily, Quinn, Lewis, Jonas und ich) hatten uns für Numair, Anubis, Baccardi, Donut, Amor und Dod enschieden. Ich zog Dod keine transportgamaschen an, denn die Fahrt nach Newport würde nicht allzulange dauern. Beim Verladen bewies Dod mal wieder seinen Sturkopf. Er wollte partout nicht einsteigen und sträubte sich, sobald man in die Nähe der Rampe kam. „Oh come on budd, we’ll have a lot of fun!“, versuchte ich ihn zu überzeugen. Natürlich verstand er micht nicht und liess sich auch durch die Karotte, die ihm Lewis hinstreckte, nicht beeindrucken. Wir schafften es nur mit viel Geduld und Durchsetzungsvermögen, ihn Schritt für Schritt die Rampe hoch zu befördern. Endlich waren alle Pferde verladen und die eineinhalbstündige Fahrt stand an. Die Zeit verging wie im Flug und als wir in Newport auf einem abgelegenen Parkplatz beim Strand die Klappen des Transporters öffneten, schnupperten alle sechs Pferde bereits aufgeregt die Meerluft. Wir führten sie hinaus, halfen uns gegenseitig beim Satteln und stiegen schliesslich auf. Numair, Anubis, Amor und Dod waren allesamt sehr aufgeregt. Besonders Numi blähte die Nüstern und spitzte die Ohren. Doch Ajith hatte ihn soweit im Griff. Es schien dem Indischen Pfleger sogar Spass zu machen, auf einem solch temperamentvollen Tier zu sitzen. Ich hatte ein wenig Streit mit Dod, als wir den Trampelpfad zum Strand hinunter ritten, denn er wollte nicht hinter Baccardi bleiben. Unten angekommen trabten wir direkt zum Wasser und ritten ein wenig hinein. Die Wellen kamen Dod bis zum Bauch, was ihm nichts auszumachen schien, denn er scharrte freudig mit dem Huf. Salzwasser spritzte mir ins Gesicht und wir lachten. Donut war das Meer wohl noch immer nicht ganz so geheuer, denn er brauchte wieder mal am längsten um rein zu kommen. Wir waren nicht das erste mal hier – schon letztes und vorletztes Jahr hatten wir einige Strandausflüge unternommen, um möglichst mit allen Pferden einmal herzukommen. Die meisten behielten den Strand in guter Erinnerung und freuten sich beim zweiten mal schon deutlich sichtbar auf die langen Galopps und das Wasser. Manche hingegen, wie Sunday, Iskierka, Islah und eben Donut, konnten gut auf die Salzigen Wellen verzichten. Nach einer Weile trabten wir die Pferde auf dem trockenen Sand ein. Wir ritten Zirkel und formten einen Hufschlag, indem wir immer an den selben Stellen ritten. Anschliessend reihten wir uns in der Nähe des Wassers auf und bretterten dann nebeneinander über den Strand. Nasser Sand spickte von den Hinterhufen der Pferde und ich hielt den Kopf zum Schutz etwas schräg. Neben mir und Dod holte Amor mit ausholenden Bewegungen auf, den Schweif arabertypisch wie eine Fahne aufgestellt. Ich erhaschte einen Blick auf Jonas‘ grinsendes Gesicht und beschloss, Dod noch etwas mehr Zügel zu geben. Baccardi und Donut hatten trotz ihrer Grösse keine Probleme mitzuhalten, aber die Araber waren ja abgesehen von Anubis auch nicht viel grösser. Und Dod selbst hatte ebenfalls Kleinpferdemasse. Nach über einer Stunde am Strand waren endlich auch Amor und Numair ruhiger geworden, denn der Sand und das Wasser zehrten sehr an ihren Kräften. „I hope they’ll not have sore muscles tomorrow“, bemerkte Quinn. Wir beschlossen, zurück zum Parkplatz zu reiten und es für heute gutsein zu lassen. Die Pferde hatten allesamt geschwitzt, doch wir mussten, als wir zurück auf dem Hof waren, so oder so den Sand und das Salzwasser abwaschen, also wurden alle gleich beim Hauptstall angebunden und geduscht. Danach brachten wir sie gemeinsam zur alten Galoppbahn, denn die Fläche im inneren der Bahn wurde ebenfalls als Weide genutzt und war jetzt, da sich alles im Umbau befand, eine der einzigen Weiden überhaupt.

      Der Abend hielt nocheinmal eine grosse Überraschung bereit. Ich wollte gerade nach den Fohlen sehen, als ich einen Anruf von Elisa Cranfield erhielt. Ich hatte grosses Interesse an ihrem Paint Hengst ‚Unbroken Soul of a Rebel‘ gezeigt, jedoch nicht damit gerechnet, so schnell eine Antwort zu bekommen. Zu meiner positiven Überraschung rief sie nämlich an um mir zu verkünden, dass sie Pineforest Stable als geeignetes Zuhause für den Hengst sah. Wir einigten uns auf einen Preis und besprachen den Transport, dann bedankte ich mich und legte gut gelaunt auf. Der Hengst würde in drei Wochen kommen, gerade zur rechten Zeit um in den Nordstall ziehen zu können. Nun musste nur noch alles nach Plan verlaufen.
    • Occulta
      Halloween Special auf Pineforest Stable

      Heute war es besonders Neblig, als ich zum Fenster raus blickte. Ich musste augenblicklich grinsen als ich feststellte, dass es Halloween war und die Szenerie perfekt passte. Doch richtig lustig würde es erst abends werden. Sheela kam schwanzwedelnd die Treppe rauf geschossen, als ich die Zimmertür öffnete. Sie schleckte mir die Hand ab, während Jacky kurz um mich wuselte, und dann wieder runter in die Küche hüpfte. Morgens war die kleine Jack-Russel Hündin nicht so liebevoll, da sie vor allem eines wollte: Futter. Das bekamen die beiden nun auch.
      Den Tag über war ich an einer Kostümparty und einer Halloween Show mit Unbroken Soul of a Rebel zu finden. Ich hatte den Paint-Hengst so bemalt, dass es aussah, als wäre er beim Übergang seiner Scheckung Frankenstein-mässig aus zwei verschiedenen Pferden zusammengenäht. Lewis hatte diese lustige Idee gehabt, und mir die Farben besorgt.
      Auf Pineforest Stable selber war nicht viel los; die Pfleger wollten ihre Arbeit möglichst früh erledigt haben, damit sie am Abend ausgehen konnten, also waren sie nicht sehr gesprächig. Ausser Ajith und Quinn, die ich erwischte, wie sie aufgeregt kichernd und flüsternd in Sundays Box standen. Sie gingen jedoch sofort wieder ihrer Arbeit nach, als sie sahen, dass ich sie beobachtete, sodass ich die beiden gar nicht erst auffordern musste. Ein zufriedenes Grinsen huschte mir dabei übers Gesicht – wie gut ich meine Mitarbeiter doch erzogen hatte. Ich genoss die Ruhe, wenn ich zuhause war, denn Feststimmung gab es auf der Party genug. Als ich gerade bei Burggraf stand und den Hengst sattelte, kam Jonas auf mich zu. „Hey Boss, heute Abend schon was vor?“ Ich hob erstaunt die Augenbrauen. „Nein… Warum?“ „Ach, ich hab grad überlegt, ob du mit an die Party in Birmingham kommen willst, aber mir ist eingefallen, dass ja jemand auf den Hof aufpassen muss.“ Mir klappte der Mund auf und ich wollte empört etwas erwidern, aber er verschwand schon wieder durch das Stalltor. Frechheit! Von wegen gut erzogen… Ich wandte mich wieder Muffin zu und zog den Gurt an.
      Als ich mit ihm, Jacky und Sheela vom Gelände zurückkam, hatte ich einen Entschluss gefasst. Quinn hatte am Morgen deutlich gemacht, dass sie weder an eine Kostümparty, noch an sonst irgendeine Saufveranstaltung mitkommen würde. Sie hatte sogar versucht, die Leute zu überzeugen, auf Pineforest Stable selbst zu feiern, anstatt alle auszugehen. Sie würde also bestimmt hier sein, um aufzupassen. Deshalb wollte ich nun doch auch nach Birmingham. Aber nicht dorthin wo Jonas ist, dachte ich mit einer herrlichen Genugtuung. Ich erzählte ihr von meinem Plan, sobald ich Burggraf versorgt hatte. Zu meiner Überraschung reagierte sie verstört. „No, you cannot…. I mean, you should stay here“, stammelte sie. „Why? You stay, right? I leave Sheela here to protect you, and If something happens you can always call me.“ „Probably, but what if some drunken people come here and mess things up?“ Ich verstand ihren Punkt; ich wollte auch nicht alleine im Dunkeln einer besoffenen, verkleideten Meute begegnen. „Fine, I’ll stay.“ Sie sah sehr erfreut aus und lief in Richtung Halle, bevor ich etwas Weiteres sagen konnte. Ich hingegen, machte mich auf den Weg zu den Minis. Die meisten von ihnen mussten heute für die Herbstshows geschoren werden, was ein ganzes Stück Arbeit war. Zum Glück halfen Lewis und Lisa mit. Wir führten zuerst Arco, Lenny, Storm und Caillean in den Innenhof des Hauptstalls. Dort banden wir die Flauschkugeln an und begannen, mit den Schermaschinen die dichte Wolle zu trimmen. Beim Kopf war ich besonders vorsichtig, aber auch der musste ein wenig bearbeitet werden. Alle hielten schön still, denn sie waren schon als Fohlen auf das Scheren vorbereitet worden. Auch Caillean stand Schulbuchmässig da und spielte mit dem Strick, anstatt sich um das lärmende Ding zu kümmern. Wir waren rasch fertig und konnten auch gleich die nächsten Kandidaten holen: Papillon, Daki und Lady. Letztere zappelte etwas, als ich die Maschine am Bauch ansetzte, doch mit etwas Geduld konnte ich sie auch dort von ihrem Pelz befreien. Nun fehlten noch Chip, Queen und Sunny. Ach, und natürlich die neue; Tigrotto. Ich hatte sie wenige Wochen nach Dante, dem Esel, übernommen, denn sie war eine hervorragende Showstute und hatte gute Bewertungen an den Fohlenschauen bekommen, an denen sie teilgenommen hatte. Um sie kümmerte ich mich als letztes. Dabei war ich zunächst eher vorsichtig, weil ich nicht wusste, wie gut sie an das Scheren gewöhnt war. Doch sie zickte nicht, sodass ich ebenfalls schon nach zwanzig Minuten fertig war. Nun hatten wir einen Berg aus Fell vor uns, und auf der Weide standen viele nackte Miniaturpferdchen. Lewis und ich machten uns daran, ihnen allen eine Decke anzuziehen, damit sie nicht kalt hatten, Lisa hielt unterdessen Sheela davon ab, den Fellhaufen auseinanderzunehmen. Es handelte sich um stabile, wasserabweisende Decken mit guten Verschlüssen, die sie in Position hielten. Sie waren ganz schön teuer gewesen, aber die Anschaffung hatte sich definitiv gelohnt. Tic-Tac, Rose, Alu und Kiwi durften ihren Pelz noch behalten, denn mit ihnen wollte ich erst im Frühling wieder starten. Zufrieden kraulte ich Daki, als alles erledigt war. Die kleine Stute knabberte mir liebevoll an der Regenjacke, als wäre ich ein anderes Pony.

      Am Nachmittag unterrichtete ich Rita auf Dod, damit sie auch ein Gefühl für Westernpferde bekam. Das klappte erstaunlich gut – naja, so erstaunlich war es doch nicht, denn sie brauchte nur einigermassen gerade zu sitzen, den Rest erledigte der fein ausgebildete Dod von selbst. Jedenfalls solange er kooperativ war. Als die Pflegerin zum dritten Mal auf dem Zirkel angaloppieren wollte, hatte der Hengst genug und beschloss kurzerhand, den Platz zu verlassen. Rita konnte kaum etwas tun, denn wenn Dod ein Ziel im Kopf hatte, musste man schon verdammt gut reiten können, um ihn wieder in den Griff zu bekommen. Ich eilte ihr zu Hilfe und fing ihn kurz vor dem Weg wieder ein. Danach arbeiteten wir noch etwas vom Boden aus weiter, das gefiel ihm deutlich besser. Ich überliess es Rita, ihn zu verräumen und ging direkt weiter zu Numair. Ich wollte mit ihm ebenfalls auf dem Platz arbeiten, allerdings zusammen mit Anubis und Lisa, die bereits in der Stallgasse des Nordstalls bereit standen. „Sorry, I’m late“, keuchte ich, denn ich war den Weg hochgerannt. „It’s okay, du kannst Deutsch mit mir sprechen, schon vergessen?“, meinte Lisa lachend. Ich schlug mir symbolisch mit der Hand gegen die Stirn und grinste, dann holte ich Numi aus der Box. Wir ritten eine Art Pas-de-Deux mit den beiden sonst Western gerittenen Hengsten. Sie machten gut mit, aber schaukelten sich nach dem ersten Galopp gegenseitig hoch und zeigten ihr südliches Temperament. Am Ende bauten wir mehr Galopp in die ‚Kür‘ ein als uns lieb war, doch wenigstens waren die beiden danach müde. Auch die anderen beiden Araber auf dem Hof, Islah und Amor, mussten noch bewegt werden. Allerdings konnte ich Amor nicht besonders gut mit Stuten laufen lassen, da er sich dann nicht mehr konzentrierte. Also schickte ich Lisa und ihn zusammen mit Donut unter David und Baccardi unter Jonas raus. Islah übernahm ich ebenfalls nicht selbst, sondern übergab sie Lewis, um stattdessen mit Blue Lady Liquor zu arbeiten. Mit ihr sprang ich einen leichten Parcours und übte dabei insbesondere das Springen aus der Kurve. Die junge Stute war noch nicht lange unter dem Sattel, also musste ich ihr Schritt für Schritt alle Tricks beim Springen zeigen.
      Später ging ich wieder mit Halluzination und Satine als Handpferd ins Gelände. Das hatte beim ersten Mal so hervorragend geklappt, dass ich es seither immer wieder versucht hatte – mit Erfolg. Die beiden Stuten schienen miteinander zu harmonieren. Auch auf der Weide standen sie oft beisammen. Satine machte mir trotzdem immer noch Sorgen. Sie nahm einfach kaum zu, egal wie viel ich zufütterte. Den Tierarzt hatte ich auch schon mehrfach bestellt, aber er meinte jedes Mal nur, ich solle weitermachen wie bisher. Während ich die beiden nach dem Ritt versorgte, berichtete mir Lewis, dass Islah wiedermal etwas faul, dafür umso schreckhafter gewesen war. Darren, der mit Piroschka mitgegangen war, hatte weniger Mühe gehabt.

      Als es dunkel wurde, verschwanden auch nach und nach die Leute, bis Quinn und ich als einzige im Hauptstall standen. Ich schlug vor, dass wir uns auch einen gemütlichen Abend machen sollten. Sie nickte erfreut und meinte, man könne ja ins Strohlager. Ich holte eine Taschenlampe, Tee in einer Kanne, Snacks und ein paar Brettspiele aus dem Haus. Dann öffneten wir die Luke zum Dachboden des Hauptstalls, wo das Stroh gelagert wurde. Sheela winselte, als wir ohne sie nach oben kletterten, doch sie war mittlerweile einfach zu gross, als dass ich sie hätte nach oben tragen können. Fairnesshalber liess ich auch Jacky unten. Ich legte den beiden eine alte Abschwitzdecke auf den Boden, auf der sie sich auf mein Zeichen hin platzierten. Der Dachboden war ein durchgehender Raum, nicht besonders hoch und vollgestopft mit Strohballen. Es hatte zwar Lampen hier oben, aber sie leuchteten nur dämmrig. Alle paar Meter gab es eine neue Luke, durch die das Stroh nach unten in die Stallgasse befördert werden konnte. Quinn und ich machten es uns im weichen Stroh neben den grossen Quadern gemütlich und begannen mit einer Partie Mühle. Ich merkte gar nicht, wie die Zeit verging, denn als ich beim nächsten Mal auf die Uhr sah, war bereits halb zwölf. Ich gähnte demonstrativ und fragte, ob Quinn noch etwas Tee wolle. Sie bejahte, also kletterten wir die Leiter hinunter und wollten gerade zum Haus, als ich Schritte vernahm. „Guess you were right with those drunken guys“, flüsterte ich mit besorgter Stimme. Ich hielt es für das Beste, nachzusehen und die Eindringlinge zu verscheuchen. Wir schlichen mit Sheela, die gerade mitten in der Ausbildung zum Schutzhund war, um den Hauptstall herum zum Roundpen, doch ich konnte niemanden sehen. Plötzlich sah ich zwischen den Tannen der Galoppbahn ein Licht auf und ab tanzen. „There! Sheela, go!“ Ich schickte die Hündin wie im Training auf das Ziel los, da ich mir sicher war, dass das Licht von einer Taschenlampe stammte. Sie flitzte los, bellte ein paarmal, doch dann wurde es still. Ich schluckte leer. „…Sheela?“ Keine Reaktion. Quinn und ich sahen uns an, dann liefen wir langsam in Richtung des Lichts. Als wir kurz davor waren, verschwand es jedoch. Von Sheela war keine Spur. „Oh no, she must have followed them – or they dognapped her!“, meinte Quinn, wobei sie bei dem Wort ‚dognapped‘ grinsen musste. Wie kann sie auch noch Scherze darüber machen? Wir müssen weiter, dachte ich aufgebracht. Schon sah ich ein neues Licht, diesmal beim Offenstall der Minihengstchen. Sofort rannte ich in die Richtung, denn ich wollte auf jeden Fall verhindern, dass die Typen den Minis etwas antaten, auch wenn ich mich mit Händen und Füssen würde wehren müssen. Als wir dort ankamen, war das Licht aber bereits wieder ausgegangen. Im Dunkeln stolperte ich über etwas im feuchten Gras liegendes und fiel beinahe ausgestreckt auf den Boden. Ich sah nicht, was der Gegenstand war, denn ich rappelte mich erschrocken wieder auf und rannte zur Halle, wo das nächste Licht aufflackerte. Quinn rief irgendwas von „there’s something hanging in the tree“, aber ich achtete mich nicht, zu fokussiert war ich auf mein Ziel. Schliesslich erreichte ich die Halle, und Quinn wenige Sekunden nach mir ebenfalls. Wir schlichen, abermals in völliger Dunkelheit, um das grosse Gebäude herum, auf der Suche nach irgendwelchen Gestalten. Warum ist es nur so dunkel? Ohne den Nebel würde ich sie bestimmt sehen. Plötzlich schrie Quinn kurz auf, es folgte ein kurzes Glucksen, dann Totenstille. Mittlerweile tatsächlich ängstlich drehte ich mich um und rief nach ihr, doch bekam keine Antwort. Das ist nicht möglich, der Mörder ist doch längst hinter Gittern! Ich wollte mein MoPho aus der Jackentasche holen, um endlich der Polizei anzurufen, doch es war weg. Ich suchte überall, sicher, dass ich es wie immer rechts gehabt hatte, doch es war nirgends zu finden. Als nächstes torkelte ich durch die Dunkelheit zum Haus, doch die Tür war verschlossen. Wie ist das möglich? Ich hatte sie doch offen gelassen, als ich Tee geholt hab... Langsam kam ich mir vor wie eine Geistesgestörte, die sich alles nur einbildete, denn auch den Schlüssel fand ich nirgends. Bestimmt bin ich im Strohlager eingeschlafen und träume alles nur, beschloss ich. Doch mit einem Kniff in den Arm wachte ich nicht auf. Unentschlossen blickte ich umher und sah dabei abermals das Licht, diesmal beim Nebenstall. Ich änderte meine Strategie und schlich mich darauf zu, immer im Schutz der Gebäude bleibend. Es schien zu klappen; diesmal verschwand das Licht nicht. Beim Näherkommen hörte ich aufgeregtes Getuschel und ein „shhh!“ An den Stimmen erkannte ich Lisa, Lewis, Jonas, Rosie und Ajith, doch da waren auch die Umrisse von weiteren. „What is happening?“, fragte ich, als ich nahe genug war, und erschreckte sie damit erfolgreich. Jemand machte Licht, sodass ich alle Gesichter erkannte. Es waren fast sämtliche der Pfleger. „Happy Halloween!...“, lachte Lewis, und die anderen stimmten mit ein. „Aber wie… Wo ist Sheela?“ Kaum hatte ich gefragt, kam die Labradorhündin Schwanzwedelnd auf mich zugehüpft. Sie haben mir also nur einen Streich gespielt, stellte ich erleichtert fest. Wir liefen alle zum Hauptstall und kletterten ins Strohlager, wobei Jonas mir Sheela hochhob und Jacky von Ajith mitgenommen wurde. Die beiden Hunde sahen sich sofort neugierig in diesem unbekannten Teil ihres Territoriums um, während die Pfleger mir erzählten, wie sie das Ganze geplant und durchgeführt hatten. Nachdem zuerst jeder gleichzeitig seine Sicht schildern wollte, sorgte Oliver für Ordnung und gab Jonas das Wort. „Aaaalso; wir haben die Idee schon vor Wochen gehabt, aber Quinn ist es hauptsächlich zu verdanken, dass wir es wirklich durchgeführt haben, sie hat die Leute zusammengetrommelt und hierbehalten. Zuerst mussten wir sicherstellen, dass du auch hier bleibst.“ „Ach deshalb warst du so frech“, unterbrach ich ihn. Er strich mir grinsend mit der Hand übers Gesicht, zum Zeichen, dass ich schweigen solle. „Jedenfalls war ich erfolgreich, oder?“ „Auf keinen Fall! Ich war sogar fast so weit, aus Trotz extra wegzugehen. Quinn war diejenige, die mich überzeugt hat zu bleiben.“ „Wie auch immer; wir anderen gingen also nach und nach, versteckten uns aber tatsächlich in der Halle. Als du ins Haus gegangen bist und den Schlüssel hast stecken lassen, hab ich ihn mir geschnappt, um später die Tür zu schliessen, damit du, nachdem dir Quinn hier oben so erfolgreich das Handy geklaut hat, nicht auf die Idee kommst, doch noch die Polizei zu rufen oder so. Dann haben wir uns mit den Taschenlampen positioniert und sind jedes Mal ein paar Meter weiter ins Gras gelegen, wenn ihr zu nahe kamt.“ „Ach deshalb hat Sheela nicht angegriffen – sie hat euch natürlich gleich erkannt…“ „Jap, und Elliot hat sie fixiert, damit sie nicht bellt. Über unseren abgetrennten fake-Arm beim Offenstall bist du leider nur drübergefallen, und auch den hängenden Mann hast du nicht gesehen.“ „Even as I wanted to call you back!“, warf Quinn ein. „Danach mussten wir uns einen Plan B überlegen, denn eigentlich war geplant gewesen, dass du es dabei natürlich merkst. Also haben wir Quinn bei der Halle entführt.“ „Dann wusstest du vom letzten Teil auch nichts?“, fragte ich Quinn lachend. „Nein, daher hatten wir auch Mühe, sie festzuhalten und vor allem zu verhindern, dass sie vor Lachen platzte!“, antwortete Lisa für sie. „Doch zuletzt hast du uns doch überlistet. Wir waren so abgelenkt, dass wir gar nicht bemerkt haben, wie du näherkommst…“ Ich stiess ein triumphierendes „yes!“ aus, und wir lachten alle herzhaft. „Nun hätte ich aber gerne meine Schlüssel und mein MoPho zurück“, sagte ich auffordernd. Quinn gab mir das Handy, doch Jonas hielt die Schlüssel nur grinsend auf. Ich stürzte mich auf ihn und nahm sie mir etwas unsanft, wobei er mich festhielt, sodass wir nebeneinander im Stroh lagen. Wir amüsierten noch etwas mit Brettspielen und Tee, ehe wir endlich alle zu Bett gingen.
    • Occulta
      Gletscherritt 2014
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      Prolog

      Hektisch wische ich mit dem Abwaschlappen einen Marmeladenfleck von der Reithose. Eigentlich frühstücke ich noch, im Mund befindet sich eben das Nutellabrot, aber wie das so ist, ruft die Arbeit. Beziehungsweise hupt. Ich renne einmal quer durch die untere Etage unseres Hauses und folge dann meinem Dad nach draußen. Er steht schon, mit den Händen in der Hüfte, auf dem Weg und lässt den sperrigen schwarzen Wagen den engen, unebenen Schotterweg passieren. Irgendwo im Nordstall wiehert ein Pferd und ich frage mich unwillkürlich, wer von meinen wunderbaren Idioten bei den Geräuschen eines Autos Kindheitserinnerungen pflegt. Weiterdenken kann ich nicht, mein Vater ruft, ich soll die Pferde mit vom Hänger holen. Da steht dann auch ganz schnell Anubis vor mir, der ruhig den geraden Weg bis zum Tor mustert und dann zu kauen beginnt. Mich packt indes eine wahnsinnige Mischung aus Aufregung und Euphorie und genau deshalb geben meine Beine fast nach, als ich Occu umarme. Dass Occu im Wagen war, habe ich übrigens am Pferd erkannt. Also an Anubis, Hotta Nummer zwei, er heißt Numair, glaube ich, hat mein Vater fest im Griff. Zu dritt geht es Richtung Stall. Alle Pferde, die am Gletscherritt teilnehmen stehen in den Nordstallungen. Da ist zum einen Platz, zum anderen kann man Hengste und Stuten trennen. Und das mächtige Gebäude ist kaum zu übersehen. Nubis übergebe ich an seine Besitzerin, damit die in der Box noch alles nötige kontrollieren und die Bandagen entfernen kann. Ich beschäftige mich ab jetzt unentwegt mit einer zerknitterten Liste mit Wasserschaden. Darauf stehen alle Reiter, mit ihren jeweiligen Hühs, den Mengen an Gepäck, der Anreisezeit und einer kurzen Charakterbeschreibung der Tiere. Occu, Anubis und Numair bekommen ein Häkchen, genauso wie mein Dad und ich und unsere Pferde. Zeit zum Atmen gibt es nicht, denn Gwendolyn und Rachel betreten den Stall. Sie sind schon letzte Woche, gemeinsam mit Michelle, Fynja und Helena eingetroffen; alle wohnen in der bisher ungenutzten Feriensiedlung. Es ist halb zehn, die Mädels hier sind alle früh dran, die Pferde sind fertig mit dem fressen. Innerhalb von drei Minuten ist der Stall voll. Ehrlich. Auf der Gasse sind Altair, Bailey (Fynia gerade eingetroffen), Acacia und Numair angebunden; Jessica, die kleine rothaarige Fünfzehnjährige begrüßt mich und stellt dann Serafino zu unseren Gästen, Marc taucht dann auch noch auf, von einer morgendlichen Longenrunde mit Karthago. Ich schicke ihn weg, er soll sein Pferd auf die Weide bringen. Meine Liste verbanne ich in die Hosentasche, um die Führstricke von Bailey und Altair entgegenzunehmen - Gott sei Dank vertragen sich die beiden und ich entschwinde Richtung Weide. Sowohl Hengste als auch Stuten müssen sich heute zusammenraffen und miteinander auskommen. Insgesamt habe ich keine Idee, wie das auf dem Wanderritt ablaufen soll, ich habe einfach beschlossen, dass jeder für seine Pferde verantwortlich ist. Die ersten Beiden sind unter grau bewölktem Himmel auf einer großzügigen Wiese verstaut und ich treffe pünktlich im Stall ein, wo Elena, ebenfalls gerade angekommen, ihren Pferden Gamaschen und Decken abnimmt. Zwei hübsche Schecken, hat sie da mitgebracht. Ich komme nicht darum, sie alle zu begrüßen, bevor es wieder diverse Kreuze gibt. Im Kopf gehe ich übrigens mögliche Spitznamen durch, ich meine - Helena, Elena. Elena, Helena. Elli und Helli. Ich grinse schon und beeile mich fertig zu werden. Die Neuankömmlinge bekommen von Marc Boxen zugewiesen, ich hole Solitary aus seiner Box und bringe ihn mit Numair auf die schon besuchte Weide. Sol kommt zwar nicht mit, kann ja aber auch mal was anderes erschnuppern. Im Gebäude wird die Lage indes wieder klarer; Gwen bringt Wish und Anubis auf die Koppel, Jessica folgt mit Serafino und letztendlich gehen auch Lonely, Acacia und Tasty auf ihre jeweiligen Weiden. Ich bin schon fast fertig mit dem Ausmisten der fünften Box, als Helena lächelnd den Stall betritt, ihr folgt Michelle. Ich begrüße alle Beide und beglückwünsche sie zu ihrem gesunden Urteilsvermögen. Lassen kann ich es dann auch nicht, ihnen die Hölle im Stall zu schildern, während sie Citizen Fang, Jack, Heimerdinger und Blódi putzen. Als mein Dad den Stall betritt, in Reithosen und hochgekrempelten Shirtärmeln, stütze ich mich auf die Mistgabel und sage komplett ehrlich und ernst: „Papa, ich seh' nicht mehr durch.“ Gegen eins trifft Stefanie ein; sie und Marc bringen ihre Schützlinge direkt auf den nächsten Paddock. Das Mittagessen wird auf 15:00 verlegt, der Stall ist immerhin weitgehend leer und ausgemistet, bis auf die Boxen von Ellis Hottas. Ich schwebe in meiner Euphorie durch den Tag und versuche, mir jedes Pferd mal anzusehen und ansatzweise kennenzulernen. Aus Neuseeland direkt kommen übrigens Spearmint und Little Jim mit. Am Abend sind alle Teilnehmer eingetroffen, bis auf Alessia. Die will morgen gleich zur ersten Hütte kommen, zu der wir alle hier mit zwei gerammelt vollen LKWs gelangen. Das wird praktisch die erste Etappe, ab dort geht es nur noch reitend weiter. Ich bespreche das am Abend, als wir alle im Wohnzimmer sitzen und von meinen Eltern mit Pizza versorgt werden, mit meinen Gästen. Die Fragen bis dahin kann ich beantworten; ich persönlich habe ab der ersten Hütte eine Karte.


      Tag 1 - Aufbruch nach Süden

      Es ist tatsächlich verdammt schwer, mit achtzehn Pferden und damit neun Reitern zu verreisen. Die Winterscape Stables liegen, zur Erklärung, auf der Nordinsel Neuseelands. Der Franz-Joseph-Gletscher liegt allerdings auf der Südinsel. Was macht man da..? Gedankenverloren zupfe ich ein Blütenblatt aus dem Tulpenstrauß auf unserem Küchentisch. Ich habe vor lauter Aufregung unruhig geschlafen und raffe mich jetzt seufzend auf. Die Pferde müssen für den Transport fertig gemacht werden. Wir fahren heute nämlich noch LKW. Auf dem Hof herrscht eine wohlige Geschäftigkeit und aus dem Nordstall dringt Gelächter. Ich grinse und beschleunige meine Schritte zum Turnierstall. Dort treffe ich auf Spearmint, die zwar unmöglich etwas von den Vorbereitungen des Gletscherritts mitbekommen haben kann, aber trotzdem zu spüren scheint, dass etwas in der Luft liegt. Ich begrüße sie herzlich, meine Stute folgt mir parallel vom Paddock in den Stall, wo ich sie mit ihrem Halfter erwarte - innerhalb der nächsten Stunde werden Fell und Hufe geputzt, Beine Bandagiert und eine dünne, aber warme Decke aufgelegt. Schließlich führe ich das Hüh über den Hauptweg auf die große Kreuzung, wo die beiden geliehenen LKWs stehen. Rachel und Elena stehen dort und betrachten das Geschehen mit in die Hüften gestützten Händen, während Michelle Citizen Fang die Rampe nach oben manövriert. Ich begrüße meine Kameraden und marschiere zum zweiten Gefährt, in dem ich Jack und Heimerdinger ausmachen kann. Lächelnd mache ich die Hengste auf mich aufmerksam und führe Spearmint dann ins nächste Abteil. Ich wende mich gerade von meinem Pferd ab, als Marc den Hänger mit Little Jim betritt, der auf dieser Reise ja mein Packpferd sein wird. Ich danke meinem Mitarbeiter und klopfe dem kleineren Schecken den Hals, bevor ich wieder hinaus ins Licht trete, um zu helfen.

      Zwei Stunden später fahren zwei verdächtig große LKWs in Begleitung zweier beladener Jeeps vom Hof. Ich sitze auf dem Beifahrersitz des ersten Hängers. Vor mir, auf dem Amaturenbrett, liegt ein handgeschriebener Zettel, laut dem sich im Bauch dieses Wagens Citizen Fang, Blódi, Altair, Numair, Anubis und Wishing Well befinden. Eindeutig der leerere LKW. Ich seufze schon wieder und blicke auf die Straße. Mein Vater fährt und wirft mir jetzt hin und wieder besorgte Blicke zu. „Und du denkst, du schaffst das, du verirrst dich nicht?“ Ich schüttele lächelnd den Kopf. „Quatsch, ich hab doch Spearmint.“ Die Furche in seiner Stirn wird tiefer. „Aber selbst sie ist unerfahren in solchem Gelände.“ Ich sehe meinen Vater jetzt unverwandt an. „Aber sie vertraut mir.“ Die Fahrt dauert nicht so lange, wie ich erwartet habe. Nach, sagen wir, vier Stunden erreichten wir Fox Creek, ein unbedeutendes Dorf mitten im Wald, in dem Freunde meiner Familie wohnen. Ihnen gehört wohl ein größeres Anwesen, denn wir parken auf einem geräumigen, aber scheinbar trotzdem privaten Parkplatz. Ich steige sofort aus, um mir die Beine zu vertreten. Innerhalb weniger Minuten ist die müde Umgebung erfüllt von Stimmen und dem zahlreichen Knallen verschiedenster Autotüren. „Cascar!“, ruft es hinter mir und als ich mich umdrehe, erblickte ich Alessia, die breit grinsend winkt. „Heey!“, rufe ich überschwänglich und begrüße meine langjährige Freundin. Jetzt sind wir komplett.In der folgenden halben Stunde werden die Pferde aus den LKWs geholt und auf scheinbar extra für uns hergerichtete, provisorisch eingezäunte Koppeln gestellt. Immer vier Pferde teilen sich ihr Hektar Wiese und entspannen sich so ein wenig - ich bin erleichtert, dass bisher alles so gut verlaufen ist und vor allem, dass alle Hottas noch bei Laune zu sein scheinen. Dann lerne ich die mir unbekannten Freunde kennen: Silke und Marcus, ein Ehepaar Ende fünfzig. Sie bekunden mir an ihrer Haustür, wie absolut schon sie diese Aktion finden würden und dass sie uns gerne unterstützen. Ich nicke lächelnd und bedanke mich ehrlich. Ein bisschen leid tun mir die Beiden schon, denn jetzt folgen zwei Stunden, in denen zehn Reiter ihr Mittagessen in dieser bescheidenen Hütte einnehmen werden. Mir kommt das regelrecht vor wie einen Überfall, aber Silke und Marcus sind erstaunlich gelassen und vor allem interessiert. Als wir später nach draußen gehen, um die Pferde unter einem unruhigen, grauen Himmel zu satteln, begleiten die Beiden uns und bleiben zuerst interessiert bei Helena stehen - sie ist eben mit Jack beschäftigt und erzählt mit leuchtenden Augen von den wahnsinnigen Erfolgen ihres Hengstes im Military. Ich schmunzele und tappe an Elenas Paints vorbei zu den bereits am groben Holzzaun angebundenen Schecken, die ich mein Eigen nenne. Jimmy döst und Spearmints innere Aufregung, die zugegebenermaßen auch mich befallen hat, zeigt jene nur mit einem stetigen Spiel ihrer Ohren. Ich streichele die beiden Hühs und putze dann zuerst das Pony. Der Braunschecke bekommt eine rutschfeste Unterlage und ein Pad mit einem mehrlaschigen Lammfellgurt auf den Rücken, an dem ich gleich das gesamte Gepäck befestigen. Das hier ist die Standardausrüstung für die Packpferde - bei Spearmint ist das schon komplizierter. Die Stute tänzelt mittlerweile und ich kann es ihr nicht verübeln - ich sehe ja schließlich, dass sie sich zu beherrschen versucht und das funktioniert zunehmend besser, als Rachel Acacia neben uns anbindet. Diese Stute hat eine wunderbar ruhige Ausstrahlung, für die ich Rachel insgeheim danke.

      Schließlich haben wirklich alle ihre Pferde gesattelt und ich muss mich von meinen Eltern verabschieden. In meiner Jackentasche befindet sich ein komplizierter Plan, auf dem unsere Route verzeichnet ist. Als sich zehn Reiter praktisch zeitgleich in den Sattel schwingen, neigt sich die Sonne bereits gen Horizont. Die heutige Strecke führt uns noch drei Stunden durch den Wald. Richtung Norden, zur ersten Hütte.Ich halte die rechte Hand nach oben, um die Aufmerksamkeit auf mich als Führung zu ziehen. „Alles klar?“, rufe ich quer über den Hof. Aus den verschiedensten halbdunklen Ecken dringt ein „Ja.“, also wende ich Spearmint und drücke ihr sanft meine Fersen in die Flanke. Der Gletscherritt hat begonnen.
    • Occulta
      Neues Jahr, neues Glück

      Weihnachten war relativ unspektakulär verlaufen, da ich es nicht wirklich feierte und auch meine Familie keinen Wirbel darum machte. Auf die heutige Silvesterparty hingegen freute ich mich besonders. Es würde ein kleines Feuerwerk geben und Pizza für alle Pfleger. Ausnahmsweise musste dabei nicht Lisa an den Herd, sondern der Pizzadienst. Doch zuerst mussten die Pferde versorgt werden. Es war schliesslich erst Mittag. Ich verdrückte die Reste meines Sandwichs und begab mich dann zum Nebenstall, um Vychahr bereit zu machen. Mit dem Hengst stand Dressurarbeit auf dem Programm, denn er musste fit gemacht werden für ein Turnier am Wochenende. Ihn schien das aber nicht zu interessieren, denn er frass stur an seinem Heu weiter, als ich kam. „Come on boy, don’t mock me“, sagte ich mit verschränkten Armen, dann umfasste ich seinen Kopf und zog ihn sanft in die Höhe, um ihm das Halfter überzustreifen. Er rieb sofort das Auge an meinem Arm, sodass ich einige Sekunden brauchte, um das Halfter zu verschliessen. Dafür folgte er mir brav aus der Box in die Stallgasse. Ich bürstete ihn gründlich durch, wobei ich mich mal wieder über einen tollen Mistfleck an der Flanke freuen durfte. „Dass du auch immer mitten drauf liegen musst – als ob deine Luxusbox zu klein währe“, murmelte ich mit zusammengebissenen Zähnen, während ich daran herumschrubbte. Stuten sind viel sauberer, die benutzen immer dieselbe Ecke, stellte ich fest. Als ich das Stroh aus dem Schweif gelesen, die Mähne entwirrt und die Hufe ausgekratzt hatte, verschwand ich in die Sattelkammer. Einen Moment lang überlegte ich, ob ich nicht doch den Springsattel nehmen sollte. Ich fand den nämlich eindeutig bequemer. Doch ich entschied mich seufzend für den lackschwarzen Dressursattel und lief damit zurück zu Vilou. Na wenigstens war ich von Vorgestern noch auf den Sattel eingestimmt, denn da hatte ich mit Feline in Dressur den ersten Platz abgeräumt. Überhaupt waren die letzten Wochen wiedermal vielversprechend gewesen: Caspian hatte alle Erwartungen übertroffen und in einem wichtigen Qualifikationsrennen den Sieg geholt, und fünf Tage später gleich noch den zweiten Platz bei einem hochdotierten Handicap. Diarado war ebenfalls in Dressur aufs Podest gekommen und Lady Diva hatte in der Fahrshow geglänzt. Ausserdem hatte Ljóski in einer Clubmeisterschaft gewonnen, bei der einige bekannte Spitzentölter um den Sieg gekämpft hatten. Ich war unglaublich stolz auf den Schecken, der als Fohlen so unscheinbar gewesen war.
      Ich übte mit Vychahr an den Übergängen, besonders Schritt-Trab, und das Rückwärtstreten. Bei letzterem hatte er noch ziemlich mühe, obwohl er das Stimmkommando von der Bodenarbeit her kannte. Ich schien ihn mit dem Treiben etwas zu verwirren, deshalb schickte ich ihn zunächst nur mit der Stimme und halben Paraden zurück, um dann Schritt für Schritt die Schenkelhilfen dazuzunehmen. Am Ende klappte es zweimal fast perfekt, danach beendete ich das Tranining sofort, denn ich wollte seine Geduld nicht noch mehr strapazieren. Ich versorgte den Fuchs und ging weiter zu Fly Fast in den Hauptstall. Mein grosser Brauner sah mir schon von weitem entgegen und röchelte. Ich öffnete fröhlich die Boxentür und klopfte ihm auf den Hals, dann schob ich ihm eine Begrüssungkarottenscheibe ins Maul. Er schien heute gut gelaunt, also beschloss ich kurzerhand, ein wenig Startboxentraining mit ihm zu machen. Das hatte ich mittlerweile schon oft getan, und jedes Mal gehofft, dass es endlich nachhaltig sein würde. Doch so leicht machte es mir Fly nicht. Der Hengst hatte ein regelrechtes Trauma, das ihm immer wieder Rückschläge brachte. Immerhin hatten wir ihn durch all das Training erreicht, dass Starts ohne Boxen möglich waren und er auf der Bahn selbst, die er am Anfang kaum noch betreten wollte, wieder konzentriert arbeiten konnte. Ich bürstete das geschorene Stoppelfell und die frisch gekürzte Mähne, dann säuberte ich die Hufe und den Kopf. Er konnte kaum stillhalten und blödelte rum, indem er die Bürste immer wieder zwischen die Zähne nahm. Nachdem ich eher sein Gebiss gebürstet hatte, als die Stirn, holte ich schliesslich das Sattelzeug. Er schnappte wie immer mürrisch nach dem Anbindeseil, als ich den Sattel auflegte. Immerhin wagte er es nicht, gegen mich zu scharren, wie er es noch vor einem Jahr getan hatte. Anschliessend führte ich ihn zur Bahn. Ich stieg noch nicht auf, sondern wollte ihn erstmal vom Boden aus in die Startmaschine führen. Dazu hatte ich zur Sicherheit die Führkette über die Nase des Hengstes gelegt, falls er steigen wollte. Solange er brav am Boden blieb, war auch kein Druck auf seinem Nasenrücken. Ich nahm mir viel Zeit und liess ihn an allem was ihm Angst einjagte schnüffeln und knabbern. Trotzdem versuchte er ein paar Mal, sich rückwärts aus der engen Box rauszuretten und sich loszureissen. Jedesmal führte ich ihn erneut hinein und blieb dabei so ruhig wie möglich. Ich rettete mich jeweils, wie es normalerweise auch die Pfleger taten, auf der Trittfläche am Rand der Boxen in die Höhe, damit Fly mich nicht irgendwie übertrampeln konnte. Schliesslich stand er drinnen, senkte den Kopf etwas und schnaubte lautstark ab. Ich lobte ihn lächelnd und gab ihm ein paar Karottenstücke, damit er sich kauend noch mehr entspannte. Nach einer Viertelstunde stieg ich auf und ritt ein paarmal hinein, was erstaunlich gut klappte. Dann versorgte ich Fly zufrieden und gönnte mir eine kurze Pause, ehe ich mit Lisa, Rosie und Lewis ausreiten ging. Wir nahmen dazu Anubis, Rebel, Burggraf und Diarado, wobei ich letzteren ritt. Die vier waren brav und wir konnten den Ausritt trotz anhaltenden Schneeregens geniessen. Zweimal liessen wir die Jungs auf passenden Waldwegen galoppieren, wobei sie richtig aufdrehten. Der Wind peitschte mir den kalten Regen ins Gesicht und ich fühlte mich steif vor Kälte, aber biss die Zähne zusammen. Mir zu Schlitzen verengten Augen vorausschauend hielt ich Diarado hinter Burggraf, sodass der Rappe sein Tempo anpassen musste. Anubis hielt trotz des Hundewetters wiedermal seinen Schweif wie eine graubraune Fahne im Wind. Ich lächelte über den unbrechbaren Stolz des Hengstes. Als wir zurückkamen, wartete Jonas vor dem Nordstall auf uns. „Hey Boss, Dakotas Fohlen ist da!“ Ich rutschte, mitten beim Absteigen, vor Überraschung fast vom Pferd. „Waaaas, aber heute Morgen war doch noch alles normal; wie ist das möglich?!“ „Sie muss wohl über den Mittag die Wehen bekommen haben. Lewis war seit kurz nach dem Misten nicht mehr unten und sonst hat auch niemand mehr nach den Minis gesehen, sonst hätten wir es wohl früher bemerkt“ Ich rollte die Augen. Das passt ja zu Daki – einen Moment wählen, in dem garantiert niemand sie stört… Ich stieg ab und versorgte Diarado mit zitternden Händen, weil ich es kaum erwarten konnte, das Fohlen zu sehen. Wie Jonas berichtet hatte war es gesund und bereits auf den Beinen als ich kam. Das schlaksige kleine Ding hatte bezauberndes, silbernes Fell ohne jegliche Abzeichen. Es war noch ganz zerzaust von der Geburt, doch stakste schon neugierig durch das Stroh im Offenstall. Zum Glück hatten wir die Minis heute nicht raus gelassen, sonst hätte sich das Stütchen bestimmt verkältet. Vorsichtig näherte ich mich und kraulte zuerst Daki, um sie kurz durchzuchecken und gewissermassen ihre Erlaubnis zu holen, das Fohlen überhaupt anfassen zu dürfen. Sie schien munter und frass entspannt weiter ihr Heu, selbst als ich mich hinkniete und das Fohlen zu mir lockte. Die kleine schnupperte ganz sanft an meinem Ärmel und nahm meine Finger in ihren Mund. Ich war ganz verzaubert von ihr und wäre am liebsten stundenlang dort geblieben, doch die Arbeit rief. Bevor ich ging, drehte ich mich bei der Tür nochmal um und murmelte den ersten Namen, der mir bei ihrem Anblick in den Sinn gekommen war: Allegra.
      Wenig später ritt ich meinen geliebten Co Pilot in der Halle. Ich sprang eine leichte Gymnastikreihe und ein paar lockernde Kreuze, ausserdem baute ich viel frischen Galopp ein. Der Hengst hatte gestern eine anstrengende Springstunde gehabt, deshalb wollte ich ihm heute eine Pause gönnen und ein paar spassigere Dinge mit ihm unternehmen. Er schien jedenfalls nicht abgeneigt und lief locker am Zügel, ohne den Schwung zu verlieren. Ausserdem streckte er wunderbar in die Tiefe, als ich ihn nach einer halben Stunde liess. Ich klopfte ihm stolz auf den Hals und begrüsste beim rausreiten Darren und David mit Baccardi und Calico. Die beiden wollten gerade in die Halle, um etwas Bodenarbeit mit den beiden zu machen. Bei dem Wetter war das wohl auch das Vernünftigste. Ich bürstete Pilot nach dem Absatteln gründlich durch, besonders bei der Gurtlage. So erhoffte ich mir, allfällige Verspannungen zu lösen und die Durchblutung anzuregen. Er gähnte entspannt, als ich den Muskellinien bei der Schulter mit den Fingern entlang fuhr. Was er hingegen nicht ganz so gerne mochte war, dass ich ihn unter dem Bauch kitzelte, damit er den Rücken etwas anhob. Er verzieh mir, als ich ihm seine Karotten und einen Apfel als Belohnung brachte. Ich wollte, dass die Pferde auch etwas von ihrer Mitarbeit hatten und nicht einfach nur funktionieren mussten. Daher fand ich es ganz natürlich, dass sie alle ihre verdienten Leckereien am Ende der Arbeit bekamen. Allerdings verzichtete ich meist auf herkömmliche Leckerlis und fütterte stattdessen meist Karottenstückchen, da diese besser für Zähne und Bikinifigur waren.
      Als es schon längst dunkel war, mussten Rosie und ich noch die letzten Pferde für heute bewegen; nämlich Shadow und Noir. Ich führte die Welsh Stute von der Stutenweide zum Nebenstall und band sie locker unter dem Vordach an. Rosie tat es mir gleich und ich brachte ihr gleich Shadows Putzzeug mit. Wir bereiteten die beiden Stuten gründlich vor und gingen dann in die Halle um sie zu longieren. Noir ritt ich fast nicht mehr, weil auch ihr Fohlen nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Sie war noch kugeliger als sonst – aber immerhin hatte sie jetzt eine Ausrede. Ich kam nicht umhin zu schmunzeln, als sie auf mein Kommando hin angaloppierte und trotz allem zu ein paar kräftigen Bocksprüngen ansetzte. Shadow auf der anderen Volte liess sich anstecken und drehte ebenfalls ein paar Schleuderrunden, aber sie war bereits gut eingewärmt, also machte ich mir keine Sorgen. Im Gegenteil: ich bewunderte, wie toll die lackschwarze Stute ausbalanciert war. Wir brachten die beiden in einer guten halben Stunde sogar etwas zum Schwitzen, sodass wir sie etwas länger trockenführen mussten. Nachdem beide versorgt waren, sah ich nochmal nach dem jüngsten Bewohner von Pineforest Stable. Allegra lag platt auf der Seite neben ihrer Mutter im Stroh und döste, Daki stand mit aufgestütztem Bein da und hob sofort den Kopf, als ich kam. Ich schlich mich leise wieder raus, um die kleine nicht zu wecken. Danach gings ans Vorbereiten des Neujahrsfests. Ich bestellte beim Pizzadienst die Wunschliste der Pfleger und half danach beim Decken der Tische im Pflegerheim. Wir hatten die Sofas im Aufenthaltsraum an die Wand geschoben und so einen geräumigen Essraum geschaffen. Das Radio lief und sorgte für gute Stimmung, ausserdem hatten sich alle irgendwas zu erzählen, sodass es nicht langweilig wurde, bis das Essen kam. Pünktlich um Mitternacht stiessen wir alle an und wünschten uns gegenseitig ein erfolgreiches neues Jahr. Dann verzogen sich die meisten Pfleger auch schon wieder in die Betten, da auch am nächsten Tag schon früh gefüttert und gemistet werden musste. Pferde kannten nunmal keine Feiertage. Diejenigen Pfleger, die morgen später Schicht hatten, oder gar ganz frei, blieben noch ein wenig länger auf. Ich begab mich ebenfalls zurück ins Haupthaus, denn ich war hundemüde. Ich schickte Zira, Sheela und Jacky auf ihre Decken und streichelte sie ein letztes Mal, ehe ich die Treppe hoch schlenderte. Gerade, als ich das Licht löschen wollte, klingelte das Telefon. Ein Anruf um diese Zeit? Sicher irgendwelche verrückten Verwandten die mir ein gutes neues Jahr wünschen wollen, dachte ich seufzend. Doch als ich den Hörer ans Ohr hob, musste ich leer schlucken. “Police office Birmingham, am I talking to Miss Occulta Smith?“ Ich zögerte, dann antwortete ich. Besorgt wartete ich auf die Erklärung für den Anruf, doch als ich sie bekommen hatte, wollte ich die Worte am liebsten gleich wieder vergessen. „We are sorry to tell you that your cousin Rachel passed away.“ Schluchzend legte ich auf, sobald der Officer fertig war und wählte die Nummer von Rachels Nachbaren, die Lily fürs erste bei sich aufgenommen hatten. Sie gaben mir meine Nichte ans Telefon, die natürlich völlig geschockt und aufgelöst war. Lily war nun eine Waise, denn ihr Vater war schon vor Jahren an Lungenkrebs gestorben. Nun hatte es ihre Mutter erwischt – ein schrecklicher Verkehrsunfall auf dem Heimweg. „Shhhh, ganz ruhig, es wird alles gut… irgendwie. Ich hole dich morgen ab, es ist alles mit der Polizei abgesprochen. Du kommst zu mir, und ich kümmere mich um dich. Wir stehen das zusammen durch.“ Das Schluchzen am anderen Ende wurde leiser und ein ersticktes „Okay“ folgte. Ich konnte diese Nacht kaum schlafen und hatte Albträume. Fing so ein gutes neues Jahr an?
    • Occulta
      Montag Mondtag

      “Why do they always freak out when there’s a full moon?”, stöhnte Lewis kopfschüttelnd, während er Anubis mit der Hinterhand weichen liess. Wir waren mitten auf einem Ausritt, doch bisher waren eher die Pferde mit uns ausgeritten. Auch Dod und ich hatten Ärger miteinander, denn der sture Hengst wollte einfach nicht an den frisch gefällten Baumstämmen vorbei, die am Wegrand lagen. Ich trieb, gab einen mahnenden Klaps mit der Hand hinter dem Sattelblatt und schnalzte, doch schliesslich wirkte nur Geduld. Wer den längeren Atem hat, gewinnt. Wir schafften es, alle Pferde vorbeizubekommen, ohne einen meterweiten Bogen um den Stapel zu machen. Am ruhigsten war diesmal Baccardi geblieben, obwohl sein Kumpel Donut genauso gezickt hatte wie der Criollo und der Araber. Darren hatte also ausnahmsweise mal Glück gehabt. Quinn, die sonst eher langbeinige, grossgewachsene Vollblüter ritt, war mit ihrem wendigen Reitpony ein wenig überfordert. Ich riet ihr, Donut gut mit den Beinen einzurahmen und einen führenden Zügel zu bestimmen, der quasi als unterstützende Wand fungierte. Der restliche Ritt verlief auch nicht ganz störungsfrei, mitunter weil es begann, wieder in Strömen zu regnen, aber zumindest angenehmer was das Verhalten der Pferde anging. Ich freute mich schon sarkastisch auf den Ausritt mit Islah und Numair, den ich anschliessend mit Rosie vorhatte.
      Zurück auf dem Hof empfing mich Rosie bereits mit denselben Gedanken, denn sie berichtete, dass auch Burggraf total unkonzentriert gewesen war. Die Gruppe mit ihm, Pilot, Vychahr, Calico und Diarado war in die andere Richtung losgeritten und etwas früher zurückgekehrt. Lily gesellte sich mit den drei Hunden zu uns und hörte gespannt zu. „How about doing some Dressage instead?“, schlug ich vor, doch Rosie antwortete, was ich kurz darauf selbst dachte: „We’ve been in the arena yesterday and even the day before that, since it was also rainy then. I think they wouldn’t like it…” Lewis, der hinter uns durchhuschte, meinte scherzhaft: “You could do some sacking out, Islah would like that.” Wir lachten herzhaft, aber die Idee war tatsächlich nicht allzu schlecht. Immerhin wären sie dann beschäftigt, und schaden tut das eh nie. Rosie war einverstanden, also holten wir wenig später die beiden Araber aus ihren Boxen. Ich übernahm für heute wieder Islah, brav nach Einteilungsliste. Wir stellten in der Halle eine Plastikplane, einen Flattervorhang, einen grossen roten Ball, einen Tütenstock, einen Regenschirm und eine kleine Plastikpistole bereit. Numair war heute eindeutig der wildere von den beiden, denn schon beim Betreten der Halle glotzte er in der Gegend herum. Islah Schweif und geblähten Nüstern darüber, als ob sie gleich versinken würde. Eigentlich sah sie bildhübsch aus, wenn sie sich so aufplusterte. Trotzdem hatte ich es lieber, wenn sie etwas gemässigter unterwegs war, oder mich wenigstens vorwarnte, wie Numair es mit Rosie tat. Er spitzte schon Meter vor der Plane die Ohren, bis sie sich fast berührten, lief dann aber erstaunlicherweise im Schritt darüber. Da sieht man den Unterschied, dachte ich lächelnd. Numair findet die Plane wohl wirklich etwas unheimlich, Islah hingegen will mich bloss veräppeln. Ich schickte das furchtlose Vieh gleich weiter durch den Flattervorhang, was sie auch mehr oder weniger ohne Zögern meisterte. Auch der rote Ball schien sie nicht zu beeindrucken – den hatten wir aber auch schon beim letzten Schrecktraining gefühlte 100 Mal gegen ihre Vorderbeine rollen lassen. Während Numair und Rosie mit dem Regenschirm beschäftigt waren, wagte ich mich an die Plastikpistole. Beide Pferde zuckten ganz schön zusammen, als ich sie das erste Mal knallen liess. Numair vergass sogar den Schirm für einen Moment und hatte nur noch Augen für das kleine, schwarze Ding in meiner Hand. Beide gewöhnten sich aber nach ein paar weiteren Versuchen an das Geräusch, bis sie jeweils nur noch die Ohren spitzten. Wir beendeten das Training nach einer halben Stunde und brachten die beiden Araber zurück in ihre Boxen.
      Ich konnte es nicht lassen, zwischendurch nach Dream und Skydive zu sehen. Das schwarze Hengstfohlen war so unglaublich niedlich. Es hatte besonders schöne, im Moment noch leicht bläuliche Augen, die später aber ganz dunkel werden würden. Die gekräuselten Tasthaare an seinem Maul liessen ihn noch etwas dümmlich aussehen, genauso wie die übergrossen Ohren und knochigen Beine. Aber er war ein rechter Brocken für seine beinahe-14-Stunden Lebenszeit. Es war ein unbeschreiblich süsser Anblick, als er an Jacky schnüffelte, die durch das Stroh wuselte und nach Mäusen suchte. Es war zwar schon fünf Uhr, aber ich hatte noch immer einiges vor, also begab ich mich wieder in den Nordstall, wo Loki und Herkir bereits ungeduldig grunzten. Mit ihnen hatte ich ebenfalls ins Gelände gewollt, aber das fiel nun ins Wasser. Ich holte stattdessen die Doppellongen Ausrüstung und arbeitete so mit beiden je eine halbe Stunde. Ich achtete bei beiden auf die Dehnungshaltung, da sie als Tölter dazu tendierten, den Kopf über die Linie zu nehmen und den Rücken nicht zu heben. Ich war am Ende viel müder als die beiden, deshalb gönnte ich mir eine kleine Pause mit einer Tasse Tee, ehe ich zu Circus Dancer weiterging. Der Knabstrupper Hengst war auch etwas aufgewühlter als sonst. Er zappelte beim Putzen und lief in Giraffenhaltung auf dem Weg zur Halle, während wir beide vom Regen durchweicht wurden. Ich entfernte das Tuch vom Sattel, das ich zum Schutz vor dem Wasser darübergelegt hatte, und stieg auf wie immer um ihn warm zu reiten. Mir fiel schon im Schritt auf, dass er die eine Hallenecke immer wieder zu meiden versuchte und jeweils die Ohren spitzte, wenn wir daran vorbei kamen. Ich versuchte, die Ecke trotzdem auszureiten und das Verhalten zu ignorieren. Doch als ich das erste Mal im Trab durchkam, nahm er plötzlich den Kopf über die Linie und startete durch. Mit Mühe zog ich Dancer auf eine enge Volte und liess ihn drehen, bis er stand. Vermutlich hatte etwas in der Ecke geknackt, oder vielleicht war eine Maus durchgehuscht – jedenfalls ritt ich jetzt extra im Schritt nochmal hin, um ihm die ‚gefährliche‘ Ecke gründlich zu zeigen. Zunächst wehrte er sich, indem er den Rückwärtsgang einlegte und versuchte, abzudrehen. Ich trieb ihn konsequent vorwärts und schaffte es, ihn in der Ecke zu parkieren. Wir standen dort bis er den Kopf zu senken begann und an der Wand schnupperte. Dann streichelte ich ihn und ritt auf die Volte. Ich trabte an und kam siegessicher wieder auf die Ecke zu, doch abermals versuchte er das Spiel mit dem Losrennen. Ich zog ihn wieder in die Wendung und gab ihm einen Klaps mit der Gerte, nicht stark, aber um ihm klarzumachen, dass ich das gezeigte Verhalten nicht akzeptierte. Ich verglich den Einsatz der Gerte gerne mit dem Ausschlagen oder Zubeissen des Leitpferdes, als Züchtigung im Ausnahmefall. Ich ritt wieder auf die Ecke zu, wieder im Trab, als wäre nichts gewesen. Er lief zwar mit Aussenstellung und gespitzten Ohren daran vorbei, blieb aber im Trab. Ich lobte ihn und gab ihm eine Denkpause, indem ich auf die andere Volte wechselte. Ich verkleinerte und vergrösserte die Volte und versammelte ihn dabei mit korrekter Innenstellung. Er entspannte sich ein wenig und schnaubte. Ich überstrich lobend den Hals und hielt eine lockere, ruhige Verbindung zum Pferdemaul. Dann ritt ich wieder auf der ganzen Bahn und damit auch durch die berüchtigte Ecke. Diesmal reagierte er kaum noch und blieb sogar in Anlehnung. Ich lobte abermals und galoppierte an. Wir konnten den Rest der Stunde ohne weitere Uneinigkeiten abschliessen und er lief sogar schöner als am Vortag. Ich liess ihn spüren, dass ich zufrieden mit ihm war und kraulte ihn ausgiebig, als wir wieder in der Box waren, währendem er seine Karotten verschlang. Nun war nur noch Daydreaming Sorrow übrig. Ich nahm mir viel Zeit für den Welsh und flocht ihm einen ordentlichen Französischen Zopf, bevor ich sattelte. Das machte ich vor allem, damit mir seine mächtige Mähne beim Reiten nicht in den Weg kam. Auch die Stirnfranse flocht ich zu einem Zopf und klemmte sie beim Zäumen unter das Stirnband. Wir trabten förmlich zur Halle, weil es noch stärker regnete als zuvor. In der Halle stieg ich auf und ritt ihn warm, dann begann ich mit Stangentraben; das war das heutige Thema für den Hengst. Ajith hatte mit die bunten Stangen während dem Satteln vorbereitet und stand nun beim Halleneingang um ein wenig zuzusehen. Ich ritt zuerst schwungvoll über gewöhnliche Trabstangen, sodass er die Beine heben und sich auf seinen Untergrund konzentrieren musste. Als Nebeneffekt davon kaute er auf dem Gebiss und lief in wunderschöner Anlehnung. Eine weitere Lektion war das Reiten einer Volte, wobei ich jedes Mal über vier gleichmässig verteilte Stangen galoppierte. Ich wechselte auch ab und zu aus der Volte und nutzte die Stange in der Mitte der Halle zum Galoppwechseln. Am Schluss sprang ich ein paar Cavaletti mit Sorrow, was ihm offenbar Spass machte, denn er gab jeweils extra Gas. Am Ende lobte ich ihn und liess ihn austraben.
      Vor dem Schlafengehen machte ich wie immer mit Lily einen letzten Kontrollrundgang. Zufrieden stellte ich fest, dass die meisten Pferde bereits stehend oder liegend dösten und alles schön aufgeräumt war. Ich löschte in allen Stallgebäuden das Licht, wünschte den Pflegern, die zum Pflegerheim schlenderten, eine gute Nacht und begab mich mit meiner kleinen Nichte dann selbst zurück ins Haus.
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  • Album:
    Wilkinson Farm
    Hochgeladen von:
    Occulta
    Datum:
    9 Aug. 2013
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    Rufname: Anu, Nubis
    Geburtstag: 14.07.
    Alter: 15 Jahre
    Stockmaß: 1.56 m
    Rasse: Araber
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: Schimmel mit Stichelhaaren (bloody shoulder)
    (Ee,Aa,Gg,X)

    Abzeichen: -
    Gesundheit: sehr gut


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    Lernwillig, ruhig, manchmal temperamentvoll


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    Anubis ist ein sehr lernwilliger und ruhiger Hengst, der aber auch sein Temperament hat. Er ist kein Anfängerpferd, jedoch auch kein Problempferd. Anubis hat eine schöne, sonderliche Fellfarbe. Er liebt es, lange Spaziergänge zu machen, ist immer aufmerksam und interessiert sich für seine Umwelt.



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    Besitzer: Occulta (Rosie Wilkinson)
    Ersteller: Fratzi
    VKR: verfallen
    Verkäuflich: Nein



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    Gekört: Ja
    Nachkommen: Shády, PFS' Celebration on the Sky
    , PFS' Isis
    Decktaxe: 70J



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    Galopprennen Klasse: E
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: E
    Military Klasse: E
    Dressur Klasse: A
    Distanz Klasse: E

    Eignung: Distanz, (Western)
    Eingeritten: Ja



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    3. Platz 120. Dressurturnier
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    2. Platz Neujahrsturnier von Nasty Past
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    1. Platz im Westernturnier am Tag der Offenen Tür des Gestüts Bardagamaður
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