Ein Tag mit Joys Pferden
An einem kalten Freitagmorgen machte ich mich auf den Weg zu Joyfuls kleinen aber feinen Hof. Sie hatte mich per Telefon gebeten, nach ihren Pferden zu sehen. Wie immer hatte ich eingestimmt und merkte mir, was ich alles beachten müsste. Mit Alors On Chante, einer absoluten Traumstute, durfte ich Springen. Valentines Cantastor, einem frechen Nachwuchspferd, sollte ich lediglich putzen. Als drittes und letztes Pferd würde ich mit Chardonnay spazieren gehen. Auf ihn war ich besonders gespannt. Es hatte mich zutiefst berührt, als Joy mir erzählt hatte, was er in seiner Vergangenheit schreckliches durchmachen musste.
Mit einem Kopfschütteln wachte ich aus meinen Gedanken aus. Ich setzte den Blinker und bog rechts ab. Bald erreichte ich die Einfahrt des Hofes. Als mein Auto stand, stieg ich erwartungsvoll aus ihm hinaus und ging zügig zu den Stallungen. Es wirkte hier alles sehr gepflegt, artgerecht und entspannend ruhig. Als erstes ging ich zu Chante, welcher ich das Halfter überzog und aus der Box führte. Mit aufgerissenen Augen ging sie neben mir her zum Anbindeplatz. Geschickt machte ich den Knoten und flitzte in die Sattelkammer, wo ich mir sämtliche Reitsachen borg. Zurück bei der Stute putzte ich gründlich ihr Fell. Ich fettete auch ihre Hufe ein, schliesslich war ich stets darauf bedacht, alles ja richtig zu machen. Als Chante beinahe völlig von Staub befreit war, legte ich ihr vorsichtig den Sattel auf und trenste sie. Zuvor zog ich mir aber Helm und Stiefel an. Mit Herzklopfen führte ich die temperamentvolle Stute auf den Springplatz, wo auch schon ein recht einfacher A-Parcour aufgebaut war. Ich stellte die Steigbügel in die richtige Länge und schwang mich in den Sattel. Im zügigen Schritt wärmten wir uns erstmal 10 Minuten auf. Dann trabte ich sie an und ritt sie erstmal V/A. Sie schien auch talentiert in der Dressur zu sein, denn sie hatte gute Manieren und keinen schlechten Gang. Ich ritt viele Zirkel um die Hannoveranerstute zu gymnastizieren. Bald gab ich ihr auch schon die Hilfen für den Galopp. Ohne zu zögern sprang sie in die Gangart und blieb auch in der Anlehnung.Fein gemacht, lobte ich sie.
Als mein Gefühl sagte, sie wäre jetzt bereit für das eigentliche Springtraining, wies ich sie über 4 Trabstangen, über die sie ohne zu Schleifen trabte. Auch von der anderen Hand absolvierte sie die kleine Aufgabe mit Bravour. Daher wagte ich mich auch gleich schon an einen kleinen Steil. Sie sprang etwas zu früh ab, aber schon beim zweiten Versuch hatte ich kaum mehr etwas auszusetzen. Bei einem etwas höheren Steilsprung, etwa in E-Höhe, verliess sie kurz der Mut, erst raste sie los, dann bremste sie plötzlich wieder, aber Springen tat sie trotzdem. Von nun an versuchte ich ihr mehr Sicherheit zu geben und sie gleichzeitig zu beruhigen. Das klappte auch sehr gut, obwohl sie schon sehr aufgeheizt auf mich reagierte. Dies hatte mir aber Joy am Telefon gesagt, weswegen ich ohne grosse Sorgen auch einen A-Parcour mit ihr sprang. Nach der Arbeit schien Chante viel ausgeglichener und zufriedener. Im Stall legte ich ihr die Abschwitzdecke über und brachte sie in ihre Box.
Dann holte ich Cantastor aus der Box. Er wirkte irgendwie selbstsicherer und vor allem selbstüberzeugt. Er stolzierte wie ein kleiner Meister neben mir her und liess sich äusserst gerne verwöhnen. Du kleiner Lausebub, lachte ich ihn an und kraulte seine Stirn. Nach ein paar Sekunden griff ich dann aber zu einem Federstriegel Der Kleine hatte sich anständig in den Dreck eingesult! Als er klumpenfrei war, begann ich mit immer feineren Bürsten zu putzen, bis er schliesslich total poliert war. Ich kratzte ihm rasch die Hufe aus, bürstete seine Mähne und stellte ihn dann wieder zurück in die Box.
Chardonnay, armes armes Pferd, dachte ich mir seufzend und streichelte den Hengst vorsichtig. Er war so anders, so enttäuscht. Hier hast du es gut, du Toller, versuchte ich ihn zu trösten, was natürlich schwachsinnig war. Wir schlenderten gerade einen Feldweg entlang. Der Wind blies jetzt ziemlich stark, er schien Chardonnay Angst einzujagen. Mit einer beruhigenden Geste mit der Hand versuchte ich ihn zu besänftigen, was halbwegs gelang.Guter Bursche, das machst du ganz fein...,murmelte ich mit einer Spur Sorge in der Stimme. Viel passieren könnte nicht, ich hielt das Führseil fest in der Hand und Manieren schien der nervöse Hengst neben mir eigentlich auch zu haben. Zum Glück war bald auch wieder Ruhe und ich konnte wieder ausatmen. Wir bogen auf einen Grasweg ab, wo ich ihn auch manchmal kurz Gras knabbern liess. Immer wieder lobte ich ihn um Vertrauen aufzubauen und er schien es auch zu fassen. Ich lächelte, zuckte fein am Strick und wir gingen weiter.
Nach einer guten halben Stunde, war ich langsam echt ausser Puste. Gehen konnte ich gar nicht, da hatte ich wirklich wenig Kondition. So traten wir langsam den Heimweg an. Zu Hause angekommen putzte ich ihn, aber das ging nicht sonderlich lange, denn er war eigentlich schon sauber. Da ich aber trotzdem was machen wollte, sprühte ich sein Langhaar noch mit Glanzspray leicht feucht. Dann kam der Grosse auch in seine gute Stube.
Zum Abschied gab ich allen dreien noch ein Küsschen und eine Karotte, bevor ich mich erschöpft in mein Auto setzte.
4416 Zeichen ohne Leerzeichen | By Carisi