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Canyon

» GH's Acapulco Gold

| Mix | Hengst | 14 Punkte |

» GH's Acapulco Gold
Canyon, 8 Aug. 2017
    • Canyon
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      22. Oktober 2015 | 3.693 Zeichen | Canyon
      Ankunft von GH's Acapulco Gold und Happy

      Mio »
      Und schon wieder würden Neulinge auf dem Hof einziehen! Es sollten jedoch die letzten für die nächste Zeit sein bis wir neue Boxen gebaut hatten.
      Diesmal waren es zwei Hengste, welche zusammen auf die Koppel gegenüber von Jeanie, Exel und Changa ziehen sollten. Der erste war ein Mix aus Quarter Horse, Mustang und American Saddlebred, hatte aber bestimmte Merkmale, welche ihn stark nach einem Quarter aussehen ließen. Der zweite war ein kleines Shetlandpony, welches ich recht günstig gekauft hatte, damit Acapulco (dem Quarter) einen Gefährten hatte und nicht alleine stehen musste. Wie auch beim letzten Mal, wurden uns die beiden gebracht, da wir echt weit ab vom Schuss lebten und sich keine Privatperson die Mühe machte, bis zu uns zu fahren. Diesmal war der Fahrer um einiges freundlicher als der letzte und erzählte uns, dass sich die beiden Hengste schon im Hänger wunderbar verstanden hatten. Das würde die ganze Sache natürlich um einiges einfacher machen, wenn wir nicht noch viel Zeit damit verbringen mussten, die beiden aneinander zu gewöhnen. Der Fahrer klappte die Rampe hinunter und Charly und ich führten je einen der beiden Hengste aus dem Hänger. Ich hatte mir gleich das kleine Shetty Happy geschnappt und Charly führte zufrieden Acapulco, oder einfach nur Coco genannt, wie uns die Vorbesitzerin erklärte, aus dem Hänger. Beide waren noch etwas nervös, ließen sich aber ganz leicht händeln. Ich kraulte Happy am Hals und lies ihn kurz am Wegesrand grasen, bis auch Charly fertig war. Zusammen brachten wir die beiden in den leeren Stall, wo wir bereits die letzten beiden Boxen für sie vorbereitet hatten. Vielleicht würden wir ja ein kleines Kind finden, welches Lust hatte auf Happy zu reiten. Wenn nicht würden wir ihn eben anders beschäftigen müssen. Coco kam in die Box ganz links, gleich daneben kam Happy. Neben Happy würden dann Exel, Jeanie und Changa stehen und ich drückte fest die Daumen, dass diese Anordnung kein Problem darstellen würde. Ich führte Happy in die Box, nahm ihm dann das Halfter ab und schloss das Tor. Das Halfter samt Strick hängte ich an einen Hacken daneben. Charly tat das gleiche bei Coco. Beiden hatten wir ein leckeres Willkommensmenü aus Heu, Kraftfutter, Äpfeln und Möhren zubereitet und beide stürzten sich gleich voller Eifer darauf. Die würden erstmal zu tun haben! Charly und ich gingen dann zusammen wieder raus zu dem Fahrer, welcher geduldig auf uns gewartet hatte.
      „Darf ich euch noch helfen den Rest in den Stall zu bringen?“, fragte er mit einem charmanten Lächeln, bei dem jedes Mädchen, Charly ausgeschlossen, dahin schmelzen würde.
      „Gerne doch!“, sagte ich erfreut „Darf ich dich dann noch auf einen Kaffee einladen, oder musst du gleich wieder weiter?“
      „Meine Zeit ist begrenzt, aber ein Kaffee wäre sehr lieb!“
      Ich nickte. „Gut, dann würde ich schon mal Kaffee machen gehen. Charly, zeigst du ihm wo alles hin soll?“
      Charly rollte mit den Augen. „Nein, ich lass ihn suchen und amüsiere mich über seine tollpatschigkeit.“, sagte sie sarkastisch Ich seufzte tief. Diese Charly!
      Der Fahrer schien es nicht ganz verstanden zu haben und blickte verwirrt zu mir hinüber. Ich zuckte nur die Schultern und begab mich zur Haustür um Kaffee aufzusetzen. Zehn Minuten später kam ich mit einem vollen Tablett beladen aus dem Haus. Charly und der Fahrer, den Namen wussten wir irgendwie noch nicht, hatten sich auf den Gartenstühlen niedergelassen und schwiegen sich an. Jaja, mit Charly konnte man gut schweigen! Der Fahrer, ah jetzt stellte er sich vor (Lennard hieß er), bedankte sich über den warmen Kaffee und den Kuchen und zu dritt genossen wir noch etwas die Nachmittagssonne.
      … Kaffee war schon etwas besonderes …
    • Canyon
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      23. Oktober 2015 | 8.204 Zeichen | Canyon
      Ausfahrt nach Saint-Pierre

      Mio »
      Trrrrrrrrrrr.....Trrrrrrrr... Trrrrrrrrr.... „Blöder Wecker!“ knurrte und ich und ließ meine Hand auf den Ausmacheknopf (oder wie der auch immer hieß) fallen. Nachdem nun auch das fünfte Pferd auf Saint Gorge eingezogen war, hieß es, nochmal eine halbe Stunde früher aufstehen und mein Rhythmus hatte sich noch nicht den Bedürfnissen der Pferde angepasst. Ich zog mir nochmal kurz die Decke über den Kopf und versuchte ein letztes Mal die mollige Wärme von ihr zu genießen, bevor ich diese mit einem Schwung nach hinten schlage und aus dem Bett hüpfe. Jetzt, wo die Decke einmal weg ist, ist es total unangenehm ich kalten Zimmer und ich beeile mich ins Bad zu kommen. Die gute Morgen Fee Charly hat wie immer schon das Bad vorgeheizt und so empfängt mich eine Wärme, wie ich sie im Bett hatte. Schnur... Hier könnte man gleich wieder einschlafen... Nein! Ich ringe mich dazu durch mir meine Stallklamotten anzuziehen, meine Haare zu kämmen und kurz das Gesicht erfrischen. Danach schlurfe ich, halb stolpere ich, die Treppen hinab in die große Küche. Dort sitzt Charly wie immer an ihrem Laptop, mit einer dampfenden Tasse Kaffee vor sich, und spielt irgendeins ihrer Spiele.
      „Morgen...“, murmelte ich und setzte mich an die andere Seite des alten Küchentischs, welcher schon einige Schrammen vorzuweisen hatte. Wir hatten ihn billig in Saint-Pierre-La-Mer ersteigert und er erbrachte ja seine nötigen Dienste. Auch Charly hob kurz den Kopf, zog sich die Kopfhörer aus den Ohren und blickte mich schräg an. „Morgen.“, sagte sie und ihre Stimme machte dabei einen Bogen nach oben. Wie sie es immer schaffte schon früh so munter zu sein! Vielleicht sollte ich mir auch mal ein paar Computerspiele kaufen und deswegen schon früh aufstehen. Auf dem Tisch standen zwei Schüsseln, mein Schokomüsli, Charlys Dinkelmüsli und eine Packung Milch. Für mehr waren wir dann doch beide zu faul. Während wir unser Müsli nach unten schluckten, gingen wir den Plan für den heutigen Tag durch:
      „Also...“, fing ich sehr produktiv an. Als sich meine Gedanken sortiert hatten, sprach ich weiter „Zu erst versorgen wir Pferde, schmeißen diese dann alle auf die Koppeln, misten aus und -“ Weiter kam ich noch nicht. Dafür hatte Charly noch eine dringende Angelegenheit: „Wir brauchen dringend einige Dinge aus dem Supermarkt aus Saint Pierre. Wir wärs, wenn wir nach dem Ausmisten mal ins Auto steigen und einkaufen fahren?“
      „Gute Idee!“, stimmt ich ihr zu und blickte dabei traurig auf mein Lieblingsmüsli. Meine Mutter hatte es mir mit der letzten Post geschickt, da es dieses nicht hier zu kaufen gab. Nun war es fast alle und ich musste mir wohl oder übel eine Alternative im Supermarkt suchen.“ *Seufz!*
      Nach dem kläglichen Frühstück gingen wir zusammen in den Stall, eine alte Scheune, in welcher nun fünf Boxen standen. Unsere fünf Pferde erwarteten uns schon aufgeregt. Nein, wahrscheinlich warteten sie nicht auf uns, sondern auf ihr essen. In der Mitte der fünf Boxen stand mein Liebling. Excelsior, ein Deutsches Reitpony. Rechts neben ihm stand seine beste Freundin Jeanie und daneben einer unserer letzten Neuzugänge, Changa. Links neben Exel, wie er liebevoll von mir genannt wurde, standen die beiden Hengste Happy (ein Shetty) und Acapulco Gold, oder auch einfach nur Coco (ein Quarter Horse Mix). Wir begrüßten alle fünf Pferde mit einer kleinen Knuddeleinheit, gaben dann allen ihr Kraftfutter und warteten, bis sie dieses aufgefressen hatten. Zu erst brachten wir Exel, Jeanie und Changa auf ihre Koppel. Diese lag rechts an der langen Einfahrt. Da Exel und Jeanie sich am besten verstanden, nahm ich die beiden zusammen und führte sie raus. Charly schnappte sich die ruhige Changa, welche sich große Mühe gab, sich nicht von den beiden Ponys unterkriegen zu lassen. Als wir sie jedoch auf der Koppel von ihren Halftern befreiten, galoppierten sie glücklich über die Koppel ans andere Ende. Happy und Coco waren nicht ganz so enthusiastisch und liefen nebeneinander im langsamen Schritt am Zaun entlang. Zum Glück hatten sich beide von Anfang an verstanden und es gab keine Probleme bei der Zusammenführung.
      Zurück im Stall schaltete Charly das Radio an. Sie immer mit ihrem klassischen Gedöns! Charly war echt ein Mensch der Gegenteile. Sie war normal groß, trotzdem kleiner als ich, hatte kurze schwarze Haare und olivgrüne Augen. Sie zockte alle möglichen Spiele, hörte nebenbei klassische Musik von Mozart und stieg dann aufs Pferd, um einmal richtig Gas zu geben. Sie war echt ein verrückter Mensch. Im Eiltempo misteten wir die fünf Ställe aus, füllten die Heunetze auf und kehrten nochmal durch. Asuka, der Hund von Charly, vertrieb sich die Zeit, indem er im Heu herum sprang und all die gemachte Arbeit wieder zunichte machte. Nach getaner Arbeit zogen wir uns beide schnell andere Klamotten an und stiegen in den alten Lada von Charly. Wir waren beide froh gewesen, dass er den weiten Weg bis nach Südfrankreich ohne Probleme gemeistert hatte, trotz seines, nicht mehr geringen, Alters. Ohne ihn, hätten wir uns erst noch ein neues Auto kaufen müssen, denn ohne überlebt man es nicht in unserer Gegend. Wir holperten die Einfahrt zwischen den beiden Koppeln unserer Pferde entlang. Asuka hatte es sich auf dem Rücksitz bequem gemacht. Nachdem wir die Koppeln hinter uns gelassen hatten, fuhren wir ewig lange Serpentinen hinab, um auf die Höhe des Meeres zu kommen. Irgendwann waren aber auch diese zu Ende und wir fuhren nun eine lange Landstraße entlang. Rechts ging es steil einen Berg hinauf, welcher überwachsen von Pinien war und recht lag eine verlassene Einöde, welche sich bis zu einer Hügelkette in weiter Ferne zog. Als wir eine Anhöhe erreichten und nur wenige hundert Meter unter uns Saint-Pierre-La-Mer erkennen konnten, war es fast wie im Märchen. Laut der Anzeige im Lada waren es noch volle 20°, die Sonne schien und es war strahlend blauer Himmel. Von hier oben konnten wir das Mittelmeer erkennen und das kleine Touristendorf Saint-Pierre-La-Mer.
      Der kleine Supermarkt lag blöderweise auf der der anderen Seite und so mussten wir uns durch die vollen Gassen schlängeln. Autos, Qualm, Verkäufer und Touristen und überall wurde auf französisch erzählt. Es war so wunderschön hier und ich fühlte mich wie früher, als ich mit meiner Familie hier Urlaub gemacht hatte. Charlys Auto parkten wir etwas abseits von dem ganzen Trubel und liefen dann zu Fuß noch einige Meter durch Saint Pierre zum Supermarkt. Im Supermarkt kauften wir nur schnell das nötigste, fürs Wochenende hatten wir uns vorgenommen, in die nächst größte Stadt Narbonne zu fahren um dort nochmal einen Großeinkauf starten zu können. Mit voll gepackten Rucksäcken Taschen liefen wir zum Auto zurück. Dort einigten wir uns darauf, nochmal eine Runde an den Strand zu gehen, dann hatte Asuka, welcher die ganze Zeit brav neben uns her gelaufen war, auch nochmal etwas Freude. Trotz des milden Wetters, war der Strand vor Saint Pierre noch relativ voll. Es gab mehrere Jogger, einige wagemutige, die sich trotz des kalten Wassers noch in Badehose zeigten und junge Leute, die den Sand unter ihren Füßen genossen, genauso wie Charly und ich. Wir hatten die Schuhe ausgezogen und schlenderten zusammen am Ufer entlang. Asuka stürzte sich immer wieder in die Fluten und kam dann wegen der Kälte immer wieder heraus gerannt. Wir genossen die Ruhe und die Zufriedenheit und wussten beide, dass das bald ein Ende haben würde. Ich und auch Charly waren auf der Suche nach Jobs, um uns den Hof leisten zu können. Außerdem wollten wir auch noch studieren, dass würde dann aber wohl erst nächstes Jahr klappen. Bis dahin mussten wir uns mit Kleinjobs das täglich Brot verdienen. Irgendwann mussten wir uns aber doch wieder auf den Heimweg machen. Die Arbeit auf dem Hof schrie laut nach uns und das schlechte Gewissen, heute noch nichts gemacht zu haben, lag schwer auf unserem Gemüt. Zu dritt spazierten wir am Strand entlang zurück, bogen dann nach rechts auf die Promenade ab und suchten uns den Weg zurück zu unserem Auto. Ich fühlte mich wohl hier, wo ich jetzt war, und wahrscheinlich ging es Charly, Asuka und den Pferden genauso so. Hoffentlich ging es ihnen genauso!
    • Canyon
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      25. Oktober 2015 | 9354 Zeichen | Canyon
      Erste Reitstunde

      Mio
      » Mein Gott! Ich hatte ja gewusst, dass es in Südfrankreich um einiges wärmer ist als bei meinen Eltern in Norddeutschland, aber dass es fast 15° Unterschied sind, hätte ich nicht gedacht. Mein Thermometer zeigte mir 21° an, soviel hatten wir an manchen Sommertagen in Deutschland nicht. Nun war es Herbst. Hier schien die Sonne, zu Hause war schon der erste Schnee gefallen. Charly und ich hatten heute vor, unsere beiden Stuten Jeanie und Changa das erste Mal zu reiten. Ich war mega gespannt darauf, ob beide gut zu uns passten. Jeanie war ein Geschenk meiner Eltern gewesen und Changa hatten wir vor wenigen Wochen gekauft. Als wir am Morgen Excelsior, Happy und Coco auf ihre Koppeln brachten, behielten wir die beiden Stuten gleich im Stall um ihnen so das hin und her gerenne zu ersparen. Den Reitplatz hatten wir in der letzten Woche Mühsam gereinigt und repariert und jetzt sollte er erstmal so weit fertig sein. Wenn Geld und Zeit da war, würden wir neuen Sand aufschütten und vielleicht ein paar Pfosten austauschen, doch jetzt musste er erstmal so halten. Charly und ich waren uns von vorn herein einig gewesen, dass ich die Fellpony Stute und Charly die Quarter Stute nehmen würde. Nachdem ich Exel etwas beruhigt hatte, der das gar nicht gut fand, dass seine beiden Frauen nicht mit ihm auf die Weide kamen, ging ich zurück in die Scheune, krallte mir das Putzzeug und ging zu Jeanie in die Box. Charly war nebenan schon fleißig am Bürsten um auch jeden Krümel aus den langen Haaren von Changa zu bekommen. Ich kraulte die kleinen Stute erstmal hinter den Ohren und steckte ihr dann noch schnell ein Leckerli zu, bevor es ans Putzen ging. Jeanie stand die ganze Zeit aufmerksam mit gespitzten Ohren da und ließ sich, wie immer, ohne jegliche Probleme putzen. Brav hob sie ihre Hufe, bevor ich ihre Beine auch nur berührt hatte und verlagerte sich gut auf die andere Seite, damit die Last ihres Körpers nicht in meinen Händen lag. Nach einer guten viertel Stunde intensiven putzens, war ich fertig. Auch Charly hatte das Putzzeug schon zur Seite gelegt und zusammen gingen wir in eine hintere Ecke der alten Scheune, wo wir wir uns eine kleine Sattelecke, eine Kammer war es ja noch nicht, eingerichtet hatten. Bis jetzt hingen dort fünf Sättel. Alle waren etwas älter und nicht mehr wirklich in Schuss, aber sobald wir einen ordentlichen Sattler in der Gegend gefunden hatten, würden wir das ändern. Ich schnappte mir den alten Dressursattel von Jeanie und die passende Trense dazu. Dann ging ich zurück zur Box, in welcher Jeanie lieb auf mich wartete. Zu erst hielt ich ihr das Sattelzeug unter die Nase und sie schnupperte ausgiebig daran. Ich legte den Sattel vorsichtig auf den breiten Rücken von Jeanie und gurtete ihn erstmal nur ganz locker zu, damit er nicht gleich wieder herunter fiel. Sie stand wie immer brav da, hatte die Ohren nach vorne gespitzt und schielte aufmerksam in meine Richtung. Angst vorm Sattel hatte sie schon mal nicht. Das war gut! Auch beim trensen machte sie keine Anstalten sich zu beschweren und so war sie nach weniger als zehn Minuten perfekt gesattelt und getrenst. Charly, in der Box nebenan, hatte da schon größere Probleme. Changa zuckte immer wieder zusammen, wenn sie den Sattelgurt zu fest zuschnallte und schnaubte mit angelegten Ohren in die Richtung meiner Freundin. Puh... Das konnte ja was werden! Zwei anstrengende Mädels und dann noch zusammen als eins! Hoffentlich würde Charly sich etwas Geduld aus den hinteren Ecken ihres Bewusstseins kramen, damit unsere erste Reitstunde nicht die Schlucht hinab stürzte.
      „Ich gehe schon mal raus!“, rufe ich Charly zu, während ich die Boxentür öffne und Jeanie nach draußen führte.
      Der Reitplatz war schon länger nicht mehr benutzt wurden und war so nicht gerade gut gepflegt. Das würde mir und Charly viel Arbeit kosten, das Ganze wieder herzustellen. Dafür konnten wir hier aber kostenlos wohnen und das war doch die Hauptsache. Jeanie stellte ich in die Mitte des Platzes, zog mir dann meine Jacke aus, denn hier prallte die Sonne schon noch ganz schön, und gurtete nach. Sie zuckte nur kurz mit den Ohren in meine Richtung, blieb aber ansonsten total entspannt stehen. Die Steigbügel waren schon genau für mich eingestellt, da muss wohl jemand zuletzt drauf gesessen haben, der die gleichen langen Beine wie ich hatte. Bevor ich aufstieg, kraulte ich Jeanie nochmal hinter den Ohren und kontrollierte wie die Trense saß. Perfekt war es nicht, aber jetzt nicht besser zu machen. Dann nahm ich die Zügel kurz, man wusste nie wie sie beim Aufsteigen reagieren würde, und zog mich hinauf in den Sattel. Ich atmete tief aus, rutschte nochmal an die richtige Stelle und schnalzte dann kurz. Federleicht setzte sich meine Stute in Bewegung und ich lenkte sie erstmal auf die rechte Hand, meine bessere. Die Zügel ließ ich noch lang, lief erstmal zwei Runden im Schritt und versuchte mich, in ihren Takt einzufuchsen. Nach der zweiten Runde kam Charly mit Changa dazu und ich wendete Jeanie auf den oberen Zirkel ab, damit die Beiden sich in Ruhe am unteren Ende aufs Reiten vorbereiten konnten. Ich nahm die Zügel jetzt etwas weiter auf, wechselte mit Jeanie einmal durch den Zirkel und lief vier Zirkelrunden auf der linken Hand. Charlie war nun auch Antrittsbereit und saß auf Changa. Charly fing, wie ich, am langen Zirkel, aber auf der linken Hand an und ich wechselte aus dem Zirkel und ging dann ganze Bahn. Die nächste viertel Stunde lief ich Volten, Schlangenlinien und Bahnwechsel, bog Jeanie in alle möglichen Richtungen und schaute, was sie konnte und was man noch üben musste. Als ich mir sicher war, sie auch im Trab noch gut im Griff haben zu können, trabte ich zur geschlossenen Seite hin an. Jeanie wurde langsam schneller, fand den Rhythmus mit mir auf dem Rücken und nach zwei Runden ganze Bahn im Trab, lief sie sicher. Nun machte ich das ganze wieder. Ging erst Zirkelrunden, lief dann einige Bahnfiguren und erfreute mich daran, wie gut Jeanie mitarbeitete. Charly und Changa hatten ebenso Freude. Changa wollte immer wieder angaloppieren und Charlie musste sie immer wieder mit viel Durchsetzungsvermögen aus dem Galoppsprung ins traben zurück holen. Trotzdem sah man ihr die Freude an, endlich wieder auf einem Pferd zu sitzen, auch wenn es so eine schnelle wie Changa war. Nach einer guten dreiviertel Stunde harter Trab- und Schrittarbeit, bat ich Charlie darum, mir für meinen ersten Galoppversuch die ganze Bahn freizumachen. Charly stellte Changa zwischen X und A und beobachtete mich dabei, wie ich Jeanie auf den Zirkel lenkte und dann zur geschlossenen Seite meinen ersten Galoppversuch startete. Ich ließ die Zügel etwas länger und gab Jeanie die Galopphilfen. Uuuund – Mist, Außengalopp. Mein Problem aus früheren Zeiten. Ich parierte wieder durch, ging weiter Zirkel, machte dann in der Ecke eine Volte und gab Jeanie nochmal die Galopphilfen. Die Stute galoppierte langsam, und diesmal auf dem richtigen Bein, an und ich lenkte sie auf die ganze Bahn. Jeanie galoppierte weich durch die Ecken, schaukelte mich auf ihrem sanften Rücken fast in den Schlaf und brachte mich zum strahlen. So ein schöner Galopp! Nach drei Runden Galopp parierte ich durch, für heute würde das erstmal reichen. Ich lief noch eine Runde Trab, ging dann in den Schritt über und lief noch eine letzte Runde. Dann stellte ich mich n den Platz, wo bis gerade eben noch Charly und Changa artig gewartet hatten und schaute Charly bei ihrem ersten Galoppversuch zu. Bei Charly klappte es beim ersten Mal. Changa galoppierte an der kurzen Seite an, ging dann auf den Zirkel, wechselte den Zirkel und ging dann ganze Bahn. Charly saß konzentriert auf ihrem Rücken, gab an den richtigen Stellen die Hilfen und blickte vorausschauend nach vorne. Auf der ganzen Bahn ließ Charly die Zügel etwas lockerer und gab damit Changa das Zeichen, schneller laufen zu dürfen. Die Schritte der Stute wurden langsam größer, Charly lehnte sich etwas mehr nach hinten und genoss so richtig die Schnelligkeit. Changa legte die Ohren an und ließ ihrer Energie freien Lauf. Mit großen Augen beobachtete ich das Zusammenspiel von Changa und Charly und noch größer wurden diese, als Charly an der langen Seite die Zügel aufnahm, sich schwer in den Sattel setzte und Changa aus dem Galopp zum stehen brachte. Ich konnte nicht anders als bewundert zu pfeifen und Charly für das tolle Manöver, was schon fast einem Sliding Stop ähnelte, zu loben. Charly und ich ritten unsere Pferde nach knapp einer Stunde Arbeit trocken. Jeanie ließ entspannt den Kopf nach unten gleiten und schnaubte zufrieden den Sand an. Ich war zufrieden mit meiner Stute und dankte in Gedanken noch mal AliciaFarina für das gute Einreiten der Stute. Sie hatte echt gute Arbeit geleistet! Ich hielt Jeanie genau bei X an, ließ mich dann sanft aus dem Sattel gleiten und zog die Steigbügel hoch. Charly tat es mir gleich und zusammen führten wir unsere Pferde wieder in die Scheune. Dort sattelten wir ab, steckten beiden Stuten ein Leckerli zu und halfterten auf. Dann brachten wir beide zu meinem Wallach Exel, welcher schon sehnsüchtig auf seine beiden Damen wartete. Changa galoppierte von dannen und Jeanie trabte erstmal leichtfüßig zu ihrem Excelsior. Zufrieden atmete ich tief durch. Ich war zufrieden damit, wie die Dinge zur Zeit standen und freute mich auf die Zeit, welche noch kommen sollte.
    • Canyon
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      27. Oktober 2015 | 11.079 Zeichen | Canyon

      Neue(r) Bewohner

      Mio »
      Heute nahm ich mir endlich mal wieder Zeit, etwas mit meinem Excelsior zu machen. Ich hatte ihn in den letzten Wochen stark vernachlässigt, da unsere neuen Pferde und der neue Hof meine Aufmerksamkeit brauchten. Da ich heute beim aufräumen unseres Schuppens ein paar Cavalettis und Stangen gefunden hatte, wollte ich endlich mal wieder etwas mit meinem Reitpony springen. Bei den Cavalettis sowie bei den Stangen konnte man die ursprüngliche Farbe kaum noch erkennen. Wenn ich das nächste Mal in der Stadt war, musste ich dringend etwas Farbe kaufen. Auch der Reitplatz brauchte mal wieder einen Neuanstrich und so war das der perfekte Grund, es endlich mal zu tun.Die Stangen und Cavalettis reichten für drei einigermaßen hohe und einfallsreiche Hindernisse und ich war mit dem Ergebnis eigentlich recht zufrieden. Charly hatte endlich einen kleinen Job in einem Andenkenladen gefunden und musste heute Nachmittag arbeiten. Ich genoss also etwas die Ruhe, auch wenn ich wusste, dass auch ich bald irgendwo eine Arbeit finden musste. Am späten Nachmittag, als es gerade nicht mehr ganz so warm war, holte ich meinen Wallach von der Koppel. Wie wir beide es auch schon in Deutschland geübt hatten, legte ich ihm nur das Halfter um und ließ ihn ansonsten frei hinter mir her laufen. Zum Glück hatte er es noch nicht verlernt, doch der Weg von der Weide zum Stall war auch nicht gerade weit. Ich band ihn unter dem Vordach der Scheune, welche uns als Stall diente, fest und holte aus unserer provisorisch eingerichteten Sattelkammer seinen Sattel sowie seine Trense.
      Exel war wie immer fast sauber und so brauchte ich nicht lange um ihn zu putzen und seine Hufe auszukratzen. Frisch geputzt, sattelte und trenste ich ihn und führte ihn dann zum Reitplatz. Voll Tatendrang brauchte ich recht lange, ihn in der Platzmitte zum stehen zu bringen, doch als er endlich stand, stand er auch. Seine Ohren wirbelten von der einen Richtung zur anderen, um all die neuen Gerüche des Reitplatzes einzuziehen. Ich stellte die Steigbügel schnell ein, gurtete nach und schwang mich in den bequemen Sitz des Sattels. Bevor ich losritt kraulte ich ihm nochmal am Mähnenansatz und sortierte die Zügel. Als alles fertig war, trieb ich ihn leicht mit Bein und Stimme. Es tat gut, endlich mal wieder auf meinem Liebling zu sitzen.
      Ich ritt mit Exel eine Runde am langen Zügel, nahm diese dann auf und fing an, leichtere Bahnfiguren zu reiten. Ich ging im starken Schritt Zirkel, wechselte durch den Zirkel, dann aus dem Zirkel, wieder durch den Zirkel und ging ganze Bahn. Ich bog ihn in alle möglichen Richtungen, lief Volten und Schlangenlinien und als er warm geritten war, trabte ich an. Wieder lief ich verschiedene Bahnfiguren und bezog diesmal die Trabstangen mit ein, welche ich an einer langen Seite aufgestellt hatte. Beim ersten Mal stolperte er über eine und kam etwas aus dem Rhythmus. Danach kannte er jedoch den Abstand und beging den Fehler nicht noch einmal. Irgendwann war Exel so gut im Rhytmus, dass ich ohne Probleme angaloppieren konnte. Ich blieb zuerst auf dem Zirkel, ließ den Zirkel kleiner werden und dann wieder größer. Dann wechselte ich auf die ganze Bahn und übte etwas leichten Sitz, welchen ich schon lange nicht mehr geritten war. Als ich mir sicher war, dass wir das erste Hindernis schaffen würden, ritt ich Exel eine Runde ganze Bahn und steuerte dann das kleine, nicht hohe Hindernis an. Zur Hilfe hatte ich noch eine Absprungstange auf den Boden gelegt, diese brauchte Exel jedoch überhaupt nicht und als ich mich langsam in den leichten Sitz gleiten ließ, flog er wie ein Pegasus über das Cavaletti und landete sortiert auf der anderen Seite. Ich trieb ihn gleich im Galopp weiter ganze Bahn und steuerte wieder das erste Hindernis an. Wieder nahm er es ohne große Problem. Danach war das zweite und dritte Hindernis dran. Beide waren um einiges höher und ich gönnte Exel nochmal eine kurze Trabrunde. Das zweite nahm er noch ohne zu stolpern, beim dritten verschätzte er sich und haspelte sich gerade noch so drüber. Als wir es erneut versuchten, gab ich ihm im falschen Moment die passenden Hilfen und Exel wendete kurz davor noch ab. Puh... So hoch war es nun aber auch nicht! Das dritte Mal gab ich die richtigen Hilfen und auch Exel sprang an der richtigen Stelle ab, nur streifte er mit dem Hinterfuß eine Stange, welche klappernd zu Boden fiel. Wohl oder übel musste ich absteigen und die Stange wieder auflegen. Das war natürlich der Nachteil, wenn man alleine auf dem Hof war! Die restliche Zeit übten wir abwechseln die drei Hindernisse und liefen zum Schluss einen kleinen Parcours. Am Ende der Reitstunde war ich überaus zufrieden mit dem Ergebnis von Exel. Er hatte sich richtig toll entwickelt, seitdem ich ihn besaß und ich konnte auch stolz auf mich sein!
      Als ich gerade absaß um den schweißnassen Hengst abzusatteln, fiel mein Blick auf meine Uhr. Fünf vor halb sechs, in fünf Minuten müsste Charly von der Arbeit wieder kommen. Was wäre da passender, als sie gleich am Tor zum Hof zu begrüßen? Ich entschied mich binnen Sekunden dafür, Excelsior nochmal kurz zu belasten und schwang mich mit einem kräftigen Sprung auf den nackten Rücken des Grauschimmels. Exel blickte erstmal kurz verwundert, wehrte sich aber nicht dagegen, als ich ihn vom Reitplatz trieb und Richtung Einfahrt lenkte. Im gemütlichen Schritt liefen wir zwischen den beiden Weiden hindurch. Links standen Exels beide Freundinnen Changa und Jeanie, links blickten uns die beiden Hengste Coco und Happy nach.
      Als wir die Koppeln und somit unser Grundstück hinter uns gelassen hatten und Charlys Lada immer noch nicht in Sicht war, trabte ich Exel leicht an und ritt mit ihm den holprigen Weg in Richtung Saint Pierre. An einer Kurve saß ich ab, setzte mich auf einen Stein und ließ Exel gemütlich am Wegesrand grasen. Das sind dann die Vorteile einer gebisslosen Trense. Ich blickte wieder auf die Uhr. Schon sieben nach halb. Bis jetzt war Charly immer pünktlich gewesen. Warum nur jetzt nicht? Ungeduldig wippte ich mit meinen Füßen. Exel schien das alles nicht zu stören und er fraß genüsslich das Gras. Wieder blickte ich auf die Uhr. Neun nach halb. Wo blieb sie denn nur? Charly war immer pünktlich und verabscheute zu spät kommen um alle Maße! Ich zückte mein Handy. Keine Nachricht von ihr. Oh oh... Nicht das etwas passiert war! Nein! Ich musste mir dringend abgewöhnen, wenn jemand mal 10 Minuten zu spät kam, gleich das schlimmste zu befürchten! Aber jetzt waren es schon elf. Durfte ich mir jetzt Gedanken machen? Ängstlich kaute ich an meinen dreckigen Fingernägeln. Wenn ich das tat, war ich wirklich schon sehr fertig. Gerade als ich aufstehen wollte um zurück zureiten und mit Fahrrad in die Stadt zu fahren, bog der Dunkelgrüne Lada um die Ecke. Ein Stein fiel mir vom Herzen, als ich Charly gesund und munter hinter dem Lenkrad erkennen konnte. Ich sprang von dem Stein auf und erschreckte dabei Exel, welcher mit einem Satz nach hinten sprang und wild mit den Ohren umher wirbelte, auf der Suche nach der Gefahrenquelle. Erstaunt, dass ich hier war, hielt Charly ihren Wagen an und kurbelt umständlich die Fenster hinunter.
      „Was machst du denn hier?“, fragte sie verblüfft „Wartest du auf den ersten Schnee?“
      „Ich habe mir Sorgen gemacht!“, quetsche ich zwischen den wütend zusammengebissenen Zähnen hindurch. „Du bist mehr als eine viertel Stunde zu spät und dein Handy ist auch nicht an! Es hätte alles mögliche passieren können!“
      Charly lachte. „Du bist echt niedlich! Vorallem wenn du so wütend bist. Aber eigentlich bist du gar nicht wütend, einfach nur froh, dass ich wieder da bin. Aber das würdest du ja nie zugeben. Los steige auf dein Pferd, ich habe etwas leckeres zu Essen gekauft und außerdem eine Überraschung für dich!“
      Widerwillig ließ ich Charly mit ihrem Lada an mir vorbeifahren, stieg dann, mit Hilfe des Steins, wieder auf Exels Rücken und trabte entspannt zurück zum Hof. In mir brodelte es und so war ich froh, dass sich Exel einfach auf der Koppel abliefern ließ und ich dann zu Charly ins Haus konnte. Eigentlich wollte ich nicht wissen, was sie wieder für eine „Überraschung“ hatte, meistens fielen diese bei ihr nicht gerade humorvoll aus. Als ich in die Wohnstube kam, hockte Charly vor unserem alten Sofa und verdeckte irgendwas. Etwas neugierig war ich ja schon, ließ es mir aber nicht anmerken. Ich wollte ja nicht, dass Charly den Abend gewonnen hatte. Immerhin hatte sie meine Nerven ganz schön auf die Folter gespannt! Erst zu spät kommen und nicht Bescheid sagen und dann das Ganze auf die leichte Schulter nehmen und mich auslachen! Immerhin waren wir hier in einem fremden Land weit ab vom Schuss, als Ausländer lebte man immer gefährlicher, vorallem wenn man so hübsch wie Charly war.
      „Was hast'n da?“, nuschelte ich, als ich langsam auf Charly zuging und diese etwas zur Seite hopste. Auf dem Sofa lag etwas sehr unerwartetes und mein erstes Wort war ein „Oh!“.
      Charly hatte eine wunderschöne Kätzin aufgegabelt. Mit grau weiß geflecktem Fell und großen grünen Augen. Sie schien aus einem älteren Semester zu stammen und war zu dem noch mehr als kugelrund. Eine trächtige Katze! Ich ließ mich neben Charly auf die Knie fallen und hielt der Süßen meine Hand hin. Diese zog erschrocken den Kopf ein und ihre Augen weiteten sich noch mehr.
      „Habe ich auf der Straße gefunden. Saß neben den Mülleimern eines Restaurants. Sie scheint sich ein Bein verletzt zu haben und kann nicht mehr laufen. Ich muss morgen nicht arbeiten und würde nach Narbonne zu einem Tierarzt fahren. Du hast doch nichts gegen ein paar mehr Tiere auf dem Hof, oder?“, fragte Charly und lächelte mich dabei selig an. Selbst ohne diesen Treu-Doof-Blick hätte ich nie und nimmer Nein sagen können, einem armen Tier zu helfen.
      Von diesem Tag an, hatten wir einen (oder mehrere) neuen Bewohner auf Saint Gorge. Auch auf einen Namen einigten wir uns schnell: Capucine. Typisch französisch, damit die Kätzin ihn auch verstehen konnte. Der Ärger, welchen ich gerade noch auf Charly hatte, war vom Winde verweht und wir beide lachten zusammen, als wir Capucine ein Nest einrichteten und etwas Futter von unseren Vorräten zusammen suchten. Eine Katze war wirklich unser letzter Schritt zum Glück gewesen! Charly nahm Asuka mit auf ihr Zimmer, damit Capucine jedenfalls die erste Nacht noch ihre Ruhe haben würde. Meine Zimmertür ließ ich offen stehen und als ich am nächsten Morgen aufwachte, lag zusammen gerollt in meinen Kniekehlen Capucine.
      „Guten Morgen, meine Kleine!“, gähnte ich und streichelte ihr den Kopf. Die kräftige Kätzin öffnete kaum merklich ein Auge und blinzelte mich an. Dann schloss sie es wieder und tat so, als würde sie nicht merken, was ich dachte.
      Bevor ich mich leise aus dem Bett schälte, flüsterte ich ihr noch zu: „Willkommen auf Saint Gorge!“ und dann begann auch für mich ein neuer Tag auf unserem Hof.
    • Canyon
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      5. November 2015 | 2.774 Zeichen | Canyon
      Kälte des Südens

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      Br... Diese Kühle war ich nicht mehr gewohnt! Ich zog den Reißverschluss meiner Jacke zu und zog die Ärmel über meine Hände. 9° hatte das Thermometer heute morgen bei mir angezeigt! Das war Rekord! Komisch, wie schnell man sich an die Wärme vom Süden gewöhnt hatte. In Deutschland wäre ich um diese Jahreszeit froh darüber gewesen, wenn es am morgen schon so warm war. Ich blickte auf meine Uhr. Halb Acht, die richtige Zeit um meine Pferde zu füttern und auf die Koppel zu bringen. Vorsichtig schloss ich die Tür unseres Wohnhauses hinter mir, in welcher ich bis gerade noch gestanden hatte, und lief eilig über den kleinen Hof zum Stall. Ich stemmte mich gegen die schwere Schiebetür und drückte diese auf. Es quietschte laut.
      „Guten Morgen alle zusammen!“, begrüßte ich meine fünf Pferde, welche alle noch total verschlafen und teilnahmslos in ihren Boxen standen.
      Zu erst begrüßte ich alle, fing da bei Changa an, welche in der Box ganz links stand und kraulte sie kräftig. Dann wechselte ich zu Jeanie, dann zu Excelsior, Happy und zum Schluss Coco.
      „Ihr habt Hunger, wa?“, fragte ich sie, als Coco mir meine Taschen mit der Nase durchsuchte. „Ihr bekommt ja schon was. Nur kein Stress!“
      Ich lief zu unserem Futterlager, sammelte die fünf Eimer ein und gab jedem Pferd die passende Portion Kraftfutter. Dann stellte ich jedem seinen Eimer hin und beobachtete, wie sich alle fünf auf das Futter stürzten. Changa verteilte den ganzen Inhalt auf dem Boden, Happy ließ seinen Kopf einfach im Eimer und schaufelte sich dort alles hinein und Coco zog den Eimer wie immer von der Tür weg, damit es ihm auch ja niemand stehlen konnte! In der Zeit wie meine Pferde genüsslich fraßen, fegte ich den Stall. Das war genauso wie im Herbst die Blätter wegzufegen: Man wurde nie fertig. Als alle aufgegessen hatten und in ihren Boxen umher tänzelten, schnappte ich mir die Halfter und brachte diese auf ihre Weiden. Zu erst nahm ich die beiden Hengste Coco und Happy mit, da Coco so etwas langsamer lief, da er seine Frauen nicht zurücklassen wollte. Als ich das Tor der Koppel schloss, blieb Coco noch am Zaun stehen und wieherte laut.
      „Jaja, schon gut!“, beruhigte ich den großen Hengst „Deine Mädels kommen ja bald!“
      Ich beeilte mich, dass ich die anderen drei auch noch nach draußen brachte. Im Stall legte ich den drein, welche auch schon ungeduldig darauf warteten aus ihren Gefängnissen zu entkommen, die Halfter an und führte alle drei zusammen auf ihre Koppel. Als ich sie dort frei ließ und sie glücklich von dannen stürzten, wendete sich auch Coco ab und trabte die Weide entlang zu Happy, welcher schon fröhlich graste. Zufrieden wendete ich mich ab und betrat wieder den Stall. Tja, jetzt wartete wohl die Stallarbeit auf mich!
    • Canyon
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      10. November 2015 | 24.637 Zeichen | Canyon
      Neue Bekannte

      Mio » „Willst du wirklich beide Fenster rausreißen?“, fragt mich Charly entsetzt. „Weißt du wie viel Arbeit das macht und außerdem noch Geld kostet?“ Ich verdrehe die Augen und seufze genervt. „Wenn du ein Pferd wärst- Nein, warte, lass mich aussprechen! Wenn du ein Pferd wärst, würdest du dich da nicht auch über etwas Sonnenschein freuen?“
      „Ich bin aber kein Pferd!“, murrt Charly und wendet ihren Blick dann wieder auf unsere Aufzeichnungen. Wir sitzen zu Zweit am Küchentisch und planen. Ja, wir planen. Wir planen tatsächlich erstmal eine neue Box als Versuch in die Scheune zu bauen. Seit zwei Tagen haben wir überlegt wie diese aussehen soll, wie viel Geld alles kostet und ob die Idee überhaupt gut ist.
      „Google doch mal, wie viel so ein schönes großes Fenster kosten würde!“, forder ich Charly heraus und ziehe den Laptop zu mir ran.
      „Mio mein Gott!“, fährt mich Charly an und rückt den (ihren) Laptop wieder zu sich zurück. „Lass das blöde Fenster doch einfach wo es ist und wir klären lieber wichtigere Dinge!“ Ich muss lachen. „Ich als dein Gott befehle dir, mir sofort zwei neue Fenster zu kaufen, sonst wirst du in der Hölle landen!“, rufe ich mit verstellt tiefer Stimme. Am Ende muss ich wieder lachen.
      „Mensch, mit dir kommen wir ja nie zu einem sinnvollen Ende!“, schnaubt Charly.
      „Na gut“, gebe ich mich geschlagen. „Die Fenster bleiben vorerst-“, ich hebe meinen Finger und schaue Charly streng an. „-vorerst drinnen.“ Charly wischt sich mit der Hand übers Gesicht und schüttelt dann fassungslos den Kopf. Die Wörter bleiben ihr im Hals stecken.
      „Ok“, sagt Charly wenig sagend. „Dann lass uns jetzt nochmal alles durchgehen und gleich notieren. Die Box kommt neben die von Changa. Bis zur Wand haben wir da noch fast 5 Meter Platz. Wenn wir die Box genauso wie die anderen fünf machen wollen, dann würde das genau passen. Diese sind nämlich-“, Charly wühlt in den Unterlagen „Genau 3,51 m breit.“ Ich nicke und versuche einen weiteren Lachanfall zu unterdrücken. Was ist heute nur los mit mir?
      Während meine Laune immer besser wird, zieht Charly immer mehr ein Gesicht und das ist nicht gut. Gar nicht gut. Ich versuche mich etwas zu beruhigen und zum Thema „Bau einer neuen Box“ auch etwas konstruktives beizutragen. „Wenn wir gut weg kommen und es schaffen, mindestens die Hälfte davon zur Marke „Eigenbau“ zu machen, wird es hoffentlich nicht teurer als 1500 werden und das ist schon teuer genug.“ Charly schaut mich mit verschränkten Armen an und trommelt ungeduldig mit den Händen. Dazu zieht sie noch die Augenbrauen nach oben, was ihre, sonst schon großen Augen, noch größer macht.
      „Und du wolltest tatsächlich nochmal das Doppelte ausgeben, nur um zwei neue Fenster zu haben?“
      Ich seufze. „Ist ja schon gut, man kann doch mal Träume haben!“ Charly gluckst und zieht den Kopf an den Hals. „Jetzt hast du ein Doppelkinn.“, sage ich und muss wieder lachen.
      „Träume?!“, fragt mich Charly. „Süße, die meisten träumen von Mallorca oder New York und du verbringst deine Nächte damit, von einem neuen Scheunenfenster zu träumen? Dir kann man echt nicht mehr helfen.“ Währenddessen krümme ich mich und kann gar nicht mehr aufhören zu lachen.
      „Muss Klo-“, bringe ich noch heraus, bevor ich mich vom Stuhl hieve und Richtung Toilette stolpere.

      Als ich zurück komme, hat sich meine verdammt komische Stimmung allerdings gelegt und Charly und ich schaffen es, uns das Wichtigste zu notieren. Noch am gleichen Abend steht unser Entschluss fest, wirklich einen Versuch zu wagen. Es sollte erstmal nur eine sein, für mehr hatten wir keine Zeit und kein Geld
      Da Charly nun bereits zwei Jobs hat und ich einen, waren wir mittlerweile im Plus mit unseren Einnahmen und haben uns dazu entschlossen, diese nun sinnvoll zu nutzen. Charly hatte, neben ihrem Minijob im Andenkenladen, noch einen im Tierheim gefunden und ich bin echt zufrieden mit dem als Stall“Bursche“ auf einem Alles-Wunderbar-Strand-Meer-Urlaub-Pferde-Reiterhof in Fleury d`Aude. Ich verdiene ordentlich, habe nicht allzu viel zu tun und bin den ganzen Tag von Pferden und deren Hinterlassenschaften umgeben. Blöd ist nur, dass die eigene Hofarbeit dadurch deutlich den Rückzug gemacht hat und vieles, was ich schon längst habe tun wollen, noch nicht getan wurde. Aber jedenfalls haben wir jetzt erstmal etwas Geld in der Tasche. Als ich am Abend, oder besser Nacht, in mein Bett falle und die immer noch verdammt dicke Capucine zu mir ins Bett springt, frage ich mich, ob das Glück, in welchem ich jetzt schwelge, noch lange anhalten wird. Manchmal kommt es mir so vor, als ist es zu viel und ich werde darin ersticken. Aber das wird die Zeit bringen. Ich musste jetzt einfach nur aufpassen, in welche Richtung ich geschwemmt werde, um der Strömung so zum richtigen Zeitpunkt noch entkommen zu können.

      Am nächsten Morgen stehe ich gewohnt um sieben auf. Da Charly heute nicht arbeiten muss, hatte sie sich dazu bereit erklärt, die Stallarbeit zu übernehmen. Außerdem will sie, wenn die Zeit reicht, etwas mit Coco trainieren und sich später nochmal auf Changa setzen. Ich muss heute jedoch arbeiten. Und das sogar recht lange. Heute bin ich auf dem Alles-Wunderbar-Strand-Meer-Urlaub-Pferde-Reiterhof zur Frühschicht eingeteilt, muss also alle Pferde auf die Koppeln bringen, Heu vorbereiten und Ställe ausmisten. Das kann lange dauern! Zum Glück werde ich fair für meine Arbeit bezahlt. Wie immer brauche ich auch heute morgen sehr lange, um endlich in den Knick zu kommen und schaffe es erst kurz vor knapp auf mein Fahrrad, um damit nach Fleury zu radeln. Ich brauche dringend ein Motorrad! Vor allem wenn der Winter hereinbricht. Wie immer radle ich die Serpentinen herab und biege dann, kurz bevor ich Saint-Pierre erreiche, nach Fleury d'Aude ab. Fleury d'Aude, Saint-Pierre-La-Mer und Les Cabanes de Fleury bilden eine Gemeinde und liegen recht dicht aufeinander. Es sind alle drei wunderschöne Dörfer, wobei Saint-Pierre eher für seinen Strand bekannt ist, Fleury für seine Geschichte und Les Cabanes für seine Fischerei. Der Reiterhof von Fleury liegt nur wenige Meter vom Strand entfernt und ist für mich wie ein Paradies. Ich bin eigentlich mit unseren fünf Kilometern schon immer ganz zufrieden gewesen, aber 200 Meter sind da schon nochmal mehr zufriedenstellender. Eigentlich ist es nur ein kleiner Hof. Es gibt 20 Boxen und einen großen Offenstall. Dafür laufen die Pferde aber auch mehrere Stunden pro Tag und sahen alle nicht mehr wirklich glücklich aus. Blöderweise kann ich aber nicht das geringste dagegen machen. Die Haltung ist super, alles ist sauber und die Sättel sitzen gut. Wie ich es mir schon gedacht habe, ist heute wirklich viel zu tun und so komme ich gar nicht auf die Idee, weiter über unser Problem mit der Box nachzudenken. Erst kurz nach drei ist meine Schicht zu Ende und der andere Stallbursche beginnt mit seiner Arbeit. Ich kenne ihn nur vom kurzen sehen. Er ist vielleicht so alt wie ich, kommt immer mit einer übelst tollen Karre namens Schwalbe und sieht recht nett aus. Aber der erste Blick täuscht ja meistens. Gerade als ich auf mein altes, klappriges Fahrrad steigen möchte, klingelt das Handy in meiner Hosentasche. Charly ruft an.
      „Da hat sie aber Glück, dass ich schon Schluss habe.“ murre ich und drücke auf den grünen Hörer.
      „Ja?“, frage ich genervt.
      „Wann bist du denn zu Hause?“, schallt es laut in mein Ohr.
      „Mensch Charly, das kam auf der anderen Seite wieder raus!“ Ich seufze. Irgendwie bin ich vollkommen platt von der heutigen Arbeit und die gute Stimmung von gestern ist vom Winde verweht. „Ich will gerade auf mein Fahrrad steigen.“, füge ich noch hinzu.
      „Ah! Das ist gut. Ich habe mich nämlich mal nach einem Handwerker umgefragt, damit unsere neue Box jedenfalls etwas professionell aussieht und habe auch einen gefunden. Er hilft uns sogar sehr gerne und hat im Boxenbauen schon viel Erfahrung. Er sagt eben nur, dass wir es jetzt anmelden müssen, damit er dann noch frei ist. Hättest du etwas dagegen, wenn wir uns etwas Unterstützung ran holen?“
      Ich schüttele den Kopf. „Nein“, sage ich dann noch. „Mach nur. Hilfe ist immer gut.“
      „Ja das habe ich mir auch gedacht. Weißt du was mir noch eingefallen ist? Kannst du nicht auf dem Reiterhof einen Zettel hin hängen und drauf schreiben, dass Hilfe gebraucht wird? Vielleicht meldet sich ja jemand, der sich etwas Geld verdienen möchte.“
      „Charly, dass ist ein Reiterhof für reiche Menschen, welche gerne erste Klasse leben und nicht für ein bisschen Taschengeld Handwerker spielen.“
      „Komm schon“, versucht mich Charly zu überreden. „Mehr, als dass sich keiner meldet, kann nicht passieren. Ah, da ruft jemand an. Ich muss auflegen. Wir sehen uns nachher!“
      Ich seufze, stecke mein Handy zurück in die Hosentasche und lehne das Fahrrad wieder an einen Baum. Ich glaube, Charly und ich teilen uns immer rein in unsere verrückten Tage.Aus meinem Rucksack krame ich ein abgerissenes Stück Papier und einen Kuli und schmiere eine kaum lesbare Botschaft drauf. Für mehr war ich heute zu faul. Dann muss ich wohl oder übel nochmal zurück in den Stall. Dort gibt es eine große Pinnwand mit Neuigkeiten und ich hänge den Zettel unauffällig dazu.Erst als ich auf dem Fahrrad sitze und Fleury schon längst hinter mir gelassen habe, fällt mir auch, dass auf dem Zettel überhaupt keine Adresse steht. Ich zucke nur kurz mit den Schultern und fahre weiter. Wozu noch mehr Geld ausgeben wenn man es auch selber kann. So schwer wird das Bauen einer Box doch wohl nicht sein.

      Zu Hause angekommen würde ich am liebsten sofort in mein Bett fallen, doch Charly werkelt eifrig in der Scheune herum und bittet mich, ihr doch noch ein bisschen zu helfen. Asuka liegt friedlich schlafend im Heu und auf einem der Strohballen kann ich Capucine erkennen. Die haben es gut! Zusammen räumen wir die Fläche frei, wo in kurzer Zeit die sechste Box entstehen soll. Es ist erstaunlich wie viel Müll sich da so ansammelt, den man gar nicht mehr sieht! Im Radio läuft wieder klassische Musik, Charly pfeift dazu und ich will einfach nur noch in mein Bett. Dieser Wunsch wird mir aber erst am späten Abend erfüllt, als meine Uhr gerade 10 schlägt. Vollkommen fertig falle ich in mein Bett, beschwere mich innerlich beim lieben Gott, dass Charly heute unbedingt noch unsere Haustür hatte streichen müssen, das Loch in der Stallwand verputzen und natürlich eine neue Lampe in der Scheune anbringen musste. Ich bin sogar so müde, dass ich nicht mehr merke, dass Capucine gar nicht, wie gewohnt, zu mir ins Bett springt und ihr Futternapf noch unangerührt in der Küche steht.

      Am nächsten Tag müssen Charly und ich beide nicht arbeiten und haben uns deswegen dafür entschlossen, zusammen die Pferde zu versorgen und auszumisten, damit es schneller geht. Als ich in die Küche geschlurft komme, fällt mein Blick sofort auf Capucines vollen Napf und mit einem Ruck richte ich mich, plötzlich mehr als munter, auf. „Charly!“, rufe ich entsetzt. „Weißt du wo Capucine ist?“
      Charly streckt ihren Kopf aus dem Bad und schaut mich fragend an. „War sie heute Nacht nicht bei dir?“ Ich schüttele den Kopf und schnappe mir eine Jacke vom Hacken im Flur.
      „Wo willst du hin?“, fragt mich Charly erstaunt und tritt ganz aus dem Bad.
      „Na wohin denn wohl. Meine trächtige Katze suchen!“, gebe ich schnippisch zurück.
      „Mach nicht so ein Stress. Ihr wird es gut gehen!“ Ich beachte Charly nicht weiter und renne über den Hof zur Scheune. Vielleicht hatte sie die Nacht dort verbracht, wer weiß warum. Als ich das Tor aufmache kommt mir tatsächlich eine Katze entgegen. „Capucine!“, rufe ich erleichtert. „Wie kannst du mich nur so erschrecken?“Aber warte mal, denke ich, die sieht ja anders aus. Ich setze gerade an Charly zu rufen, da kommt diese auch schon zu mir herein und kniet sich neben mich auf den harten Stallboden. Capucine schmiegt sich an meine Beine und schnurrt laut. Fassungslos schaue ich sie an.
      „Ich würde mal sagen“, ergriff Charly das Wort „wir haben jetzt ein paar neue Bewohner auf dem Hof.“
      „Aber-“, stottere ich verwirrt, „-aber sie sollte ihre Junge doch bei mir im Zimmer bekommen! Das neue Körbchen, die Spielecke, ist das alles umsonst?“
      „Capucine will ihre Kinder wohl eher natürlich aufziehen. Kann ich verstehen.“
      Die nun nicht mehr trächtige Capucine wendet sich von uns ab, rennt in Richtung Strohballen und springt dann leichtfüßig bis nach oben.
      „Dort oben hat sie die?“, frage ich ängstlich und schaue enttäuscht zu dem Fleck, an dem Capucines Schweif verschwand.
      „Dort oben sind sie jedenfalls sicher.“, versucht mich Charly zu beruhigen und klopft mir sacht auf die Schulter.
      Ich will gerade wieder aufstehen, als Capucine wieder auftaucht. Diesmal jedoch nicht alleine. Sie springt von einem Ballen zum anderen und läuft dann wieder auf uns zu.
      „Sie hat ein Junges dabei!“, rufe ich und schaue sie entsetzt an.
      „He, bleib ruhig. Die weiß schon, was sie tut!“
      Sanft legt Capucine das kleine Fellbündel vor uns ab und ich nehme es sofort in die Hand. Das Junge ist grau getigert, mit dem gleichen dichten Fell wie Capucine.
      „Ist das niedlich!“, flüstere ich und Charly kommt nicht umhin, mir zuzustimmen.
      Bevor ich es jedoch richtig bewundern kann, nimmt mir Capucine ihr Junges aus der Hand und läuft damit wieder zu den Strohballen.
      „Meinst du, dass es ihnen da oben gut geht?“, frage ich Charly ängstlich. Doch diese erhebt sich und geht zurück zum Tor.
      „Stelle Capucine frisches Wasser und Futter hin, dann muss sie ihre Jungen nicht auffressen.“
      Dann geht Charly.

      Den restlichen Tag streichen Charly und ich die Pfosten des Reitplatzes und der beiden vorderen Koppeln und dann noch unsere Trabstangen und die Cavalettis. Die Pfosten werden alle hellblau, wer weiß warum und die Stangen und Cavalettis machen wir so bunt, dass es schon fast in den Augen weh tut. Jedenfalls macht es Spaß und wir können unserer nicht vorhandenen Kreativität freien Lauf lassen. Die Farbe für die letzte Trabstange reicht nicht mehr und so haben wir eben nun eine graue Trabstange, welcher wir spaßeshalber den Namen The Walking Dead geben. Warum auch immer. Am frühen Abend, kurz vorm Dunkelwerden, schnappe ich mir meine Jeanie und longiere diese. Charly sitzt am Rand und schaut mir zu. „Nimm mal die Longe etwas kürzer. Außerdem tritt sie unter.“, korrigiert sie mich. Ich verdrehe die Augen und murre eine Beleidigung in mich hinein. Trotzdem befolge ich ihre Ratschläge und ich muss wohl zugeben, dass es nun besser geht. Nach einer halben Stunde intensiver Arbeit beende ich das Training und bringe Jeanie gleich in ihre Box. Charly holt dann noch die beiden Hengste Happy und Coco und ich schnappe mir Exel und Changa. Capucine sehen wir heute nicht mehr und mit einem flauen Gefühl im Magen, steige ich nach dem Abendbrot ohne meine Kätzin ins Bett.

      Zwei Tage später habe ich wieder Stalldienst auf dem Reiterhof in Fleury. Capucine hat sich seit der Geburt nicht mehr blicken lassen und nur der leere Futternapf und ein leises Miauen ihrer Jungen deuten darauf hin, dass sie noch da ist. Diesmal habe ich Spätdienst, habe früh also noch genügend Zeit die Pferde zu versorgen. Charly will, sobald sie am Mittag von der Arbeit kommt die Ställe ausmisten und so stopfe ich nur die Heusäcke wieder voll und bringe alle auf die Weiden. Halb drei steige ich dann auf mein Fahrrad, hänge mir meinen Rucksack über die Schultern und klappere die Serpentinen herab in Richtung Fleury d`Aude. Auf dem Plan an der Pinnwand im Stall steht wie immer die Einteilung der Aufgaben. Der andere angestellte Stallbursche hat heute mit mir zur gleichen Zeit Dienst und darüber war ich recht froh, denn alleine ist es echt eine triste Arbeit. Bei meinen Aufgaben steht, dass ich den Sandpaddock des Offenstalls abäppeln muss. Seufzend mache ich mich an die Arbeit. Nach fünf Minuten stößt der junge Stallbursche zu mir, welchen ich schon vom Sehen kenne und hilft mir stumm, den Sand zu reinigen. Nach einiger Zeit frage ich ihn jedoch, wie er heißt, denn diese Stille vertrage ich nicht.
      „Shadow“, sagt er nur und schaut mich an. Er sprach es nicht wie Schädou aus, sondern eher wie Schadoow. Es klang also nicht Englisch sondern Französisch. Shadow hat schöne hellblaue Augen, schwarze, längere Haare und einen liebes Gesicht. So wie er die Mistgabel anpackt, hat er Erfahrung mit solchen Dingen und ich frage mich, ob er auch Ahnung von Pferden hat.
      „Mio“, sage ich, ohne, dass er gefragt hat.
      „Du kommst nicht aus Frankreich, oder?“, versucht nun auch Shadow ein Gespräch zu entwickeln.
      Ich schüttele den Kopf. „Nein, ich komme aus Deutschland und lebe erst seit drei Monaten hier.“
      „Dafür sprichst du aber gut französisch.“
      „Danke.“
      Nach dem Abäppeln des Paddocks sehe ich Shadow nicht wieder. Ich bin dran mit Reitplatz putzen und er ist irgendwo bei den Weiden unterwegs.
      Punkt um sechs werde ich von der Chefin entlassen und mache mich auf den Weg zu meinem Fahrrad. Ich schließe es ab, setzte mich drauf und Puff, der Reifen des Hinterrads platzt. Nein! So etwas kann doch nur mir passieren! Ich steige wieder ab, drehe mein Rad herum und untersuche den Reifen. Er ist wirklich geplatzt und definitiv nicht mehr zu reparieren. Wie soll ich jetzt nach Hause kommen? Mein Handy habe ich heute morgen in der Eile zu Hause vergessen und ein Bus fährt, wenn schon, nur bis Saint-Pierre und von dort sind es für mich auch nochmal fünf Kilometer, welche ich zu Fuß mit einem kaputten Rad zurücklegen muss.
      Missmutig setze ich mich auf einen Stein am Rand des Parkplatzes und lasse den Kopf in meine Hände sinken. Was nun? Gerade als ich kurz vorm Verzweifeln bin, kommt aus dem Stallgebäude Shadow auf mich zu.
      „Ist dein Fahrrad kaputt?“, fragt er mich.
      Ich hebe meinen Kopf leicht und blinzel ihn an. „Ähm, ja...“, mehr fällt mir nicht ein.
      „Soll ich dich mitnehmen?“, fragt er mich leicht lächelnd.
      Ich werde rot und wende meinen Blick ab. „Das wäre toll“, murmel ich und stehe auf.
      „Klar, kein Problem. Komm mit.“ Er reicht mir seine Hand und zieht mich in Richtung seiner himmelblauen Schwalbe, in welche ich so abgöttisch verliebt war.
      „Hier, nimm meinen Helm, ich fahre heute ausnahmsweise mal ohne.“, sagt er freundlich.
      „Danke!“, sage ich leise und nehme den Helm an. Mein Gott war das peinlich. Als er auf das Gerät steigt und ich hinter ihm Platz nehme, fühlt sich mein Gesicht immer noch warm und rot an und ich bin froh, dass er es nicht sehen kann. Shadow lässt die Schwalbe langsam angehen und tritt dann überaus fürsorglich auf das Pedal. Wir rollen mit einem angenehmen Brummen vom Hof in Richtung Saint-Pierre. In Gedanken frage ich mich, ob ich ihm erzählt habe, wo ich wohne, doch ich kann mich an keine Situation erinnern und bekomme es leicht mit der Angst zu tun. Vielleicht ist er ja doch kein lieber Stallbursche sondern ein Entführer und ich bin so blöd gewesen, ohne Nachzudenken auf seine Schwalbe zu steigen. Aber welcher Entführer fährt eine Schwalbe, welche gerade mal 60 km/h erbringt?
      Ich konzentriere mich wieder auf die Straße. Jetzt kann ich sowieso nichts mehr an der Situation ändern. An einer roten Ampel, kurz vor Saint-Pierre, hält Shadow an und dreht sich zu mir herum.
      „Wo wohnst du denn genau? Ich wusste nur, dass du aus Richtung Saint-Pierre kommst.“ Will er jetzt etwa auch noch meine Adresse wissen? Vielleicht will er mich ja stalken?!
      Mit zittriger Stimme sage ich: „Saint Gorge, oberhalb von Saint-Pierre.“ Seine Augen funkeln mich belustigt an. „Du musst ja saumäßig Angst vor mir haben, wenn du dich so duckst.“ Ich hatte mich geduckt?! Schnell richte ich mich wieder auf.
      „Ich weiß nicht, was du meinst.“, sagte ich mit versucht starker Stimme.
      Shadow gluckst nur und sagt dann: „Zufälligerweise kenne ich Saint Gorge. Ein toller Ort und ein toller Platz zum ausreiten-“ Er hätte vermutlich noch mehr gesagt, doch in diesem Moment schaltet die Ampel auf grün und wir fahren weiter. Shadow scheint den Weg die Serpentinen hinauf gut zu kenne und fährt mich gekonnt und recht zügig nach Hause. Als er sein Motorrad auf dem Hof abschaltet und mir beim Absteigen hilft. Schaut er sich staunend um.
      „Hier hat sich aber viel verändert! Natürlich nur zum Guten.“, fügt er hinzu.
      „Du warst hier schon mal?“, frage ich erstaunt.
      „Ja, mein Vater hat hier mal als Stallbursche gearbeitet und ich bin nach der Schule immer hierher gekommen.“
      „Oh“, sage ich wenig konspirativ.
      Shadow schaut auf die Uhr. „Ich muss los, wir sehen uns bei der Arbeit.“
      Er setzt seinen Helm auf und steigt auf seine verdammt coole Schwalbe. Shadow will gerade den Motor starten, da gehe ich schnell nochmal auf ihn zu. „Shadow! Danke fürs herbringen! Ohne dich hätte ich nach Hause laufen müssen.“
      „Kein Problem, schön wenn ich dir helfen konnte.“ Wieder will er den Motor starten doch mir kommt noch eine Idee.
      „Hast du zufällig Lust dir etwas Geld zu verdienen?“ Er neigt den Kopf und schaut mich schräg an. Mon Dieu! Was dachte er wohl in diesem Moment? Deswegen fügte ich noch schnell hinzu: „Also ich meine, dass ich etwas Hilfe hier auf dem Hof brauche. Wir haben vor, eine neue Box zu bauen und sind in solchen Dingen sehr unbegabt. Vielleicht hast du ja Lust etwas zu helfen und dir Geld zu verdienen?“ Er nickt grinsend und ich bin mir sicher, dass er das Gleiche gedacht hat wie ich. Warum muss ich immer so peinlich sein? „Klar, sag einfach Bescheid, ich helfe gerne.“
      Er kramt in seiner Tasche nach einem Zettel und einem Stift und krickelt eine Nummer drauf. „Hier“, sagt er und hält mir den Zettel an. „Melde dich, falls du Hilfe brauchst.“ Ich nehme ihn entgegen und bedanke mich nochmal überschwänglich. Dann steigt Shadow auf sein himmelblaues Gefährt und poltert die holperige Einfahrt entlang zurück in Richtung Saint-Pierre.

      Eine Woche später haben Charly und ich es geschafft, alle Materialien zu besorgen, welche man zum Bauen einer Box brauchte. Der Handwerker, von dem Charly gesprochen hatte, stellt sich als junger Mann Anfang 20 heraus, welcher gerade erst seine Lehre beendet hatte und ich war am Anfang etwas skeptisch, ob das so eine gute Idee gewesen ist. Nachdem er jedoch zweimal zum Kaffeetrinken vorbeischaute und beides mal leckeren Kuchen dabei hat, legen sich meine Befürchtungen etwas. Mit Shadow habe ich mich bis dahin nur bei der Arbeit unterhalten. Da wir nebenbei arbeiten müssen, habe ich noch nicht so viel über ihn erfahren, aber jedenfalls habe ich keine Angst mehr vor ihm und das war ein Anfang zur Besserung unseres Vertrauens. Am Samstag verabreden wir uns alle für halb neun auf dem Hof, um mit der Arbeit beginnen zu können. Laut dem Urteil des Handwerkers, welcher übrigens Nikolaus du Martin heißt, sollen wir es sogar an einem Tag schaffen, unseren Stall auf sechs Boxen zu erweitern. Nikolaus, welcher darauf besteht einfach nur Niko genannt zu werden, und Shadow sind beide pünktlich zur verabredeten Zeit auf dem Hof und so können wir ohne Verzögerung anfangen. Da die Katzenjungen immer noch im Stroh wohnen, verlegen wir das Sägen des Holzes nach draußen, um den Jungen nicht das Fell zum Stehen zu bringen. Während der Arbeit kommen wir endlich alle mal ins Gespräch und ich bombardiere Shadow zugleich mit allen möglichen Fragen. Als am Abend die sechste Box fertig dasteht, habe ich so einiges aus Shadow heraus gekitzelt und ihm auch alles mögliche von mir erzählt. Er hat die ganze Zeit interessiert zugehört und aufgeschlossen Fragen beantwortet und es war echt ein toller Tag gewesen. Ich habe so einiges über ihn erfahren. Zum Beispiel, dass er 19 ist, sein Abi letztes Jahr gemacht hatte und nun Biologie und Sport auf Lehramt studiert. Es war nicht gerade meine Vorstellung von Beruf, aber als er davon schwärmt Grundschullehrer zu werden und alles besser zu machen als seine Grundschullehrer, kann ich ihn doch etwas verstehen. Außerdem erzählt er mir von seiner Familie, welche nicht sehr groß ist. Eigentlich besteht sie nur aus seinem Vater, welche alte Motorräder billig aufkauft, diese repariert und dann wieder teurer weiterverkauft und seiner kleinen Schwester, welche gerade knapp 16 Jahre alt ist. Außerdem hat Niko Charly dazu verdonnert, mit ihm am nächsten Wochenende zu irgendeiner Party in Saint-Pierre zu gehen und Charly hat nicht ganz so abgeneigt gewirkt. Auch die Box konnte sich sehen lassen und ich denke, wir waren mit dem Resultat alle mehr als zufrieden. Es tat gut, endlich ein paar Kontakte geknüpft zu haben und es schien, als sei ich jetzt erst richtig in Frankreich angekommen. Am späten Abend, kurz nachdem wir das kleine Lagerfeuer gelöscht haben, verabschieden Charly und ich uns von Niko und Shadow und bedanken uns für ihre Hilfe. An diesem Tag und auch an keinem weiteren, wird je nach einer Bezahlung gefragt.
    • Canyon
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      11. November 2015 | 9.042 Zeichen | Canyon
      Jear, neues Pferd!

      Mio »
      Nur ein paar Tage nachdem unsere neue Box fertig gestellt wurde, zog auf Saint Gorge das sechste Pferd ein. Ich war von Anfang an in sie verliebt gewesen und nun, da der Platz bei uns da war, hatte ich mich dafür entschieden, die Rappscheck Stute zu kaufen. Sie hatte mich nicht nur vom Aussehen überzeugt, sondern auch vom Charakter und ich war überglücklich, dass sie tatsächlich nun zu uns gehörte. Ocarina kam aus Kanada zu uns geflogen und so hoffte ich, dass sie den weiten Weg übers Meer heil überstanden hatte. Shadow, Nico, Charly und ich trafen uns deswegen kurz nach halb acht bei uns auf dem Hof uns stiegen dann alle in die neue Karre von Nico, welcher auch einen Anhänger für uns besorgt hatte. Für einen eigenen reichte das Geld leider noch nicht. Der Flughafen, an welchem die Stute ankommen sollte, lag in Montpellier und so mussten wir schon einige Zeit fahren, bis die riesige Anlage in Sicht kam. Dort meldeten wir uns an, ich gab meine Papiere her und eine Stunde später durfte ich meine neue Stute das erste Mal sehen. Sie war noch etwas schläfrig und schien noch nicht ganz so auf Damm, so konnten wir sie ohne größere Probleme in unseren Anhänger verladen. Ich unterschrieb noch schnell ein paar Papiere und schon saßen wir wieder im Auto in Richtung Saint Gorge. Nach einigen Minuten wurde es im Anhänger unruhiger. Ocarina musste aufgewacht sein. Deswegen hielten wir auf der halben Strecke an, um Ocarina eine kleine Ruhepause zu gönnen.
      „Hallo Ocarina!“, flüsterte ich, als Nico vorsichtig die kleine Tür öffnete. Neugierig streckte die Stute ihren Kopf in unsere Richtung, sodass ich sie an den Nüstern streicheln konnte. Als jedoch ein Auto neben uns in die Parklücke des Parkplatzes fuhr, erschrak sie und riss ihren Kopf zurück. Die restliche Fahrt verlief ohne größere Probleme. Kurz nach Mittag waren wir wieder auf dem kleinen Hof und luden die schöne Stute aus. Sie war noch nicht eingeritten, gerade mal drei Jahre alt und sollte nicht ganz so einfach zu händeln sein, wie unsere anderen fünf Pferde. Ocarina bekam die neue Box, gleich neben Changa. Wir drückten alle die Daumen, dass sie sich vertragen würden und wir Ocarina ohne größere Probleme zu Changa, Jeanie und Exel gesellen konnten. Während der Fahrt war sie nun komplett munter geworden und stolperte wild aus dem Anhänger heraus. Mit meiner Stimme versuchte ich die schöne Stute etwas zu beruhigen, doch sie war so aufgeregt, dass ich damit nicht weit kam. Ihre Ohren wirbelten von der einen Richtung zur anderen und ihr war erhoben und blickte über alle hinweg. Sie tänzelte unruhig auf der Stelle und ich beeilte mich, dass sie in ihre Box kam. Dort würde sie sich hoffentlich etwas beruhigen. Shadow öffnete vorsichtig das Tor zum Stall und ich führte Ocarina hinein. Als ich Ocarina vorsichtig das Halfter abnahm und die Boxentür schloss, stieß sie ein lautes Wiehern aus und schnaubte aufgeregt. Die Möhren, das Kraftfutter und das Heu beachtete sie gar nicht, sondern drehte eine kleine Runde in der Box. Ich blieb noch, mit etwas Abstand zur Box, bei ihr stehen und beobachtete die Schöne.
      „Ocarina Of Time.“ murmelte ich. Ich war wirklich glücklich, sie gekauft zu haben. Irgendwann würde sie fressen, darüber machte ich mir jetzt noch keine Gedanken.
      Ich schloss vorsichtig das große Stalltor und gesellte mich zu den drei anderen, welche es sich auf unseren Gartenstühlen bequem gemacht hatten. Ein paar Minuten saßen wir schweigend da und lauschten den Geräuschen der Natur. Irgendwann brach ich die Stille mit einer Frage.
      „Hat jemand Lust auf einen Ausritt?“ Verdutzt blickten mich drei Gesichter an.
      „Doch nicht etwa jetzt, oder?“, fragte Shadow erstaunt.
      Ich zuckte die Schultern. „Doch, klar, warum nicht?“
      Charly erhob sich langsam aus ihrem Chefsessel und sagt: „Ich habe Bock. Coco gehört mir!“
      Dann ging sie in Richtung Hengstkoppel. Nun stand auch ich auf. „Jeanie ist meine!“, sagte ich bestimmend und ging in die andere Richtung zur zweiten Koppel. Die beiden Jungs blieben noch einen Moment sitzen, bevor auch sie sich seufzend aus ihren Stühlen erhoben und mir folgten. Wir banden die fünf Pferde diesmal nicht an der Stallwand fest, sondern nutzten die Latten unserer Terrasse dafür. Ich putzte eifrig meine Jeanie, während Charly Coco und Happy entstaubte, denn unser kleines Shetty sollte als Handpferd mitgenommen werden, Shadow putzte den, wie immer sauberen, Exel und für Nico blieb dann nur noch Changa übrig.
      Nach etwa einer halben Stunde waren alle Abflugbereit und wir saßen auf. Über die Richtung wurden wir uns schnell einig. Alle waren davon überzeugt, dass der Weg nach Saint-Pierre und, wenn wir es schaffen sollten, ein kleiner Abstecher zum Strand, die Beste Entscheidung war. Da Coco und Happy beide lieber vorneweg gingen, ritten Charly und Nico ein Stückchen vor uns. Ich hielt mit meiner Jeanie und Shadow mit Exel etwas Abstand. Der Weg führte uns die Serpentinen herab in Richtung Saint-Pierre. Da Charly und Nico in ein Gespräch vertieft waren, fing auch ich ein Gespräch mit Shadow an. Ich kannte ihn erst seit kurzem und trotzdem waren wir schon richtig gute Freunde geworden. Besonders erstaunt hatte mich, dass er reiten konnte. Zwar war er jetzt nicht der geborene Turnierreiter, aber er kannte sich mit Pferden aus und schaffte es, in allen drei Grundgangarten im Sattel zu bleiben. Wir unterhielten uns zu erst über Ocarina, wanderten dann zu Excelsior, den Shadow hatte den kleinen Wallach, genauso wie ich, sofort in sein Herz eingeschlossen und hatte, seitdem er auf unserem Hof ein und auskehrte, immer wieder etwas mit meinem Wallach unternommen.
      „Du hast doch eine Schwester, oder?“, fragte ich ihn zwischendurch.
      Er nickte mit dem Kopf. „Ja, Candida.“
      „Reitet sie auch?“ Er kniff ein Auge zusammen und überlegte. Dann sagte er nachdenklich: „Reiten kann sie nicht wirklich. Meinem Vater hat schon immer das Geld dafür gefehlt. Sie wollte es schon immer erlernen, aber hier in der Nähe gibt es nicht viele Reiterhöfe und der in Fleury ist jetzt nicht so Hammer.“
      Ein kleines Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus und als mich Shadow anschaute, verstand er sofort was ich meinte. „Wie wäre es damit, wenn ich deiner Schwester Unterricht gebe und sie dafür mit die Stallarbeit macht? Sobald sie die Grundkenntnisse erlernt hat, kann sie sich ja auch selbstständig mit unseren Pferden beschäftigen.“
      Shadow lachte. „Du kennst meine Schwester nicht, die kann wirklich anstrengend sein. Aber ich kann sie natürlich mal fragen.“
      Kurz vor Saint-Pierre nahmen wir einen kleineren Weg, welcher uns um das kleine Städtchen herumführte, behielten die Richtung zum Meer aber ein. Auf einem kleinen Feldweg trabten wir an, bis wir vor uns eine größere Straße erkennen konnten. Auf der anderen Seite konnte ich den Zeltplatz von Saint-Pierre erkennen. Im Schritt ritten um diesen herum und standen dann vor einer großen großen Ebene, mit trockenen Pflanzen und viel Sand. In kleiner Entfernung konnten wir die Dünen erkennen, dahinter lag das Meer. Wir ritten im Trab einen trockenen Sandweg entlang. Links lag Saint-Pierre und rechts die Dünen und das Meer. Es war wunderschön, besser hätte es nicht sein können. Jeanie machte immer wieder kleine Freudensprünge und trat fast Exel, welchem die schöne Landschaft nicht zu interessieren schien. Gleichmäßig trabte er über den weichen Boden und ließ seinen Kopf leicht gesenkt. Besonders stolz war ich auf Happy, denn der kleine Kerl hielt tapfer durch und galoppierte neben dem trabenden Coco her. Charly hatte ihn an einem langen Strick, so dass er noch genügend Freiraum hatte. Nico saß auf Changa auch recht entspannt. Die beiden schienen gut miteinander auszukommen.
      Irgendwann verließen wir den Sandweg wieder und bogen in Richtung Saint-Pierre ab. In gemütlichen Schritt arbeiteten wir uns die Serpentinen wieder hinauf um wenige Kilometer später wieder unseren kleinen Hof vor uns zu sehen. Wir spritzten unsere Pferde alle gründlich ab und schickten die fünf dann wieder hinaus auf ihre Koppeln. Die letzten Minuten bevor die Sonne unterging, sollten sie nochmal zusammen verbringen dürfen. Ocarina hatte tatsächlich angefangen zu fressen. Das Kraftfutter und die Möhren waren spurlos verschwunden, während der Heusack noch vollgefüllt da hing. Ocarina knabberte nervös am Holz der Box und ich wusste, dass ich sie nicht lange drinnen lassen konnte. Sie musste so schnell wie möglich nach draußen, um sich hier drinnen nicht zu Tode zu langweilen. Den Abend verbrachten wir zu viert gemütlich vor dem Fernseher und aßen Poppcorn. Asuka hatte sich zwischen Charly und Nico auf der Couch breit gemacht und ich vermisste die zickige Capucine, welche mit ihren Jungen immer noch im Stall wohnte. Nico und Shadow verbrachten die Nacht bei uns und ich musste zugeben, dass es ein gutes Gefühl war, nicht mehr ganz so alleine hier draußen zu leben. Die Nacht schlief ich gut und mit einem kleinen Lächeln auf dem Gesicht ein. Wer weiß, was sich in nächster Zeit noch so entwickeln würde!
    • Canyon
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      24. November 2015 | 21.519 Zeichen | Canyon
      Oh Zeus!

      Mio »
      Stumm saß ich auf der Couch. Eine einzelne Träne zog eine lange Spur an meiner Wange und tropfte dann auf mein Handy in meiner Hand. Nein, nein das konnte doch jetzt nicht wirklich sein! Alles war so perfekt gewesen, ich hatte ein neues zu Hause gehabt, hatte meinen Traum von eigenen Pferden erfüllt und nun sollte ich das alles aufgeben? Als Charly zur Wohnzimmertür herein kam und mich heulend auf dem Sofa sitzen sah, blieb sie kurz erstaunt stehen, machte große Augen, kam dann aber ohne etwas zu sagen zu mir. Freundschaftlich nahm sie mich ganz fest in den Arm und streichelte meinen Rücken. Jetzt musste ich schluchzen und ich konnte gar nicht mehr aufhören. Ich versank in einer Art tiefer Trauer. Sank weich und weicher, bis der Strom der Endlosigkeit abrupt abbrach und ich am Boden der Tatsachen landete. Der Hof würde nicht mehr lange mein zu Hause sein. Unser zu Hause sein. Meins, das von Charly, von Asuka, von Capucine und ihren Jungen und natürlich das von unseren Pferden. Von Excelsior, Jeanie, Changa, Happy, Coco und seit neuestem Charelle. So schnell würde es nun vorbei sein. Ein Schüttelanfall gefolgt von einer großen Ladung Tränen erfolgte. Meine Hände krallten sich in Charlys Jacke und mein Gesicht drückte ich fest an meine eigenen Arme.
      „Hey, Füchschen ...“, drang Charlys verzweifelte Stimme an mein Ohr. „Was los?“
      Ich antwortete ihr nicht. Ich konnte ihr nicht antworten. Vielleicht konnte ich ihr nie wieder antworten. Meine Stimme, wer weiß, ob sie je wieder funktionieren würde. Irgendwann, vielleicht waren es nur einige Sekunden, oder doch Minuten, vielleicht waren es auch Stunden, fand ich die Kraft um ihr zu antworten. „Wir müssen hier wegziehen!“, schrie ich fast, denn die Kontrolle über die Stimme hatte ich noch nicht wieder. „Saint Gorge wird nicht länger unser zu Hause sein!“ Und ein Schluchzer ließ mich abbrechen.
      Erstaunt drehte Charly den Kopf zu mir. „Wieso? Was ist passiert? Sag schon!“
      Langsam richtete ich mich auf, wischte das Salz mit einem Ärmel aus meinem Gesicht und zog die Nase hoch. Als ich zu erzählen begann, unterbrach mich immer wieder einer meiner Schluchzer. „Meine – Meine Tante … Sie hat angerufen. Hat sich getrennt, von ihrem neuen Mann. Will wieder hierher ziehen - auf ihren Hof.“ Nach jedem gesprochenen Wort verfestigte sich meine Stimme und ich fand den Faden, an dem ich ich entlang hangelte. „Sie kommt mit Kind und Kegel, Pferd und Hund. Es tut ihr Leid, aber wir müssen ausziehen. Ist natürlich ihr Recht, ist ja ihr Haus und wir durften hier wohnen. Hätte gleich damit rechnen müssen. Ehe hält nie lange! Das einzige was hält ist die Freundschaft zum Pferd. Jawohl.“ Trotzig zog ich den Mund nach oben, straffte meine Schultern und verdrängte jegliche Trauer aus meinem Blick. Die konnten mich alle mal!
      Charly reagierte gar nicht erst auf meinen Stimmungswechsel, sondern nahm mich einfach noch fester in den Arm. Ich wollte mich gerade aus ihrer Umklammerung befreien, denn ich war ja nicht traurig, dass wir wegziehen mussten, als - „Hey Leute! Ich habe interessante Neuigkeiten!“ Urplötzlich wurde die Tür zur Stube aufgestoßen und Shadow wehte herein. „Das Gestüt in-“, er verstummte. „Was ist denn hier los?“
      Charly warf ihm einen vernichtenden Blick zu, als er sich auf die andere Seite von mir fallen ließ und mich in den Arm nahm. Sein Anblick hatte mich wieder in die Wirklichkeit zurückgeführt, denn auch er war mittlerweile ein Teil unserer Familie und auch ihn müssten wir zurücklassen! Ich ließ mich in seine weiche Umarmung fallen, genoss die Stärke und die Wärme, die er ausstrahlte und ich merkte, wie ich ruhiger wurde. Meine Gedanken ordneten sich und ein kleiner Kraftstrom fand den Weg wieder zurück zu meinem Körper. Charly erhob sich. „Ich mach uns 'nen Tee“, murmelte sie und verschwand in Richtung Küche.
      „Was ist passiert Kleine?“, fragte mich mein großer Freund, doch ich schüttelte nur stumm den Kopf und verkroch mich wieder in der Jacke von Shadow.
      Als mir Charly 10 Minuten später eine Tasse dampfenden Tee hinhielt, richtete ich mich wieder auf und murmelte ein kleines Danke. Stumm nahm sie es zur Kenntnis und ließ sich in den Sessel mir gegenüber fallen. Sie saß jedoch noch keine zwei Minuten, als es an der Haustür klingelte und Charly, wie vom Floh gebissen, aufsprang und zur Tür rannte. Einige Sekunden später kam sie mit Nico wieder rein, welcher sich verwundert umschaute, denn unsere Runde strahlte nicht gerade positive Energie aus. Er lies sich auf einen Stuhl fallen und fiel genauso wie wir in Schweigen. Irgendwann fand ich die Kraft und erzählte es allen nochmal. Erzählte, dass ich wegziehen, für die Pferde ein neues zu Hause suchen musste und nicht wieder kommen würde. Ich erzählte es mit fester Stimme, verdrängte die Trauer und die Angst und versuchte mir einzureden, dass alles gut werden würde. Nachdem ich geendet hatte, schauten mich meine drei Freunde genauso traurig an, wie ich sie wohl anschaute. Sie sagten nichts, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, bis Shadow als erster das Wort ergriff. „Wir schaffen das schon. Ich helfe dir. Ich lasse dich nicht einfach so von dannen ziehen. Ich komme mit!“, sagte er bestimmend.
      Verwundert blickte ich auf. „Du würdest wirklich mitkommen? Aber dein Studium -“, fing ich an, doch Shadow winkte ab. „Manchmal gibt es wichtigeres als Studium.“ Ich war sprachlos. Er würde es wirklich tun! Er würde wirklich seine Heimat für mich verlassen!
      „Die Frage ist doch“, sagte Charly „Wohin wir wollen und wo wir das Geld hernehmen. Niemand von uns hat genügend, selbst wenn wir alle zusammen legen würden!“
      Ich merkte, wie Nico merklich rot wurde und beschämt den Kopf senkte und ich blickte ihn fragend an. Er ließ sich jedoch noch etwas Zeit mit seiner Erklärung und antwortete erst nach einer längeren Pause. „Ich glaube, ich habe euch noch nie von meinem Vater erzählt. Er ist ein Geschäftsmann, hat einige eigene Firmen und eine Menge Geld. Ich habe es zwar bis jetzt strikt vermieden, aber wenn ich ihn anschwatzen würde, würde er sicherlich etwas Geld für mich locker machen.“
      Charly, Shadow und ich starrten ihn perplex an. Mein Kiefer hing wahrscheinlich etwas weit unten.
      Nico zuckte mit den Schulter. „Irgendeinen Vorteil muss es ja haben, wenn der Vater stinkend reich ist, oder?“
      „Warum hast du mir das nie erzählt?“, fragte Charly leicht eingeschnappt.
      „Warum sollte ich? War ja bis jetzt noch nicht wichtig.“, entgegnete er ruhig. Darauf hatte Charly nichts mehr zu sagen.
      Auch Shadow trug jetzt noch etwas zum Gespräch bei. „Ich wollte es euch schon vorhin erzählen, jetzt hat das Ganze aber nochmal komplett eine andere Bedeutung bekommen.“
      Ungeduldig wie ich war, wollte ich es natürlich jetzt wissen. „Sag schon, was hast du für interessante Neuigkeiten?“
      „Na ja, das Gestüt in Fleury d'Aude wird für ein Apfel und ein Ei versteigert, da die Besitzer Pleite gegangen sind. Wir verlieren also unsere Arbeit. Die meisten Pferde sind schon verkauft.“

      Tja, was nun kam, wird wohl klar sein. Natürlich war der Schmerz immer noch riesengroß, dass ich mein neu gewonnenes zu Hause schon wieder verlieren würde, aber ein Hoffnungskeim, dass alles sogar noch besser werden könnte, war in mir gewachsen. Nicos Vater versprach einen Anteil zu bezahlen, welchen wir ihm aber auch in Raten zurück zahlen mussten, aber das würden wir schon irgendwie schaffen. Es hieß einfach: Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Von nun an verbrachten wir unsere knappen Freiräume damit, zu planen. Zu planen, zu planen und zu planen. Ich konnte es kaum fassen. Ich und meine drei Freunde wollten zu viert ein eigenes Gestüt führen! Wir besorgten uns den Hofplan, rechneten aus, recherchierten und verwarfen wieder. Es war eine Menge Arbeit, aber ich fand Freude daran. Das Geld, was uns Nicos Vater zur Verfügung stellen wollte, reichte für den Kauf und kleine Umbauarbeiten. Den Rest mussten wir uns selbst verdienen. Irgendwann stand ein Grundgerüst und eines abends, öffneten wir dann eine gute Flasche Wein, füllten unsere Gläser und stießen an. Es war fertig. Wir hatten es geschafft. Das Gestüt von Fleury d'Aude, nur wenige Kilometer von uns entfernt, würde bald unser neues Projekt werden! Wie schnell war meine Trauer um Saint Gorge verflogen, wie schnell hatte ich neuen Mut gefasst und hatte beschlossen, mal wieder neu anzufangen. Es war soweit, das Leben wirklich zu genießen! Am Tag der Versteigerung wachte ich schon früh auf. Eine Zeit lag ich noch im Bett, bevor ich mich anzog und mich in die kühle Morgenluft in Richtung Stall begab. Flink versorgte ich alle Pferde, welche sicherlich schon längst ahnten, dass etwas im Gange war und verschwand dann wieder im Bad. Nur wenige Minuten später tauchte auch Charly auf und zusammen bereiteten wir uns auf die Auktion vor. Die Auktion fand in einem kleinen Raum im Ratshaus von Fleury d'Aude statt. Charly, Nico, Shadow und ich waren die einzigen und auch als der Richter die Tür öffnete, war immer noch niemand aufgetaucht. Innerhalb weniger Minuten waren die Papiere unterschrieben, die Schlüssel ausgehändigt und die Hände geschüttelt. Das Gestüt von Fleury d'Aude gehörte nun vollkommen uns! Auf der Heimfahrt einigten wir uns schnell darauf, den Namen Saint Gorge beizubehalten. Das Gestüt von Fleury würde ab nun nicht mehr Gestüt von Fleury sondern Saint Gorge heißen. Saint Gorge, genauso wie unser altes zu Hause.

      Eine Woche darauf, waren die Taschen gepackt und Saint Gorge verschwand wieder in einer undurchdringlichen Unordentlichkeit, wie es vor den tagelangen Aufräum- und Putzarbeiten gewesen war. Der Schrank, welcher immer noch in dem kleinen Zimmer unaufgebaut gestanden hatte, wurde wieder zusammen gepackt und würde nun das zuhause wechseln. Vielleicht klappte es ja diesmal, mit dem Aufbauen. An einem Samstagmorgen rollte der Umzugswagen auf unseren Hof. Nico hatte, wie immer, billig irgendwo einen Fahrer angeheuert, welcher uns für wenig Geld den Umzug fuhr. Die ersten beiden Ladungen waren nur Kram von mir und Charly. Klamotten, Bücher, Haushaltsgegenstände. Die letzten beiden Ladungen waren für die Pferde. Sattelzeug, Zubehör, Decken, Heunetze und auch das Heu und Stroh, was noch uns gehörte. Erst bei der letzten Fuhr, stieg ich zu dem Fahrer in den LKW und fuhr nach Fleury. In den letzten Tagen war ich natürlich immer wieder hier gewesen, hatte das Gutshaus mit Charly geputzt und hatte gelernt, mich hier wohl zufühlen. Es war natürlich etwas ganz anderes, als unser gemütlicher kleiner Hof. Es war eben, ein großes Gestüt. Sättel, Trensen und alles was sonst noch so dazu gehörte, fand Platz in den beiden Sattelkammern. Heu und Stroh lagerten wir erstmal vor der Reithalle, denn einen Unterstand dafür gab es noch nicht. Da es hier aber verhältnismäßig sehr trocken war, würde es dort auch erstmal sicher stehen. Nachdem die Sachen von mir und Charly verstaut waren, machte sich der LKW Fahrer auf den Weg zu Shadows und Nicos zuhause. Beide würden mit in das Gutshaus einziehen und es war ein tolles Gefühl, mit so guten Freunden sich ein neues Heim zu teilen.
      Die Sachen von den beiden Jungs waren definitiv weniger als die von Charly und mir und so hatten wir nach zwei nicht vollen Ladungen auch ihre Sachen umgelagert. Als letztes zogen die Pferde ein. Nico hatte seinen Vater davon überzeugt, ihm einen Pferdeanhänger zu kaufen und nun konnten wir einen nagelneuen und hoch modernen Anhänger unser Eigen nennen. Zu erst holte ich meinen Exel aus seiner Box, in welcher er schon den ganzen Tag gestanden hatte, legte ihm Transportgamaschen um und eine leichte Abschwitzdecke auf. Der Weg war ja nicht lang, aber sicher war sicher. Mein Wallach lief ohne Probleme in den Hänger, fast so, als hätte er Freude daran und vielleicht freute er sich auch auf einen weiteren Umzug. Zu Excelsior stellte ich seine beste Freundin Jeanie. Auch sie bekam Gamaschen und eine Decke, machte jedoch weit mehr Theater, als es darum ging, in den Hänger zu gehen. Als dann endlich doch beide Pferde den Weg hinein gefunden hatten, klappte ich die Rampe hoch und stieg zu Nico in seinen Landrover. Ich würde es nicht verpassen wollen, wenn Exel und Jeanie das erste Mal ihr neues zu Hause sehen würden! Zehn Minuten später waren wir auch schon in Fleury und das Gespann fuhr die Einfahrt zwischen den Weiden hindurch auf den kleinen Vorplatz. Zusammen mit Nico holte ich erst Jeanie und dann Exel aus dem Hänger, nahm ihnen das Zeug ab und führte sie dann zum Hauptstall. Der Hauptstall bestand aus 15 großräumigen Boxen mit je einem Auslauf und das war eine erhebliche Verbesserung, zu unserem alten zu Hause.
      Auch die restlichen 5 Pferde waren innerhalb weniger Stunden umgezogen. Happy, wie auch Ocarina, brauchten etwas länger, um den Weg in den Hänger zu finden aber Schlussendlich schafften wir es, alle unversehrt umzusiedeln. Coco und Happy bezogen den kleineren Hengststall, während Exel, Jeanie, Changa, Oca und Charelle in den Hauptstall einquartiert wurden. Fast schien es so, als wüssten sie genau, dass dies jetzt ihre neue Heimat werden würde und so machten sie es sich schon bequem. Besonders die kleinen Paddocks waren das Highlight. Ocarina, welche noch nicht wirklich Anschluss an die kleine Herde gefunden hatte, stellten wir eine Box entfernt von Changa hin. So konnten sie sich riechen und vielleicht kennenlernen. Ich war mehr als glücklich, mehr als müde und mehr als zufrieden. Es war für mich, wie auch für alle anderen, ein schwerer Schritt gewesen, die alte Heimat aufzugeben und wo anders neu anzufangen. Aber wir hatten es gewagt und erfolgreich geschafft und die Trauer, welche in den ersten Tagen noch um uns herum gewebt war, war schnell verflogen gewesen. Ich hatte es akzeptiert, dass es nun anders gelaufen war als geplant und konnte mich glücklich schätzen, dass ich so gute Freunde hatte. Am Abend traf ich mich mit Charly, Nico und Shadow wieder auf unserem alten Hof. Das letzte was noch übrig geblieben war, waren die Katzen, also Capucine mit ihren Jungen, Asuka, die Autos und natürlich wir. Alles andere, was uns gehörte, war verschwunden und ruhte nun in Fleury. Den Abend verbrachten wir versammelt um ein kleines Lagerfeuer. Der Reitplatz, der Stall, der Schuppen und die Koppeln waren in der Dunkelheit verschwunden und es war nicht mehr sichtbar, dass sich vieles in den letzten zwei Monaten verändert hatte. Der Stall war aufgeräumt wurden, Müll entfernt, Boxen repariert und eine neue gebaut wurden, der Reitplatz war neu gestrichen und frisch Sand aufgefüllt wurden und das Wohnhaus wurde teilweise renoviert. Ich konnte es kaum fassen, dass nun alles von vorne beginnen sollte, aber es war nun mal so. Gemütlich saßen wir vier beisammen, sprachen über den Tag, fantasierten wie es weiter gehen sollte und lachten viel. Lachten, und freuten uns, dass wir uns alle kennengelernt hatten. Die Freundschaft zwischen uns allen war noch jung und frisch und natürlich würden auch schwierigere Tage auf uns zu kommen, aber darüber dachten wir heute noch nicht nach und fast fühlte ich mich so, als wäre gerade jetzt der Tag, an dem ich mit Charly und Exel nach Südfrankreich gezogen war. Es wurde immer später und später und immer noch saßen wir da, genossen es ein letztes Mal und schafften es erst knapp nach Mitternacht, die Katzen in den Kofferraum von Nico zu packen und uns auf den Weg zu machen. Das war der letzte Schritt gewesen, vor dem neuen Leben! Ich durfte mit der Schwalbe von Shadow mitfahren und es gab dem Ganzen nochmal einen kleinen Klick, als der Wind mir ins Gesicht pustete und ich im Stockfinstern durch die Nacht fuhr.

      Die Nacht schlief ich sehr unruhig. Ich hatte mir ein Zimmer im Obergeschoss ausgesucht und so schien der Mond hell durch die kleinen viereckigen Fenster zu mir herein. Bis jetzt stand hier nur ein Bett, ein kleiner Schrank, meine Gitarre und noch viele Kisten mit Büchern und Klamotten. Gestrichen war der weiße Raum noch nicht, das würden wir in den nächsten Tagen wohl nachholen müssen. Als sich die Nacht dann doch dem Ende neigte und pünktlich halb sieben mein Wecker klingelte, wollte ich am liebsten noch gar nicht aufstehen. Blöderweise hatte ich mich mit Charly, Nico und Shadow zum Frühstück verabredet und so musste ich wohl oder übel aufstehen. Als ich die Tür meines kleinen Zimmers öffnete, kam Shadow gerade aus dem Bad. Sein Zimmer lag, genauso wie das kleine Bad, in meiner Etage. Noch vollkommen müde nuschelte ich nur kurz ein kleines „Morgen!“ und verschwand dann im Bad. Wie immer brauchte ich mehr als lange und als ich viele Minuten zu spät die Küche betrat, war ich die letzte. Die gute Charly hatte wie immer den Frühstückstisch bereits gedeckt und saß nun mit Nico vor ihrem Laptop und zockte irgendwelche sinnlosen Spiele. Na das konnte ja spannend werden, wenn Nico auch so ein Fan von Fantasiewelten war. Ich ließ mich lustlos auf einen der Stühle fallen und stopfte mein Müsli in mich hinein.

      Nach dem Frühstück begaben wir uns hinaus. Auch hier im Süden Europas war es doch sichtlich erkaltet und so hatte ich mir meine warme Winterjacke übergezogen. Charly machte sich auf den Weg zum Hengststall, um Coco und Happy zu versorgen, während Shadow, Nico und ich in den Hauptstall gingen. Die Pferde würden erstmal noch drinnen bleiben und so mussten wir nicht mehr tun, als allen neues Heu zu geben und Futter zu mischen. Nach nicht mal einer viertel Stunde, stieß Charly zu uns und wir entschieden uns dafür, die Koppeln zu kontrollieren. Aus einer Hosentasche holte Shadow einen Plan der Koppel und wir versammelten uns um ihn. Zu erkennen waren acht unterschiedlich große Koppeln, von denen zwei einen Offenstall besaßen.
      „Wie sollen wir uns nur merken, welche Weide was ist!“, sagte ich leicht überfordert. „Wir müssten die vielleicht nummerieren oder so ...“, kam mir die Idee.
      „Mhm.“, sagte Shadow. „Die Idee ist gar nicht so schlecht, jedoch ist nummerieren echt öde. Klar, es ist einfach. Aber dann müssen wir ja immer sagen: Hengste stehen auf Weiden 4. Und das ist nicht gerade Einfallsreich.
      „Wir könnten ihnen ja Namen geben“, lachteCharly.
      „Namen finde ich gar nichts so schlecht“, stimme Nico ihr zu.
      „Das war eigentlich nur ein Scherz!“, feixte Charly.
      „Ich wäre ja für griechische Götter.“, gab ich meine Meinung kund. „So, Zeus und so, die ganze Bande halt.“
      Die Idee setzten wir tatsächlich um! Ich glaubte es kaum, aber knapp 10 Minuten später war auf dem Plan von Shadow mit Kuli Namen gekritzelt wurde und die unterschiedlichen Koppelabteile hießen jetztZeus, Poseidon, Hera Hephaistos, Athene, Aphrodite, Hermes und Artemis und selbst Charly fand das witzig.

      Den restlichen Tag verbrachten wir damit, die Koppel zu kontrollieren, die Offenställe auszumisten und gründlich zu reinigen und den Hof zu fegen. Noch am Abend stellten wir die erste Anzeige ins Internet, dass es Pensionsplätze und Reitunterricht bei uns gab. Unsere Hoffnung war ja, das Urlauber, welche vielleicht auf dem nahen Zeltplatz zelten wollten, ihr Pferd hier unterstellten, um am Strand ein paar tolle Ausritte zu genießen. Wir würden sehen, ob unser Plan aufging. Am nächsten Tag, standen wir wieder zusammen auf. Heute wollten wir die Pferde das erste Mal auf ihre Koppeln bringen. Den Plan, wer wohin kam, hatten wir zum Glück schon am letzten Abend ausgetüfftelt. Charly machte sich wieder auf zu den Hengsten, welche heute erstmal nur nach Zeus kommen sollten, eine kleine Weide gleich neben dem Hengststall. Ich machte mich auf den Weg zu Oca, denn sie machte mir etwas mehr Sorgen. Bis jetzt hatten wir sie immer in Riechweite zu der Herde gehabt, aber sobald sie zu Nahe kamen, legte Ocarina die Ohren an und schnappte nach allen möglichen Dingen. Ich wusste bis jetzt noch nicht, wie ich das kleine Problemchen lösen sollte, aber die Lösung würde mir vielleicht noch kommen. Recht entspannt stand sie in ihrer Box und spitzte aufmerksam die Ohren, als ich vor die Box trat. Sie hatte sich mittlerweile an mich gewöhnt und schreckte nicht mehr zurück, wenn ich sie berührte. Ich schnappte mir eine kleine Bürste, öffnete sachte die Boxentür und schob mich dann zu der jungen Stute hinein. Etwas angespannt beobachtete sie mich und als ich anfing sie zu bürsten, folgten mir ihre Ohren stetig. Langsam strich ich ihr über das gescheckte Fell, suchte die Stellen, welche sie besonders mochte und ließ die Stellen aus, die sie nicht leiden konnte. Als ich bei den Hinterbeinen angekommen war, ging ich langsam mit der Bürste an ihnen hinab und nahm dann vorsichtig ihren Huf.
      „Gib Huf!“, rief ich ihr leise zu und versuchte ihn dann anzuheben. Ocarina legte die Ohren an und schüttelte meine Hand ab. Das war wohl noch nichts. Ich bürstete sie wieder, kraulte sie und versuchte mein Glück dann nochmal. Diesmal ließ sie den Huf länger oben und nach einigen Sekunden setzte ich ihn selbst wieder ab. Ich lobte sie und drückte ihr dann noch einen Kuss auf die Stirn. Wir entwickelten uns! Ich schnappte mir Ocas Halfter, legte es ihr um und führte sie dann die Stallgasse entlang. Ocarina würde auf Hermes kommen. Eine kleine zentral gelegene Koppel mit Unterstand, wo sie sich vielleicht nicht allzu einsam fühlen würde. Ich wusste selbst, das schleunigst eine Lösung her musste! Als ich die Koppel verließ, brachten Nico und Shadow gerade Exel und Jeanie, und Changa und Charelle (welcher Shadow liebevoll den Spitznamen Nelly gegeben hatte) auf Aphrodite, einer mittelgroßen Koppel. Zufrieden betrachtete ich alle Pferde. Der Umzug war vollbracht und wer weiß, was jetzt noch kommen würde!
    • Canyon
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      2. Januar 2016 | 21.519 Zeichen | Canyon
      Anonyme

      06:36
      - Noch vollkommen verpennt und müde, betrat ich die gemeinsame Küche, in welcher schon Charly, Nico und Shadow saßen. Die Nacht hatte ich überhaupt nicht gut geschlafen und war bei jedem ungewohnten Geräusch aufgeschreckt. Ich murmelte ein leises „Morgen!“ in die stumme Runde und ließ mich dann auf meinen Stuhl fallen. Ja, mein Stuhl und niemand anderes durfte darauf ohne meiner Erlaubnis Platz nehmen. Charly trällerte ein „Guten Morgen!“ zurück und noch missgestimmter (Wie man nur so früh schon so munter sein konnte!) schaufelte ich mein Müsli in mich hinein. Während des Essens besprachen wir unseren Tagesplan. Da wir heute alle nicht arbeiten mussten, war dieser ganz schön voll.
      „Also“, fing Nico an „Ich finde, wir sollten endlich mal wieder einen gemeinsamen Ausritt machen. Wir hatten in letzter Zeit so viel zu tun, dass der Spaß an der ganzen Sache völlig im Hintergrund war, oder?“
      „Super Idee!“ stimme ihm Charly zu. „Allerdings würde ich das hinten dran hängen, denn es gibt noch ein paar wichtigere Dinge, oder was meinst du Mio?“ fragte mich Charly. Erschrocken hob ich den Blick von meiner Müslischale in die Runde.
      „Was? Ja, gute Idee. Ich würde heute nur gerne auch mit Ocarina ein bisschen in den Roundpen. Sie hat schon länger nicht mehr wirklich gearbeitet und es wird langsam Zeit, sie daran zu gewöhnen. Aber ansonsten hätte ich Zeit.“
      Shadow meldete sich wie in der Schule und als ich ihn auffordernd ansah, gab auch er seine Meinung kund. „Ich hätte da noch ein kleines Anliegen. Und zwar kommt mein Schwesterherz mich heute besuchen. Sie würde ja auch gerne reiten lernen. Könntest du ihr vielleicht eine Reitstunde geben Mio? Das wäre für sie echt der Oberhammer!“
      „Puh...“, Ich überlegte scharf. „Das hatte ich jetzt eigentlich nicht mit eingeplant, aber wenn sie dann im Stall mithilft, sollte das eigentlich funktionieren. Wann kommt sie denn?“
      „Da bin ich überfragt, aber wäre schön, wenn das klappt! Womit fangen wir heute denn an?“, fragte Shadow in die Runde und blickte dabei vorallem mich an.
      „Ich würde gerne einen ersten Versuch wagen und Ocarina und Mutantchen zusammen auf eine Koppel stellen. Dazu bräuchte ich euch alle drei, zur Sicherheit.“
      Alle drei stimmten mir zu und zusammen räumten wir den Tisch ab, zogen unsere Jacken an und gingen hinaus.

      07:04 - Nun doch schon etwas munterer, betrat ich den Hauptstall. Momentan waren die meisten Boxen noch leer und hier standen zur Zeit nur meine Stuten Vaconda, Winterzauber, Mon Amie, Jeanie, Changa, Charelle, Grenzfee, Hryða, wahrscheinlich bis heute noch Flotten von Mutanten und Ocarina und zu Letzt der einzige Wallach Excelsior. Meine Schritte führten mich an den ersten Boxen vorbei und ich warf nur kurz einen Blick hinein, um mich zu versichern, dass es allen meinen Schützlingen gut ging und hielt dann vor der Box von Flotten von Mutanten an. Die Mustangstute stand seit ihrer Ankunft alleine in ihrer Box und seit etwa einer Woche weidete sie, getrennt durch einen Doppelzaun zur Sicherheit, neben Ocarina of Time. Beide waren zwei wildere Stute, mit welchen ich noch viel Arbeit vor mir hatte. Trotzdem liebte ich sie über alles, denn jede war etwas besonderes. Flotte lief aufgeregt in ihrer Box hin und her, ging durch den Vorhang auf das kleine Paddock, was jede der 15 Boxen hatte, und kam dann wieder herein geweht. Ich stellte mich entspannt etwas seitlich vor die Boxentür und blickte der Stute nicht in die Augen. Sie blieb plötzlich ruhig stehen, schnaubte einmal merklich und kam dann mit gesenktem Kopf zur Boxentür. Als sie mich anstupste hob ich meine Hand und kraulte sie. Das klappte nun zum Glück schon fast perfekt und auch beim Führen hatte sie sich merklich verbessert. Da Flotte nun schon seit einer Woche ohne Probleme auf der Koppel neben Ocarina stand, wollten wir heute einen ersten Versuch wagen, die beiden Stuten zusammenzuführen. Ich schob vorsichtig den Riegel der Tür zur Seite, schlüpfte flink in das Innere der Box und lehnte dann die Boxentür nur an. Flotte schnaubte wieder, blieb jedoch stehen und so schaffte ich es ihr, innerhalb von zehn Minuten das leichte Halfter umzulegen. Flotte versuchte sich zwar meiner Hand zu entreißen, ich blieb jedoch standhaft und schaffte es, sie nach draußen zu führen. Vor dem Tor standen schon meine drei Freunde, welche zur Sicherheit draußen gewartet hatten, damit ich mich in Ruhe mit Flotte beschäftigen konnte. Ich übergab den Führstrick weiter an Shadow, welcher einen festen Griff hatte und lief wieder hinein zu der Box von Ocarina. Als ich mit der geschleckten Stute die Stallgasse entlang lief, rief ich Charly zu, dass sie schon mit Flotte vorgehen sollten und ich ihnen mit etwas Abstand folgen würde. In dieser Reihenfolge, Shadow mit Flotte, im Gepäck Nico und Shadow und dann ich hinten dran mit Ocarina, machten wir uns auf den Weg zur größten Koppel die wir hatten, also Athene. Da Ocarina mittlerweile die händelbarere der Beiden war, nahm ich mit ihr den großen Weg um die Koppel herum, um von der anderen Seite auf die Weide zu gelangen. Shadow folgte und öffnete mir dann das Gatter und schloss es hinter uns wieder. Ich sah, wie Nico von der anderen Seite der Koppel winkte und Charly Flotte vom Strick und vom Halfter befreite. Auch ich streifte Oca ihr Halfter ab und entließ sie auf die weitläufige Koppel. Ich hatte lange überlegt, ob ich beide mit Halfter oder ohne das erste Mal aufeinander treffen lassen wollte. Zum Schluss hatte ich mich dagegen entschieden, denn so war die Verletzungsgefahr etwas geringer. Flotte buckelte überdreht auf der anderen Seite der Weide und galoppierte dann wild den kleinen Hügel hinauf in unsere Richtung. Ocarina trabte den Hügel am Zaun entlang herab, hielt auf der Hälfte der Strecke an und hob den Kopf in Richtung Flotte. Auch Flotte schien die andere Stute entdeckt zu haben und wieherte einmal laut. Dann galoppierte sie mit voller Kraft auf die kleinere Ocarina zu, welche sich aber gar nicht beeindrucken ließ, sondern kurz auf die Hinterbeine stieg, als Flotte näher kam. Schlitternd kam die Mustangstute kurz vor Ocarina zum stehen und streckte dann ihren Kopf vorsichtig in ihre Richtung. Von weiten konnte ich erkennen, wie Ocarina es ihr kurz nachmachte, dann aber ruckartig den Kopf zurück zog, nach vorne austrat und wieherte. Flotte drehte auf der Hinterhand und galoppierte dann buckelnd davon. Ocarina galoppierte ihr nach und zusammen rasten sie über die Weide.
      „Sieht das gut aus, oder eher schlecht?“, fragte mich Shadow, welcher mit verschränkten Armen und skeptischem Blick neben mir stand.
      „Ich weiß noch nicht, das wird die Zeit zeigen.“

      08:16 - Nico erklärte sich bereit, bei den Pferden zu bleiben und darauf zu achten, dass sie nicht anfingen sich zu beißen. Shadow wollte ihn später ablösen, doch da wir noch viel zu tun hatten, machten wir anderen uns wieder an die Arbeit. Immerhin standen noch einige mehr Pferde in ihren Boxen, welche dringend nach draußen wollten. Charly ging wie immer zum Hengststall, um die drei Hengste auf ihre gemeinsame Koppel zu bringen. Wir hatten Glück gehabt, dass Happy und Coco so lieb waren und Vad, alias Marid, in ihrer Reihe aufgenommen hatten. Mit Vad hatte ich mich leider noch nicht anfreunden können. Meiner Meinung nach, lag das allerdings nicht an mir, sondern an ihm. Schon vom ersten Augenblick hatte er mich nicht an ihn heran gelassen, obwohl er bei allen anderen nicht so ein Theater veranstaltete. Mittlerweile kam ich damit zurecht, dass er irgendetwas gegen mich hatte, doch es war schon ein Schlag gewesen. Shadow und ich gingen in den Hauptstall, wo die restlichen Pferde standen. Also alle Stuten, sowie mein Wallach Excelsior, welchen ich über alles vergötterte. Shadow und ich teilten gerade auf, wer welche Pferde nach draußen bringen würde, als sein Handy in der Hosentasche einen Gong von sich gab. Ja, es war wirklich ein Gong, so ein chinesischer oder so. Er war davon total Fan, mir ging es auf die Nerven. Er zog es aus seiner Stallhose und blickte auf das leuchtende Display.
      „Meine Schwester schreibt, dass sie gegen halb zehn an der Bushaltestelle ist. Ich würde sie dann abholen, ja?“
      „Klar, mach ruhig. Ich freue mich, endlich deine Schwester kennenzulernen. Wird ja wohl Zeit.“
      „Jap, da hast du Recht.“, stimmte er mir zu. „Erwarte aber nicht zu viel! Sie kann manchmal – ja, du wirst es ja nachher sehen.“
      Ich schmunzelte. „Du machst es aber spannend. Dann lass uns mal die Pferde rausbringen, damit du es pünktlich schaffst.“
      Das taten wir dann auch. Ich schnappte mir zu erst meine beiden Lieblinge Valentines Jeanie und Excelsior, Shadow nahm Changa und die neue Stute Hryða, welche alle auf Hephaistos kamen, wo sie genügend Platz hatten. Dort entließen wir sie in die Freiheit, bevor wir wieder zurück in den Stall gingen um noch vier Stuten nach draußen zu bringen. Shadow legte Mon Amie und Charelle ihre Halfter an und ich nahm mir Vaconda und Winterzauber vor. Die vier würden auf Aphrodite kommen. Die junge Grenzfee, welche erst seit Weihnachten bei uns wohnte, blieb erstmal noch im Stall, bis der Hufschmied und der Tierarzt gekommen waren, denn sie wurde in ihrer Vergangenheit stark vernachlässigt. Wie abgesprochen sah ich von weiten, wie Charly erst Vad und dann Coco und Happy auf Poseidon brachte. Damit waren alle Pferde auf den Koppeln.

      09:03 - Da Shadow als nächstes damit dran war auf der Koppel von Flotte und Oca Wache zu schieben und ich nichts zu tun hatte, entschied ich mich dafür, ihm noch etwas Gesellschaft zu leisten, bis er seine Schwester abholen musste. Wie fast immer schweigend, gingen wir über den sandigen Hof in Richtung Athene. Wir sprachen meist nicht viel miteinander, wer weiß warum, trotzdem verstanden wir uns immer ausgezeichnet. Am Anfang hatte ich gedacht, dass aus uns beiden vielleicht mal mehr werden konnte, doch mittlerweile war es mir schon fast lieber, dass wir einfach nur beste Freunde waren. Ich sah Nico schon von weiten. Er saß auf einem Stein, außerhalb der Koppel und blätterte in einem großen Schmöker. Als wir näher kamen und er unsere Schritte hörte, stand er erleichtert auf.
      „Oh man, da seid ihr ja endlich. Das ist so eine Zeitverschwendung hier. Schaut euch die beiden doch an! Die ganze letzte Stunde haben sie nebeneinander gegrast und sind nur ab und zu mal zusammen über die Koppel gerannt. Die tun ja so, als kennen sie sich schon länger als die Welt existiert!“
      Mein Blick wanderte in Richtung Koppel und der beiden Pferde, welche unter einer kleinen Ansammlung von Kiefern auf dem sandigen Boden standen und genüsslich den Rest Gras fraßen.
      Ich musste lachen. „Mein Gott, was haben wir für ein Glück. Die scheinen sich ja wirklich gut zu verstehen!“
      „Du sagst es“, sagte Nico grimmig. „Und damit vertreibe ich mir meine Zeit. Sinnlos.“ Er schüttelte verärgert den Kopf und Shadow klopfte ihm freundschaftlich auf die Schultern.
      „Komm schon Kumpel, jedenfalls hattest du viel Zeit für dich. Was ließt du da eigentlich für ein Buch? Das habe ich ja noch nicht bei dir gesehen.“ Nico versuchte schnell das dicke Buch unter seiner Jacke zu verstecken, was er aber nicht ganz schaffte.
      „Ach nicht so wichtig!“ Mit diesen Worten stand er auf und lief schnell in Richtung Gutshaus, wo er dann durch die Eingangstür verschwand.
      Shadow und ich schauten uns an und mussten losprusten. Das waren solche Momente, wo wir uns einfach ohne Worte verstanden. Ich blickte auf die Uhr an meinem Handgelenk.
      „Oh, du solltest dich beeilen, es ist schon zehn vor halb und du brauchst mit deiner Schwalbe schon zehn Minuten bis zur Bushaltestelle.
      Ich würde hier warten und das Ganze nochmal mit eigenen Augen beobachten. Sobald du wieder da bist, komme ich aber runter.“
      Er nickte und wir verabschiedeten uns von einander, in dem wir uns drückten. Ich ließ mich auf dem Stein nieder, auf welchem bis gerade eben noch Nico verweilt hatte und beobachtete zwei meiner liebsten Stuten: Ocarina of Time und Flotten von Mutanten. Das Einreiten von Flotte lag noch in weiter Ferne, doch Oca hatte sich in letzter Zeit so gut gemacht, dass wir in einem Jahr vielleicht anfangen konnten. Sobald man sie sicher führen und putzen konnte, hatte ich vor, mit longieren anzufangen. Das würde aber auch frühestens im Frühling passieren. Ich wollte ihr die Zeit geben, die sie brauchte. Die nächsten zwanzig Minuten genoss ich einfach nur den Anblick der genüsslich fressenden Stuten, welche sich schon stark in mein Herz eingebrannt hatten.

      09:44 - Als ich von weitem das laute Rattern von Shadows Schwalbe hörte, riss ich mich von meinen beiden Stuten los und ging den kleinen Hügel hinab zum Parkplatz.
      Shadow stoppte nur wenige Momente später neben mir und schaltete seinen Motor aus. Hinter ihm saß ein junges Mädchen, dessen Gesicht ich wegen des Helmes allerdings noch nicht erkennen konnte. Shadows Schwester. Diese sprang behänd von der alten Schwalbe, zog sich den Helm schwungvoll vom Kopf und schüttelte sich ihre langen Haare aus dem Gesicht. Oh mein Gott! Sie hatte die gleiche Mähne wie ihr Bruder, nur war sie um einiges länger. Rabenschwarz waren sie, unten gerade abgeschnitten und oben ein gerades Pony. Eigentlich gefiel mir dieses nicht so sehr, aber ihr stand es. Vor allem hatte sie eine Figur wie ich sie mir immer gewünscht hatte und ich war vom ersten Augenblick Eifersüchtig. Mittelgroß, schlank, dünn und zart mit hellen grünen Augen. Sie war einfach nur wunderschön!
      „Darf ich vorstellen? Das ist meine Schwester Candida. Candida, das ist Mio. Von ihr habe ich dir erzählt.“, stellte Shadow uns vor.
      Ich wurde von klaren Augen angeschaut, welche recht zweifelnd an mir hinunter und wieder hinauf fuhren und ich fühlte mich gleich noch schlechter, obwohl das Mädel mir gegenüber mindestens zwei Jahre jünger war als ich. Ich überwand meine Gefühle und streckte ihr die Hand entgegen.
      „Hey Candida. Schön dich endlich kennenzulernen!“, fing ich an.
      „Candy.“, sagte sie nur. Ihre Stimme war übrigens genauso zart und rauchig wie sie selbst. Noch ein Grund, sie nicht zu mögen. Es klang einfach zu schön. Verwirrt blickte ich sie an. Sie sagte jedoch nichts weiter und mein Blick wanderte fragend zu Shadow.
      „Sie möchte nicht Candida genannt werden. Einmal kann man den Fehler machen, aber sobald man sie wieder Candida nennt, ist es komplett vorbei.“
      Ich wusste nicht ganz ob er das wirkliche ernst meinte, aber sein Gesicht verzog sich kein Bisschen.
      „Ok, dann Candy. Auch wenn das etwas-“, ich überlegte was ich sagen sollte. „Nicht französisch klingt.“
      „Mio klingt auch nicht gerade weiblich und trotzdem heißt du so.“, gab sie mir es genauso zurück. Ich zuckte die Schulter und wusste nicht ganz was ich sagen sollte. Shadow schaute mich nur mitleidig an und ich denke, ich hatte verstanden, was er mir vorhin sagen wollte.
      „Ok Candy, dann komm mit. Du willst doch reiten lernen, oder?“
      „Ich will nicht nur reiten lernen, sondern das ganze Verhalten von Pferden verstehen. Nur falls du fragen willst: Deswegen habe ich noch nie Reitunterricht genommen, weil es überall nur darum geht, nicht so schnell vom Pferd zu fallen. Keiner schafft es einem zu lehren wie Pferde ticken, was Pferde brauchen und was wir Menschen tun müssen, damit es ihnen gut geht. Denkst du, du kannst mir das zeigen? Wenn nicht, dann kann ich nämlich wieder gehen.“ Wow, ich würde sagen, ich war geflasht und gleichzeitig auch beeindruckt. Das Mädel wusste, was sie wollte und für meine erste Reitschülerin hatte ich mir da einen ganz schönen Brocken ran geholt.
      „Ok Candy“, wiederholte ich. „Dann komm mit. Ich zeige dir, womit wir anfangen.“
      „Ich mache uns einen Kaffee.“, sagte Shadow noch, bevor er im Gutshaus verschwand. Ich winkte Candy zu und schlug dann den Weg zum Hauptstall ein. Sie wollte wissen, was es bedeutet mit Pferden zu arbeiten? Dann konnten wir ja gleich anfangen. Ich stemmte meine Arme in die Hüften und zeigte in den Stall, wo nun 15 leere Boxen standen.
      „So, hier fangen wir an. Du hast Glück, dass zur Zeit nur sieben Boxen belegt sind und du nicht alle ausmisten musst. Dann ab an die Arbeit. Hier kommt der erste Schritt, beim reiten lernen. Denn da gehört, wie du schon selbst sagtest, viel mehr dazu.“
      Mehr als erstaunt sah ich dabei zu, wie sich Candy eine Mistgabel schnappte und die Schubkarre nahm die an der Stallwand stand und ohne zu Murren die Boxentür von Excelsior öffnete und anfing, die Äpfel meines Wallachs aus dem Stroh zu suchen und dann im weiten Bogen in die Karre zu befördern. Etwas baff stand ich noch einen Moment da, bevor auch ich mir die zweite Gabel schnappte und in der nächsten Box, der von Jeanie, anfing auszumisten. Ich war mehr als erstaunt, dass wir innerhalb einer Stunde alle Boxen sauber hatten und die Heusäcke gefüllt waren. Candy hatte die ganze Zeit durchgearbeitet und nur ab und zu mal etwas nachgefragt.
      „Was machen wir jetzt?“, fragte sie mich, als gerade Shadow hereinkam. Drei kalte Tassen Kaffee in der Hand.
      „Na nu? Bist du in der Zeit verschollen?“, fragte ich ihn erstaunt.
      Er winkte ab und hätte dabei fast den ganzen Kaffee verschüttet.
      „Ne, Nico hat mich abgehalten.“
      „Jaja!“, ich lachte und nahm ihm eine Tasse ab.
      „Ihr scheint euch ja gut zu verstehen.“, sprach Candy das Offensichtliche aus.
      „Jaaa.“, sagte ich. „Wir sind auch ziemlich gute Freunde, sonst würden wir nicht zusammen in einem Haus wohnen und uns einen Hof teilen. Oder?“ Candy schüttelte den Kopf, sagte aber nichts weiter.Erst nach etwa einer Minute, als wir alle unseren kalten Kaffee geschlürft hatten, sprach sie weiter.
      „Also, was tun wir jetzt? Du willst mir doch nicht erzählen, dass das das Einzige gewesen war, was ich heute getan habe? Dann hätte ich mir das Busgeld sparen können.“
      Schon wieder dieser abfällige Tonfall. Den würde ich nicht lange durchhalten, ohne durchzudrehen. Da gab es nur zwei Möglichkeiten. Entweder sie vom Hof schicken, was ich Shadow nie antun würde, oder ihr zu zeigen, dass sie mit ihren Annahmen so falsch lag, dass sie das nächstes Mal einfach sein ließ.
      „Nein, noch längst nicht.“, sagte ich und stellte meinen Kaffee vor einer Box ab. Er war sowieso kalt, also konnte ich ihn auch nachher trinken, das ergab keinen Unterschied.
      „Komm mit, ich zeige dir, was wir als nächstes machen!“
      Ich schnappte mir den Halsring von Excelsior, welcher vor seiner Box hing und schlug den Weg zu Hephaistos ein. Candy folgte mir und ich konnte spüren, dass sie sich fragte, was jetzt kommen würde. Bei der Koppel angekommen, drückte ich ihr den Halsring in die Hand und zeigte auf den weit entfernten Excelsior, welcher genüsslich neben seiner Jeanie stand und graste.
      „Siehst du den grauen Wallach dort?“ fragte ich Candy und zeigte auf ihn.
      Candy nickte nur mit dem Kopf. „Deine Aufgabe ist es, ihm den Halsring über den Hals zu streifen und ihn dann, ohne in auch nur zu berühren, hier hinunter zu mir zu führen. Exel folgt nicht jedem, aber wenn du ihm das Vertrauen geben kannst, dann wird er dir folgen.
      "Wenn du hier unten bist und ich das Tor für dich aufmache, führst du ihn, immer noch ohne anzufassen, zur Reithalle. Dann schauen wir weiter.“
      Ohne etwas zu sagen, schlüpfte das Mädchen unter de Zaun hindurch und lief mit gleichmäßigen Schritten zum anderen Ende der Koppel. Mit zusammen gekniffenen Augen, ich hatte schon immer nicht so gut sehen können und war schon immer zu faul gewesen, mir eine Brille anzuschaffen, beobachtete ich sie dabei. Candy begrüßte zu erst alle Pferde und beschäftigte sich dann mit Excelsior, welcher nicht gerade Lust dazu zu haben schien, schon wieder von der Koppel gehen zu müssen. Das Mädchen streifte ihm trotzdem den Halsring über und ich weiß nicht wie sie es machte, aber als sie sich umdrehte und den Weg zurück ging, folgte der eigensinnige Wallach ihr. Mit gesenktem Kopf, den Halsring über dem Hals, lief er hinter ihr her und ließ sich auch nicht davon stören, dass ich das Gatter aufmachte, um die beiden nach draußen zu lassen. Candy lief weiter, Exel auch. Plötzlich drehte er jedoch ab und wollte in Richtung Stall laufen. Candy blieb so ruckartig stehen, dass sich selbst Excelsior erschreckte und verwirrt zu ihr hin blickte. Candy stampfte nochmal bestimmerisch mit den Füßen auf und zeigte dann mit dem Finger auf den Boden vor ihr.
      „Hier her, aber zackig!“, ging sie den Wallach an, bevor sie sich wieder umdrehte und weiter ging, als wäre nichts passiert. Exel schien noch einen Moment verwirrt, bevor er ihr wieder folgte. Erstaunt folgte ich ihr. Auch wenn sie keine Ahnung hatte, sie hatte in diesem Moment genau das Richtige getan. Ohne weitere Probleme führte Candy Excelsior zur Reithalle, an der sie das Tor öffnete und die großzügige Halle betrat. Ich beeilte mich hinterher zu kommen.
      „Das war“, ich nickte leicht mit dem Kopf und wusste in dem Moment nicht, was ich sagen sollte „eine gute Leistung.“
      Candy zog die Augenbrauen hoch und schaute mich erwartend an. Dieses schlaue und selbstbewusste Mädel wusste ganz genau, dass die Aufgabe mehr als gut von ihr gelöst wurden war. „Ich möchte nun, dass du nun hier in der Halle versuchst, weiter mit ihm zu üben. Versuch das gleiche mit ihm zu machen, wie auf den Sattel. Bring ihn dazu, dass zu tun, was du willst und beachte bitte, dass auch er Freude daran haben sollte, sonst ist das alles Kontraproduktiv. Ich musste zugeben, Candy machte alles fantastisch. Selbst das Longieren ohne Longe, im Trab, wie auch im Galopp, meisterte sie hervorragend und nachdem ich das Training mit beiden beendet hatte, schwitzte Excelsior stark und auch Candy stand die Anstrengung ins Gesicht geschrieben. Ha, dachte ich innerlich und konnte mich gleich darauf für diesen fiesen Gedanken feigen, sie ist auch nur ein Mensch und nicht unsterblich.
      „Ok. Das war gut. Möchtest du ihn zur Koppel reiten?“, fragte ich Candy. Diesmal machte sie wirklich große und erstaunte Augen. Ein kleines bisschen Kind steckte also doch noch in ihr.
      „Wirklich? Ja sehr gerne!“
      „Ok, aber dann musst du ohne meine Hilfe auf seinen Rücken kommen. Exel ist zwar ein Deutsches Reitpony, hat die Normalgröße für ein Pony aber längst überschritten.“
      Candy nickte, streichelte den Wallach noch einmal hinter den Ohren, nahm zwei – drei Schritte Anlauf und – schaffte es nicht auf seinen Rücken.
      „Versuche es gleich nochmal, das ist kein Problem.“ ermunterte ich sie. Beim zweiten Mal kletterte sie ohne Probleme auf den schmalen Rücken des dunklen Pferdes und schien stolz auf sich zu sein.
      „Na geht doch!“, reite ihn zur Koppel, nehme ihm den Halsring ab und verschließe wieder alles ordentlich. Ich gehe schonmal zum Gutshaus und setz uns einen Kaffee auf.“

      13:28 - Als ich die Tür zur Küche öffnete, kam mir allerdings der gewohnte Duft des Kaffees entgegen und ich befürchtete schon, was sich kurz darauf bewahrheitete, nämlich, dass ich nicht die erste war. Charly, Nico und Shadow saßen gemütlich an dem kleinen Tisch, tranken aus einer dampfenden Tasse und unterhielten sich.
      „Habt ihr nichts zu tun?“, fragte ich erstaunt in die Runde, denn der Tag war bis jetzt zugeplant gewesen.
      „Wir sind eben schneller gewesen als du und da unsere Chefin, welche uns schon die ganzen letzten Tage von einer Aufgabe zu anderen gescheucht hat, gerade nicht da war, haben wir die Situation genutzt und eine kleine Ruhepause eingelegt.“ Nico schaute mich mit einem breiten Grinsen an.
      „Du Arsch“, murmelte ich und ließ mich dann auf meinem Stammplatz nieder.
      „Wo ist denn Candy?“ Shadow schaute sich fragend um.
      „Die kommt gleich. Sie bringt nur noch Exel weg.“
      Keine Sekunde später wurde die Tür geöffnet und Candy, selbstsicher wie immer, stolzierte herein und ließ sich auf den letzten freien Platz fallen.
      „Hey!“ begrüßte sie Charly. „Du musst demnach wohl Candy sein, oder? Ich habe schon viel von dir gehört, schön dich kennenzulernen.“
      „Danke, ich kenne euch auch schon gut vom Hören. Du musst demnach dann wohl Nico sein, der Typ der total in Charly verschossen ist?“
      Erschrocken schaute Nico, welcher sich sonst eigentlich nicht so schnell aus der Ruhe bringen ließ, zu Shadow, dem die Röte ins Gesicht gestiegen war. Charly hatte die Augenbrauen hoch gezogen und schaute gedankenversunken zu Candy, welche die Situation genoss. Ich hatte ein leichtes Lächeln auf den Lippen, aber alle drei meiner Freunde taten mir Leid. Shadow, weil Nico nun wusste, dass er über so etwas mit seiner Schwester gesprochen hatte, Charly, weil sie genauso in Nico verknallt war, wie er in sie und Nico, weil es für ihn einfach nur peinlich war.
      „Was haltet ihr davon, wenn wir einen Ausritt machen? Wie es scheint, haben wir gerade Zeit und das haben wir schon lange nicht mehr getan.“

      14:01
      - Etwas später trafen wir uns vor dem Hauptstall. Jeder hatte das Pferd seiner Wahl von der Koppel geholt und es auf einen Ausritt vorbereitet. Auch Candy durfte mitkommen, ich war mir sicher, dass sie es schaffen würde. Nico und Charly würde unsere beiden Hengste Marid und Acapulco Gold reiten. Marid, welcher von uns nur noch Vad genannt wurde, hatte schon immer eine große Abneigung gegen mich verspürt und so war es auch diesmal, als er mich neben Winterzauber entdeckte, welche ich mir ausgesucht hatte. Er legte die Ohren an und sein Blick sagte deutlich, dass ich ihm ja nicht zu Nahe kommen sollte. Candy hatte ich Vaconda gegeben. Die gutmütige Stute würde niemals jemanden aus dem Sattel werfen, selbst jemanden unerfahrenen wie Candy nicht, welche aufgeregt die dunkle Mähne der Stute sortierte. Shadow hatte sich seine geliebte Charelle von der Koppel geholt und damit würde Mon Amie alleine zurück bleiben, aber ich hoffte, dass sie das nicht stören würde.
      „Ok, dann lasst uns aufsteigen! Ich wäre ja für eine Strecke ins Innenland, da der Wind zur Zeit echt stark am Strand pfeift.“
      Die anderen stimmten mir zu, also schwang ich mich in den älteren Dressursattel von Wizza und nahm die Zügel auf. Wizza war schon immer schwierig im Gelände zu reiten und ich hoffte, dass es besser wurde, je öfters ich das tat. Meist nahm ich ihre Freundin Mon Amie mit, heute war dies jedoch zu viel. Auch Candy kletterte, erstaunlich leichtfüßig in den Sattel. Als auch Charly und Nico in ihren Westernsätteln saßen, gab ich ihnen das Zeichen, dass sie vorreiten sollten. Wir würden mit den Stuten etwas Abstand zu den beiden Hengsten halten. Wir schlugen den Weg in Richtung Berge ein, welchen ich meistens zum Training nutzte. Einige Pferdelängen hinter Charly und Nico ritt ich nebeneinander mit Candy, hinter uns kam dann Shadow auf seiner Nelly.
      „Versuche mal, die Zügel etwas mehr aufzunehmen. Vaconda läuft zwar auch mit hängenden Zügeln gut, aber im Gelände ist man da lieber vorsichtiger.“
      Candy befolgte meine Anweisung zu gleich und für den Anfang machte sie es gut. Trotzdem gab ich ihr immer mal wieder Tipps und bereits nach kurzer Zeit saß sie schon viel sicherer im Sattel.
      „Wenn du noch versuchst dich etwas tiefer in den Sattel zu setzen und wirklich entspannt zu sein, dann sieht es gut aus.“
      Gegenüber Candy versucht ich so entspannt wie möglich auszusehen, allerdings lief Wizza gar nicht entspannt. Immer wieder schmiss sie den Kopf nach oben und riss mir gleich danach fast die Zügel aus den Händen indem sie in nach unten senkte. Obwohl Winterzauber eigentlich sonst ein außergewöhnlich ruhiges Verhalten hatte, war davon jetzt gar nichts mehr zu sehen. Sie tänzelte eher, als das sie Schritt ging und wollte bei jeder ihr gebotenen Möglichkeit zu den beiden Hengsten aufschließen. Nach einiger Zeit taten mir meine Hände bereits von dem stetigen Druck an den Zügeln weh und ich fragte die anderen, ob wir traben wollten. Es ging gerade einen kleinen Berg hinauf und da war die Gelegenheit ganz günstig. Winterzauber hatte nur auf eine Tempoerhöhung gewartet und raste nun vor den anderen weg. Ich hoffte, dass Shadow ein Auge auf Candy haben würde, denn gerade hatte ich mit mir und Winterzauber genug zu tun.
      „Charly!“ rief ich nach einigen Minuten. „Könntet ihr mal kurz anhalten und mich vorbei lassen? Wizza muss sich dringend mal auspowern.“
      Ich gab auch Candy und Shadow das Zeichen, dass sie die Zügel aufnehem sollten und sah aus dem Augenwinkel, wie Shadow zu den Zügeln von Vaconda griff, damit sie nicht hinter Winterzauber her rennen würde. Charly und Nico zügelten ihre Hengste und wichen zur Seite aus. Wizza wusste, dass sie nun freie Bahn hatte und diesmal hinderte ich sie nicht daran, loszugaloppieren. Ich ließ die Zügel lockerer, aber trotzdem so, dass ich noch genügend Verbindung zum Pferdemaul hatte und ließ die Stute nach vorne rasen. Ich hoffte, dass uns niemand entgegen kommen würde, denn die Stute konnte ich nicht so schnell bremsen. Winterzauber galoppierte auch und wie sie galoppierte. Schnell verlor ich meine Freunde hinter mir aus den Augen. Wizza war nicht unbequem, aber durch den holprigen Boden wurde ich an manchen Stellen so durchgeschüttelt, dass ich mich irgendwann in den leichten Sitz begab. Zum Glück schaffte ich es noch knapp, den Weg nach Hause einzuschlagen, sonst wären wir ins Unendliche weiter galoppiert. Winterzauber galoppierte weiter, obwohl ich merkte, wie sie mit der Zeit langsamer und ruhiger wurde und ich es schließlich schaffte, sie in einen flotten Trab durchzuparieren.

      15:44 - Natürlich kam ich viel früher wieder auf unserem Gelände an als die anderen. Ich hatte Wizza bereits abgesattelt, trocken geputzt und ihr eine dicke Decke übergeworfen, als ich Hufgeklapper hörte. Ich warf die Boxentür vielleicht etwas zu stark ins Schloss, denn Grenzfee in der Box neben an wieherte erschrocken auf.
      „Sorry Süße!“, flüsterte ich ihr zu und ging dann nach draußen, wo Shadow und Candy gerade von den beiden Stuten abstiegen.
      „Wo sind denn Nico und Charly?“, fragte ich verwundert in Richtung Shadow, welcher mit aber nicht gleich antwortete und deswegen Candy das Wort ergriff.
      „Die wollten nochmal eine kleine Runde drehen.“, sagte sie vielsagend und mit einem Grinsen auf ihren roten Lippen.
      Ich jedoch beachtete diesen nicht weiter sondern half ihr dann, Vaconda abzusatteln. Auch ihr und Nelly legten wir eine Decke auf, wer weiß, diese Nacht sollten es Minusgrade werden. Dann entließen wir die drei Stuten zurück auf ihre Koppel, wo sie schon freudig von Mon Amie begrüßt wurden.
      „Ich würde gerne, da wir gerade etwas Zeit haben, Ocarina versuchen zu longieren. Dazu brauche ich eure Hilfe aber nicht.“ sagte ich zu Shadow gewandt.
      „Klar, kein Problem. Ich schaue mal, was ich noch tun kann. Wir sehen uns später!“
      Shadow und Candy gingen in Richtung Stall zurück, während ich den Weg zur Koppel einschlug, wo seit heute Ocarina und Flotte zusammen standen.
      Ich nahm gleich das Halfter von Vaconda, welches bis zum Stall schon seine Dienste tun würde.Ich fand die beiden Stuten in dem kleinen Offenstall, welcher unter einer Gruppe von kleinen Pinien stand. Die Situation von heute Morgen hatte sich nicht verändert und beide waren gesund und munter wie je her.
      Flotte wich ängstlich zurück, als ich näher kam. Ocarina blieb jedoch stehen und schaute mich fragend an.
      „Alles gut“, sprach ich leise auf sie ein. „Hier, siehst du, ein Halfter, das kennst du ja schon.“
      Ocarina ließ sich zögerlich das Halfter über den Kopf ziehen und folgte mir, nach mehreren Versuchen, zum Ausgang und die Weide hinab. Flotte schien so verängstigt von dem plötzlichen Versuch, dass sie uns nicht folgte, sondern weiterhin in dem schützenden Offenstall blieb. Da Ocarina viel im Offenstall gelebt hatte, war ihr einiges wieder fremd, als ich sie am Gutshaus und dann am Parkplatz vorbeiführte. Zögerlich und mit gespitzten Ohren folgte sie mir zum Hauptstall, wo ich sie an der Mauer anband und schnell in den Stall schlüpfte um Putzzeug und für später eine Longe und ein Knotenhalfter zu holen. Als ich wieder nach draußen trat, war Ocarina gerade dabei, den Führstrick zu bekämpfen und von einer Seite zur andern zu laufen.
      „Ruhig mein Mädel,“ versucht ich die Stute zu besänftigen „Du kannst dich gleich austoben. Ich beeilte mich, die schreckhafte Jungstute so sauber wie möglich zu bekommen. Ich hatte das noch nicht allzu oft mit ihr geübt, aber wenn wir es nun vor jedem Arbeiten tun würden, würde sie sich sicherlich schnell daran gewöhnen. Nach dem Putzen wechselte ich das normale Halfter gegen ein Knotenhalfter und eine lange Longe und führte meine gescheckte Stute zu unserem überdachten Roundpen. Da es draußen schon dämmerte, schaltete ich das Licht an, welches etwas länger brauchte und dann flackernd der Reihe nach anging. Bei dem grellen Licht zuckte Ocarina zurück, doch ich blieb ruhig und führte sie dann in das kleine Gebäude. Ich fing die Stunde ruhig an, ließ die junge Stute erstmal im Schritt auf der rechten Hand laufen und baute nach einiger Zeit kleine Handwechsel mit ein. Ocarina schien sich mit der Situation abgefunden zu haben und ohne Probleme ging sie wenig später auch in einen langsamen Trab über, welchen sie konstant durchhielt. Dann fing ich etwas mit Stimmkommandos an, welche sie auch schnell begriff. Am Ende ließ ich sie ohne Longe nochmal galoppieren, was sie auch sichtlich auf dem weichen Sand genoss. Für heute würde das reichen, immerhin wurde noch nicht viel mit ihr gemacht und das hübsch gescheckte Fell war jetzt schon durchnässt.

      17:13 - Kurz nachdem ich Ocarina wieder zu ihrer Freundin Flotte gebracht hatte, ging ich zurück zum Hauptstall, um das Halfter sowie das Knotenhalfter und das Putzzeug zu verstauen. Ich wollte nochmal einen Blick in den Hengststall werfen, vielleicht waren Nico und Charly schon wieder da. Ich verließ also den Hauptstall und lief in Richtung Hengststall, welcher etwas abseits stand. Kurz bevor ich ihn erreichte, hörte ich Hufgeklapper und vom Strang kamen mir Nico und Charly entgegen. Sie führten ihre Pferde und sie – Ich schaute ein zweites Mal hin – Sie hielten sich an den Händen. Innerlich jubilierte ich, äußerlich lächelte ich nur leicht. Als Charly mich erblickte, ließ sie schnell die Hand von Nico los und Nico, dem sonst eigentlich gar nichts peinlich war, errötete so stark, dass ich es aus der Ferne erkennen konnte.
      „Na ihr beiden? Da habt ihr aber einen Ausflug gemacht. Kommt, ich helfe euch die Pferde abzusatteln.“
      Die beiden, die eigentlich immer am meisten erzählten, schienen verstummt und sagten kein Wort. Auch als ich ihnen vom Longieren mit Ocarina erzählten nickten sie nur und ich verstand irgendwann, dass sie am liebsten alleine sein wollten. Also ging ich schon vor ihnen zurück zum Haupthaus, wo ich, vor dem Fernseher sitzend, Candy und Shadow fand.
      „Was schaut ihr da?“ fragte ich und ließ mich neben Shadow nieder.
      „Herr der Ringe, den dritten Teil.“ antwortete Shadow und strahlte mich dabei wie ein kleines Kind an. Ich lachte und schaute mit.

      18:33 - Da Charly und Nico, Candy hatte es geschafft, keinen blöden Kommentar abzugeben, nach der Rückkehr von ihrem „Ausritt“ zusammen nach Saint-Pierre-La-Mer in eine Bar gefahren waren, mussten wir zu dritt alle Pferde von den Koppeln holen. Die Hengste hatten wir zum Glück gleich drin gelassen, deswegen fehlten nun nur noch die Stuten und mein Wallach Excelsior. Zu dritt brauchten wir etwas länger als gewohnt, aber trotzdem fanden irgendwann alle den Weg zu ihrer Box. Candy stellte sich genauso geschickt beim Pferdeversorgen wie beim Reiten an und ich musste nichts bemängeln, als sie allen Pferden ihre verdiente Mahlzeit gab.
      „Was tun wir jetzt?“ fragte sie mich etwas später, als ich gerade den letzten Heusack in die Box von Excelsior hängte.
      „Jetzt? Jetzt gehe ich nach Hause und setze mich vor meinen Fernseher, der Tag war anstrengend und voll genug.“ sagte vorwurfsvoll. „Du kannst gerne noch die Weiden abäppeln, aber ich gönne mir jetzt einen warmen Tee.“
      Ich schloss die Boxentür und drückte ihr dann den Schlüssel zum Stall in die Hand.
      „Zuschließen nicht vergessen!“ warnte ich sie noch, dann verließ ich das Stallgebäude und ging zum Gutshaus.
      Candida hatte echt Feuern unterm Hintern. Sie musste nur aufpassen, dass sie es nicht zu weit trieb. Heute war es bei mir fast so weit gewesen und so etwas ging einfach nicht. Ich hatte mich heute viel mit ihr beschäftigt und meine Kraft damit verbraucht, ihren Wünschen gerecht zu werden. Irgendwann war auch mal Schluss! Ärgerlich stapfte ich die Treppen hinauf und ließ mich in meinem Zimmer am Fenster nieder. Draußen war es dunkel, dunkler, als es in Deutschland je sein würde. Irgendwo vermisste ich Deutschland, aber ich lebte nun hier in Südfrankreich. Das war mein zu Hause. Ich hörte es gar nicht, als die Tür sich leise öffnete und Shadow herein kam. Erst als er hinter mich trat und mich langsam umdrehte, zuckte ich erschrocken zusammen. Einen kurzen Moment dachte ich, er würde mir eine Standpauke halten, weil ich seine Schwester geschimpft hatte. Aber er nahm nur mein Gesicht in seine Hände und blickte mich an. Jedes Härchen stellte sich von seiner Berührung auf und ich war gebannt von seinem Blick. Ich hatte es immer verdrängt, war immer zu scheu gewesen, den ersten Schritt zu machen, aber ich hatte es schon immer gewusst, vom ersten Augenblick an, genau das was er jetzt sagte.
      „Ich liebe dich!“ flüsterte er und ich sagte ihm das gleiche. Der Kuss setzte mich so unter seinen Bann, dass ich mich im Nachhinein kaum noch an ihn erinnern konnte. Besser gesagt, wusste ich gar nichts mehr, ich war mir sogar nicht mehr sicher, ob es überhaupt passiert war, aber es war passiert. Wir waren die Treppen wieder hinab gegangen, hatten Candy vor dem Fernseher gefunden und hatten den Abend vor einem sinnlosen Film verbracht.

      22:10 - Am späten Abend flüchtete ich mich in mein Bett. Ich schaffte es nicht, Shadow gute Nacht zu sagen und Candy erst recht nicht. Wer weiß, vielleicht hoffte ich, er würde zu mir kommen. Aber er kam nicht. Er war wahrscheinlich verunsichert, denn ich war ohne ein weiteres Wort gegangen. Es war verständlich und in der Situation war ich auch nicht böse auf ihn, nur auf mich, weil ich gefühlt wieder viel falsch gemacht hatte. Auch die Nacht schlief ich schlecht. Immer wieder gingen mir die Ereignisse des Tages durch den Kopf. Die Wendung zum Schluss war so überraschend gewesen, dass sie in meinen Gedanken ein regelrechter Bruch war.rst als es draußen bereits dämmerte, fand ich Ruhe und war selbst überrascht darüber, dass ich bis Mittag durchschlief. Niemand weckte mich, niemand kam in mein Zimmer, niemand durchbrach meine Gedanken und erst als ich von selbst munter wurde, stand ich auf. Meine Schritte lenkten mich als erstes zum Fenster, wo ich meinen Blick über das Gestüt gleiten ließ. Ich war mir sicher, sicherer als ich es je gewesen war.
      „Ich liebe dich, Shadow!“ flüsterte ich.
    • Canyon
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      19. Januar 2016 | 13.174 Zeichen | Canyon
      So viel an einem Tag!

      Mio » Freundlich öffnete ich den beiden die Tür zur „Eingangshalle“, es war ja eher unser unaufgeräumter Eingangsbereich. Aber Eingangshalle klang einfach besser.
      »Ich freue mich auf Morgen!« sagte ich zu ihnen, als wir uns die Hände schüttelten. »Ihr fangt doch morgen schon an, oder?«
      Anouk, eine kleine stämmige Frau, nickte breit lächelnd. »Oh ja klar! Wir können es gar nicht abwarten.« sagte sie und blickte dabei zu ihrem Bruder, welcher nickend zustimmte. »Natürlich, wir wollen die Zeit ja sobald wie möglich nutzen. Danke nochmal, dass sie uns sofort eingestellt haben.« bedankte sich Aimé, der Zwillingsbruder von Anouk, bei mir. Ein letzter Händedruck und die beiden Geschwister, welche von nun an unsere neuen Mitarbeiter, besser gesagt, unsere ersten Mitarbeiter, sein würden, stiegen in ihren alten hellblauen Renault Twingo und fuhren dann im gemächlichem Tempo die Ausfahrt entlang. Ich beobachtete sie noch bis sie die Ausfahrt passiert hatten und wollte mich gerade umdrehen, als von hinten ein »Buh!« mich erschrecken sollte. Ohne zu zucken drehte ich mich um und stand Shadow gegenüber, welcher ganz verärgert schaute, weil ich mich nicht erschreckt hatte.
      »Du Kasper!« sagte ich. Und boxte ihn in die Seite. Er schaute mich jedoch nur kurz an und beugte sie dann zu mir hinunter, um mir einen Kuss zu geben, welchen ich genüsslich erwiderte. Es war noch nicht lange her, dass wir den nächsten Schritt unserer Freundschaft gewagt haben und so war es für uns beide noch neu. Komisch war nur, dass es auch Charly und Nico erwischt hatte und nun alles viel komplizierter war als vorher.
      »Und«, fragte er mich »Waren das unsere neuen Angestellten?«
      »Jap. Und sie passen perfekt. Morgen früh um sieben stehen sie bei uns auf der Matte und begrüßen die drei neuen Pferde.«
      »Wow! Super! Die sahen ja auch ganz nett aus, mal schauen was daraus wird.« sagte er leicht lächelnd und folgte mir dann wieder ins Haupthaus.

      Zum Glück verschlief ich am nächsten Morgen nicht und konnte Anouk und Aimé pünktlich um sieben vor dem Haupthaus begrüßen. Beide hatten sich, im Gegenteil zu gestern, in Arbeitskleidung gehüllt. Sie trugen bequeme Reithosen und feste Arbeitsschuhe, mit welchen man auch ohne Probleme reiten konnte.
      Shadow, Nico und Charly wollten die beiden „Neuen“ auch unbedingt kennenlernen und so schlossen sie sich uns an, als wir in den Hauptstall zu den Pferden gingen. Wie drei neugierige Hühner reihten die drei sich hinter mir und den beiden Zwillingen ein und machten lange Hälse, um ja alles sehen zu können.
      Grimmig blickend verschränkte ich die Arme und blickte zu den dreien.
      »Ab mit euch zum Offenstall und zum Hengststall! Der Hauptstall gehört heute mir.« bestimmte ich und Charly, Shadow und Nico verließen den Stall mit hängenden Köpfen.
      »So«, sagte ich zufrieden »Schön, dass ihr da seid. Ich habe euch ja gestern schonmal kurz die Ställe gezeigt, das würde ich heute nochmal vertiefen.« Anouk und Aimé nickten aufgeregt und wie kleine Kinder versuchten sie alles aufzunehmen. Ich fühlte mich in der Position des Lehrenden, obwohl wir gleich alt waren und das verunsicherte mich etwas. »Also, zu erst stelle ich euch alle Pferde aus dem Hauptstall vor. Die drei aus dem Offenstall und die fünf Hengste zeige ich euch dann im Laufe des Tages, aber ich denke, ihr werdet sowieso erstmal hier arbeiten. Außerdem kommen heute Nachmittag drei neue Pferde an, da können wir eure Hilfe auch gut gebrauchen« sagte ich gekonnt freundlich. Ich ging zur ersten Box, in welcher schon seit jeher mein Wallach Excelsior stand. »Darf ich vorstellen? Das ist mein erstes Pferd: Wallach Excelsior und ich warne euch! Wenn ihr ihm ein Haar krümmt, seid ihr dran!« sagte ich spaßig. Die beiden schienen nicht ganz zu wissen, ob ich das ernst gemeint hatte und schauten mich etwas verunsichert an. »Äh, ja, das war natürlich ein Scherz.« sagte ich und machte dann weiter mit den nächsten Boxen. Anouk schien vorallem einen Narren an Valentines Jeanie gefunden zu haben, welche wie immer gleich die Nähe suchte. Aimé schien sich besonders für meine Isländerstute Hryða zu interessieren, und ich legte mir schon im Kopf die beiden kleinen Stuten für die erste Reitstunde bereit. Als wir die Reihe durch hatten, teilte ich ein, wer wen nehmen würde. Da vier Pferde auf Aphrodite und vier auf Artemis kommen sollten, bekamen Anouk und Aimé bei beiden Durchgängen ein Pferd und ich nahm die anderen beiden. Der erste Durchlauf bestand aus Exel, Jeanie, Hryða und Changa, welche zur Zeit Artemis besetzten. Anouk drückte ich gleich die Fellponystute Jeanie in die Hände, während Aimé Hryða bekam. Ich würde nun die beiden Streithähne Exel und Changa nehmen, was nicht gerade angenehm war. Sie standen zwar schon seit Monaten auf einer Koppel, taten jedoch immer so, als würden sie sich nicht verstehen. Das war einfach nur kindisch und nicht ernst zunehmen, fast könnte man glauben, die beiden sind ineinander verknallt, was natürlich total absurd wäre. Aimé und Anouk zeigten von Anfang an viel Gefühl für die Tiere und als Jeanie ihr restliches Müsli in Anouks Haare spukte, konnte diese nur lachen. Es schien, als seien auch die Tiere zufrieden mit der Wahl, welche ich gestern getroffen hatte. Nachdem die vier auf ihrer Koppel standen, brachten wir noch die anderen vier Stuten auf die benachbarte Weide. Winterzauber, welche in letzter Zeit viel Training erlebt hatte, Mon Amie, die Trainingspartnerin von Wizza, Vaconda und Charelle. Alle vier kamen von der gleichen Vorbesitzerin und da war es nur sinnvoll gewesen, die bestehende Gruppe gleich so zu lassen. Aimé bekam Nelly, während Anouk Vaconda nahm und ich die beiden anderen Stuten Wizza und Amie. Auch diese vier standen schnell auf ihrer weitläufigen Koppel, wo sie sich nach belieben bewegen konnten. Als ich wieder zurück im Stall war, wartete dort bereits Shadow auf mich. Er saß auf einem Heuballen in der Ecke und streichelte die Katzenjunge von Capucine, welche ihn als Klettergerüst benutzten.
      »Sind alle Hengste schon auf der Weide?« fragte ich ihn erstaunt.
      »Nein, nicht ganz. Charly und Nico sind mit Marid und Acapulco Gold in der Halle und danach wollen sie noch Happy longieren. Deswegen suche ich jemanden, der mir beim Ausmisten des Hengststalls hilft und gleich zwei Boxen für die beiden neuen vorbereitet.« Ich blickte zu Aimé, welcher unseren Worten aufmerksam gefolgt war. »Würdest du mit zu Shadow gehen? Dann bleibe ich mit Anouk im Hauptstall und kümmere mich um Grenzfee.«
      Aimé war einverstanden und so machten sich die beiden Jungs auf den Weg zum Hengststall, während ich mit Anouk die Stallgasse entlang zu einer der hinteren Boxen lief, wo meine Hufrehkranke Stute Grenzfee stand. Da Grenzfee von unserer Tierärztin Boxenhaltung auf weichem Untergrund verordnet worden war, hatten wir eine Wand herausgenommen, sodass die kranke Stute nun den doppelten Platz hatte. Ihr schien das immer noch zu wenig, aber da musste sie nun durch. Unruhig spielte sie mit ihren Ohren, als ich die Boxentür öffnete und ihren Putzkasten in die Box stellte. Ich winkte Anouk, welche bis eben noch in der Stallgasse gewartet hatte, zu mir und drückte ihr das Halfter von Fee in die Hand.
      »Legst du es ihr bitte an? Ich muss jetzt Ihre Hufpolster wechseln und das klappt am besten, wenn sie mit Fressen beschäftigt ist und jemand sie festhält.«
      Anouk nickte stumm und kam zu mir in die Box. Geschickt legte sie der großen Stute das helle Halfter an und kraulte sie dann an ihren Lieblingsstellen. So schnell, aber auch so ruhig wie ich konnte, suchte ich alle Medikamente zusammen, die meine Fee mit ins Futter bekam. Ihr schienen diese zu schmecken, denn aufgeregt beobachtete sie mich dabei und machte Anstalten sich vom Strick loszureisen und auf das Futter zu stürmen. Gekonnt vermischte ich alles in einem Eimer mit dem morgendlichen Müsli und hängte es der Stute dann an die Boxentür. Grenzfee war schon immer sehr ängstlich gewesen, was ihre Füße betraf, und das war nun mit den Hufrehen noch schlimmer geworden, was es nicht gerade erleichterte, ihr jeden Tag neue Verbände um die angeschwollenen Füße zu legen.
      Während Anouk die genüsslich fressende Stute, ihr Hunger war zum Glück nicht gesunken und auch die Medikamente nahm sie gerne an, festhielt, hob ich vorsichtig den ersten Huf hoch, sodass ich den Verband abwickeln und einen Neuen anlegen konnte. Anouk sicherte mir dadurch etwas die Lage, dass sie einen Strick in der Hand hielt. Fee war zwar eigentlich eine recht liebe Stute, hatte jedoch viel Kraft und Energie, die sie oft ungünstig einsetzte. Auch dem zweiten Huf hatte ich nach wenigen Versuchen mit viel Geduld den Verband gewechselt, sodass Anouk Grenzfee wieder das Halfter abnehmen konnte. Zu zweit verließen wir die Box. Die Vollbutstute hatte nun alle Ruhe der Welt, ihre Mahlzeit zu sich zu nehmen.

      Als gegen Mittag alle Boxen ausgemistet waren, versammelten wir uns in der Wohnstube des Gutshauses zu einer warmen Tasse Tee und einigen, von Weihnachten übrig gebliebenen, Plätzchen. In wenigen Minuten würde ein Transporter mit drei neuen Pferden aufkreuzen und dafür wollten wir alle Fit sein. Zwei davon würden Hengste sein. Zwei Hengste, welche ich vielleicht später als Zuchthengste vor Augen hatte. Außerdem würde eine Warmblutjungstute auf die große Koppel zu Ocarina of Time und Flotten von Mutanten ziehen, welche großes Potenzial als späteres Turnier- und Zuchtpferd zu haben schien.
      Ich war aufgeregt, immerhin würden es gleich drei Neue sein, um die ich mich kümmern musste. Mit einer kleinen Verspätung von einer viertel Stunde, hörte ich einen großen Wagen die Einfahrt in Richtung unseres Parkplatzes rollen. Hastig sprang ich auf, zog mir meine Jacke über und stürzte nach draußen. Anouk, Aimé und Shadow folgten mir, während Charly und Nico alles langsamer angingen ließen. Ein grauer Pferdetransporter, welcher Platz für drei Pferde bot, parkte gerade auf unserem kleinen Parkplatz. Als der Motor des großen Gefährtes ausging und die Fahrertür aufgestoßen wurde, hatten wir einen kleinen Halbkreis, bestehend aus sechs Personen gebildet. Der Fahrer war noch jung, nicht viel älter als Nico und er schien recht erstaunt darüber, dass wir eine so große Willkommensparty veranstalteten. Er begrüßte uns alle und ging dann an die lange Seite des Wagens, wo er eine große Heckklappe herunter ließ. Er war so lieb und führte die Pferde zu uns nach draußen. Das erste Pferd war die Jungstute, Seattle's Scarlett. Hübsch gescheckt, jetzt schon recht groß, mit einem aufmerksamen Blick. Ich wusste noch nicht ganz, was genau ich mit ihr tun wollte, aber das würde sich ja noch entwickeln. Trakehner waren sehr beliebt, vorallem im Pferdesport.
      Shadow trat vor und nahm dem Fahrer die aufgeregte Stute ab. »Bringst du sie schon in den Stall? Etwas Ruhe würde ihr sicherlich nicht schaden.« sagte ich zu meinem Freund, welcher sich sogleich auf den Weg in Richtung Hauptstall machte, wo Scarlett erst einmal untergebracht werden sollte. Mittlerweile hatte der Fahrer bereits das zweite Pferd aus dem Hänger geführt. Ein Isländer. Rabenschwarz und mit einer Mähne, die ihm sicherlich bei jedem Schönheitswettbewerb Punkte einbringen würde. Das schönste an ihm, war seine große Blässe, welche sich bis zu den Ohren erstreckte. Diesmal griff Aimé zu und Shadow, welcher gerade aus dem Hauptstall zurückkehrte, folgte ihm zum Hengststall. Auf das letzte Pferd freute ich mich besonders. Seine Ankunft war gut geplant und durchdacht wurden, denn es würde ein Mustanghengst sein. Ich wurde nicht enttäuscht, als der Fahrer ein drittes Mal aus dem Hänger kam und diesmal ein geschecktes Pferd hinter sich her zog, welcher den Kopf in den Himmel streckte und sein neues Heim bewunderte. Morrigans Hidalgo hieß er und war ein hübscher Braunschecke. Ich hoffte, dass er vielleicht der erste Hengst in einer eventuellen Mustangzucht sein würde, denn das Potenzial hatte er.
      Nico wollte gerade Anstalten machen, dem Fahrer den Hengst abzunehmen, doch ich war schneller bei ihm und griff nach dem Strick. Hidalgo schien alle Versprechen zu erfüllen. Man merkte ihm die Sturheit eines Mustangs an und genau das brauchte ich. Ein Pferd mit den Genen der Vorfahren. Ich dankte dem Fahrer und drückte ihm etwas Geld in die Hand, dass unsere neuen Pferde die weite Reise so gut überstanden hatten. Das restliche Geld würde heute Abend noch auf seinem Konto landen. Aufgeregt trippelte der Hengst neben mir her, als ich ihn hinter dem Hauptstall entlang zum Hengststall führte. Die letzte Box würde nun belegt sein, auch wenn die Pferde wohl zu wärmeren Zeiten ganztägig auf ihren Koppeln stehen werden. Shadow und Aimé schlossen gerade die Tür zu dem neuen Isländer, Leiðtogi hieß er, als ich mit Hidalgo den Stall betrat. Hilfsbereit öffnete mir Aimé die Tür der letzten Box, in welche ich meinen Hengst führte.
      In der Box neben ihm stürzte sich bereits Togi, wie wir ihn wohl nennen würden, auf sein Willkommensmenü, welches auch Hidalgo bekommen hatte.
      »Guten Appetit euch!« sagte ich noch zu den beiden, bevor ich mit den anderen den Stall wieder verließ. Immerhin wollte ich ja auch nochmal nach Scarlett schauen, ob sie den Umzug genau zu entspannt hingenommen hatte.
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  • Album:
    Tyrifjord Ranch
    Hochgeladen von:
    Canyon
    Datum:
    8 Aug. 2017
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    GH's Acapulco Gold
    (Coco)


    Abstammung
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯

    Von Anduril (Quarter Horse x Mustang)
    Von unbekannt Aus der unbekannt

    Aus der Royal Fairy (American Saddlebred)
    Von Fairy King Aus der Royal Mixx Elaysa


    Exterieur
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    Hengst
    *2006
    (12 Jahre)
    Mix | 159cm
    dappled silver dark bay with a half blanket
    x

    Interieur
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯

    x | x | x
    Coco ist ein ruhiger und ausgeglichener Hengst. Er ist sehr geduldig, lernfähig und nimmt einem so schnell nichts übel. Er hat viel Potenzial und eine besondere Scheckung, was ihn zu einem Blickfang auf jedem Turnier macht. Coco verträgt sich ohne größere Probleme auch mit anderen Hengsten, jedoch muss immer geklärt sein, wer der Chef ist. Auf Stuten in seiner Nähe hat er immer ein Auge, bleibt aber ruhig und entspannt und ist auch, auch wenn Damen dabei sind, gefahrlos im Gelände zu reiten. Obwohl Coco ein Hengst ist, zeigt er nicht viele Hengstmanieren und ist so auch für Anfänger
    geeignet. Jedoch hat Coco etwas Probleme mit kleinen Hunden, was sehr verwunderlich ist.

    Besitzer: Canyon & Zion (Vuyo Ndour)
    VKR/Ersteller: verfallen/Mohikanerin
    im Besitz seit: 5. April 2017
    Kaufpreis: x


    Qualifizierungen
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    Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential

    Dressur E A L M S S* S**

    Western E A L M S S* S**

    Springen E A L M

    Distanz E A L M S


    Erfolge
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯

    Fohlen ABC | Eingeritten | Eingefahren x

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    222. Westernturnier | 226. Westernturnier | 308. Westernturnier | 227. Distanzturnier | 314. Westernturnier | 326. Fahrturnier | 355. Militaryturnier


    Zucht
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯

    Schleife
    HK/SK

    Abstammung: 2
    Schleifen: 7
    HS: 0
    TA: 0
    Trainer: 2
    Zubehör: 2
    Gesamt: 13

    Gencode: x
    Zur Zucht zugelassen: Nein
    Eingetragene Zucht: Tyrifjord Ranch

    Nachkommen
    -


    Gesundheit
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯

    Letzter Tierarztbesuch: unbekannt
    Gesamteindruck:
    Aktue Krankheit/en:
    Chronische Krankheit/en:
    Erbkrankheit/en:

    Letzter Hufschmiedbesuch: unbekannt
    Hufbeschaffenheit:
    Hufkrankheit/en:
    Beschlag vorne:
    Beschlag hinten:


    Zubehör
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯

    PNG | Puzzle PNG | offizieller HG