Occulta

• ♦ Fajir El Assuad ♂

Hengst | Cremello

• ♦ Fajir El Assuad ♂
Occulta, 27 März 2016
Snoopy, Citara, Veija und 3 anderen gefällt das.
    • Occulta
      Alte Berichte:
      Pepe
      Willkommen!
      Neuzugang in England

      Einige Wochen waren vergangen, wir hatten uns gut in England eingelebt. So kam es nun auch, dass wir drei Neuzugänge begrüßen durften. Osita, eine 5-jährige Reitponystute; Fajir El Assuad, ein 5-jähriger EVB-Hengst und Blossi, ein 5-jähriger Isländerhengst.
      Alle drei bekamen Innenboxen und bewohnten die ersten Tage zusammen einen geräumigen Paddock, die nächsten Tage wollte ich dann entscheiden, wer in welche Herde am besten passte.
      Osita war ein Geschenk von Ben gewesen. Frühmorgens überraschte er mich mit einem Frühstück und einem Foto, ich selbst hatte die Stute neulich auf einer Schau entdeckt und mich verliebt. Ben hatte sie mir wirklich gekauft! Seit dem ersten Tag an verbrachte ich viel Zeit mit der Stute, manchmal saß ich stundenlang in ihrer Box. Vor wenigen Tagen verließ die den Hof für ein Dressurtraining.Fajir El Assuad nahm sich Ben an. Der Hengst war nicht einfach, aber die beiden nähern sich langsam an.
      Und Blossi bekommt noch etwas Eingewöhnungszeit.
      15 März 2015

      Eddi
      Tierarztbesuch
      Basispaket II

      Mein letzter Termin für heute stand an und auf die beiden Patienten war ich ja persönlich wirklich gespannt. Es waren zwei Pferde die mich tierisch interessierten! Beide lebten auf dem Gestüt Callisto von Lea und genau dorthin führte mich auch mein jetziger Weg. Ich war gerne bei Lea, denn als erstes bot sie mir immer eine Tasse Kaffee an und die nahm ich jederzeit gerne an, aber gerade jetzt nach einen doch echt anstrengenden Tag war sie noch toller. Während eines kurzen Plauschs berichtete ich Lea von dem Brandunglück auf dem Arabergestüt und dass das der Grund war, weshalb ich schon seit um vier früh auf den Beinen war. Auch Lea war geschockt und es war nicht angenehm zu wissen, dass einer Brandstifter frei draußen herumlief.
      Aber dann widmeten wir uns den Vierbeinern. Erste Patientin war Hope of Joy und ich fand die gescheckte Warmblutstute richtig schick. Zuerst sollte Lea sie mir im Schritt und Trab vorführen, so konnte ich sehen, ob sie taktklar lief und das war auch der Fall. Danach warf ich einen Blick in ihre Augen und in ihr Maul. Bei den Zähnen würde ich am Ende noch einmal genauer draufschauen müssen. Doch nun hörte und tastete ich sie erst einmal von unten bis oben ab, danach bekamen Lea und ich Bleischürzen an und dann wurde Hope of Joy geröntgt. Ich machte Bilder von den Beinen, vom Rücken und vom Genick. Als das geschafft war, nahm ich der Stute am Hals etwas Blut ab, welches ich sicher verstaute. Danach wurde sie geimpft, entwurmt und gechippt. Leider war sie nach der Prozedur noch nicht ganz fertig. Ich musste ihr noch einmal ins Maul schauen und dort auch tatsächlich eine Ecke abraspeln, aber dann hatte sie es geschafft.
      Der nächste Kandidat war Fajir El Assuad und auf den Vollbluthengst war ich besonders gespannt, denn er war ein Sohn meiner Vollblutstute und er sah ihr so ähnlich! Auf ihn als Nachkommen konnte man richtig stolz sein! Seine Gänge und sein Körperbau waren exzellent. Auch sein Charakter war recht angenehm und so lief die Untersuchung ohne große Probleme ab. Lea führte ihn mir vor, dann untersuchte ich ihn. Erst hörte ich ihn ab und dann taste ich ihn ab. Danach machten wir die Röntgenbilder und dann klaute ich ihm etwas Blut. Zum Schluss gab es noch die Impfungen, den Chip und die Wurmkur und dann war auch schon der schicke Fajir fertig. Ich packte alles sicher ein und verabschiedete mich dann.

      Röntgenuntersuchung Hope of Joy:
      Röntgenklasse I-II, Hope of Joy besitzt einen sehr guten Normalzustand. Die Aufnahmen sind röntgenologisch ohne jeglichen großen Befund.
      Einfaches Blutbild Hope of Joy:
      Die Anzahl der Leukozyten und Erythrozyten im Blut befindet sich im Bereich des Idealwertes. Auch Hämoglobin und Thrombozyten treten in normalen Werten auf. Das kleine Blutbild lässt keine Auffälligkeiten entdecken.
      Röntgenuntersuchung Fajir El Assuad:
      Röntgenklasse I, Fajir El Assuad besitzt einen Idealzustand. Die Aufnahmen sind röntgenologisch ohne jeglichen Befund.
      Einfaches Blutbild Fajir El Assuad:
      Die Anzahl von Leukozyten befindet sich im Normalbereich. Der Wert der Erythrozyten im Blut ist leicht erhöht, dies lässt sich aber auf den Stress während der Untersuchung zurückzuführen und hat so keine weiteren Auswirkungen. Auch die Werte von Hämoglobin und Thrombozyten sind in Ordnung.
      1 Apr. 2015

      Vhioti
      A-Springen (Soul Dance), A-Western (Fajir El Assuad), Bodenarbeit (Yorick Halsnaes)

      Catalinas Sicht
      Es ging weiter mit Aufträgen. In den letzten Tagen herrschte Flaute. Und wir brauchten Geld. Clarence kam mit. Als Auszubildender sollte er ja auch fremde Pferde trainieren. Er hatte Bücher gewälzt und Dokumentationen eingesogen wie ein Schwamm das Wasser. Daher erstaunte es mich nicht, dass er unbedingt bei Lea mithelfen wollte. Der Vollbluthengst Fajir sollte in Western trainiert werden – und da kam der Azubi ins Spiel. Über Yorick freute ich mich im Allgemeinen, auch die Ponystute Soul Dance war mal eine Abwechslung wert. Und danach würde ich mit Clark nach Birmingham reisen. Occulta hatte auch einige Pferde, die ich trainieren sollte.

      Clarence's Bein wippte unruhig im Takt von – ja, was eigentlich? Die Musik passte überhaupt nicht zum Takt, als ich mit dem Wagen zum Hof von Lea brauste. Doch vorher musste ich auftanken. "Warum so nervös?", ich schmunzelte. "Keine Ahnung." Ich lachte schallend auf. Clarence feierte in acht Tagen seinen 24. Geburtstag und er war nervös? Mit meinen 19 Jahren hatte ich wohl mehr drauf. Der Tank wurde gefüllt, ich leerte mein Portemonnaie und brachte uns beiden gleich einen Ti. Eistee namens Ti, was eine Einfallsgabe. "Hier, trink. Wir sind gleich da." Clarence tat wie ihm geheißen. Kurz darauf hielten wir schon am Willmore Stud auf dem Parkplatz. "Na los, nimm deine Tasche, wir checken ein. Wir haben nicht alle Zeit der Welt – beeil dich!", mir floss der ganze folgende Ablauf mittlerweile ins Blut – Zimmer beziehen, Fenster auf (es war warm), und dann ab zu den Stallungen. Clarence folgte mir wie ein Geist. Lea war an der Box eines edlen Arabers. Nach einer Begrüßung, die doch etwas herzlich ausfiel, zog sie eine Augenbraue hoch. "Das ist Clarence. Mein Azubi. Er kann gut mit Pferden umgehen. Trotzdem bleibe ich in seiner Nähe.", damit warf ich ihm einen belustigten Blick zu. Binnen Sekunden hatte seine Gesichtsfarbe von einem gesunden zu einem roten und dann blassen Hautton gewechselt. "Ich fange an mit Yorick. Da ich auf dem Platz bleibe, kann er auch schon mit Fajir langsam anfangen.", erklärte ich ihr nun. Lea nickte nur. "Wie dem auch sei – ich bin heute den halben Tag nicht da. Die Arbeit, du weißt schon.", auch ich nickte, und zog dann meinen Azubi zu den Boxen des Vollbluts und Norwegers. "Fajir ist ein recht schwieriger Kamerad, so weit ich weiß. Aber du weißt ja, freundliche Annäherung ist alles!" Yorick schnaubte, als ich ihn aufhalfterte und dann zu mir führte. Clarence sah den stolzen Hengst einen Moment lang starr an.

      Clarence's Sicht
      Ich durfte nicht zeigen, wie nervös ich war. Der Hengst vor mir beobachtete jede meiner Bewegungen, als ich ihn striegelte und nach der Sattelkammer fragte. Der Norweger, um den sich Catalina gerade kümmerte, brummelte zufrieden als sie seinen Rücken mit dem Gummistriegel massierte. Es gab in der Kammer nur ein Westernset. Hoffentlich passte es dem Hengst. Cata war immer noch emsig dabei, den Ponyhengst zu verwöhnen. Doch zuerst – weiter mit Fajir. Etwas unruhig kratzte ich seine Hufe noch aus, dann trat ich zurück. Fajir wurde aufgesattelt. Catalina nickte mir zu, sie war schon fertig mit dem Pony und hatte nur noch ein Pad, Gurt und einen Kappzaum angelegt gekriegt.
      "Und jetzt?" "Jetzt reitest du auf Fajir, Dummerchen. Aber bleib einfach auf der oberen Hälfte. Fang mit lockeren Gleichgewichtsübungen an, es geht ja um die richtige Handhabung im Sattel." Das war klar. Nicht umsonst hatte ich Bücher gelesen in den letzten Tagen. Aber die Praxis war wohl schon anders. Bei den Seminaren hatten wir einiges gelernt, und auch die junge Frau, mit der ich dort gesprochen hatte, wollte sich im Westernbereich vertiefen. Lydia hieß sie. Wenn Catalina wüsste...

      "Hey!", Fajir lief ganz gut. Der schwere Sattel war zwar eine andere Klasse für den sonst englisch gerittenen Vollbluthengst, aber daran hatte er sich wohl schnell gewöhnt. Jetzt aber buckelte er. Catalina, die gerade Yorick longierte und ihn nur gelegentlich touchierte, damit er schneller lief, hielt ihn an und schaute zu mir rüber. "Zieh nicht so am Zügel!", rügte sie mich. Ich hielt sie lockerer; der Henst beruhigte sich. "Mein Gott, hast du den gar nichts gelernt? Du musst sensibler sein. Beim Westernreiten..." "...geht es um die kleinsten und minimalsten Hilfen, ich weiß!", rief ich und ließ Fajir antraben. War wohl doch schwerer, als gedacht. Ich hatte dennoch Spaß daran. Nicht zuletzt deshalb, weil der Hengst gute GGA hatte und gelehrig war. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Catalina mit dem Norweger die Seite wechselte. "Clark? Holst du gleich ein paar Stoffstangen aus dem Lager?" "Gerne.", erwiderte ich. Nach einem Galoppstart zogen wir einmal über den Platz. Der Norweger machte sich direkt 'schlank' – gut für ihn, denn Fajir legte einmal die Ohren an, als wir ihn passierten. "Gut! Das reicht für heute!", etwas enttäuscht ließ ich den Hengst durchparieren. "Warum?" "Ich brauche deine Hilfe bei Yorick. Der lässt sich zwar gut longieren, mehr aber auch nicht. Mach Fajir fertig für die Weide und komm dann bitte wieder." "Mit den Stoffstangen, klar."
      Fajir schnaubte, als ich ihn auf die Weide brachte. Er hob den Kopf, zuckte mit den Ohren und trabte dann stolz auf eine der Tränken zu. Ich brachte den Sattel noch schnell weg und holte im Anschluss die gelb-blauen Stoffstangen. Auf dem Platz legte ich sie an einer der Seiten hin, schob sie gerade und stellte mich neben Catalina. Die kleine Brünette mit der kecken Persönlichkeit trieb den nun longefreien Hengst über den Platz – und das nur mit einer kleinen Gerte. Trotzdem lief der Hengst fleißig, auch wenn er in den Ecken sich einrollte. "Und jetzt?" Catalina warf mir einen scharfen Blick zu. Dann schnalzte sie mit der Zunge und holte Yorick zu sich. "Lauf neben ihm her, damit er nicht die Stangen überläuft.", befahl sie. Also ging ich auf Yorick zu und hielt ihm am Kappzaum fest, dann gingen wir auf den Stoff zu. Die nachgebenden Stangen waren ein Graus für den Hengst, da der nicht verstand, wie sie so weich und doch so ... naja, existent waren. Argwöhnisch wurden die Stangen mit den Hufen betastet. Dann sogar umgerollt. Mit einem kessen Wiehern scharrte er erst im Belag herum, und stuppelte dann über die Stangen.

      Catalinas Sicht
      Es war später Nachmittag. Lea hatte lange Zeit gearbeitet und war jetzt froh, auf der Bank vor dem Round Pen zu sitzen und mir beim Arbeiten mit Yorick zuzusehen. Soul Dance war heute den ganzen Tag auf der Weide – laut ihrem Stalltagebuch hatte sie heute ihren Weidetag. Den durfte sie auch einhalten. Dafür wollte ich heute mit Fajir einen Ritt durch die Umgebung machen. Clark würde dann Lea helfen. Ich wusste nicht, warum, und er hatte mir auch nichts erzählt. "Bist du sicher, dass du das alleine schaffst?" Da hatte er sich eine Kopfnuss eingehandelt. Ich schmunzelte, als der Hengst stehen blieb und sich mehrfach um die eigene Achse drehte. "Jah, du hast keine Lust mehr, richtig?" Gedankenverloren kraulte ich seine Ohren. Er war merkwürdig ruhig, dafür, dass er Longen überhaupt nicht mochte.
      Fajir schnaufte und legte leicht die Ohren an, als ich aufsaß. Ich wollte nur einen kleinen Ritt in den Wald machen und dann wieder zurück. "Ho, ho. Ruhig Kleiner.", ich klopfte seinen Hals, und ritt mit ihm los.

      Tag 2

      Fajir war doch ein schwieriger Kamerad. Wir mussten eine leere Straße überqueren. Überhaupt nicht sein Fall. Aber jetzt, wo Clark wieder auf ihm über den Platz ritt, wirkte er gelassener als gestern. Mit Yorick hatte ich genug gearbeitet. Ich vertraute Clark mittlerweile genug, Fajir nicht zu verärgern und holte daher die Ponystute Soul Dance von ihrer morgendlichen Weiderunde ab. Die dunkle Stute mit dem hübschen Mähnenschnitt knabberte an meinen Fingern, als ich ihr das Halfter aufstrich und sie dann zum Stall führte. Auf dem Platz wurden gerade Hindernisse aufgebaut, die ich heute mit ihr überwinden wollte. Die schicke Stute schnabulierte gerade eine Möhre während ich sie aufsattelte; anscheinend war sie von Sätteln nicht sehr angetan. Ich lobte sie ausführlich, als sie auch beim Nachgurten ruhig blieb. Langsam führte ich sie zum Platz. Lea und Clark saßen auf der Bank. "Handy weg, Clark. Du kannst später mit deiner Freundin schreiben, wenn wir auf dem Weg zu Occulta sind.", warnte ich den Auszubildenden. "Ihr wollt noch zu Occu?", wiederholte Lea. Ich saß auf und ließ Soul im Schritt über den Platz gehen. "Genau. Da kommt er auch mit. Kira und Cascar haben auch noch Aufträge. Da letztere nur ein Pferd angegeben haben, sind Kira und Cascar als erstes dran." "Und damit hat Occu kein Problem?" "Warum sollte sie? Sie ist einige Tage verreist und ich will ihr ne Überraschung liefern." Lea lachte auf, als sie meine halb grimmig, halb lustige Miene sah. Soul wieherte, und trabte an. Ich ließ es ausnahmsweise mal durchgehen. Im flotten Trab klappte das Aufwärmen eh besser. Aber das war nicht alles, was die Stute haben wollte. Sie ging zielstrebig um die Hindernisse herum, begutachtete sie und sprang in den Galopp, als ich meine Fersen an ihren Bauch gedrückt hielt. Alles weitere klappte schon fast ohne meine Hilfe. Auch wenn die letzten Schritte vor den Sprüngen hastig waren und sie anschließend regelrecht trippelte, um dann wieder in die Sprünge zu finden. Daher ließ ich sie im langsamen Galopp auf die Hindernisse zu gehen, damit die Schritte noch recht groß waren und sie sich dann mit Kraft abstoßen konnte. Durch diesen Umstand geprägt streifte sie auch keine Stangen und hufte dann wieder elegant auf. Meine Arbeit war getan; auf Clark und mich warteten nun andere Aufträge, die wir zu erledigen haben. Aber Leas Pferde wollte ich immer wieder gerne trainieren.

      Pepe
      Rund-um-Pflege

      Mit der Umbenennung unseres Teilstückes des Hofes war auch wieder ein neuer Pflegetag nötig. Wärend Ben sich um den Stall, das Futter und die Stallarbeit kümmerte, erledigte ich die Pferde.
      Ich begann mit Annakiya, unserer Jährlingsstute. Wir hatten viel gearbeitet, Halfter und Hufe geben ging mittlerweile problemlos. Heute schnappte ich mir ihr neues Halfter und holte sie vom Paddock. Die kleine Stute war sehr pingelig und oftmals nur etwas staubig. Schnell war sie geutzt, die Hufe hatte sie heute morgen neu gefeilt bekommen. Neugierig schnupperte Anna an mir herum, wie immer erwartete sie ein Leckerchen. „Jetzt noch nicht, meine Süße!“, grinste ich und löste den Strick. Ich wollte heute etwas mit ihr spazieren gehen, manchmal war sie noch etwas ungestüm und ließ sich schwer bremsen. Mit spielenden Ohren verließen wir den Hof. Nach etwa einer Viertelstunde kamen wir beide entspannt am langen Strick zurück. Annakiya hatte erstmals nicht gezickt oder sonst irgendwelche Gespenster gehen. Ich war stolz auf die und brachte sie zu den anderen,die Ben gerade reinstellte, in den Stall.
      „Lässt du mir die Jungs grade noch draußen?“, bat ich Ben und schnappte mir einige Stricke. Kvest Halsnaes, Oaklands Cloudbreaker, Osita, Fajir El Assuad, Blettur und Soul Dance durften sich gemeinsam in der Halle austobene; die kleine Herde genoss diese Stunde einmal in der Woche sehr. Rangeleien gab es bisher noch keine, ausgelassen tobte und spielten sie immer miteinander.
      In der Zwischenzeit sattelte ich mir Cylon Blue und brachte den Hengst auf den Reitplatz, lange hatten wir nichts mehr getan. Ich stieg auf, gurtete nach und ritt los. Der Hengst war sehr sensibel, er ließ sich auch bisher nur von mir reiten. Etwas Druck im Zügel und der Trakehner kaute zufrieden auf seinem Gebiss.
      „Brauchst du Hilfe?“ ertönte es plötzlich am Zaun. Es war Ben, der zur untergehenden Sonne zeigte. Mist. Ich hatte ganz vergessen wie spät es schon war. „Kannst du Joy longieren? Nur bisschen in den Gangarten, das reicht schon…“, rief ich ihm zu.
      Zehn Minuten später kam Ben mit Hope of Joy auf den Reitplatz. Ich befand mich mit Blue bereits im lockeren Trab und versammelte ihn leicht. Ben schickte die Stute auf einen etwas kleineren Zirkel und begann mit ihr zu arbeiten. Während ich mit Cylon Blue zu Trab-Galopp-Übergängen anfing, gab ich Ben immer wieder mal ein paar Tipps. Die Stute lief nach kurzer Zeit sehr locker, Ben kam mit ihr auch mehr als gut zurecht, so unkompliziert wie sie war. Ich ließ Blue im Schritt am langen Zügel etwas entspannen, und ließ Ben mit Joy an der Longe galoppieren. Die Stute hatte etwas viel Energie, etwas musste ich meinen Hengst bremsen. „Okay, das ist gut so. Bringst du sie zurück und sammelst die anderen aus der Halle zusammen? Ich schwing mich noch kurz auf Yorick.“ Geschwind war Cylon Blue abgesattelt und versorgt.
      Yorick Halsnaes war erst seit wenigen Tagen aus dem Training zurück. Von der ersten Minute an hatte ich eine besondere Beziehung zu dem Junghengst. Er brummelte mir bereits entgegen und nahm das Gebiss sanft an. Ich führte das Fjord auf die Stallgasse, putzte mit einer Kardätsche kurz über und lief mit ihm zur Halle. Dort machte ich etwas lockere v/a-Arbeit, die letzten Tage hatte er sich wegen Muskelkaters kaum selbst bewegt, so wollte ich ihm etwas Lockerung verschaffen. Yorick schnaubte nach zehn Minuten im Trab locker ab und streckte sich. Ich klopfte ihn glücklich und drehte noch einige Schrittrunden durch die Halle. Zurück im Stall versorgte ich ihn und brachte ihn in seine Box für die Nacht. Ben hatte die Abendfütterug bereits vorbereitet und zu zweit war die letzte Arbeit des Tages schnell erledigt.
      13 Juli 2015

      Vhioti
      Training, Training, Kuchen?!

      Ungelenk stieg ich aus dem Taxi aus. Es hatte mich zu Lea verschlagen. Neben Fajir und Cyclon wollte Yorick auch trainiert werden. Wobei – Cyclon wollte ich eher auf einen Ausritt mitnehmen. Etwas tapsig lief ich mit einer Tasche in den Stall. Lea war nirgends zu finden. Erst im Wohngebäude sah ich sie. In der Küche war es warm. Sie trank einen Kaffee und buk einen Kuchen. "Hi Lea!", rief ich. Die Besitzerin drehte sich um, und umarmte mich. "Heute also Kuchentag?", ich zeigte auf das Blech. "Wie man es nimmt. Ich hatte Langeweile." Grinsend klopfte ich Lea auf die Schulter und verschwand dann im Hengststall.
      Fajir stand in seiner Box und blickte in die Leere. Als er mich sah, schnaubte er. Ich glaubte, er erkannte mich nicht, als ich ihn aus seiner Box führte und zu Beginn eine Dusche vorbereitet. Wie konnte man nur so dreckig sein? Der Hengst schien diese Abkühlung aber zu geniessen, und die anschließende Wärmeeinheit unter dem Solarium samt Putzen und Aufsatteln ebenfalls. Er freute sich wohl auch auf etwas Bewegung bei den 23 Grad Außentemperatur, die wir hier hatten. Als wir auf dem Platz ankamen und ich aufsaß, gab es eine Aufwärmphase mit darauf folgendem Nachgurten. Ich fragte sämtliche Lektionen der E- und A-Dressur ab, ehe ich mit dem eigentlichen Training weitermachte. Das bestand über die nächsten Tage hauptsächlich darin, dass wir die Tempo- und Gangwechsel weicher einstudierten und noch dazu sie erst einmal übten, denn der Hengst schien keinen Hehl zwischen Leicht- und Mitteltrab zu machen. Spätestens ab einem M-Turnier würden da entscheidende Punkte fehlen. Auch die Zirkel, Volten und Bahnwechsel wurden noch geübt, dann aber machten wir schon Schluss.
      14 Aug. 2015

      Pepe
      Pflege
      Auf in's neue Jahr!

      "Guten Morgen!", rief Ben fröhlich aus der Küche. Ich brummelte zurück; wie konnte ein Mensch so früh morgens schon so fit sein? Bevor ich drüber nachdenken konnte, drückte er mir eine warme Tasse Kaffee in die Hand und gab mir einen Kuss. "Ich muss los.", flüsterte er und drehte sich um in Richtung Tür. Ben hatte seit einigen Wochen eine neue Arbeit in der Stadt und musste früh los, die Stallarbeit blieb komplett an mir alleine hängen. Ich nahm einen großen Schluck warmen Kaffees, stellte die Tasse auf den Tisch und griff nach meiner Jacke. Frühstück würde ich verschieben.
      Draußen war es kalt, aber geschneit hatte es bisher noch nicht. Im Stall wurde ich bereits erwartet und jeder meiner Fellnasen bekam sein Frühstück. Ich setzte mich in die Mitte des Stalls auf einen dort abgestellten Heuballen, schloss die Augen und genoss das friedliche Kauen der Tiere.
      Chestnut war natürlich als erstes fertig, steckte seinen kleinen Kopf über die Tür und krümelte die Stallgasse voll. Ich ging zu ihm und kraulte ihn am Ohr. „Lust was zu machen, Kleiner?“, raunte ich ihm zu und griff zum Halfter. Der Hengst trug eine leichte Stalldecke, so wie die meisten am Stall, war sehr praktisch kaum putzen zu müssen. Ich bürstete kurz mit der Kardätsche über, trenste ihn auf und wir gingen hinaus auf den Hof. Ich schwang mich ohne Sattel auf das Reitpony und wir verließen den Hof. Es war noch etwas neblig auf den Felder, wir beschränkten uns auf einen gemütlichen Schrittausritt. Bevor wir am Hof wieder eintrafen kam die Sonne heraus und tauchte die Welt in wundervolles Zauberlicht. Zurück auf dem Hof trenste ich Chestnut ab und brachte ihn so wie alle anderen auf den Paddock. Der Ausritt hatte mich hungrig gemacht und ich beschloss, erst gemütlich zu frühstücken, bevor es weiter ging.
      Nach dem Frühstück gab es heute Freilaufen in der Gruppe. Ich holte Yorick Halsnaes, Kvest Halsnaes und Soul Dance vom Paddock, putzte beide kurz über und brachte beide auf den Winterauslauf, den ich zum Toben mitbenutzte. Ein kurzer Blick in die Halle - sie war ebenfalls frei. Dort durften sich Annakiya, My Lovely Horror Kid und Laheeb al Amara austoben. Ich schaute den Stuten einige Minuten zu, wie sie ausgelassen durch die Halle rannten und miteinander spielten. Es war schön mit anzusehen, dass alle meine Pferde sich prima verstanden. In der Zeit in denen sich die beiden Gruppen austobten, mistete ich die Boxen und die Paddocks. Anschließend kamen alle 6 wieder zurück auf ihre Paddocks, Annakiya, Horror Kid und Laheeb bekamen ihre Decken auf, für das wenige Fell war es doch zu kalt.
      Auch die Hengste sollten heute nicht zu kurz kommen. Fajir el Assuad und Oaklands Cloudbreaker konnte ich gefahrenlos zusammen in der Halle laufen lassen, die beiden verstanden sich prima und rauften sich immer freundschaftlich, ohne aggressiv zu werden. Oak liebte es auch, den Vollblüter in sich rauszulassen, da war Fajir der ideale Spielgefährte.
      Osita hatte heute ihren freien Tag, ich putzte sie ausgiebig. Vor ein paar Tagen hatte sie eine leicht warme Sehne gehabt, sie lahmte aber nicht. Vermutlich hatte sie sich nur vertreten, aber ich wollte sicher gehen und sie keiner großen Belastung aussetzen.
      Cylon Blue war der letzte, der heute an die Reihe kam. Der Trakehnerhengst war seit einigen Tagen etwas ungeduldig, die Kälte ließ ihn immer etwas aktiver werden. Ich zog ihm die Stalldecke ab, putzte ihn und ging mit ihm in die Halle. Dort longierte ich ihn eine halbe Stunde, in einem flotten Mix aus Trab und Galopp, nachdem ich ihn im Schritt aufgewärmt hatte. Cylon buckelte im ersten Galopp ein paar Mal, das ließ ich ihm aber durchgehen, weil ich wusste, dass er es brauchte. Danach lief er flüssig und entspannt und ließ sich auch leicht biegen. Nachdem ich die Arbeit mit ihm beendet hatte, kam er mit Decke zurück auf seinen Paddock.
      Nachmittags traf ich mich mit einer Freundin, als Ben von der Arbeit nach Hause kam, half er mir bei der Abendfütterung und steckte einigen Pferden, mal wieder heimlich, eine Möhre zu.
      Ich war glücklich so wie unsere Situation momentan war und freute mich auf das neue Jahr.
      6 Jan. 2016
    • Vhioti
      Ich hatte einige kleinere Aufträge erledigt, und ehe es morgen nach Kanada ging, wollte ich bei Occu vorbei schauen. Sie wohnte in der Nähe von mir und hatte eine recht erstaunliche und prämierte Sammlung an Vollblütern, wobei nur Fajir (trotz seines arabischen Namens) dieser Rasse entsprach. Es ging heute um eine normale Kontrolle mit einer kleinen Hufkorrektur, und da es in den letzten Wochen sehr viel und oft geregnet hatte, packte ich einige Mittel gegen Huffäule ein. Man wollte ja lieber vorgesorgt haben.
      Das sehr idyllisch gelegene Gestüt mit der sehr großen Rennbahn um das Gelände herum war schon wach. Ich hörte Pferde wiehern, Musik laufen und überall wuselten Leute herum. Den Hauptstall fand ich sehr schnell, denn dort standen ja die Vollblüter. Ich erkannte Occulta Smith schon vom Weiten, als sie gerade einen Braunen mit auffälliger Overoschecke bürstete. “Hallo Occu!”, wir begrüßten einander kurz, dann klopfte ich auch dem Hengst auf den Hals. “Ich wollte heute nach Fajir und Circus Dancer schauen. Würdest du mir die Ehre erweisen, sie für mich zu holen?” Occu nickte, rief dann nach einer Quinn, die sich dann weiter um den Vollblüter kümmerte.
      Fajir El Assuad war ein sehr wacher Hengst, der jetzt angebunden vor dem Stallgebäude stand und sich ständig nach mir umdrehte. Als Occu mit ihm einige Runden über den Platz ging und auch trabte, fiel mir nichts Besonderes auf, und als ich jetzt die Hufe auskratzte, kam mir schon ein leicht unangenehmer Geruch entgegen. Sorgfältig entfernte ich die Hufeisen, fing aber erst einmal damit an, mit dem Hufmesser langsam das Horn des Hufes zu bearbeiten, sodass ich die Hufeisen später wieder besser drauf machen konnte. Die letzten zwei Hufe wollte der junge Hengst mir nur sehr schwerlich anvertrauen. Aber dank Occultas guten Zureden konnte ich auch hier die letzten Feinheiten bearbeiten. “Ich gehe davon aus, dass die Boxen jeden Tag gemistet werden?” Occulta nickte. Ich nickte ebenfalls, ging dann zu meiner Tasche und holte einige Sachen, die ich für die weiteren Schritte brauchte. Während ich die Hufe noch einmal gründlich reinigte und anschließend mit Wasser und Seife den letzten Säuberungsakt beging, erklärte ich ihr, was ich selber schon bei meinen Pferden erlebt hatte: “Die Hufe müssen jeden Tag ordentlich sauber gemacht werden. Auch mit Wasser und Seife. Da die Huffäule noch nicht sehr weit fortgeschritten ist, müssen wir uns erst einmal keine großen Sorgen machen.” Ich wechselte die Handschuhe, und griff zum Desinfektionsmittel meiner Wahl, um alle vier Hufe damit einzutupfen. Fajir zuckte merklich zusammen, als ich bedächtig am linken Vorderhuf entlang der Strahlfurche entlangrieb. Dann guckte ich noch nach, ob ich nicht doch etwas übersehen hatte, und griff zum Gasofen. Der Hufbock stand bereit, und ich begann, die Aluminiumeisen zu formen. Obwohl Fajir ein eher mittelklassiger Läufer war, hatte ich doch in der Zeitschrift meines Vertrauens gelesen, dass er ein recht guter Dressurhengst war und auch im Springsport Erfolge eingeheimst hatte. Gegen diese Leistung konnte ich also nichts einwenden, und mit gewohnter Sorgfalt brachte ich die Hufeisen an und befestigte sie. Während dieser Prozedur blieb der Hengst ruhig, und zur Belohnung bekam er noch eine Möhre. Occulta gab ich noch eine Flasche Jodoformäther. “Das Zeug ist ätzend, lass es nicht auf die Hand tropfen. Einfach jeden Tag nach dem Arbeiten die Hufe besonders gut auskratzen und mit Wasser und Seife auswaschen, und einmal am Tag den Huf damit behandeln. Ich werde in etwa zwei Wochen wieder kommen und nachschauen, wie gut die Behandlung abgelaufen ist.”


      Der nächste Hengst war ein Knabstrupper. Mein Herzchen schlug ein wenig schneller, als ich den für mich ungewohnten Weißgeborenen betrachtete und mich ihm vorstellte. Bubi, wie man ihn auch nannte, schien seine Zeit heute wohl besser verplant zu haben als ich. “Sein rechter Vorderhuf ist zu lang.” Occulte stellte sich neben mich und starrte mich dann verwirrt an. “Woran erkennst du das?” “Hufeisen ist ein wenig eingedellt.”, ich zeigte auf die kleine Delle, und fing auch direkt einmal damit an, die Hufeisen zu entfernen. “Guter Kerl.”, murmelte ich. Seine angelegten Ohren richteten sich wieder auf und ich schnitt und raspelte einige Minuten an dem rechten Vorderhuf, bis er wieder Normallänge hatte. Von einer beginnenden Strahlfäule konnte ich bei dem Knabstrupper nichts erkennen, wusch sie aber trotzdem auch aus. Die anderen Hufe waren nicht so lang gewachsen wie der rechte, was mich ein wenig verwunderte. Bei den hinteren Hufen erkannte ich sofort, dass sich Steinchen etwas fest in die Strahlfurche eingearbeitet hatten. Sobald diese entfernt waren, wieherte Circus Dancer lautstark auf, schnaubte und ich konnte mir die Furche besser ansehen. “Ouh, die ist ein wenig angegriffen.” Mit dem bewährten Desinfektionsmittel reinigte ich die Furche und schnappte mir eine pflegende Creme. Die schmierte ich um die Furche herum. Abschließend wurden nur noch die neuen Hufeisen angebracht, und der Weißgeborene erhielt einen Apfel und eine Streicheleinheit. Als abschließenden Rat für Occu gab es noch die pflegende Creme mit den Worten: “Seine Strahlfurche ist ein wenig gereizt, jeden Tag eine dünne Schicht auftragen, wenn es in einer Woche immer noch schlimm ist ruf mich an. Auf Wiedersehen!”

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    • Occulta
      Viele viele bunte…

      „Occu, Blütenzauber bekommt ihr Fohlen!“, rief Lisa mir vom Hauptstall entgegen. Ich hastete dorthin um nach dem Rechten zu sehen. Im selben Moment rief Lily hysterisch vom Nebenstall: „Ich glaube Skydive hat gehustet, Tante Occu! Komm schau ob er krank ist!“ So ging das nun schon seit Wochen; ein Fohlen nach dem anderen kam zur Welt. Naja, eigentlich war ja auch absichtlich geplant gewesen, dass die Fohlen fast alle März kommen sollten. Ich rollte die Augen und drehte um. Ich wusste schliesslich genau, dass mir meine kleine Nichte keine Ruhe lassen würde, bis ich mich um ‚ihr‘ Fohlen kümmerte. Wie erwartet hatte sich Skydive aber nur beim Trinken verschluckt, sonst fehlte ihm absolut nichts. Das Hengstchen war kräftig und verspielt, und manchmal überlegte ich skeptisch, ob er nicht schon fast etwas zu moppelig war. Als Lily mich endlich gehen liess, lag Blütenzaubers Fohlen schon als feuchtes Bündel neben ihr im frischen Stroh. Ich betrachtete die beiden liebevoll und versuchte zu erkennen, welches Geschlecht das Tierchen hatte. „Eine Stute!“ Über einen Namen würde ich mir später Gedanken machen. Das Fohlen war das erste von Spot und dementsprechend neugierig war ich auf seine Qualitäten. Ich sah ein paar Boxen weiter nach Caprice und ihrem wolligen braunen Hengstchen, das Gestern in der Frühe geboren worden war. Die Fuchsstute war entspannt und kümmerte sich liebevoll um ihr Erstgeborenes. Sogar noch besser war es vor zwei Wochen mit Pointless gelaufen. Das gepunktete Monster hatte uns alle überrascht und sich als hervorragende Mutter entpuppt. Ausserdem war ihr Fohlen eine unglaublich hübsche, dominant weisse Stute mit ganz feinen, braunen Fleckchen auf dem ganzen Körper. An der Schnauze und um die Augen hatte sie ebenfalls dunkle Flächen, die aufgrund des dort feineren, weissen Fells noch etwas deutlicher zu sehen waren. Auch sie hatte noch keinen Namen, aber ich spielte mit der Idee ‚A Winter’s Tale‘. Ausserdem hatte ich bereits beschlossen, sie definitiv zu behalten, denn ich war neugierig, wie sie sich entwickeln würde. Ich wusste noch nicht genau, welche Fohlen dieses Jahrgangs wir sonst noch zur Ausbildung hier behalten würden; das wollte ich in den kommenden Tagen zusammen mit Oliver bestimmen. Ausser den drei bereits erwähnten Babys hatten noch ein Welsh von Noir, ein Mini von Alu und ein Criollo Fohlen von Gini das Licht der Welt erblickt. Ja, nun war der Frühling definitiv gekommen. Ich freute mich schon auf die letzten Geburten, die noch bevorstanden. Bei Indiana und Islah konnte es jetzt auch jeden Tag so weit sein. Doch nicht nur solch junge Neuankömmlinge hatten wir in letzter Zeit begrüssen dürfen; auch sonst hatte sich viel verändert. Zum Beispiel stand nun in Box Nummer 14 der wunderschöne Fajir El Assuad, ein knapp sechsjähriger Halbbruder von Kaythara. Ich erhoffte mir, ihn später erfolgreich als Zuchthengst einsetzen zu können, denn seine Abstammung war ausgezeichnet. Der einzige Haken daran war, dass er sozusagen keine Rennleistung hatte. Er war früh aus den Rennen zurückgezogen und stattdessen in Dressur oder Springreiten trainiert worden, sodass ich nicht mit Sicherheit sagen konnte, wie gut seine Nachkommen auf der Bahn sein würden. Vom Körperbau her schien er aber alle Voraussetzungen für einen guten Galopper zu erfüllen. Ausser Fajir waren noch Shattered Glass, eine Paint Horse Stute, und Dante, ein Holsteinerhengst übergangsweise hier. Ich hatte die Beiden von einem Rettungshof übernommen und bereits neue Besitzer gefunden, doch solange der Papierkrieg um die Ausfuhr noch andauerte, blieben sie hier. Auch Álaedis hatte den Weg zurück nach Pineforest Stable gefunden: ich hatte die Stute zurückgekauft, weil sie vernachlässigt worden war. Nun überlegte ich, ob ich sie vielleicht als zukünftige Zuchtstute behalten wollte, doch es hatten sich auch für sie schon wieder Interessenten gemeldet, also würde ich sie wohl weiterziehen lassen. Der letzte Neuling, der heute ankommen sollte, war ein prächtiger Andalusierhengst, den ich im Frühsommer zusammen mit den meisten Fohlen dieses Jahrgangs versteigern wollte. Ich hatte ihn ebenfalls von einem Schutzhof freigekauft und wollte ihn nun aufpäppeln. Er war laut den Tierschützern in Spanien bereits Gekört worden und hörte auf den Namen Negresco. Seine Ankunft war für fünf Uhr geplant, also hatte ich noch etwas Zeit, mich um die Minis zu kümmern.
      Es war drei Uhr, die Sonne schien und die Vögel wollten gar nicht mehr ihren Schnabel halten. Ich schlenderte Barfuss und mit hochgekrempelten Hosen durch das saftige Gras am Wegrand zu den Weiden. Nur im Schatten der Tannen war es noch etwas zu kalt, sodass ich leichte Gänsehaut bekam. Ich hüpfte über den Schotterweg zum Weidetor und betrat das Reich der Stuten. Meine Hornhaut ist auch nicht mehr das, was sie mal war, stellte ich angesichts meiner nun etwas schmerzenden Füsse fest. Aber das wird sich bald wieder ändern. Chip, Daki und Allegra kamen angetrabt, die restlichen glotzten mich nur von weitem an, weil sie genau wussten, dass es nicht Futterzeit war. Ich wich Dakis Hufen geschickt aus, als sie mir fast auf die Füsse trampelte, mit dem Resultat, dass ich fast über Allegra stolperte. Der winzige Fellball versteckte sich erschrocken hinter ihrer Mutter, nachdem sie mir einen warnenden Tritt verpasst hatte. Na zum Glück ist sie noch so klein und schwächlich, dachte ich augenrollend, und rieb mir die Wade wo sie mich getroffen hatte. Ich konnte ihr aber nicht wirklich böse sein, weil es ja meine Schuld gewesen war. „Stupid humans shouldn’t come here barefoot, right?“, rief ich lachend. „That’s probably right“, rief eine Stimme hinter mir zurück. Lewis stand mit der Mistgabel beim Offenstall; ich hatte ihn zuvor gar nicht bemerkt. Er grinste und machte sich wieder an die Arbeit. Ich lief zu den restlichen Stuten, die in der Nähe der Bäume grasten. Alu und ihr kleines Anhängsel wurden von Papillon beschützt, die sehr Herdenorientiert war und sich anscheinend dazu verpflichtet fühlte. Ich machte mir aber ein wenig Sorgen, dass Papillon das Kleine vielleicht stehlen könnte. Daher bat ich Lewis später ‚to keep a close eye‘ was die beiden anging. Bei den Minis musste nur noch Rapunzel abfohlen. Sie war ein richtiges Fass auf zwei Beinen und ich fragte mich, wie lange sie noch brauchen würde. Eigentlich war der errechnete Termin schon vor über einer Woche gewesen. Andererseits hatte die Stute bei ihrem letzten Fohlen auch etwas länger gebraucht, und am Ende war trotzdem alles gut gegangen. Wo wir schon vom Teufelchen sprachen - Kicks-a-Lot und Tigrotto lieferten sich gerade dem Zaun entlang ein Wettrennen, mit anschliessendem Gerangel. Tic-Tac sah ihnen bloss verschlafen zu, denn sie lag zusammen mit Lady und Rose im Schatten. Ein wenig Training würde ihnen wiedermal guttun, beschloss ich bei Kiwis pummeligem Anblick. Ich hatte in letzter Zeit mehr mit den ausgewachsenen Minis trainiert und die Halbstarken etwas vernachlässigt. Dafür war Lady Diva was das Country Pleasure Fahren betraf nun in die höchste Turnierklasse aufgestiegen.
      Bevor ich wieder zum Nebenstall schlenderte, sah ich kurz bei den Hengstchen rein. Die Langweiler dösten alle im Offenstall, anstatt das tolle Wetter draussen zu geniessen. Ich ging nicht näher heran, um Arco, Caress und Caillean nicht zu stören. In einer Ecke des Stalls lag Becks, den ich vor ein paar Tagen gekauft hatte. Er brachte frisches Blut in meine Zucht und war bereits ein erfahrenes Showpferd. Rapunzel hatte sogar schon einmal Bekanntschaft mit ihm gemacht – das Fohlen von den beiden war damals aber an einer Krankheit gestorben. Immer noch barfuss begab ich mich zu Dreams Box, weil ich Lily suchte. Doch sie war ausnahmsweise nicht hier. Erstaunt sah ich mich um und rief nach den Hunden, die jeweils auch ein gutes Indiz für den Aufenthaltsort meiner Nichte waren. Sheela und Zira kamen hinter der Halle hervorgeschossen, Jacky folgte ihnen humpelnd. Sie war letztens ziemlich übel gestolpert und hatte sich die Pfote dabei verstaucht; nichts Ernstes, aber es würde noch ein/zwei Wochen dauern, bis sie wieder ganz normal lief. Ich lobte die drei für ihr rasches Auftauchen und lief dann, von ihnen verfolgt, auf dem Schotterweg zur Ovalbahn. In der Ferne sah ich Ajith und Quinn beim Osteingang zum Hof stehen. „What’s going on?“, fragte ich, sobald ich bei ihnen war. „Muskat broke free from Charly, when he was trying to get him and Cantastor back to the barn. At first he was able to hold back Canto, but then he fell and Canto got away too. They both ran in this direction; Lily and Charly are following them. We’re standing here in case they manage to chase them back.” Ich entgegnete wütend: “What was he thinking by taking them both at once? He must have known It’s springtime and the horses are all very jumpy!” Ajith zuckte mit den Schultern und Quinn schüttelte den Kopf. Ich nahm Quinn mit zum Nordstall, wo wir Calico und Dod sattelten, um die Ausbrecher einfangen zu gehen. Ich konnte nicht gut mit einem Lasso umgehen, weshalb ich darauf hoffte, nahe genug an die beiden heranzukommen, um die Führstricke zu fassen, die noch immer an den Halftern hängen mussten. Quinn und ich ritten an Ajith vorbei raus und trabten schon nach einer kurzen Einwärmzeit an, um die Verfolgung aufzunehmen. Zunächst mussten wir Charly und Lily finden. Nach langem Rufen begegneten wir ihnen weiter oben am Flussufer. „Where are they?“, fragte ich hoffnungsvoll. „We last saw them somewhere over there, but they’re hidden behind the bushes now.“ Charly deutete zu den Büschen weiter oben. Wir teilten uns auf und ritten, beziehungsweise liefen um das Gebiet herum, sodass wir die Pferde von Norden her einfangen konnten. Mit dieser Strategie wollte ich verhindern, dass sie noch weiter weg liefen. Vorsichtig streiften wir an den Büschen vorbei, bis ich Cantastor entdeckte. Der Dunkelbraune sah mich und Dod mit gespitzten Ohren an. Er blieb zum Glück ruhig stehen, sodass ich mich nähern konnte und sein Seil zu fassen bekam. Ich lobte ihn erleichtert und band sein Seil am Sattelhorn fest. Dann trabte ich weiter auf der Suche nach Muskat. Die anderen hatten ihn inzwischen aufgespürt und umkreisten ihn, doch er suchte bereits nach einer Lücke zum entwischen. Als Quinn auf ihn zuritt, drehte er ab und bretterte mit Fahnenschweif in Richtung Pineforest Stable zurück. Canto tänzelte etwas und rief seinem Kumpel lautstark, versuchte aber nicht, sich wieder loszureissen. Ich befahl Charly, sich auf Cantos Rücken zu schwingen und an der Mähne zu halten, während die kleine Lily bei Quinn vorne mit aufstieg. Wir trieben Muskat in die Richtige Richtung, sodass Ajith einen entscheidenden Versuch hatte, ihn zu fassen zu bekommen. Der dunkelhäutige Pfleger warf die Arme hoch und liess Muskat abbremsen, dann schnappte er sich zielsicher den Strick des Hengstes. Wir jubelten ihm zu brachten dann die beiden Vollblüter gemeinsam zurück zum Hauptstall. Quinn meinte lachend zu Ajith: „That was not bad, he had no chance!“ Er winkte ab, grinste aber übers ganze Gesicht. Charly hatte seine Lektion gelernt und versprach, in Zukunft zumindest die Hengste einzeln zu führen. Kurz darauf kam Negresco an und wurde von Jonas in seine vorläufige Box im Nordstall gebracht. Der Braune hatte einen wunderschönen Kopf und ich konnte mich nur schwer davon abhalten, mit dem Gedanken zu spielen, ihn hier zu behalten.
      Am Abend sassen wir alle auf Gartenstühlen und Bänken unter den drei Bäumen zwischen dem Pflegerheim und dem Haupthaus. Nur Elliot, Lisa und Oliver waren noch unterwegs, um ausserhalb von Pineforest Stable Reitstunden zu geben. Es gab Tee und Kekse, was nach dem langen Arbeitstag eine verdiente Wohltat war. Wir überlegten uns Namen für die Fohlen, war gar nicht so leicht war. Sie mussten nicht nur gut klingen, sondern auch zu den Namen der Eltern passen und später von den Sprechern bei Rennen oder Turnieren gut genannt werden können. Für Pointless‘ Fohlen setzte sich ‚A Winter’s Tale‘ durch, denn uns fiel ausser ‚Surely no Spots‘ und ‚Snowbutt‘ nichts mehr ein (Lewis machte einen Schmollmund, als ‚Snowbutt‘ einstimmig abgelehnt wurde). Blütes Fohlen wurde dank Rosie vorläufig ‚Savory Blossom‘ genannt. ‚Gamble Away‘ wurde es für Mikkes Fohlen. Das kleine Welsh-Tier nannte ich ‚Daydream of Money‘, als Anspielung auf Noir’s französischen Namen. Ginis Fohlen hiess fortan ‚Dreams of Revenge‘ und das Mini-Fohlen von Alu ‚Arctic Alinghi‘. Bei der anschliessenden Stallkontrolle entdeckten wir ausserdem, dass bei Indiana die Wehen eingesetzt hatten. Die Geburt verlief Problemlos und ohne unser Eingreifen. So stand eine Stunde später auch Spots zweites Fohlen, ‚Stop Making Sense‘, zum ersten Mal auf wackeligen Beinen. Ich mochte dieses Kerlchen schon jetzt ganz besonders, weil es fast dieselben wilden Sprenkel wie sein Vater trug. Ausserdem hatte es einen Bildschönen Kopf.
    • Occulta
      Weird Dreams

      Etwas kitzelte mein Gesicht. Im nächsten Moment öffnete ich die Augen und erblickte direkt vor meiner Nase Kafkas gesprenkelten Pelz. „Was hat das Mistvieh hier drin zu suchen?!“, ärgerte ich mich lautstark, und scheuchte den Kater von meinem Bett. Ich stand auf, zog mich an, klemmte Kafka unter meinen Arm und schmiss ihn aus dem sperrangelweit offenen Küchenfenster. „Lily? LILY warum ist das verdammte Fenster offen?!“, rief ich die Treppe hoch. Es kam keine Antwort. „Lily?!“, rief ich abermals, und stampfte die Treppe hoch. Es fiel mir schwer, oben anzukommen, denn ich war schon nach der Hälfte völlig ausser Puste. Meine Beine fühlten sich schwer an. Ich muss unbedingt wieder trainieren gehen, beschloss ich keuchend. Endlich stolperte ich durch Lilys Zimmertür. Es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, doch sie sass unschuldig auf dem Bett, mit dem Rücken gegen mich gewandt. „Hey, warum war das Fenster offen? Und warum gleicht dein Zimmer einem Schweinestall?!“, schimpfte ich. Sie zuckte mit den Schultern. „Hey, sieh mich gefälligst an! Was machst du da überhaupt?“ Sie drehte sich um und sagte grinsend: „Ich sortiere meine toten Eichhörnchen nach Farbe!“, ein steifes Eichhörnchen am Schwanz hochhaltend. Erschrocken stolperte ich rückwärts und fiel über Kafka, der irgendwie schon wieder im Haus war. Bevor ich jedoch den Boden berührte, schlug ich die Augen auf und starrte die Zimmerdecke an. Nur ein Traum, dachte ich erleichtert und richtete mich auf, wobei ein schwarz-rotes Fellknäuel vom Bett sprang. „KAFKA!“ Ich traute meinen Augen nicht, als der Kater flink durch den Türspalt flitzte. Ich kniff mich in den Arm, „jetzt reicht es aber“ murmelnd. Doch diesmal schien ich tatsächlich wach zu sein, denn ein paar Herzschläge später schepperte der Wecker los. „Arrrgh“, murrte ich und schaltete ihn grob aus. Dann liess ich mich seufzend zurückfallen und starrte abermals nach oben. Was gibt es heute zu tun? Das Mistvieh von Katze rauswerfen – klar. Und dann über den Morgen hinweg Kaythara, Muskat, Vychahr und Ljóski bewegen. Ich streckte meine restliche Müdigkeit weg und zog mich an. Das Küchenfenster war zu, als ich nach unten kam – immerhin. Kafka stand auf der Anrichte und schnupperte am Früchtekorb. Ich packte ihn und setzte ihn vor die Haustüre. Dann suchte ich nach dem Schlupfloch, durch das er sich Eintritt verschafft hatte. Im Badezimmer wurde ich fündig, denn ich hatte wohl am Vorabend nach dem Duschen vergessen, das Badezimmerfenster zu schliessen. Seufzend schloss ich es und schlurfte zurück in die Küche, um mir Frühstück zu machen. Lily musste erst um acht Uhr zur Schule und konnte sich sehr gut selber ein Brot schnappen. Mit einem Erdbeer-Marmelade-Brot zwischen den Zähnen fixiert, zog ich mir die Schuhe an und lief zum Hauptstall. Es dämmerte nun jeweils schon um halb sechs Uhr, wenn ich das Haus verliess. Das war deutlich angenehmer als im Winter, wenn es noch stundenlang ‚pitch black‘ war. Im Hauptstall waren die ersten Pfleger schon am Füttern. Ich half bei der Morgenroutine mit, danach holte ich Kaythara raus und putzte sie, ebenso wurden die anderen Vollblüter für die erste Morgengruppe fertig gemacht. Es musste wie immer zackig gehen, aber dennoch bestand ich darauf, dass alle Pferde blitzblank geputzt waren. Quinn fragte mich, ob sie Caligari bandagieren, oder ihr die Gamaschen anziehen sollte; ich antwortete Ersteres. Auch Kaythara bandagierte ich zum Schutz der Sehnen ein. Dann holte ich den leichten Rennsattel und das Zaumzeug. Cool Cat, der seit kurzem auch Lammfell an seinem Nasenband hatte, scharrte ungeduldig. Wir hatten das Lammfell montiert, weil er am Nasenrücken recht empfindlich war. Er lief damit etwas entspannter, wie Caspian. Der wurde übrigens im Moment auf sein nächstes grosses Qualifikationsrennen vorbereitet und entsprechend hart rangenommen, trainierte aber heute einzeln mit April. Endlich waren alle bereit und wir konnten aufsitzen. Gemeinsam ritten wir zur Galoppbahn und wärmten uns dort erstmal im Trab auf, bevor wir schliesslich auf die Grasrennbahn wechselten. Es war mittlerweile Hell und ein paar Amseln auf den Tannen zwitscherten fröhlich. Ich hatte meine Schlechte Laune von vorhin überwunden und genoss nun den Geruch nach taufeuchtem Gras und Tannenharz. Sumerian an vorderster Stelle ging frisch voran. Sie war top fit und bereit, wie fast immer im Training den Takt anzugeben. Dublin, die mit Henry direkt vor mir und Kaythara lief, wackelte mit ihrem kräftigen Po taktvoll auf und ab. Auch sie hatte unglaublich schnell Fortschritte gemacht. Sie hatte das gewisse Talent und die Leichtigkeit, die man sich bei einem Galopper wünschte. Doch bei ihrer Abstammung, hatte ich auch kaum etwas anderes erwartet. Schon jetzt war sie kaum geschlagen worden und wurde häufig als Favorit beim Wetten gehandelt. Es war sogar schon einmal eine Zeitungsreporterin auf dem Hof gewesen, um einen Artikel für eine Renn-Zeitschrift zu verfassen. Was die Stute beim Publikum so beliebt machte, war vermutlich ihre auffällige Fellzeichnung, kombiniert mit ihrem Erfolg. Es war ähnlich wie mit A Winter’s Day und Painting Shadows, dank denen Pienforest Stable immer mal wieder in den News vorkam. Doch am meisten zu sprechen gab sicher Campina, die einen Sieg nach dem anderen holte. Sie war mittlerweile fast schon berüchtigt für ihre Schlusssprints, mit denen sie spielerisch an den anderen vorbeizog. Auch sie entstammte einer herausragenden Blutline, die zudem recht selten geworden war. Ich lachte immer wieder über die Tatsache, dass sie als Fohlen und Jährling an mehreren Bewertungsshows als ‚durchschnittlich‘ eingestuft worden war. Ich hatte insgeheim immer gewusst, dass sie einmal grosses leisten würde. Sie hatte ihr Potential im Training schon von Anfang an unter Beweis gestellt. Und dann war da schliesslich noch Kaythara, die unter mir stetig voranmarschierte. Sie war noch ganz am Anfang ihrer Karriere und hatte auch noch nicht genug Muskeln, um mit den anderen mitzuhalten. Aber ich hatte grosse Hoffnungen in die hübsche Stute, denn ihre Mutter, Rennlegende Kiara El Assuad, war international bekannt. Wie auch immer, sie schien sich keine Gedanken um das Rennen zu machen, denn sie war viel zu beschäftigt damit, Cool Cat anzugiften.

      Wir liefen 1500 Meter in durchschnittlichem Tempo und die letzten 200 Meter davon in 15 Sekunden, wobei wir immer versuchten, möglichst nahe beieinander zu bleiben. So konnten sich die Pferde gegenseitig anheizen und keiner musste zurückbleiben. Nach dem Schlusssprint schnauften Kaythara, Ciela und Caligari erschöpft. Doch wenigstens hatten sie deutlich weniger geschwitzt als noch die letzten Male. Wir führten die Pferde zum Abkühlen etwas herum, dann wuschen wir den Schweiss ab und brachten sie zum Trocknen in die Führmaschine. Cielas rosa Haut schimmerte durch das nasse Fell, sodass April sie scherzend „Miss Piggy“ nannte. Kaythara konnte es nicht lassen, mich mit einem kräftigen Schnauben anzufeuchten, bevor ich sie in das Karussell entliess.

      Nun war ich bei Muskat. Der elegante Braune mit der hübschen Blesse wartete bereits ungeduldig, weil Fajir, der in der Nachbarbox wohnte, bereits draussen war. Muskat benahm sich wie ein nervöses Frettchen im Umgang; dauernd musste er irgendwas mit dem Mund oder den Hufen bearbeiten. Es schien, als würde er gleich platzen vor Energie und Tatendrang. Manchmal kam mir der zehnjährige Hengst wie ein frecher zweijähriger vor, der gerade seine und meine Grenzen austestete. Als er an meinem T-Shirt zupfte, während ich seinen Hals bürstete, packte ich ihn spielerisch am Ohr, umfasste seinen Kopf und knuddelte ihn liebevoll. Dann fuhr ich fort und bearbeitete seinen von der Weide staubigen Schweif mit ein wenig Glanzspray. Als ich die Mähne kämmte, kürzte ich gleich noch den bridle path hinter den Ohren mit der Schere nach. Er mochte das knirschende Geräusch nicht und schüttelte ein paarmal den Kopf. Ich schaffte es trotzdem, die Lücke wieder anständig hinzubekommen. Als nächstes suchte ich einen passenden Dressursattel und das mexikanisches Zaumzeug, das ich bei ihm oft einsetzte. Ich zog ihm das Halfter aus, wobei er die Gelegenheit nutzte, um seinen Kopf unsanft an meiner Schulter zu kratzen. Ich schob ihn wieder in eine gerade Position, damit ich mit dem Zäumen fortfahren konnte. Als es geschafft war, liefen wir zum Dressurplatz, wo ich zuerst aufwärmte, was wie immer recht anstrengend war, und dann ein paar Seitwärtsbewegungen üben wollte. Ich musste dabei aufpassen, dass er sich nicht einfach entzog, indem er immer schneller wurde. Ich war mir nichtmal sicher, ob er aus Protest schneller wurde, oder einfach um dem Druck zu entkommen, den ich durch die Lektionen aufbaute. Ich entschleunigte ihn mit ein paar kleinen Volten und aktivierte gleichzeitig mit meinen Schenkelhilfen seine Hinterhand. Durch die Gewichtsverlagerung wurde er automatisch langsamer und konzentrierte sich wieder mehr. Langsam nahm er das Gebiss an und kaute darauf herum, während sein Hals immer runder wurde. Er löste sich zwar am Anfang noch ab und zu aus der Anlehnung, aber nach gut 20 Minuten war er endlich vollkommen gelöst und lief am Zügel. Nun konnte ich mit dem Schenkelweichen beginnen. Ich lobte ihn immer wieder nach erfolgreichem Beinkreuzen mit einem raschen Halskraulen. Er schaffte es bei weitem nicht perfekt, aber für ihn reichte das erstmal vollkommen. Ich gestaltete die Lektionen abwechslungsreich, damit seine Konzentration nicht wieder abschweifte. Am Ende liess ich ihn am langen Zügel austraben und ritt schliesslich noch eine Runde im Schritt um die Galoppbahn.

      Wieder in der Stallgasse, machte mir mein Körper durch ausgiebiges Gähnen wieder bewusst, dass es erst acht Uhr war. „Coffee brake?“, fragte Quinn grinsend, als ich zu ihr sah. Ich nickte und folgte ihr zur Halle, wo auch die Reiterstube mit der Kaffee Maschine war. Die meisten anderen Jockeys und Pfleger folgten ebenfalls, wie jeden Morgen. Wir sassen rund um den grossen Tisch und unterhielten uns über den Tagesablauf. Ich warf zwischenzeitlich einen Blick durch die Glasscheibe in die Halle und bat Lewis und Darren, die Hindernisse, die noch von gestern dastanden, für die auswertigen Reitschüler, die um zehn Uhr von Lisa unterrichtet werden würden, wegzuräumen.

      Um halb 9 ging’s weiter mit Ljóski. Ich entwirrte die wuschelige, dank einem enzymhaltigen Shampoo schneeweisse Mähne ganz vorsichtig, ohne Haare rauszurupfen. Loki zappelte die ganze Zeit vor und zurück. „Was ist heute nur los mit euch Vierbeinern? Ist Vollmond oder was?“, fragte ich ihn, ohne eine Antwort zu erwarten. „Vollmond ist erst in ein paar Tagen wieder“, kam die Antwort, aber selbstverständlich nicht aus Lokis Mund, sondern von Jonas. Ich entdeckte ihn in Calicos Box, als er den Kopf über hob. „Warum sind dann alle so zappelig?“ „Vielleicht bist du selbst zappelig und überträgst es auf die Pferde“, meinte er achselzuckend. Mir fiel mal wieder kein Konter ein, und ich musste mir selbst eingestehen, dass ich angesichts meiner bisherigen Erlebnisse schon ziemlich zerstreut sein musste. „Wenn ich Calicos Box fertig gemistet habe, soll ich dann zuerst auch noch die anderen fertig machen, oder die Stuten von der Weide holen?“, fragte Jonas nun. „Lass die Stuten noch draussen bis 9 Uhr, dann hatten sie mit drei Stunden für heute genug. Das Gras ist noch zu frisch um sie länger draussen zu lassen. Ach und pass auf, dass es nicht wieder so ein Durcheinander mit den Fohlen gibt.“ Wenig später war ich mit Loki auf der Ovalbahn und übte den Rennpass. Der junge Hengst war so fortgeschritten in seiner Ausbildung, dass ich als nicht-Gangreit-Experte regelmässig an meine Grenzen stiess, was die Exaktheit und auch die Kreativität der Übungen anging. Wenigstens konnte ich am Rennpass noch arbeiten, weil er dabei noch merklich Mühe hatte. Danach wollte ich anfangen, ihn dressurmässig weiter zu fördern. Am Ende des heutigen Trainings waren wir beide etwas ausser Puste, besonders ich. Ich ritt im Schritt auf dem Schotterweg zurück zum Nordstall. Die ersten Reitschüler streunerten bereits auf dem Hof herum und kamen neugierig auf Loki zu. Es gab lauter „Awwww“ und „So fluffy!“ Rufe und alle wollten den Hengst streicheln. Loki blieb cool und genoss die Aufmerksamkeit. So ein Charmeur, dachte ich verschmitzt und klopfte ihm stolz auf den Hals.

      Es war nun viertel nach 10. Loki war gut versorgt und ich konnte mich ein wenig der Buchhaltung widmen. Ich setzte mich an mein Pult und vertiefte mich in offene Rechnungen, Steuern, Turniernennungen und vieles mehr. Pineforest Stable war als vielseitiges Gestüt ein rentabler Betrieb. Unsere Einnahmequellen umfassten in erster Linie Gewinnsummen, Reitschüler, Pferdeverkäufe, Deckeinsätze und Veranstaltungen, die auf unserem Gelände stattfanden. Dazu kam bald noch der Online-Zubehörshop, der sich im Aufbau befand. Alles in allem schrieben wir schwarze Zahlen und hatten immer noch ein ordentliches Sümmchen vom Vermögen meiner Grosstante auf der Seite. Dass wir das meiste Heu selbst herstellten und Stroh relativ billig von benachbarten Bauernhöfen beziehen konnten, erleichterte die finanzielle Lage ebenfalls. Ich führte trotz allem streng Buch über alle Einnahmen und Ausgaben, um wo immer möglich weiter zu optimieren. Ich checkte noch meine Mails, wobei auch eines von Eddi dabei war. Neugierig las ich, was sie geschrieben hatte und war freudig überrascht über den Inhalt. Sie bot mir an, mir eine ihrer Paint Stuten zu schenken. Ich hatte vor kurzem Interesse an der hübschen Ice Coffee gezeigt, ohne mich am Ende für den Kauf zu entscheiden. Da Eddi aber überzeugt war, dass es Coffee auf Pineforest Stable gefallen würde, wollte sie sie mir nun kurzerhand überlassen. Sie selbst wollte ihren Bestand etwas reduzieren, wie sie mir als Begründung mitteilte. Ich schrieb ihr zurück, dass ich Coffee liebend gerne übernehmen wollte und den Transport selbst organisieren würde. Somit schaltete ich den PC zufrieden aus und kochte Lily und mir Mittagessen.
    • Cooper
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      Fajir El Assuad| Prävention B
      "Es geht zu Occulta nach Pineforest Stables!" schrie ich den Gang hinunter. "Und wieso sagst du mir das nicht einfach leise?" rief Simon von unserem Schlafzimmer in den Gang zurück, den ich schon längst hinunter gerannt war. "Weil ich mich freue" atmete aus und lächelte ihn mit einem breiten Grinsen an. "Ich bin einfach froh das es wieder Berg auf geht. Sekuoia hat die Körung geschafft, Lamperd hat CHH einen Namen verschafft und obendrein haben drei von unseren Pferden diese Woche Tuniere gewonnen". Er lächelte und packte mit mir einige Sachen für die Reise ein.

      Den Flug hatten wir schon hinter uns, und die Fahrt dauerte ewig. Als Simon und ich bei Occulta ankamen wurden wir erstmal herzlich Begrüßt und Sie freute sich das wir kommen konnten. Wir blieben insgesamt einen Tag und bezogen ein Gästezimmer. Nachdem das erledigt war ruhten wir uns erstmal aus und hatten danach ein gemütliches Zusammenkommen, bei dem ich mit Occulta ein nettes Gespräch führen konnte.
      Der nächste Morgen kam schnell und wir standen früh auf, denn am frühen Abend war der Rückflug nach Kanada. Wir Frühstückten zusammen und Occulta führte mich direkt im Anschluss zu dem schönen Vollblut Hengst. Ich hatte schon einmal von Ihm gehört und sah Ihn auf einigen Wettbewerben und Tunieren. "So hier ist der gute" sie zeigte auf einen perlinofarbigen Hengst der in der Stallgasse, neugierig, herumstand und übergab mir den Impfpass. "Da passt alles, geimpft werden muss er nicht" sagte ich und hielt dem blauäugigen die Hand hin. Vorsichtig erschnupperte er mich und freute sich über die Begrüßungsbanane. Als der Hengst mit dem kauen zu Ende war, kontrollierte ich seine Vitalzeichen. Diese waren alle im grünen Bereich. Als nächstes untersuchte ich seinen Kopf, inklusive: Maul, Zähne, Nüstern, Ohren und Augen, sowie auch die Reflexe der Pupillen. Da das ganze rumgezupfe und angetatsche nachvollziehbar unangenehm ist, hob er oft seinen Kopf oder schwenkte ihn mit aller Kraft hin und her. Da machte Fajir uns die Sache nicht grade leicht, aber auch nicht unmöglich. Die Proben gab ich Simon und er machte sich auf den Weg um sie aus zu Werten. In der zwischen Zeit untersuchte ich den Körper des Hengstes, der gut in Form und keine Verletzungen hatte. Auch auf die Hufen warf ich einen Blick, der genügte um zu sehen, dass er für ein Vollblüter recht kräftige und gesunde Hufe hatte. "Ihr habt eine gute Pflegeroutine und auch die Fütterung läuft bei euch anscheinend super. Das macht nich jeder!" sagte ich und Occluta lächelte stolz. Es fehlte nur noch die Blutprobe, die wir auch schnell bekommen hatten, auch wenn Fajir sich noch so sehr gegen sträubte. Die Blutprobe und die anderen Proben konnte ich mit meinem eigenen Equipment sofort auswerten und die Ergebnisse nach einer kurzen Wartezeit, Occulta überbringen. "So wie es aussieht passt alles. Ist sehr gut ausgefallen" sagte ich und schrieb meinen Bericht zu Ende. Simon schrieb ein medizinisches Gutachten für die Körung an dem der Hengst bald Teilnehmen würde und gab dies Occulta. "So, wir müssen langsam los" sagte Simon und verschwand schon mal um die Sachen zu packen. Occulta und ich tranken noch einen Kaffee zusammen und dann war es auch schon soweit. "Schade das ihr schon gehen müsst. Kommt gut Heim und meldet euch" sagte Occluta und verabschiedete uns.​
      Occulta gefällt das.
    • Occulta
      [​IMG] Military E-A

      Wie versprochen verluden wir am späten Vormittag Circus Dancer, Artemis, Flintstone, Satine, Fajir und Feline in den grossen Camion. Ich überprüfte zweimal, ob wir alle Sättel und sonstigen Ausrüstungsteile dabei hatten, erst dann konnten wir abfahren. Für so ein Militarytraining sollte man schliesslich vorbereitet sein. Die Fahrt war nicht allzulang, bloss eine halbe Stunde, aber es lohnte sich definitiv: Die Strecke glich einem Golfplatz, mit wundervoll kurzem Rasen, sauber geputzten Tribünen und liebevoll dekorierten Hindernissen. Wir holten die Pferde aus dem Anhänger, sattelten sie und zogen allen die Geländegamaschen an. Es sah so aus, als hätten wir Glück: Es war ausnahmsweise niemand sonst auf der Strecke. "Perfect, is everyone ready?", fragte ich in die Runde. Jonas auf Artemis, Lisa auf Circus Dancer, Rosie auf Flintstone, Darren auf Feline und David auf Fajir nickten entschlossen, also ritten wir in einer geordneten Zweierreihe auf den Rasen. "Rosie, David and Jonas, you come with me, as we are kind of riding the beginner's club. Lisa and Darren go practice individually. I won't tell you what to do, that you can decide for yourself, regarding your and your horse's condition. I hope you enjoy this training - all of you." "'kay boss", antwortete Lisa, und trabte entschlossen davon. "Don't forget the warm up!", rief ich ihr noch hinterher, aber ich wusste, dass das unnötig war. Sie drehte bereits auf einer grosszügigen Volte ein paar Runden um die Hindernisse. Wir anderen schlossen uns an und wärmten die Pferde gründlich auf, indem wir Schlangenlinien und Volten trabten, aber auch viele Übergänge machten. Als Satine unter mir langsam lockerer wurde und kauend Anlehnung suchte, beschloss ich, das Training zu starten. Wir teilten uns in Zweiergruppen auf und achteten darauf, einander nicht in die Quere zu kommen. Ich war mit Rosie im Team. Den Anfang machte ich, indem ich mit Satine voraus über einen einfachen Zaun sprang. Wir wollten nicht zu heftig starten. Die Pferde waren alle bis auf Artemis und Flint mindestens auf dem L-Niveau im Springen, also kannten sie die Grundlagen. Flint war hier der grösste Anfänger, denn er hatte als Westernpferd bisher höchstens ein paar Cavaletti überwunden. Dementsprechend schwierig war es für ihn, die richtigen Absprungpunkte zu finden. Angst hatte der erfahrene Sechsjährige keine, denn er vertraute Rosie, die er bei seiner Rückkehr nach Pineforest sofort wiedererkannt hatte. Rosie sprang mit ihm nur über die tiefsten Hindernisse, denn sie wollte nicht seine Sprungkraft testen, sondern ihm bloss eine Abwechslung bieten. Mit Satine war die Höhe hingegen kein Problem. Die Stute war längst nicht mehr das magere, verwahrloste Zirkuspferd von damals. Sie war aufgeblüht zu einem kräftigen Springpferd, das in der S-Klasse startete. Trotzdem kratzten wir hier erst die Anfänge des Geländereitens an. Sie war insgesamt ziemlich sportlich gebaut und schwerfuttrig; hatte kein Gramm zu viel auf den Rippen, egal wie viel Zusatzfutter sie bekam. Aber ihre Hüftknochen waren mit Muskeln gepolstert und standen nicht mehr vor, ebensowenig wie die Rippen. Ihre tiefrote Mähne fiel in Wellen über beide Seiten des nun kräftigeren Halses, wie bei einem Wildpferdchen. Die eisblauen Augen drehten sich hin und wieder in der Kurve abcheckend zu mir nach hinten, ebenso wie die hübsch gebogenen Ohren. Ich fuhr jeweils kurz mit der Hand über den Mähnenkamm und zeigte der erst fünfjährigen Stute so, dass alles in Ordnung war. Wir übersprangen eine Hecke, dann einen Sprung der aussah wie ein langes Wohnhaus und schliesslich einen Baumstamm, der vor einem Wassergraben aufgebaut war. Satine bemerkte das Wasser hinter dem Sprung wohl zu spät, sodass sie überrascht mit der Hinterhand abdrückte, als es um sie herum aufspritzte. Ich klammerte mich an den Hals und hielt so die Balance. "Very elegant Occu!", jubelte Rosie mir scherzend zu. Ich sah sie gespielt böse an und bedeutete ihr mit einer Handgeste, es besser zu machen. Flint hüpfte zwar etwas unbeholfen über den Baumstamm, erschreckte sich dann aber nicht vor dem kühlen Nass, weshalb Rosie einen triumphierenden Blick aufsetzte. Ich streckte ihr die Zunge raus und galoppierte davon, einen künstlich angelegten Hügel hinauf. Am anderen Ende gings mit einem Abwärtssprung über eine Stufe runter, bei dem sogar mir etwas mulmig wurde. Ich mochte diese Art von Sprüngen nicht sonderlich gerne, da ziemlich viel Kraft auf die vorderen Fesselgelenke wirkte. Aber Satine machte ihre Sache gut und landete leichtfüssig auf dem Rasen. Flint musste dieses Hindernis nicht überwinden; er durfte seitlich den Hang hinunter rutschen. "That sure must be good training for his stopping abilities!", lachte ich beim Anblick von Flints Rutschtechnik.
      Wir hatten eine Menge Spass, doch nach einer Dreiviertelstunde brachen wir das Training den Pferden zuliebe ab. Alle waren erschöpft und verschwitzt, sowohl Pferd als auch Reiter. Darren berichtete während dem Trockenführen stolz, dass Feline den berüchtigten "Ring" geschafft hatte; ein Sprung, der aufgebaut war wie ein massiver Holzring mit imposanten Verzierungen, durch den man hindurchspringen musste. Ich lobte ihn und natürlich Feline, die mal wieder alles gegeben hatte. "How was Fajir?", fragte ich anschliessend den Zwillingsbruder David. "Ahh he was nice. We had an argument at the coffin, but thanks to Jonas I was able to get him across. By the way, Artemis was doing great, too." Ich nickte anerkennend und sah nun fragend zu Lisa. Sie grinste und meinte: "Was erwartest du? Natürlich hatte ich alles im Griff und Dancer ist über die Sprünge getanzt!" Ich lächelte schief und lobte Dancer, der eigentlich ein Dressurpferd war, aber trotzdem besser sprang als so mancher Möchtegern-Hunter. Wir verluden die Pferde und fuhren nach Hause, wo wir fast alle nochmal abduschten und dann zum Trocknen auf die Weide entliessen.
    • Occulta
      Hengstparade

      Heute war mal wieder viel los auf Pineforest Stable. Wir waren am Nachmittag zu einem Züchtertreffen in London eingeladen, bei dem wir auch ein paar unserer Hengste vorstellen durften. Dazu mussten die Jungs aber erstmal schick gemacht werden. Ich hatte vergangene Nacht erfolgreich gebetet, dass es keinen Regen geben würde, sodass wir die Gruppe am Morgen ohne Bedenken – und ohne Schlammmonster zu züchten - auf die Weide stellen konnten. Wir holten die ganze Bande also kurz vor Mittag wieder rein und begannen mit dem Putzen der ausgewählten Vertreter unseres Gestüts. Ich kümmerte mich darum, den Staub aus Donuts eigentlich schwarzem Fell zu bekommen. Jonas übernahm Baccardi und Skyrim wurde von Lisa umsorgt. Ausserdem waren Darren und David beauftragt Vychahr und Diarado herauszuputzen. Zu guter Letzt waren noch Sorrow und Dod, um die wir uns zuletzt alle gemeinsam kümmerten. Ich glaube Sorrow gefiel es, von so vielen Leuten umsorgt zu werden. Dod hingegen wirkte etwas ‚grumpy‘. Wir sprühten das Langhaar ein und kämmten alle Knoten vorsichtig raus, ohne die Haare auszuzupfen. Auch beim Fell wurde mit etwas Glanzspray und Lammfellhandschuhen nachgeholfen. Ich putzte Donuts Kopf besonders sorgfältig. Wir stutzten noch den Fesselbehang wo nötig und flochten bei Donut, Diarado und Vychahr die Mähnen. Dann zogen wir allen die frisch gefetteten Lederhalfter an und führten sie in Transportgamaschen zum Camion. Mittagessen gab es für die Pfleger und mich unterwegs; dazu stoppten wir kurz bei einem Asian-Take-Away. Ich mochte zwar Fastfood normalerweise nicht, aber die Gemüsenudeln die ich bekam waren gar nicht so schlecht wie erwartet. Die Pferde nibbelten unterdessen relaxt an ihren Heunetzen. In London angekommen, sahen wir uns zunächst etwas auf dem Veranstaltungsplatz um. Ich traf einige bekannte Züchter und plapperte ein wenig, war aber froh, als wir uns so langsam Richtung Camion zurückbegeben konnten, um die Pferde zu holen. Wie auch manch andere Züchter stellten wir unsere sieben Hengste kurz vor und zeigten sie im Freispringen und Vortraben dem Publikum. Alles in allem war der Nachmittag ein voller Erfolg und bescherte uns ein paar neue zukünftige Interessenten.

      Wieder zuhause ging dann alles seinen gewohnten Gang: Misten, füttern, Pferde bewegen. Ich verblieb gleich bei den Hengsten im Nordstall und kümmerte mich als nächstes um Circus Dancer. Mein eifriger Barockschüler zeigte nun Ansätze zu einer sehr korrekten Passage und lief unter dem Sattel im Allgemeinen wie ein Uhrwerk. Heute waren Galopppirouetten an der Reihe, die ich nun schon seit zwei Wochen immer wieder etwas einbaute. Ich schrubbte die Mistflecken so gut es ging aus dem weissen Fell und kämmte die lange, gewellte Mähne, bis sie wieder ordentlich auf einer Seite des Halses lag. Dann erlas ich den Schweif und kratzte die Hufe aus. Nun holte ich den Sattel und legte ihn vorne auf den Widerrist, um ihn anschliessend etwas nach hinten zu ziehen, damit das Fell unter der Schabracke schön glatt war. Ich zog den Gurt an, wobei Bubi etwas mit dem Vorderbein scharrte („Ist schon gut Bubi, ich zieh noch nicht fest an.“) und zäumte das Pippi-Langstrumpf-Pferd, dem die Punkte fehlten. Jonas huschte unter der Anbindekette durch zurück zu Calico. „Viereck?“, rief ich ihm zu. „Jap, Trail.“ Ich überlegte, dass ich Bubi eigentlich auch eine kleine Abwechslung bieten könnte, wo Jonas doch bestimmt schon einen spannenden Stangenparcours vorbereitet hatte. Ich teilte dem Pfleger meinen Gedankengang mit und er grinste, als hätte er es bereits im Voraus geahnt. Just in diesem Moment klingelte mein Handy. Ich nahm ab und erkannte erstaunt Verena O’Connors Stimme. Sie erklärte, dass sie bald umziehen werde und daher eine Vielzahl ihrer Pferde loswerden müsse, da das ganze sonst zu einem finanziell unmöglichen Unterfangen ausarten würde. Mein Herz machte bereits einen Hüpfer und ich fiel ihr ins Wort. „Du möchtest Lovely Summertime verkaufen?“ Am anderen Ende der Leitung wurde es kurz still, dann kam ein trauriges „Ja“. Es war witzig, da ich gerade am Vortag noch an die Stute gedacht hatte, weil ja Flint vor einer Weile ebenfalls nach Pineforest zurückgekehrt war. Somit würde mein ursprüngliches Westerntrio tatsächlich wieder komplett werden. Wir verhandelten kurz über den Preis, wobei ich feststellen musste, dass Summer durch das viele Training ganz schön an Wert zugelegt hatte. Sogar gekrönt war mittlerweile! Umso mehr freute ich mich darauf, die fein ausgebildete Stute zu reiten. Jonas hörte die ganze Zeit über still mit und meinte, sobald ich aufgelegt hatte: „Ich hab mich schon gefragt, wann du Summer auch zurückholst. Echt toll, dass die drei wieder zusammenkommen!“ „Ich hatte gar nie damit gerechnet, dass sie nochmal hierher zurückkehren werden – aber offenbar soll es einfach so sein“, antwortete ich glücklich.

      Nach dieser guten Nachricht wärmten wir motiviert Calico und Bubi auf. Anschliessend ritten wir durch den Stangenparcours, wobei es zum Teil rückwärts durch enge Labyrinthe und seitwärts den Stangen entlang ging – beides hervorragende Übungen für ein Dressurpferd wie Bubi. Das gerade Rückwärtsrichten und die Seitwärtsgänge waren bisher nicht gerade seine Stärken gewesen. Calico hatte noch deutlich mehr Mühe mit den Aufgaben, obwohl er das eigentliche Westernpferd auf Platz war. Aber mit seinen zarten vier Jahren war er auch noch nicht hundertprozentig ausbalanciert und konnte sich nicht allzu lange konzentrieren. Wir beendeten das Training daher gemeinsam nach einer intensiven halben Stunde; aufgrund der Nachmittagshitze wollte ich Bubi (und mir selbst) ebenfalls nicht mehr zumuten.

      Ljóski und Herkir hatten morgen beide ein wichtiges Turnier, wobei Loki in einer Fünfgangprüfung startete und Herkir in einem Passrennen. Wir hatten mit Herkir in letzter Zeit viel dafür trainiert, da ihm der Pass zunächst schwergefallen war. Aber seine grosse Liebe für die Geschwindigkeit hielt ihn motiviert, denn er entdeckte schnell, dass er in dieser Gangart „die Sau rauslassen“ durfte. Die beiden wurden wegen des anstehenden Turniers heute nur kurz auf der Ovalbahn vorbereitet, ohne sie grossartig zum Schwitzen zu bringen.

      Burggraf, Artemis, Numair und Anubis durften mit Jonas, Elliot, Jason und Anne ins Gelände auf ein paar ausgiebige Galopps. Ich wäre zu gerne mitgegangen, aber ich musste mit Empire heute mal wieder etwas Dressurarbeit machen. Ich konnte dem Ex-Rennpferd nicht dauernd freigeben und wie die letzten drei Tage ausreiten gehen; etwas Gymnastik musste doch noch sein. Immerhin war ich nicht alleine auf dem Platz: Alan longierte den Jungspund Caruso über ein paar Stangen und Linda ritt Cantastor. Caruso wollten wir jetzt schon ein wenig an die Ausrüstung gewöhnen und dann sobald er dreijährig war schonend einreiten. Er erinnerte mich daran, wie schnell die Zeit verging – es kam mir so vor, als wäre er erst letzte Woche ausgezogen, dabei waren schon zwei Jahre vergangen. Ich hatte ihn so früh von den anderen Jungpferden getrennt, weil er sich nicht mehr richtig in die Herde hatte einleben können. Ich wollte aber weiterhin versuchen, ihn bis dreijährig wieder mit den Fohlen auf die Weide zu bringen.

      Eigentlich wollte ich heute Fajirs Freispring-Künste testen, aber Quinn und Parker hatten ihn und Muskat auf einen langen Abendausritt entführt, und so musste ich meinen Plan vertagen. Selber schuld, wenn du verpennst deine Mitarbeiter zu informieren, stellte ich fest. Ich seufzte und machte einen raschen Stallrundgang, um zu sehen ob nach dem Misten noch alle Pferde genug Stroh in ihrer Box hatten. Die Pfleger hatten ihren Job gewissenhaft erledigt, denn ich fand keinen Makel. Zufrieden verzog och mich in mein Arbeitszimmer und erledigte etwas Papierkram: Nennungen für kommende Turniere und Rennen, Deckanfragen, Finanzielles und die Einfuhrbewilligung von Summertime. Ich musste ziemlich viel herumtelefonieren, bis der Transport geregelt war, aber das war ich mir mittlerweile gewohnt. Schliesslich zog die Stute aus dem sonnigen Kanada hierher, was nicht gerade ein Katzensprung war. Ich überprüfte, als ich mit dem Rest fertig war, gleich noch die Eintragungen über die Turniersiege meiner Pferde. Ein Lächeln huschte über mein Gesicht, als ich nochmal Parányis bisher kurze, aber deftige Erfolgsliste sah. Zweimal hatten wir an einem Springturnier teilgenommen, und beide Male hatte die Jungstute gewonnen! Klar, es war noch nicht allzu hoch gewesen, bloss bis 80 Zentimeter, aber ihre gute Abstammung kam ganz klar zum Vorschein. Auch Calico hatte letztens einen Durchbruch geschafft: der Vierjährige war bisher, egal in welchem Turnier er gestartet war, immer höchstens auf dem dritten Platz gelandet. Aber dieses Wochenende hatte er sich zum ersten Mal auf den zweiten Platz kämpfen können, und das in einem komplizierten Trail Parcours. Er nimmt’s eben gemütlich mit den Erfolgen, dachte ich schmunzelnd. Zum Schmunzeln brachte mich diese Tage auch Adrenaline. Die Stute wurde nicht nur immer hübscher, seit sie wieder anständige Muskeln und genug Futter hatte, sondern auch immer besser. Angefangen mit einem dritten Platz im Synchronspringen hatte sie es in kürzester Zeit noch in einem Amateur-Distanzturnier und erneut im Springen aufs Treppchen geschafft, und als Tüpfelchen auf dem i auch noch ein Barrel-Race gewonnen. Die letzten paar Erfolge hatte sie unter der hervorragenden Betreuung von Petyr Holmqvist geholt, der sie im Moment immer wieder etwas betreute, wenn er gerade in England war. Ebenfalls erwähnenswert war Satine, die kurz nach unserem intensiven Militarytraining in einer Distanzprüfung knapp den Sieg verpasst hatte. Das Turnier war ähnlich aufgebaut wie eine Jagd gewesen, und der Stute hatte es grossen Spass bereitet – jedenfalls ihrem Tempo nach zu urteilen.

      Ich streckte mich und stand auf, um wieder zu den Pferden zu gehen. Es war noch lange nicht neun Uhr und es gab noch einiges zu tun, wie immer auf solch einem grossen Gestüt wie Pineforest es war.
    • Occulta
      Heisse Gemüter

      Es waren zwei Wochen vergangen, seit Rosie die ‚Wilkinson Ranch‘, wie sie nun alle nannten, übernommen hatte. Rosie hatte sich eigentlich zuerst gegen den Namen gewehrt, doch am Ende siegte der Gruppendruck, indem die Pfleger etwas Geld für ein grosses Holzschild mit dem entsprechenden Schriftzug zusammengelegt hatten. Sie hatten die Nachricht von dem gelüfteten Geheimnis um Rosies Herkunft gar nicht so erstaunt wahrgenommen. Lisa hatte sogar steif und fest behauptet, sie habe die ganze Zeit über so etwas vermutet – was ihr natürlich keiner glaubte. Jedenfalls war Rosie mittlerweile täglich auf ihrer Ranch und schuftete ebenso viel wie die Arbeiter, die sie bestellt hatte. Auf Pineforest vermisste man sie inzwischen schon etwas. So erwischte ich zum Beispiel Oliver beim organisieren des Morgentrainings, ausnahmsweise auf Deutsch: „Quinn reitet statt Cool Cat Spotted Timeout, ich weiss nicht welche Idiot das wieder falsch eingetragen hat. Rosie kann Cat stattdessen übernehmen.“ „Ehmm Boss, Rosie is, ehh…“, meldete sich Thomas scheu. „Yes yes, fine. Ich kann mir auch nicht alles merken hier. Na gut, dann nimmt eben April Cool Cat.“ „But I already ride Caspian!“ „All of you – you drive me nuts! And just because of a certain lady that thinks that she can quit and leave all of a sudden – and a certain boss here doesn’t even stop her!“, rief Oliver aufgebracht aus. Alle schwiegen, bis er sich beruhigt hatte und fortfuhr. Ich wusste ganz genau, dass er es in Wirklichkeit einfach sehr bedauerte, dass Rosie nun nicht mehr 100% für Pineforest zur Verfügung stand. Aber geschäftsorientiert wie er war, versuchte er einfach darüber hinwegzusehen und weiterzumachen. „However. Rita, if I remember it correctly, you have no horse to ride in the first group, have you?“, fragte Oliver mit sarkastischer Stimme. Rita nickte unsicher. “Good. Then go get Cool Cat. All of you – move! Before I make you!” Ich sah ihn streng an, doch wenn er schlechte Laune hatte (was heute mehr als offensichtlich der Fall war) liess man ihn am besten einfach in Ruhe seinen Job machen. Ich begab mich zu Sundays Box. Viel zu lange hatte ich den Braunen nicht mehr im Training geritten, weil ich immer andere Pferde auf der Liste gehabt hatte. Doch diesen Monat waren wir endlich wieder zusammengewürfelt worden. Ich führte den braunen Hengst in die Stallgasse und stellte ihn zwischen Gleam of Light und Spotted Timeout. Dann begann ich wie immer damit, sein Fell gründlich durchzustriegeln. Heute wollte er anscheinend nicht besonders gekrault werden, denn er verzog weder die Lippe, noch legte er den Kopf schief, wie er es sonst so oft tat, wenn ich beim Widerrist angelangte. Ich zuckte mit den Schultern und machte weiter. Das Fell des Braunen war kurz und schimmerte schon nach wenigen Bürstenstrichen wieder wie frisch ein gesprayt. Auch der Schweif liess sich ohne grossen Widerstand kämmen. Ich sortierte ein paar Strohhalme aus dem ordentlich geschnittenen, schwarzen Langhaar heraus, dann ging ich zu den Hufen über. „Occu, can you have a quick look? Sumerian has a scratch…“, rief Thomas um die Ecke. Ich liess den Hufkratzer liegen und ging nachsehen, was er meinte. Innerlich betete ich: bitte nicht noch ein Pferd das verletzt ist! Es reicht schon, dass Winter und Iskierka den ganzen letzten Monat ausgefallen sind! Doch meine Sorge wurde gelockert als ich sah, dass es sich tatsächlich nur um eine oberflächliche Blessur am Sprunggelenk handelte. Vermutlich hatten die Stuten auf der Weide wieder miteinander gezickt. Trotzdem besprühte ich die Wunde mit etwas Silberspray, um die Fliegen und den Dreck fernzuhalten. Dann widmete ich mich wieder Sunday, der bereits ungeduldig scharrte. „Du kriegst nix, Kumpel. Erst nach der Arbeit“, stellte ich mit gehobenem Finger klar, aber natürlich nützte das nichts. Ich stupste ihn an und sagte deutlich „stop it“, woraufhin er tatsächlich aufhörte. Nun konnte ich bereits Satteln und zäumen. Die Anderen waren ähnlich weit, sodass wir alle etwa gleichzeitig das Gebäude verliessen und die Pferde zum Aufwärmen auf die Galoppbahn ritten. Hier blieben wir erstmal fünf Minuten im Schritt, danach folgte zehn Minuten lockerer Trab und schliesslich begaben wir uns zur Rennbahn. Einer nach dem anderen wurde in die Startboxen geführt. Bei dieser Gruppe fand das Training eigentlich bloss noch zur Erhaltung, nicht mehr zum Neuaufbau von Muskeln statt. Diese Pferde waren schon so gut ausgebildet und durchtrainiert, dass man gar nicht mehr viel steigern konnte. Deshalb erlaubten wir uns mit ihnen auch öfter spassige Ausritte anstelle anstrengenden Trainings. Während den ausgiebigen Galopps im Gelände oder dem Schwimmen im Bach wurden die Muskeln schliesslich auch fit gehalten. Trotz des zum Teil jahrelangen Trainings hatte aber immer noch der ein oder andere unangenehme Macken, an denen wir wohl doch noch bis zum Ende der Rennkarriere feilen mussten. Beispielsweise zeigte sich mein Sunday wieder von seiner besten Seite: Ajith wollte ihn wohl für seinen Geschmack etwas zu hastig in die Startmaschine führen, sodass der Versuch damit endete, dass der Hengst stieg und sich beinahe den Kopf anstiess. „Dass du immer gleich Männchen-machen musst, sobald dir etwas nicht passt“, tadelte ich laut, zum Vergnügen der anderen Jockeys. Beim zweiten Versuch klappte es, indem Ajith dem Hengst genug Zeit gab, sich alles anzusehen. Als hätte er es nicht schon 1000 mal gesehen… Aber auch Sumerian hatte mal wieder nen Zickenanfall, und das ausgerechnet beim Start. Anstatt anständig abzudrücken, schoss sie aus der Box und keifte Campina an, die prompt erschrak und einen Seitensprung gegen Cool Cat machte, der durch den Zusammenprall wiederum beinahe stürzte. Wir brachen ab und bremsten die Pferde. Oliver schüttelte genervt den Kopf. „Thomas, what was that? Weren’t you supposed to control your horse? Instead you are dreaming again! I saw that coming since you entered the box!” Und warum hast du dann nichts gesagt? Diese Frage stand Tom förmlich ins Gesicht geschrieben, doch er wollte nicht noch mehr Ärger provozieren und murmelte bloss „sorry Oliver“. Ich war froh, dass er sich unter Kontrolle behielt, denn er zählte normalerweise auch zu den eher heisseren Gemütern auf dem Hof. Eine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden wollte ich nicht erleben.

      Beim zweiten Anlauf klappte es: Sumerian musste ganz aussen Starten und Tom hielt die Zügel straff genug, dass er sofort reagieren konnte, falls die Stute erneut den Kopf drehen wollte. Die Klappen flogen auf und die Pferde sprangen los. Ich krallte mich in Sundays Mähne fest, als der Hengst mit ein paar gewaltigen Galoppsprüngen beschleunigte. Zu sehr liess ich ihn aber noch nicht vor, denn die Kraft musste er sich für den Finish sparen. In jedem Trainingsrennen achteten wir auf dieselben Spielregeln wie bei einem richtigen Rennen, damit sich die Pferde an den Ablauf gewöhnten und später besser kontrollierbar waren, wenn es mal drauf ankam. Wir blieben alle dicht beieinander bis wir eine ganze Runde um die Bahn durchritten hatten, dann folgte die letzte Gerade. Aus der Kurve heraus liess ich Sunday ziehen. Dicht neben mir gab auch Parker Light den Kopf frei. Ich konzentrierte mich so sehr auf diese Seite der Bahn, dass ich nicht bemerkte, wie Cool Cat auf der anderen überholte. Als ich wieder nach vorne sah, sah ich seinen Schweif direkt vor uns wehen und erkannte, dass Rita uns blockieren wollte. Ich zog Sunday auf eine Bahn weiter aussen und duckte mich tief in seine Mähne, doch den Abstand konnte ich in der kurzen Zeit bis zur Zielmarkierung nicht mehr wettmachen. Light konnte sich noch etwas weiter vorschieben, also kamen wir als dritte ins Ziel. „Not bad Rita, it was clever to block Occu and Sunday. But if you try this over a longer distance you probably won’t come away so easily. They were already catching up again and Cat lost all his power during that sprint”, wertete Oliver kurz darauf beim Abkühlen aus. “Sumerian and Spot have to start the final run earlier; they have enough strength to do that. And Campina plus Caspian need a little bit more condition.”

      Wir brachten die erste Gruppe in den Freilauftrainer, damit sie noch etwas länger Schritt laufen konnten. Dann holten wir die nächsten sechs Kandidaten: Chiccory, Winter, Iskierka, Painting Shadows, Sympathy und Shades of Gray. Mein Liebling Winter und Zicke Iskierka liefen wegen besagtem Trainingsrückstand hier mit. Winter hatte sich auf der Koppel bei einem Gerangel mit Neuankömmling Rosenprinz eine üble Schramme am Vorderbein zugezogen, durch die er einige Tage etwas unsauber lief. Ich gab ihm daraufhin gleich einen ganzen Monat Pause, denn Beinverletzungen waren bei den Rennpferden immer heikel. Iskierka hingegen hatte erhöhte Temperatur und Nasenausfluss gehabt, vermutlich eine leichte Grippe, die sie sich bei einem Handicap in London eingefangen hatte. Ärgerlich – aber jetzt ging es ihr dank der führsorglichen Pflege von Ajith wieder gut. Sie hatte uns allen richtig Sorgen gemacht, denn sie war so aussergewöhnlich lieb und ruhig gewesen. Ich musste jetzt noch schmunzeln, obwohl es ja eigentlich nicht lustig gewesen war. Sympathy wurde wie versprochen vorsichtig wieder hochtrainiert, jetzt da ihr Fohlen entwöhnt war. Sie machte sich besser als ich gedacht hatte und kam langsam aber sicher zu ihrer alten Form zurück. Trotzdem war es mit dem ganzen Trainingsverlust und in ihrem Alter nicht mehr ganz so einfach, mit den jungen Fliegengewichten mitzuhalten, die jetzt immer mehr aufstiegen. Paint war schlicht und ergreifend in dieser Gruppe dabei, damit überall etwa gleich viele Pferde liefen. Das Trainingsrennen entschied Gray für sich, und bewies mir damit, dass sie reif für die geplanten Einsätze am Wochenende war.

      Die letzte Gruppe bestand aus den Jungspunden Caligari, Kaythara, Ciela, Cassiopeia, Pointless und Framed in History. Wir bereiteten sie vor, während die vorherige Gruppe in die Führanlage kam; ausser Iskierka – die durfte unter’s Solarium, was sie sichtlich genoss. Cassy war bei weitem noch die pummeligste, denn sie hatte ja auch als eine der letzten abgefohlt. Auch ihre Kondition liess etwas zu wünschen übrig, sodass sie heute als abgeschlagene Letzte ins Ziel bretterte. Kaythara hingegen hatte ein absolutes Formhoch und gewann mit unglaublichen vier Längen Vorsprung und einem neuen persönlichen Bahnrekord. Und dann war da noch Pointless. Sie ging nicht zuletzt durchs Ziel, aber ihre Leistung war nicht gerade schön anzusehen gewesen. Schon bei der Startbox hatte das Gezanke wieder angefangen, und die darauffolgenden 500 Meter waren für mich, die sie abgesehen von Oliver als einzige reiten durfte, ein unangenehmer Kampf gewesen. Doch danach hatte die Stute der Ehrgeiz gepackt; anders konnte ich es mir nicht erklären. Sie hatte die Ohren nach hinten geklappt und sich plötzlich gestreckt, als würde sie verfolgt werden. So waren wir mit dem für ihren Trainings(rück)stand unglaublichen vierten Platz durchgekommen. Doch kaum wollte ich sie bremsen, war alles wieder beim alten: sie schüttelte den Kopf, schlug unwillig mit dem Schweif und stampfte unzufrieden, sobald ich sie in den Schritt gebremst hatte. Oliver war erstaunlich zuversichtlich: „I think it was much better than last time. The foal-break was definitely the right thing to do with her.” Ich nickte nur und dachte insgeheim: das lässt sich leicht sagen, wenn man nicht selber oben sitzt. Wir versorgten auch diese Gruppe. Es wurde jetzt langsam warm, denn es war bereits acht Uhr morgens.

      Am Abend schickte ich dann Coulee zusammen mit Rosenprinz auf die Bahn. Quinn und Parker ritten die beiden. Ich hatte das Gefühl, dass Coulee durch Quicks Anwesenheit viel ruhiger und selbstbewusster war. Die beiden waren quasi zusammen aufgewachsen und hatten sich anscheinend furchtbar vermisst. Jedenfalls grunzte Coulee dem hübschen Falben bei jeder Gelegenheit zu, und meist bekam sie auch eine Antwort. Coulee war auch auf der Bahn wie ausgewechselt, seit Quick mit ihr trainierte. Sie hatte wieder mehr Ehrgeiz, mehr noch, als nach meinen unzähligen Motivierungsversuchen. Ich war sichtig glücklich, wenn ich den beiden zusah. Das einzige, was meine Stimmung noch immer trübte, war die ehemalige Box von Stromer. Caspian stand jetzt darin – überhaupt hatten wir die Boxenordnung etwas umgestellt, weil in Zukunft Cantastor, Empire, Fly Fast, Fajir und Muskat bei Rosie untergebracht werden würden. Sie gehörten noch immer mir, aber sie durften aus praktischen Gründen dorthin ziehen. Fly ging auf Wunsch von Rosie mit, denn er war immer schon ihr Liebling gewesen.

      Ich sah noch rasch nach Mikke und Indiana. Die beiden waren ausgeritten worden und machten einen zufriedenen Eindruck. Den ‚Verlust‘ ihrer Fohlen hatten sie wohl einigermassen überstanden. Auch Dublin war heute nicht mitgelaufen, wie schon die letzten paar Wochen. Grund dafür war, dass sie ein Fohlen von Sacramento erwartete und ich ihr das Training langsam nicht mehr zumuten wollte. Zufrieden löschte ich das Licht um zehn Uhr und verschwand ins Haus.
    • Occulta
      Ein langer Tag

      Es war ein sonniger Spätsommermorgen und die Natur schien verschlafen zu haben. Es lag viel Tau auf dem Gras, die Luft roch frisch und sauber. Das Gewitter vom Vortag hatte den ganzen Staub von den vergangenen heissen Tagen weggewaschen. Ich streckte mich genüsslich und genoss einen Moment die frühen Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Vom morgendlichen Vollbluttraining herkommend befand ich mich gerade auf dem Weg zum Nordstall. Drinnen war es schön kühl. Die Pferde raschelten fleissig in ihrer Frühstücks-Heuportion und ich entdeckte ein paar Mäuse, die gerade den Boxenwänden entlang flüchteten. Jackie spitzte sofort aufgeregt die Ohren und flitzte hinterher, aber natürlich erwischte sie keine. „Wo sind diese verlausten Katzenviecher wenn man sie mal braucht?“, stellte ich sarkastisch an mein Hündin gewandt fest. Sie musterte mich Schwanzwedelnd und erwartungsvoll. „Heh sweetie? No treats until you catch one.“ Ich stellte mich vor Donuts Box und rief seinen Namen. Der Ponyhengst hob den Kopf, spitzte die Ohren und brummelte. Ich schmunzelte, weil seine Stimme wie immer höher als die eines Grosspferdes war und das Geräusch dadurch umso witziger klang. Geputzt und gesattelt hatte ich ihn schnell, denn er war noch sauber von gestern. Das Langhaar bearbeitete ich nochmal mit etwas Glanzspray, damit der Schweif schön fluffig und voluminös war. Dann führte ich Donut auf den Reitplatz, denn was gab es besseres, als die noch kühle Morgenstimmung für eine Dressurstunde zu nutzen? Ich wärmte Donut auf und trabte ihn dann erstmal in Dehnungshaltung auf mehreren Volten. Nach einer Weile nahm ich die Zügel auf und begann, den Hengst mit lockeren Seitengängen zu gymnastizieren. Er war heute fleissig und energiegeladen, was ich sehr mochte. Trotzdem entschleunigte ich ihn anschliessend mit ein paar kleinen Volten, damit er nicht auf die Vorhand kippte. Im Schritt versuchte er immer wieder anzutraben, wie ein ungeduldiges Kind. Doch ich nahm es gelassen und schätzte seinen Eifer. Ich beschloss, jetzt erstmal ein wenig Galopparbeit zu machen, bevor ich mich noch an Travers Lektionen wagte. Er galoppierte schwungvoll und in korrekter Haltung, leicht vor der Senkrechten und schön bergauf. Wie toll es doch war, einen so fein ausgebildeten Hengst zu reiten! Ich versammelte den Galopp und liess ihn auf der langen Seite wieder zulegen, dann wechselte ich durch die Diagonale und machte einen Galoppwechsel bei X. Kein Problem für Donut – als erfahrenes Springpony gehörte das zu seinen Spezialitäten. Nach dem versprochenen Travers machte ich noch ein wenig Schulterherein, dann liess ich es für heute gut sein und brachte Donut zurück in den Nordstall. Ich sattelte ab, bürstete das Fell glatt und kratzte die Hufe aus. Als ich fertig war, entliess ich ihn in seine Box und gab ihm drei Karotten, die er hastig runterschlang. Ich kraulte zum Abschied seinen Hals und den weissen Nasenrücken, wobei er genüsslich den Mund verzog. Er wollte mich gar nicht weggehen lassen, sondern sich gleich hinter mir wieder durch die Boxentür zwängen, was ihm natürlich nicht gelang. Enttäuscht brummelte er mir hinterher und ich bekam beinahe ein schlechtes Gewissen, einfach so davonzulaufen. Aber sein eigentlicher Beweggrund, so war ich mir fast sicher, war die vierte Karotte, die ich noch immer in der Hand hielt um sie nun Ljóski hinzustrecken. Herkir, der in derselben, besonders grossen Box stand, versuchte eifersüchtig seinen Kumpel wegzuekeln. Ich führte Loki in die Stallgasse und putzte ihn ausgiebig. An seinem wolligen Langhaar hatte ich besonders lange. Der Hengst war kitzlig und zuckte die ganze Zeit mit dem Widerrist, als ich mit der weichen Bürste nochmals über seinen Körper strich. Besonders am Bauch mochte er es gar nicht, sodass er vor und zurück zappelte. Ausserdem drehte er mehrfach den Kopf um sich mit der Schnauze an seiner Schulter zu kratzen. Das hibbelige Getue ging auch beim Aufsteigen weiter und ich fragte mich langsam, ob Herkir und er Persönlichkeiten getauscht hatten, denn normalerweise war der Fuchsschecke eher wie ein Sack voller Flöhe. Ich ging mit dem vor Energie überlaufenden Loki ins Gelände und machte ein paar gesunde Galopps, sodass ich ihn am Ende zufrieden und ausgepowert am langen Zügel nachhause reiten konnte. Als nächstes stand Longieren mit Moon Kiddy auf dem Programm, als Abwechslung für sie und mich. Nachdem sie am Sonntag an einem anspruchsvollen Gymkhana mit Darren gestartet war, hatte sie sich eine Pause verdient. Deshalb arbeitete ich mit ihr eine halbe Stunde lang locker im Roundpen, wobei ich nicht mehr als Übergänge und Seitenwechsel verlangte, um ihre Reaktion auf meine Körpersprache weiter zu schulen. Sie war sehr aufmerksam und liess sich gänzlich auf mich ein, was das Training sehr einfach machte. Andererseits kannten wir uns nun auch schon so lange, dass ich alles andere als bedenklich gewertet hätte. Meine hübsche Criollostute mit der mächtigen, schwarzen Mähne, ihr Markenzeichen, kam am Ende des Trainings zu mir in die Roundpen Mitte und holte sich ihre Karottenstückchen ab. Ausserdem wischte sie liebevoll mit der Oberlippe auf meinem Unterarm hin und her, als wollte sie mich kraulen. Ich tat es ihr gleich und massierte ihren Widerrist, dann führte ich sie am Halfter zurück in den Nebenstall. Inzwischen waren die Hengste alle auf die Weiden gelassen worden; die Stuten kamen am Nachmittag raus.

      Ich bekam pünktlich um zehn Uhr einen Anruf, dass mein neues Hengstfohlen, LMR Royal Champion, gesund und munter im Flughafen von Birmingham angekommen war. Der Jährling stammte von der Lake Mountain Ranch, einem noch eher unbekanntes Gestüt, doch seine Abstammung gefiel mir und sein Exterieur hatte mich überzeugt. Er war ein Mix, daher überlegte ich, ihn kastrieren zu lassen, doch das hatte noch Zeit. Erstmal holte ich ihn nun ab und brachte ihn zu seinen neuen Kumpels auf die Hengstfohlenweide. Es gab ein paar Rangeleien, wie das eben war, wenn ein Neuling in die Gruppe stiess. Ich beobachtete das Ganze, bereit, jederzeit mit schwingendem Führstrick einzugreifen. Doch es war wie erwartet nicht nötig: Royal wurde von allen Seiten neugierig beschnuppert und ein bisschen ‚angenagt‘, dann war die Rangfolge fürs erste geklärt und er wurde in Ruhe gelassen. Dass er sich so rasch in das soziale Gefüge eingelebt hatte, sprach für die Haltung des Züchters. Zufrieden widmete ich mich wieder den anderen Stallarbeiten.

      Lily war noch in der Schule, also traute ich mich nicht, etwas mit Thairu, unserem gestreiften ‚Pony‘ zu unternehmen. Sie wollte immer dabei sein wenn ich mit dem Zebra arbeitete, was leider im Moment nicht allzu oft geschah. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass es auch besser für Thairu war, wenn sie nicht zu viel Trainiert wurde. Schliesslich war so intensiver Kontakt zu Menschen noch immer recht viel Stress für sie und ich wollte sie nicht überfordern. Ich beschloss, mir heute Abend eine Stunde für das Zebra freizuhalten.

      Es war nun 11 Uhr und mittlerweile ziemlich warm geworden, sodass ich nur noch im Trägertop rumlief. Zira und Sheela waren treu an meiner Seite, Jackie hingegen hatte sich aus dem Staub gemacht als ich aufgebrochen war um Royal abzuholen. Vermutlich überwachte sie mal wieder gewissenhaft ihr Territorium oder döste irgendwo im Schatten. Ich liess es mir nicht nehmen, rasch mit den beiden Hündinnen zu spielen, als ich unterwegs zur Stutenweide einen nahezu perfekten Stock dafür fand. Er wies schon ein paar Nagespuren auf, also hatten ihn die Hunde wohl von irgendwoher angeschleppt. Ich warf ihn soweit wie meine eher spährliche Armmuskulatur es erlaubte und sah dann belustigt zu, wie sich Sheela und Zira dynamisch darauf stürzten. Sheela, die ja ein wenig älter und deutlich massiger war als die schlaksige Zira, brauchte bloss einmal warnend zu knurren um ihrer jungen Spielgefährtin klarzumachen, dass sie alleine den Stock tragen durfte. Sie brachte ihn mit stolz aufgerichtetem Gang zu mir zurück. Zira trottete hinterher, wie eine hungrige Wölfin die auf eine Gelegenheit wartete, ihrer Rudelgenossin die Beute abzunehmen. Ich lobte beide und warf den Stock nochmal, dann lief ich zum Weidetor. Ich wollte vor dem Mittag noch mit Islah arbeiten. Die Araberstute hatte ihren Babybauch durch die ständige Bewegung auf der Weide und das Training unter dem Sattel vollständig abtrainiert und erfreute sich wieder bester Fitness, was bei ihrem Charakter nicht immer von Vorteil war. Ich mochte es aber, dass sie dieses feurige Temperament zeigte, das man oft als typisch für Araber empfand. Ich brachte sie zum Nebenstall und band sie dort ans Holzgestänge. Dann begann ich, ihr kurzes Fell zu striegeln. Noch während ich dabei war, kamen Ajith, Oliver und Jonas vorbei. „Hey Boss“, grüsste Jonas. „Ajith had an idea“, begann Oliver. „Since some of the thoroughbred stallions now live at Rosie’s farm, we could put the Arabians into the empty stalls inside the Hauptstall.” Ich verstand, worauf er hinauswollte; der Platz im Nordstall war begrenzt, hingegen im Hauptstall gab es eine ganze Reihe unbesetzter Gastboxen. Trotzdem war ich nicht so richtig zufrieden mit dem Vorschlag. Stattdessen überlegte ich laut: „What about we ask Rosie if she wants to take the Arabs in an give us our beloved English Tbs back?“ Ajiths Augen leuteten begeistert – er hing einfach an all seinen Pfleglingen und war ziemlich enttäuscht gewesen, dass die paar Hengste auf der Wilkinson Farm von anderen Pflegern versorgt werden würden. Oliver schien auch nicht abgeneigt von der Idee, nur Jonas war etwas zerknirscht, weil er dadurch künftig Numair und Anubis nicht mehr so oft sehen würde. Ich fragte ihn, ob es sehr schlimm sei, doch er verneinte glücklicherweise. „Solange du mir meinen Herkir dalässt, ist alles gut.“ Ich schmunzelte und schloss: „Dann rede ich nachher mit Rosie, ich wollte ihr sowieso einen Besuch abstatten.“ Die drei zogen zufrieden weiter und ich widmete mich wieder ganz meiner Islah. Ich arbeitete auf dem Sandviereck mit ihr, auf dem noch Stangen von Lisas Trail Training mit Shadow ausgelegt waren. Dies nutzte ich gleich, um die Stute zu gymnastizieren. Über den Stangen und Cavaletti musste sie ihre Beine heben und den Rücken wölben, ausserdem erforderte die Arbeit ein erhöhtes Mass an Konzentration, was bei ihrem Temperament gerade recht kam. Zu lange ritt ich sie aber so nicht, denn die Lektionen waren anspruchsvoll und führten im Übermass zu Muskelkater. Ich liess sie nach etwas mehr als einer intensiven halben Stunde ausgiebig austraben und brachte sie dann zurück auf die Weide.

      Nun meldete sich mein Magen zu Wort und erinnerte mich daran, dass es Mittag war. Lily kam aus der Schule zurück und half mir beim Kochen, verzog sich am Ende aber doch ins Wohnzimmer um mit den Hunden zu spielen. Ich war ihr nicht böse, denn das heutige Menü war nicht aufwendig – Spaghetti mit Tomatensauce und Salat. Ich fragte meine Nichte, ob sie Lust hatte am Abend mit Thairu zu trainieren. „Und das fragst du noch?“, kam die empörte Antwort. Ich grinste zufrieden und konzentrierte mich auf meine Spaghetti, um keine Tomatensauce zu verspritzen. Lily hatte am Nachmittag Schulfrei, also lud ich sie ein, Rosie mit mir zu besuchen. Nach dem Essen und wegräumen begaben wir uns also abermals zur Stutenweide. Ich fing mir Argenté Noir ein, Lily durfte Feline nehmen. Wir putzten die beiden Stuten direkt auf der Weide, indem wir sie an den Zaun banden und das Sattelzeug den ganzen Weg rüber trugen. Unter dem Zaumzeug liessen wir die Knotenhalfter, damit wir die beiden später auch anbinden konnten. Ich war schon ein Weilchen nicht mehr auf dem Welsh Pony gesessen, aber gewöhnte mich rasch wieder an Noirs Bewegungen. Wir ritten zusammen zur Ranch, machten aber einen Umweg durch den Fluss. Bei der Mittagshitze war es eine willkommene Abkühlung, als Feline verspielt im Wasser scharrte und uns beide nass spritzte. Noir zog wenig begeistert ihren Kopf weg und klappte ihre Ohren nach hinten, damit sie kein Wasser abbekamen. Wir wateten ans andere Ufer und trabten dem Waldrand entlang zur Ranch. Der einladende Schotterweg mit dem Kreis erinnerte mich an die Zufahrt zu einem noblen Schloss. Die Gebäude waren neu gestrichen und alles sauber aufgeräumt – von einer Baustelle war beinahe nichts mehr zu sehen. Auch die Zäune standen nun alle; sie waren hübsch weiss und ergänzten das ländliche aber zugleich edle Bild. Von weitem sah ich Cantastor und Muskat auf der Weide grasen. Sie wehrten friedlich mit den Schweifen Insekten ab und schüttelten ab und sahen auf, als sie uns entdeckten. Lily und ich stiegen ab und banden die Pferde an, dann begaben wir uns auf die Suche nach Rosie. Wir fanden sie im Wohnhaus, wo sie gerade Staubsaugte. Sie begrüsste uns herzlich und machte Tee, während Lily freiwillig fertig staubsaugte. Wir plauderten eine Weile bei Tee und Keksen, bevor ich wie versprochen die Idee mit den Arabern ansprach. „That’s funny“, meinte Rosie als ich fertig war, „I bought two Arabians recently, from a place named Fearie Hills. It’s a mare and a stallion, both precious breeding stock, but Fearie Hills is being closed and so their horses are all for sale. I was afraid that those two could end up with some dubious traders, so I kinda rescued them.” “That’s cool, I can’t wait to see them!”, rief Lily begeistert. Rosie meinte lachend: “You don’t have to – they’re arriving today.” “When exactly?”, wollte ich wissen. “I will pick them up at the airport in about an hour.” “So we’re gonna swap? You okay with that?”, hakte ich nach. Rosie überlegte kurz und nickte dann. “Though I’ll miss my little Fly around here, I think I would like to start breeding Arabs.“ Ich nickte zufrieden und wir schüttelten Hände – damit stand der Entschluss fest, dass meine drei Araber hierher ausgelagert werden würden und künftig in Rosies Zucht zum Einsatz kamen. Lily und ich beschlossen unseren Ausritt fortzusetzen und anschliessend gemeinsam mit den Pflegern den Pferdetausch zu vollziehen. Wir galoppierten über die beliebten alten Holzrücker Wege im Wald und waren wohl insgesamt über eine Stunde lang unterwegs. Noir liess ich am Ende am langen Zügel nachhause schlendern; die Stute war ausgepowert und wackelte zufrieden im Takt mit den Ohren. Wir brachten sie und Feline zurück auf die Weide und trommelten Jonas und Lisa als Helfer zusammen. Ich war zwar nicht gerade begeistert davon, mit beiden gleichzeitig zu tun zu haben, aber sie waren gerade als einzige zur Verfügung. Wir holten die drei Araber und sattelten sie. Islah verstand die Welt nicht mehr, als ich sie abermals von der Weide holte und ihr den Sattel auf den Rücken legte. „Don’t worry girl, you won’t have to work again“, murmelte ich liebevoll. Jonas schwang sich auf Numairs Rücken, Lisa übernahm Anubis und nahm Lily vorne mit drauf. Wir hatten auch noch zwei Führstricke dabei, weil drüben auf der Ranch fünf Pferde auf uns warteten. Die Putzsachen von den drei Arabern wollte ich später noch per Auto vorbeibringen.

      Rosie war längst losgefahren, um ihre zwei Neulinge abzuholen. Wir besprachen die Boxenordnung daher mit ihrem Chefpfleger, einem stämmigen, dunkelhaarigen Typen namens Lucas Gordon. Die Araber durften die frisch ausgemisteten Boxen beziehen. Dann holten wir die Englischen Vollblüter direkt von der Weide und sattelten Empire, Muskat und Canto. Fly und Fajir mussten als Handpferde mitkommen, weil ich meiner kleinen Nichte den Umgang mit den temperamentvollen Hengsten noch nicht ganz zutraute. Doch bevor wir loszogen bestand Lily darauf, auf Rosie und die neuen Araber zu warten. Ich willigte ein, weil ich selber auch gespannt auf die beiden war. Zwanzig Minuten Später fuhr der Selbstfahrer auf den Hof und wir halfen Rosie beim Ausladen. Als ich die Klappe mit Jonas zusammen öffnete, sah ich als erstes einen hübschen braunen Hengst, der uns misstrauisch entgegenschielte. Wir lösten die Trennwand und führten ihn ans Tageslicht. Er war nicht besonders gross, Araber eben, aber hatte einen ausdrucksstarken Körperbau mit einem äusserst hübschen Hechtkopf und kräftigem braunem Fell. Seine Beine waren ganz schwarz und er hatte am restlichen Körper zum Teil dunkle Stellen und leichte Dapples. Die lange schwarze Mähne fiel eher wild über seinen gebogenen Hals und den Schweif trug er aufgeregt erhoben. Er blähte die Nüstern und sah sich um. Dann wieherte er stolz, um anschliessend mit gespitzten Ohren auf eine Antwort zu warten. Die kam auch – vermutlich von einem der Hengste im Stall drüben. Bintu Al-Bahri schnaubte neben Lisa lautstark und scharrte ungeduldig auf dem Schotter, während Jonas und ich die Trennwände lösten, die den Weg zwischen ihm und dem zweiten Pferd gesichert hatten. Die Stute war ganz vorne angebunden, damit es keinen Ärger während der Fahrt hatte geben können. Schon jetzt erkannte ich, dass sie eine hübsche Rappstute war, die eine klar definierte, schneeweisse Blesse trug. Sie folgte mir zögernd die Rampe runter und sah sich ebenfalls um. Im besseren Licht erkannte ich, dass sie nicht gerade gut bemuskelt schien und ihre bisherige Zeit als Zuchtstute nicht spurenlos an ihr vorübergezogen war. Rosie bemerkte meinen skeptischen Blick. „She is 10 years old and had already 7 foals. I guess you can tell.” Mitleidig schaute ich in die dunklen, freundlichen Augen und streichelte die Nüstern der Stute. „Her name’s Farasha, it means butterfly. I’m not quite sure, but I even think that she’ll have another foal in spring. I will let the vet check her carefully.” Betroffen nickte ich. Rosie las die unausgesprochene Frage von meinem Gesicht ab und versprach: „I won’t breed her again. If she has another foal, then it will be her last, if not I’d say even better.“ Ich stimmte ihr nickend zu und war froh, dass meine ehemalige Pflegerin sich in erster Linie um das Wohlergehen von Farasha sorgte. „But doesn’t that mean that you still don’t have your own broodmare?” “That does not matter right now; I’m still building everything up.”

      Farasha und Bintu wurden von Rosie und Lucas in ihr neues Zuhause geführt und wir machten uns mitsamt Pferden auf den Heimweg. Canto schien zu spüren, dass es nachhause ging, denn er hatte einen zügigen Schritt drauf und wollte Empire die ganze Zeit überholen. Ich bremste ihn aber auch nicht zu sehr, sondern nahm die Zügel lediglich auf, wenn er antraben wollte. Auch Fly tänzelte ungeduldig nebenher, wobei er seinen Hals schön wölbte und richtig edel aussah. Wir waren um drei Uhr zurück auf dem Hof und brachten die fünf bei ihren alten Kumpels unter, dann ging alles seinen gewohnten Gang. Eigentlich hatte ich meine für diesen Monat zugeteilten Pferde nun schon alle bewegt, aber wie meistens übernahm ich für den restlichen Tag noch ein paar weitere. Die Pfleger konnten sich so den anderen Stallarbeiten widmen und ich hatte nichts dagegen, den ganzen Tag im Sattel zu sitzen – schliesslich waren es meine Pferde, und ich wollte jedem einzelnen von ihnen so viel Aufmerksamkeit schenken wie nur möglich. Ich überlegte rasch, dann suchte ich April und fragte sie, ob Rosenprinz schon bewegt worden war. „Yes Madam, I rode him in Training with Coulee this morning. As you requested in order to keep him fit for cross country.” Ich nickte zufrieden und suchte weiter. Auf dem Weg zum Nordstall begegnete ich Lewis. „Ahh Lewis! Did you already work with Unbroken Soul of a Rebel?“ “Yes Boss, all done. I practised for the horsemanship show on saturday.” “Is that so… Very well”, antwortete ich etwas enttäuscht, lief dann aber fröhlich weiter. Ich entdeckte Lisa beim Dressurviereck – sie räumte gerade die Stangen vom Morgen weg. „Hey Lisa, did you ride Piroschka?“ „Yes, Jonas and I took her and Adrenaline out for a ride today. Sorry, should I have waited until now?” Natürlich, die beiden waren wieder zusammen unterwegs – da hätt ich auch selbst drauf kommen können, stellte ich bitter fest. “Ahh… no, never mind.” Ich wollte schon davonhuschen, als sie mir hinterherrief: „Wait Occu, you could take Summertime! I would be glad, because I… Well I would like to spend some more time with Jonas…“ Ich hielt an ballte die Fäuste, aber nach kurzem Zögern seufzte ich leise, drehte mich dann lächelnd zu ihr um und meinte: „Sure. I’ll take her out for a ride as well.“

      Ich schlurfte zur Stutenweide und schnappte mir Summers Halfter vom Haken an der Wand des Offenstalls. Crap… I hate them both, dachte ich ärgerlich, das Bild von Lisas unschuldigem Grinsen im Kopf. Ich wanderte zu den Bäumen, wo die Paint-Stute stand und streifte ihr das Halfter über. Andererseits habe ich Ajith versprochen, dass ich mir Mühe gebe und sie nicht anders als vorher behandle. Das ist doch sowieso alles kindisch, ich sollte Jonas einfach vergessen und mich auf meine Tiere konzentrieren. Ich führte Summer zum Weidetor, zögerte dann aber und band sie an den Zaun. Ich wollte sie lieber in Ruhe hier unten putzen und ein Weilchen alleine sein. Ihre Ausrüstung musste ich trotzdem noch holen. Jonas war ebenfalls in der Sattelkammer. „Danke Occu, Lisa hat mir vorhin begeistert erzählt, dass du für die Summer bewegst.“ Ich nickte nur und nahm mir kommentarlos was ich brauchte. Du machst es nicht besser. Wenigstens hatte ich meinen Frieden bei den Pferden. Summer stand brav still und verscheuchte entspannt die Fliegen, wann immer sie ihr zu nervig wurden. Ich kratzte ihre Hufe gründlich aus, wobei ich bemerkte, dass sie ganz wenig Fäulnis hinten links hatte. Ich säuberte die Stelle gründlich und beschloss, nach dem Reiten ein Mittel dagegen aufzutragen. Ich sattelte sie und zog ihr das Bosal an, weil ich sie zum Ausreiten lieber damit zäumte. Dann führte ich sie aus der Weide und stieg auf. Gerade als ich durch die Tannen der Ostpassage reiten wollte, hörte ich eine Stimme. „Warte auf uns!“, rief meine kleine Nichte mit ihrem Tinker Areion. Sie schlossen im Trab zu uns auf. „Ich will mitkommen, ich hab den Teddy heute noch nicht bewegt!“ Ich lachte über den passenden Spitznamen des wolligen Tinkers und wir setzten uns in Bewegung. Areion hatte sich gut eingelebt und wurde täglich von Lily ‚bespasst‘, sodass die beiden schon in dieser kurzen Zeit ein Team geworden waren. Zwar hatten sie ab und zu noch Meinungsverschiedenheiten; so zum Beispiel bei der Holzbrücke, wo sich Lily durchsetzen musste, weil der Tinker einfach davor stehen blieb. Aber meine Nichte fand trotz ihres Flohgewichts immer wieder einen Weg ihr Ziel zu erreichen, denn was ihr an Kraft fehlte, machte sie mit austricksen wett. „Hey, du hast dem Teddy ja ein Zöpfchen gemacht! Das hab ich vorher gar nicht gesehen.“ Sie hatte den Zopf mitten in der Mähne gemacht, sodass er zeitweise von den umliegenden Haaren überdeckt wurde. Das muss sie noch etwas üben, dachte ich schmunzelnd, aber das sagte ich ihr natürlich nicht, um ihr Selbstvertrauen nicht zu verletzen. Sie grinste stolz und meinte: „Er ist ja auch das perfekte Übungsobjekt!“ Wir ritten weiter Richtung Osten und nahmen dann die Südlich gelegenen Wege für den Heimweg. Das Highlight war die Galoppwiese, über die wir nochmal ordentlich drüber bretterten, bis fast zum Hofgelände. Summer und Areion waren beide ziemlich verschwitzt als wir zurückkamen, besonders der arme Tinker hatte natürlich mit seiner mächtigen Mähne einen grossen Nachteil bei der Hitze. Wir duschten die beiden daher rasch ab und führten sie dann trocken, wobei sie auch grasen durften.

      Es war nun fast fünf Uhr und begann zu spüren, dass ich wieder den ganzen Tag unterwegs gewesen war. „Tea time!“, rief ich durch den Hauptstall und schlenderte anschliessend zur Reiterstube in der Halle. Die ersten Pfleger folgten mir bereits eifrig, während einige noch die restlichen zusammentrommelten. Wenn wir eine solche ‚Tee Pause‘ machten, besprachen wir auch jeweils was es noch zu tun gab, beziehungsweise was bisher alles gemacht wurde. Ich legte grossen Wert darauf, dass meine Angestellten ehrlich waren und es mir mitteilten, wenn sie in irgendeiner Weise unzufrieden waren. Nur so gelang es dem Team von Pineforest Stable so eng zusammenzuarbeiten. Auch lockerten wir das Arbeitsklima regelmässig mit Grillabenden oder gemeinsamen Ausflügen auf. Bisher hatte ich jedenfalls durchwegs positive Rückmeldungen erhalten was die Zufriedenheit der Mitarbeiter anging. Und gerade weil sie sich hier so wohl fühlten, setzten sie sich so dafür ein, dass auf Pineforest Stable alles reibungslos klappte. Schliesslich hatten wir auch einen Ruf zu verteidigen, und es gehörte ein gewisser Stolz dazu, wenn man hier arbeitete. Als ich fragte, ob noch jemand ein Pferd an mich abtreten wollte, meldete sich David mit einem Räuspern. „I’d be glad if you take Ice Coffee today, because then I could quickly go to town later.” Ich nickte zufrieden und beschloss, etwas Pleasure mit der Stute zu üben. Doch vorher war wie versprochen das Zebra dran. Wir tranken fertig, danach kontrollierte ich rasch die Mini- und Fohlenweiden, ehe ich mich zu Thairu und Dante begab. Für den Esel wollte ich noch einen anderen Namen finden, da mir Dante so gar nicht gefiel. Ich suchte etwas Afrikanisches, aber hatte bisher noch nichts Passendes gefunden. Als ich zum Weidetor lief, spitzte Thairu ihre grossen, runden Ohren. Sie kam sogar auf mich und Lily zu (die mir hinterhergespurtet war) und stellte sich erwartungsvoll vor uns hin. Ihr Schwanz war stets in Bewegung – ein gutes Zeichen in Zebra Sprache. Ich zog ihr vorsichtig ihr breites Lederhalfter über die Ohren und befestigte den Führstrick daran. Sie hielt brav still und folgte mir dann ins Innere der Ovalbahn. Lily schnappte sich Dante und führte ihn hinter uns her. Das gab dem Zebratier zusätzlich Sicherheit. Wir banden die beiden an den Rails an und begannen, sie mit den mitgebrachten bürsten zu putzen. Dante genoss die Prozedur am Kopf besonders. Er verzog genüsslich die Lippe und legte den ganzen Schädel schief. Hufegeben wollte er hingegen erst nach eindringlicher Aufforderung meinerseits – Lily schaffte es nicht den sturen temporär-Wallach zu beeindrucken. Zebra gab ihre Hufe sogar ziemlich vorbildlich, worüber ich positiv überrascht war. Sonst war das mit ihr oft sehr mühsam, weil sie sich durch das auf drei Beinen stehen den Menschen auf eine gewisse Weise hilflos aussetzen musste. Aus ihrer Sicht war es wohl ein Risiko, vergleichbar damit einen festen Standpunkt aufzugeben und so leichter angreifbar zu sein. Ich kämmte die Stehmähne und das Büschel am Ende ihres Schwanzes, dann war ich fertig. Lily musste auf die beiden aufpassen, während ich den Sattel von Thairu holte. Wir hatten bis vor ein paar Wochen oft mit einem Pad und einem Longiergurt trainiert, aber dann war der Sattler gekommen um die Sättel von Bluebell und Sweets zu kontrollieren und ich hatte bei der Gelegenheit gleich noch einen alten Ponysattel aufpolstern lassen. Den legte ich nun entschlossen auf Thairus Rücken und gurtete sanft ins zweite Loch. Ganz angezogen war er so noch nicht, aber genug, dass der Sattel nicht gleich bei der ersten Bewegung verrutschte. So ein Zebrarücken war ziemlich suboptimal für Sättel: kein Widerrist und ziemlich rund, sodass fast kein Übergang zur Kruppe sichtbar war. Thairu hatte deshalb auch einen Schweifriemen und ein elastisches Vorgeschirr, die ich beide gewissenhaft befestigte. Das Zaumzeug war eher simpel gehalten – klassisch englisch ohne Sperrriemen. Es war jedes Mal wieder ein Abenteuer, es über die grossen Ohren zu bekommen. Nun waren wir startklar. Zuerst führte ich das gestreifte Tier warm, dann zog ich den Gurt etwas nach und half Lily hoch. Sie trug zur Sicherheit einen Rückenpanzer, da Thairu doch noch ab und zu etwas wild wurde. Doch ich hatte das Gefühl, dass unser Muskelaufbautraining besser mit Lily funktionierte, weil ihr Gewicht schonender für den Rücken der Zebras war als meines. Eingeritten hatte ich das Tier selbst, aber seit sie einigermassen brav lief war nur noch Lily oben gesessen. Erst sobald Thairu genug Muskeln hatte, wollte ich selber auch wieder auf ihr reiten. Ich liess die Zügel los, Lily ritt nun also frei. Wir übten auf der Ovalbahn Übergänge; die Basics des Gehorsams, damit das Zebra sicherer wurde. Es war auch eine gute Übung für Lily, denn ich gab ihr Unterricht und sie perfektionierte die korrekten Hilfen. Schritt-Trab Übergänge klappten zufriedenstellend, aber galoppiert waren wir noch fast gar nicht und anhalten liess sich das Zebra noch nicht wirklich gut. Genau das übten wir nun eine halbe Stunde lang intensiv; immer und immer wieder. Gegen Ende klappte es schon deutlich besser, jetzt konnte Lily sie immerhin nach spätestens fünf Schritten zum Stillstehen bringen. Wir arbeiteten fleissig mit Lob und Karottenstückchen um Thairu bei Laune zu halten. Denn wir wussten beide – es gab nichts Schlimmeres als ein ‚grumpy zebra‘. Bevor wir für heute Schluss machten, wollten wir noch etwas wagen: eine Runde im Galopp auf rechter Hand. Ich schloss mit Lily spielerisch eine Wette ab, um ihren Ehrgeiz zu entfachen, was bestens funktionierte. „Ich wette du schaffst keine ganze Runde.“ „Just you watch me!“ Sie trabte zuerst und bereitete Thairu sorgfältig vor, wie ich es ihr beigebracht hatte. Dann gab sie die Galopphilfen und trieb, bis das Zebra einsprang. Okay, falscher Galopp – aber immerhin, dachte ich vergnügt. Die beiden galoppierten um die Kurve, da drohte das Zebra bereits wieder durchzufallen. Doch Lily blieb hartnäckig und trieb es mit allem was sie hatte an. Thairu machte einen leichten Bocksprung, sodass Lily den einen Bügel verlor, blieb aber im Galopp und drückte nun ordentlich aufs Gas. Die beiden rasten im Hoppelgalopp an mir vorbei (es sah so witzig aus, wenn das Zebra galoppierte) und absolvierten tatsächlich eine ganze Runde. Lily klammerte sich tapfer am Sattel fest – ich konnte mir gut vorstellen wie schwierig es war, sich so auf dem Zebrarücken zu halten. Thairu bremste schliesslich von selber wieder in den Trab, sodass Lily wieder die Kontrolle übernehmen konnte und zu mir zurück ritt. Wir lobten das Zebra ausgiebig und sattelten sie ab.

      Nachdem Thairu und Dante wieder in Ruhe auf ihrer Weide standen, kümmerte ich mich um Coffee und Lily zog davon um mit Skydive zu spielen. Ich ritt die Paint Stute in der Halle und hörte dazu Musik aus den Lautsprechern. Draussen wurde es zunehmend dunkler und stiller, aber ich war zu konzentriert um viel aus der Fensterwand zu schauen. Das Pleasure Training war für uns beide anspruchsvoll, denn es erforderte Präzision und feines Zusammenspiel. Ich schickte Coffee mal in langsamem Lope, mal in zügigem Canter vorwärts, und parierte sie aus allen möglichen Gangarten und Geschwindigkeiten in den Schritt durch. So konnte ich sie lösen, bis sie vollkommen locker aber in Versammlung über den Rücken lief. Zufrieden beendete ich das Training um halb acht Uhr und versorgte die Stute. Ich verbrachte noch etwas Zeit bei den Miniature Horses, wobei ich dank der hellen Lampe im Offenstall genug Licht hatte um die kleinen Ponys zu putzen. Sie waren zwar schon von Lewis geputzt worden, aber ich tat das auch nicht um sie sauber zu bekommen, sondern um meine Beziehung zu ihnen aufrecht zu erhalten. Das Licht und die Motten, die darum kreisten sorgten für eine romantische Stimmung, während ich im sauberen Stroh zwischen der liegenden Chocolate Chip und Dakota sass. Gedankenversunken liess ich mich nach hinten fallen und lag eine Weile einfach so da, an die Balken der Decke starrend. „Wie soll es weitergehen?“, fragte ich mich leise. „Ich wäre ja gerne glücklich für die beiden, aber ich kann es nicht. Ich bin zu egoistisch…“ Ich seufzte. „Wenn er nur nicht so verdammt gut aussehen würde! Und seine humorvolle, aufgeweckte Art… So spannend und abenteuerlich. Dann wiederum seine ruhigen Momente, in denen er jede Faser meines Körpers zu verstehen scheint, jeden unausgesprochenen Gedanken hört. Wenn er nur nicht zwischendurch so ein Idiot wäre. Aber Lisa scheint das nichts auszumachen…“ Ich kam mir vor wie eine Figur in einem ziemlich komplizierten Film, unsicher, ob ich hier im Stroh auf der Stelle alles hinter mir lassen und glücklich sterben, oder doch eher melancholisch leben würde, bis ich alt und grau war. Vielleicht gab es ja doch eine goldene Mitte? Eine gefühlte Ewigkeit genoss ich mit geschlossenen Augen das Kitzeln des Strohs und stellte mir in meinem Kopf allerlei Zukunftsszenarien vor. Irgendwann schreckte ich hoch und stand auf, weil ich sonst wohl noch eingeschlafen wäre. Ich streckte mich und löschte das Licht, als ich den Offenstall verliess um ins Haus zurückzukehren. Lily sass vor dem Fernseher; ich gesellte mich zu ihr. Sie sah sich ‚der König der Löwen‘ an. Plötzlich meinte sie zu mir: „Occu, ich finde den Namen Zazou cool.“ „Ja, der ist hübsch.“ „Nein, ich meine für Dante! Das würde doch passen, oder?“ Ich überlegte laut: „Du hast recht, das wäre in der Tat hübsch für ihn.“ So war es also beschlossen. „Was würde ich nur ohne meine kleine Nichte machen?“, flüsterte ich liebevoll, als ich ihr einen Gutenachtkuss gab.
    • Occulta
      Letzte Chance

      Ich war wie immer früh auf den Beinen, denn Zeit war kostbar auf einem grossen Gestüt wie Pineforest. Meine Rippen spürte ich zwar bei jedem Schritt, aber das hielt mich nicht davon ab, für Lily Frühstück zu machen und anschliessend in den Hauptstall zu wandern. Zira und Sheela folgten mir treu, während Jacky lieber mit Lily rumblödelte. Oliver fing mich schon beim Eingangstor ab. „You’re not gonna ride. No way.“ „But I’m fine! It only hurts a little bit, and I don’t feel much when I sit”, motzte ich. “I think we should reduce your painkillers, you don’t notice your broken ribs enough”, meinte Oliver nüchtern. Ich seufzte und gab mich geschlagen. Er hat ja Recht… aber trotzdem – ich kann doch nicht einfach rumsitzen und zusehen! Doch schon eine halbe Stunde später tat ich genau das. Genervt tappte ich mit den Fingern auf meine Knie und beobachtete die Jockeys mit Adleraugen. Ich hatte mich auf einem der Gartenstühle niedergelassen, die Oliver zuvor hatte anschleppen müssen. Er sass neben mir und lehnte sich, die Genugtuung ins Gesicht geschrieben, zurück. „These chairs are fantastic. Why didn’t we use them earlier?“, bemerkte er fröhlich. Ich grummelte etwas Unverständliches vor mich hin und konzentrierte mich auf die Vollblüter.

      Wenig später setzte ich mich in die Reiterstube und beobachtete durch die Glasscheibe die Dressurarbeit von Lisa und Fajir. Es war eine der letzten Trainingseinheiten, die er mit der Pflegerin haben würde. Ich hatte den Cremello Hengst an einen jungen Mann aus der entfernteren Nachbarschaft verkauft, weil er ihm so gut gefallen hatte. Ich hatte nie einen besonderen Draht zu Fajit gehabt, trotzdem war ich natürlich etwas traurig, dass er Pineforest verlassen würde. Doch einen Trost gab es: Der Käufer hatte vor, in Zukunft mindestens einmal pro Woche hier an den öffentlichen Reitstunden teilzunehmen, sodass wir Fajir wohl noch oft zu sehen bekommen würden. Was Verkäufe anging war Fajir nicht der einzige Fall – auch Blütenzauber war weg. Sie war gewissermassen ihrem diesjährigen Fohlen Savory Blossom nachgefolgt und lebte nun bei Hunter Crowley. Ich hatte viel mit der Stute erlebt, in der Zeit, in der sie mir gehörte. Hatte sie von der eher durchschnittlichen Jungstute bis zu ihrer Körung aufgebaut und im Gegenzug hatte sie mir ein paar wundervolle Fohlen geschenkt; einmal sogar Zwillinge. Merino und Primo Viktoria entwickelten sich prächtig, und besonders Primo erinnerte mich oft an ihre Mutter. So blieb wenigstens ein Teil von ihr auf Pineforest. Nicht verkauft, aber gewissermassen pensioniert hatte ich Alufolie. Die Miniature Horse Stute hatte in ihrem Leben genug Fohlen gehabt und durfte ein neues Leben auf einem Bauernhof beginnen, unter Betreuung eines fünfzehnjährigen Mädchens. Des Weiteren verliessen uns Argenté Noir und Daydreaming Sorrow, um Teil der bekannten Milky Way Welsh Zucht zu werden. Auch die beiden liess ich nur ungern ziehen, aber dort wartete eine spannendere Zukunft als bei mir, wo sie nur als Freizeitponys dienten. Lila Wolken zog erneut um – zurück zu Eddi. Und dann war da noch Herkir, für den ich ein verlockendes Kaufangebot bekommen hatte. Noch hatte ich nicht zugestimmt, aber ich wollte mich im Verlaufe des Tages entscheiden. Der Haken daran war, dass Jonas so sehr an dem Isländer hing. Ich beobachtete den Pfleger auf dem Rückweg aus der Halle beim Nebenstall. Er fegte gerade die Reste vom Hufeauskratzen zu einem ordentlichen Häufchen. Er wird bestimmt ziemlich traurig sein, wenn ich Herkir weggebe… Aber Herkir käme in einen professionellen Betrieb für Islandpferde, wo er optimal gefördert werden würde. Warum müssen Entscheidungen immer so schwer sein?

      „Hey David! Wie geht es Echo?“, fragte ich den Pfleger, als ich um halb Zwölf Uhr abermals beim Nebenstall vorbeischlenderte. Er putzte die verletzte Stute gerade. „I’d like you to look at this; I think her leg is warm again“, antwortete er besorgt und zugleich erleichtert, dass ich aufgetaucht war. Ich ging zu den beiden hin und tastete das verletzte Vorderbein der Stute ab. Eigentlich hätte es mittlerweile deutlich kühler sein sollen, und auch die Empfindlichkeit hätte abnehmen müssen. Doch Echo zuckte unsicher, als ich das Bein berührte und hob es immer wieder an. Besorgt meinte ich zu David: „Das gefällt mir nicht. Ich rufe Eddi nochmal an, es sollte eigentlich schon deutlich besser sein, aber seit die Schmerzmittel abgesetzt sind, ist es wieder schlimmer geworden.“ Meine Sorge bestätgte sich; Eddi war alles andere als begeistert, diese Neuigkeiten zu hören. Sie riet mir, das Bein gründlich zu kühlen und die Stute nur leicht im Schritt an der Hand zu bewegen, bis eine Verbesserung sichtbar war. Sie selbst hatte gerade zu viel zu tun um vorbeizukommen, doch sie gab mir die Nummer eines anderen Tierarztes, der gegen Abend rasch Zeit haben würde. Ich wollte absolut sichergehen, dass wir nichts falsch machten.

      Nach dem Mittagessen kümmerte ich mich um einen Neuzugang: die Connemarastute Yoomee. Ich hatte sie aus Mitleid gekauft, weil sie dringend einen neuen Platz suchte und sie offenbar niemand sonst wollte. Die Stute war mir nicht unbekannt gewesen (sonst hätte ich das Abenteuer nicht gewagt). Ich hatte sie schon ein paarmal an Wettbewerben gesehen, und sie hatte mir eigentlich immer ganz gut gefallen. Jedenfalls gehörte sie nun mir, und stand in ihrer neuen Box im Nebenstall. Sie hatte ein hübsches Kopfabzeichen, und ihre schicke Fellfarbe fand ich besonders toll. Die Stute war sogar gekört, hatte aber bisher nur einen einzigen Nachkommen. Darüber war ich eigentlich ganz froh, besonders wenn ich an Rosie mit ihrer Farasha dachte. Es würde noch Jahre dauern, bis die ehemalige Zuchtstute nach all den Fohlen ihre schöne Figur zurückhatte. Ich holte Yoomee nur raus um sie zu putzen, reiten konnte ich sie ja im Moment leider noch nicht. Als ich mit ihr fertig war, schlenderte ich durch den leeren Stutentrakt des Hauptstalls. Alle Vollblutstuten waren auf der Weide und man hörte nur die Hengste im anderen Teil des Stalls, die bereits am Vormittag nach dem Training draussen gewesen waren. Doch auf einmal durchbrach ein nahes Rascheln die Stille. Verdutzt entdeckte ich Pointless‘ Hinterteil in ihrer Box. Ich lief zu ihr und runzelte die Stirn. „Haben sie dich etwa vergessen?“ Ich sah mich um, aber es war gerade kein Pfleger in der Nähe. Seufzend, aber entschlossen packte ich Halfter und Seil, die an ihrer Boxentür hingen, und führte die Stute hinaus ins Freie. Auf dem Weg zu den grossen Weiden begegnete ich Darren und Parker, die mich besorgt fragten, ob ich klarkäme. Ich beschwichtigte die beiden, dass ich alles im Griff hätte. Doch wie immer zeigte Pointless spätestens bei den Tannen des Galoppweges ihr wahres Gesicht. Sie begann plötzlich neben mir zu tänzeln und wollte mich dauernd überholen. Ich hielt den Strick mit geballten Fäusten fest, entschlossen die Stute nicht loszulassen, obwohl meine Rippen bereits wieder zu stechen begannen. Ich drehte mit dem Seilende vor der Schnauze der Stute und drückte mit dem Ellbogen von mir weg, damit sie mich nicht einfach wegrempeln konnte. Sie wieherte in ohrenbetäubender Lautstärke nach ihren Kumpels und sog hörbar Luft durch die aufgeregt geblähten Nüstern. „What the – What is wrong with you?!“, rief ich aufgebracht, biss die Zähne zusammen und schickte Pointless ein paar Schritte rückwärts, um sie in den Griff zu bekommen. In diesem Moment flog in den Zweigen über uns irgendein Vogel auf. Pointless zuckte zusammen, und mir wurde in Bruchteilen einer Sekunde klar, was als nächstes passieren musste. Sie schoss an mir vorbei und bretterte über den kurzen Rasen der Rennbahn in Richtung Weiden. Wie einen Kartoffelsack zog sie mich ein paar Meter mit, dann musste ich loslassen, weil die Schmerzen in meinem Brustkorb einfach zu gross wurden. Ich rappelte mich auf, meinen Puls deutlicher als sonst spürend. Pointless bremste bei den Weiden nicht, sondern preschte im vollen Galopp geradewegs Richtung Dorf. „HELP!“, schrie ich zurück in Richtung Stall, ehe ich mich an der Verfolgung versuchte. Zum Glück hatten Oliver, Parker und Darren mich gehört, denn schon eilten sie herbei. „Are you okay?“, fragte Parker ausser Atem. „Yeah, but Pointless is getting away again!“, antwortete ich in die Richtung deutend. “Why the hell did you take her out?! You knew she was dangerous! And in your condition…”, schimpfte Oliver aufgebracht. “I thought… Well she was all alone” “That was because she almost knocked Ajith out when he tried to take her! We intended to leave her inside and wait until she calmed down!” “There’s no time, she’s heading towards the village”, erinnerte uns Parker. “Come back with us, we go get some horses and catch her, but you stay home and wait.” Ich wollte schon wieder protestieren, aber Oliver liess keine Diskussion zu. Die drei sattelten Dod, Calico und Burggraf aus dem Nordstall und ritten sofort mit Lassos bewaffnet los. Ich bezweifelte, dass sie damit wirklich umgehen konnten, aber im Zweifelsfall war es besser als nichts. Als sie nach einer halben Stunde noch nicht zurückwaren, hielt ich es nicht länger aus und fuhr mit dem Auto hinterher. Ich checkte die Umgebung, während ich auf den Quartierstrassen am Rand des Dorfes umherirrte. Plötzlich hörte ich eine Sirene und ein Polizeiwagen bog vor mir in die Strasse ein. Mit einer dunklen Vorahnung folgte ich ihm. Wie in Trance stieg ich aus dem Auto, als ich die Unfallstelle erreichte, auf die die Polizisten zugesteuert hatten. Da lag sie, regungslos und mit einigen hässlichen roten Flecken auf dem gepunkteten Fell. Vor ihr stand ein Auto mit Totalschaden, der Fahrer war bewusstlos. Oliver, Parker und Darren hielten schweigend ihre Pferde und beobachteten, wie der Krankenwagen eintraf. Meine Hände zitterten, als ich den Puls des gepunkteten Vollbluts zu ertasten versuchte. Doch es war zwecklos; Pointless war frontal erwischt worden und bei dem Zusammenprall sofort tot gewesen. Ich fühlte meine Rippenschmerzen längst nicht mehr – alles, was mir durch den Kopf ging, war: Am Ende ist dir dein Verhalten selbst zum Verhängnis geworden… Ich wandte mich entkräftet ab und stand zu meinen drei Pflegern rüber, denn natürlich mussten jetzt eine Menge Formalitäten mit der Polizei geklärt werden.

      Erst gegen Abend war ich zurück auf dem Hof, gerade rechtzeitig um die nächste schlechte Nachricht in empfang zu nehmen: Echos ‚Rückfall‘ kam nicht von direkt ihrer Beinfraktur, sondern aus der Schulter. Der Tierarzt erklärte, dass sie sich offenbar bei dem Sturz eine weitere, bisher unentdeckte Verletzung an der Schulter zugezogen hatte. Als die Schmerzmittel dann abgesetzt worden waren, hatte sie diese wohl gespürt und eine für das Bein unvorteilhafte Entlastungshaltung eingenommen, was wiederum die beobachteten Auswirkungen auf dieses gehabt hatte. Durch die Sache mit der Schulter bekam Echos Zukunft eine neue Wendung: nur noch bedingt reitbar. Niedergeschlagen zog ich mich ins Haus zurück, nachdem der Tierarzt gegangen war. Ich dachte lange nach und kam zu dem Entschluss, Echo zu Gianna auf die Gnadenweide zu geben. Eine bessere Möglichkeit sah ich nicht, denn dort würde sie den anstrengungsfreien Auslauf bekommen, den sie jetzt brauchte. Ich rief dem Bauern an, dem die Weide gehörte und besprach alles mit ihm. Bis es ihr etwas besser ging würde Echo noch hier bleiben, und danach zu meiner pensionierten Criollo-Stute ziehen. Ich legte mich aufs Sofa und starrte an die Decke. Lily war mit den Hunden drausse, sodass im Haus Totenstille herrschte. In Momenten wie diesen kommt es mir vor, als wäre ich eine Marionette, die nach den willkürlichen Fäden eines Autors tanzt, der gerade an seinem ersten Roman sitzt und verzweifelt versucht, Spannung hineinzubringen, um die Leute zu unterhalten. Aber vielleicht ist das auch einfach nur das Los des vielfachen Pferdebesitzers, das ich hier zu spüren bekomme. Ich meine, es kann ja nicht immer nur gut gehen, oder? Aber heute hat sich das Schicksal mal wieder gegen mich verschworen. Ich überlegte, den restlichen Abend im Haus zu verbringen, entschied mich dann aber doch dagegen. Ich kann mich ja mit den Pflegern besaufen oder so. Lewis ist eine humorvolle Ablenkung, wenn er zu tief ins Glas geschaut hat – na gut, das ist er eigentlich auch sonst. Gerade, als ich das Haus verlassen wollte, klingelte das Telefon. Die Nummer kam mir bekannt vor. Ach ja! Herkir… Ich drückte den Knopf und überlegte, was ich sagen sollte. Bilder von früher schossen mir durch den Kopf. Ich sah Herkir als zotteligen Dreijährigen vor mir, wie er eher scheu und wild war. Dann beim Einreiten, bereits viel offener für die Welt der Zweibeiner. Auch an den Knicklichter-Event erinnerte ich mich, wo wir eine Menge Spass mit ihm und Loki gehabt hatten. Und dann die ganzen Turniere, die er in letzter Zeit gewonnen hatte! Ich fragte mich, ob er in einem professionellen Betreib nicht sogar noch mehr Erfolge holen würde. Doch dann dachte ich daran, wie sehr Loki und er zusammenklebten und fragte mich, ob er auf einem anderen Hof glücklich wäre. Und mir kam Jonas in den Sinn, der mir den Verkauf des Hengstes nie verzeien würde. Ich traf meine Entscheidung.

      Lustlos schlenderte ich zum Hauptstall, doch viel gab es nicht mehr zu tun; die Pfleger räumten bereits auf und wischten ein letztes Mal die Stallgasse. Jemand tippte mir auf die Schulter, und als ich mich umdrehte, umarmte mich Jonas. „Nicht weinen Occu, das Leben geht weiter…“ „Ich weine nicht! Du brichst mir nur gerade die frisch verwachsenen Rippen erneut durch!“, stiess ich mit zusammengebissenen Zähnen hervor. Er liess mich erschrocken los und entschuldigte sich. Ich war dankbar für seine Nähe, die mir mehr Trost gab als jedes seiner Worte. „Ich wünschte, ich könnte etwas für dich tun. Das Punktevieh war gemeingefährlich, aber ich weiss, wie sehr sie dir dennoch am Herzen lag.“ „Du brauchst nichts weiter zu tun als mich normal zu behandeln. Ich bin nicht der Typ Mensch, der nach Mitleid bettelt.“ „Normal, huh? Okay.“ Ich sah ihn stirnrunzelnd über die letzte Bemerkung an, zuckte mit den Schultern und wandte mich zum gehen um. Da hielt er mich am Arm zurück. „Warte. Bist du dir sicher, dass ich dich einfach nur ‚normal‘ behandeln soll?“ Er wirkte plötzlich viel ernster als sonst, und ich zögerte verwirrt. „…Weil das möchte ich nämlich nicht. Ich will dich nicht länger ‚normal‘ behandeln.“ „Was meinst du?“ „Ich meine, dass ich dich zu sehr mag, um dich normal zu behandeln.“ „Ist das wieder eines deiner Spiele?“, fragte ich ungerührt. „Nein. Diesmal nicht.“ Erst jetzt begann mein Herz zu pochen, doch auf eine andere Art, als zuvor auf der Unfallstelle. Es pochte lebendiger. Ich war sprachlos, weil mir einfach nichts einfiel, was ich dazu hätte sagen können. So lange hatte ich gewartet, auf diesen einen Moment – und jetzt, wo er endlich da war, brachte ich keinen Muks heraus. „Das mag jetzt vielleicht doof klingen, aber seit Jack gestorben ist, habe ich immer gehofft, dir das eines Tages sagen zu können.“ Nun kam meine Skepsis ins Spiel. „Ach ja? Und dazwischen hattest du mal rasch Stimmungsschwankungen mit Lisa.“ „Das… Ja, das war ein Fehler. Du bist mein Boss, und ich hatte das Gefühl, dass du dich nie auf mich einlassen würdest. Als Lisa zu mir kam und mich fragte, sah ich es als Möglichkeit mich abzulenken, weiter habe ich nicht überlegt.“ Aus irgendeinem Grund fühlte sich das nicht richtig an. Hier stand ich, mit meinem heimlichen Schwarm, der mir soeben seine Gefühle gestanden hatte, und doch hatte ich Zweifel. War es nicht schrecklich unfair von ihm, Lisa Hoffnungen zu machen, wenn er tatsächlich jemand anderen im Sinn hatte? Könnte er dieselbe Nummer nicht auch genau so gut auch mit mir durchziehen? Oder kann ich ihm wirklich glauben schenken? Eine weitere entscheidende Frage schoss mir durch den Kopf, ehe ich sie aussprach: „Was hat dich dazu bewogen zu glauben, dass mich jetzt für dich entscheiden würde, wenn du vorher daran gezweifelt hast?“ Schliesslich habe ich mein Verhalten nicht geändert, im Gegenteil – ich habe mich seit der Geschichte mit Lisa eher von ihm Distanziert. „Ajith hat mir Mut zugesprochen. Er meinte, dass du vielleicht ganz ähnlich fühlen könntest wie ich und selbst wenn nicht, sei es einen Versuch wert.“ Überrascht starrte ich ihn an, dann schlich sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Ajith… Und ich habe immer noch nicht mit Quinn geredet… Ich bin solch eine schlechte Person. “Gib mir etwas Zeit um nachzudenken, okay? Ich muss erstmal mit dem Sturm in meinem Kopf zurechtkommen, bevor ich eine Kurzschlussreaktion habe, die ich später bereuen könnte.“ Er öffnete den Mund und wollte etwas erwidern, doch dann nickte er nur und lächelte mich an. Ich liebte den Ausdruck seiner Augen, die trotz meiner etwas unromantischen Antwort hoffnungsvoll schienen. „Es wird dich vielleicht freuen zu hören, dass ich Herkir nicht verkaufe. Ich hänge zu sehr an ihm, und ich weiss ja, dass es dir gleich geht.“ „Danke Occu. Das war die richtige Entscheidung, glaub mir. Herkir wird dich nicht enttäuschen.“ Wir wandten uns zum Gehen um. Beim Pflegerheim stand eine Gruppe schnatternder Pfleger; mittendrin Rita, die ziemlich aufgeregt wirkte. „Was ist denn hier los?“, wollte ich neugierig wissen. „Rita hat soeben herausgefunden, dass Calico in Wirklichkeit gar nicht Calico heisst!“, rief Lisa aus. „Waaaas?“ „His real name is ‚Chalicó Azul Espada‘, look!“ Rita zeigte mir ein Foto auf einer Argentinischen Website auf ihrem Handy. Tatsächlich – dort war der hübsche graue Hengst als Zweijähriger abgebildet, unverkennbar durch seine auffälligen Abzeichen. „Wie ist das möglich?“ „Father never told me where he got him from, I didn’t really care either. All that was important to me back then was to get a horse, no matter what origin. I’m surprised tough, that he imported him all the way from Argentinia for me…” Ich war ziemlich durcheinander und sah mir die Website nochmal gründlich an. Es schien sich um eine der bekannteren Zuchten zu handeln, jedenfalls hatten sie ganz schön viele Zuchthengste und die Preise waren happig. Ich dachte mit einem schadenfreudigen Schaudern daran, dass ich den Hengst ziemlich viel billiger bekommen hatte. „Und jetzt? Benennen wir ihn um?“, fragte Jonas scherzend. „Nö, für uns wird er immer Calico bleiben. Aber wir könnten seinen richtigen Namen für Turniere und so verwenden.“ Der Vorschlag kam gut an. Ich beschloss, demnächst mehr über Calicos Herkunft in Erfahrung zu bringen; mir kribbelte es förmlich in den Fingern, wenn ich daran dachte. „Gute Nacht Occu“, murmelte Jonas liebevoll, als ich bekanntgab, dass ich mich jetzt ins Haus zurückziehen würde. Dies war wirklich ein Tag der Extreme gewesen.
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  • Album:
    Pensionspferde (Gnadenweide)
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    Occulta
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    27 März 2016
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  • 'Fajir = Dämmerung'

    Offizieller HG

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    Vom: Pawaneeh

    Aus der: Delta Queen

    Vom: Solo xx
    Aus der: Desecration Smile xx


    Vom: Cataract


    Vom: Shirocco xx
    Aus der: Nushin


    Aus der: Khiara El Assuad

    Aus der: Kashida El Assuad
    Vom: El Jamarico



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    Rufname: Fajir
    Geburtstag: 05.04.

    Alter: 6 Jahre
    Stockmaß: 1.62 m
    Rasse: Englisches Vollblut
    Geschlecht: Wallach
    Fellfarbe: Cremello/Perlino
    (ee,Aa,Crcr,Prlprl)

    Abzeichen: -
    Gesundheit:
    sehr gut


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    Frech, eigenwillig, manchmal etwas vorsichtig, verschmust


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    Fajir ist ein hübscher, sehr hell gefärbter Hengst. Da er von seiner Mutter ein Cream in Kombination mit einem Pearl Gen geerbt hat, wurde das letztere, eigentlich rezessive Gen aktiviert und somit sein Phänotyp ähnlich dem eines homozygoten Cremello. Auf der Bahn gläntzte der Hengst trotz seiner tollen Abstammung nur kurz, danach wurde er eher in Dressur und Springen gefördert. Darin hat er sich zu einem kleinen Talent entwickelt.

    Fajir gehört jetzt einem jungen Herren namens Alan Farley. Er wohnt etwas entfernt von Pineforest Stable und kommt oft in die öffentlichen Reitstunden.


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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Occulta
    VKR: Occulta
    Verkäuflich: Nein



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    Gekört: Ja
    Nachkommen: -



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    Galopprennen Klasse: A
    Western Klasse: A
    Spring Klasse: M
    Military Klasse: A
    Dressur Klasse: L
    Distanz Klasse: L

    Eignung: (Galopp), Dressur, Springen, Military
    Eingeritten: Ja



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    [HK 482]
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    2. Platz 300. Springturnier
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    3. Platz 207. Distanzturnier
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    3. Platz 297. Galopprennen
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    1. Platz 316. Dressurturnier
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    1. Platz 86. Syncronspringen
    1. Platz 90. Synchronspringen
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    1. Platz 214. Distanzturnier
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    Fajir's Spind