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Occulta

• ♦ Empire State of Mind, EVB ♂

Hengst | Schimmel

• ♦ Empire State of Mind, EVB ♂
Occulta, 22 Okt. 2013
Rinnaja und Cooper gefällt das.
    • Occulta
      Alte Berichte:
      Higgischatz
      Empire State of Mind an der HK 324 für Englische Vollblüter 11 Feb. 2010

      Vorsichtig strich ich Empire nochmals über seinen weichen Hals."Gleich geht es los" flüsterte ich dem Hengst zu und wir wurden endlich aufgerufen.
      "Und nun kommt das nächste Paar.CrazyCleo und Empire State of Mind"
      Ich lächelte und gab einen leichten Schenkeldruck.Empire trabte brav an und er zeigte seinen schönsten Arbeittrab.Wir trabten in die Halle und wurden dort vom Applaus des Publikums begrüßt.Leicht schmunzelte ich und wir trabten zu X.Bei X verlargerte ich mein gewicht etwas nach hinten und gab eine lockere Parade.Empire verstand und blieb brav stehen.Nach einigen Sekunden grüßte ich die Richter.Nachdem die Richter uns kurz zugenickt hatten gab ich wieder einen leichten Schenkeldruck und Empire setze sich wieder im Arbeitstrab in Bewegung.Empire trate brav und mit einer schönen Haltung weiter und ich lenkte ihn wieder auf den Hufschlag.Bei C ritten wir dann rechte Hand.Ich nahm die Zügel etwas auf.Jetzt mussten wir durch die ganze Bahn wechseln.Bei M lenkte ich den Hengst auf die Diagonalen und wir trabten zu K.Bei K wieder angekommen ritten wir auf die linke Hand des ersten Hufschlags.Ich strich Empire kurz über seinen Hals und bei A lenkte ich meinen Hengst auf den Zirkel.Nachdem wir eine Runde getrabt waren nahm ich die Zügel etwas auf und gab die Galopphilfe.Mein Empire verstand sofort und sprang geschmeidig in den Galopp.Ich lächelte und zwischen A und K zeigten wir einen wunderbaren Arbeitsgalopp.Nachdem wir eine Runde locker in einem leichten Galopp geritten waren stellte ich meinen Hengst bei X um.Nachdem mein hengst umgestellt war zeigte er brav einen einfachen Galoppwechsel und das publikum begann leise zu applaudieren.Ich lächelte und sah kurz zu den Richtern.Die Richter nickten und lächelten leicht.Stolz strich ich Empire über seinen Hals und wir begannen mit der nächsten Aufgabe.Nachdem wir eine Runde auf dem anderen Zirkel galoppiert waren verlargerte ich mein Gewicht etwas nach hinten und parrierte den Hengst wieder durch zum Trab.Bei C begannen wir mit der Schlangenlinie.4 Bögen musste es sein.Zuerst ritten wir eine Pferdelänge an H vorbei und ich lenkte meinen Hengst Empire in 4 Bögen durch die Bahn.Auf der Mittellinie stellte ich meinen hengst imemr um und lobte ihna ls wir den Hufschlag wieder erreicht hatten.Bei A parrierte ich ihn wieder durch zum Halt und nach einigen Sekunden tarbte ich ihn wieder an.In einem schönen Arbeitstrab wechselten wir von M durch die halbe Bahn und dabei verstärkte ich die Schritte des Hengstes.Im Arbeitstempo trabten wir zu F und ich parrierte ihn dann durch zum Schritt.Im Arbeitsschritt zeigten wir dann Schenkelweichen zu E.Dann trabte ich ihn wieder an und wir ritten auf den Zirkel.Dann wechselten wir bei X aus dem Zirkel und gingen danach wieder ganze Bahn.Zufrieden trabten wir auf die Mittellinie bei A und dort parrierte ich ihn bei X durch zum Schritt.Ich verabschiedete mich freundlich von den Richtern.Dann ritten wir in einem lockeren Arbeitstempo Schritt am langen Zügel die Halle.

      Edfriend
      01.07.2013 - Die Basse-Normandie

      Ich schluckte meine plötzlich aufkommende Traurigkeit und Angst herunter, als ich mit dem Jeep auf das Gestüt Hayes End fuhr. Ab heute würde dieses schöne Gelände nicht mehr mein eigen sein. Alles war schon längst ausgeräumt, das einzige was noch da war, waren die Pferde. Um es kurz zu machen: wir zogen um, nämlich nach Frankreich, in die Basse-Normandie. Dort würde meine Pferde und mich ein neues Leben auf einem neuen Gut mit einem neuen Team erwarten. Schon heute würde ein Großteil dieser neuen 'Familie' mit anwesend sein und mir helfen. Unserer Weg würde uns in das kleine Städtchen Arromanches-les-Bains führen, welches an der nördlich-französischen Küste lag. Die Fahrt würde lang werden und wir hatten bereits eine Übernachtung eingeplant und auch die Stops waren fest auf der Karte verankert. Meine kompletten Sachen und auch die des Stalles hatten schon längst ihren Weg nach Frankreich gefunden und warteten dort nun auf die Besitzer. Wir würden ein altes Gut beziehen, welches bereits 1643 erbaut worden war und dessen Geschichte sich sehr auf die Falkenjagd und die Zucht für dort gebrauchte Pferde bezog. Nun würden wir uns dort niederlassen, um uns ein neues Leben aufzubauen. Ich musste aus dem jetzigen Alltag heraus und wollte mich ab sofort vollkommen auf die Pferde konzentrieren. Es gab insgesamt acht Fahrer, welche sich heute auf den Weg machten. Für meine Vollblüter hatte ich Theodor Adorno, unser künftiger Rennpferdetrainer, gebeten, diese mit zu umsorgen, während Susan, eine unserer Jockeys, fuhr. Mit diesen begannen wir auch nun mit dem verladen. Ich hatte Quall angerufen und die Tierärztin gebeten, allen eine Beruhigungsspritze zu geben und auch von Jackie hatte ich mir beruhigende Kräuter geben lassen, welche wir unter das Futter in den Pausen mischen würden. Die Hänger waren riesige Luxuswagen, in welche jeweils sechs Pferde an der Zahl ihren Platz fanden. Ideal für die Vollblüter. Zu erst führten wir die beiden Fohlen Cassiopeia und Deadly Ambition hinein. Beide waren seelenruhig und begannen direkt an ihrem Heu zu knuspern. Dann kamen Golden Ebano, Empire State of the Mind und Muskat mit hinein. Außer Muskat muckte keiner von den Hengsten herum. Jedoch wollten wir unsere Stute Khiara El Assuad in einem speziellen Hänger fahren, da sie bereits trächtig war. So hatten wir einen kleineren Hänger mit nur drei Boxen geliehen, in welchen nun unsere drei trächtigen Stuten Khiara El Assuad, Napayné und Nesquik einstiegen. Alle drei hatten eine Beruhigungsspritze hinter sich und wurden von Tom, einem unserer Pfleger, gefahren. Mit hinzu setzte ich Carter, unseren Stallmeister, welche sich mit jeglichen Problemen, welche auftreten könnten, auskannte. Dieses Gespann fuhr bereits los. In den Vollbluthänger stellten wir noch den jungen Altyn mit hinein und schon konnte auch dieser sich auf den Weg machen. Als nächstes würden die restlichen Fohlen ihren Weg in einen Hänger finden. Dieser würde in der Obhut unserer Pflegerin Talulah sein. Gemeinsam bereiteten wir die sechs Jungpferde auf die Reise vor. Dann musste Fairy Bluebird als Erste hinein, kurz darauf folgten Joyce und Tiny Girl ohne Probleme. Die kleine Mississle begann jedoch, uns zu terrorisieren und bockte auf der Rampe herum, so dass wir vor sie noch Limited und Quintesse hineinführten, bis auch sie mit hineinging. Nun konnte der dritte Hänger das Gestüt verlassen und sich auf die Reise machen. Die nächsten Kandidaten waren unsere Zwerge, die kleinen Welsh Ponys. Zuerst verluden wir Weihnachtswichtel und Little Big Girl. Als Puffer zwischen Stuten und Hengsten schoben wir die kleine Little Chocolate Chip ein, ehe dann Heartbreaker, Admiral und Juego folgten. Alle gingen ohne Probleme auf den Hänger, so das dieser wenigstens direkt lostuckern konnte. Nun kamen mehr oder weniger unsere Sorgenkinder, die Sportpferde. Pajero machte direkt zu Anfang Probleme und weigerte sich in den riesigen Hänger zu gehen. Erst mit Hilfe seines Kumpels Alazar bewegte er sich in das dunkle Loch. Zu unserem Erstaunen ging Candle in the Wind ohne zu Zögern in den Hänger, dabei hatte er so schlechte Erfahrungen gemacht gehabt. Auch Ejadon und Dr. Insektor folgten mir brav in den Hänger. So konnte auch dieses Paket losfahren. Für die beiden Tekken-Stuten Sonja und Mokka hatten wir einen normalen Hänger geholt, so dass die beiden Geschwister zusammen fahren konnten. Als die größten Probleme vom Hof waren, kamen wir zu den zweitgrößten, die blütigen Ponys. Zarin und Romance bekamen direkt einen Hänger für sich, dieses Tamtam würde ich mir nicht antun, die beiden würden nur Stunk verbreiten wollen. In den großen Hänger kamen stattdessen BonnyBoy, Vertigo, Allelujah und Lucane. Wenigstens war es hier so aufgeteilt, dass sich immer zwei recht nahe standen, so dass auch hier Frieden herrschte. Die Stuten Smooth'n Angel und Morning Sun kamen in ihren eigenen Hänger zusammen mit Kürbis und Freeway, welche ich kürzlich zu mir zurückgeholt hatte. Nun waren auch diese Tiere weg. Der auffahrende Hänger war für Aristo, Thorondor, Varulv und Guaranà bestimmt und ich liebte diese vier Hengste so sehr dafür, dass sie das Vertrauen in mich zeigten und mir ohne zu Mucken einfach folgten. Die letzten auf der Liste waren noch unsere Westernpferde. Für dessen Transport hatte sich unsere Westerntrainerin Elizabeth bereit erklärt. Zuerst verluden wir Apache's Tomahawk und Rubina Ravenclaw, kurz darauf folgten Joyna und Campéon und als letzter stieg Hidalgo in den Hänger. Nun waren alle Pferde verstaut und wir fuhren alle los. Wir waren schon zwei Stunden unterwegs, als wir den ersten Stop einlegten und alle Pferde kontrollierten. In jedem Hänger herrschte Ruhe, so dass wir die nächsten vier Stunden durchfuhren, ehe wir wieder eine Pause einlegten. Am Abend waren wir kurz hinter der französischen Grenze und schlugen auf einem kleineren Gestüt unser Lager auf. Für die Pferde hatte man provisorische Paddocks gebaut, auf welche wir sie nun einteilten und dann selbst total k.o. ins Bett huschten.
      Am nächsten Morgen waren wir alle früh um sechs bereit zur Abfahrt. Noch diesen Tag und Abends würden wir dann auf dem Gestüt La Fauconnerie stehen. Die Fahrt zog sich elend lang und ich dachte schon, wir würden niemals ankommen, doch als es bereits dämmerte, näherten wir und Bayeux, der nächstgrößeren Stadt und eine Dreiviertelstunde später waren wir in Arromanches-les-Bains angekommen. Einige meiner Mitarbeiter hatte ich bereits in Frankreich gelassen, damit diese alles für die Ankunft hatten vorbereiten können. Zudem lebten schon einige Pferde auf dem Gestüt. Nun luden wir nacheinander aus und brachten die Tiere in ihre Ställe. Diese waren zwischen Stuten und Hengsten aufgeteilt, wobei unsere englischen Vollblüter einen speziellen Stall bezogen, welcher direkt neben der Ovalbahn lag. Dieser Stall war Adornos voller Stolz, außerdem hatte er bestanden, Quartier auf dem Dachboden des Stalles zu beziehen, um immer bei den Pferden zu sein. Wir arbeiteten noch spät bis in die Nacht. Dann schickte ich mein Team schon in unser großes gemeinsames Haus, während ich noch einmal einen Rundgang machte. Ich begann im Rennstall, wo Theodor schon auf mich wartete. „Khiara hat die Fahrt gut überstanden, es gibt keine Probleme.“ ich musterte lächelnd die Rennikone, wie sie friedlich mit ihrem runden Bauch im Stroh lag und an ihrem Heu knabberte. „Ebano und Muskat haben sich tierisch aufgeregt, aber inzwischen haben sie sich mit ihrer Lage abgefunden. Empire war von Anfang an lieb und auch Cassy und Deadly haben keine Probleme gemacht.“ Ich nickte Theodor zu und sagte ihm, dass es gleich Essen geben würde, ehe ich hinüber in den Stutenstall lief. Die bereits in Frankreich angekommenen Stuten waren die Criollostute Curly Sue, welche ich von Sweetvelvetrose übernommen und direkt mitgenommen hatte, dann aber auch Nightfly, eine Reitponystute, welche ich aus schlechten Verhältnissen übernommen hatte, drittere war Oricono Flow, eine wunderbare Hannoveranerstute und die vierte im Bund war mein ganzer Stolz: die Brumby-Stute Lonely. Ich hatte mich riesig gefreut, als ich sie endlich hatte holen können. Diese vier standen schon seit einer Woche in Frankreich und genossen die ausführliche Pflege meines Teams. Neu war aber auch das Fohlen Feuervogel, welchen ich einfach nur wunderbar fand. Auch die dazugekommen Stuten schienen sich wohl zu fühlen. Bei Nessi und Nay schien alles okay zu sein, so dass ich in den Hengststall rüber huschte. Dort schaute ich auch nach den Neuankömmlingen. Diggin in the Dirth und Absinth waren zwei vielversprechende Reitponyhengste und besonders froh war ich über den Welshhengst Auftakt, welchen ich nun in meinen Reihen begrüßen durfte. Aber auch Serafino, ein Trakehner, war neu und mein ganzer Stolz. Ebenso wie Call me a Twist, den ich ebenso wie Sue von Sweetvelvetrose übernommen hatte. Allen schien es gut zu gehen, sodass ich beruhigt ins Haus ging und mitaß.

      Edfriend
      24.07.2013 - Morgendliches Training
      - Aus der Sicht von Theodor -

      Punkt 5.30 Uhr klingelte mein Wecker und ich schwang mich mühsam aus dem Bett, um mich fertig zu machen und kurz zu frühstücken. Ich war Eddi sehr dankbar, dass ich direkt über den Pferden wohnen konnte, denn so bekamen die Vollblüter pünktlich 6 Uhr ihr Stehfutter. Auch die beiden Fohlen bekam jeweils einen Arm voll Heu, um sich an den Ablauf zu gewöhnen. Halb sieben kamen Marie, Susan und Roy in den Stall. Wir besprachen kurz den heutigen Trainingsablauf und ich teilte die Pferde zu. Noch immer war ich nicht sicher, welchem Reiter ich welches Pferd zu teilen sollte. Beide Seiten kannten sich noch nicht und so wollte ich erst einmal testen, wer mit wem am besten klar kam. Dennoch hatte ich bereits erkannt, wie gut die junge Marie mit unseren Leistungsstute Khiara klar kam, so dass ich die beiden auch heute wieder zusammen zum Training ließ. Roy gab ich heute den jungen Golden Ebano und Susan setzte ich auf Empire State Of Mind. „Genau um möchte ich euch alle auf der Bahn sehen!“ rief ich streng und schnappte mir mein Klemmbrett, um bereits hinaus zu gehen. Zwar schien schon die Sonne und die Vögel zwitscherten, dennoch war es immer noch herrlich kühl. „Wir beginnen mit einer Viertelstunde Schritt, damit die Muskeln erst einmal wach werden.“ ordnete ich an, nachdem alle Reiter sich eingefunden hatten. Unser junger Dunkelfuchs wirkte heute ein wenig angespannt, weshalb ich Roy sagte, er solle ihn mehr beschäftigen. Empire und Khiara hingegen hatten sich schon wunderbar eingelebt. Nach der Erwärmung gingen wir in die Trabphase und dann zum Galopp über. „Roy, Susan! Wir mimen mal ein Rennen zwischen den beiden Hengsten. Marie, komm her!“ Nachdem die 18-Jährige mit ihrem Pferd neben mir stand und die beiden Hengste nebeneinander am Start, gab ich das Zeichen und drückte auf die Uhr. Empire sah man seine Routine bereits an, während sich Ebano noch sehr auf das Wissen seines Reiters stützte. „Na, was meinst du, Marie? Wer gewinnt?“ grinste ich sie an und sie musterte die beiden Hengste. Deutlich sah man die Muskeln spielen, während sie bereits in die erste Kurve preschten. „Ebano ist heute unruhig, jedoch könnte ihm das auch einen Vorteil bringen.“ murmelte sie und schaute dem Rennen weiter gespannt zu. Ebano liebte es, Kurven zu rennen und genau das war heute sein Vorteil, denn das Ziel lag kurz hinter einer Kurve. Auch machte Roy alles richtig und so sehr Susan und Empire versuchten, sich nicht abschütteln zu lassen, Ebano gab heute einfach Gas, ohne großartig nachzudenken. Mit einer erstaunlichen Zeit lief er in das Ziel ein, aber auch Empire seine konnte sich sehen lassen. „Gut so! Wenn das Training weiterhin so läuft, sind wir für diese Saison super gewappnet!“ lobte ich meine Reiter, obwohl ich das eher selten tat. Zu oft Loben führte eher zur nachteiligen Wirkung. „Die Hengste könnte ihr abreiten und Khiara kann noch ein wenig Galopparbeit vertragen.“ Mit diesen Worten verabschiedete ich mich in den Stall und halfterte Cassiopeia und Deadly Ambition auf, um die Jungspunde auf ihre Weide zu bringen. Danach machte ich das 2. Frühstück von den Großen fertig, welches sie in den Boxen erwartete. Während die Tiere fraßen, mistete ich die Boxen der Fohlen aus, die Reiter kümmerten sich darum, dass ihre Pferde auf die Weide kamen und die Boxen ausgemistet wurden. „Um das Mittagsfutter kümmere ich mich. Aber vergesst euer Abendprogramm heute nicht. 19 Uhr sollen die drei in der Führanlage stehen, aber nur 20 Minuten. Danach wäre es noch schön, wenn ihr einen Schrittausritt an den Strand macht, damit die Pferde sich nochmal die Beine abkühlen können. Die abendliche Stallarbeit und die Jungpferde übernehme ich.“ Damit entließ ich meine Reiter in ihre Freizeit und machte mich daran, mir das Training für die Stutfohlen auszudenken. Cassy würde ich heute noch longieren, während mit Deadly wahrscheinlich ein Spaziergang angenehmer sein würde, dann würde sie vielleicht auch endlich mal wieder entspannter werden. Doch nun gönnte auch ich mir erst einmal mein zweites Frühstück.

      Edfriend
      25.09.2013 - Resultate

      „Leute? Ich brauche mal langsam die Berichte der Vollblüter für die Akten, wir haben schon den 25., werdet mal langsam fertig!“ grinste ich und klatschte in die Hände. Ich gab ihnen noch die Frist, dass bis heute Abend die Blätter auf meinen Schreibtisch zu liegen hätten, ehe ich mich verabschiedete. Heute stand mal wieder ein Großeinkauf an, denn alle hatten mir Listen geschrieben, was dringend wieder gebraucht wurde. Ich hatte großes Glück, dass es direkt in der Nähe einen netten Reiterladen gab, der zwar nicht alles auf Lager hatte, dessen Besitzer ich aber einfach die Listen in die Hand drücken konnte und nach einer Woche war alles da. Nachdem ich das erledigt hatte, kaufte ich noch flott ein, da unser Kühlschrank mittlerweile mal wieder aussah wie ein schwarzes Loch. Da ich dann sowieso gerade in der Stadt war, traf ich mich mit einer guten Freundin auf einen Cappuccino. So war ich erst gegen Abend wieder zu Hause auf dem Gestüt, lud den Einkauf aus und machte mich dann auf den Weg ins Büro, das würde heute eine lange Nacht werden! Dort lagen in vorbildlichster Art und Weise auch insgesamt sieben Berichte. Ich setzte mich hin und begann zu lesen.
      Erster Bericht handelte von unserem jungen Fuchs Ebano. Leider konnte er mit seinen momentanen Resultaten keine Erfolge erzielen. Seufzend las ich den Bericht. Seine Zeit hatte sich um ganze drei Sekunden verschlechtert und da er seit Montag ein warmes Bein hatte, war er nun diese Woche auch noch auf Schonfrist. Marie konnte momentan kaum etwas mit ihm machen, außer Spazieren gehen, denn sogar die Führmaschine bürgte ein zu großes Risiko. Doch Marie war für Ebano verantwortlich und so bekam er natürlich auch die Zeit, welche ihm zustand, Problem war nur, dass Marie deshalb kaum noch Zeit für ihre anderen Schützlinge hatte. Ich heftete den Bericht in die Mappe des Vollbluts ein. Morgen würde ich einen unserer Pfleger anheuern, sich um den großen Blüter zu kümmern, damit Marie wieder ihrer Arbeit nachgehen konnte, denn sie sollte nicht für die Rennen ausfallen, nur weil sie keine Zeit zum Trainieren hatte. Generell wusste ich nicht so recht, was ich mit Ebano machen sollte, wir kamen mit ihm auf keinen grünen Ast.
      Nächster Bericht war von Empire State of Mind. Wie nicht anders erwartet verzeichnete der Hengst gute Erfolge. Er konnte sich also immer noch sehen lassen. Seine Zeiten waren äußerst konstant und die nächsten Rennen standen schon fest. Susan ritt den Schimmel auch mit einer besonderen Vorliebe, denn die beiden waren wirklich ein super Team.Ich war schon gespannt, wie der schlanke Kerl die Wintersaison überstehen würde, denn das war ja doch noch einmal etwas anderes. Susan beschrieb mir noch genau, welchen Plan sie momentan verfolgte und ich gab dem nur meine stumme Zustimmung, ehe ich den Bericht weglegte und mir den nächsten schnappte.
      Es ging um unsere Talentstute Khiara El Assuad, die Gute war ein wahres Träumchen! Ihren Zeiten verbesserten sich immer noch und Roy schien äußerst glücklich darüber zu sein, sie reiten zu dürfen. Nun ging es für die Stute aber langsam in den Urlaub, denn die Gute war trächtig, diese Winter würden also die Rennen wegfallen. Ich musterte zufrieden ihre Zeiten und Leistungen und konnte mich glücklich schätzen, so ein traumhaftes Pferd im Stall stehen zu haben.
      Die nächsten Berichte hatte ich schnell durch, denn es waren die der Jungstuten Deadly Ambition und Cassiopeia. Beide machten sich gut, lernten schnell und arbeiteten super mit, mehr brauchte man nicht sagen, denn ich wusste selber, dass die beiden sich prächtig entwickelten. Das Gleiche ließ sich für unsere beiden noch Frischlinge Ace of Spades und Lord of the Rings sagen, welche aber ihrer Rasse schon alle Ehre machten. Ich heftete die Berichte zufrieden ab und verstaute die Mappen wieder in der für sie zugeteilten Schublade, ehe ich mich an die Abrechnungen setzte.

    • Occulta
      Ankunft von Empire

      Heute machte ich einen ganz besonderen Besuch: Ich war auf dem Weg zu Edfriend, die mir ihren Zuchthengst Empire State of Mind angeboten hatte. Ich hatte schon am Telefon meine Begeisterung klar gemacht und bog auch jetzt nicht weniger aufgeregt in die Einfahrt des Hofes. Der Hengst hatte eine lange Reise vor sich: Er musste von Frankreich mit dem Schiff nach England gebracht werden und hatte dann noch eine Autofahrt nach Birmingham zu bestehen. Aber ich war zuversichtlich als ich den prachtvollen Hengst sah. Edfriend hatte ihn gerade aus seiner Box nach draussen geführt und mir präsentiert. Der Schimmel war mit seinen ungefähr acht Jahren schon fast ganz weiss und machte einen sehr munteren, neugierigen Eindruck. Was mir sofort auffiel war sein tadelloser Gehorsam. Er folgte Eddie wie ein Lämmchen und machte keine Anstalten auch nur einen falschen Schritt zu tun. Wir verhandelten kurz über den Preis - immerhin stolze 15'000 Euro. Ein Handschlag und schon hatte ich ihn gekauft. Die Einzelheiten klärten wir selbstverständlich drinnen bei einer Tasse Tee. Beim wieder rauskommen hatte ich seien Papiere in der Hand und ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Empire wurde in den Anhänger geführt und Eddie wünschte mir eine gute Reise. Ich dankte ihr nochmals und verabschiedete mich, dann machte ich mich auf den langen Heimweg. Die Fahrt zum Hafen in Saint Malo überstanden wir schonmal gut. Dort würde Empire von einem Tierarzt vor Ort untersucht und für die Überfahrt frei gegeben, was mich natürlich nicht verwunderte, denn er war schon mehrfach durchgecheckt worden. Ich fuhr mit dem Anhänger langsam auf eine der Brittany Ferries und stieg, an Bord angekommen, aus. Ich sah kurz durch die kleine Vordertür nach Empire, aber er war gerade am Heu knabbern. Ein wenig aufgeregt wirkte er dennoch. Ich beschloss noch eine Weile bei ihm zu bleiben, um sicherzugehen, dass er sich beim losfahren nicht zu sehr aufregte. Aber er blieb relativ ruhig, glotzte zwar kurz durch die Tür nach draussen, frass dann aber weiter. Ich ging nach oben um mir einen Tee und ein Brötchen zu bestellen, dann genoss ich die Aussicht auf das Meer. Auch bei der Ankunft im Hafen von Portsmouth verlief Problemlos und wir waren rasch auf dem Weg nach Birmingham. Schliesslich kamen wir erst an, als es schon dunkel wurde. Mein Mann und ein paar neugierige Pfleger erwarteten uns bereits ungeduldig. Ich umarmte kurz meinen Mann und lud dann Empire unter den kritischen Blicken der Zuschauenden aus. Alle waren begeistert von dem Hengst und Lily, die ihn künftig wohl trainieren würde, freute sich schon besonders auf die ersten Trainingsrennen. Wir brachten den von der Fahrt ganz steifen Empire aber erstmal in die warme Box, in der schon sein Abendessen wartete.
    • Occulta
      Ankunft von Rosenprinz und Coulee

      Ich war gerade am misten, da vernahm ich ein entferntes Motorengeräusch. Ich sah mit gerunzelter Stirn auf meine Armbanduhr und murmelte nachdenklich: „Hmm, sie sind früh…“ Dann stellte ich die Heugabel an die Wand und lief nach draussen auf den Parkplatz. Es hatte vergangene Nacht das erste Mal geschneit und der Boden war von einer feinen, weissen Schicht überzogen in der man die Reifenspuren deutlich sah. Ein Kumpel von Jack stieg aus und wir schüttelten uns zur Begrüssung die Hand. „Verlief die Reise gut?“, fragte ich besorgt. „Ja, das Flugzeug kam früher als erwartet, deshalb sind wir schon hier, aber die beiden waren absolut brav.“ Antwortete er. Ich nickte erleichtert und lief nach hinten um die Klappe des Anhängers zu öffnen. Hans war ein guter Freund von uns, der nahe am Flughafen wohnte und mit seiner Familie eine kleine Farm etwas ausserhalb der Stadt betrieb. Mit Pferden hatte er nicht viel zu tun, aber er holte oft für uns die Pferde am Flughafen ab und brachte sie uns dann auf den Hof, denn wenn Flüge zu spät oder zu früh kamen, konnte er schneller dort sein und die Pferde gleich in Empfang nehmen. Als Gegenleistung liehen wir ihm ab und zu den grossen Transporter, damit er seine Rinder herumfahren konnte. Ich warf einen Blick in den offenen Anhänger und entschied, die beiden Pferde gleich in den Stall zu bringen. Es handelte sich um zwei alt bekannte: Quick und Coulee, die ich als zweijährige eingeritten und dann an Ofagwa verkauft hatte. Nun hatte sie anscheinend keine Verwendung mehr für die beiden. Ich führte Coulee die Rampe runter, Hans übernahm Quick. Als ich die beiden am Licht sah fiel mir auf, dass besonders Coulee ein wenig Stresskuhlen gebildet hatte und sich nicht mehr am Kopf anfassen liess. Ich führte sie in ihre alte neue Box, auch Quick wurde hereingebracht. Dann zog ich ihr die Transportgamaschen aus und wechselte die Decke. Sie war noch etwas nervös von der Reise, beruhigte sich aber rasch. Quick war cool wie immer und machte sich gleich über das frische Heu her.
      Gegen Nachmittag putze ich Empire gründlich durch, denn der weisse Hengst hatte sein Schlammbad sichtlich genossen. Als er endlich wieder einigermassen weiss war, sattelte ich ihn und führte ihn in die Halle, Oliver begleitete mich mit Fly. Wir ritten ein wenig Dressur mit den beiden, jedoch nicht zu lange, denn die beiden hatten am Morgen schon Bewegung gehabt. Zum Abschluss ritten wir nebeneinander auf der Galoppbahn. Empire war ein wundervoller Hengst, total feinfühlig und brav. Ich hatte mich schon längst in dieses Pferd verliebt.
    • Occulta
      Osterschnitzeljagd

      Donut röchelte mir schon entgegen, als ich den Hauptstall betrat. Ich musste mich jedoch erst noch durch die Stallgasse kämpfen, in der gerade Hochbetrieb herrschte. Die Pfleger waren am füttern und man hörte ungeduldiges Hufscharren und Gewieher. Ich schlängelte mich an den Schubkarren vorbei und wich Empires weicher Schnauze aus, der gerade geputzt wurde und mich im vorbeigehen an stupsen wollte. Endlich war ich bei Donuts Box angelangt und stellte die Putzkiste ab. „Na mein kleiner schicker?“ begrüsste ich ihn, wie ich es immer tat. Trotz dem ich so viele Pferde zu betreuen hatte nahm ich es mir nicht, bei jedem Einzelnen gewisse Rituale einzubauen und ihnen allen so Sicherheit zu vermitteln. Ausserdem ritt ich alle Pferde mindestens zweimal pro Woche selber, den Rest übernahmen jeweils die Pfleger, die schliesslich auch gefördert werden mussten. Ausserdem hatten die Pferde alle einmal in der Woche frei, nämlich immer sonntags. Dann durften sie in Gruppen auf die grossen Weiden und das Pferdeleben geniessen. Ich schnappte mir einen Striegel und warf einen Blick auf die Uhr. „Schon halb eins, Jonas du bist spät dran.“, murmelte ich erbarmungslos, denn der Pfleger war gerade in Baccardis Box geschlichen. „T’schuldigung, ich musste noch Telefonieren….“, antwortete er hastig und kam nochmal raus, um sich ebenfalls einen Striegel zu angeln. Als er aufsah trafen sich unsere Blicke. „Etwas Wichtiges?“ „Jain, meine Tante ist letzte Woche verstorben, die Vorbereitungen für die Beerdigung sind schon in vollem Gange.“ „Das hast du mir ja gar nicht erzählt, tut mir schrecklich leid…“ „Ach ich mochte sie nie besonders, wir redeten seit Jahren nicht mehr zusammen.“ Er erklärte mir während dem Putzen, dass seine Tante mit seiner neuen Berufswahl als Pferdepfleger nicht einverstanden gewesen sei. Sie sei immer schon der Meinung gewesen, dass Pferde gefährlich seien und stinken würden. Ich hörte gespannt zu und entwirrte Donuts Mähne. Jonas unterbrach seine Rede, weil er konzentriert versuchte, Baccardis Mähne zu einem französischen Zopf zu flechten. Ich musste lachen bei dem Anblick und wechselte die Box um ihm zu helfen. Ich übernahm die Haarsträhnen und schob ihn sanft zur Seite. Doch er hielt leicht gegen und legte plötzlich seine Arme um mich. Ich sah ihn verwundert an und stupste ihm in den Bauch, da liess er auch schon wieder los und stupste zurück. Ich beschloss, nicht weiter darauf einzugehen, da es vermutlich wieder nur eine Spielerei seinerseits gewesen war. Ich flocht sie Mähne ruckzuck zu einem ordentlichen Zopf, da ich darin viel Übung hatte. Er sah mir dabei ganz genau auf die Finger, beeindruckt von meiner Geschicktheit. „Naja, manche Dinge werd ich wohl nie beherrschen.“, grinste er als ich fertig war. „Sag niemals nie.“, meinte ich und lächelte verschwörerisch. Wir sattelten endlich und führten die Pferde in den Innenhof. Dort stiegen wir auf und ritten anschliessend zum Dressurviereck, wo wir die beiden erstmal gründlich aufwärmten. Nach einer Weile trabte ich an und begann, Volten und Schlangenlinien zu reiten. Donut löste sich schon nach wenigen Runden und lief locker durch’s Genick. Wenn er versuchte, mit dem Kopf auf und ab zu wackeln, gab ich ihm eine leichte Parade am inneren Zügel. Wir hatten das Headshaking dank der vielen Longenstunden gut in den Griff bekommen, aber ab und zu zeigte er noch Rückfälle. Baccardi schien heute etwas aufgezogen zu sein, er trabte recht zügig und glotze ab und zu wieder das Gebüsch an, als ob dort etwas Gefährliches drin schlummern würde. Als ich an derselben Stelle vorbei kam, fuhr Donut plötzlich zusammen und bockte daraufhin los. Ich war völlig unvorbereitet und plumpste schon nach wenigen Sekunden in den weichen Sand. Donut rannte mir gehobenem Schweif und gespitzten Ohren in Richtung Ausgang, doch Jonas konnte ihm gerade noch den Weg versperren. Da Donut angehalten hatte, konnte er ihn nun leicht am Zügel fassen und mit zu mir führen. „Alles okay?“, fragte er besorgt und stieg ab. Ich stand noch etwas benebelt auf und richtete meinen Helm gerade. „Ja, nix passiert. Irgendwas muss da im Gebüsch sein!“, meinte ich, und lief auf die Stelle zu. Mit triumphierendem Blick richtete ich mich kurz darauf wieder auf und drehte mich zu ihm um. In der Hand hatte ich einen kleinen Korb mit bunten Ostereiern. „Da war jemand fleissig. Ich wette, das war Lisa. Die hat immer solchen Unsinn im Kopf.“ Wir lachten herzhaft und versteckten den Korb wieder, ehe wir weiter ritten. Nach knapp einer Stunde intensiver Arbeit mit den beiden Ponyhengsten stiegen wir zufrieden ab und brachten die beiden in ihre Boxen zurück. Nach dem Absatteln und Bürsten spielte ich noch etwas mit Donut: Ich zeigte ihm ein Handzeichen und sagte ruhig und deutlich: „Lachen“. Daraufhin streckte er seine Oberlippe nach oben und flehmte. Ich lobte ihn und gab ihm Karottenstückchen. Als ich keine mehr hatte kam er mit seinem Maul und fummelte mir an der Stirn herum. Ich stiess ihn lachend zur Seite als es mir zu bunt wurde, um zu Baci zu wechseln und ihn noch etwas zu streicheln. Die Blesse die sich über sein Gesicht zog war elegant den Augen angepasst und liess ihn frech und neugierig wirken. Die kräftigen Hengstpony-Backen und die kurzen Ohren unterstützten dieses Bild. Alles in allem war der Hengst wie Donut einfach ein Traum von einem Pony. Ich wuschelte ihm noch etwas mit der Hand durch die Mähne, und weil Jonas mit seinen dunklen, kurzen Locken gerade daneben stand, ihm ebenfalls.
      Am späteren Nachmittag trommelten uns Lisa und Rosie zusammen. Gespannt hörte ich zu, was die beiden wieder ausgeheckt hatten: Eine Ostereier-Schnitzeljagd. Sie hatte mich zuvor gefragt, ob die Pfleger heute mit den Pferden ins Gelände dürften. Ich schlug vor, dass sie gleich die Vollblüter nehmen sollten, die noch nicht bewegt waren. So suchte sich jeder ein Pferd aus und machte es hübsch für die Jagd nach den Eiern. Lewis nahm Sunday, Quinn nahm Paint, Ich nahm Gray, Jack nahm Fly, Rosie nahm Stromer, Jonas nahm Light, Lisa nahm Empire, Oliver nahm Indiana, Lily nahm Chiccory, Ajith nahm Felicita und Elliot nahm Campina. Die anderen, Smarty, Sumerian, Winter, Spot, Kierka, Crack, Blüte und Cantastor waren schon am Morgen auf der Bahn trainiert oder longiert worden. Gray war artig beim Aufsteigen und blieb schön stehen, während Campina neben uns die ganze Zeit wegen der vielen Pferde zappelte. Immerhin waren wir 11 Reiter! Lisa gab uns den Tipp, wo der erste Posten versteckt war und hielt sich dann zusammen mit Rosie im Hintergrund, denn die beiden kannten die Verstecke ja. Jonas und ich erkannten den ersten Posten auch gleich wieder, denn der Tipp lautete: ‚Der Start beginnt, wo der Schüler im Sommer stunden nimmt.‘ Die anderen berieten sich kurz, ehe die Gruppe auf den Platz ritt und das erste Nest suchte. Es dauerte auch nicht lange, bis Lewis es entdeckt hatte. Darin war ein Zettel, der mir vorher gar nicht aufgefallen war: ‚Wo der Fisch schwimmt, dort die Suche erst recht beginnt.‘ Die Zettel waren auf Deutsch, was mir erst jetzt in den Sinn kam. Ich fragte Rosie deswegen und sie meinte, dass es so spannender für die englisch sprechenden sei, da sie erst noch übersetzten mussten. Wir ritten also zum Fluss, der vermutlich gemeint war. In einer Hecke am Ufer war der zweite Korb aufgehängt, diesmal bekam ihn Jack. Auf dem Zettel stand: ‚Zögert nicht und reitet zum dritten, dort wo sich einst Räuber stritten.‘ Ich wusste sofort, was damit gemeint war. Es gab eine alte Bauern Legende, dass im nahen Pinienwald auf der grossen Lichtung einmal eine Banditenfestung gewesen sei. Sie soll ganz aus Holz gewesen sein. Einmal seien die Räuber jedoch erfolglos von einem Beutezug heimgekehrt und hätten sich aus ärger gegenseitig so lange beschimpft, bis einer die Festung in Brand gesetzt hatte. In ihrer Wut hätten sie nicht bemerkt, wie die Rauchfahne ihren Standort verriet und die wütenden Dorfbewohner anlockte. Die Festung sei komplett ausgebrannt und durch die Flammen sei der Wald um sie herum auch noch fast kreisrund gerodet worden, dies war die heutige Lichtung der Legende nach. Wir ritten also auf meinen Aufruf hin zur Waldlichtung. Tatsächlich fanden wir dort hinter einem Steinhaufen versteckt das dritte Körbchen. Rein aus Neugier sah ich mich ausserdem diesmal genauer auf der Lichtung um. Ich ritt in die Mitte, konnte jedoch auf dem Boden nichts Ungewöhnliches entdecken. Enttäuscht trieb ich Gray wieder zur Gruppe zurück. Was hatte ich überhaupt erwartet? Es war ja nur eine Legende und selbst wenn nicht, musste diese Geschichte schon laaange zurück liegen und es würde keine Spuren mehr geben. Ich schob diese Gedanken beiseite und genoss den Ritt. In meiner Abwesenheit hatte ich den neuen Rätselspruch gar nicht mitbekommen. Ich machte mir jedoch auch keine Mühe, ihn noch herauszufinden. Wir ritten zur Galoppwiese, auf der mitten im Feld ein weiterer Korb versteckt war. Wir mussten uns alle aufteilen, um ihn zu finden. Und so jagten auf der ganzen Wiese Pferde im Galopp durchs saftige Gras, auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Als wir sie nach einer Viertelstunde immer noch nicht gefunden hatten, wurde Lisa um Hilfe gefragt. Zu allem Überfluss wusste sie jedoch nicht mal mehr, wo genau sie den Korb hingelegt hatte. Gerade als wir aufgeben wollten hüpfte Elliot triumphierend vom Pferd. Auf dem Zettel stand: ‚Den zweitletzten Schatz hältst du beinahe schon in der Hand. Um ihn zu finden halte dich am Waldesrand.‘ Wir wunderten uns ein wenig über die Einfachheit dieses Hinweises, doch sagten nichts und ritten weiter. Die suche war schliesslich doch nicht so leicht wie gedacht, denn der Korb hängte am Ende an einem Ast über unseren Köpfen. Quinn musste auf Paints Rücken stehen um ihn zu erreichen. Die Stute hielt zum Glück schön still, weil Ajith sie hielt. ‚Das Ende ist nah und doch noch fern, du findest es im Kern.‘ Im Kern? – Ich hatte keine Ahnung, was damit gemeint war. „Ist das Nest etwa in einem Apfel?“, scherzte Jonas und die Gruppe brach die Stille mit herzhaftem Gelächter. Lisa schüttelte weise lächelnd den Kopf. „Eigentlich ist es ganz leicht.“, stellte sie fest. Auch Rosie nickte eifrig. Wir beschlossen, erstmal zurück zum Hof zu reiten, denn wir vermuteten, dass das Körbchen dort irgendwo versteckt sein musste. Ich schnalzte und trieb Gray in den Galopp, denn wir waren auf einem der sandigen Galoppwege im Wald angelangt und die Reiter vor uns waren ebenfalls angaloppiert. Ich hielt die Zügel gespannt und schnappte mir ein Büschel Mähne, um Gray besser zu stützen. Wir sprangen den Weg entlang, das dumpfe Geräusch aufschlagender Hufe im Sand klang rhythmisch und vor mir wehten die Schweife. Am Ende der Strecke musste ich Gray in ihrem Eifer stark bremsen, denn wir wären fast in Light reingerasselt. Dieser war zum Glück gerade abgelenkt mit einer Wurzel, über die er halb drüber stolperte. Wenige Augenblicke später hatten wir die kurze Schrittpassage überquert (dort durfte man nur im Schritt durch, da ab und an ein Fussgänger durchlief) und die Vordersten sausten bereits wieder los. Ich trieb Gray auch wieder an. Der Wind zerzauste mir die Haare und Gray nahm gewaltige Sprünge, um einen kleinen Rückstand zu den Vorderen Pferden aufzuholen. Wir galoppierten die ganze Strecke bis zum Waldrand. Erst als wir wieder auf freiem Feld waren, parierten wir die Pferde in den Trab durch und ritten so den restlichen Weg zum Stall zurück. Es war herrlich; Die späte Nachmittagssonne und die angenehm aufgewärmte Luft unterstützten die ausgelassene Stimmung perfekt. Wir plauderten und lachten auf dem ganzen Weg und Lewis erzählte immer wieder Witze. Wir durchquerten die Galoppbahn mit ihren grossen Tannen, wobei wir uns leicht unter einem tief hängenden Ast ducken mussten. Als wir an den Weiden vorbei kamen, kamen die beiden Mini Hengstchen aufgeregt angetrabt und begleiteten uns. Die Stuten schienen sich nicht für uns zu interessieren. Nun ging die Sucherei los: Wir teilten uns auf und durchkämmten das Hofgelände nach dem fehlenden Korb. Ich wollte gerade zu Jack reiten, als Jonas an meine Seite kam. Daher bildeten wir beide gleich ein Team. Er schlug vor, dass wir zuerst auf dem Geländeparcours suchen sollten, schliesslich war dieser der ‚Kern‘ der Galoppbahn. Ich fand dies eine gute Idee und wendete Gray in die richtige Richtung. Ich nutzte die Gelegenheit, um Light etwas zu beobachten. Der sensible Hengst mochte keine harte Hand, doch bei Jonas schien er locker und zufrieden. Er war zwar feurig, wie immer, doch Gray hielt gut mit (sie war ebenfalls recht fleissig) und er trat schön ans Gebiss. Ich blieb stumm und wnedete meinen Blick wieder von dem schwarzen Hengst ab, um nach dem Vogel zu suchen, der sein Lied über unseren Köpfen trällerte. Wir überquerten die Galoppbahn und gelangten schliesslich zur Geländestrecke. Zuerst ritt ich zu der vordersten Baum-Insel und suchte das Bodengestrüpp ab. An den Stellen, an denen der Boden kahl war, wuchs nur spärlich Gras und die Erde war hart getreten von den vielen Hufen, die hier durchgekommen waren. Dennoch sahen die mit Schatten und einzelnen Lichtstrahlen überzogenen Flächen harmonisch und geheimnisvoll aus. Da ich nichts entdecken konnte, trieb ich Gray weiter zur nächsten kleinen Baumgruppe. Ich suchte auch in den Ästen über mir, doch selbst dort befand sich kein Korb. Als nächstes sah ich beim kleinen Grabenhindernis, beim Gebüsch-Sprung, beim Baumstamm und beim Hügelchen. Doch nirgends war etwas zu finden. Auch Jonas schien erfolglos geblieben, deshalb ritten wir zurück zu den anderen. Die hatten sich gerade um Elliot versammelt, der soeben den letzten Korb im Innenhof des Hauptstalls gefunden hatte. „Na klar, der Kern ist der Hauptstall mit unseren Engländern!“, Lachte ich und gratulierte ihm. Dann bedankte ich mich formell bei Lisa und Rosie für die hervorragende Durchführung dieser Eier-Jagd und lud alle Teilnehmer zu einem heissen Tee im Garten des Haupthauses ein. Zuerst wurden jedoch natürlich noch die Pferde versorgt. Sie genossen den Sonnenuntergang in Gruppen auf der Weide.
    • Occulta
      Life goes on Fortsetzung des Nebenstallberichts 'Having troubles or what'

      Mir wurde ganz schwindlig, als sie Jack auf die Trage legten und wegbrachten. Auf einmal kam der ganze Schock, die Verzweiflung, Angst und Trauer über mich wie eine gewaltige Flutwelle, die mich beinahe zu Boden riss. Jonas, der ebenfalls in den Krankenwagen getragen wurde, beobachtete mich mit sorgenvollen Augen. Ich stützte mich gegen Rosie, die mir eine Umarmung anbot und schluchzte ungehalten in ihre Schulter. Alles um mich herum kam mir so unwirklich vor und ich hörte die Stimmen wie durch eine unsichtbare Wand. Alles, was ich von diesem Abend noch mitbekam war, dass Lisa, Rosie und Quinn mich ins Haus brachten und mit einen Tee kochten. Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte mich wie ein Stein. Mir steckte die Trauer augenblicklich wie ein Kloss im Hals, als ich mich an den vergangenen Tag erinnerte. Am Morgen war ich noch so sorglos gewesen und dann war alles zerbrochen. Ich versuchte mich abzulenken und sah auf die Uhr. Es war erst fünf und draussen ging gerade die Sonne auf. Seufzend richtete ich mich auf und zog meine Reitsachen an. Die Pferde würden mich jetzt am besten trösten können, besonders meine und Jacks geliebte Vollblüter. Als ich durch die Küche lief sprang Jacky von ihrer Decke auf und folgte mir, jedoch schien sie auf seltsame Weise nicht so energievoll wie sonst. Ich machte mich ohne etwas zu frühstücken auf zum Hauptstall und holte die Putzsachen von Winter aus der Sattelkammer. Als ich die Box des schneeweissen Hengstes betrat, streckte er mir mitfühlend seine rosarote Schnauze entgegen, als wüsste er genau, was in mir vorging. Ich krallte mich in dem weichen Fell fest und legte die Wange an seinen Hals. Seinen warmen Puls zu fühlen, jedes Zucken der Muskeln, tat mir gut. Schliesslich angelte ich mir den Striegel und putzte meinen Liebling. Als ich fertig war, sattelte ich ihn mit seinem kleinen Rennsattel und hängte das Vorgeschirr ein. Ich führte ihn wie in Trance nach draussen und stieg auf. Ich ritt zunächst eine Runde Schritt auf der Galoppbahn und trabte anschliessend eine weitere Runde auf die andere Seite. Dann ritt ich zur Rennbahn und liess ihn laufen. Beim 500m-Pfosten sah ich auf die Armbanduhr und stoppte in der nächsten Runde an derselben Stelle. Mein grosser hatte eine gute Geschwindigkeit drauf und war ordentlich fit, deshalb beschloss ich, gleich noch eine Runde zu trainieren, aber diesmal mit Startbox. Prüfend sah ich mich nach den Pflegern um, schliesslich brauchte ich jemanden der die Boxen öffnete. Gerade als ich zurückreiten wollte um jemanden zu rufen, entdeckte ich Quinn, Lily und Oliver mit Spot, Iskierka und Light, die auf uns zu ritten. Winter spitzte die Ohren und hob den Kopf, um seine Stallgenossen zu begrüssen. Ich freute mich wahnsinnig, meine alten Freunde so anzutreffen, hielt dieses Glücksgefühl aber noch versteckt. Ich ritt ihn in eine der mittleren Boxen und wartete konzentriert auf den Start. Die anderen reihten sich ebenfalls ein und Ajith kam herbeigeeilt um die Boxen zu öffnen. Dann donnerten die Vollblüter auch schon los. Ich hielt mich bei Winters Absprung etwas an seiner Mähne, um von der Wucht nicht gleich aus dem Sattel zu gleiten. Es war ein wundervolles Gefühl, die schnaufenden Pferdeköpfe links und rechts von mir zu sehen und unter mir den gewaltigen Körper des Hengstes zu fühlen. Das rhythmische Aufschlagen der Hufe liess mich all den Schmerz vergessen und holte mich zurück in die Welt, in die ich gehörte; das hier und jetzt. Light gewann zwar das Trainingsrennen knapp vor Winter und mir, doch das war mir schnuppe. Ich hatte einen Entschluss gefasst während dem Galoppieren: Das Leben musste weitergehen. Ich tätschelte Winters Hals und plauderte begeistert mit den anderen über das Training. Anschliessend arbeiteten die restlichen Jockeys noch etwas weiter mit ihren Pferden, während ich Winter austraben liess. Er schnaubte schön ab und streckte den Hals tief zu Boden. Schliesslich brachte ich ihn zurück in die Box und versorgte ihn gründlich, ehe ich mich Stromer widmete. Mit dem cremefarbenen Hengst hatte damals alles angefangen – er war mein allererstes Vollblut gewesen. Nun war er schon ganze sechs Jahre alt und hatte sich prächtig entwickelt. Aus dem einst so zerbrechlichen dreijährigen mit der schlechten Vergangenheit war ein top bemuskelter, aufmerksamer und freundlicher Hengst mit wundervollen Gängen geworden. Jetzt im Sommer schimmerte seine rosafarbene Haut stark durch das Fell, was ihm deutlich mehr Farbe verlieh als im Winter, wenn er mit dem dichteren Fell fast weiss wurde. Ich putzte auch ihn sorgfältig und ritt anschliessend wie schon mit Winter in voller Rennmontur zur Bahn, wo ich ihn zunächst aufwärmte. Er hatte viel mehr Erfahrung als Winter und konnte seine Kräfte gut einteilen. Ausserdem hörte er sehr fein auf meine Hilfen und wurde nicht so heftig wie die jüngeren Genossen. Wenig später hatten auch die drei Jockeys ihre Pferde ausgetauscht; sie ritten nun Pina, Sunday und Felicita. Wiederum lieferten wir uns ein Spassrennen und arbeiteten dann noch etwas für uns auf der Bahn, was aber mit den tollen Pferden genauso viel Spass machte. Ich bewegte an diesem Morgen noch Gray, Crack und Indiana, während Quinn Chiccory und Fly, Oliver Paint und Empire und Lily Blüte und Cantastor übernahmen. Besonders bei Crack musste ich wieder mit den Tränen kämpfen, denn ich hatte sie damals von Jack zum Geburtstag geschenkt bekommen und mich so sehr über sie gefreut. Die Erinnerungen kamen wieder in mir hoch und ich musste daran denken, wie ich ihn so voller liebe umarmt hatte. Und doch war ich zuletzt wütend auf ihn und habe ihn mit eben diesem Gefühl angesehen… Dieser Gedanke schmerzte am meisten von allen. Als ich Diana versorgt hatte bemerkte ich ein grummeln und stellte fest, dass ich durch das ganze Arbeiten doch noch Hunger bekommen hatte. Aber alleine zu kochen würde bestimmt schrecklich werden. Ich schlenderte lustlos in Richtung Haus und bemerkte nicht, wie Lisa sich von hinten anschlich. Sie tippte mir auf die Schulter und rief laut „Buh!“, während Quinn und Ajith, die sich an die kühle Wand des Hauptstalls gelehnt hatten die Augen rollten. Ich vergab Lisa diese Taktlosigkeit angesichts meiner Trauer und sah sie bloss fragend an. „Ich… äehm… Ich meine Quinn, Ajith, Lily und ich wollten dich fragen, ob du vielleicht mit uns in die Stadt kommen willst. Wir dachten, wir gehen Jonas im Krankenhaus besuchen und essen unterwegs zu Mittag…“ Mein Herz machte einen Hüpfer. Jonas! Er lebt ja noch… Beschämt, dass ich meinen treuen Freund in der Not ganz vergessen hatte, willigte ich rasch ein und folgte den Pflegern auf den Parkplatz. Wir fuhren mit Lilys kleinem Toyota, in den wir uns allerdings ziemlich reinquetschen mussten. Wir bestellten wie geplant auf dem Weg zum Hospital ein Falafel für mich und sonstigen Schnellimbiss-Kram für die anderen. Als ich den langen Gang zu Jonas‘ Zimmer entlanglief, wurde mir etwas schwindelig. Wie hatte ich nur nicht an ihn denken können? Immerhin war er genauso wie Jack in Lebensgefahr gewesen und hätte genauso gut auch tot sein können! Langsam öffnete ich die Tür und trat ein. Es war vollkommen Still in dem hellen Raum. Die anderen Patienten schienen zu schlafen und auch Jonas hatte die Augen geschlossen. Die Pfleger folgten mir leise und schlossen die Tür hinter sich. Vorsichtig kniete ich mich neben sein Bett und betrachtete die üblen Verbrennungen, die sich über seine Oberarme zogen. Wie durch ein Wunder war das Gesicht beinahe unversehrt geblieben. Er muss es rechtzeitig mit den armen geschützt haben, überlegte ich und begann, seine Nase zu kitzeln. Seine Augenlieder zuckten, dann musste er niesen und wachte auf. „Occu… und ihr! Ich bin so froh, dass ihr gekommen seid.“ Ich lächelte verlegen, immerhin wäre ich ohne die anderen nicht hier. Zögernd fragte ich: „Wie fühlst du dich?“ „Den Umständen entsprechend, aber eigentlich nicht allzu schlecht. Bloss mein Rücken tut ziemlich weh. Aber die Ärzte meinten, es sei nichts ernstes, bloss eine Prellung. Wie geht es Jack?“ Ich zuckte zusammen und sah betreten zu Boden. Er weiss es also noch nicht… Quinn fasste Mut und antwortete leise auf die Frage. „Er hat nicht überlebt…“ Ich beobachtete, wie sich seine Pupillen weiteten und er den Mund öffnete, um etwas zu sagen, ihn dann aber ohne einen Mucks wieder schloss und ins Leere starrte. „Tot? D das ist schrecklich. Es tut mir so leid Occulta…“ Ich nickte nur und biss mir auf die Oberlippe, um die Fassung nicht wieder zu verlieren. Ich war froh, als er das Thema wechselte. „Wie geht es den Pferden? Haben sie sich sehr erschreckt als das Flugzeug abstürzte?“ „Nein, ich denke nicht. Heute Morgen liefen die Vollblüter im Training jedenfalls top“, antwortete ich. Er nickte mit einem Lächeln und ich fragte ihn, was denn so amüsant sei. „Ich finde es faszinierend, wie glücklich du wieder wirkst, sobald wir über Pferde reden.“ Nun lächelte ich ebenfalls und stupste ihn zur Strafe in die Seite, worauf er sofort aufschrie. „Au au, pass doch auf!“ „tut mir leid, ich hab gar nicht…“, stammelte ich erschrocken, doch schon grinste er mich wieder breit an und ich erriet, dass er nur mit mir gespielt hatte. Böse sein konnte ich ihm allerdings nicht. Wir plauderten noch etwas, dann machten die Pfleger und ich uns auf den Rückweg zum Stall. Er sah uns gequält hinterher, als wir einer nach dem anderen zur Tür hinausgingen, besonders mir, so kam es mir jedenfalls vor.
      Zuhause half ich Quinn, die mit dem Einreiten von Sumerian und Frame weitermachte. Die beiden waren noch ganz am Anfang ihrer Ausbildung, machten sich aber alles andere als schlecht. Fröhlich beobachtete ich die Fortschritte von Frame, der Monate zuvor noch so erbärmlich ausgesehen hatte, mit all seinen Wunden und Schrammen. Nun ging er nicht mehr lahm und nur eine Narbe zierte den Hals dort, wo der Pfosten einst ein so grosses Loch hinterlassen hatte. Meine Tierärztin hatte hervorragende Arbeit geleistet. Gegen Abend kam dann noch eine Überraschung auf dem Hof an. Ein Transporter fuhr auf den Parkplatz, beladen mit zwei neuen Vollblütern. Als ich mich fragend an den Fahrer wandte erfuhr ich, dass die beiden von Eddy stammten und Jack sie wenige Wochen zuvor abgekauft hatte, da Eddy ihren Bestand etwas reduzieren wollte. Auch ein Fohlen würde in den nächsten Tagen noch ankommen. Ich ignorierte das Stechen, das sich bei Jacks Namen wieder bemerkbar machen wollte und bewunderte den Hengst, Muskat. Er war bereits gekört und würde sicherlich ein wunderbarer Zuchthengst werden. Die Stute, Cassiopeia, hatte ich auch schon ein paarmal an Rennen gesehen, sie war Jack damals besonders aufgefallen. Ich führte beide in den Hauptstall und half anschliessend den Pflegern beim Füttern. Um halb zehn lief ich endlich müde zum Haus, zögerte aber davor und wandte mich stattdessen im halbdunkeln dem Hof zu. Es kehrte Ruhe ein auf Pineforest Stable, nach all der Aufregung schienen sogar die Pferde erledigt. Die Gebäude lagen still im Zirpen der Insekten da und erste Sterne tauchten am Himmel auf. Ich erinnerte mich daran, wie ich einmal mit Jonas im Gras hinter dem Dressurviereck gelegen und an den dunklen Tannen vorbei die Sternbilder betrachtet hatte. Augenblicklich breitete sich eine Art entspannende Wärme in mir aus und zum ersten Mal am heutigen Tage war ich wirklich glücklich. Glücklich hier zu sein, glücklich, dass Jonas lebte und glücklich, dass noch so viel vor mir lag. Ich murmelte sanft, an die Sterne gewandt: „Auf wiedersehen Jack.“ Dann drehte ich mich um und verschwand im Haus.
    • Occulta
      Nachts fürchten die Mäuse den Jäger...

      Ich wachte nach einer unruhigen, mehr oder minder schlaflosen Nacht früh auf und begab mich zum Kühlschrank. Während ich nach einem geeigneten Joghurt kramte, plante ich den Morgen. Es würde alles etwas durcheinandergeraten nach meinem 'announcement', da war ich mir sicher. Doch verängstigte Mitarbeiter zu beruhigen war immer noch angenehmer, als Leichen zu entsorgen. Wenn es denn so weit käme... Vielleicht halste ich mir auch nur zu viele Sorgen auf. Als ich fertig gelöffelt hatte, schmiss ich das leere Gefäss in den Müll und öffnete mit wetterfesten Kleidern die Tür. Es Regnete und war neblig - was konnte es an so einem Morgen sonst sein. Ich seufzte kaum hörbar, aber reichlich genervt und machte mich auf zum Hauptstall. Es war noch finster und die Pferde dösten vor sich hin, als ich vorsichtig das Tor aufschob und eintrat. Winter, in einer der beiden vordersten Boxen, lag mit eingeklappten Beinen im Stroh und sah auf, sobald ich mich näherte. Er blieb jedoch liegen, als ich die Box öffnete und auf ihn zuschritt. Er röchelte sogar leise, und ich kniete neben ihn, um ihn zu kraulen. Es war unheimlich beruhigend, seine dunklen, verschlafenen Augen zu begutachten und seine Lippen entzückt zittern zu sehen. Nach einer Weile öffnete sich das Tor erneut; Quinn und Ajith tauchen in der Öffnung auf. Einen Moment sahen sie sich verwirrt um, dann hörten sie meine Stimme und kamen zur Box. "I woke up earlier. You weren't expecting murderer inside here, were you?" Ajith zeigte sich bestürzt. "What?? No, why?" "Because there's a murderer spraying around in our forests." "No way! And what are we going to do?" Ich schwieg einen Moment. "We inform the others as soon as possible, but then we go on as normally and hope thqt the policemen do their work." Die beiden nickten und ich stand auf, um den besorgten Gesichtern ebenbürtig zu sein. Ich klopfte Winter zum Abschied auf den Hals und verliess seine Box. Wir holten die Schubkarre und füllten sie mit Heu, während nach und nach auch die anderen Pfleger auftauchten. Bald war der Stall erfüllt von munterem Geplapper und dem Scharren und Schnauben der Pferde. Dann hielt ich meine kleine Rede. Und schon war die fröhliche Stimmung ersetzt durch sorgenvolles Schweigen. Keine lustig pfeifenden, witzelnden Pfleger mehr, nur stille Arbeiter. Ich beschloss neutral zu bleiben und lief zu Paints Box - es war Zeit fürs morgendliche Training. Oliver hatte die Pferde ihren Reitern schon am Vorabend zugeteilt, es änderte sich aber kaum etwas im Vergleich zum Wochenplan. Die schwarze Stute begrüsste mich mit ihrer weichen, rosa Schnauze. Ich streichelte das samtige Fell an ihrem Hals und kraulte sie liebevoll hinter dem Ohr, bevor ich ihr das Halfter überzog. Anschliessend band ich sie in der Stallgasse an. Ich öffnete die Schnallen ihrer Fleece Decke und zog sie nach hinten, liess sie jedoch halb auf der Kruppe liegen, denn die Stute war geschoren und um halb sechs war es bekanntlich noch ziemlich frisch, draussen und in der Stallgasse. Ich bürstete das kurze, stoppelige Fell gründlich und entwirrte ihren Schweif. Dann sah ich mir die Hufe an, prüfte ob die Eisen noch hielten und entfernte den Schmutz der Nacht. Weiter vorne in der Gasse richtete Oliver Blüte her, Iskierka wurde gegenüber von mir von Ajith betreut. Auch Gray, Cold, Mikke, Sumerian, Campina, Felicita, Indiana und Cassy wurden geputzt, heute Morgen trainierten wir nämlich alle Stuten zuerst. Diana sah mit ihrem neuen Zaumzeug extrem schick aus. Die Stute nahm zwar aufgrund ihres Alters nicht mehr an grossen Rennen Teil, diente den jüngeren Vollblütern aber als Vorbild und wurde in erster Linie mittrainiert, um sie für's Military fit zu halten. Als alle fertig waren und ihre Pferde nach draussen zum Aufsteigen führten, löste auch ich den Strick von Paint und ging mit der Stute ins Freie. Vor uns hob und senkte sich das muskulöse Hinterteil von Cassy. Ich beobachtete entzückt, wie ihr seidiger, weisser Schweif im Takt dazu Tanzte. Ich war unheimlich froh, die Stute übernommen zu haben, denn sie musterte sich mehr und mehr zu einem talentierten Galopper. Bei ihrer Abstammung war das ja auch kein Wunder. Ich zog den Reissverschluss meiner Fleecejacke höher, trotzdem zitterte ich noch vor Kälte. Bald nicht mehr, dachte ich schmunzelnd. Auch Paint war zappelig, sie kreiste um mich als ich mich in die Reihe stellte um von Oliver auf's Pferd geschmissen zu werden. Mit den kurzen Steigbügeln war es schwer, ohne Hilfe hochzukommen und der kleine Hocker, der bis anhin diese Hilfe geleistet hatte, hatte vor drei Tagen den Geist aufgegeben, sehr zum Pech von Quinn, die danach erschrocken halb am Pferd hing. Ich massregelte Paint und hielt sie einigermassen ruhig, bis ich endlich oben war, dann liess ich sie zügig den anderen zur Galoppbahn folgen. Wir ritten im Gänsemarsch eine Runde schritt, dann trabte die ganze Reihe auf Kommando an. Paint ging schwungvoll und locker, trotz der Temperaturen, aber Grey vor mir zog den Schweif ein wenig ein. Nach einer weiteren Runde wurde es besser. Wir wechselten die Seite und galoppierten schliesslich nach ein wenig linksseitigem Trab an. Nach einem Umlauf verliessen wir die Bahn über den sauber gewischten Kiesweg und ritten zu den Startboxen. Natürlich hatten nur acht Pferde in den acht Boxen Platz, weshalb wir zwei Gruppen bildeten. Per Handzeichen wurde bestimmt, dass Caprice, Felicita, Blüte, Iskierka und Paint zur ersten Gruppe zählten. Ich entschied mich für die dritte Box und trieb Paint hinein, doch sie ging sowieso freiwillig da sie wusste, dass sie gleich rennen durfte. Ich spannte die Zügel, hielt sie kurz, nahm die Startposition ein, um beim Absprung nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Endlich waren alle drin und Ajith, der als "Bodenpersonal" dabei war, rief uns die Kommandos zum fertig machen zu. Dann sprangen die Türen auf und Paint beförderte uns kraftvoll von Anfang an an die Spitze. Ich hielt mich ein wenig an der Mähne der grossen, schwarzen Stute und war froh um meine Schutzbrille, denn die Morgenluft schlug mir eisig ins Gesicht. Ich wagte beim 500-Meter-Pfosten einen Blick über die Schulter und sah, dass Blüte aufholte. Ich liess sie passieren, denn ich wollte Paints Energie für den geplanten Kopf-an-Kopf Schluss sparen. Auch Felicita kam neben uns und hielt diese Position bis zum 1000m-Pfosten. Nun ging es nochmals in die Kurve, danach folgte die Zielgerade. Alle Pferde schlossen zueinander auf und Blüte und Felicita teilten sich die Spitze. Ich gab Paint etwas Zügel frei, sodass wir auch vorne mitmischen konnten. Kierka hängte sich links an Paints Flanke, nur Capri blieb verschollen. Ich drehte mich nochmals kurz und sah die Fuchsstute in einer Pferdelänge Abstand folgen, Tendenz steigend. Die Stute war noch immer nicht wieder 100%ig fit, da erstaunte dieses Schwächeln auf der Bahn nicht. Ich gab Paint nochmals etwas Zügel frei, sodass sie sich streckte und wir mit einer Nasenlänge gewannen. Ich tätschelte ihren Hals, während ich mich aufrichtete und sie auslaufen liess. Als sie in den Trab, und schliesslich in den Schritt fielen, sammelten sich die Pferde und Reiter wieder und ritten gemeinsam zurück zur Startmaschine. Oliver kam auf Aerith angetrabt. Die Stute wurde mittlerweile als Trackpony ausgebildet und eingesetzt, neben den Westernturnieren, die sie regelmässig lief. Oliver wollte später mit Iskierka und Campina das vom-Pony-aus-geführt-werden trainieren. Doch zunächst war die zweite Gruppe auf der Bahn. Ich reihte Paint und mich neben Caprice ein und wir beobachteten das Schauspiel vom Bahnrand aus. Die Türen flogen auf und alle sechs Pferde schossen aus dem Metallgeflecht hervor. Indiana teilte sich sogleich die Spitze mit Gray. Die erfahrene Stute hatte Tendenzen zum Sprinter, Gray jedoch war ganz klar Steher und sollte am Anfang eher im Mittelfeld bleiben, da sie zu wenig ausdauernd war, um das Tempo durchgehend zu halten. Oliver rief die Anweisung, die mir auf der Zunge lag: David solle sie doch endlich zurücknehmen. Unser Trainer hatte wie immer ein Auge für Feinheiten und war unterdessen zu uns getrabt, um diese Details zu besprechen. "Occu, let her go at approximately 900 meters next time. She is old enough to start early." Ich nickte als Zeichen der Kenntnisnahme und kraulte Paint stolz am Widerrist. In der Bemerkung war nämlich ein verstecktes Lob für ihre raschen Fortschritte gewesen. Campina hatte mittlerweile Gray an der zweiten Position abgelöst und Cassy folgte dicht neben der dunkelgrauen Stute. Zu dicht. "Stay away from Gray, or do you want to trap over her legs!", schrie Oliver in gereiztem Tonfall über die Bahn zu Darren. "I told him last time already, but je won't change a bit until the horse has a broken leg!", meinte er an uns gewandt. Ich schwieg und verfolgte das Training. Der 1000m-Pfosten war passiert, nun wurde es erst richtig heiss. Indiana wurde von Cassy überholt, Sumerian tauchte aus dem Nichts auf und zog an Gray vorbei, Crack schob sich vor Campina. Sumerian konnte das Tempo mangels Ausdauer allerdings nicht lange halten und fiel rasch wieder zurück. Indiana entwickelte zwar guten Schub, konnte mit den leichten Jünglingen jedoch nur schwer mithalten. Gray lieferte sich auf den folgenden Metern einen spannenden Kampf mit Crack, die schliesslich richtig zulegte und sich sogar vor Cassy schob, allerdings nicht lange. Die Palominostute mit den grossen Abzeichen verteidigte die Spitze bis zum Schluss. Wir jubelten den heftig atmenden Körpern von Reiter und Pferden über die Bahn zu, ehe wir selbst auf die Bahn zurückkehrten um ein paar fliegende Starts zu üben. Der Nebel hing immer noch erdrückend über unseren Köpfen, doch immerhin hatte es aufgehört zu regnen. Paint lief etwas zögerlich, vielleicht war sie noch erschöpft vom Rennen. Meine Sorge stieg jedoch, als sie auch nach vier Starts noch nicht gut wegkam. Normalerweise hatte sie mit dem Starten kaum Probleme. Ich rief Oliver, damit er sie sich ansah und tatsächlich: nach einer kurzen Demonstration schüttelte er den Kopf und winkte uns zu sich. "I think there's something wrong with her right foreleg. I'll call the vet." Solche Nachrichten waren in einem Rennstall sehr ungern gesehen, ich hoffte aber natürlich das Beste. Ich liess mich hinuntergleiten und führte die Stute, sorgsam beobachtend, in den Hauptstall zurück. Dort versorgte ich sie mit allem was sie brauchte, schmierte etwas Kühl Gel auf das betroffene Bein und zog ihr die blaue Fleece-Decke an. "Good girl, you'll be back in few days, I'm sure", flüsterte ich, etwas bedrückt. Ich schloss die Boxentür und holte Sheela und Jacky aus dem Haus. Auch die anderen Jockeys waren mittlerweile fertig und versorgten ihre Pferde, ehe sie sich versammelten, um die Hengste aufzuteilen. Ich wählte Sunday, denn ich hatte ihn die ganze letzte Woche Quinn überlassen. Nun wollte ich die Feinheit und Kraft des Hengstes selbst wieder geniessen. Wir trainierten wie zuvor, doch nach den Übungsrennen wurden Gruppen gebildet, um das Abteilungsreiten zu fördern. Die Pferde mussten bei ihrer Gruppe bleiben, selbst im rasenden Galopp. Sie mussten geduldig sein und auf die Hilfen ihres Reiters hören. Ich hängte mich an die Gruppe mit Stromer, Muskat, Winter und Chiccory. Die andere Gruppe bestand aus Fly, Light, Cantastor, Spot und Empire. Was für ein Gefühl das ist, mit fünf bebenden Hochleistungssportlern in einer Reihe über die Bahn zu jagen! Besonders wenn ein Pferd wie mein Sunday so fein mitmacht. Ich beobachtete ausserdem die anderen Pferde mit scharfem Auge, sodass ich mir fast wie Oliver vorkam. Frame war noch immer nicht beim Training dabei. Er war zwar schon mehrfach auf dem Platz kurz von mir geritten worden, doch ich wollte zuerst sicherstellen, dass er gut ausgebildet war und nicht überfordert wurde, ehe ich ihn mit zum Konditionstraining nehmen würde. Auch Oliver hatte mir dabei zugestimmt. Ich musste lachen, als Chiccory sich nach dem letzten Galopp schüttelte, als hätte er Fliegen in den Ohren. Dabei hatte Lisa ihm nur kurz ein Strohstück vom Ohr wischen wollen.

      Nachdem auch diese Trainingseinheit zu Ende war, gab es erst einmal eine Kaffee Pause. Selbstverständlich erst, als die wertvollen Tiere zufrieden in ihrer Box raschelten. Ich hatte Sundays Hufe eingefettet, damit sie nicht brüchig wurden. Dies war eines unserer Rituale, wie das tägliche Bürsten und das Abduschen nach harter Arbeit. Die Stimmung in der Sattelkammer liess nicht den geringsten Zweifel an der Sorglosigkeit der Pfleger zu, sie waren gute Schauspieler. Sie mussten immerhin regelmässig vor Publikum so tun, als ob alles im Griff sei. Schwäche zeigen wollte auf der Rennbahn keiner, es ging den meisten nicht nur um Geld, sondern auch um die Ehre. Die Pferde funkelnd, das Sattelzeug gepflegt und wie neu. Und ein nahtloser Ablauf, ohne sichtbare Kommandos oder Anweisungen. Jeder wusste, was zu tun war. So auch heute, zuhause. Keiner verlor ein Wort über meine Ansprache vor dem Training, alle lächelten. Ich kam mir seltsam verloren vor, in dieser Maskierten Welt. Wem konnte man trauen, wenn das Leben das reinste Gaukelspiel war? Plötzlich ertönte ein lauter Knall, augenblicklich flutete eine erschrockene Stille den Raum. Ein Jäger? Ein Knallen eines Motors? Ich malte mir einige Szenarien aus, während ich mit Ajith und Lewis nach draussen hastete. Stille - wie im Raum zuvor. Dann ein zweiter Schuss, Hilfeschreie. "What the - " Ich stürzte um die Ecke und erblickte unseren Nachbaren, einen sonst so friedvollen, älteren Herren, mit seinem Jagdgewehr in der Hand. Er gestikulierte wild umher und deutete auf einen parkierten Ford, hinter dem jemand kauerte. Lewis und Ajith umstellten den Wagen und packten die Person, ich beruhigte den Bauern. "It is him, he is it! The murderer! I know it!" Der verängstigte junge Bursche stotterte einige unbedeutende Worte, ehe seine Stimme versiegte. Nie und nimmer ist er ein Mörder. Wir klärten das Ganze auf dem Parkplatz, und schon nach einigen Sätzen wusste ich, was tatsächlich vorgefallen war. Der Junge hatte am Morgen wie gewohnt die Arbeit auf dem Lehrbetrieb aufnehmen wollen, doch das Tor war noch verschlossen gewesen, vermutlich als Vorsichtsmassnahme gegen Killer. Daraufhin hatte sich der Junge als Kletterkünstler erwiesen, denn er war kurzerhand auf den Baum neben dem Bauernhaus geklettert, um über den Zaun zu kommen. Der Bauer hatte kaum das raschelnde Laub, die kräftigen Arme und die dunkle Hose des Burschen erblickt, als er schon zur Flinte griff und hinausstürmte. Der Junge, erschrocken über die Reaktion des Bauern, empfand es als klüger, das Weite zu suchen. Dadurch sah sich wiederum der Bauer bestätigt in seiner Annahme und nahm die Verfolgung auf. Ich schüttelte lachend den Kopf, als die Story geklärt war. Die beiden gaben sich noch immer misstrauisch die Hand zur Versöhnung, dann kehrten sie nach einem Beruhigungstee zurück auf ihr Land. Lewis, Ajith und ich sahen uns vor Erleichterung grinsend an. Doch in meinem Kopf sortierte ich die wilden Gedanken der Sorge. Wenn nun schon unser Nachbar so durchdrehte, wie konnten wir dann entspannt hier warten und uns in Sicherheit wägen?
      Alle hatten die Arbeit wieder aufgenommen, einer lag ruhig im Stroh. Lisas Schreie liefen mir kalt den Rücken hinunter. Ich raste mit Jonas zum Schauplatz und bemerkte, wie es ihm fast den Magen umkehrte. Vor uns lag der Elektriker, mit einem verheissungsvollen roten Flecken auf der Brust und im friedlichen, ewigen Schlaf. Ich habe schon schlimmeres gesehen, zum Beispiel zerstückelte Ehemänner, dachte ich bitter. Jonas betreute Lisa, während ich die Polizei rief. Jetzt musste alles schnell gehen - vielleicht waren Spuren auf der Leiche. Etliche Stunden später war klar; der Täter war kein Amateur. Er hatte nicht den geringsten Tipp hinterlassen. Sie jagen ein Phantom, welches uns alle jagt...

      Ich biss mir auf der Unterlippe herum, während ich den Stall der Ministuten ausmistete. Ständig horchte ich auf, in der Erwartung, einen weiteren Schrei zu hören. Doch es blieb still. Totenstill. Nicht einmal die Pferde waren in der Lage, diese erdrückende Stille zu durchbrechen. Sie schnaubten lediglich hin und wieder leise. Als ich mit den Minis fertig war, befasste ich mich mit den dreijährigen Ponys. Sie waren mittlerweile alt genug um eingeritten zu werden. Zwar standen alle drei noch auf der Fohlenweide, doch wir hatten bereits mit Longentraining und Sattelgewöhnung begonnen. Obwohl alle drei etwa gleichzeitig mit dem Training begonnen hatten, waren erhebliche Unterschiede zu erkennen. Lychee machte fast täglich grosse Fortschritte und arbeitete eifrig mit, manchmal fast zu eifrig. Sweets hingegen war etwas zurückhaltender und brauchte länger, um den Gurt zu akzeptieren. Bluebell war unkompliziert und lernfreudig, mochte es aber überhaupt nicht, angebunden zu werden. Ich fasste eines der schwarzen Standardhalfter und streifte es Sweets über die kurzen Ohren. Sie kam brav mit, als ich mit ihr die Strecke zur Halle lief, bloss hin und wieder drehte sie den Kopf und wieherte. Ein Wohlklang in der Einsamkeit an diesem Nachmittag - dachte ich schmunzelnd. Ich schritt zügig voran und schob das Hallentor auf. Drinnen wärmte Rosie gerade Ocean auf, wie vereinbart. Auch Jockeys mussten ab und zu ein wenig Dressur reiten, um nicht aus der Übung zu kommen, und so konnte ich auch gleich die erfahrene Stute als Lehrmeister für Sweets einsetzen. Kaum erblickte sie Ocean, da wurde Sweets auch schon deutlich ruhiger und konzentrierter. Ich hängte zunächst die Longe ein und liess sie im Schritt um mich herum gehen. Sie tat dies nun zum vierten Mal und wusste bereits, dass sie auf der Kreisbahn bleiben musste. Nur die Biegung konnte noch verbessert werden. Nach vier Runden rief ich deutlich "Trot" und machte etwas Druck mit der Longiergerte, sodass sie beides verknüpfen konnte. Die junge Stute lief schwungvoll - sehr schwungvoll, ich musste sie in ihrem Eifer bremsen. Beim angaloppieren kamen dann die berüchtigten Freudensprünge, doch ich hatte damit gerechnet und vorsorglich Handschuhe angezogen. Nun war es an der Zeit, den Gurt und den Sattel zu holen. Sie wirkte auf den Longiergurt wie zuvor skeptisch, blieb aber still stehen und liess mich ohne zu zicken anziehen. Ich lobte sie einige Male, während ich den Gurt löste und wieder anzog. Als ich das Gefühl hatte, dass sie entspannter sei, holte ich den Sattel und den richtigen Gurt. Ohne zu zögern schwang ich ihn auf Sweets' Rücken und zog den Gurt an, ehe ich ihn wieder löste und das ganze Spiel wiederholte. Später ging ich einen Schritt weiter und longierte sie mit Sattel. Zum Schluss führte ich Sweets noch ein wenig durch die Halle und machte Gehorsamkeitstraining. Danach brachte ich sie in den Nebenstall, wo bereits drei Boxen hergerichtet worden waren. Ja, es war Zeit die Terrorherrschaft der drei Ponys über die anderen Fohlen zu beenden. Sweets zögerte etwas, als ich sie in die hinterste Box führte, sie schien zu ahnen, dass ihr leichtes, sorgloses Dasein auf der grünen Wiese vorbei war. Doch sie wird bald herausfinden, dass es gegen ein anstrengendes, aber spannendes Leben eingetauscht wird, dachte ich schmunzelnd und stellte mir einen herrlichen Wintergalopp mit Sweets vor. Ich liess die kleine Stute in der Box zurück, was ihr so gar nicht passte. Sie lief im Kreis und wieherte nach ihren Kollegen. Den frischen Heuhaufen zu ihren Hufen beachtete sie nicht. Aus einiger Entfernung kam eine gedämpfte Antwort, offenbar wurden Lychee und Blue gerade von Jonas und Rosie geholt. Alles verlief reibungslos: auch die beiden wurden in ihre neuen Boxen gebracht. Blue beschnupperte Sweets prüfend durch das Gitter, dann entspannten sich alle sichtlich und Lychee begann zu fressen. Bald senkte sich auch der letzte Kopf dem Heu entgegen und Ruhe kehrte im Nebenstall ein. Jonas nahm mich spielerisch in den Arm, doch ich war nicht in der Stimmung für Flausen; noch immer horchte ich ständig nach Ungewohntem. Ich kam mir vor wie in einem Krimi. Wir schlenderten zum Hauptstall und ich half beim Wischen.

      Die Dunkelheit schlich sich langsam über den Horizont auf die Britischen Inseln zu und mit ihr die Angst. In der Nacht hatte der Killer bisher gejagt, das war auch überaus vernünftig gewesen. Ich sah zumindest die Logik darin, auch wenn das meine und der Pfleger Situation nicht sonderlich zu bessern vermochte. Ich hatte mich überreden lassen, mit Quinn, Rosie, Lily und Lisa im "Pflegeheim", wie es scherzhaft genannt wurde, zu übernachten. Ich musste zugeben, dass mich der Gedanke an mein einsames, dunkles Zimmer nicht gerade gelockt hatte, doch alles war besser als mit Lisa in einem Raum zu nächtigen - was mir leider viel zu spät klar wurde. Sie plapperte den ganzen Abend mit ihrer schrillen Stimme, als wäre dies eine spassige Pyjamaparty, und spätestens mit ihren etwas taktlosen Horrorszenarien über den Tod des Elektrikers verlor sie den letzten Zuhörer. Ich meinerseits litt bereits an Kopfschmerzen und floh in den Gang hinaus. Im Aufenthaltsraum brannte Licht, Lewis, Darren und Jonas sassen auf den Sofas und unterhielten sich gedämpft. Ich setzte mich wortlos auf den erstbesten Platz der mir einfiel: die Armlehne neben Jonas. Er blickte mich einen Moment geheimnisvoll an, dann wandte er sich wieder den anderen beiden zu. "Do you think they'll catch him soon?" "Nay, he seems to be very clever and of course our dear officers are too lazy, they have not had anything like this since they work here", meinte Lewis. Er fuhr sich gähnend mit den Fingern durch die hellrote Mähne, dann grinste er verheissungsvoll. "I'll go to bed now, or I'll be dead tomorrow." Ich lächelte halbherzig und sah Darren und Jonas an, mit der Erwartung, dass sie ebenfalls aufstehen würden. Doch sie fuhren fort mit dem Gespräch. "They must certainly have found something, or at least they will, 'cause nobody is perfect. He'll make mistakes, like people do" brummte Darren. Jonas konterte: "Jack the Ripper blieb auch verschollen." Darren wollte etwas entgegnen, schloss den Mund jedoch, stumm. Jonas sah mir wieder in die Augen, als wollte er meine Meinung hören. Ich überlegte, dann antwortete ich: "Mir war es egal, wann und wie sie ihn fassen. Solange er einen grossen Bogen um Pineforest Stable machte. Aber das hat er nicht getan, also hoffe ich, dass sie ihn schnappen und er in der Hölle schmort." "Woher weisst du, dass es ein 'er' ist?", wollte Darren wissen. "Ich glaube kaum, dass eine Frau genug Kraft gehabt hätte, um den Elektriker niederzuringen... Abgesehen davon wäre eine Frau geschickter vorgegangen und hätte die Leiche gleich verschwinden lassen." Jonas sah mich gespielt böse an und stupste mir in die Seite, ich musste lachen, da ich schon immer zu den eher Kitzligen gehört hatte. Dann schlang er plötzlich seinen Arm um mich, zog mich von meinem Platz auf seinen Schoss und fasste meine Hand. Ich lachte noch immer, versuchte meine Verwirrung zu verbergen. Darren stand auf und murmelte etwas von wegen "Gute Nacht ihr Turteltäubchen" auf Englisch, ehe er grinsend in einem der Zimmer verschwand. Ich protestierte, in der Hoffnung, dass er es noch hören würde. Mir war bewusst, wonach dieses Szenario aussehen musste, doch ich wusste auch, dass Jonas es nicht ernst meinte (das tat er ja anscheinend nie) und ich wollte keine falschen Gerüchte über uns im Umlauf haben. Besonders Lisa fände solch eine Geschichte bestimmt spannend. Ich schauderte bei dem Gedanken. Jonas wollte mich nun hinlegen, indem er mich hochhob. Ich sperrte mich im ersten Augenblick, doch dann gab ich nach. Mein Herz klopfte, trotz all der Zweifel - ich liess mich fallen. Er legte sich ebenfalls hin, Ende des Spiels war, dass wir beide auf dem Sofa ausgestreckt waren, ich an ihn gekuschelt. Ich hatte mich damit abgefunden, mehr noch; ich begann es zu geniessen. Trotzdem da die übliche Vernunftsstimme in meinem Kopf hallte, "Du weisst, das das nichts ernstes ist". Er fragte leise: "Bequem?" Ich nickte. Ich musste zugeben: es war schon warm und angenehm, wie er den Arm um mich legte. Und das sanfte streicheln seiner Finger über meine Hand jagte mir ein Kribbeln quer durch Körper. Wir lagen dort bestimmt eine halbe Stunde, in der zunächst ich ständig prüfend zur Tür starrte, fest entschlossen bei einer Bewegung sofort aufzuspringen. Ich kann das hier jederzeit beenden, und ich werde ihm auch nicht wieder hinterher trauern. Doch auch nach fünfzehn Minuten war kein Lebenszeichen der Tür zu erkennen, also entspannte ich mich vollends. Und dann war der Spuk auch schon vorbei. Aus einem der vorderen Zimmer rief jemand: "Jonas come here, we want to sleep. If you do not, you have to stay outside!" Er zuckte zusammen und ich stand auf, damit er sich aufrichten konnte. Ein letztes Mal durchwuschelte ich seine dunklen Locken, dann liefen wir gemeinsam zum Gang und trennten uns. Etwas wehmütig war ich schon, denn ich hatte es insgeheim sehr genossen, mit dem Ohr auf seinem Brustkorb dem Herzschlag zu lauschen, oder seinen warmen Atem zu fühlen. Doch ich legte mich in eines der leeren Betten, die anderen schliefen bereits, und leerte meinen Kopf von allen Geschehnissen des Tages, ehe ich in einen kurzen, aber tiefen Schlaf sank.
    • Eowin
      Tierarztbericht für Empire State of Mind

      Als nächstes war Empire State of Mind an der Reihe.
      Mit viel Übersicht nahm er die Lage genau unter die Lupe und beäugte mich eingehend, aber nicht sonderlich misstrauisch. Er war sehr artig und blieb bei den Impfungen ruhig stehen.
      Ich lobte ihn überschwänglich; er schien ziemlich abgeklärt zu sein.
      „Feiner Kerl bist du!“, sagte ich, während ich die zweite Spritze setzte. Auch hier guckte er mich nur an, machte aber keine Anstalten sich irgendwie gegen mich zu wehren.
      Bei der Wurmkur war es ähnlich. Zwar machte er das Maul nicht allein auf und ich musste ihn mittels Finger in den Laden etwas dazu überreden, dann schluckte er die Paste aber willig und handelte so ein, dass er fix wieder in den Stall durfte.
    • Occulta
      Ein schicksalhafter Tag

      Wie gewohnt lief ich morgens um 5 Uhr durch den Hauptstall und hielt vor der weissen Tafel in der Sattelkammer. Auch Lily und April standen bereits dort und suchten ihren Namen. Am Vorabend waren nämlich die neuen Einsatzpläne für den Februar ausgearbeitet worden. Ich hatte wie immer mitgeholfen beim Einteilen und wollte nun sehen, ob die Jockeys zufrieden waren. April fand sich auf der Liste und rief erfreut: „Yes! I hoped I’d get Fly and Sunday!“ Sie hatte ausserdem noch Blüte und Gray zugeteilt bekommen. Lily nickte ebenfalls zufrieden (sie hatte Light, Campina, Chiccory und Cantastor bekommen) und schien sich im Kopfe schon zu überlegen, wie sie diesen Monat Trainieren wollte. Ich selbst hatte darauf bestanden, wieder Winter und Stromer zu übernehmen, ausserdem hatte ich wie immer Frame bekommen, da der sensible Hengst bei mir mit Abstand am besten lief. Ausserdem hatte ich mich für die neue Stute gemeldet, die wir bei einem Ungarischen Pferdehändler gekauft hatten. Es handelte sich um einen Furioso, ein hübsches dunkelrotes Tier, das jedoch in einem recht schlechten Zustand war. Sie würde heute Nachmittag nach einer langen Auto- und Fährenfahrt ankommen. Noch am Morgen würde ein neuer Vollbluthengst ankommen, von dem wir uns viele Erfolge für die Zukunft erhofften. Ausserdem hatte ich beschlossen, Feline wieder zu mir zu holen. Die Stute hatte sich zu einer echten Schönheit gemausert und so wollte ich sie nicht länger verkaufen. Es fiel mir schwer zuzugeben, dass Elliot recht gehabt hatte und tatsächlich Potential in ihr steckte.
      Ich entschied, zuerst zu Stromer zu gehen und mich der ersten Morgengruppe für die Hengste anzuschliessen. In dieser Gruppe liefen bisher anscheinend Muskat, Empire, Light und Sunday mit. Eine gute Gruppe, dachte ich zufrieden, denn Muskat und Empire waren ja schon etwas älter und erfahren, die jungen Pferde konnten viel von ihnen lernen. Sie wurden eigentlich auch nicht mehr offiziell zum Rennen eingesetzt, nahmen jedoch immer noch regelmässig am Training teil damit sie fit blieben und Kondition fürs Springen hatten. Ich löste die Schnallen von Stromers babyblauer Fleece-Decke und faltete sie über der Kruppe. Dann schnappte ich mir die Langborsten Bürste und wischte damit über sein geschorenes Fell. Für den Kopf nahm ich eine kleinere Kopfbürste, denn er mochte die Grossen Bürsten nicht bei den Ohren. Nachdem ich auch mit der Kardätsche und dem Fellhandschuh über den Körper des Hengstes gefahren war, befand sich kein Stäubchen mehr auf dem Stoppelfell. Auch die Mähne wurde schön gekämmt und auf eine Seite gelegt, doch nach einmal schütteln hatte sie Stromer wieder kreuz und quer über den Hals fallend. Ich musste schmunzeln bei dem Anblick, denn er schien sich immer dann zu schütteln, wenn ich einen Bändigungsversuch an dem weissen Langhaar unternommen hatte. Als nächstes holte ich den kleinen Rennsattel und das Zaumzeug, wobei ich zu Empire und Thomas rüber schielte und feststellte, dass der Jockey auch erst am Satteln war. So weit so gut – als ich fertig war, führte ich meinen Cremello nach draussen zum Aufsteigen. Er wartete geduldig bis ich oben war und die Bügel eingestellt hatte. Ich schloss mich Light und Sunday an, sobald die beiden in Richtung Galoppbahn ritten. Wir würden wie immer zuerst dort aufwärmen und danach auf die Grasbahn gehen, die noch immer von einer dünnen Schneeschicht bedeckt war. Stromi war gut drauf und machte schön lange, geschmeidige Schritte. Ich freute mich also auf ein tolles Training. Während dem Schrittreiten plante ich, was heute noch alles zu tun war. Um vier Uhr fand ein Qualifikationsrennen in Nottingham – Colwick Park statt, bei dem the Cold Crack of Dawn und Campina eingetragen waren. Tom und Lily würden sich beim Training unter keinen Umständen verletzen dürfen. Endlich trabte die Gruppe an und ich tat es den anderen gleich. Wir ritten schön hintereinander den Schnitzelweg entlang, dann bogen wir auf den Kiesweg in Richtung Trainingsbahn. Wir starteten heute im Feld und jeder trainierte für sich, wobei wir ab und zu kleine Kopf-an-Kopf Sequenzen einbauten. Einmal rief ich zum Beispiel April, die daraufhin etwas abbremste damit ich aufholen konnte. Sunday gab sich alle Mühe, meinen sechsjährigen Cremello nicht nach vorne zu lassen, doch Stromer streckte sich wie eine geschmeidige Katze und schob sich bei jedem Sprung einige Zentimeter vor. Am Ende des Trainings fiel mir auf, dass Light ein paarmal hustete. Zur Sicherheit sagte ich Oliver Bescheid, der es ebenfalls schon von seiner Beobachterposition am Rand der Bahn bemerkt hatte. Er verordnete einen Ruhetag und eventuell einen weiteren, falls es nach einem längeren Longieren wieder passieren würde. Auf meine Frage hin meinte er, dass es nichts Ernstes sei und sich der fast schwarze Hengst vermutlich etwas erkältet hatte. Ich nickte, beruhigt, dass er dasselbe dachte. Wir verräumten die Pferde, wobei ich Stromer lange mit der Fleecedecke trockenführte, damit er nicht auch noch zu husten anfing. Danach holte ich das Putzzeug von Winter, denn der war als nächstes dran. Mein grosser Schneemann sah mich ungeduldig an und verdrehte die Augen beim ausgiebigen Gähnen. Ich bürstete das weisse Fell liebevoll und kratzte die Hufe aus, ehe ich ihn sattelte und zäumte. In dieser Gruppe liefen Fly, Chiccory und Spot mit, ausserdem einige der Stuten: Paint, Capri und Diana. Dies klappte normalerweise Problemlos, da die Jockeys die Hengste voll im Griff hatten und diese sich sowieso eher auf das Training konzentrierten. Ich beobachtete beim Aufsteigen belustigt, wie Spot herumalberte, als Quinn auf seinen Rücken klettern wollte. Dem Vollblüter mit den lustigen Flecken konnte man einfach nicht böse sein. Er zählte zu meinen absoluten Lieblingen, doch natürlich liebte ich alle meine Pferde. Jedes von ihnen hatte seine eigene Geschichte und seinen eigenen Charakter, was das Reiten immer wieder aufs Neue spannend machte. Es kam auch häufig vor, dass ich mich mit den Pflegern absprach und spontan ein Pferd ritt, welches nicht bei mir eingeteilt war. Ich hatte kein Problem damit, den ganzen Tag im Sattel zu sein.
      Das Training mit Winter verlief wiederrum gut, allerdings war er nicht in Bestform gewesen und hatte seine Zeit vom letzten Mal überboten. Ich lobte ihn trotzdem sehr beim Absteigen, und hielt ihm ab und zu ein Karottenstück hin beim Trockenführen. Ich lief mit ihm hinunter zu den Weiden, liess ihn an den Minis schnuppern und die Nase zu den Hengstfohlen stecken. Die ganze Zeit über machte Winter ein fröhliches Gesicht und hatte die Ohren entspannt nach vorne gerichtet. Das Wetter war auch herrlich: Die Sonne schien und obwohl es noch immer ziemlich kalt war, kam es mir vor wie an einem Frühlingstag. Doch ich liess mich nicht täuschen, es war erst Februar und der Winter würde sich bestimmt nicht so leicht geschlagen geben. Ich brachte meinen Hengst nach zwanzig Minuten zurück in den Hauptstall und schaute, dass es ihm an nichts fehlte, ehe ich die Boxentüre schloss. Ich sah auf die Uhr. Schon acht! Herrjeh, ich muss noch Frame beschäftigen ehe ich den Vollbluthengst und Feline abhole. Ich beschloss, den Hengst zu longieren, denn das hatte ich schon länger nicht mehr mit ihm gemacht. Er war, seit seine Wunden vollständig verheilt waren, intensiv trainiert worden und hatte ordentlich Muskeln und Kondition aufgebaut. Von dem schwächlichen Jährling, den ich damals auf der Wiese gesehen hatte, war äusserlich keine Spur mehr. Innerlich spukten jedoch immer noch die Bilder von damals in dem Hengst, sodass er kaum eine Person ausser mir wirklich nahe an sich heranliess. Immerhin hatten wir ihn so weit, dass er sich auch von anderen Pflegern einigermassen problemlos führen liess. Doch es war noch ein langer, vielleicht unendlicher Weg bis zum nervenstarken, coolen Leistungssportler. Wie Oliver so schön sagte – das beste Rennvermögen nützt nichts, wenn sich das Tier beim Start erschreckt und den Jockey runterbockt. Ich seufzte bei dem Gedanken an den letzten Versuch mit Lily. Das war nun beinahe zwei Wochen her. Frame hatte sich nicht nur geweigert, in die Startbox zu gehen, er hatte sich auch mitten im Trainingsrennen erschreckt und war aus der Gruppe ausgebrochen, wobei er nur haarscharf an Muskat vorbeigestolpert war. Es hätte übel ausgehen können und Lily war danach so wütend, dass sie sich weigerte, wieder aufzusitzen. Bei mir war der Hengst, aus welchen Gründen auch immer, brav wie ein Lamm. Er folgte mir ohne Seil, zickte nicht rum beim Aufsteigen, tat überhaupt alles, was ich von ihm verlangte. Nur ab und zu vermochte ihn ein plötzliches Geräusch oder eine schnelle Bewegung im Gebüsch zu erschrecken. Jedenfalls putzte ich ihn an diesem Morgen rasch, legte ihm den Longiergurt an und hängte die Doppellonge ein. Dann ging ich mit ihm in die Halle, da dort die Ablenkungsgefahr geringer war. Ich übte mit ihm eine halbe Stunde diverse Übergänge, die Biegung und das schwungvolle Schieben aus der Hinterhand. Danach nahm ich mir Zeit, ihn zu versorgen und hastete anschliessend auf den Parkplatz zum Auto. Zuerst fuhr ich mit dem Anhänger eineinhalb Stunden nach Bristol um den Hengst namens Caspian zu holen. Ich hatte ihn direkt von seinem Züchter gekauft, den ich an einer Auktion kennengelernt hatte. Er hatte mir Caspian weit unter seinem Wert überlassen unter der Bedingung, dass seine Tochter, der er sehr ans Herz gewachsen war, ihn später hin und wieder besuchen durfte. Es war ein rührender Abschied vor Ort, denn die 16 Jährige kannte den Hengst seit seinen ersten wackeligen Schritten. Doch so war das nun mal, sie hatte von Anfang an gewusst, dass der Tag kommen würde, an dem sie ihn loslassen musste. Ich für meinen Teil war froh, Caspian nun endlich nach Hause fahren zu können. Doch auf dem Rückweg ging es erstmal noch zu Feli, die mich mit Diana zusammen schon erwartete. Diana wollte auch in Zukunft immer mal wieder rüber auf Pineforest Stable kommen um Feli zu besuchen, doch sie hatte mittlerweile endlich ein eigenes Pferd von ihrem Vater bekommen, sodass sie sicherlich genug zu tun hatte. Zurück auf dem Hof half mir Jonas beim Ausladen und brachte Feli gleich in den Nebenstall, während ich Caspian vorerst in die Box neben Shio stellte. Falls das gut klappen würde, würde er auch dort bleiben dürfen, wenn nicht, dann mussten wir mal wieder eine neue Boxenordnung ausarbeiten. Der Schimmel schnupperte zwar interessiert an Shio, wandte sich dann jedoch gierig dem Heu zu.
      Am Nachmittag kam wie erwartet Satine, die Furioso Stute. Sie sah noch übler aus, als ich sie in Erinnerung hatte, doch wenigstens schien sie unverletzt. Traurig betrachtete ich das ehemalige Zirkuspferd aus der Nähe. Sie hatte kaum Muskeln und war mager bis auf die Rippen. Selbst ihre strahlend blauen Augen wirkten nichts als gestresst und müde. Ich fasste sie etwas näher am Halfter, als die den Kopf vor meiner Hand wegziehen wollte und murmelte beim Streicheln „Everything’s allright, you’re at home now.“ Sie senkte den Kopf etwas und blinzelte, weil sie Angst hatte, dass ich ihr in die Augen fasse. Ich führte sie nach einigen Minuten langsam in den Nebenstall, denn sie lief von der langen Fahrt noch wackelig und unsicher. In der Box machte sie sich nur halbherzig über das Heu her, sodass ich mich gezwungen sah, einen Tierarzt zu rufen. Hoffentlich ist sie nicht ernsthaft krank, betete ich innerlich. Die Diagnose war eine mittelschwere Lungenentzündung. Würden keine Komplikationen auftreten, so konnte sie in etwa zwei Wochen grösstenteils genesen sein. Sie bekam Antibiotika und strikte Stallruhe verordnet. Die Stute tat mir leid, denn sie hustete nun auch hin und wieder, was ihr Schmerzen zu bereiten schien. Wenigstens bestand kein Risiko für die anderen Pferde. Nachdem ich noch eine Weile bei ihr geblieben war und sie besorgt beobachtet hatte, ging ich zum Hauptstall um zu sehen, wie weit Tom und Lily waren. Sie hatten die Sättel und das restliche Zubehör bereits in den Anhänger gebracht und zogen nun gerade den Vollblütern die Transportgamaschen an. Campina stand bockstill und liess Lily an sich herumzupfen, während Crack wie immer vor und zurück zappelte. Ich half kurz, die Stute festzuhalten und streichelte sie liebevoll, während ich das Halfter hielt. Sie bedeutete mir sehr viel, denn ich hatte sie damals von Jack zum Geburtstag geschenkt bekommen, das machte sie unbezahlbar. Endlich waren die Gamaschen fest um die Beine gelegt und die Pferde wurden zum Parkplatz geführt, wo sie ohne zu zicken die Rampe hochliefen. Ich wünschte den fünfen eine gute Fahrt (Oliver ging als Trainer natürlich auch mit, ich hingegen hatte heute noch zu viel zu tun) und viel Glück beim Rennen. Besonders von Campina erhoffte ich mir eine gute Platzierung, denn die Stute war im Training ausgezeichnet gelaufen und schien auch heute in Topform zu sein. Fröhlich summend ging ich zu Rita, die beim Nebenstall Calico sattelte. Ich hatte versprochen, ihr heute eine Reitstunde zu geben. Die junge Frau, die mittlerweile sogar die Ausbildung zum Jockey in angriff genommen hatte, war extrem fleissig und saugte neues Wissen über Pferde auf wie ein Schwamm. Sie hatte sich von der gnadenlos überforderten Anfängerin zur zuverlässigen Pflegerin gemausert und wohnte nun sogar endlich mit den anderen im Pflegerheim. Ihr Vater hatte sich anfangs dagegen gesträubt, doch schliesslich hatte sie gewonnen, da sie ja schon 24 war und damit gedroht hatte, externe Hilfe anzufordern. Sie konnte zwar nun nichtmehr vom Reichtum ihres Vaters profitieren, doch das brauchte sie auch nicht. Sie verdiente sich ihr Geld nun selbst. Ich war anfangs sehr skeptisch gewesen, was ihren Charakter betraf, hatte ich sie doch als verwöhntes einzelkind eingeschätzt. Doch die Pfleger und ich hatten sie nun wirklich lieb gewonnen und sie war ein fester Teil von uns geworden. Als wir auf dem Platz waren stellte ich einmal mehr fest, dass sich das harte Training gelohnt hatte: Rita sass gerade und selbstsicher auf dem Schimmelhengst, hielt die Absätze tief und am rechten Ort. Ich musste sie jedoch ab und zu daran erinnern, die Hände nicht zu hoch zu halten. Calico spielte brav mit. Er hatte gelernt, respektvoll mit seiner ehemaligen Besitzerin umzugehen und lief bei den restlichen Pflegern und mir sowieso wundervoll. Ich hatte recht behalten: der Hengst hatte eine ausgezeichnete Veranlagung und lernte so schnell wie Rita. Nach der Stunde ging ich mit Sorrow ins Gelände. Es wäre eine Schande gewesen, solch wundervolles Wetter nicht zu nutzen. Vor dem Aufsteigen flocht ich dem stämmigen Hengst einen französischen Zopf in die Mähne. Es stand ihm ausgezeichnet. Wir ritten zum Fluss, überquerten die Brücke und dann nach Süd-Osten zu den beliebten Galoppstrecken. Sorrow gab ordentlich Gas auf den grasüberwachsenen Feldwegen, liess sich jedoch stets wieder bremsen. Einmal kam uns eine Frau mit einem schwarzen Hund entgegen, an dem der Hengst interessiert schnupperte. Dann hüpfte der Hund wieder davon und wir setzten unseren Ritt gemütlich fort. Genoss die Sonne und auch Sorrow drehte die Ohren zufrieden in der Umgebung herum. Auf dem Rückweg liess ich ihn etwas Schulterherein laufen und stellte ihn an den Zügel. So hatten wir auch unsere heutige Protion Dressur.
      Als ich auf dem Kiesweg an den Weiden vorbei ritt, klingelte plötzlich mein Handy. Huch, Was ist denn nun wieder los? Ich nahm ab und erkannte erschrocken Olivers besorgte Stimme. „We‘ve had an accident, you must come quickly to decide what to do with the horses.“ Wie in Trance stieg ich ab, rief Rosie, die Sorrow übernahm und rannte zum Parkplatz. Man hatte entschieden mich vor Ort zu rufen, da die Unfallstelle nur zwanzig Minuten entfernt war. Vor Ort fand ich einen Krankenwagen und mehrere Polizeiautos, ausserdem war bereits ein Tierarzt da. Wie sich herausstellte, hatten die drei eine Kollision mit einem betrunkenen Geisterfahrer gehabt. Dabei hatte sich der Transporter überschlagen. Tom, der gefahren war, war bewusstlos und hatte einige Brüche erlitten, sein Zustand war aber so weit stabil. Lily hatte einen gebrochenen Arm und Prellungen und Oliver war mit einer blutenden Nase davongekommen. Doch am schlimmsten hatte es die Pferde erwischt. Campina hatte starke Prellungen und lahmte. Für Crack gab es keine Rettung mehr. Ich stimmte zu, die Stute von ihren Leiden zu erlösen, denn sie hatte mehrere komplizierte Brüche erlitten und konnte nicht mehr aufstehen. Es war ein schrecklicher Augenblick, als der Tierarzt die Spritze aufzog, und ich drehte mich weg zu Pina, vergrub mein Gesicht in ihrem weichen Fell. Meine wunderschöne kleine Crack, das Geschenk von Jack! Es kam mir so unfair vor, dass mir nun auch diese Erinnerung an ihn genommen wurde. Doch es war besser für die Stute, alles andere wäre Quälerei gewesen. Campina wurde in eine Klinik in der Nähe gebracht, wo sie umfassend untersucht und behandelt wurde. Tom landete im Krankenhaus, durfte zum Glück aber schon nach vier Tagen nach Hause zu seinen Eltern. Auf Pineforest Stable würde er erst wieder in ein paar Monaten zurückkehren, wenn er wieder einsatzfähig war. Lily kam noch am selben Tag mit uns zurück auf den Hof, den Arm in eine Schlinge gehüllt. Sie wurde liebevoll von den anderen begrüsst und Ajith übernahm die ihr zugeteilten Pferde für den restlichen Monat. Ich wanderte nach all den aufmunternden und mitleidigen Worten der anderen still ins Haupthaus, wo ich mir erstmal einen Tee machte. Ich starrte während dem Trinken aus dem Fenster und beobachtete, wie Jonas den Kiesweg entlang zur Tür kam und klopfte. Soll ich aufmachen? Eigentlich will ich nicht… Ich bewegte mich nicht von der Stelle und wartete, bis er wieder verschwunden war. Trotzig dachte ich: wenn etwas passiert bin ich gut genug für dich und sonst behandelst du mich wie Luft. Spar dir die Mühe. Dann legte ich mich aufs Sofa und versank bis zum Abend in Melancholie. Der Tag hatte so schön begonnen, und nun das.
      Am Abend schlenderte ich lustlos zur Halle, wo Lisa gerade eine Reitstunde gab. Es waren ein paar Leute von auswärts da und vier Pfleger: Darren mit Herkir, Jason mit Bluebell, Jonas mit Loki und Anne mit Sweets. Ich setzte mich in den Zuschauerraum hinter die Scheibe und sah zu. Blue lief wiedermal zügig, sodass Jason ständig abwenden musste. Sweets ging beinahe konstant in Anlehnung, doch Anne liess sie zwischendurch strecken, damit sie nicht zu müde wurde. Schliesslich waren beide Pferde erst seit kurzer Zeit unter dem Sattel und noch nicht vollständig ausbalanciert. Herkir und Loki liefen mittlerweile richtig toll und nur Herkir gab ab und zu Gas – immer dann wenn Darren angaloppieren wollte. Ich war zufrieden mit den vieren. Nach der Stunde wollte ich mich wegschleichen, doch Jonas erwischte mich. „Warum hast du nicht reagiert, als ich geklopft habe?“, wollte er wissen. „Ich hab dich nicht gehört.“ „Aber ich war echt laut…“ „Kann passieren. Gute Nacht.“ Es schmerzte, so kalt zu sein, doch er hatte es verdient, da war ich mir sicher. Er sollte ruhig sehen, wie sich das anfühlte. Ich lief nocheinmal durch die Ställe und ging sicher, dass alle Pferde eingedeckt waren, dann legte ich mich ins Bett. Was für ein Tag
    • Occulta
      The brightest flame casts the darkest shadow

      Pineforest Stable wurde gerade in das Licht der ersten Sonnenstrahlen getaucht, als ich auf dem Weg zum Hauptstall war. Vollblütertraining stand an, wie jeden Morgen. Diesen Monat kümmerte ich mich um Indiana und Stromer, Erstere wollte ich heute zuerst bewegen. Ich holte die lackschwarze Stute aus ihrer Box und begann, sie zu bürsten. Hinter uns machte Lily die ebenfalls rappfarbene Painting Shadows bereit. Paint musterte gerade die dunkelgraue Putzbox am Boden mit ihren eisig blauen Augen. Ich fragte mich einmal mehr, was im Kopf der Stute wohl vorgehen mochte. Ich neigte immer sehr dazu, ihr menschliche Charakterzüge zuzuschreiben, da sie aussergewöhnlich ruhig war und sich alles immer ganz genau ansah. Doch sie wirkte tatsächlich nicht nur intelligent; sie war es auch. Das erkannte man daran, dass Paint schneller als die meisten Pferde neue Dinge lernte und selbst mit schwierigen Aufgaben klar kam. Während Sunday zum Beispiel an der Kartonschachtel mit den Leckerlies nach zehn Minuten erst durch Zufall (er hatte die Schachtel ausversehen mit dem Hinterbein umgekippt, als er sich umdrehen wollte) Erfolg hatte, fand sie schon nach zwei Minuten heraus, dass man die Schachtel mit dem Maul aufstossen konnte. An neue Aufgaben ging die Stute immer neugierig, aber mit gesunder Vorsicht heran, sodass sie sehr leicht zu trainieren war. Ich mochte die Sabinoschecke daher ganz besonders.
      Auch Indiana war eine angenehme Genossin. Sie liess mich in Ruhe ihre Hufe auskratzen, ohne sie extra schwer zu machen, wie es andere Pferdchen zu tun pflegten. In ihrem Schweif war eine Menge Stroh, also hatte sie wohl gut geschlafen. „Dann bist du ja heute sicher fit mein Mädchen“, murmelte ich ihr zu. Ursprünglich hatte die Stute gar nicht so viel mit der Rennbahn am Hut gehabt. Sie war zwar wahrscheinlich als zukünftiges Rennpferd zur Welt gekommen, am Ende aber dann doch an eine mittlerweile gute Kollegin meinerseits verkauft worden. Da diese sie in Dressur und Springen förderte, anstatt sie auf die Bahn zu schicken, kannte Indiana, als sie nach Pineforest Stable kam, nicht einmal die Startboxen. Das war aber kein Problem, denn sie war sehr gut erzogen und geritten worden, sodass wir sie in kurzer Zeit an den Vollblut-Alltag bei uns gewöhnt hatten. Sie war sogar schon bei ein paar kleineren Rennen in die Ränge gekommen. Es schien ihr jedenfalls zu gefallen, wenn sie auf dem kurzen Gras ihre Grenzen ausreizen durfte und mal wieder richtig galoppieren konnte. Heute liessen wir es aber etwas ruhiger angehen: Nachdem Chiccory, Empire, Paint und Indiana allesamt gesattelt draussen bereitstanden, ritten wir auf das grosse Dressurviereck. Ja, auch Rennpferde mussten ab und zu eine Portion Dressur ertragen. Das diente der Rückengymnastizierung, dem Grundgehorsam und – der Abwechslung. Schliesslich durfte das Training den temperamentvollen Vollblütern nicht zu langweilig werden, sonst wurden sie schnell ‚sauer‘. Es herrschte die ganze Stunde über Abreitplatzatmosphäre, denn eigentlich ritt jeder für sich. Nur Oliver, der beim Eingang stand und gelegentlich den Mund öffnete, wenn ihm etwas nicht passte, erweckte durch seine pure Anwesenheit das Gefühl einer Reitstunde. Indiana lief am Anfang etwas verkrampft, doch mit vielen Übergängen und Wendungen konnte ich sie rasch lockern. Danach lief sie in lockerer Anlehnung und zufrieden vor sich hin schäumend. Auch Oliver machte einen zufriedenen Eindruck. Nur Quinn, die auf dem hübschen Schimmel Empire sass, erinnerte er daran, die Hände nicht einzudrehen. Empire nahm’s gelassen und lief trotzdem schön schwungvoll. Der weisse Hengst machte eh immer eine gute Figur, ein typisches weisses Prinzenpferd eben. Oz war sehr fleissig drauf, April musste ständig abwenden. Aber die junge Pflegerin hatte so viel Erfahrung, dass sie ihn gut im Griff hatte und wiedermal das Beste aus ihm herausholen konnte. Und Paint machte sowieso keinen Ärger. Die Stute folgte brav den Hilfen ihrer Reiterin, und zwar eher zum Leid von Lily, denn so sah Oliver sofort jeden noch so kleinen Fehler, den sie machte.
      Nach der Stunde liessen wir die Pferde auf der Galoppbahn abkühlen. Ich war froh um den Schatten der Tannen, selbst jetzt am frühen Morgen. Quinn ritt neben mir und musste Empire ab und zu wieder ermahnen, Indiana nicht zu nahe zu kommen. Wir plauderten ein wenig, tauschten die neusten Gerüchte aus und besprachen Pläne der folgenden Tage. Plötzlich erwähnte Quinn etwas, was mich nachdenklich stimmte. “Did Jonas already talk to you ´bout his journey to Canada?” “Yes, he told me in January already. And yet I wasn’t aware that he will go so soon until you mentioned it…” In fünf Tagen fliegt er. Dann wird er ganze drei Wochen fort sein. Ich konnte mich mit dem Gedanken nicht anfreunden, ihn so lange nicht zu sehen, selbst wenn ich mich eigentlich für ihn freute. Er wollte dort alte Freunde besuchen gehen und ein wenig durchs Land reisen. Gerade jetzt, wo es so gut läuft, muss er wieder weg. Ich wette, danach ist alles wieder wie vorher
      Wir versorgten die Pferde und verräumten die Dressursättel, dann wurde erstmal gemistet. Ajith und Tom waren schon dabei, die restlichen schlossen sich an. Ich plante im Geiste schon wieder durch, was ich den restlichen Morgen zu tun hatte. Nach dem Misten ging ich zu Stromer und holte den Cremellohengst aus seiner Box. Er zappelte wie immer beim Putzen, doch ich regte mich darüber nicht auf; es war ein interessanter Kontrast zu Indiana. Ich ging diesmal nicht mit der zweiten Morgengruppe mit, sondern arbeitete mit dem Hengst an der Doppellonge. Er lief die meiste Zeit in Dehnungshaltung und trat schön unter, ausser wenn er wieder irgendein Monster im Gebüsch entdeckte. Auch nach all dieser Zeit war Stromer noch nicht zum relaxten Verlasspferd geworden und vermutlich würde er es auch nie ganz werden. Er hatte wohl in seinen jungen Jahren einfach zu viel erlebt. Zumindest hatte ich ihn so weit, dass er sich zwischendurch entspannte und konzentriert mitarbeitete, denn unter der verstörten, unsicheren Oberfläche lag ein überaus ehrgeiziger Schüler. Dieser kam auch heute ans Licht. Besonders schön war es, als ich ihn auf der ganzen Bahn galoppieren liess, indem ich nebendran mitlief und ihn so versammelt hielt. Er fiel nicht einmal in den Trab zurück und vergass sogar, Jonas mit der Schubkarre anzugaffen. Der hatte angehalten und uns beobachtet, um am Ende zu klatschen. Ich schenkte ihm ein Lächeln und liess Stromer im Schritt trockenlaufen. Jonas kam zu uns aufs Viereck und lief nebenher. „Dann ist also alles okay wegen Samstag?“ „Samstag? Ahh ja, Samstag. Alles klar. Mach dir keine Sorgen, wir haben hier alles im Griff. Du kannst die Reise also in vollen Zügen geniessen.“ „Schwingt da ein betrübter Unterton mit?“ „Höchstens, weil Kanada ein tolles Land ist und ich auch schon lange nicht mehr dort war. Aber ich muss hier bleiben und auf dem Hof nach dem Rechten sehen.“ „Aye Occu, das ist das Los des Chefs.“ „Was willst du damit wieder andeuten? Naja egal. Schau her, ich hab dir einen Glücksbringer geschnitzt.“ Ich überreichte ihm eine schlichte Kette mit einem Specksteinanhänger in der Form eines Kleeblatts, den ich in meiner Freizeit geschliffen hatte. Ich mochte solche künstlerischen Kleinigkeiten sehr, ich malte auch ab und zu etwas, wenn ich Zeit dazu fand. Er sah den Anhänger erstaunt an. „Hast du den gemacht? Der ist toll! Danke.“ Ich lächelte verlegen und streichelte Stromers weichen Hals. Er zog den Anhänger über seine andere Halskette an, die er einmal von seinem Cousin geschenkt bekommen hatte. So hatte ich es jedenfalls in Erinnerung. Dann trennten wir uns wieder, denn ich musste Stromer in den Stall bringen und er musste Heu holen.

      Als es dunkel wurde und die Schatten sich in die Länge zogen, klopfte es an meiner Haustür. Zugegeben – mein Herz pochte schon etwas, als ich öffnete und niemand geringeres als Jonas draussen stand. Er gab auch gleich den Grund für sein Erscheinen bekannt. „Occu, auf meiner Reise komme ich auch an der Gips Reminder Ranch vorbei, du weisst schon, der Hof von Verena.“ Ich nickte aufmerksam. „Summer, Flint und Shadow stehen ja dort. Ich dachte mir, ich gehe die drei besuchen und schicke ein paar Fotos rüber, wenn ich schon mal dort bin.“ „Das klingt gut. Ich vermisse besonders Shadow… Würde mich wirklich darüber freuen zu sehen, was aus ihr geworden ist. Ich wette Verena hat sie gut trainiert.“ Er wünschte mir einen schönen Abend und drehte sich zum Gehen um. Mir fiel auf, dass er die Kette seines Cousins nicht mehr trug. „Hey, hast du deine Kette verloren?“ „Nein, aber dein Anhänger hat sich immer wieder darin verheddert, also hab ich sie abgezogen, damit er nicht kaputt geht.“ Während er ging, jubelte ich innerlich auf wie ein kleines Kind. Er hat doch tatsächlich die Kette, die er jetzt über ein Jahr durchgehen trug, gegen meine getauscht! Das muss ihm doch etwas bedeuten! Dann wiederum ermahnte ich mich, rational zu bleiben und beschloss, einfach abzuwarten. Abzuwarten, was die Zukunft bringen würde. In meinen Träumen sah sie leuchtend hell aus.
    • Occulta
      Silhouetten im Nebel

      Ich befand mich gerade bei meiner neuen, gestreiften Freundin, als Lily wieder angerannt kam. Sie war schon den ganzen Morgen so hibbelig drauf und ich machte mir langsam Sorgen, dass in ihrem Müsli zu viel Zucker drin sein könnte. Thairu liess sich auch ein wenig anstecken und trabte den Kopf verdrehend von mir weg, nur um einige Meter entfernt einen kräftigen Buckler zu machen und danach wieder zu mir zu glotzen. „Komisches Tier“, murmelte ich grinsend, dann sah ich mich nach meiner kleinen Nichte um. Wenigstens hatte sie von dem kleinen Drama mit Golden Sunset nicht viel mitbekommen, das sich vorgestern ereignet hatte. Ich konnte es noch immer kaum ertragen, daran zu denken, wie die kleine Stute geschwitzt und sich gewälzt hatte. Sie hatte eine schwere Kolik bekommen, vermutlich, weil Spaziergänger ihr überreife Früchte gefüttert hatten. Wir hatten sofort den Tierarzt gerufen als Lewis es bemerkt hatte, aber es war auch gegen Abend trotz der ausgezeichneten Betreuung in der Tierklinik nicht besser geworden. Ich hatte daraufhin schweren Herzens mein Einverständnis gegeben, die Palominostute zu erlösen. Noch am selben Abend brachten die Pfleger Schilder an den Weidezäunen an, die das Füttern der Tiere verboten. Lilys Stimme brachte mich zurück in die Gegenwart. „Tante Occu, darf ich heute auf White Dream reiten?“ Ich seufzte erschöpft. Lily hatte die ganze vergangene Woche immer wieder danach gefragt und ich überlegte langsam ernsthaft nachzugeben, alleinschon, damit ich endlich Ruhe hatte. Das Mädchen war nun seit zwei Wochen hier und mindestens einmal am Tag auf dem Pferd gesessen; Trotzdem schien sie nie genug zu haben. „Biiiite“, las ich von ihren runden, dunkelbraunen Augen ab. „Na gut, aber nur in der Halle, und nur nachdem Lisa mit ihr gearbeitet hat.“ Das reichte anscheinend schon völlig, denn ich bekam eine kräftige Umarmung und musste augenblicklich lächeln. So nervig Kinder auch manchmal sein konnten, so waren sie doch immer sehr ehrlich und zeigten einem, was sie fühlten. Nicht so wie manche Erwachsene… Jonas winkte uns von der Halle her zu. „Hey Boss, warst du schon mit Empire draussen?“ „Vergiss es, ich hab mich schon mit Quinn verabredet“, murrte ich zurück, was sogar der Wahrheit entsprach. Er zuckte mit den Schultern und verschwand wieder um die Ecke. „Und was soll ich in dieser Zeit tun?“, fragte Lily erwartungsvoll. „Uhhm, what about… Du hast heute frei, darfst selbst entscheiden.“ Sie nickte fröhlich und lief zu den Mini Weiden. Na wer hätte das gedacht, schmunzelte ich und stand ebenfalls zum Gehen auf. Ich pfiff nach Zira, die durch das nasse Gras angehoppelt kam. Ihr Bauchfell kräuselte sich schon vor Feuchtigkeit und sie hatte dreckige Pfoten, mit denen sie an mir hochstehen wollte. Ich stiess sie etwas unsanft weg und liess sie sitzen, dann lobte ich sie. Ich musste die junge Hündin erst noch erziehen, aber die Grundkommandos klappten schon ganz gut. Auch die anfänglichen Stubenreinheits-Probleme hatten wir bereits überwunden. So konnte ich sie auch ohne Bedenken im Haus lassen, als ich zum Hauptstall ging, um Empire zu putzen. Stromer stand bereits in der Stallgasse angebunden und drehte sich nach mir um, als er das Stalltor knarren hörte. Ich streichelte ihn liebevoll und entdeckte im selben Moment Quinn, die mit der Wurzelbürste seine matschigen Beine bearbeitete. Ich meinte zu ihr, dass das nicht viel bringe und man die Beine auch morgen noch waschen könne, weil er ja sowieso wieder dreckig von der Weide käme. Daraufhin befasste sie sich in erster Linie mit der Sattellage. Ich führte unterdessen Empire aus seiner Box und band ihn ebenfalls an. Der völlig ausgeschimmelte Hengst hatte wiedermal ein paar schöne Mistflecken, die ich am liebsten mit Bleichmittel bearbeitet hätte, aber das wäre wohl keine gute Idee gewesen. Daher beschränkte ich mich auf einen Kuhstriegel und mehrfaches durchbürsten, bis nur noch ein paar hellgelbe Flecken übrig waren. Das Langhaar war ebenfalls verdreckt, aber ich entwirrte es nur etwas und löste die gröbsten Klumpen, den Rest würde ich morgen machen. Dafür kratzte ich die Hufe gründlich aus, damit keinerlei Steinchen mehr darin verklemmt waren. Weil er so schön geduldig dastand und die Beinchen artig hob, bekam Empire ein Karottenstückchen. Natürlich musste ich daraufhin auch Stromer eines geben, der schliesslich auch stillgestanden war. Endlich konnten wir satteln, zäumen und die beiden Hengste nach draussen führen. Ich war gut eingepackt in meine Winterjacke, mit Mütze, Handschuhen und Schal. Auf Empires Fleecedecke hatte ich aber diesmal verzichtet, da wir heute viel galoppieren wollten. Quinn und ich ritten los in Richtung Dorf, bogen dann nach Norden und kamen endlich zu einem Laubwald. Der Nebel als dicke Suppe über der Landschaft und man sah nur ein paar Meter weit. Wir liessen Stromer und Empire auf dem Waldweg lange traben, dann bogen wir auf einen Trampelpfad und jagten durch die Gebüsche bis zum Waldrand. Dort trabten wir wieder kurz, bevor wir zu einem geeigneten Feld kamen und die beiden Blüter erneut ziehen liessen. Es machte unheimlich Spass, durch den dichten Nebel zu preschen. Wir konnten es auch nicht lassen, auch ein kleines Rennen daraus zu machen, wer zuerst am Feldende ankam. Natürlich gewann Quinn mit Stromer überlegen, denn im Gegensatz zu Empire war er noch deutlich leichter. Empire hatte dafür länger Ausdauer, doch solch kurze Feldgalopps konnten die beiden Vollblüter ohnehin nicht erschöpfen. Nach einer halben Stunde im Gelände waren die zwei erst richtig fit und liessen sich kaum mehr zügeln in ihrem Eifer. Aber ich erinnerte Empire jeweils durch halbe Paraden daran, dass ich auch noch da war. Der Hengst versammelte sich schön und machte einen runden Hals, kombiniert mit feinstem Spicktrab. “Oi, I’m not used to this behaviour of yours, you could do that more often. “Though we’re not in a dressage competition right now, ‘kay”, meinte ich lachend. Empire drehte bloss die Ohren zurück um zu hören, ob ich etwas Wichtiges gesagt hatte. Dann stolzierte er weiter. Ich wollte dieses Jahr mit ihm an einem Weihnachts Dressurturnier teilnehmen und war daher glücklich, ihn so toll laufen zu fühlen. Es war, als würden wir über den Feldweg tanzen, mit einem immer gleichbleibenden Takt. Stromer hatte mittlerweile auch kaum mehr Mühe, den Takt zu halten und ausbalanciert zu traben. Das war früher ganz anders gewesen, als er frisch auf Pineforest Stable gewesen war. Die meisten Vollblüter wurden in erster Linie auf Geschwindigkeit getrimmt, Balance und versammeltes Tempo wurden oft unterschätzt, obwohl die meisten Pferde erst dadurch ordentlich Kraft in der Hinterhand entwickelten.

      Wir kehrten nach fast eineinhalb Stunden auf den Hof zurück und sattelten die Pferde ab. Als wir sie versorgt hatten, suchte ich Lily und fand sie noch immer mit einer Bürste bewaffnet bei den Mini-Hengstchen. Sie erzählte mir stolz, dass sie bisher Daki, Alu, Diva, Chip, Papillon und auch noch Tigrotto geputzt hatte. Ich prustete los vor Lachen, als ich die Frisuren bemerkte, die sie Arco mit ihrem Haargummi verpasst hatte. „Das ist nur zum hochstecken, damit ich besser an den Hals rankomme! Lach doch nicht so!“ Ich entschuldigte mich, noch immer Tränen in den Augenwinkeln. Die kleine lachte nun aber selbst auch herzhaft. „Okaaay, es sieht bescheuert aus. Aber es hilft!“ Plötzlich wurde sie leiser und senkte den Blick. „Sunny hatte auch so ne schöne, helle Mähne…“ Ich klopfte ihr tröstend auf die Schulter und fragte, ob ich ihr ein paar schöne Flechtformen zeigen solle, um sie abzulenken. Sie nickte eifrig. Wir nahmen uns gleich Arco als Modellpferdchen. Mein kleiner Schatz hatte kürzlich die Körung bestanden und war als drittplatzierter aus der Gesamtwertung hervorgegangen. Ich war unglaublich stolz, nun einen weiteren hervorragenden Miniature Zuchthengst zu besitzen. Und nächsten Frühling würden auch schon seine ersten Fohlen auf die Welt kommen, was ich bereits frühzeitig geplant hatte. Ich zeigte nun aber Lily erstmal einen Französischen Zopf mit der Mähne des kleinen Charmeurs. Es ging leider nicht ganz so gut, da ich seine Mähne erst kürzlich wieder geschnitten hatte, aber Lily sah trotzdem beeindruckt aus und die Sache mit Sunny war vorerst wieder verdrängt. Wir gingen zu den Stuten und fingen uns Rose ein, denn sie hatte noch ihre volle Haarpracht. Daran durfte Lily nun üben. Sie bekam am Anfang noch leicht ein Durcheinander mit den verschiedenen Strähnen, aber nach einer Weile klappte es ganz gut. Ich zeigte ihr auch noch das Einflechten des Schweifs, dann machten wir uns auf den Weg zum Haus um zu Mittag zu essen.

      Am Nachmittag war Lisa mit Dream in der Halle und Lily drängte mich, mein Versprechen zu halten. Schade, dass sie es nicht vergessen hat, dachte ich augenrollend, doch dann nickte ich und wir sahen Lisa bis sie fertig war zu. Lily klebte förmlich an der Scheibe der kleinen Reiterstube in der Halle. Dream lief durchaus hübsch und artig, aber ich machte mir dennoch Sorgen, ob die kräftige Ponystute das richtige Modell für meine kleine Nichte war. Die kleine schien sich jedenfalls keine Sorgen zu machen. Der von grauen Strähnchen durchzogene Schweif der Forest Stute wehte wie eine Fahne hinter ihr her, als sie über die Kombination sprang. Lisa hatte einen kleinen Parcours aufgebaut, weil sie für das Adventsspringen nächste Woche trainierte. Ich nickte zufrieden, als Dream auch das In-Out und den Oxer überflog. So würden die beiden garantiert gewinnen. Als sie fertig war, winkte uns Lisa zu sich. Offenbar hatte ihr Lily bereits von ihrem Vorhaben erzählt, denn sie stieg ab, als wir näher kamen und übergab dem kleinen Mädchen die Zügel. Lily strahlte wie ein Kleinkind, das gerade einen riesigen Lolli in den Fingern hielt. Sie streichelte die Stute liebevoll, dann half ich ihr in den Sattel. Wenigstens ist Dream kein Riese, dachte ich noch immer skeptisch. „Soll ich dich zuerst führen?“ Ich bekam ein bestimmtes „Nein!“ als Antwort. Lily nahm die Zügel auf und trieb Dream in den Schritt. Die Stute streifte mit ihrem blauen Augen meinen Blick und ich flüsterte kaum hörbar: „Sei lieb.“ Augenblicklich richteten sich die kleinen weissen Öhrchen auf, als hätte sie mich verstanden. Lily ritt zunächst im Schritt eine Runde auf der ganzen Bahn, bis sie sich an den Schritt der Stute gewöhnt hatte, dann machte sie eine Volte und liess Dream dehnen, wie ich es ihr gezeigt hatte. Die Stute begann, den Kopf zu senken und zu schnauben. Es wirkte, als sei sie total entspannt. Als Lily die Zügel wieder aufnahm (wobei sie ein wenig ein Durcheinander bekam), machte Dream sofort einen runden Hals und lief am Zügel. Ich musste schmunzeln, denn die Stute kam normalerweise nicht so freiwillig zurück. Vielleicht, weil Lily nur ein Federgewicht ist und daher wie ein Ausbinder wirkt, überlegte ich mir. Plötzlich trabte die Stute an und ich sah Lily bereits am Boden liegen, aber alles war okay: Dream zockelte brav auf dem äusseren Hufschlag, während sich Lily an ihren Takt anpasste und leichtritt. Nach einer Runde klappte es schon hervorragend. Nun musste selbst ich zugeben, dass die beiden ziemlich harmonisch wirkten. Vielleicht passt es auch einfach, stellte ich lächelnd fest. Lily tastete sich immer mehr an die Stute heran und begann, sie ein wenig anzupacken. Sie ritt ein paar Schlangenlinien und galoppierte am Ende sogar auf der Volte an. Dann musste ich sie aber bremsen und daran erinnern, dass Dream ja schon müde von der vorherigen Stunde war. Lily sah kurz enttäuscht, akzeptierte es dann aber grinsend und liess sich vom Rücken der Stute gleiten. „Das war richtig toll! Sie ist soooo lieb“, berichtete sie vergnügt. Lisa sah mich lächelnd an und meinte: „Ich verstehe wirklich deine Bedenken nicht. Dream war schon immer sehr brav und ausgeglichen.“ „Ja, aber im Parcours und im Gelände gibt sie immer extra Gas“, antwortete ich verteidigend. „Welches Pony schon nicht? Ich bin sicher, dass Paulchen sogar schlimmer war.“ Ich gab mich geschlagen und erlaubte Lily, fortan auch auf Dream Stunden zu nehmen. Wenn ich so darüber nachdachte, kamen mir meine anfänglichen Sorgen wirklich schon fast übervorsichtig vor. Aber ich war nunmal verantwortlich für das Wohl meiner Nichte und hatte mit Rachel genau geplant, welche Pferde sie reiten durfte. Mit einem Schaudern wurde mir klar, dass Rachel von diesem Planwechsel nicht sehr begeistert sein würde. Sie war von Anfang an nicht begeistert von dem Projekt gewesen, hatte aber ihrer Tochter zuliebe zugestimmt. Einerseits verstand ich die sorgenvolle Mutter, denn sie hatte auch selbst immer erfolgreich geritten, bis sie eines Tages einen üblen Unfall gehabt hatte und seither die meisten Pferde mied. Sie hatte sich aber hin und wieder dazu überreden lassen, auf Pineforest Stable auszuhelfen, wenn auch ohne sich selbst auf’s Pferd zu schwingen. Als ihre Tochter begonnen hatte, sich für die Vierbeiner zu interessieren, hatte sie ihr erlaubt, sich mit Shettys und kleinen Ponys abzugeben. Doch Lily reichte das auf Dauer nicht, also hatten wir vereinbart, dass sie einen Monat lang hier bleiben durfte. Rachel wusste, dass ich gut auf ihre Tochter aufpassen würde. Sie vertraute aber auch darauf, dass ich mich an die Spielregeln hielt. Dream ist ja wirklich lieb, da wird sie schon nicht ausflippen…, beruhigte ich mein Gewissen. Lily führte Dream selbstsicher zum Nebenstall und versorgte sie. Die zwei boten einen niedlichen Anblick, weil Lily die Stute immer wieder liebevoll kraulte und Dream genüsslich die Lippe verzog. Danach half mir Lily dabei, Die Stuten rauszubringen. Sie musste sicherstellen, dass der Weg überall mit den Zaunstücken abgegrenzt und das Weidetor offen war. Als sie mir rief, öffnete ich die Boxen der Stuten im Hauptstall und liess sie selber zur Weide laufen. Unterstützend lief ich hinterher und klatschte in die Hände, wenn die Gruppe irgendwo Halt machte.

      Als auch das erledigt war, halfen wir kurz beim Misten und kümmerten uns dann gemeinsam um Herkir. Das wollige Islandtier hatte sich so dermassen eingesaut, dass wir ihn duschen mussten, um ihn je wieder sauber zu bekommen. Da er am Abend noch mit April in der Dressurstunde laufen sollte, hatten Lily und ich uns die Aufgabe gestellt, der beschäftigten Pflegerin vorsorglich unter die Arme zu greifen. Ich machte das Shampoo und die Putzkiste bereit, während Lily dem Hengst das Halfter überstreifte. Danach führten wir ihn gemeinsam zum Innenhof des Hauptstalls, wo wir ihn anbanden. Ich weichte das lange Winterfell erstmal gründlich ein, bevor Lily es mit Shampoo und Wurzelbürste bearbeitete. Leider war Herkir ungeschoren, was die Prozedur nicht gerade erleichterte. Die Mähne und den Schweif mussten wir dreimal neu einweichen und ausspülen, bis sie wieder einigermassen blond waren. Wir badeten ihn übrigens mit warmem Wasser, was für alle Beteiligten angenehmer war. Herkir gefiel das baden trotzdem nicht so wirklich. Um uns zu strafen, schlug er mit dem Schweif hin und her, als wollte er eine Fliege verscheuchen, und spritzte uns so nebenbei nass.

      Am Abend kümmerte ich mich um Caprice. Die feuerrote Stute drehte sich sofort zu mir, als ich ihre Box betrat, denn sie wusste, dass ich immer ein paar Karottenstücke dabei hatte. Beim Putzen war sie dann aber doch wieder zickig und legte die Nüstern in Falten. Vielleicht war das auch einfach ihre Art zu zeigen, dass sie sich wohl fühlte, denn eigentlich fehlte es der Stute an nichts. Seit sie vor einem Jahr hier angekommen war, hatte sie sich prächtig entwickelt. Sie wurde zwar mittlerweile vor allem zur Zucht eingesetzt und nicht mehr zum Rennen, aber dazwischen förderten wir sie im Springen und insbesondere in der Dressur, worin sie ein Naturtalent zu sein schien. In der ganz grossen Liga konnten wir aber natürlich trotzdem nicht mithalten. Ich strich nachdenklich mit der Hand über das Seidige, aber stoppelige Fuchsfell. Wie wohl das diesjährige Fohlen wird? Wir hatten alle grosse Erwartungen in den kommenden Jahrgang, sowohl was den Rennsport, aber auch was die Farbenpracht anging. Ich hoffte, dass ihr Fohlen denselben, wunderschönen Kopf wie die Mutter haben würde. Mit ihren dunkel umrandeten Augen und der eleganten Blesse, kombiniert mit einer edlen Kopfform und feinen Ohren, war die Stute einfach ein Bild von einem Vollblut. Ich longierte sie eine halbe Stunde lang in der Halle und arbeitete dabei besonders an der Stellung und dem lockeren Gang. Die Stute neigte noch immer dazu, ihren eigenen Sturkopf durchsetzen zu wollen und nach aussen zu ziehen. Aber wenigstens lief sie in letzter Zeit schön ruhig auf dem Zirkel. Ausser, wenn es wieder ans Angaloppieren ging; dann folgten, wie auch heute, erstmal ein paar Bocksprünge. Solange sie dabei nicht gegen mich zielte, hatte ich nichts dagegen. Soll sie sich ruhig auspowern, dann läuft sie hinterher schöner. Gerade, als sie richtig schön zu dehnen anfing, hörte ich auf und liess sie austraben. So konnte sie das Training in guter Erinnerung behalten. Ich lobte sie ausgiebig und führte sie zurück zum Hauptstall, um sie zu versorgen. Ich packte sie für die Nacht in ihre warme Stalldecke, da ich nicht das Gefühl hatte, dass sie noch grossartig nachschwitzen würde. Dann ging ich weiter zum Nordstall, wo der Neuankömmling Skyrim auf mich wartete. Ich hatte den gekörten, sechsjährigen Reitponyhengst kürzlich von einer Bekannten erworben und unter meine Fittiche genommen, um ihn weiter zu fördern. Er zeigte Potential für die ganz hohen Klassen, weshalb er in Zukunft auch für die Zucht eingesetzt werden sollte. Der hübsche Hengst bestach ausserdem mit seiner tollen Scheckung und einem makellosen Charakter. Er war erst gestern angekommen, weshalb ich noch sachte mit ihm umging. Lily kam mit Zira, Jacky und Sheela angehüpft, kaum hatte ich Skyrim in der Stallgasse angebunden. „Ahhh, der Hübschling. Ich mag ihn“, meinte sie beiläufig, und streichelte Sky am Hals. „Er hat so einen lieben Gesichtsausdruck.“ Ich lächelte und drückte ihr eine Bürste in die Hand. „Da, wenn dir langweilig ist, kannst du mir gleich helfen.“ „Nur, wenn ich dann auch eine Runde auf ihm reiten darf!“ Ich rollte die Augen. „Nur im Schritt, du darfst mich auch zur Sicherheit führen“, meinte sie unnachgiebig. „Fine. Aber wehe du bürstest nicht sauber!“, scherzte ich. Wir hörten während dem Putzen noch etwas Musik und summten mit. Die Stimmung war hervorragend, auch die Pfleger, die vorbei liefen machten mit. Nur Jonas schien etwas kurz angebunden. Ob er wohl beleidigt ist wegen heute Morgen? Ich führte Sky in die Halle zum Aufsteigen. Eine halbe Stunde lang erprobte ich intensiv, was der Hengst schon alles kannte. Auch ein paar kleine Hindernisse übersprang ich, um zu sehen, wie er sich handeln liess. Ich hatte ihn nicht probegeritten, sondern auf das Urteil der alten Besitzerin vertraut, was ich nicht bereute. Er lief sehr fein und fast konstant am Zügel. Dressurmässig war er etwas weiter als im Springen; er hatte auch eher die Veranlagung für diese Richtung. Am Ende führte ich, wie versprochen, Lily ein paar Runden Schritt (okay, zugegebenermassen nahm ich es mit dem Führen nicht ganz so genau und lief eher einfach nebenher). Dem Mädchen gefielen die weichen Gänge des Ponys. Sie schwärmte später noch den ganzen Abend davon. Auch begann sie sich auszumalen, wie ein Fohlen von ihm und Dream aussehen würde, wozu ich vorerst nur schmunzelte. Denn was Lily nicht wusste war, dass Dream schon längst ein Fohlen von Sky erwartete. Deshalb war sie auch so ‚untrainiert‘, wie Lily gleich zu Beginn bemerkt hatte. Wir genossen den restlichen Abend drinnen bei einer Tasse heissem Kakao und einem Krimi, aber natürlich erst nachdem wir um neun Uhr nochmal nach den Pferden gesehen hatten.
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  • Album:
    Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Occulta
    Datum:
    22 Okt. 2013
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  • Offizieller HG

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    Vom: Empire Freedom

    Aus der: Anything Sweet


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    Rufname: Empire
    Geburtstag: Unbekannt
    Alter: 12 Jahre
    Stockmaß: 1.63 m
    Rasse: Englisches Vollblut
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: Rosenschimmel
    (ee,Ff,Aa,Gg)
    Abzeichen: Schnippe
    Gesundheit: Sehr gut


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    Mutig, intelligent, brav, ehrgeizig


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    Empire State of Mind ist ein sehr mutiger und braver Hengst. Aber auf der Rennbahn kann er wirrklich reinhauen. Dort ist dieser Hengst wie ausgewechselt. Wenn er die vielen Menschen sieht, den Geruch fremder Pferde riecht und die üblichen Geräusche einer Rennbahn hört, macht ihn das leicht nervös, doch wenn er in den Führring geführt wird, staunen die Leute über den prächtigen Schimmelhengst.



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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Monsterflosse, Umgemalt by Occulta
    VKR: Monsterflosse
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Ja
    Nachkommen: Bestla, Escador, Kaythara El Assuad, Iskierka, Stormbringer, Christmas Jo
    y, PFS' Empire of Irony
    Decktaxe: 65J


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    Galopprennen Klasse: A
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: L
    Military Klasse: A
    Dressur Klasse: E
    Distanz Klasse: A

    Eignung: Galopprennen, Distanz
    Eingeritten: Ja


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    [HK 324]
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    2. Platz 1. Wintercup Oldies Rennen von Joelle-Galopp


    3. Platz 100. Distanzturnier
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    Empire's Spind